Ausgabe 
(22.10.1943) 292
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Bremens (beeren S/8. SlM LIVS1. ^ta-trul L. sonntaff» 2 47 N: Obernstr. 83 Vu» 2 18 81; Eqke: Müülendamm 2: Vr «Aemelwffen: vobn» hofstrafte S. ES» VostNrotze. Ruf 434 kS; Vr.» Ve-»laS' Vabrstr -4 Vvf 4 » 8- Vr -Vsoineir» tHal: Kapt »Dallmonn-Slr. 41/43. Vvl 38 v. 83

parleiamtlictie Layeszettung

vas flmtsdlatt des legierenden Vürgermeisters der Zielen fjansestadr vremen

der Nationalsozialisten. IZremens

flmtliches verkünüungsblatt ves Neichsstaktstalters in Oldenburg und Vremen

Nr. 292 , 1Z. Zaiirgang

Freitag, 22. Oktober 194Z

kinzelpreis 15 Nps.

kstkinierl singstsäslter Verrsl na ck rvsl Seilen

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Berlin, ri. Oktober. Der „Völkische Be­uchter" veröffentlicht aus Auszeichnungen »es Oberkommandos der Wehrmacht die Ee- Wchte des Verrats des Hanfes Savoyen und l,r Badoglio-Clique an Deutschland. Gleich­zeitig werden die Machenschaften dieser Ber­iet« entlarvt, die dahin gingen, sich zur Leitung ihrer eigenen Interessen nach der teutschen Seite hin zu sichern.

Der „V. B." schreibt: „Die nunmehr auch iutzerlich durch die „Kriegserklärung" der Jedoglio-Deserteur« an das Erohdeutsche ^eich vollendete Berräterei ist der geeignete Zeitpunkt, um die Geschichte dieses Verrates iu seiner Gesamtheit und in seinen Einzel- teiten zu enthüllen. Aus den Auszeichnun- zeu, Aktenunterlagen und Tagebuchnotizen, die darüber vorliegen, ergibt sich ein zusam- «ttMngendes Bild von geradezu erschüttern­der Dramatik dieses ungeheuerlichsten Treue- iruchs, der jemals an einem Volk und seinem Verbündeten begangen wurde.

Als am 2S. Juli 1843 der Duce durch den hochverräterischen Anschlag des Hauses Sa- ooyen mit König Viktor Emanuel und dem Kronprinzen Umberto an der Spitze hinter­listig überfallen und seiner Freiheit beraubt mrde, da war es der deutschen Führung bereits klar, dah die italienische Hofgesell­schaft und ihre feige Eeneralsclique nicht nur den Faschismus beseitigen wollten, sondern sich nach alter slavonischer Tradition wieder einmal im letzten Augenblick auf die Seite des vermeintlichen Siegers zu werfen gedach­ten, wenn sie auch dabei Ehre und Ansehen der Nation in den Schmutz traten.

Sosnmms rviscdsn kssrbismllg mlä MllLrcliyug

Die Spannung, die zwischen dem Faschis­mus und einem Teil der Führung der ita- üenischen Wehrmacht bestärk, war für viel«, di« die Lage in Italien zu beurteilen hat­ten, seit langem ein feststehender Begriff, ks war auch kein Geheimnis, daß das ita­lienische Königshaus diese Spannung be-

18 Isrrorüusrsuss vsrnicktst

U-Boote versenkten 54 000 BRT.

ilusdem Führerhäuptquartier, !l. Oktober. Das Oberkommando der Wehr- incht gibt bekannt: „Im Einbruchsraum

südöstlich Krementschug führten die Zowjcts gestern vorübergehend nur örtliche Angriffe, mit denen sie die Einbruchsstelle »ach den Seiten zu erweitern versuchten. In stellenweise erbitterte» Kämpfe» wurden diese Angriffe abgewiesen. An der Front zwischen Kiew und Tschernigow setzte der Feind leine starken, mit jeweils mehrere» Divi­sionen unternommenen Durchbruchsversuche lort. Während nördlich Kiew alle Angriffe blutig scheiterten, find die Kämpfe nordwest­lich Tschernigow noch im Gange. Von der übrigen Ostfront werden nur aus den Ab­schnitte» von Melitopol, Eomek und südwestlich Welikije-Luki lebhaftere örtliche Kämpfe gemeldet. Nördlich Kiew irichnete sich die Kampfgruppe der 323. In­fanteriedivision unter Oberst Latz durch bttvorragende Haltung und Kampflerstungen in Angriff und Abwehr besonders aus.

An der süditalienische« Front kam « gestern zu keinen gröheren Kampfhand­lungen. Feindliche Vorstöhc bei Campobasso »n dan der Küstenstratze nordwestlich Ter- »>oli wurden abgewiesen. Feindlich« Flug- Mge drangen im gestrigen Tage sowie in b» vergangenen Nacht unter Wolkenschutz in bar Reichsgebiet ein und warfen Bom­ben auf einige Orte, darunter kleine Land- lenieinden. Es entstanden geringe Personen- «rluste und Eebäudeschädcn. Luftverteidi- gnngskräste brachten 18 viermotorige britisch- uardamerikanische Bomber und zwei Jäger i«« Absturz.

Ii« deutsche Luftwaffe führte in Nacht zum 21. Oktober eine» star­tn Angriff gegen das Hasengebiet von »ull und belegte auherdem Einzelziele ^ Stadtgebiet von London und an der "»englischen Küste mit Bomben. Ein dent- Hes Flugzeug ging verloren. — Deutsche Unterseeboote versenkten aus dem snitlsch-ngrdamerikanischen Nachschubverkehr Mittelmeer sieben Schiffe mit 54 808 MT. und beschädigten ein weiteres durch "rpedotreffer schwer."

ksicjisnlsrAckr^ sn tiovotnv

^"lin, 21. Oktober. Der Reichsmarschall -'"dre anläßlich der Verleihung des Eichen- l?u°s mit Schwertern und Brillanten an ?unvtmann Walter Nowotny. Eruppen- ^snmandeur in einem Jagdgeschwader und in 250 Luftkämpfen, folgendes Sluck-

°°-»>chtelegramm:

^. Lieber Nowotny! Sie haben in einem n!ig°slauf ohnegleichen Kampserfolge er- M°n. wie kein Jagdflieger vor Ihnen.

der Verleihung der Brillanten zum j- lhenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz ^.Cil-rnen Kreuzes hat Ihr heldenhafter M in vielen hundert Luftkämpfen i.,Ale Anerkennung durch den Führer ge- ^,ude». Pgg Stolz beglückwünsche ich sie. > "g langer Kamerad' zu dieser nur den -.»»'ersten der Tapferen bestimmten Aus- ..Mung, Miz meiner Luftwaffe sieht in das ganze deutsch« Volk das stolze "'ft fanatischen Siegeswillens:"

wugt förderte. Die Opposition des Königs- haipses und der reaktionären Kreise, die sich nor allem den sozialen Tendenzen des Fa­schismus entgegenstellten, begann schon un­mittelbar nach der Machtübernahme des Faschismus. Immerhin hielt sie sich so lange im Verborgenen, als das geeinte Italien zu Größe und Ansehen emporstieg. Daß sie in der Stunde der schwersten nationalen Ge­fahr dem Mann, dem dieser Aufstieg zu ver­danken ist, in den Rücken fiel, um die Exi­stenz ihres Volkes gegen den eigenen Vor­teil auszuspielen, prägt ihrem verbrecheri­schen Tun für alle Zeiten den Stempel un­auslöschlicher Schande auf.

Ms VsrrStsrrolls Srsaäk uns Lsäoglios

Schon bei Ausbruch dieses Krieges war den dynastisch-reaktionären Kreisen klar ge­worden, daß der Duce dem gegebenen Wort die Treue halten werde. Deshalb sollte er beseitigt werden. Ja, es wurde sogar in die­sem Kreis damals schon von der Nachfolger­schaft gesprochen und der Name Grandi genannt. Es ist derselbe Dino Grandi, der sich dann auch tatsächlich zum Werkzeug des

Verrates am Duce mißbrauchen ließ. Nach dem Eintritt Italiens in den Krieg lebte die unterirdische Wühlarbeit der Opposition ge­gen den Duce und seine Achsenpolitik mit verstärkten Kräften auf.

Am 4. April 1941 tauchte ein weiterer Name bei einer bemerkenswerten Begeben­heit auf. Es ist der Name Badoglio, Hessen Sohn als italienischer Generalkonsul in Tanger bei einer Veranstaltung von dem englischen Generalkonsul mit „teurer Kol­lege" angeredet wurde und mit den Vertre­tern des Landes, mit dem Italien in einem Krieg auf Gedeih und Verderb liegt, ebenso wie der italienische Militärattache Vinci- auerra einen Händedruck austauschte. Im Oktober des gleichen Jahres bezeichnete der italienische Marineattachs in Budapest, Ka­pitänleutnant Graf Ponza di sän Artino, das Bündnis zwischen Deutschland und Ita­lien als unnatürlich und erklärte: „Wir werden uns sehr bald mit den Engländern gegen Deutschland wenden."

Im Januar 1943 wurde Generaloberst Tavallero, der Ehef des Generalstabes bei italienischen Wehrmacht, durch den Chef des Eeneralstabes des Heeres, General Ambrosia, ersetzt, der Antifaschist war und zur Hof­

kamarilla gehörte. Damit war an die Spitze der italienischen Wehrmacht ein Mann ge­treten, der die Zersetzungsarbeit in der ita­lienischen Wehrmacht nicht nur duldete, son­dern ihr sogar Vorschub leistete. Auch er ge­hörte zu jenem korrupten Teil der italieni­schen Generalität. der sich niemals damit abfinden konnte, daß der Faschismus das Salonsoldatentum der Vergangenheit in ein opfervolles Frontsoldatentum umzuwandeln bestrebt war. Vielleicht hätte die Tatsache, daß ein Mann wie Ambrosia an die Spitze der italienischen Wehrmacht berufen wurde und damit seine Gesinnungsgenossen an die wichtigen Stellen setzen konnte, wie es auch geschehen ist, noch nicht einmal, ausgereicht, um die Wehrmacht in die Hand der Ver­räter zu bringen, wenn ihnen nicht der Umstand zustatten gekommen wäre. daß zwischen dem Offizierkorps und den Soldaten eine tiefe Kluft aufgerissen war, die der Faschismus nicht zu überbrücken vermocht hatte.

Lksrsklsrislik äsn UsUsnisülsa SolüLtsn

Der italienische Soldat ist anspruchslos und bescheiden, leicht zu begeistern, willig und

8edI8ge gegen äsn kemänsckscliub

Onrsrs Ontsrrssboots vsrssniftsn uvisc/sr Z400O im ^s,'tts/mss5

Von Unrills-Lrlsssberlvkter vr. Lsnn» 8 . Lsinlisrät

Berlin, 21. Oktober. „Das schwierigste Ge­wässer "der ganzen Welt, was U-Boot-Opera- tionen angeht", so hat nach einer Mitteilung des Ersten Lords der britischen Admiralität, Admiral Sir Andrew Lünningham, der in­zwischen Erster Seelord geworden ist, das Mittelmeer charakterisiert. Das geschah kei­neswegs, um den zähen Kamps der deut­schen U-Boote anzuerkennen, sondern um die Leistung der britischen U-Boote zwischen Nordafrika und den italienischen Nachschub­häfen zu würdigen und ihre damals einge­tretenen schweren Verluste — Cunningham gestand damals nicht weniger als 41 verlo­rene Boote ein — zu rechtfertigen. Jeder deutsche U-Boot-Mann, der im Mittelmeer gefahren ist, wird dieser Charakterisierung nur zustimmen. Das Mittelmeer ist durch die Klarheit seines Wassers und durch be­sondere Gesetze der Schallübertragung unter Wasser in der Tat für die U-Voot-Krieg« fllhkung besonders schwierig und stellt des­

halb noch höhere Anforderungen an Boot und Besatzung als andere Meere.

Als weiteres, die Tätigkeit der U-Voote erschwerendes Moment kommt hinzu, Laß naturgemäß in engen Seegübieten, Las heißt in küstennahen Gewässern, die Usbsrwachnng der See aus der Luft intensiver ist und da­mit das U-Boot zu längeren Unterwasser­fahrten gezwungen wird, s» daß die jetzt ge­meldeten Erfolge unserer Mittelmeer-U-Boote besonders hervorgehoben zu werden verdie­nen. Ihre Anwesenheit zwingt den Feind auch heute noch, wo ihm die ganze Küste No-rd- afrikas ostwärts Marokko, Sardinien und Korsika, die Inseln in der Sizilien^Enge, Si­zilien selbst und die italienischen Festland- küsten von Calabrien bis Capri und von Bari bis Termoli als Basis zur Verfügung stehen, seinen Nachschub unter Geleit zu neh­men und mit einer starken Sicherung von Sesstreitkräften und Flugzeugen zu umgeben.

Die hauptsächlichen Geleitwege -des Fein­des laufen nach wie vor von Gibraltar nach den Häfen der nordafrikanischen Küste, nach

Oran, Algier und Brzerta, von den Häfen in 'Tunis und Algier nach Sizilien, und von den sizilianifchen Nachschubbasen nach den Ausladehäfen der auf dem italienischen Festland kämpfenden Front. Vor Monats­frist hatten unsere U-Boot ostwärts von Gibraltar ein Geleit gefaßt, vor Salerno hatten sie gegen die von zahllosen kleinen und schnellen Fahrzeugen gesicherten Kriegs- und Transportschiffe der Landungsflotte operiert, und setzt trafen ihre Torpedos wie­der den Rachschübverkehr des Gegners, rissen Schiffe, Seeleute und Ladungen in di« Tiefe und vernichteten in stiebender Detonation menschliche und materielle Kampfkraft des Feindes.

Damit haben sich die Boote auch in diesem schwierigsten aller Operationsgebiete gegen die starke feindliche Abwehr durchgesetzt und den technischen Mitteln der Sicherung die UebcrlegeNheit ihres Kampfgeistes, die Güte ihrer Waffen und das hohe taktische Kön­nen ihrer Kommandanten entgegengestellt. *

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Berlin, 21. Oktober. Der Führer hat dem General der Flieger Wolfs, Kom­mandierendem General und Befehlshaber in einem Lnstgau, das Ritterkreuz des Kriegsoerdienstkreuzes verliehe». General Wolfs hat sich große Verdienste um die Luft­verteidigung in seinem Befehlsbereich er­worben.

Als Sohn eines Rentamtmannes am 31. August 1886 in Schlettstedt geboren, begann General der Flieger Ludwig Wolfs fein« militärische Laufbahn im Mai 1904 als Fahnenjunker im Infanterie-Regiment 171, in dessen Reihen er als Kompanieführer und Regimentsadjutant in den beiden ersten Weltkriegsjahren in West und Ost kämpfte. Dann in den Generalstab versetzt, wurde er im Sommer 1917 nach der Türkei komman­diert als Major zum 1: Eeneralstabsoffizier der türkischen 8. Armee in Palästina er­nannt und durch Verleihung der türkischen

Silbernen Liakat-Medaille sowie des Hohen- zollernschen Hausordens mit Schwertern ausgezeichnet. Im letzten Kriegsjahr war er als Generalstabsoffizker wieder an der West­front eingesetzt.

In der Reichswehr tat er abwechselnd im Eeneralstab und bei der Truppe Dienst. Als Chef des Stabes des Luftkreiskommandos V in München kam er zur Luftwaffe, wurde am 1. August 1937 zum Generalmajor beför­dert und ivar Vertreter des Luftkreisbefehls- babers General Sperr!« während dessen Kommandierung nach Spanien als Befehls­haber der Legion Condor. Im Herbst 1937 zum Höheren Fliegerkommawdeur V bzw. zum Kommandeur einer Flieger-Diviston ernannt, wurde General Wolfs am 1. Fe­bruar 1939 Kommandierender General und Befehlshaber im Luftgau XI in Ham­burg. Am 1. August 1939 erfolgte die Be­förderung zum Generalleutnant und am 1. Februar 1941 zum General der Flieger.

Mit der rm OKLsZ.-Vericht vom 21. Oktober gemeldeten neuerlichen Ausschaltung von sie­ben feindlichen Frachtern mit 84 099 VRT. haben unsere U-Boote bereits den vierten Kampserfolg in diesem Monat erzielt. Am 5. Oktober wurde die Versenkung von sieben Schiffen mit 59 009 DRT. gemeldet, am 11. Oktober die Versenkung von acht Schiffen mit 49 200 VRT. und am 15. Oktober die Vernichtung von elf Frachtern mit 74 900 VRT., insgesamt also bei vier Schlägen 33 Schiffe mit 227 900 VRT. Zumeist sind diese Kampferfolge im Mittelmeer erzielt worden, wo auch deutsche Sturzkampfflieger in diesem Monat ein« ganze Reihe von feindlichen Kriegsfahrzeugen bombardiert oder versenkt haben. Bomben haben sechs Kreuzer abbe­kommen. Dann ist «in großes feindliches Kriegsschiff getroffen worden. Außerdem wur­den verschiedene Zerstörer beschädigt, ferner noch eine Reihe von anderen Krregssährzeu- gen. Einen imposanten Erfolg konnte die Luftwaffe vor der nordafrikaniichen Küste er­zielen, wo sie in pausenlosen Angriffen 18 Transporter mit 130 999 BRT. zusammen­schlug. Ein Teil dieser Schiffe ist vernichtet worden.

unter entschlossener Führung auch tapfer, wie es einzelne Divisionen bei den Kämpfen ge­gen den gemeinsamen Feind bewiesen haben. Ueberall, wo sie in deutsche Verbände einge­gliedert waren oder unter deutscher Führung kämpften, zeigten sie vielfach gute, ja ausge- zeichnete soldatische Leistungen, gaben sie zahl­reiche Beweise wirklicher Tapferkeit. Der ita­lienische Soldat litt selbst am meisten unter der uninteressierten und antifaschistischen Führung durch seine Offiziere, die sich kaum um sein Wohl und Wehe kümmerten, sondern Verantwortungsscheu, unentschlossen und ohne Energie ausschließlich auf das eigene Wohl­ergehen und die eigeste Sicherheit bedacht waren.

So kämpften diese Offiziere, nicht angerührt vom Hauche der faschistischen Erncuerungsbe- wegung und ihren Idealen, nur mit halbem Herzen, verließen sich strategisch, technisch, wirtschaftlich und moralisch völlig auf den Verbündeten, und ihre ständige Redensart war: „Die Deutschen werden es schon schaf­fen". Aus diesem Versagen der Führung her­aus muß auch das vielfache Versagen der italienischen Truppen verstanden werden, das den Verrätern ihr Spiel so erleichtert hat.

Ms äeulscke küliruag lisü s!«L nickt lLullcksa

Aus den Akten des Oberkommandos der Wehrmacht und aus den sorgfältigen Auf­zeichnungen in den Tagebüchern geht die fast atemberaubende Entwicklung dieses systema­tischen Verrats hervor, der bis in die klein­sten Einzelheiten vorbereitet und gewollt war. Sie vermitteln aber auch die Erkennt­nis, daß die zahlreichen Symptome dieses Treubruches der deutschen Kriegführung nicht verborgen geblieben sind. die mit bewunde­rungswürdiger Kühle und Sachlichkeit die gegebenen Konsequenzen zog. ohne sich durch scheinheilige Versprechungen, Schwüre und Ehrenwörter beirren zu lassen.

Wie sie zweieinhalb Jahr« lang mit Rück­sicht auf die eigenen nationalen Interessen über Schwäche und Schuld des Verbündeten geschwiegen hatte, so -machte sie zu dem von ihr durchschauten verräterischen Doppelspiel gute Miene. Die deutsche Führung schlug erst zu, als sich die Verräter ihres gelungenen Schurkenstreichs freuen zu können glaubten. Dann allerdings mit einer blitzartigen Wucht und Härte, die das in Monaten und Jahren gesponnene Netz des Verrats in zweimal 24 Stunden zerriß. Die Briten und Amerikaner aber, die mit Hilfe ehrloser Verräter, die sie verachten^ zu einem billigen Triumph zu kom­men hofften, haben in derselben knappen Zeitspanne einsehen müssen, daß ihnen die Früchte des Verrats aus der Hand geschla­gen wurden.

An Hand der dokumentarischen Unterlagen des OKA?., die erkennen lassen, wie sich aus vielen sch«inbar unwesentlichen Anzeichen allmählich der Hintergrund des verbreche­rischen Treibens aufhellte, und die die Ur­heber des zwiefachen Verrates in das Licht rücken, bringen wir in folgendem die Ge­schichte dieses beispiellosen Treubruches in einer zusammenhängenden Darstellung.

vsr Vorrat sn Kroatien

Mit dem Sturz des Generalstabschefs der italienischen Wehrmacht, des Generalobersten Grafen Cavallero, in den ersten Februar­tagen des Jahres 1943, trat zum ersten Male jene Kamarilla offen in Erscheinung, die, hinter den Falten des Königsmantels ver­borgen, nicht allein gegen den Faschismus, sondern auch gegen das Bündnis mit dem Deutschen Reich agitierte. Der Mann, der an Cavalleros Stelle trat. war hierfür der schlagende Beweis: General Ambrosia, ein willfähriges Werkzeug der königlichen Ver­räter. Er war bisher Thef des Eeneral- (Fortsetzung aus Seite L)

klsmmelläe Anbisse gegen driliecde SIutecliM

O/s t.orc /5 unci c/is ^iungstsnot in /nc/isn — l.isbsr <7ko/sro o/r /^ungsrtoc/ — /?oubmötc/st o/§ ongsmokts ^tsnrc/iiisitL-^sisrioncits

riLt unserer Berliner Schriftleitung L. Berlin, 21. Oktober. 2m eng- »berhaus hat eine Debatte über dre rtastrophe in Indien stattgefunden, e daß di« Lords es wollten und erkten zu einer flammenden An- len die unheimliche Blutschuld Eng- 'worden ist. Hinter einer widerlich iqen Tarnung nehmen es die Brl- nntlich seit Jahrhunderten zur sich euch daß ihr Imperialismus nicht Willen zu ausbeuterijcher llnter- anqetrieben werde, sondern daraus mde Völker zu erziehen, ihr wirt- !s und sittliches Niveau zu heben zu den Segnungen der ,,christlichen tie" allmählich hinzuzuhren. Wenn dwo genügend Zeit gehabt hatten, e angeblichen Absichten zu verw.rk- > wäre das in Jnd-cnderFallg«- Zenn es ihnen tatn-chlich mit "hini

,ft scheinheiligen Phrasen ernst ge^

tre dann brauchte, das lndilcheBolk bt unter der graglrchen Katastrophe i vor der man selbst >m englischen mde die Augen nicht mehr zu ver

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iäkt" so sagt« rm Laus« der Ober- R einer der Lords und begründete

das im Hinblick auf Indien insbesondere da­mit, daß Indien ein Lebensmittelselbstver- sorgerland sei. In dieser Feststellung ist ein­geschlossen. daß die heutige Hungersnot eine Folge einzig der britischen Verwaltung und der räuberischen Erpressung darstellt. Sicher­lich bemühten sich die Lords, die entsetzlichen Tatsachen noch so weit als möglich gemildert darzustellen, aber sie mußten doch selbst von „furchtbaren Tatsachen" sprechen. „Ich möchte nicht mehr", so führte der Carl of Huntingdon aus, „von diesen schrecklichen Ziffern nennen, die, wie ich glaube, bereits genügen, um die furchtbaren Nachrichten über die Hungersnot und das Elend zu bestätigen, die jetzt aus Indien, vor allem aus Bengalen, kommen." Huntingdon nannte dann eine ganze Anzahl von Fällen und erwähnte nach dem Bericht von Reuter „traurige Geschichten" von Pa­tienten. die nicht wünschten, daß man sie von der Cholera heile, weil ihnen dann nichts anderes als ein langsamer Hungertod übrig­bliebe. „Aber auch ohne dies wäre die Zahl an sich ausreichend, um zu zeigen, wie grauen­voll die Verhältnisse in Indien heute sein müssen." Geradezu fassungslos aber fühlt man sich gegenüber diesem Geständnis Hun- tingdons: ..Es leuchtet ein, daß eine Nation, die in ihrer Armut so weit heruntergekom­

men ist, daß sie Kuhdung als Vrennstofs be­nutzen muß. statt ihn für die Feldbestellung zu verwenden, auf dem Wege zum Massen- selbstmord ziemlich weit vorgeschritten ist."

Aber wer hat denn um alles in der Welt die Schuld daran, daß ein so reiches Selbst- versorgervolk von fast vierhundert Millionen Menschen zum Mafsenselbstmord getrieben wird? Das ist doch einzig das Ergebnis einer jahrhundertelangen Verwaltung, will sagen der räuberischen Erpressung durch die Bri­ten, die sie als kulturelle und wirtschaftliche Erziehungsarbeit tarnen wollten. Hunting­don selbst muß zugeben, daß die Entwicklung zur Katastrophe auf das völlige Versagen der britischen Zentralregierung Indiens zu­rückzuführen ist, der „die Dinge vollkommen aus der Hand geglitten sind." Die Entschul­digung, daß die Zentralregierung sich nicht in die Befugnisse der Piovinzialregierung habe einmischen können, ist gar zu faden­scheinig. Im Verlauf der Oberhausdebatte wurde mehrfach festgestellt, daß die Befug­nisse der Zentralregrerung „gewaltig groß" seien und daß sie in anderen Fällen — wo es sich nämlich um ganz egoistisch imperiali-. stische englische Interessen handelte — „in höchst energischer Weise ihre Befugnisse aus­übte und noch vor kurzem dabei alles beiseit« schob."

Nach einem Stockholmer Bericht aus Lon­don rechnet man dort damit, daß die Hun­gersnot in Bengalen noch weit mehr Opfer erfordern werde als die bisher schlimmste Hungersnot des Jahres 1876. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß Hunger und Not der britischen Herrschaft selbst in den reichsten Gebieten der Erde folgen, so muß er nach dieser Oberhaus- debatte als erbracht gelten. Nachdem Lord Hailey viele Worte zür Verteidigung der englischen Regierung gesprochen hatte, ant­wortete ihm Lord Strabolgi ironisch: „Ich habe niemals zuvor eine so meisterhafte Ver­teidigung und niemals so kompetente Gründe gehört, aus denen heraus nichts unternommen werden konnte."

Es wäre ein kindischer Irrtum und eine vollkommene Verkennung der britischen Plu« tokratenseele, wollte man annehmen, daß das Drängen der Ankläger im Ober­haus nach entscheidenden Abhilfemaßnahmen irgend etwas mit Gesichtspunkten der Mensch­lichkeit zu tun hätte. Zwar lassen die Lords gewohnheitsmäßig die bekannten humani­tären Phrasen in ihre Darlegungen einflie- ßen, aber an den entscheidenden Stellen kön­nen sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube

(Fortsetzung auf Seite 2)