Ausgabe 
(2.10.1944) 265
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Bteimväeitung

teiamiliche Tageszeitung

des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

meiner ßladjciditcit

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Ruf 88 und

der Nationalsozialisten Bremens’

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen

14. fahr gang

Montag, 2. Oktober 1944

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Es handelt sich allein um den Sieg!

Gauleiter Wegenet sprach am Erntedanktag — Rechenschaftsbericht des LandesbauernführersJ

Weser-Ems tat seine Pflicht

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beim v, alterin t. 50 - unter R nelingen.

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MW-J-z.Füiu , T i n nen, 1- Okt. Am sechsten Kriegs- , foRmLnktag wehten die Fahnen des-natio- • bauen] t Jistischen Reiches über dem Kreis b - unt. S y rriBem Grenzkreis des Gaues Weser- ihr-desHäu 'lausende von Bauern, Arbeitern und ^ Dame. Vor L« waren auf dem Marktplatz zum Ap- husselicorb 2 , " dem Gauleiter aufmarschiert. Die 'such^'r? rangen der nationalsozialistischen Be- exandersn! -5 und die Soldaten der deutschen : 1 , kl. Haush ?nnee standen in dichten Reihen zu- u, Molkenstr, -=2 mit der Bevölkerung. Gauleiter juleinalsH) rfffegener zeichnete in seiner An- '■ Haush. (i e den \y e g auf, den die nationalsozia- !b. m.An ga || ( ^ eBeW egung bis zum heutigen Tage 3 ez.CS E r sprach von den brennenden

amealsS gwartsaufgaben und sagte, daß der Gau .Lindenallee! »-Ems fest entschlossen sei, komme, was od. ält, Franä Fsanen wolle, auszuharren und stand- ührg. d. Han pn. „Wenn alle zusammenstehen, so sl - H «jstra : d ' e i fag kommen" — so rief der Qau- °- Wirts* ‘ _ r W0 w j r auc h bereit sein ■iV.er-

fngew“'^ .jedes Haus, jedes Dorf und jede Stadt Dresdens h ri- r Festung zu machen. Der Feind wird nge, Klotzsc >FuS nicht auf deutschen Boden setzen, ther-Str. U, iej verbissenen Widerstand eines jeden 50 J-, auch t< ' Een zu finden. So wie die Bewegung iau, von c t - ,j, der Kampfzeit marschiert sei, ohne

Ang Gfflii i ,fcMs oder nach links ZU schauen ’ s0 50 j Mf „ sdie Bewegung auch in den Zeiten der

Arbeiten erh bien Belastung nicht davon ablassen, j. Rob. fe wieder gegen die Lauen, Mißmutigen ’., Friesoythe |f M i e n Attacke zu reiten.

■ä la H dl \ Hi & istbeute wichtiger denn je", so sagte

rbeitMauf'i Cilleiter ' " had zu sein und auszuhalten - it. Frau Ar darf einer ganzen und einmaligen Kraft- t, p 0S ( syv, Ejimg, um dem Ansturm unserer Feinde . Jungen, ss tahalten. Nun soll niemand kommen rig. Ang. in sagen, er sei schwach oder müde. Es Ile Hemelir,} t s j c j, hier nicht um den einzelnen und Fübr ' d ' Hä ® (Wünsche, sondern einzig und allein über S 50J R <1™ Sieg zu erringen und damit die ig, unt. 0 iß We aller deutschen Generationen zu ohne Anhi fc*.Das sei der Sinn diesesKrie- enlos. Haush ind die Aufgabe der Stunde.

m i: Gauleiter dankte dann 1 den - Bauern ' . landwirten für. ihre Arbeit und rief sie

aA weiterhin alles daranzusetzen, um' die

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_ jj Vierten und damit dokumentierten, daß * Grenzkreis die Bevölkerung mit

fang zu sichern. W e s ^ r - E m s werde bisher, so auch in Zukunft sich in der (zum Führer und in seiner Pflichter- Bidurchniemand übertreffen

seiner Ansprache nahm der Gauleiter irbeimarsch der Soldaten, Bauern und 8er ab, die in langen Kolonnen vorbei-

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der Bauernkundgebung führte

Mauernführer Groeneveld

hä die Ernährungswirtschaft Wes, sowohl, was die Erzeugung als ■ Ablieferung angeht, ihr Bestes ge- _, ille ; desgleichen auch in der Waren- -1113111 «tag, Lagerung und gerechten Vertei-

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des Führers marschiert und

laicht leicht war im vorigen Jahr für - .. d * e Kartoffelfrage zu lösen. Die

qais IPäPIi F^ahme der Kohlrüben stellte die Be- * vor manche Futterschwierigkeiten.

, dlem aber haben wir es geschafft. Die .' äa uch starke Milchabliefe- i mit den sommerlichen Erzeugungs- ließen ebenfalls manche Transport- ^arbeitungsprobleme'.auftreten. Nichts ‘■s aber beirren können. Das Ergebnis me heutige Ernährung um’so ,' s 6sse z ist, als die Kriegser- 19 14 /18. Nur infolge vorsichti- weitschauender Planung ist es’ möglich gewesen, in schwierigen

—— zusätzliche Anforde- i„ U ^‘^digeni dies alles konnte der uernführer durch Beispiele, Be-

erhärten.

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K’if!* dabr e, schon seit drei Tagen °„‘ D un J a| !MV.i| a , usbru ch, seit dem 28. August »toi,J n , n die Bezugsscheinpflicht für’ -rArfl^ äl a!ler Art, untermauert

’ifniaM S !P 5 f-Ni„w ! eferun ^Pflicht der Landwirt- J r, l ßr ’otäfi > aiKH C J lts ' ste Bte der Landesbauern- 5# J tklich fest ' ha ‘ aa dem damals System im Grundsatz geän- ® brau chen. So wie wir ange-

uaipPf ' -iror t ntc: '' w ' r erfolgreich weiter- ^,nia ^ anci, mmer feiner haben wir das

B \,]nF 3 A 0, :W.,^ en können . so daß es, den fßunl^ i; sine ellu” , Ernten anaepaßt,

rnB0S' j3 ^ -»m as ‘^e und doch immer sta- E ä > ab ’ Nie hat bisher die Ernäh-

rasäM”? l f i 'i!nin!\ Haad .! un 9 sfr « i heit der oher- g beschränkt. An uns allen- liegt Das setzt

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8p“ 8 fÄ'leil5“ stand zu erhalten.

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b „J ndl ?keit in Transport und Ver-

p r -:“" u bei jedem Bauern und Wonj! 1 J er . des Gaues, höchste per'

e'serne Verbraucherdisziplin.

und

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W a i , Un ? letzt darüber klar sein, daß ^ hr 6ln a ? s der deutschen «Sta dt 6a jmüssen. Das verpflichtet ' danke i, 0 ,? Eand gleichermaßen. tl4r dem n Groeneveld fort, heute .b schließ ßauern und dem Landvolk, v'Diäh n ? e da F in ein alle Mitarbeiter Schaft j n ^ sw ’ rl:sc haft, aber auch die \il an . er Ernährungsämter, sowohl ■ und u* 1 A wie B, die in sauberer, i*? re n. r, Korr ®kter Arbeit unermüdlich ^“ s iörd P n S9 ] aicllen danke ich den an- Addery ' d ' fi uns unterstützt haben, ° e ® Statistischen Landesamt,

das uns nach seiner Zusammenfassung z. B. das Ergebnis der Ernteschätzung 4 Wochen eher bringen konnte wie vordem. Alle die vorbenannten Stellen haben Bausteine zum Erfolg gebracht.

Wie wichtig alle diese Arbeiten sind, zeigte der Landesbauernführer wieder an einem Vergleich mit der Ernährungs­wirtschaft des ersten Weltkrieges. Damals wurde die Getreideanbaufläche um 10 Pzt. überschätzt, die Kartoffelvorräte da­gegen mit 4 Millionen Tonnen unterschätzt. Damals machten infolge dieser Unsicher­heiten kapitalistische Krie^sgesellschaften aus dsm Kampf gegen den Hunger ein Ge­schäft mit dem Hunger. So schoben im Jahre 1916 die Juden Katzenellenbogen und Aronsohn Getreide nach Eng­land. Salomon Schiefelbein verlud nach Aussagen deutscher Kriegsgefangener im Jahre 1918 Hafer in- Dünkirchen. Als aber selbst auf ärztliches Attest für Magenkranke kein Weizenmehl mehr zu haben war, 'wur­den an die Juden zur Mazzesherstel- 1 u n g jie Kopf ‘ vier Kilogramm feinstes Weizenmehl verteilt.

' Jetzt ist dies alles unmöglich. Jetzt ist alles besser, weil hinter den Anord­

nungen und Verordnungen nicht artfremdes Denken steht, sondern weil sich unser Volk immer mehr und mehr aus dem eigenen Ich heraus in seinem Handeln nach dem ge­meinen Nutzen ausrichtet und sich zur Gemeinschaftsleistung bekennt. An iins aber liegt es, rief der Landesbauernführer aus, die letzten Laumänner zur Haltung zu brin­gen, damit auch sie sich in die Gemein­schaft eingliedern. Den rückständigen land­wirtschaftlichen Betrieben rufe ich zu: Mehr erzeugen, mehr abliefern; den technischen Betrieben: Arbeitet so rationell wie mög­lich; den Verteilern: Kampf dein Verderb, gerecht verteilen; allen Hausfrauen aber: Seid so sparsam wie möglich. Ein besonders eindringliches Wort gilt den Kleintier­haltern. Wenn die jetzige Kürzung der Brotmtion uns auch nicht so schwer trifft, so müssen wir uns aber über eines klar sein, daß jedes Getreidekorn, das unge­setzlich in den Tiermagen wandert, unsere Getreidebilanz schmälert. Darum ist es die Pflicht aller, jede unberechtigte Kleintier­haltung mit unterbinden zu helfen. Hier dür­fen wir nicht weich werden.

Nicht auf Anordnung_von oben sollen wir warten, nicht auf Hilfe von anderer Seite,

sondern auf die eigene Kraft der Dorfgemein­schaft sollen wir bauen. „Volk ans Gewehr" bedeutet für uns nicht nur jeden Brauchbaren an die Front, sondern auch, wo man auch steht, mit voller Kraft ins Geschirr gehen. Dieser Krieg entscheidet über den Bestand des deutschen Bauern. Da darf es kein Erlah­men geben. Aufgabe der Männer in den Land­volkämtern sei es, diesen Kampfgeist in jede DorfgemeiAschaft zu tragen. Für uns abet gibt es nur eine Parole: Adolf Hitler siegtdochl

Mit dem KVK. ausgezeichnet

Am'Vortage des Erntedankfestes empfing der Stellvertretende Gauleiter Joel in der Gauhauptst,adt 14 verdiente Bäuerinnen und Bauern und überreichte ihnen mit anerkennenden Worten das ihnen vom’ Füh­rer verliehene Kriegsverdiens t- kreuz I. Klasse. Es handelt sich hier um verdiente Angehörige, des Landvolkes, die’ durch ihren Einsatz ein Beispiel gegeben haben und dadurch 'in hervorragendem Maße beitrugen, daß die Ernährung gesichert wer­den konnte.

Noch stärkerer Einsatz denn wir müssen siegen!

Reichsminister Backe an das Landvolk — Mittlere bis gute Ernte

B e r 11 n, 1. Okt: Am Erntedanktag wandte sich Reichsminister und Reichsbauernfüh- rer Herbert Backe mit einer Rundfunk- ansprache an das deutsche Volk. Reichs­minister Backe führte aus: '

Der Erntedanktag dieses Jahres steht im ■Zeichen des totalen Krieges. Die Hoffnungen des Feindes, uns niederzuringen, beantwor­tete das deutsche Volk mit dem, totalen KriegseinsqJz, mit der bedingungslosen Be­reitschaft, auch die allerletzten Reserven des Willens und der Kraft für den Kampf an der Front, für die Rüstung und für die Ernährung einzusetzen. Die deutsche Landwirtschaft hat ihre' ungeheure Aufgabe in' diesem Kriege nur erfüllen können, weil sie von vornherein — bereits im Frieden zur äußersten Anspan­nung verpflichtet — sich total einsetzte. Den­noch werden die noch gewaltigeren Auf­gaben,'die uns bevorstehen, den bisherigen hohen Einsatz noch umfassender, nach totaler und noch fanatischer machen müssen als bis­her. Denn Deutschland muß sie­gen!

Wir können insgesamt auf eine mittlere bis gute Ernte zurückblfcken.' Die Witte­rung war unserer Arbeit im Winter und im Frühjahr in den meisten Gebieten Deutsch­lands günstig. Die sich lang hinziehende außergewöhnliche Trockenheit im Sommer und Herbst hat in manchen Gauen, insbe­sondere in den östlichen Gebieten Deutsch­lands, hochgespannte Erwartungen nicht zum Tragen gebracht. Diese Rückschläge betrafen aber Teilgebiete, während die Witterung andere Teilgebiete unserer Er­zeugung begünstigte. Das ist ja das Kenn­zeichen der nationalsozialistischen Agrar- und Ernährungspolitik, daß sie nicht dens einseitigen Anbau von Früchten, sondern alle Zweige des Landbundes und der Vieh­

wirtschaft In ihrer harmonischen Wechsel­wirkung fördert. Dadurch können Witte­rungsrückschläge nur Immer einzelne Er­zeugnisse benachteiligen. Gerade in diesem Jahre hat sich diese auf eine breite Grund­lage gestellte Erzeugungspolitik wieder bewährt

Vor einem Jahre konnten wir mit Stolz die sehr gute Brotgetreideernte des 4. Kriegsjahres hervorheben. Mit Genug­tuung können wir feststellen, daß die dies­jährige Brotgetreideemte nicht wesentlich hinter der vorjährigen zurücksteht Das ist ungeheure Leistung des Landvolkes, wenn man bedenkt, daß im letzten Jahre Men­schen und Betriebsmittel in geringerem A'üsrpaße zur. Verfügung standen als frü­her. - Zwar stehen dieser guten Brotge­treideernte Ausfälle, die durch die Auf­gabe besetzter Gebiete und den Ausfall Rumäniens entstehen, gegenüber, aber auch hier hat die vorausschauende deutsche Er- nährungspolitk yorgesorgt, indem sie aus der vorjährigen Ernte erhebliche Mengen Brotgetreide in. den Vorrat nahm, die nun dem Ausgleich dienen können. Hinzu korqmt, daß auch namhafte deutsche Zu­schüsse an Brotgetreide für außerdeutsche Gebiete — wie Belgien und Finnland — wegfallen.

Die Futtergetreideernte hat unter den Aus­wirkungen der'Trockenheit wesentlich gelit­ten. Hierauf ist in erster Linie die Herab­setzung der Brotration um durchschnittlich 200 Gramm je Woche' zurückzuführen. Wir haben die feste Überzeugung, daß wir — wenn auch durch härteste Einsparung auf weniger wichtigen Gebieten — auch mit die­ser Schwierigkeit fertigwerden.

Auch unsere hohen Erwartungen auf die diesjährige Kartoffelernte wurden in­

folge der Trockenheit nicht erfüllt. Immerhin können wir im Gegensatz zu der schlechten Ernte des Vorjahres mit einer mittleren Kar­toffelernte rechnen. Diese Kartoffelernte erleichtert die Aufbringung von Speisekartof­feln. Sie wird jedoch den Futtersektor nicht entlasten, da die Erfüllung größerer An­sprüche an die Verarbeitung von Kartoffelri durch den Industriellen- und- Rüstungssektor erforderlich ist Die Zuckerrübenernte ver­spricht nicht hinter dem Vorjahre zurück- zubleiben.

Trotz aller Schwierigkeiten ist die Erzeu­gung an Butter nur unwesentlich hinter dem Rekordjahr zuvor zurückgeblieben. Dies ist eine ungeheure Leistung im Hinblick auf die Steigerung der 1 Buttererzeugung gegenüber dem Frieden um fast die Hälfte. Daneben wird die ölfruchternte das Rekord­ergebnis des Vorjahres erreichen. Auf dem Gebiete der Fleischwirtschaft kön­nen wir mit Genugtuung feststellen, daß unsere Rinderbestände, die vor zwei Jahren bereits abgebaut werden mußten, heute fast die Friedenshöhe wieder erreicht' haben. Auch der Aufbau der Schweinebestände hat planmäßig stattgefunden. Die Futterlage in diesem Jahr wird zu einem gewissen Abbau dieser Befände führen müssen. Das dadurch mehr anfallende Fleisch wird weitgehend zum Ausgleich der Ausfälle an Fetten sowie an Fleisch aus den geräumten Gebieten dienen.

Mehr als in irgendeinem der hinter nns liegenden Kriegsjahre wird im sechsten Kriegsjahr die Ernährung auf die deutsche Erzeugung angewiesen sein. Darüber müssen wir uns alle — Erzeuger und Ver­braucher — im klaren sein; wir können die uns zugewachsene Ernte nicht durch

(Fortsetzung siehe Seite 2)

Einzelpreis 15 Rpi

In Gefangenschaft

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PK-Aufn.: Kriegsber. Pirath, Presse-Hoffmann Englische Fallschirmjäger , die im niederländi­schen Kampfraum gefangengenommen wurden.

Enttäuschte Hoffnungen der Feinde

Von Siegesprömenade keine Rede mehr — Stimmungsumschwung

Drahtbericht unseres Vertreters

kl. Stockholm, 1. Okt. Der Hauptschriftlei- ter der bekannten amerikanischen Nach­richtenagentur United Press, Hugh Baillie, der sich vpr kurzem von New York aus an die europäische Front begab, schilderj in einem ersten Bericht seine Eindrücke von einer Reise an die Frontabschnitte Metz und Aachen. Baillie schreibt wörtlich: „Wer mit der vorgefaßten Meinung nach Europa kommt, daß die Deutschen am Rande des Abgrundes stehen, der wird bald finden, daß keine einzige Tatsache diese leichtfer­tige Annahme rechtfertigt." Baillie charak­terisiert zunächst die Lage bei Metz. „Die Deutschen" — so schreibt er — „haben aus Metz eine Festung gemacht, die ohne den Einsatz schwerer Bomber nicht zu bezwin­gen ist. Die Gegend ist gespickt mit deut­schen Batterien und Maschinengewehr- nestem".

Von Metz- aus begab sich Baillie an den Frontabschnitt Aachen. Er besuchte die von den USA-Truppen besetzten Dörfer an der Grenze, worüber er schreibt: „Der Unter­schied in der Haltung der Zivilbevölkerung hier und in Belgien oder in Frankreich könnte gar nicht größer sein. Wir sahen auf den Feldern einige Bauern, die nicht einmal aufblickten, als wir vorüberfuhren. Die Men­schen sahen düster vor sich hin. Kein enthu­siastischer Empfang wurd,e uns bereitet. Niemand lächelte uns zu, und niemand winkte uns." Baillie geriet auf der weiteren Fahrt in das Feuer der deutschen Geschütze. Der ihn begleitende USA-Offizier sagte: „Sie sind mit dieser Ware (gemeint waren Granaten) sehr gut versorgt. Immer, wenn unsere Batterien feuern, bleibt die Antwort

wie folgt: „Wer die Woge von Optimismus in New York erlebt hat, als das Attentat gegen Hitler bekannt wurde, und nach dem Durchbruch General Bradleys bei Avran- ches, wird nun voller Verwunderung fest­stellen, daß die Amerikaner sich f e s t ge­fahren haben. Als Grund dafür wird meist das schlechte Wetter angegeben, das den Deutschen das Heranbringen frischer Reser­ven ermöglicht habe. Der Hauptgrund aber ist der unerwartet harte deutsche Wider­stand.“

Die Erstarrung der Front in Herbstregen und Herbstschlamm wird auch von dem Sonderberichterstatter von Reuter festgestellt, der erklärt: „Die Kämpfe im Westen gleichen nun völlig dem Stel­lungskampf im letzten Weltkrieg. Der Reuter-Korrespondent gibt zu, daß die Ini­tiativ e j e tz t h e i den Deutschen liegt. Ein deutscher Gegenangriff und Er­kundungsvorstoß löst den anderen ab. Diese realistischen Frontberichte haben zu einem bemerkenswerten Stimmunqs- umschwung in London beigetragen. Außerordentlich zufrieden sind die Londo­ner Wettbüros, die in den letzten Wochen Tausende von Wetten darüber abgeschlos­sen hatten, daß der Krieg am 31-. Oktober beendet sein werde. An den leichtsinnigen Wetten haben die Wettbüros ein Vermögen verdient

Da mit militärischen Mitteln die von Lon­don erhoffte rasche Entscheidung nicht her­beigeführt werden kann, mehren sich die Stimmen, die darauf hinweisen, daß Briten und Nordamerikaner ihre Zuflucht zu einem neuen Agitationsbluff nehmen soll­ten. So stellt der Londoner „Observer" in einem mit „Liberator" Unterzeichneten Leit­

schwere psychologische Fehler begangen hätten. Man habe dem deutschen Volk allzu offenherzig vor Augen geführt, welches Los Deutschland bevorstehe, wenn es von den Alliierten besetzt sein werde. Niemals seien die halboffiziösen Äußerungen über das Schicksal, das dem deutschen Volk bereitet werden solle, von Churchill oder Roosevelt dementiert worden, die im Gegenteil immer wieder an der Forderung nach bedingungs­loser Kapitulation Deutschlands festhielten. Damit sei ein „kollektiver Verteidigungs­wille" in Deutschland erweckt worden, der jetzt erstaunliche Leistungen vollbringe. Po­litisch hätten die Alliierten den Krieg in Deutschland verspielt

Im übrigen ist in den letzten Tagen jedem Nordamerikaner und Engländer /deutlich klargemacht worden, daß am nördlichen Abschnitt der Westfront, also vor allem in Holland, von irgendeiner alliierten Sieges- firomenade nicht die Rede sein könne. Nach der bitteren Bekanntgabe der Vernichtung der 1. britischen Luftlandedivision und dem blutigen Zurückschlagen einer Reihe an­derer sehr starker Angriffsversuche der Alliierten in Mittelholland ist in England und den USA doch allmählich ein Dämmern aufgegangen. Man hat zum mindesten ver­standen, daß das große Umgehungsmanöver durch Luftlandungen auf dem nördlichen Ufer des Rheins vollständig m i ß 1 u n g e n ist.

Wie steht es nun an den anderen Front­abschnitten im Westen? Die alliierten Kriegskorrespondenten lassen augenblick­lich ihren Lesern kaum irgendwelche Illusio­nen. Was immer an Wunschträumen über ein ebenso schnelles wie billiges Siegen geraunt worden sein mag, ist in den letzten

nicht aus.

F ftjiH« schließt seinen Bericht artikel fest, daß Briten und Nordamerikaner Tagen begraben worden.

tauuklede» Amettka

Von unsermy Berliner Vertreter

Dr. Walter Sch neider

Auch in den Vereinigten Staaten wird jetzt ganz offiziell durch den Mund eines Regierungssprechers die starke Ernüchte­rung und Enttäuschung über den entschei­denden Mißerfolg des' im hollän- d üs\c h e n Raum eingeleiteten Durch­bruchs- und Umfassungsmanövers zugege­ben. Die Ausführungen Churchills und Edens im englischen Unterhaus ha­ben bei dem starken Stimmungswechsel in Amerika ganz wesentlich mitgewirkt. Da­bei war Eden vielleicht noch deut­licher und pessimistischer als sein Herr und Meister Churchill. Wenn dieser von einer Verlängerung des Krieges bis in die ersten Monate des Jahres 1943 sprach, so meinte Eden, daß niemand sagen könne, wie lange der Kampf in Ost und Wost noch dauern .werde. „Die Auffassung würde auf einem großen Irrtum beruhen, daß die Hauptschlacht schon gewonnen seL Es ist viel zu früh dafür, in diesem Ton zu sprechen". In diesem Sinne sind jetzt, nach der offiziellen Darstellung von Wa­shington erst recht, fast alle Äußerungen der amerikanischen Presse ausgerichtet. „Wir haben“, so klagte der „Philadelphia Inquirer" in einem, Leitartikel, „aus den Erfahrungen an der Westgrenze Deutsch­lands die traurige Lehre ziehen müs­sen, daß sich der Krieg dort infolge des verzweifelten und mächtigen Wi­derstandes der Deutschen anders ent­wickeln könnte, als wir hofften. Was uns noch vor .wenigen Tagen als ein unwider­stehlicher Vormarsch erschien, ist jetzt ein erbitterter Kampf um kleine Ankerplätze am Rande des Reiches geworden. Die Aus­sichten auf einen leichten und schnellen Sieg sind vorbei". Selbst Reuter mußte in einem zusammenfassenden Bericht über das Echo der Churchill-Rede in den Ver­einigten Staaten feststellen', daß die mei­sten 1 Zeitungen in ihren Überschriften Churchills Äußerung über die Verlän­gerung, des Krieges bis 1945 hervor­gehoben hätten.

Inzwischen hat man denn auch im Feind­lager begriffen, wie . falsch es war, von den deutschen Besatzungen in den Stützpunkten an der französischen Küste als von Selbst- mordkbmmandos zu sprechen, die sich .sinn­los opferten. M$n hatte sich die Sache wohl so vorgestellt, daß man nach einem schnel­len und vollkommenen Zusammenbruch der deutschen t Front diese Stützpunkte' hinter­her wie im Vorbeigehen kassieren könnte. Nachdem sich inzwischen die anglo-amerika- nische Offensive festgerannt hat und nach­dem auch der Ausbruchsversuch durch Hol­land zum Scheitern gebracht werden konnte, wird die Versorgung der britischen und amerikanischen Truppen zu einem immer schwereren Problem. Jetzt ist der Militärschriftsteller Cyrill Falls so weit, ■ daß er zugibt, daß die deutsche Taktik des Festhaltens an den Häfen zu einem wesent­lichen Erfolg geführt habe,, weil durch diese Taktik den Alliierten schwere Sorgen berei­tet worden seien. Der Londoner Korrespon­dent der „Göteborgs Handels- und Schiff- fahrtszeitüng" bezeichnet den hartnäckigen deutschen Widerstand in den Ka- nalhäfen urid die umfangreichen Zerstö­rungen an den Hafenanlagen als die Ursache dafür, daß Churchill seine Voraussage für das Kriegsende bis auf das nächste Jahr verschieben mußte. Es sei klar, daß die Deutschen auf diese Weise Zeit gewon­nen hätten. Wie bedeutsam dieser Zeit­gewinn in. militärischen Kreisen Englands eingeschätzt wird, das bezeugen die Ausfüh­rungen des Generals Browhrigg in den „Evening News", nach denen die Zer­schlagung des organisierten deutschen Wi­derstandes völlig problematisch werden soll, wenn es den Deutschen gelinge, die alliier­ten Truppen in den nächsten vierzehn Ta- , gen von der westfälischen Ebene fernzu­halten.

Inzwischen ist die Entscheidung , in die­sem Raum bereits gefallen. Der Ein­bruchskeil in Holland ist stumpf ge­worden, und alle verzweifelten Versuche der kanadischen und britischen Truppen um eine Erweiterung des Einbruchraumes können den Eindruck nicht mehr ab­schwächen, daß der Schwerpunkt dar Kämpfe schon wieder eine Verlagerung ei-i

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