Ausgabe 
(22.11.1944) 310
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Bremen: Geschäftsstelle und Schrift­leitung: Geeren 6-8, Buf 2 19 31; Vacht- ruf und sonntags 2 47 69; Syke: Mühlendamm 2 ; Bremen-Hemelingen: Bahnhofstr. 6, Ecke Poststraße. Euf 4 34 58; Bremen-Vegesack: Bohrstr. 24, Buf 4 und 8; Bremen-Blumenthal: Kapit.-Dallmann-Str. 41-43, Buf 86 u. 89

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Schwerpunkte der W estschlncht

Hachen, Lothringen, Vogesen, Burgundische Pforte ■■ Offensive als gewaltige Maierialschfacht

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prahtberlcht unserer Berliner Schriftleitung Berlin, 21. Nov. Die große No-

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vemberoffensive der Westmächte gegen die deutsche Verteidigungszolle West hat sich zu einer gewaltigen Materialschlacht entwickelt, in der nach Feststellungen des Oberbefehlshaber Eisenhower in jeder Minute fünftausend Schuß gegen die Ab­wehrlinien des Reiches abgefeuert wer­den, so daß der Aufwand der Angreifer sieb dem Materialeinsatz der Grofischlach- ten des ersten Weltkrieges nähert. Der Erfolg einer Offensive muß nach strate­gischen Maßstäben gemessen werden. Tak. lisclie, ja selbst operative Erfolge wie die Ausschaltung einer Stadt :— beispielsweise des Waffenplatzes Metz — würden die Kräftekonzentration Eicht rechtfertigen, die ganz eindeutig auf die Besetzung von Gebieten hinzielt, die für die Verteidiger lebenswichtig sind. Wenn deshalb an eini­gen Frontabschnitten die Angreifer mehr oder minder schmale Geländestreifen zu erringen vermochten, so will dies noch keineswegs den Erfolg der Offensive be­deuten. Die neue Offensive will ja nicht — politische und militärische Beweggründe verbieten ihr das — einen Stellungskrieg umfassender Art mit einem erbitterten Ringen um jeden Fußbreit Boden errei­chen, sondern Durchbrüche durch das deutsche Stellungssystem erzielen. Gerade der fortlaufende Ausbau der deutschen Verteidigungszonen in die Tiefe zwang ja zu dieser Eile, da eine Verzögerung des Startsignals zum Großangriff zwar witte­rungsmäßig vielleicht günstigere Bedin­gungen erreicht hätte, in der Zwischenzeit jedoch die deutschen Verteidigungsanla­gen derart tief gestaffelt wären, daß ein Durchbruch durch sie schlechterdings , unmöglich erscheinen müßte.

Die Schwerpunkte der Westschlacht Hegen zur Zeit in den Räumen Aachen, Metz und im Südzipfel des Elsaß. Dieser dritte Schwerpunkt verdient vielleicht größte Beachtung, da hier Truppen der 1. französischen Armee unter Ausnutzung der Schweizer Grenze als Flanken­deckung ins Elsaß eingebrochen sind. Deutsche Gegenangriffe stießen beiderseits des Rhein-Rhone-Kanals in die linke Flanke der vordringenden Franzosen. Auch südlich Altkirch führten Reserven der deutschen Vogesen-Armee erfolgreiche Gecrenaneriffe, die im Fortschreiten sind.

befinden sich diese deutschen

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das deutsche Hauptkampffeld einzudriu- gen. Ihre Angriffsspitzen wurden jedoch zum Stehen gebracht. Der Kampf vollzieht sich hier in einem ausgesprochenen Indu­strierevier, wo Zeche an Zeche liegt, und steht deshalb unter besonderen Bedingun­gen. Die Nordamerikaner versuchen hier, durch stärksten Materialeinsatz, weniger aber durch Truppenoperationen zu wir­ken. 'Eisenhower erklärte, daß von den anglo-amerikanischen Truppen in jedem Monat sechs Millionen Schuß Artillerie­munition und zwei Millionen Schuß Mör­sermunition verbraucht werden.

Um die Burgundische Pforte

Berlin, 21. Nov. Im Westen werden in den letzten 24 Stunden die Materialschlach­ten bei Aachen und in Lothringen durch die neuen Kämpfe um die Burgundische

Pforte überschattet, obwohl der beider­seitige Kräfteeinsatz zwischen Beifort und Mühlhausen in keinem Verhältnis zu dem an den anderen Schwerpunkten steht. Die unter Ausnutzung der Schweizer Grenze als Flankendeckung in das Oberelsaß ein­gebrochenen gaullistischen Truppen dürf­ten zur Stunde nur eine Stärke von zwei bis drei Divisionen besitzen, während an­dere meist aus Marokkanern bestehende Verbände de Gaulles in und bei Beifort nach wie vor in schweren Kämpfen ge­fesselt sind. Im Gegensatz dazu drücken die Nordamerikaner z..B. beiderseits des Rhein-Marne-Kanals oder bei Eschweiler mit zehn bis zwölf Divisionen auf unsere Stellungen. Diese Vergleichszahlen zeigen, daß es sieh bei dem feindlichen Einbruch an der Schweizer Grenze um einen Überraschungserfolg verhältnis­mäßig geringer Kräfte handelt, deren wei­

teres Vordringen allerdings trotzdem energische Gegenmaßnahmen verlangt. Bereits am Montagnachmittag zerschlug der Gegenangriff unserer Eingreifreser­ven die Flanke der zunächst nach Osten bis an den Rhein, darin nach Norden in Richtung Mühlhausen vorstoßenden Ma­rokkaner. Der in der Gegend von Alt­kirch geführte Gegenstoß verzögerte die feindlichen Bewegungen, so daß weitere Kräfte zur Verstärkung der Abriegelungs- maßnahmen herangeführt werden konn­ten. Es ist sicher, daß der Gegner versu­chen wird, seinen Einbruch ins Oberelsaß dazu auszunutzen,' die stark befestigten Vogesen zu umfassen, zumal ihm alle seine bisherigen von Westen gegen dieses Gebirge geführten Angriffe gezeigt haben, daß mit jedem Schritt weiter der Wider­stand und damit die Höhe seiner Verluste stieg.

„Marschall-Stalin-Platz" in Brüssel

Charakteristikum für die Lage in Belgien — Kommunistische Tendenz — Scharfe Pressekritik an Pierlot

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13. 10. Gastfeld'k Schröder, Gustf. M ' 18. 11. Feld-, Bop >enstr. Geg. Belohn. Zchönhausenstr. U borse, Inh. ca, $.* i- Abz. bei Me?er f er Seerstr. 23. (Lederstülp.) 26.1h b. Kapt.-Dallmaw ?t. Bel. Michels®,

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Zweifellos üeimaeu sjlcll uicsc ucuiouigü B ewegungen noch in der Entwicklung, um den Gegner aufzufangen, nach Möglichkeit aber zurückzuwerfen. Da derartig tiefe Einbrüche oftmals zu operativen Erfolgen ausgenutzt zu werden vermögen! wird hier sicherlich in den nächsten Tagen der Hauptschwerpunkt der Schlacht im Westen liegen. Die Basis der französischen Trup­pen ist verhältnismäßig schmal. Ihre Vor- marschrichtung ist durch die Ausläufer der Vogesen einerseits und den Rhein ande­rerseits nach Norden vorgezeichnet. Der deutsche Flankenstoß im Raum von Alt­kirch bedroht nicht nur diese Basis und jedes weitere Vordringen der Franzosen in Richtung auf Colmar, sondern auch die Verbindung der vorgeschobenen Stoßkeile niit dem Gros der 1. französischen Armee im Raum südlich von Beifort.

im nördlicher gelegenen Kampfraum hier Vogesenfront traten am Montag die Truppen der 7. nordamerikanischen Armee

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Drahtbericbt unserer Berliner Schriftleitung

g. B e r 1 i n, 21. Nov. In Brüssel wurde ein großer Platz auf den Namen „Mar- schall Stalin“ umgetauft. Dieser Akt fügt sich gut in jenes Bild ein, das uns heute neutrale Korrespondenten von der belgi­schen Hauptstadt zeichnen: Demonstrati­onszüge mit roten Fahnen, Kundgebungen mit dem Gesang der Dritten Internatio­nale, schwer bewaffnete Polizei und große alliierte Trnppenverbände in den Seiten­straßen. Obgleich die belgischen Partisanen nachgegeben haben und ihre Waffen ent­sprechend der Forderung der Regierung ansliefern wollen, schreibt ein neutraler Journalist, tragen die Demonstranten un­ter ihrer Kleidung Waffen.

Die Rückkehr der belgischen Exilregie­rung in die Heimat und die Wiederauf­nahme ihrer Geschäfte, verlief still und sensationslos, so wie ihre ganze Geschichte der Exilzeit verlaufen war. Um so leb­hafter geht es jetzt um den langjährigen Ministerpräsidenten Piexlot zu. Hat er sich

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nun in der Heimat mit seiner Regierungs­methode als überlebt erwiesen? Ist er mit der Zeit nicht mitgegangen? Ja, Pierlot hat allem Anschein nach den Anschluß ver­paßt — den Anschluß an die kommunisti­sche Bewegung in Belgien. Er hat nicht damit gerechnet, daß die Einflußnahme des doch so weit entfernt liegenden Sowjet­rußland sich so weit erstreckt. Die scharfe Kritik, die ihm heute in den führenden kommunistischen und marxistischen Blät­ter Belgiens begegnet, dürfte ihm ein nicht gerade sanftes Erwachen bereiten.

Einige Beispiele aus der kommunisti­schen Pressekampagne gegen die Minister­präsidenten Pierlot: Die kommunistische Zeitung „Drapeau rouge“ (Rote Fahne)

schreibt am Montag: „Seiner Bedeutung bewußt hat Pierlot nicht gezögert, ent­gegen den Interessen seines Landes die Hilfe alliierter Truppen anznfordern. Wir erheben Einspruch, wenn die Minister das Recht für sich beanspruchen, Belgien zu entehren, indem sie es auf den Stand einer afrikanischen Kolonie bringen.“ Die libe­rale Zeitung „Lp eite nouvelle“ führt aus: „Die gesamte Nation steht gegen die Re­gierung. Dadurch, daß unsere Regierung bei den britischen Behörden Hilfe suchte, hat sie in keiner''Weise 'ihr Prestige erhöht.“ Bei einer solchen herben Kritik wird es für die Regierung außerordentlich schwer sein, bei dem Zusammentritt der Deputiertenkammer am Dienstag die un­umschränkten Vollmachten zu erhalten, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung nötig erscheinen.

Die drohende Atmosphäre in der belgi­schen Hauptstadt, die scharfe Pressekritik an der Regierung Pierlot und die Taufe des „Marsdiall-Stalin-Platzes“ sind Bei­spiele für die Situation in ganz Belgien. Hier offenbart sich die gleiche kommunisti­sche Tendenz, wie wir sie schon in Italien und Frankreich kennenlernten. Diesmal aber gilt sie einem Land, dessen Exilregie­rung bisher „still und sensationslos“ arbei­tete und dabei vergaß, an die Wühlarbeit Moskaus zu denken.

Gefängnisinsassen befreit

Drahtbericht unseres Vertreters

kl. Stockholm, 21. Nov. Wie der Asso- eiated-Preß-Korrespondent aus Brüssel meldet, bleibt die Lage in Belgien weiter­hin gespannt. In Brüssel gehe das Gerücht , Pierlot h: ’

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suppen cier i. noraameriü.aiii»ciiciA mxuvw nach Inständiger Feuervorbereitung zum Großangriff über die Meurthe an. Bis auf Wei kleinere Einbruchsstellen südlich Clairefontaine war der Ansturm ohne jeden Erfolg, und der vom Gegner ge­plante Vorstoß auf Moyenmoutier schei­terte. Die Versuche der USA-Pioniere, eine Brücke über den Meurthe-Flufl zu schlagen, wurden durch deutsche Artil­lerie bekämpft, eine gerade fertiggestellte Pontonbrücke wurde vernichtet, als sich Per erste vollbeladene Munitionswagen auf ihr befand.

Im Raume von Metz und in Lothringen S'arde das Vordringen des nördlichen ajugels der Armee Pattons gestoppt. Der südliche Flügel konnte jedoch bis zur ’eifien Saar (Raum von Saarburg) orstoßen. Um die Übergänge der Weißen ,? ar wird erbittert gekämpft. Nachdem -^deutschen Truppen aus einer Sehnen- ellung zwischen den beiden vorgescho­bnen amerikanischen Flügeln bei Busen­orf und Mörchingen zurückgenommen e j U ™ e n, hat Metz nunmehr die Rolle „ ?« s 'Vellenbrechers gegenüber den An- Es if- 1 ^ er Nordamerikaner übernommen, i.j’olte strategische Auswirkungen ge­fall*’ wer ! n Metz vor zehn Wochen ge- sed T Ware ’ a * s Hie Amerikaner’ nur, kj s Tage benötigten, um von der Seine ] dp Z p- T Mosel vorzustoßen. Die Ausdauer den W 65, Hie vor allem auch durch c ? . Heldenkampf der Fahnenjunker- „„J? le Bestimmt wurde, hat einen Zeit- ?e B r a c ht, der sich primär auf die ra, * eidl gungsbereitschaft des Grenz- . toes, sekundär auf die Bereitstellung Sm» t, nt . sc Beidenden Waffen auswirkte.

im Vorfeld von Metz als auch im Straß 61 ! Her Stadt finden hente heftige gßenkämpfe statt

'Am» .> aniöe von Aachen geJang es den 'pnern, zwischen Geilenkirchen i - JHplheri? in mehreren Abschnitten in

Hintergründe der Kabinettsumbildung Tschungkings

Auf bolschewistischen Dr uck '■— Japans Vormarsch

Drahtbericht unseres Vertreters

tt. Genf, 21. Nov. Die Ereignisse in Tsdiungking haben in der europäischen Öffentlichkeit größte Überraschung aus­gelöst und nahezu schockartig gewirkt. In Wahrheit haben sich die Vorgänge, die heute die großen Blätter in London und Washington melden, seit Monaten 'vor­bereitet und müssen als ein Ausfluß der Verhandlungen betrachtet werden, die seit langem zwischen Vertretern des Tschung- kingregimes und den chinesischen Kommu­nisten stattgefunden haben.

Daß der bisherige langjährige Finanz­minister und Schwager Tschiangkaischeks, Kung, zurücktreten mußte, um dem Kan­didaten der Kommunisten, Yui, Platz zu machen, bildet den Zentralpunkt der Vor­gänge in Tschungking. Audi der Rücktritt des bisherigen Kriegsministers Hoying- ching ist auf eine Forderung der nord- chinesischen Kommunisten zurückzuführen, die in ihren Verhandlungen eine Ände­rung der personellen Zusammensetzung des Kabinetts und seines politischen Kur­ses verlangten.

Bei diesen Änderungen handelt es sich um einen System Wechsel in der Po­litik Tschiangkaischeks, wie er dramati­scher kaum gedacht werden kann. Kaum in einer anderen Hauptstadt der Welt hat es bisher eine solche Sippen- und Cliquen­wirtschaft gegeben wie in Tschungking. Die Schwestern Sunyatsens, deren eine die Frau Tschiangkaischeks ist und deren an­deren den nunmehr zurückgetretenen Fi­nanzminister Kung geheiratet hat, be­herrschten das politische Feld. Die gesamte Finanzwirtschaft des Landes aber lag in den Händen Sungs, der einer der reichsten Männer Chinas und Chef des berühmten Hauses Sung ist. In der internationalen Fi­nanz- und Außenpolitik wurde deshalb von der „Dynastie Sung“ gesprochen, die China als eine wirtschaftliche Kolonie betrachte, in deren Ausbeutung sie sich mit den Ex-

der mit dem bisherigen Finanzminister Kung engstens liiert war, war der Vertre­ter der Washingtoner Interessen, der für die wirtschaftliche Auslieferung Chinas an das Wallstreetkapital verantwortlich ist. Als Bruder Sunyatsens und der Frauen Tschiangkaischeks und Kungs verfügte Sung über einen enormen Einfluß. Es ist demnach begreiflich, daß die Wallstreet an dem Verbleiben des Schwagers Sungs, des bisherigen Finanzministers Kung, das größte Interesse hatte.

Es ist abzuwarten, ob die Kommunisten sich mit diesem ersten Triumph zufrieden­geben oder den Rücktritt Kungs und Hoys nur als erstes Zugeständnis betrachten und nunmehr bemüht sein werden, die Stellung Tschiangkaischeks weiter zu untergraben und noch mehr Einfluß auf die Politik Tschungkings zu gewinnen. Die Lage | Tschungkings ist angesichts der neuen japanischen Erfolge in Südchina bedroh­licher denn je geworden.

Entscheidend ist die Frage, ob Tschiang- kaischek angesichts der Bedrohung von Tschungking selbst durch die vorstoßenden japanischen Armeen nicht gezwungen wird, seine Hauptstadt erpeut nach einem noch weiter im Innern Chinas liegenden Ort zu verlegen.

Hierzu wird ergänzend aus Schanghai gemeldet: Die Tatsache, daß Finanz­minister Kung und Kriegsminister Hoying- chin die Hauptpersonen der Tschungkinger Regierung waren, deren Entfernung die chinesischen Kommunisten forderten als Vorbedingung für eine Einigung mit Tschungking, löste in allen Tschungkinger Kreisen eine Sensation aus. Der Tschung­kinger Korrespondent der „Chicago News“ führt den Regierungswechsel auf die scharfe und fortgesetzte Kritik Nordameri­kas und der chinesischen Kommunisten zurück. Mit diesem Wechsel sei jedoch mit den reaktionären Elementen in der Tschungkinger Regierung noch nicht rest­los aufgeräumt, sondern lediglich der An- f--—-- 5a -

setzuhg einer „Schutzregierung“ verlangt. Die kommunistische Demonstration, die am Sonntag stattfand, wird von dem glei­chen Korrespondenten als außerordentlich drohend geschildert. An dem Demonstrati­onszug beteiligten sich 15 000 Mitglieder der verschiedenen Widerstandsgruppen, die unter den Arbeitsblusen Revolver und andere Waffen trugen. Auch Gewehre wur­den mitgeführt. Die Seitengassen wurden von Militär abgeriegelt, das zum Eingrei­fen bereitstand. Die Atmosphäre war mit Elektrizität-geladen, - t-.

Am Montagabend wurde, wie Reuter be­richtet, in der Stadt Alost das Gefängnis gestürmt, in dem 500 Verbrecher saßen. pDen meisten Verbrechern gelang es, mit I der Straßenbahn nach Brüssel zu entkom­men, wo sie untergetaucht sind. Die Waf- fenabliefernngsaktion hat bisher nur ge­ringe. Ergebnisse gehabt.

V-Feuer verstärkt

Drahtbericht unseres Vertreters

hw. Stockholm, 21. Nov. Meldungen aus London vom Dienstag geben verstärktes V-Feuer gegen Südengland zu. Seit einigen Tagen ist eine neue amtliche englische Nachrichtenpraxis in Anwendung. Sicher- heits- und Luftfahrtministerium gebeu nur noch ein gemeinsames Kommunique heraus, das nicht von „fliegenden Bom­ben“, sondern von „feindlicher Lufttätig­keit“ spricht. Darunter wird der Einsatz von V 1 und V 2 verstanden. Die Nach­richten vom Dienstag erwähnten, daß das verstärkte Feuer bereits seit einigen Tagen - im Gange sei. I

Generalmajor Collins befaßt sich in der britischen Armeezeitschrift mit den deut­schen V-Waffen und erklärt, damit sei ein völlig neuer Faktor in den Krieg hin­eingetragen worden, der für Großbritan­nien weit schlimmere Folgen habe, als für jedes andere Land. Es bestehe daher die unbedingte Notwendigkeit, Maßnahmen zu treffen, die die britische Insel, vor allem London, vor den V-Waffen schützen. Das sei aber schwer durchzuführeri. Der durch die V-Waffen verursachte Material­schaden stellte sich als ernst heraus.

Eichenlaub verliehen

Führerhauptquartier, 2t. Nov. Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes an Major Gerd Rüge, Führer eines württember- gisch-badischen Grenadier-Regiments, als 648., an Major Wilhelm Weidenbrück, Kommandeur einer Panzerabteilung, als j 649. Soldaten der deutschen Wehrmacht. '

Front Südosf asien

Von unserem müit. v. W.-Mitarheiter

Sahen sich zunächst die japanischen Operationen im Spätsommer und Früh- herbst in den Provinzen Hunan und Kwangsi als ein Mittel an, die amerika­nischen Luftbasen in Tschungking-China auszuschalteri, so überdeckt heute noch diesen Zweck die Überlegung, daß Japan im Begriff ist, sich eine.n durchgehenden Weg nach Südostasien zu öffnen, der aus den verschiedensten Gründen in der heu­tigen Lage als äußerst wünschenswert er­scheint. Gelingt es, nämlich, die Straße durch das südwestliche China und Indo­china nach Malaya zu öffnen und als brauchbaren Weg zu organisieren, kann Japan die kommende Entwicklung in Süd­ostasien mit größter Ruhe betrachten, weil es dorthin über eine Verbindung verfügt, die von See her nicht gestört und unter­brochen‘werden kann. Es ist Japan nicht entgangen, daß sich hinter dem Rücken der indisch-burmesischen Front größte Vorbereitungen angebahnt haben, die ent­weder einen Angriff gegen Birma oder einen solchen gegen Malaya verfolgen.

Da sich nun auch im Indischen Ozean neben einer starken britischen Flotte französische Geschwader und ehemals italienische Schiffe zu versammeln begin­nen, erscheint es richtig, wenn Japan diese Dinge mit scharfen Augen betrach­tet und einen Angriff erwartet; der den Einsatz einer Flotte zur Voraussetzung hat, also nicht vom indischen Rauirie direkt gegen Birma gerichtet sein dürfte, sondern mit einem Sprung über das Meer gegen Malaya in Gang kommen soll. Um allen Möglichkeiten die Spitze zu bieten, ver­folgt die japanische Führung das Prinzip, sich nicht anfällige Wege in diesem süd­ostasiatischen Kampfraum zu sichern, der möglicherweise sehr bald in den Vorder­grund tritt. Vielleicht auch schon deshalb, um dem in großen Schwierigkeiten befind­lichen MacArthur auf Leyte eine gewisse Entlastung zu schaffen. Es sind gerade im (-feindlichen ‘Oberkommando Südostasiens I einige bemerkenswerteÄnderungen erfolgt. So ist der frühere Befehlshaber der 8. briti­schen Armee in Italien, General Leese, zum Oberbefehlshaber der 11. Armee­gruppe in Südostasien ernannt worden. Der neue Luftflottenbefehlshaber Leigh- Mallory ist auf dem Wege zu seinem Kom­mando spurlos verschwunden. Aber auch’ diese Wahl, die auf den Luftflottenbefehls­haber während der ersten Invasionskämpfe fiel, verrät die Bedeutung, die die feind­liche Führung Südostasien im Rahmen ihrer Pläne jetzt zumifit.

Als sich die jäpanischen Divisionen in Südwestchina in Bewegung setzten, um amerikanische Luftbasen auszuschalten, war die eigentliche Vormarschrxchtung der japanischen Truppen noch nicht so deutlich zu erkennen. Heute läßt sie sich nicht mehr übersehen. Die Beseitigung der amerikanischen Luftbasen auf dem chinesischen Festlande, von denen aus be­reits Luftangriffe gegen die japanischen Fernräume geflogen wurden, vor allem aber in steigendem Maße geflogen werden sollten, wird jetzt zu einem Nebenzweck, an sich wertvoll genug, aber doch durch Überlegungen überschattet, die die großen operativen Dinge des Ostasienkrieges be­treffen.

Mitte Oktober war. die erste Phase der japanischen Operationen gegen die Luft­basen offenbar beendet. Es fiel auf, daß die Tschungkingtruppen, die an sich in den angegriffenen Räumen vorhanden waren, die von Japanern herbeigeführte Kampfpause nicht zu Gegenangriffen be­nutzt haben. In Ostasien führt man das auf den notorischen Mangel an Soldaten zurück, den Tschungking nicht beheben kann und den es auch dadurch kaum re­parieren wird, daß es . seinen Rekruten einen Sold zahlt, der gerade zum Kauf eines Pfundes Fleisch im Monat ausreicht. Ende Oktober aber nahm Japan den Vor­marsch wieder auf, schob sich mit der Masse der vorhandenen 15 Divisionen ge­gen K w e i 1 i n, die Hauptstadt der Pro­vinz Kwangsi, heran und kämpfte in zehn

Neue große Versenkungserfolge der Japaner

Wuchtige Schläge der Flieger gegen USÄ-Schiffe

ep. Tokio, 2i, Nov. Das Kaiserliche Hauptquartier gab am Dienstagnachmittag folgendes Kommunique heraus:

Japanische Luftwaffenverbände griffen am Sonnabendmorgen feindliche Transpor­ter in der Bucht von Leyte an. Unter Selbstaufopferung beschädigten japanische Kampfflugzeuge vier feindliche Transport­schiffe, die in Brand gerieten.

Japanische Luftstreitkräfte griffen am Abend des 19. November einen feindlichen Flottenverband in den Gewässern östlich der Insel Luzon an. Sie versenkten zwei feindliche Kreuzer und beschädigten einen Flugzeugträger und ein Schlachtschiff. Acht japanische Fln'gzenge kehrten ans diesen Kämpfen nicht zurück.

Südöstlich der Insel Omiyajima (Gnam) griffen japanische Lnftwaffenverbände am Montagnachmittag einen feindlichen Kon­voi an. Vier feindliche Transporter wur­den beschädigt. (Der Untergang eines die­ser Schiffe ist höchstwahrscheinlich,) Auch wurde ein flordamerikanischer Lang- strerikenBömlier fl$>er dem KonvcÄ abge­schossen.

panische Flugzeuge im Gebiet der Ma­rianen einen feindlichen Flottenverband an und versenkten vier feindliche Kriegs­schiffe, darunter einen Flugzeugträger und ein Schlachtschiff. Drei feindliche Kreuzer und vier Transporter wurden be­schädigt.

Teilgesiändnis

des USA-Marineminisfermms

Stockholm, 21. Nov. Das USA-Marine- ministerium gab den Verlust von zehn Schiffen im Südwestpazifik bekannt. Darunter befindet sich ein Zerstörer und zwei Geleitschiffe. Diese Verluste seien nicht in: der kürzlichen Schlacht gegen die Japaner entstanden, heißt es in der Mit« teilung, jedoch wird keine nähere Angabe gemacht, bei welcher Gelegenheit &ese Verluste eingetreten sind.

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