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Parteiamtliche Tageszeitung
pas An&blaii des Begierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen
Nummer 306 14. Jahrgang
der Nationalsozialisten Bremens
; VerkündungsblaU des BeichsskxUbabers in Oldenburg
Freilag, 17. November 1944
Einzelpreis 15 Rpf.
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Westofiensive aus Zwangslage
Warum Eisenhower nicht warfen durfte — „Den Alliierten kann unterwegs nach Berlin etwas zustoßen'
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■ allen Fächern jehti statt. AnmeMungan u- 15—19 Fhr in S?
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Handelsschule de 2. Spreehstil .» gs v. 18—13.30. S' : . tredenkamp, hosto^
0 1. Wir bitten •* Lehrbneher.
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prahtbericht unserer Berliner Schriftleitung
p r , W. Sch. Berlin, 16. Nov. Die Westfront! in Südholland wie im lothringischen kaum, steht seit Tagen wieder im Zeichen der feindlichen Großoffensive. Es ist noch mit zu übersehen, wie weit die Ziele des Angriffs gesteckt sind, den die britischen Truppen südöstlich von Helmond und ^rischen dem Noorderkanal und der belgi- sc |ieE Grenze am Dienstag begonnen haben. Ob es sich um eine Entlastungs- akfion für die nicht programmäßig verlaufene Patton-Offensive in Lothringen handelt, ob die feindlichen Pläne auf die Ibschnürung unserer Maas-Brückenköpfe gerichtet sind oder ob sie auf die Gesinnung von Vorfeldstellungen innerhalb der neuen deutschen Westbefestigungen zielen, um von hier ans znm gegebenen Zeitpunkt den strategischen Durchbruchsversuch in das Niederrheingebiet zu versuchen. Das Unternehmen des Generals Patton im lothringischen Grenzgebiet verfolgte jedenfalls von vornherein, wie sich aus der »ganzen Anlage des Großangriffs an d aus Gefangenenaussagen eindeutig ergibt, weitgehende Ziele. Patton wollte zweifellos nördlich und südlich an Metz vorbeistoßen, diesen starken deutschen ff affenplatz umfassend angreifen und deichzeitig beschleunigt auf das Saargebiet und weiter durch die Pfalz gegen den Rhein vorstoßen.
Der deutsche Widerstand hat dem Gegner bisher nur ein sehr langsames und geringes Vorwärtskommen unter Opfern gestattet, die so weit über alle Vorberechnungen hinausgingen,' daß auch nach feindlicher Feststellung die gesamte anglo- amerikanische Rüstungsproduktion mit einem so hohen Materialverbrauch nicht Schritt halten kann, ganz abgesehen von den weiterhin bestehenden ganz erhebton and schwer überwindlisjiei» Trans- por/schwierigkeiten.
Ohne die Verstärkung der Vorhandenen Kräfte bis zur erdrückenden Material- und Iiuppenüberlegenheit auf dem lang- wierigen Nachschubwege abzuwarten und ohne die günstigsten Wettervoraussetzun- gen für den Einsatz der überlegenen Luft- macht abzuwarten, hat Eisenhower die ihn im Augenblick verfügbaren Kräfte in den Angriff geworfen, der zu erbitterten Kämpfen geführt hat und durch den der Gegner mit seinen Reserven nördlich von '■letz seine Mosel-Brückenköpfe zusam- |Benschließen und erweitern konnte, ■ährend südöstlich von Metz der Feind fe nach Mörchingen vorgestoßen ist, so daß der Angriff im Raume Metz konzentrische Gestalt • angenommen hat. Die Tatsache aber, daß im übrigen zwischen der Nied und Dieuze das Kampffeld im wesentlichen von unseren Truppen behauptet werden konnte und daß südlich Dieuze die Schlacht sogar im Zeichen erfolgreicher deutscher Gegerrangriffe stand, ipriebt auch weiterhin dafür, daß die '"'eitschweifenden strategischen Pläne- Tattons und Eisenhowers hier an der Hauer des neu organisierten deutschen Widerstandes zum Scheitern verurteilt sind. Es entspricht sonst durchaus nicht den Grundsätzen der anglö-amerikanischen Kriegführung, größere militärische Unternehmungen zu starten, solange nicht nach der gegnerischen Berechnung im Hinblick J of Truppenzahl und Material die _ weit ®ehr als hundertprozentige Gewißheit ™s Erfolges gegeben ist.Wehn Eisenhower ihh an der Westfront von diesem Prinzip «gewichen ist, so handelte er offenkun- unter stärkstem politischen Druck, •'idit nur, daß man drüben weiß, daß jede IJr uns gewonnene Zeit in ständig stei- Mnden Auswirkungen der umfassenden lolkserhebung und der waffentechnischen woschöpfungen zur Geltung kommen ''üd. Es rächt' sich darüber hinaus je län- f et je mehr auf der Gegenseite, daß man “ en Völkern in Siegestrunkenheit völlig w'ririihte und falsche Versprechungen im [.Wiek auf ein sicheres, erfolgreiches p de des Krieges spätestens bis Ende des Wes versprochen hat.' Churchill _ hat ^"'ar inzwisdi e n, wer weiß wie oft, seinen e rminkalender öffentlich ganz erheblich Widert, aber ea macht doch offenbar » gewaltige Schwierigkeiten, die Stim- Dlt g wieder umzulenken.
Uiurchill muß sich jetzt krampfhaft be-
uhen, den künstlich hochgezüchteten
'-wimismus in die Bahnen nüchterner und Ii» a, n amer Erkenntnis zurückzuführen. J" Unterhaus wollte ein Abgeordneter, Jj. % inzwischen eingetretene Wende „u n >dit begriffen hat, wissen, ob man st-u Sc hon in der militärischen Frei- w«;i s von bestimmten Männergruppeji Julien könne, und zwar im Hinblick neue Entwicklung“. Entsetzt Ui»;d e Churchill abwehren. Die am ],._ en ins Auge fallende neue Entwick-
ii. K • nnifitp er gres+eTien. bestell* nflriTl,
jetzt noch nicht bemerkt, daß noch viele Männer zur Verfügung stünden.
Wie maßlos drückend sich die beginnende Erkenntnis der Wendung im Kriegsgeschehen auf die Stimmung in England gelegt hat, das bezeugt die letzte Nummer der englischen Zeitschrift „Sphere“. Mancher gebe sich, so heißt es da, Illusionen über das Kriegsende hin, die man endgültig begraben müsse. Der Krieg gehe weiter und dauere sicherlich bis zum Sommer 1945. Düster und ernst sei diese Wendung, denn unerfüllte Hoffnungen machten nicht widerstandsfähiger, genau so wie unerträgliche körperliche Leiden die Menschen mißmutig und mürrisch werden ließen. Wir wissen durchaus, wie Reichsmmister Dr. Goebbels in seiner Rede am vergangenen Sonntag feststellte, daß man mit Sensen und Dreschflegeln gegen T 34 und Shermanpanzer auch mit der größten Begeisterung nichts ausrich- ten kann nnd gründen deshalb ' unsere Berechnungen auch in hohem Maße auf die Schöpfungskraft unserer Waffentech-
niker und auf die modernste Ausrüstung unserer Truppen, einschließlich des Volkssturms. Aber daß auf einer annähernd gleichartigen Ebene dieser Art die stärkere Kampfmoral und die bessere Stimmung auf der einen Seite des Kampfes ganz entscheidend ins Gewicht fallen müssen, darüber beginnt man sich nunmehr vor allem auch in England Gedanken zu machen, nachdem dort die Stimmungskurve sich stark nach unten zu neigen begonnen hat.
Die englische Zeitung „News Statesman and Nation“ schreibt dazu: „Der Krieg in Europa nähert sich einem Stadium, in dem die gefühlsmäßigen Faktoren die rein sachlichen Erwägungen auszuschalten beginnen und die Stimmung des deutschen Volkes entscheidende Bedeutnng gewinnt. Starkem Drude von verschiedenen Seiten ausgesetzt, kann sie schließlich den Gang der Ereignisse nnd die Länge des Krieges bestimmen. Gerade diese Zeit erlebt die deutsche Nation als große historische Tage, die sich nicht einfach zu einem
Redienexempel reduzieren lassen. Sind nicht in allen Kriegen Wunder geschehen? Wer kann sagen, ob nicht auch ein Wunder am Rhein oder in Königsberg geschehen wird? Der Weg nach Berlin wird sehr lang werden, wobei es nicht ganz ausgeschlossen ist, daß den Alliierten unterwegs etwas zustöfit.“
Wenn es schon so weit ist, daß man im Feindlager befürchtet, daß die Stimmung des deutschen Volkes nach einem entscheidenden Zeitgewinn Uber den Ausgang des Krieges entscheiden kann, so kann man verstehen, warum Eisenhower noch einmal alles daransetzen soll, um einen weiteren deutschen Zeitgewinn zu verhindern. Unsere Siegeszuversicht aber muß es noch weiter stärken, wenn der Feind das Ende als von unserer Stimmung abhängig zu erkennen beginnt. Diese Stimmung, die moralische Kampfkraft des ,deutsdien Volkes, muß und wird aus dieser Erkenntnis heraus erst recht immer stärker bleiben als die Stimmung' im Lager der Feindkoalition.
Englands Schuld am Bombenkrieg zugegeben
„Wir haben angefangen, Ziele in Deutschland zu bombardieren “
Drahtbericht unserer Berliner Schriltleitung
g. Berlin, 16. Nov. Während noch vor ] Jahresfrist die Engländer peinlich darauf achteten, daß ihnen die Schnld an den grauenvollen Formen, die der Luftkrieg angenommen hat, nicht zugeschrieben werden sollte nnd während sie sich infolgedessen damals bemühten, den Nachweis zu liefern, daß angeblich Deutschland den Anfang mit diesem Bombenkrieg gemacht habe, liegt jetzt eine neue englische Veröffentlichung vor, aus der die Urheberschaft, am Terrorkrieg aas clor Lufi vollr J kommen eindeutig hervorgeht. Wenn die Engländer jetzt nicht mehr leugnen, die Erfinder des Bombenterrors zu sein, sondern wenn sie sich darüber hinaus auch noch öffentlich rühmen, diese Kampfesweise systematisch entwickelt zn haben, dann ist wohl der letzte Zweifel daran beseitigt, daß es in der Tat die Engländer w.aren, anf deren Konto die Greuel des Bombenterrors kommen.
Dieser Nachweis und dieses Eingeständnis ist in Gestalt. einer hemmungslosen Verherrlichung des Bombenkrieges in einer Schrift geliefert worden, die unter dem Titel „Der gerechtfertigte Bombenkrieg“ („Bombing indicated“) von dem Sekretär im . englischen Luftfahrtministerium, J. M. Spaight, herausgegeben worden ist. Aus der Vorgeschichte des Bombenkrieges gibt der englische Verfasser ohne weiteres zu, daß die deutschen Vorschläge aus dem Jahre 1935 und 1936, die darauf hinausliefen, diese Art 'der Kriegführung durch internationale Abmachungen zu verhindern. Besonders beachtlich erscheint der Umstand, daß England, welches auf diese ernst gemeinten
deutschen Vorschläge nicht einging, von Anfang an den Luftkrieg nach anderen Methoden als wir betrachtet und demnach die Luftwaffe nach anderen Gesichtspunkten entwickelt hat. Aus dem Buche geht hervor., daß die deutsche Anschauung ursprünglich der Luftwaffe nur eine Art Hilfsstellung für die Zusammenarbeit mit den Erdtruppen zubilligte, während in England schon seit mehr als 20 Jahren eine vollkommen selbständige Luftwaffe entwickelt wurde, die unabhängig vpn den. Erdkämpfenjiir sich allein s t r a- t‘e pfis elfe Aufgaben losen sollte. Solche Aufgaben konnten aber nach der Natur der Dinge eben nur in der Bombardierung feindlicher Städte, also im Terrorkrieg, erblickt werden, wie- ja auch die Engländer schon sehr früh dazu übergingen, für diesen speziellen Zweck sogenannte Langstreckenbomber zu entwickeln.
In dem deutschen Weißbuch, welches im vorigen Jahre über die Anfänge des Bombenkrieges herausgegeben wurde, ist der Nachweis an Hand von Dokumenten geliefert, daß nicht wir, sondern die Engländer es gewesen sind, die den Anfang mit dem Terrorkrieg aus der Luft gemacht haben. Alle amtlichen Personen in Großbritannien, von Churchill angefangen, haben sich bisher heftig gegen diese Feststellung gesträubt und immer wieder die lügnerische Behauptung aufgestellt, Deutschland habe zuerst Bomben auf offene Städte nnd auf die Zivilbevölkerung geworfen.
Jetzt lesen wir in dem neuen Buche von Spaight: „Wir haben angefangen, Ziele auf dem deutschen Festland mit Bomben anzugreifen, ehe die Deutschen
angefangen haben, Ziele auf dem britischen Festland anzugreifen. Das ist eine historische Tatsache, die offen zugegeben worden ist.“
Da Spaight Wert darauf legt, die Planmäßigkeit und den Erfolg des englischen Bombenkrieges in ein möglichst helles Licht zu rücken, ihn zu rühmen und ihn zu rechtfertigen, so muß er natürlich gerade solche Tatsachen offen zugeben, die bisher von den Briten geleugnet worden sind. Dabei kommen noch einige weitere Eingeständnisse zutage, so t. B. die Feststellung, daß es für einen Bomberverband Selbstmord wäre, Einzelziele in einer Höhe anzufliegen, von der aus ein genaues Zielen möglich wäre. Spaight versucht ferner, die Angriffe gegen die Arbeiterschaft, also den Terror gegen die Zivilbevölkerung, ausdrücklich zu recht- fertigen, wobei er den zynischen Aus' druck gebraucht, die Bomberkommandos hätten sich als wirksamer „Organisator von Massen Wanderungen“ erwiesen.
Wenn schließlich noch an mehreren Stellen seiner Schrift durchblicken läßt, daß der Führer diese Art des Luftkrieges nicht gewollt hat, daß aber die Briten sie planmäßig vorbereitet haben, so will er 'damit rühmend hervorheben, wie gut dieses Kampfmittel in englischer Hand wirke, aber er muß dabei in Kauf nehmen, daß dieses britische Selbstlob zugleich ein vernichtendes Eingeständnis ist, nnd daß diese vermeintliche, Rechtfertigung des Bombenkrieges zu einer unauslöschlichen Anklage gegen die Briten als die Urheber dieser barbarischen Art der Kriegführung wird.
Englisch-amerikanische Enttäuschung Ober die Kriegslage
„Völlig neue Taktik und Strategie der Deutschen verstärkt ihre Widerstandskraft“
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f« ^-th'ch schwere Kämpfe ?°ffi pj„ ^ Woche writersringen und sicher j . «uifl! 6 ?eit fortdanern würden.' 1
'MscL e ferner andenten, daß die mili- ^Üpf.. Englands sich der Er-
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Drahtbericht unseres Vertreters
sch. Lissabon, 16. Nov. Die Enttäuschung, die der bisherige Verlauf der englisch-amerikanischen Teiloffensiven an der Maas und im Raume von Metz und Nancy der alliierten Führung bereitete, hat zu einem großen Rätselraten über die Ursachen des so erfolgreichen deutschen Widerstandes geführt. Man hatte sich offensichtlich trotz der in der letzten Zeit oft erörterten Nachschubschwierigkeiten ein viel größeres Ergebnis von den letzten Angriffen an der holländischen und lothringischen Grenze versprochen, da man immerhin riesige Vorräte an Kriegsmaterial aufgehäuft und besonders ausgewählte Elitetruppen zusammengezogen hatte. Die Berichterstattung aus dem Hauptquartier Eisenhower steht infolgedessen völlig unter dem Motto: „Völliger Wechsel in der Strategie und Taktik der deutschen Führung.“ In einem Reuterbericht wird hinzugefügt: „Es muß zugegeben werden, daß dieser Wechsel der deutschen Taktik nnd Strategie im Augenblick die deutsche Widerstandskraft sehr wesentlich verstärkt.“
Es ist auffallend, daß fast alle Kriegskorrespondenten sowohl der Presse wie des Rundfunks .gerade dieses Thema in breiter Ausführlichkeit behandeln. Über den Verlauf der Kampfhandlungen am Mittwoch äußert sich das Hauptquartier Eisenhowers sehr-einsilbig. Man spricht von „guten Fortschritten in Südostholland“ bei den gestern schon gemeldeten Angriffen auf den deutschen Brückenkopf westlich der Maas. Dabei wird aber darauf hingewiesen, daß. wie es in einem Reuterbericht heißt, die Offensive im „Fußgängertempo sich mühselig durch zähen Schlamm hindurchquält.“ In ernenn anderen Londoner Bericht wird darauf aufmerksam gemacht, daß es sich bei diesen Kämpfen immer.
noch um vorgeschobene deutsche Stellun- 1 gen handele und daß die deutsche Hauptverteidigungslinie weiter rückwärts liege. Je näher die dort eingesetzten britischen Truppen der Maas kämen, desto hartnäckiger werde der deutsche Widerstand.
An der Front General Pattons rings um | Metz ging die Initiative nach englischamerikanischen Zugeständnissen am gestrigen Mittwoch zum Teil auf die Deutschen über, die vor allem im Abschnitt von Die- denhofen zu sehr heftigen Gegenangriffen ausholten. Auch an den übrigen Teilen der Front rings um Metz habe sich der deutsche Widerstand nicht unerheblich verschärft. Die amerikanischen Truppen
müßten in einem gräßlichen Schnee- und Regenwetter unter schweren Verlusten um den Besitz der Höhen Stellungen rings um die Festung Metz kämpfen. Man macht sich dabei auch beute viel Gedanken darüber, warum die schweren Geschütze der Festung bisher so wenig in den Kampf einge-
f riffen haben. Immer wieder wird die rage angeschnitten: „Warum schweigen die schweren Festungsgeschütze von Metz?“ Im übrigen warnt man die englische und amerikanische Öffentlichkeit vor Illusionen und erklärt: „Metz dürfte eine sehr harte Nuß sein, und die amerikanischen Truppen werden dies sehr bald zu spüren bekommen.“
„Krieg dauert noch lange"
Pessimistische Prognose Churchills im Unterhaus
Drahtbericht unseres Vertreters kl. S t o ck h o 1 m , 16. Nov. Churchill weigerte sich im Unterhaus, als er danach gefragt wurde, einen vermutlichen Termin für die Beendigung des Krieges in Europa zu nennen und begnügte sich mit der allgemein gehaltenen Antwort, daß der Krieg noch lange dauern werde. Die diesbezügliche Erklärung Churchills lautete: „Die erbitterten
Kämpfe an der Westfront gehen von Woche zu Woche weiter, und der Krieg wird sicherlich noch lange dauern.“
Die Hoffnung auf ein rasches Kriegsende habe man endgültig begraben müssen; das sei eine düstere und ernste Wendung. dertn unerfüllte Hoffnungen schwächen die Widerstandskraft und ließen genau so wie körperliche Leiden die Menschen niedergeschlagen nnd mifilannig werden — stellt die Londoner Zeitschrift „Sphere“ in einem Kommentar fest.
Das britische Volk habe sich damit abgefunden, daß der Krieg doch noch den Winter über andauern würde, erklärte der britische Kommentator Patrick Lacy. „Ganz offen gesprochen herrschte vor einigen Monaten zu viel Optimismus. Dieser Optimismus wurde durch unvorsichtige Erklärungen von hohen Stellen angeregt. Man nahm sehr leicht an, daß der Krieg in Europa in diesem Jahr noch aus sein würde. Man habe aber vergessen, daß es ungleich schwieriger sei, einen Gegner auf eigenem statt auf fremdem Boden vernichten zu wollen.
Wenn der Kommentator glaubt, „ganz offen“ sprechen zu müssen, so zieht er sich nur in die billige Rolle des Fuchses zurück, dem schließlich doch die Trauben zu hoch hingen. Jedenfalls dürfte es sich auch diesmal wieder bewahrheiten, daß überall eben doch nur mit Wasser gekocht wird.
Sorgen der Schiffnhrlslords
Von
E. W. Goldstern
Die Schiffahrtslords auf der englischen Insel, trauern sie heute nicht längst ver* , gangenen Zeiten nach, Zeiten des Piuhms, der Macht und des Ansehens der britischen Flagge auf allen Meeren? Mit Wehmut und Resignation mögen sie sich jener Tage erinnern, in denen die englische Schiffahrt noch die erste der Welt war, in denen der britische Schiffbau tonangebend schien und alle Häfen der Erde Nutzen und Gewinn aus der großen Handelsflotte Großbritanniens zogen. Das waren» die ■fetten Jahre“ für Englands Reeder, das waren die Jahre, ip denen scheinbar die Sonne für die britische Schiffahrt nicht unterging.
Auf allen weltumspannenden Schiffahrtswegen spielte die britische Handelsflotte die erste Geige. Weit und breit schien kein ernsthafter Gegner aufzukreüzen, der das Gefüge der britischen Schiffahrt hätte beidrohen können. Die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg schloß wohl den letzten Höhepunkt für. die eng« lische Seefahrt in sich ein; alle Möglich« keiten und Chancen wußte England noch 1 einmal zu nutzen, um trotz mancher von USA heraufziehenden Gpwitter weiter die Spitzenstellung in der Weltschiffahrt zu wahren. Niemand hätte vor Beginn dieses Krieges gedacht und geahnt, daß sich wenige Jahre später schon der britische Schiffahrtshimmel in einer Weise verdunkeln würde, daß nicht nur die Seeherrschaft Englands weitgehend in Frage gen stellt, sondern' daß das gesamte fein« gesponnene Schiffahrtsnetz Großbritanniens in stärkstem Maße zersplittert wurde. Was Jahrzehnte, ja Jahrhunderte Bestand nnd Gültigkeit hatte, verflüchtigt sich in wenigen Jahren. Nicht besser konnte die ungeheure Wandlung gekenn* zeichnet werden als mit jenen Worten eines bekannten britischen . Schiffahrts- sachverständigen, daß überall auf den Meeren, über denen einst der Union Jack wehte, in Zukunft das Sternenbanner wehen werde.
Das ist die Tragik, In die du britische Schiffahrt durch den Sturm dieses Krieges hineingerissen wurde, gewissermaßen über, Nacht vön einer stolzen Höhe hipuntergeschleudert zu werden und die Spitzenstellung im Seeverkehr einem Lande über« lassen zu müssen, das ohne irgendwelche Rücksicht, vielmehr in kalter Berechnung ’ die Beherrschung der Meere anf Ko« sten Großbritanniens anstrebf. Mögen einst bei Beginn des weltweiten Kriegsgeschehens die englischen Schiffahrtslords im Hinblick auf gewaltige Kriegsgewinne im Innern jubiliert 'und mögen sie sich eine weitere Stärkung der schiffahrtspolitischen Position ihres Landes versprochen haben, so zerbrach der Verlauf des Krieges recht bald ihre Hoffnungen und Träume. Nicht allein, daß der Krieg der englischen Schiffahrt, keinerlei Gewinn und keinerlei Nutzen eiribrachte, sondern der Krieg löste darüber hinaus eine Schwächung der schiffahrtspolitischen Bastionen Englands aus, die es nach menschlichem Ermessen nicht mehr aufzuhalten, geschweige denn wieder gutzumachen in der Lage ist.
Die schweren Verluste zur See, die England besonders in den ersten Jahren der Kriegführung hinnehmen mußte, waren unbestreitbar so schwer, daß' es seine führende Machtposition auf den Meeren aufzugeben gezwungen war, eine Entwicklung, die die USA durch Verstärkung des Schiffsbaues ohne viel Federlesens für sich auszunutzen verstanden. Traf ein britischer Schiffahrtsfachmann nicht den Nagel auf den Köpf, wenn er dieser Tage in der Londoner Monatsschrift „Ninetienth Century and After“ schrieb?:
„Hunderte und aber Hunderte von großen Ozeanschiffen, Küstenfahrzeugen, Öltankern und Transportern wurden versenkt und rund 28000 erfahrene Offiziere und ausgebildete Mannschaften der Handelsflotte büßten ihr Leben ein. Die britische Schiffahrt wurde in diesem Kriege zum Krüppel .geschlage n.“
Zum Krüppel geschlagen — es mag ein' krasses Wort sein, "aber es ist ein wahres- Wort. Wir unterschätzen die Leistungen der feindlichen Schiffahrt nicht; aber es sind nicht mehr die Leistungen der englischen Flotte, sondern in erster Linie die det USA, die heute mehr oder weniger das Unternehmen des Feindes in Westeuropa tragen. Englands Seeverkehr wurde an die Wand gedrückt. Die britischen Schiffahrtslords schauen heute'nur wenig hoffnungsfroh und optimistisch in die Zukunft; sie spüren im Geheimen selbst, daß die große Zeit der englischen Seefahrt vorüber ist, daß ein verbissener Kampf mit einem Rivalen vor der T.ür steht, den durchzustehen und auszufechten einem zukünftigen England ohne Zweifel sehr schwer fallen dürfte. Mit allen Mitteln bereitet sich Nordamerika darauf vor, nach dem Kriege das Rennen um die Eroberung der bedeutenden Überseemärkte zu gewinnen und damit das notwendige A'r-' beitsfeld für die USA-Schiffahrt zu eröffnen. Die britische Außenwirtschaft mußte im Laufe des Krieges manche Federn lassen; sie wird sich in Zukunft sehr bescheiden einrichten müssen. Ist es ein Wunder, daß die englischen Reeder zögern, ihre Bauprogramme, in irgendeiner Form zu verwirk«