Ausgabe 
(4.11.1944) 295
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Parieiamtliche Tageszeitung

Pas Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

Kummer 295 14. Jahrgang

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3 34 58; Bremen-Vegesack: Rohrstr. 24. Ruf 4 und 8; Bremen-Blumenthais Kapit.-Dallmann-Str. 41-43, Ruf 88 u. 89

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthallers In Oldenburg und Bremen

Sonnabend/Sonntag, 4./5. November 1944 Einzelpreis 15 Rpf.

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Neue Divisionen - neue Rüstungskräfte

Totaler Kriegseinsaiz geht weiter bis zum Endsieg - Die Ergebnisse der ersten drei Monate

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i: Unterhaltsame !>' ;gel: Neuei Etiropsgl 15: Dr.-Goebbels-Mi!? i Akt aus Puccinis ft iencter. 17.15: Beet 1 - ', Wir taten mit ifch laltung. 21: Kosten iL Werke von Beetb-viS Leitung: Henn. chelt.

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Berlin, 3. Nov. Der Reichsbevoll- jaäclitigte für den totalen Kriegseinsatz, ' ’ sminister Dr. C

ersten drei Monate des totalen

satzes

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Reidisminister Dr. G o ebbe 1 s .“teilt mit :

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jrlegseinsatzes haben eine Fülle von Ein- jeimafinahmen erbradit, über die die Öf­fentlichkeit laufend unterrichtet worden ist, Daneben wurden von allen beteiligten Dienststellen der Partei und des Staates alilreiche Maßnahmen getroffen, die sich inbemerkt von der Öffentlichkeit vollzo­gen. Zusammenfassend kann heute über jie bisherigen Ergebnisse des totalen [riegseinsatzes und über die dabei zu be­wältigenden Probleme folgendes berichtet werden:

1. Die Forderung des totalen Kriegsein­lautet: „Mehr Soldaten und

Wiffen“. Diesem Ziel dienten in der Hauptsache alle bisher getroffenen äßnahmen. Soldaten mußten für die front und zusätzliche Arbeitskräfte für Jie Rüstung in ausreichender Zahl bereit- ;:$iellt werden. Das ist schon in großem Anfang gelungen. An allen Fronten iämpfen heute zahlreiche neue Volksgre- adierdivisionen, in denen neben fronter­probten Offizieren, Unteroffizieren und Ihnnsdiaften die Männer stehen, die durch Maßnahmen des totalen Kriegsein- satzes für die Front freigemacht werden konnten. Ihr Erscheinen an der Front hat nit zu einer Versteifung des deutschen Widerstandes und einer weitgehenden Stabilisierung der Fronten beigetragen, wie von der Feindseite mit Beunruhigung festgestellt wird, und alle feindlichen Hoffnungen aitf einen baldigen Sieg zu- nidite gemacht. Die neuen Volksgrena­dierdivisionen haben sich, wie der Wehr- maditbericht wiederholt feststellte, her­vorragend bewährt, und selbst der Feind mS diesen neuen Kampfeinheiten seine Anerkennung zollen. Sie sind besonders put ausgerüstet und mit modernsten Sdineilfeuerwaffen und Panzernahbekämp- innpsmitteln bewaffnet. Ihre Ausbildung ist gründlich und berücksichtigt die neue­sten Erfahrungen, besonders in der Pan­zerbekämpfung. Eine große Anzahl weite­rer Volksgrenadierdivisionen wird durch den Befehlshaber des Ersatzheeres, Heichsführer ft Himmler, aufgestellt und tufend der Front zugeführt.

2. Auf dem zivilen Sektor sind in der beiden Zeit starke Kontingente zusätz- jfeker Arbeitskräfte mobilisiert worden.

* wurden der Rüstung zur Verfügung "teilt Darüber hinaus ist der Arbeits- rnsatzverwaltung die Möglichkeit zur Bil- ung einer dringend gebotenen A'rbeits- cäftereserve gegeben worden. Innerhalb -rzester Frist wurden Hunderttausende

Arbeitskräften, die entweder bisher tehaupt noch nicht im Produktionspre­is! standen oder an weniger kriegswich- Stelle tätig war eh, für den Einsatz »kr Rüstung freigestellt. Einen beson- fe großen Anteil an dieser Zahl haben ? Frauenjahrgänge von 45 bis 50 Jahren, “»weiteres großes Kontingent stellte die wvaltung, die durch zahlreiche organi- ätorisdie Maßnahmen ihren Personalbe- .. . a “f ein für die Durchführung ihrer •Müigen Aufgaben unerläßliches Maß be- wtankt; die zivile Fertigung, Handel und ererbe werden weitgehend ausgekämmt.

I ii i® wesentlichen auf Film und Rund- "!* beschränkte Kulturleben gab zahl­te Kräfte an Wehrmacht und Rüstung

’’ Fbe Erfassung von Hunderttausenden - 11 Arbeitskräften innerhalb weniger * stellte die Arbeitsämter vor unge- nniiche Aufgaben, die sie unter An- i nn '! n ? aller Kräfte und unter weit- Hiin l ^“fwendung improvisatorischer »mPi: bewältigten. Jeder einzelne Fall individuell bearbeitet werden, 'um Pi,' Arbeitskraft nach Möglichkeit den hist zuzuwe isen, an dem sie die höchste j et j, Dn ä zu erzielen imstande ist. Hun- l,,. ause nde von ärztlichen Untersuchun- » e ^aren notwendig.

Uj v 1 ®. Aufnahme der bereitgestellten Ar- . Kräfte durch die Rüstung vollzog sich V Mo ^"rierigkeiten. Die erschwer­en !;r nältnisse des sechsten Kriegsjahres die ~ - -

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5. Um unbillige Härten und Leerlauf zu vermeiden, werden die Frauen, die meldepflichtig geworden sind, aber im Zuge dieses Umsetz- und Anlernprozesses nicht sofort zum Arbeitseinsatz gelangen können, zunächst nur erfaßt und nach Aushändigung eines Bereitstellungs­scheines vorerst an ihrem bisherigen Tätig­keitsplatz im Haushalt solange belassen, bis eine Einsatzmöglichkeit für sie zur Verfügung steht. Auch Arbeitskräfte, die durch die Einschränkung von Dienststellen und Betrieben frei werden, verbleiben an ihrem bisherigen Arbeitsplatz, bis sie ihre neue Tätigkeit zugewiesen 'bekommen. Grundsätzlich wird der Auskämmung vor der Stillegung der Vorzug gegeben. Nur in besonderen Fällen, in denen ans bestimm­ten Gründen die Stillegung ganzer Ar­beitszweige notwendig war, erfolgte sie in vollem Umfange.

6. Die Heimarbeit wurde u,nter Führung der zuständigen Parteidienststellen und Behörden in erster Linie durch die Deutsche Arbeitsfront intensiviert. Damit wurde vielen Arbeitskräften, an deren Wohnort sich keine Rüstungsindustrie befindet oder die an den Haushalt gebun­

den sind, die Möglichkeit zu kriegswichti­ger Tätigkeit gegeben.

7. Unter Überwindung aller durch die Größe und Dringlichkeit der Aufgabe sowie durch die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit gebotenen Schwierigkeiten wurde der überwiegende Teil der freige­wordenen einsetzbaren Kräfte tatsächlich bereits in den Produktionsprozeß einge­reiht. Darüber hinaus verfügen wir heute über eine gewisse Reserve an Arbeits­kräften, die dem steigenden Bedarf der Rüstung zu gegebener Zeit zur Verfügung stehen, die aber inzwischen auch in Be­schäftigungszweigen eingesetzt werden können, die dem Wohl der Gesamtbevölke­rung, insbesondere der luftbedroEten Ge­biete, dienen. So werden jetzt Kräfte aus der Reserve nicht nur an die unmittel­bare Rüstungsindustrie, sondern auch an handwerkliche Reparaturbetriebe zur Behebung von Bombenschäden und an Be­triebe, die Erzeugnisse des täglichen Be­darfs, vornehmlich für Bombengeschä­digte, herstellen, abgeben.

8. Mit den bisher getroffenen Maß­nahmen sind die Kraftreserven des deut­schen Volkes keineswegs ansgeschöpft.

Enttäuschte Hoffnungen der Feindseite

Unerwartet heftiger Widerstand der deutschen Soldaten

sj,. n die Rüstungswirtschaft ohnehin liji rn v ' )r .mannigfache Probleme. Zusätz- *41 iL Sle nun i nner halb der Millionen- t’nsrf, er Gefolgschaftsmitglieder jeinen k er L,, ^“äsprozefi größten Ausmaßes be- di e I el '^n, dergestalt, daß die Kräfte, liönw Keniaten an der Front kämpfen ffnrj fji,' w ie möglich herausgelöst fähige tf./jndere nicht frontverwendungs- ‘^den rf” 6 ’ besonders Frauen, ersetzt -■'leRi Anlernproblem kommt dabei :tvöl 1 r,vl f eutlm g zu - In einem ganz un- (räfte , l .®en Umfang müssen Arbeits- eäeu’ p® zur n Teil noch nie im Erwerbs- der P t?^ en haben, geschweige denn ^fearh-i 'riharbeit vertraut sind, neu werden. Der Reithsminister G«ii ef ,|tJ n S und Kriegsproduktion und der ,: ;»!(t z l e 7°hunächtigte für den Arbeits- ’itteini en die verstärkte und beschleuß l!' e Wii\ ernun g von Ersatzkräften den Be- rfische re * n - ZUr Plicht gemacht^ Die

Arbeitsfront

Sanisation

Dienst

mit Erfolg dieser

Drahtbericht unseres Vertreters tt. Genf, 3. Nov. Die Betrachtungen der anglo-amerikaniscben Presse werden im­mer illusionsloser und sorgenvoller. Cha­rakteristisch ist ein Artikel der Londoner Zeitschrift „Contemporary Review“, deren Mitarbeiter Murray sich miit bangen Zwei­feln abplagt, ob es nicht möglich sei, daß die so öffentlich zur Schau gestellte alli­ierte Siegeszuversicht sich letzten Endes als Illusion erweisen köfinte. Die Zuver­sicht der Anglo-Amerikaner, so sagt Mur­ray, gründe sich auf die Überlegenheit der materiellen Hilfsquellen. Die militärische Entwicklung der letzten Wochen habe aber gezeigt, daß die Alliierten in den Deutsdien nach wie vor ebenso sieges­bewußte Gegner hätten. Die deutsdien Soldaten zeigten weiter ihre' alte Zähig­keit und kämpften an' allen Fronten mit der ihnen eigenen Entschlossenheit, Kühn­heit und Geschicklichkeit. Italien sei nur ein Beispiel für das meisterhafte militä­rische Können der Deutschen. Nirgendwo lasse sich ein Anzeichen für das geringste Nachlassen ihrer Kampfmoral entdecken.

Die alliierten Soldaten wunderten sich im­mer von neuem über die heroische Hal­tung deutscher Gefangener, besonders die der jungen Nationalsozialisten.

Unter der Überschrift „Zurückgeschraub­ter Optimismus in London“ veröffentlicht die „Tat“ einen Londoner Eigenbericht, in dem ausgeführt wird: „Die britischen Zeitungen haben in der letzten Zeit offen von einer militärischen Wiedergeburt der deutschen Abwehrkräfte' gesprochen. Man gibt sich Rechenschaft darüber, daß sich im Osten, vor allem im polnischen und ost­preußischen Abschnitt, nicht alles pro- grammäflig verlaufen. Die Niederlage der Sowjets vor und der Polen in Warschau hat offenbar für die Weichselfront ungefähr die gleiche Bedeutung gehabt, wie der Miß­erfolg der Luftlandung bei Arnheim für die Rheinfront.“ Sowjetische Militärs in London hätten im Juli erwartet, daß die bolschewistische Armee bis September das öberschlesische Industriegebiet in ihrer Hand haben werde, ebenso wie man im Westen hoffte, bis Oktober an der Ruhr zu stehen.

Die Planung neuer Maßnahmen geht daher weiter. Sie werden im Zuge Jewei­lig auftretenden dringenden Bedarfs durchgeführt. Inzwischen geht das Bestre­ben dahin, der Bevölkerung durch weitere Vereinfachungen durch gerechtere Ver­teilung der Lasten und durch weitgehende Rationalisierung des Staats- und Verwal­tungsapparates Erleichterungen zu ver­schaffen, sozusagen als Ausgleich für die zusätzlichen Belastungen, die der totale

Kriegseinsatz jedem einzelnen Volksge­nossen auf bürden muß.

Die kommenden Wochen werden der Fortführung, Überprüfung und Vertiefung der bisher angelaufenen Maßnahmen dienen. Neue Divisionen werden unsere Fronten weiter verstärken, immer mehr schaffende Hände in der Heimat werden ihnen die Waffen schmieden. Der totale Kriegseinsatz geht weiter, bis der Endsieg errungen ist.

Horizont der Yankees

Von Dr. Adolf Wolfard

„Am ersten Dienstag nach dem ersten Montag im November“ finden nach der Verfassung in den Vereinigten Staaten von Amerika in jedem Schaltjahr die Präsi­dentschaftswahlen statt. Genauer gesagt die Wahlen der „Elektoren“, die ihrer­seits dann den neuen Präsidenten bezeich­nen. Wahltag ist also im Kriegsjahr 1944 der 7. November. Um es aber gleich voi- wegzunehmen: Es kann uns Deutsche völlig unberührt lassen, ob aus der Wahl­urne wieder Roosevelt oder sein Gegen­kandidat Dewey (gesprochen Djui) her­vorgeht. Wir mischen uns, ganz im Gegen­satz zu den feindlichen Behauptungen, wir wollten jedem Volk den „Nazismus“ auf­zwingen, grundsätzlich nicht in die inner­politischen Verhältnisse anderer Länder. Und was die Außenpolitik der USA anbe­langt, so wissen wir nur zu genau, daß sie unter Dewey nicht anders als unter Roose­velt sein würde. Denn darüber haben die Auftraggeber zu bestimmen, die, ob Roo­sevelt, ob Dewey, im Grunde dieselben sind. Beide Bewerber um die Präsident­schaft hatten deshalb auch im Wahlkampf einen - „außenpolitischen;-Burgfrieden.“ ge­schlossen. Wir können uns daher auch je­der Prognose, wer am Dienstag „das Ren­nen macht“, enthalten, weil es uns völlig gleichgültig ist, wer in das Weiße Haus einzieht, wenn dessen Politik von vorn­herein festliegt . . .

Es ist aber immerhin bezeichnend, daß gerade in diesem Augenblick die seriöse amerikanische Zeitschrift „Red Book“ ei­nen Aufsatz aus der Feder eines Dozenten der Universität Princeton veröffentlicht, in dem auf Grund einer umfassenden Um­frage festgestellt wird, daß über 54 Milli­onen Amerikaner niemals etwas von der Atlantik-Charta gehört oder gelesen ha-

Feind erkennt „Wiedergeburt deutscher Abwehrkrnit

Nach maßlosen Illusion en nun Zweifel am Sieg

Drahtbericht unserer Berliner,Schriftleitung

Dr. W. Sch. Berlin, 3. Nov. Jetzt setzt der Feind seine Hoffnung darauf, daß mit der Zeit die gewaltige materielle Überlegen­heit doch noch zur vollen Geltung kommen werde. Die Tatsache der schon vorhan­denen materiellen Überlegenheit Und des zahlenmäßigen Übergewichts des Feindes sowie weitere Möglichkeiten nach dieser Richtung hin können und sollen von uns gar nicht bestritten werden. Aber immer stärker machen sich sowohl auf der west­lichen wie auf der östlichen Seite der Feindkoalition gewichtige Stimmen be­merkbar, die auf Grund gerade der jüng­sten Kampferfahrungen nicht mehr den rechten Glauben daran haben, daß das Übergewicht an Menschen und Material gegenüber dem deutschen Volke zum ent­scheidenden Erfolg führen könnte, nach­dem dieses noch rechtzeitig in seinem Grenzbereich wieder festen Fuß gefaßt und entscheidenden Zeitgewinn erkämpft hat, um nun mit dem gesamten Aufgebot der Volkskraft, mit neuen Kampfmethoden und schließlich auch mit Waffen, die dem Kampfbild ein ganz neues Gepräge geben sollen, die Festung Deutschland zu ver­teidigen.

Zunächst einmal braucht ein Angreifer gegenüber modernen Befestigungen stets ein Mehrfaches der Kräfte, mit denen der Verteidiger auskommen kann. Wenn die­ser Verteidiger nun auch noch über das bessere soldatische Können, über eine weit überlegene Kampfmoral und schließlich auch noch über die Waffen verfügt, die die Feuerkraft des einzelnen Kämpfers erheb­lich steigern, so wird die Sache auch für einen Feind mit scheinbar erdrückender materieller Überlegenheit problematisch. Panzerschreck und Panzerfaust gegenüber einem vieltonnigen Panzerungetüm deuten die gleiche mögliche Linie irgendwie schon an, und wir hoffen auch, daß noch recht­zeitig die Maßnahmen zur vollen Aus­wirkung kommen, die dem Luftkrieg eine Wendung geben sollen.

Eines steht jedenfalls fest, daß sich im Hinblick auf die letzten Kampferfahrun- gen und auf die Möglichkeit der weiteren Entwicklung immer mehr Leute im Feindlager die Frage stellen, ob nicht doch die Hoffnungen auf den Sieg der, entscheidenden Grundlagen entbehren.

„Ist es möglich“, so fragt geradezu ent­setzt George Murray im „Contemporary Review“, „daß auch die alliierte Sieges­sicherheit sich als Illusion erweist?“ Murray geht auch davon aus, daß sich diese Sicherheit auf die Überlegenheit der materiellen Hilfsquellen stütze, aber die Verbündeten hätten in den Deutschen nach wie vor ebenso siegesbewußte Geg­ner. Murray legt mit Recht ein besonde­res Gewicht auf die starke deutsche Kampfmoral. Trotz der Rückschläge, so sagt er, zeigten die deutschen Soldaten weiter ihre alte Zähigkeit und kämpften an allen Fronten mit der ihnen eigenen Entschlossenheit, Kühnheit und Geschick­lichkeit. Italien sei nur ein Beispiel für ihr meisterhaftes militärisches Können. Nirgendwo sei ein Anzeichen für das ge­ringste Nachlassen ihrer Kampfmoral zu entdecken. Die Deutschen hätten sogar teilweise Grund, sich selbst zu beglück­wünschen vor allem wegen ihrer Fern­waffe, die noch immer einen großen Tri­but von den Engländern fordere. Die deutschen Soldaten glaubten felsenfest, daß auch die Vorsehung ihnen den schließlichen Erfolg schenken werde. Die alliierten Soldaten wunderten sich immer wieder über c(ie Haltung eingebrachter deutscher Gefangener, besonders der jun­gen Nationalsozialisten. Diese heroische Haltung der Deutschen sei ungewöhnlich, und man müsse sie bewundern, wenn es nicht der _ Feind wäre, der sie zeige. Ebensowenig wie diese Haltung habe man auch erkannt, wie wenig man selbst für die Probleme besetzter europäischer Ge­biete vorbereitet sei. Alle Deklamationen der anglo-amerikanischen Politik über an­gebliche Krien-sziele seien, wie die Atlan­tik-Charta zeige, „gleich den Mauern von Jericho zusammengestürzt, sobald bol­schewistische Trompetenstöße zu hören waren“. Die führenden Männer Englands hätten außerdem ihren Kredit dadurch verloren, daß sie gegebene soziale Ver­sprechungen nicht eingehalten hätten.

Den Glauben, daß Deutschland durch einen Sturz des Nationalsozialismus von innen her bezwungen werden könnte, hat man angesichts solcher Erkenntnisse heute wohl überall in der Welt aufgegeben. Selbst Roosevelts Intimus, Walter'Lippman, gibt heute zu, daß niemand in der Lage sei, den Nationalsozialismus zu zerstören* ohne nuch gleichzeitig das ganze .organi-'l

sierte Leben Deutsdilands in Stücke zu reißen. Wie beispielsweise in der schwei­zerischen „Tat“ spricht man in England jetzt offen von einer militärischen Wieder­geburt der deutschen Abwehrkräfte, wobei darauf hingewiesen wird, daß auch im Osten im polnischen und ostpreußischen Abschnitt nicht alles programmäßig ver­laufen sei. Die deutschen Abwehrerfolge in diesen Abschnitten hätten offenbar für die Weichselfront ungefähr die gleiche Be­deutung gehabt wie der Mißerfolg der Luftlandung bei Arnheim für die Rhein­front. In diesem Zusammenhang wird noch einmal bestätigt, daß nach dem Termin­kalender die Bolschewiken im September in Oberschlesien und die Anglo-Ameri­kaner im Oktober an der Ruhr stehen wollten.

Diese Spekulationen sind znsammen- gebrochen. Der entscheidende, Zeitgewinn wurde von unseren Truppen erkämpft, und die Wiedergeburt der deutschen Ab­wehrkräfte aus der Tiefe der Nation ist heute auch im Feindlager so anerkannt, daß man sich dort vor die Frage gestellt sieht, oh man dagegen noch mit den vor­handenen eigenen Mitteln zum Erfolg kommen kann. |

Tschungking zählt nicht mehr

Stockholm, 3. Nov. Im Zeichen der schwe­ren Krise zwischen den USA und Tschung- king-China ist man in den anglo-amerika- nisdien Ländern nun bemüht, die Bedeu­tung Tschungking-Chinas für die Alliier­ten herabzusetzen. Sowohl in Washington als auch,in London werde nach dem Lon­doner Korrespondenten von „Afton Tid^ ningen“ angedeutet, daß England und Amerika Kräfte und Möglichkeiten be­sitzen, um Japan ohne, chinesische Unter­stützung zu besiegen. Sollte eine solche Entwicklung eintreten, so würde Tschung- king-China automatisch aus dem Quartett oder dem Quintett der Alliierten ausge­schlossen werden. „Daily Mail“ erklärt, daß es nicht unglaubhaft erscheine, daß das alliierte Oberkommando bereits in ge­wissem Umfange in seinen Berechnungen von einer chinesischen Hilfe abgesehen habe. Dennoch werde in London noch im- mpr darauf hingewiesen, daß eine gut aus­gerüstete chinesische Armee für die West­mächte eine enorme Hilfe bedeuten svürde.

ben, und daß 86 Millionen - Amerikaner völlig außerstande seien, auch nur einen einzigen der Grundsätze oder überhaupt den Zweck; der Charta und ihre Entste­hung anzugeben. So ist es also um die Geisteshaltung des Volkes bestellt, dessen Söhne angeblich für die Grundsätze der Atlantik-Charta und für die sogenannten Vier Freiheiten auf den Schlachtfeldern Europas gegen Deutschland und in der In­selwelt des Pazifik gegen die Japaner kämpfen. Man wende hier nicht ein, es handele sich bei den Behauptungen des Dr. C a n t r i 1 um vage Schätzungen. Ihnen liegt vielmehr eine fundierte Um­frage zugrunde. Der Dozent der Prince- ton-Universität hat mit Hilfe einer von ihm selbst aufgebauten und über die ganzen USA verbreiteten Organisation von Mitarbeitern die politische und Allge­meinbildung des amerikanischen Volkes erforscht. Als dessen Ergebnis mußte er feststellen, daß die Annahme, die USA-Be- völkerung zeige ein Interesse an dem Ge­schehen in der Welt und besitze eine uni­verselle Bildung, in Wahrheit bei mehr als 90 v. H. nicht -ziürrfT t. Ü - Darch- sthnittsaiBeiikanek, jsSumtDr. CwhB' ein, interessiere sich überhaupt nicht für ide­elle oder geistige Zukunftsfragen und das Wohlergehen der Welt. Ebenso seien ihm demokratische Schlagworte vollkommen gleichgültig. Er denke nur an sich ganz persönlich. Seine Unwissenheit aber sei ganz beängstigend und verrate enge Gren­zen des Horizonts und übersteigerten Ego­ismus. Von ungefähr 90 Millionen erwach­senen Amerikanern wissen — immer nach der Umfrage des amerikanischen Dozenten — 27 Millionen noch nicht einmal, daß die Japaner die Philippinen besetzt haben. Vielleicht hat dieses ungefähre Drittel der Nordamerikaner das erst in diesen Tagen erfahren, da amerikanische und australi­sche Truppen unter General MacArthur auf der Philippineninsel Leyte gelandet sind, um den Versuch zu machen, die einstmals amerikanische Inselgruppe zurückzuer­obern, und da zwei amerikanische Kriegs­flotten, die dritte und die siebte, in den Gewässern um die Philippinen eine schwere Niederlage durch japanische Luft- und Seestreitkräfte hinnehmen mußten. Viel­leicht aber haben selbst diese Tatsachen, da sie von Roosevelt und dem Oberbe­fehlshaber im Pazifik, Admiral Nimitz, durch allerlei phantastische Siegesbehaup­tungen überdeckt wurden, noch nicht ein­mal Eingang in den Horizont dieser Nichtswisser gefunden.

Jedenfalls werden die deutschen Be­hauptungen, wonach die amerikanischen Soldaten überhaupt nicht wissen, wofür sie kämpfen, durch die Feststellungen Dr. Cantrils vollkommen erhärtet. Denn wenn deren Eltern und Geschwister so wenig vom Kriege wissen, wird es um die Soldaten selbst auch wohl kaum besser bestellt sein. Auf die Aufforderung, die sogenannten Vereinigten Nationen aufzu- zählen, also die Gegner Deutschlands und Japans, wußten 57 Millionen Nordameri­kaner nicht einmal, daß ihre nächsten Nachbarn, die Kanadier, ebenfalls dazu gehören. 58 Millionen waren erstaunt zu erfahren, daß Brasilien Verbündeter der USA sei.

Man muß dem amerikanischen Wissen­schaftler Recht geben, wenn er als Schluß­folgerung seiner Umfrage bitterste An­klagen gegen die amerikanische Regie­rung, die Schule und Presse erhebt und erklärt, das Bild, das seine Umfrage er­geben habe, sei geradezu erschreckend, und man müsse, ob man wolle oder nicht, zugeben, daß die durch ihn offenbar ge­wordenen Tatsachen nicht nur eine Schmach, sondern auch eine furchtbare Bedrohung für die Demokratien seien. Gewiß, denn eines der Hauptargumenfe der amerikanischen Presse bei der An­preisung ihrer vielgerühmten Demokratie ist ja der Hinweis auf die sogenannte geistige Freiheit und den hohen Bildungs­stand in den Demokratien. Die amerika­nische Regierung, _ Schule und Presse impfen dem Volk immer wieder schlag­wortartig den Gedanken ein, daß die Ver­einigten Staaten nicht nur die besten Ein­richtungen der Welt hätten, sondern auch, daß das amerikanische Volk das freieste der Erde sei. Auf dieser Grundlage wird dann der Glaube geschaffen, als sei das amerikanische Volk anderen Völkern gegenüber in jeder Hinsicht überlegen, als seien andere Völker unwissender, als