Ausgabe 
(28.10.1944) 289
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der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkiindungsblatl des Reichsslaühallera in Oldenburg und Bremen

Nummer 289 14. Jahrgang

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Sonnabend/Sonntag, 28./29. Oktober 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

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Dr. Goebbels: Entschluß der Nation, ihre Lebensrechie zu sichern

Krafiansirengung aller!

Berlin, 27. Okt. Reichsminister Dr. Goebbels sprach am Freitag um 20.15 Uhr jjjgr alle deutschen Sender zum deutschen Volk und gab einen Überblick über die läge. Der Minister führte aus: \

.Meine deutschen Volksgenossen und Töiksgenossinnen! Es ist etwa drei Monate her. seit ich das letzte Mal über den Rund- | un k zum deutschen 1 Volk gesprochen und jim einen Überblick über die allgemeine Kriegslage gegeben habe. In dieser relativ kurzen Zeitspanne haben sieb auf dem- po­litischen und militärischen Kraftfeld dieses gigantischen Ringens Ereignisse von ent­scheidender Bedeutung abgespielt, die das Kriegsbild in wesentlichen Zügen grund­legend verändert haben, teils zu unseren Ungunsten, teils aber auch zu unseren Gunsten. Es waren keine leichten Wochen, die wir durchzumachen und zu überstehen hatten. Wir mußten manchmal unser Herz in beide Hände nehmen, um dem Ansturm der Sorgen und wachsenden Bedrängnisse ui begegnen, und viele bittere Stunden tnudien in unserer Erinnerung auf, wenn ,ir die hinter uns liegenden drei Monate no4 einmal vor unserem geistigen Auge Revue passieren lassen.

Aber was die Hauptsache ist, die große Hoffnung unserer Feinde hat sich picht er­füllt. Wir sind nicht unter ihrem mili­tärischen und agitatorischen Generalstnrni msammengehrochen. Der Weg in das Reich, der nach ihren eitlen Voraussagen eine Spazierfahrt werden sollte, blieb ihnen versperrt. Das deutsche Volk steht wieder lest auf seinen Beinen und schickt sich zu neuen überzeugenden Dokumentationen seines unzerstörbaren Freiheit§-_ und Le­benswillens an. Unsere Fronten Im Osten, Westen und Rüden sind zwar noch enormen Belastungen ausgesetzt, aber wir haben die berechtigte - Hoffnung, daß sie bald wieder allüberall feste Formen annehmen werden. Kurz und gut, wir haben erneut vor uns und vor der Welt die Richtigkeit des Wortes bewiesen, daß das, was einen nidit umbringt, einen nur stärker macht.

Heute möchte ich dem deutschen Volke wiederum auf demselben Wege wie das letzte Mal einen Überblick über die Lage

geben und im Zusammenhang damit die neuen Aussichten erörtern, die das gegenwärtige Kriegsbild uns eröffnet. Ich tue das einerseits mit dem nötigen Ernst, den der Krieg auf seinem dramafischen Höhepunkt gebietet, andererseits aber auch mit jener offenen Freimütigkeit, die seit jeher die deutsche Darstellung des Krieges vor der unserer Feinde ausgezeichnet Hat. Soweit keine militärischen oder politischen Geheimnisse in Frage stehen, hat die deutsche Führung nichts vor ihrem Volke zu verheimlichen oder zu verschleiern. Wir haben nie einen Zweifel darüber gelassen, daß dieser Krieg, der uns von unseren Feinden aufgezwungen wurde, ein Schick­salskampf um unser Leben ist. Seine ein­zelnen Ereignisse werden deshalb von uns ausschließlich unter diesem Gesichtspunkt gewertet.

So schmerzlich und quälend sie auch manchmal sein mögen, sie können uns nicht von dem festen und durch nichts zu erschütternden Entschluß abbringen, so lange die Waffen zu führen und zu kämp­fen, bis ein Frieden erzielt werden kann, der unserem Volke sein Recht auf Leben, nationaler Unabhängigkeit und Auswei­tung seiner Existenzgrundlage garantiert und damit erst die ungeheuren Opfer recht­fertigt, die wir in diesem Krieg gebracht haben und noch bringen müssen.

An diesem Entschluß ändert auch nichts 1 die Tatsache, daß unsere Feinde nun schon seit Beginn dieses Frühjahrs in einem Riesenansturm von Menschen und Material unsere Fronten berenne'n mit dem ausge­sprochenen Ziel, uns noch vor Einbruch des Winters in die Knie zu zwingen und in dieser Gewaltoffensive im Westen, Osten, Südosten und Süden bis heute kaum erst ein Nachlassen zu verspüren ist. Die Feind­seite. steht dabei unter dem Druck der all­gemeinen Kriegsentwicklung. 'Abgesehen davon, daß sie sich auf Grund ihrer inne­ren. Schwierigkeiten, die in >. allen gegne­rischen Ländern immer offener zutage tre­ten. einen Krieg auf unbestimmte Sicht nnd Dauer nicht leisten kann, sind auch ihre Verluste an Menschen und Material so hoch, daß sie schon aus diesem Gruncje ge­halten ist, eine möglichst schnelle Beendi­gung des Krieges zu versuchen. r

Welllau! aiil der Zeit - für uas günstig

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Diese Verluste können in Zukunft zu- ' 'folge der von uns getroffenen Maßnahmen fit sie nur noch drückender werden. Es ist »Iso in der Tat ein Wettlauf mit der Zeit, ler gegenwärtig ausgefochten wird, und wir haben nach Lage der Dinge alle Chan- leo, diesen zu gewinnen.

14 brauche kaum darüber zu sprechen, worum es dabei für uns geht. Im Gegen- wtz zu unseren Gegnern, die unter gleiß- «erischen Phrasen und verführerischen 'wsprechungen nur weltimpeiialistische, ’ölkerfeindliche Ziele verfolgen, verteidi- IWwir unser Leben. Unsere Feinde haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß *'• dieses bedrohen. Es ist also ziemlich gleichgültig, auf welche Weise sie uns im Unreinen vernichten wollen, ob die west- ,® e Feindseite, indem sie Deutschland in ollen Kartoffelacker zu verwandeln, oder ™ die östliche Feindseite, indem sie das witsche Volk durch Massenterror und ™angsdeportierungen um 30 bis 40 Milli- oien Menschen zu dezimieren ent­flossen ist.

Fest steht, daß wir von unseren Fein- ?? nur die Hölle auf Erden zu erwarten “Uten, wenn wir, wie sie uns immer wie- Wf auffordern, die Waffen niederlegten 1 u. nns ' n ^ re Gewalt begäben.

14 halte es für unter' meiner Würde, tt| 4 mit diesem Ansinnen überhaupt •tasthaft auseinanderzusetzen. Es gibt in •itschland keinen Arbeiter, keinen Aaern, keinen Geistesschaffenden, keinen “Oldaten und keinen Politiker, keine Frau ad keine Mutter, die jemals auch nur in •jtt heimlichsten ..Gedanken darüber »4gedacht hätten, daß wir darauf ein-

S a könnten, nnd unsere Knaben und uen würden sich unserer schämen ?issen, wenn wir das im Ernst ins Auge

il?, n wollten.

•I 11 * anderen Worten: Die Nation ist fest ,. schlossen, diesen Kampf um ihr Leben rn.r*? ,e inem siegreichen Ende durch- Rstehen. Und es ist Pflicht ihrer C Uns ’. ihr die Wege zu weisen, um tmtl 1 mc * s iichst baldigen und möglichst , Men ßen Erfolg dieses tapferen Bc- ,-cns 7u gewährleisten.

LJ; ers cheint nun aitch durch unwider- B P : a / e . Tatsachen erhärtet, daß die nicht ein einziges Kriegsziel itjpnj ’. das der leidenden Menschheit (j,. j? f’nen Nutzen bringen könnte. Von (tri .'?, e Teredeten vier Freiheiten, die der y», i'! che Präsident Roosevelt zur AWu Einkleidung seiner haßerfüllten „irT» . Hegen uns proklamiert, ist, G«,.. u m einige, europäische Länder in die Sa,' unserer Feinde fielen, nichts ‘«lL Ubrifr geblieben. Wo ihre Truppea “ 8tea . stellen »ch in köwrattw Bast*

Not, Hunger, Pestilenz, Massenprostitution verzweifelter Frauen, , Säuglingssterben, Anarchie und jäher ? Zusammenbruch jeder staatlichen Ordnung ein. Die Völ­ker des Westens beispielsweise, die noch vor einigen Wochen die anglo-ameri- kanisehen sogenannten Befreier mit Fahnen und Girlanden begrüßten, müssen heute schon diese Voreiligkeit sehr teuer bezahlen. Und mancher Franzose wird sicherlich jetzt bereits mit Wehmut an die Zeiten der deutschen Besetzung seines Landes zurückdenken. in denen ihm zwar die Anglo-Amerikaner über den Rundfunk den Himmel auf Erden versprachen, er aber wenigstens im Gegensatz zu heute zu essen und zu hei­zen hatte und eine festgefügte staatliche Ordnungsmacht- dafür, sorgte, daß die Anarchie, wo sie ihr Haupt erheben wollte, gleich wieder in ihre Schlupfwin­kel zurückgetrieben wurde. Es ist nun einmal so im Leben, daß die meisten Menschen nur durch Schaden klug zu -machen sind, und es mag vielleicht in mancher Hinsicht ganz zweckmäßig er­scheinen, daß viele Völker Europas den iterschied zwischen unserem Programm einer Neuordnung unseres Kontinents und dem Programm unserer Feinde, seiner Auflösung und Vernichtung durch einen sehr drastischen Anschauungsunterricht vor Auggn geführt bekommen^

Was wir in diesem Kriege wollen, ist klar. Neben der Verteidigung nnsers eige­nen Landes obliegt uns der Schutz unseres Kontinents, der heute vor einer Be­drohung steht wie noch nie in seiner Ge­schichte. Wir schrecken vor den daraus erwachsenden Gefahren nicht wir

wissen, daß überwindbar sind, aber auch, daß cs ^azn der härtesten Anstren-, gungen und Opfer bedarf. ,

In einer Zeit allgemeinen Verfalls der politisch-bürgerlichen Anschauungswelt, die, wie viele Läüder als Beispiele be­weisen, den Belastungn dieser Zeit weder materiell noch seelisch gewachsen ist, stellen wir die einzige Hoffnung Europas dar. Das Zusammensinken einer Reihe von Staaten unseres Kontinents allein schon vor den Drohungen des Bolsche­wismus ist ein klassischer Beweis für die Unzulänglichkeit ihrer Führungsschich­ten, die so schwach und lebensmüde sind, daß sie aus Angst vor dem Tode Selbst­mord begehen. Sie fallen deshalb dem Bolschewismus als billige / Beute in den Schoß. Sie besitzen keine klare Welt- und Staatsanschauung, die auf der Ehre be­ruht und deshalb auch die nationale Verteidigung zur höchsten Pflicht eines Volkes erhebt. Sie sind reif zum Unter­gang und verdienen kein anderes Sehick- •al ail-das, wlebe». si« erleiden, Man kann

mit ihnen auch kein Mitgefühl haben; denn wer während des Kampfes um das nackte Leben die Flinte ins Korn wirft, darf sich weder vor sich selbst noch vor den anderen über das Unglück beklagen, das ihm als Folge eines politischen Lebensüberdrusses zuteil wird..

Wir Deutschen sind ein junges und tap­feres Volk. Wir haben uns von den An­kränkelungen freigehalten, die heute einen bedeutenden Teil der europäischen Welt, zum Zusammenbruch führen. Wir ziehen daraus die Folgerung, daß uns noch eine große Mission an der Regeneration unseres Kontinents Vorbehalten bleibt und daß wir uns in diesem Kriege dafür qualifizieren müssen. Das weiß heute jeder Soldat, der an der Front kämpft und jeder Arbeiter, der ihm dazu die nötigen

Waffen schmiedet. Unser Rationales Selbstbewußtsein ist auch durch die jüng­sten Rückschläge auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen in keiner Weise . in Mitleidenschaft gezogen worden: im Ge-, genteil, so sehr diese uns manchmal auch verbittern mögen, sie tuen doch dem stol­zen Gefühl keinen Abbruch, das uns alle erfüllt angesichts der Tatsache, daß wir nun schon über fünf Jahre fast der ganzen Welt gegenüber standhalten, ohne , daß es ihr bisher gelungen wäre, noch jemals ge­lingen wird, uns in die Knie zu zwingen. Das beweisen wieder die Ereignisse an den Fronten im Verlauf des vergangenen Frühjahrs und Sommers, die für uns zwar manche schwere Rückschläge mit sich ge­bracht, aber niemals zu einem Erlahmen der deutschen Widerstandskraft geführt haben.

Pläae der Fesade vereiieli

Was den Westen änlangt, so mußten wir hier den größten Teil der räumlichen Pfänder, die wir durch die glorreichen Siege unserer Truppen 1 im Mai und Juni des Jahres 1940 erworbfen haben, wieder preisgeben. Ich weigere mich nicht, einzu­gestehen, daß das uns bitteren Kummer und' schwerste Sorge bereitet hat und noch bereitet; denn wir wissen alle ganz genau, was das für uns bedeutet. Die Gründe, die zu diesem Rückschlag führten, werden später einmal erörtert werden. Jedenfalls mußten wir uns im großen und ganzen auf unsere Linie aus dem Jahre, 1939 zu­rückziehen, wo es einer überlegenen Truppenführung, der Standhaftigkeit un­serer Soldaten und vor allem der uner­schütterlichen Einsatzbereitschaft unserer zivilen Bevölkerung, der Männer, Frauen, Knaben und Mädchen unserer Rhein-’ und Ruhr-Provinzen gelang, wieder eine feste Verteidigungsfront aufzubauen. Seit dem Siege von Arnheim spricht die Feindseite nicht mehr von einer Spazierfahrt nach Berlin, Das Oktoberdatum des deutschen Zusammenbruchs, das sie wieder einmal leichtfertig und voreilig an^ekündigt hatte,, konnte von ihr nicht eingehalten Werden. Sie beeilt sich zwar, es heute durch andere, fernerliegende Daten zu er­setzen, aber wir werden schon dafür zu sorgen wissen, daß §uch diese wio alle ihnen vorangegangenen in den Wind ge­schrieben sind.

Daß unsere Front sich im Westen wie­der stabilisieren konnte, ist zu einem be­deutenden Teil dem fast sagenhaft anmu­

tenden Heldenkampf unserer Truppen in den Küstenbefestigungen zu verdanken. Auf scheinbar - aussichtslosem Posten stehend, haben sie unter stolzer Ableh­nung aller noch so verführerischen Uber- gabeersjichen des Feindes treu dem Füh­rer und ihrem Fahneneid den Kampf gegen den übermächtigen Ansturm von Menschen und Material durchgehalten und Anglo-Amerikanern den Zutritt zu jenen ausladefähigen Häfen verwehrt, deren sie unbedingt bedurften, wenn sie ihre Offen­sive in das Reich hinein erfolgreich fort­setzen wollten, ehe wir wieder eine feste Front aufgebaut hatten. Sie haben damit ein Ruhmesblatt in das Buch der Ge­schichte dieses Krieges eingeheftet; Wenn man heute in London und Washington in beweglichen Tönen Klage darüber führt, daß man immer noch nicht im Besitz aus­reichender Häfen Sei und darum die Ope­rationen an unserem Westwall gestoppt •worden wären, so können unsere Soldaten an den Küstenbefestigungen solche Stim­men mit höchstem Stolz zu ihren Gunsten verbuchen. Es gibt keinen Deutschen, der mir nicht aus vollem Herzen beistimmte, wenn ich ihnen für ihr tapferes Ausharren auch unter den schwersten Bedingungen über die Ätherwellen den Dank des Füh­rers und der Nation übermittle. In vielen Funksprüchen haben sie mir zur Kenntnis gebracht, daß sie große Teile oder gar ihren ganzen Sold dem Deutschen Roten Kreuz oder dem Kriegswinterhilfswerk überweisen. Die begleitenden Worte dieser Funksprüche atmen einen Geist, der an antike Vorbilder erinnert.

Ruhotesblail deuischea SSoldaiealuats

Ein Volk, das solche Männer hervor­bringt, «ist zu einer großen Zukunft be­rufen. Wir wären nicht wert, dieses Volk in seinem schwersten Schicksalskampf zu führen, wenn wir dabei nicht in jeder Stunde von demselben Geist erfüllt sein wollten. Wir verdienten nur Verachtung, ließen wir es je an der Entschlossenheit fehlen, aus diesem Geist immer wieder die Kräfte zu entwickeln, die uns am Ende doch trotz schwerster Bedingungen zum Siege, führen werden.

Im O s t e n versuchen die Sowjets, durch Massierung ihrer Angriffe fast an allen Teilen der Front noch vor.Wintefeinbrudi jene Entscheidung des Krieges zu erringen, deren auch sie dringend bedürfen^ Das Ungeheuer Bolschewismus • hat sich hier und da bis an unsere Grenzen oder sogar über sie hinweggeschoben und damit seine Gefahr für das Reich und ganz Europa nur noch erhöht. Zwar will die übrige Welt nicht gerne hören, daß die deutsche Ord- nungsmad)t heiite den einzigen und letzten Schutz gegen eine Bolschewisierung un­seres Kontinents darstellt, aber ein Blick auf die Landkarte zuzüglich der Erfahrun­gen, die andere, leichtgläubige Völker in jüngster Vergangenheit mit dem Kreml und seiner gleißnerischen Täuschunas- politik gemacht haben, bewiesen zur Ge­nüge, daß dem trotzdem so ist. Wir haben nie daran gezweifelt und sind deshalb auch gepren das bolschewistische Gift, das lang­sam aber sicher diese anderen Völker durchdringt und lähmt, immun. Unsere Sol­daten setzen alles daran, ah der Ostfront

wieder feste Verteidigungslinien aufzu­richten und wenn man auch den Tag nicht vor dem Abend loben soll, so hat es doch den Anschein, als ob die für unerschöpflich gehaltene Menschenkraft der Sowjetunion sich in der Zukunft einmal erschöpfen wird. Wäre das der Fall, so ergäben sich hieraus für uns sehr hoffnungsvolle Aus­blicke für die weitere Fortsetzung des Krieges. Die Totalverluste der Roten Ar­mee sind, wie auch in Moskau zugegeben wird, enorm. Auch das Kräftepotential der Sowjetunion hat irgendwo- feine Grenze, die selbst für den rücksichtslosen Terro­rismus des Bolschewismus unüberschreit- bar ist.

Wenn wir uns im Osten liodi auf schwe­re und schwerste Belastungen gefaßt machen'müssen, so besteht doch begründe­ter Anlaß zu der Überzeugung, daß wir mit allen daraus erwachsenden Gefahren für das Reich fertig werden können und werden, zumal der Feind gleieh wie im Westen, so auch im Osten unter der wach­senden Anfälligkeit seiner langen Nach­schubwege leidet, die uns in den vergan­genen Jahren auch selbst so viel Sorgen Bereitet haben.

Dazu kommt die um sich greifende Un­sicherheit im feindlichen Hinterland, die hüben wie drüben bedeutende Kräfte bindet, und starke Ausfälle an Menschen lind Material unvermeidlich macht. Was das bedeutet, das werden unsere Feinde erst ganz im kommenden Winter zu ver- sou ren bekommen. Es ist oft leichter, ein Land zu erobern,, als es anf lange Dauer besetzt zu halten.

£tatai aus deui Osten uiuß zerbrechen!

Jedenfalls werden wir alles nur Men­schenmögliche tun, um den Sturm aus dem Osten an unseren Grenzen oder gar schon davor zu brechen und ihn wieder dahin zu treiben, wohin er gehört.

Schon mehrmals in der Geschichte Europas ist das^ie kontinentale Aufgabe der deutschen Rasse gewesen. Es wird auch heute wieder so, ja es kann gar nicht anders sein. Eine Bolschewisierung Europas, die als unvermeidliche Folge eines deutschen Zusammenbruchs ' auf- treten, müßte, würde zugleich auch deo, Untergang Re» Abendiande* nach aicnE

ziehen. Dagegen gilt es sich mit allen zur Verfügung stehenden Kräften aufzu­bäumen, gleichgültig ob das übrige Europa oder gar England und die USA das verstehen oder billigen. Wir haben unser Handeln nicht vor ihr^n käuflichen Zeitungen, sondern vor dem gerechten Richterstuhl der Geschichte zu verant­worten. Sie wird uns einmal freisprechen und mit dem Lorbeer des Sieges für un­sere auch in der drängendsten und schlimmsten Not -und Gefahr bewiesenen Tapferkeit schmücken. Man' mag in der JEortseteiing *uf dei nächsten Seite).

Wahrheiten für England

Von

Erich Beck /

Dr. Goebbels hat gestern abend dem deutschen Volke wieder einen seiner schon berühmt gewordenen Lagebe­richte gegeben,-die nidit nur uns, sondern zugleich Europa und darüber hinaus der ganzen Welt zeigen, wie wir den Krieg und seinen weiteren Verlauf beurteilen. Deutsche Darlegungen pflegen^ sich seit jeher grundlegend von denen unserer Feinde' zu unterscheiden. So sehr man draußen auch . geneigt ist, alle amtlichen Erklärungen mehr oder fninder als „Pro­paganda“ abzutun, so sehr,hat sich aber trotzdem überall und bei allen Völkern die Erkenntnis durchgesetzt, daß' das deutsche System der Nachrichtengebung und der Berichterstattung das einzig Richtige ist; weil es sich, oftmals sogar sklavisch, an die Wahrheit hält und mit einer kaum noch zu überbietenden Nüchternheit die Entwicklung so schil­dert, wie sie wirklich ist. Dabei ist es gleichgültig, ob sie sich gegen uns ge­richtet hat,oder für uns günstig war.

Eine Rede von Dr. Goebbels wird sich daher immer in , den entscheidendsten Punkten von einer entsprechenden Dar­legung etwa Churchills oder gar Roose,- velts unterscheiden: Während man drüben immer das Bedürfnis hat und auch haben muß, die seelische Depression des Volkes, seine allgemeine Unlust, oder, wie in England, die ja-inzwischen längst offen zugegebene Kriegsmüdigkeit durch einen oft krankhaft anmutenden Optimismus zu überwinden, bemühen wir uns, den Ernst .der Lage oftmals betont unserem. Volke nahe zu bringen und ihm jede Illusion zu nehmen. Das/ergibt sich aas unserer ganzen Charakterveranlagung. Der Deutsche ist nun einmal kritisch, er hat dazu ein, eminentes Gedächtnis für falsche Prophezeiungen, und niemand, der es irgendwie vermeiden kann, setzt sich gerne den Folgerungen 'aus einer mißglückten Prophetie aus. Infolgedessen ist von Anfang an zum Grundsatz der Propaganda in Deutschland, die Wahr­heit 'gemacht worden, und von ihr aus­gehend wird dem deutschen Volk nun die Darstellung der Lage gegeben, die es ver­langt.

' Bei uns sind daher auch niemals solche Terminangaben und Voraussagen über ge­wonnene Schlachten, über erfolgreiche' Feldzüge, ja, sogar über das Dafuip eines «nahen Friedensschlusses möglich wie in London oder in Washington. Daß ein deutscher Staatsmann bei der Verabschie­dung von einem Verbündeten etwa Worte gebraucht wie: „Auf Wiedersehen in B e r 1 i n im nächsten O k t'o b e r !“, wie z. B. Churchill beim letzten Händedruck in Teheran dem sowjetischen Diktator zurief, wäre bei uns ganz undankbar. Un­möglich auch eine Erklärung wie die Edens vor dem Unterhaus im Spätsqmmer: „Wir werden die Parlamentsferien unter­brechen, wenn inzwischen Deutsch­lands Kapitulationsangebot vorliegt!“ Damals versandte auch der Ro- tar.y-Club Einladungen an seine Mitglie­der, sich zu „S i e g e s f e i e r n im Anfang des Oktober bereitzuhalten“. USA-Wirt- schaftler kündigten an, daß „die Umstel­lung der Kriegsproduktion auf die Erzeu­gung von Friedensgütern bereits erfolgen könne“. In gewissen englischen und ame­rikanischen Kreisen erörterte man die Frage, ob man nicht durch Absetzung einer alliierten Luftlandearmee bei Berlin den Krieg mit einem Schlag beenden könne, die Wetten auf Beendigung des Krieges bis zum 15. Oktober, waren bei Lloyds Register in London auf 5:8 heruntergegangen, lind das USA-Kriegs-' ministerium selbst ließ andeuten, daß eg schon seit dem September 1943 mit einem Kriegsende^ am 1. Oktober 1944 gerechnet habe.

Im Lidite dieser heute geradezu wahn­witzig anmutenden Ankündigungen muß man das betrachten, was wirklich geschehen ist. Ganz zweifellos, der Ge­neralansturm auf ‘Deutschland hat Formen angenominen, wie wir. sie uns noch vor- wenigen Monaten gelbst in unse­ren bösesten Träumen 'nicht haben vor­stellen können. Man merkt beinah’ Tag für Tag mehr, daß die andern tatsächlich alles auf eine Karte gesetzt haben und in Wahrheit versuchen, in diesen Herbst­monaten den Sieg so oder so zu erreichen. Die ganze militärische Kraftanstrengünf* dieses Jahres lind das wahrhaft impo­nierend umfangreiche diplomatische Intri­genspiel, das man auf dem Balkan und im Norden Europas durchgeführt hat, zeigt, mit welchen gewaltigen Hoffnungen man in die Schlacht gegangen ist. Die un­zweifelhaften Erfolge, die man davohge- tragen hat, beweisen zugleich, wie uner­hört die Wucht des Ansturms'an den-Fron- . ten t war, wie planmäßig und gerissen die politischen Attacken, die man gegen linnliad, Bulgarien, Rumä*