Ausgabe 
(27.10.1944) 288
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Parteiamtliche Tageszeitung

D as Amtsblatt des Regierenden Bü rgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

Nummer 288 14. Jahrgang

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der Nationalsozialisten Bremens

Freilag. 27. Oktober 1944

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Amtliches Verkündungsblatt des Reichssiatthalters in Oldenburg und Bremen

Einzelpreis 15 Rpf.

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Grauenvolle sowjetische Verbrechen

Wie die Bolschewisten in den wiederbefreilen osipreußischen Orien gehaust haben — Grausige Funde

Bestialische Blutgier

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Königsberg, 26. Okt. Wie die Berichte Oberkommandos der Wehrmacht be- kantgegeben haben, ist es den deutschen Truppen in erfolgreichen Gegenangriffen sehnigen, die Sowjets bei Goldap und im laume von Gumbinnen zurückzuwerfen, uoni n'*3Iu d e P wiederbefreiten ostpreußischen r,,.' ocl °*Q I t eni in denen sieb der Feind nur wenige Tage aufgehalten hat, stießen un­sere Soldaten auf grausige Spuren bol- ■ehewistischen Terrors und Mordbrenner- jjms. Fast die gesamte Bevölkerung der ton den Sowjets besetzten Ortschaften „ar rechtzeitig evakuiert worden. Durch jen plötzlichen Vorstoß sowjetischer Pan- ,er wurden einige Dorfbewohner von den Bolschewisten überrascht. An diesen deutschen Volksgenossen tobten die so­wjetischen Bestien ihre tierische Blutgier aus. , ,

Bei diesem Mordterror handelt es sich nicht um Ausschreitungen einzelner so­wjetischer Soldaten, sondern, wie sich aus zahlreichen Aussagen ergibt, ramr'ho- disches Vorgehen. Eine Bestäti­gung hierfür ist insbesondere das Ge­ständnis bolschewistischer Gefangener, die bei ihrer Vernehmung erklärten, daß den Sowjettruppen von allen Kommandostel- len bei ihrem Eindringen in Ostpreußen ausdrücklich „volle Handlungsfreiheit gegenüber der Zivilbevölkerung“ gegeben worden ist. Dieser Befehl umfaßte auch das Recht zum Töten sowie, zur Plünde­rung an Hab und Gut deutscher Ein­wohner.

In Nemmersdorf, das zwischen An- gerapp und Gumbinnen, am Flusse Ange- tapp liegt, fanden unsere Truppen bei der Wiedereinnahme in dem ausgeplünderten und zerstörten Ort die Leichen durchweg ausgeraubt und durch Nah­schüsse getötet vor. Sofort entsandte ärztliche Kommissionen haben an Ort und Stelle die grausigen Leichenfunde untersucht und bilddokumentarisch fest­gehalten.

Vier Frauen, vier Kinder und ein Mann lagen vor einem Brückentunnel, der als Luftschutzraum ausgebaut war. Sie sind einzeln beim Verlassen des Tunnels aus nächster Entfernung mit der Pistole erschösse worden. Einen alten Mann fand man einige Meter entfernt auf den Knien vornübergebeugt, mit den Händen rar dem Gesicht. Die Leiche wies einen Genick s ch u ß auf. In einer ausgeplün- derten Wohnung saß eine Frau auf dem

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der aus den beiden deutschen Dörfern Nemmersdorf und Tutteln gesehen, die zwischen Gumbinnen und Goldap liegen und die Auswirkungen einer Mordraserei festhielten, wie sie nicht aus dem Blut­rausch einzelner, sondern nur aus der organisierten Vernichtung er­wachsen können. Arbeiter und Bauern, Frauen, Greise und Kinder sind in bestia­lischer Weise hingemordet worden, in der Systematik einen einheitlichen Plan ver­ratend, der auf Anweisungen und Befehle schließen läßt, die der bolschewistischen Truppe gegenüber der deutschen Zivil­bevölkerung völlige Handlungsfreiheit gewähren.

Die deutschen Soldaten, die Nemmers­dorf und Tutteln in der Auswirkung der kraftvollen deutschen Gegenmaßnahmen im ostpreußischen Grenzgebiet zurück­eroberten, fanden völlig ausgeplünderte Häuser vor. Medizinische Sachverstän­dige legten sofort protokollarisch den Tatbestand fest, der die Planung der Ver­nichtung verrät. Sowohl in den Häusern als auch in den Straßen und vor den Dör­fern wurden getötete Deutsche einzeln und in Gruppen vorgefunden. Kinder

jüngsten Alters waren durch Kopf- und Genickschuß getötet worden. Es war nicht die Liquidierung einzelner Per­sonenklassen oder Berufsschichten — hier wurde gemordet alles was deutschist!

Angesichts dieser Bolschewistendemon­stration des Vernichtungswillens mag man sich fragen, wie es überhaupt mög­lich ist, daß Völker mit kulturellem An­strich jene Parole aufrechterhalten wollen, nach der es „alles nicht so schlimm sein kann“. Die Wi r k 1 ich ke itistfurchU barer, als es sich die Phantasie über­haupt jemals ausmalen kann. Und diese Wirklichkeit, die über die kleinen Ge­meinden im ostpreußischen Grenzgebiet dahinbrauste, würde die Wirklichkeit ganz Europas werden', wenn es nicht ge­länge, ihr einen Schutzwall entgegenzu- stellen, der unüberwindbar ist.

Es wird einmal von der Geschichte als Tragik unseres Jahrhunderts bezeichnet werden, daß Europa sich in innerer Un­einigkeit in dem Augenblick zerfraß, in dem alle Kräfte notwendig sind, die furchtbarste Gefahr von dem Kontinent abzuweisen. Es wird als Verblendung der

britischen Politiker bezeichnet werden, daß sie Europa zum Schacherobjekt ihrer politischen Geschäftigkeit machten.

Das deutsche Volk sieht die Ge­genwart mit offenen Augen, und es greift zu der Konsequenz, die ihm als einzige Möglichkeit bleibt. In niemals vorher erlebter Geschlossenheit stemmt es sich dem Vernichtungswillen des Bolsche­wismus entgegen. Es hat die Brücken hinter sich abgebrochen und kennt nur noch die Forderung des StandHal- tens. Es weiß, daß die Kraft des Bol­schewismus nicht unerschöpflich ist, daß dieser scheinbar endlose und unversieg­bare Massenanstnrm zu einem bestimm­ten Zeitpunkt seine Grenze finden wird. So hart die Belastung anch sein wird, es wird standhalten, und es wird hart sein, wenn neue Waffen viel Leid und Trauer über die westlichen Verbündeten des Bolschewismus bringen wird. Die West­mächte hatten zn entscheiden, der Ord­nung oder dem Chaos zur Seite zu stehen. Sie wählten das Chaos als Bundesge­nossen. Sie werden die Konsequenzen tragen müssen.

General Eisenhower muß neue Entschlüsse lassen

Alle Vorbereitungspläne bleiben einstweilen nur Entwürfe

schlagen. In dieser Stellung war sie offen­er von den Mordbanditen überrascht und farch Kopfschuß getötet worden. In dem Zimmer eines anderen Hauses fand man ein lüjähriges Mädchen mit dem Kopf Cesen die Wand gelehnt auf dem Fuß­boden liegend. Das Mädchen war v_er- fewaltigt und dann durch einen Schuß in den Mund umgebracht worden, in einer Ecke des gleichen Zimmers lag eine alte Frau mit auf gerissenem Schädel, die durch einen Gewehrschuß aus näch­ster Nähe ermordet worden ist. Am Tisch der Ehemann der Frau auf dem Bo­den. Seine Leiche wies ebenfalls einen Genickschuß auf. Auch in benach­barten Häusern wurden Leichen der er­schossenen Männer und Frauen gefunden. Mitten im Dorf lagen an einer Brücke aebeneinander zwei Frauen und ein Und. Die jüngere Frau hielt das Kind Jach an der Hand gefaßt.- Sie ist von den Wschewistischen Bestien vergewal- *'ft und danach durch einen Stich in die «ast getötet worden. Die Leichen des Wades und der älteren Frau wiesen "lederum Kopfschüsse auf. Auch am Aus- ?aag des Dorfes lagen mehrere Frauen Jad ein K i n d getötet. Eine dieser Frauen ar ebenfalls vergewaltigt worden. Ab- srits im Gebüsch fand sich die Leiche eines *a 15jährigen Mädchens, von mehreren ^agdn durchbohrt. Auf zwei Gehöften, e vom Dorf etwas entfernt lagen, wur- ® zw ei weitere Frauen vergewaltigt 3 ® rs chossen vorgefunden.

„ 'eben Treckwagen der beim Aufbruch „preschten Einwohner des Dorfes lagen brere Frauen auf den Knien, nach vorn e, die Hände vor dem Gesicht. Ihre , un S w ies eindeutig darauf hin, daß sie v buf der Flucht oder während einer mpfhandlung getötet wurden, sondern n , • ^erdbestien gezwungen worden r. : Riederzuknien, ehe man ihnen den Genickschuß gab.

Alarmsignal Nemmersdorf

a htberlcht unserer Berliner Schriftleitung

Wp e . rlin ’ 26 ; Okt. Aus dem gnaden­ist ■ urio ’ —

Von unserem militärischen v. W.-Mltarbelter

Obwohl Aachen kein strategisch wichti­ger Punkt war, brauchte die 1. USA-Armee Hodge 20 Tage, bis sie den örtlichen Widerstand der deutschen Kampfbesatzung überwunden hatte. An dem Bestand dieser Armee ist der harte und für den Angreifer verlustreichere Widerstand nidit spurlos vorübergegangen. Sie hat sich seitdem noch nicht zu einer neuen Unternehmung auf­raffen können; Bis auf örtliche Bunker­kämpfe hat sich im Aachener Abschnitt nichts ereignet, was meldenswert gewesen wäre. Hodge muß seinen Divisionen Ruhe geben. Er wird sie währenddessen ordnen und Verstärkungen abwarten.

Inzwischen ist die wichtigere Rolle der 1. kanadischen und 2. britischen Armee sichtbarer geworden. Bei Montgomery lag in den letzten drei Wochen schon insofern der operative Schwerpunkt, als sich im Zugreifen der Amerikaner auf Aachen schon frühzeitig herausgestellt hatte, daß sich daraus nicht mehr als ein örtlicher Vorgang entwickeln würde, niemals aber der vom Gegner erwartete Durchbruch an und über den Rhein. Montgomery befand sich jedoch nicht in einer Lage, die zur operativen Ausnutzung gereizt hätte, nach­dem die Luftlandung im Abschnitt Arn­heim mißglückt war, war seine Front in einen nach Norden und einen zweiten nach Osten gerichteten Abschnitt geteilt. Ge­rade an ihrem rechtwinkligen Knick lag ihre neuralgische ßtelle. Ihre Schwäche, die Montgomery nicht lange bestehen lassen konnte, wollte er nicht plötzliche und un­angenehme Ereignisse heraufbeschwören. So gab er die Dispositionen, um seine holländischen Abschnitte wenigstens bis an die Maas vorzusebieben, bis an den Unter­lauf dieses Flusses westlich Hertogenbosch und bis an seinen Ostabschnitt zwischen Gennep und Roermond. Wollte der feind­liche Heeresgruppenführer seine Front bis

zum Flußlauf ausdehnen — an eine .allge­meine Forcierung kann er zunächst gar nicht denken — so mußte er mit seiner eigenen britischen Armee einmal nach Osten angreifen, um unseren dort westlich der Maas errichteten Brückenkopf zum Ein­sturz zu bringen, sodann aber mit den Ka­nadiern die Westerschelde und die west­holländischen Inseln freimachen von ihren deutschen Besatzungen. Das mögen die Gründzüg.e . für Mortgomerys operatives Verhalten sein.

Zunächst wandte er sich nach Osten, um im Dreieck Gennep—Helmond—Venlo an die Maas zu kommen. Es mißglückte ihm, unseren Brückenkopf zum Verschwinden zu bringen. Dann ließ er die Kanadier Crerars antreten. Sie haben die Wester- schelde nicht erreicht, weil sie unseren Brückenkopf westlich Breskens nicht über­winden konnten. Die südlichsten der west­holländischen Inseln bleiben ihnen ebenso versagt. Der Zugang zu ihnen über Woens- drecht wird zwar von den Kanadiern unter Druck gehalten, aber nicht geöffnet. Wäh­rend der linke Flügel der Kanadier noch südlich der Westerschelde in schwierigem Gelände sieh geradezu schrittweise ab­müht, hat der unruhige Montgomery eine neue Aktion befohlen, die auf der Linie Bergen op Zoon—Roosendaal—Breda—Til­burg—Hertogenbosch vor sich gehen soll und auf den Unterlauf der Maas zielt. Be­teiligt an diesem neuen Angriff, der seit einigen Tagen läuft, ist die Masse der 2. britischen Armee und der rechte Flügel der 1. kanadischen Armee. Montgomery entschloß sich zu dieser Unternehmung, nachdem er eingesehen hatte, daß die Ka­nadier zu lange Zeit brauchen würden, um sich frontal gegen die Westerschelde und die westholländischen Inseln zu entwickeln, was in jedem Falle ja auch schwierige Übergänge über die Mündungsarme von Schelde und Maas voraussetzt. Mit dem

Die Seeschlacht bei den Philippinen

Entscheidende Schlacht des Ostasienkrieges

'ioso der Schlacht in Ostpreußen :n rJ erwachsen, das gellend m

„eun . n der Menschheit klingen mußte, la'Jl n r'" ht Feigheit, Unvernunft und fi f i® ,Jäheit znr schamhaften Abkehr der w j bleiben jene Darstellungen iöle un £ des Bolschewismus, _ wo

kl-L 1 "ordmethodik ein tarnendes Män-

Kre fflds nmznhängen? n Wie hLben^ü^.Überwasserschiffe, ferner 19 große Lan-

Drahtberlcht unseres Vertreters

ost. Stockholm, 26. Okt. Mit mehr als 48stündiger Verspätung sind aus dem Hauptquartier des USA-Flottenkomman- dos Pazifik in Pearl Harbour die ersten Meldungen über die große Seeschlacht bei den Philippinen eingetroffen, die überein­stimmend als die größte See­schlacht des Jahres, ja sogar des ge­samten Krieges in Ostasien bezeichnet wird. Auffallend ist, daß sich die amerika­nischen Berichte durch keinerlei genauere Angaben über die amerikanischen Flotten­verluste auszeichnen, mit einer kleinen Ausnahme, der des Eingeständnisses näm­lich, daß der 10 000 Tonnen große Flug­zeugträger „Princeton“ am Montagnach­mittag bei einem Angriff japanischer Flug­zeuge' so schwer getroffen wurde, daß die Munitionskammern explodierten und das Schiff sank.

In ganz Amerika wartet man mit aller­größter Spannung auf nähere Nadirichten, ist doch von den Marinemitarbeitern der USA-Presse einheitlich erklärt worden, daß die augenblickliche große Seeschlacht ent- s c h e i d e n d für die weitere Entwicklung des gesamten Krieges in Ostasien sein kann.

Grolle japanische Erfolge

Tokio, 26. Okt. Die japanischen Luft- und Marinestreitkräfte haben bei ihren An­griffen gegen die feindliche Invasionsflotte im Golf von Leyte insgesamt 36 feindliche

dungsfahrzeuge versenkt, wie aus einem am Donnerstag herausgegebenen Bericht des kaiserlichen Hauptquartiers hervor­geht. Der Bericht hat folgenden Wortlaut:

„Unsere Bodeneinheiten auf der Insel Leyte stehen seit dem 20. Oktober gegen feindliche Truppen in Stärke von etwa drei Divisionen, die südlich Tacloban und in der Nähe von Dulag gelandet sind, im Kampf,. Unsere Luftwaffe hat seit dem 19. Oktober wiederholt feindliche Trans­porteinheiten und die sie begleitenden Kriegsschiffe im gleichen Seeraum ange­griffen, während unsere Flotte im Morgen­grauen des 25. Oktober' ebenfalls im glei­chen Seegebiet zum Angriff gegen den Feind überging. Die bisher 1 ’im Leyte-Golf festgestellten Ergebnisse, mit Ausnahme derer, die durch Selbstvernichtung unserer Flugzeuge beim Angriff auf feindliche Ziele oder durch nicht zurückgekehrte Ma­schinen erzielt wurden, sind folgende:

Transporter: Fünf versenkt, elf in Brand gesetzt, vier auf Strand gelaufen, zwei be­schädigt; Flugzeugträger: zwei schwer be­schädigt; Schlachtschiffe: eins auf Strand gesetzt, zwei schwer beschädigt; Kreuzer: zwei versenkt, drei schwer beschädigt; Zer­störer: einen versenkt, drei schwer beschä­digt; große Landungseinheiten: siebzehn versenkt, zwei schwer beschädigt und in Brand gesetzt.

Unsere Verluste: Ein Schlachtschiff ver­senkt und ein weiteres beschädigt, außer einer Anzahl von Flugzeugen, die sich ent­weder vorsätzlich auf die feindlichen Ziele» stürzten oder nicht zurückkehrten."

neuen Angriff soll unsere westholländische Verteidigung ausflankiert werden. Gleich­zeitig kommt in diesem Stoß nach Norden aber auch die Furcht des britischen Mar­schalls zum Ausdruck, seine Ostfront bei Hemond könnte eines Tages vom Rücken her, das heißt von Westen her durch deut­sche Truppen bedroht werden. Diese gan­zen Anstrengungen der Heeresgruppe Montgomery lassen sich in einem Satz ver­einigen: sie sollen dazu dienen, die Ost­front auch im Norden auf ihre eigentliche Angriffstichtung auszurichten.

Insgesamt ergibt sich für den Feind bei dieser Lage noch keine Möglichkeit, um eine Großoffensive zu starten. Es liegen aber genügend Anzeichen vor, die eine solche wahrscheinlich machen. Wenn Eisen­hower als’ Oberbefehlshaber aller feind­lichen Armeen sich doch noch zu diesem Schritt entschließen sollte, dürfte er vor allem den Kampfabschnitt im Auge haben, der von der Mündung der 'Westerschelde bis zum Hohen Venn reicht und ungefähr 400 Kilometer lang ist. Es machen sich in Vorbereitung solcher Angriffsüberlegungen gewisse Umgruppierungen bemerkbar. Die kanadische 1. Armee steht vor der Küste bis Antwerpen. Die Engländer schließen sich bis nördlich Helmond an. Bis dorthin haben sidi die Amerikaner über Geilen­kirchen hinaus nadf Norden ausgedehnt, wobei die südliche Grenze der i. USA- Armee am Waldrand von Rötgen liegt. Der Gegner massiert Artillerie, die Luft­angriffe gegen rheinische Städte sind gleichfalls Vorbereitung der neuen Pla­nungen.

Aber alle diese Pläne bleiben so lange Entwürfe, bis sich die Voraussetzungen zu ihrer Durchführung nicht erfüllen. Das wären die Beseitigung unseres Brücken­kopfes südlich der Westerschelde, die voll­ständige Isolierung unserer Besatzungen auf den westholländjschen Inseln, das Ein­drücken unseres Brückenkopfes zwischen Roermond und Venlo und schließlich die Be­seitigung unseres Frontvorsprunges zwi­schen Geilenkirchen und Sittard. Das alles sind Hindernisse, die die Bereitstellung selbst starker Kräfte zum Großangriff mit einem Ziele erheblich beeinträchtigen, weil sie, jedes für sich, besondere offensive Auf­wendungen beanspruchen, die der eigent­lichen Offensivkraft am entscheidenden Schwerpunkt verlorengehen müssen. Da­mit befindet sich Eisenhower in einer nicht beneidenswerten Lage. Es mag auf solche Umstände zurückzuführen sein, wenn er jetzt daran gegangen ist, die 3. Armee durch Teile der 7. Armee zu ver-

(Fortsetzung auf der nächsten Seite)

Trojanisches Pferd?

Von

Bernd W. Beckmeier

Die Schlacht um Deutschland hat dem Kriege neue Gesetze auf gezwungen. Wo gäbe es Parallelen? Wo wäre jemals ein gesamtes Volk bereit gewesen, sich mit aller Kraft einem Gegner entgegen­zuwerfen, damit die eigene Führung die notwendige Zeit der Gegenrüstung er­hält? Es ist nicht der Rausch einer Augen­blickswallung, der das Heute des Krieges bestimmt, sondern der nüchterne Ent­schluß, der in der Wahl zwischen Sein oder Nichtsein zu treffen pt und den Widerstand als die beste Waffe erkennt. Die gegenwärtige Phase des Krieges, die feinen Raum mehr zu verschenken hat, wird deshalb keine Bewegungen großen Stils kennen. Das deutsche Volk will jeden Meter Boden seines Vaterlandes bis zum letzten Blutstropfen verteidigen, um dem Gegner in jeder weiteren Kampfzone ein neues Aachen ent­gegenzustellen, einen Prellblock, an dem sich die Kräfte des Feindes festrennen, so daß er nur unter Hingabe schwerster Verluste und dem Zwang neuer Termin­rechnungen geringen Boden gewinnen kann.

Die Planung des Gegners zielt unver­kennbar auf einen großen Zangen­angriff von West und O s t, wobei neben den militärischen Beweggründen vor allem die politischen Gedanken Be­achtung finden mögen, die jeden Bünd­niskrieg als Wettlauf um die Operations­basis zukünftiger Auseinandersetzungen kennzeichnet. Jede Bewegung des einen Partners wirkt aus diesem Grunde auf die Beschlüsse des anderen, so daß die Heibstoffensive Stalins mit als Aüslösungsmoment des zu erwartenden Großangriffs Eisenhowers an-

Heute abend spricht Dr. Goebbels

Berlin, 27. Okt. Reichsminister Dr. Goebbels spricht heute von 20.15 bis 21 Uhr über den Großdeutschen 'Rundfunk znr Lage.

gesehen werden darf. Die Ansatzpunkte dieser Offensiven sind klar: Im Osten wollen die Sowjets die ostpreußische Pro­vinz im Zangenangriff ausschalten, um dann aus der Basis der Weichselbrücken­köpfe die Mittelfront aufzureißen. Im Westen will Eisenhower die massierte Kraft seiner Armeen wahrscheinlich im Raum zwischen Arnheim und dem Hohen Venn anrennen lassen. Beide Planungen lehnen sich an die Vorbilder der Sommer­schlachten dieses Jahres an.

Es mag untunlich sein, im Angesicht einer derartigen Feindplanung von Über­raschungen für den Gegner zu sprechen. Die Überraschungen werden kommen, um aber vor allem das Bild der künftigen Kriegsnhase zu bestimmen. Die Gegenwart wird durch das umfas­sende Aufgebot der Heimat bestimmt, das die Voraussetzungen verweigert, wie sie dem Gegner während des Sommers zur Verfügung standen. Der Gegner wird sich jetzt um jeden Meter vorfressen müssen, hinter sich Massengräber der Panzer und Divisionen zurücklassend, niemals aber weitreichende, umfassende Bewegungen kennend. So gewagt die Behauptung er­scheinen mag, angesichts der kampfberei­ten Heimat ist sie berechtigt. Die sowje­tischen Panzerspitzen vermochten wäh­rend der Sommeroffensive Stalins vor allem deshalb ihren weiten Raumerfolg zu erlangen, weil sie nach ihrem Durch­stoß durch die Frontlinien auf durchge­sickerte Infanterieeinheiten und Banden­gruppen trafen, die sofort eine Basis neuer Vorstößn und Einkreisungen bilde­ten. General Eisenhower brauchte nach dem Durchbruch von Avranches keiner- lei_ Rücksichten auf Etappenschwierig­keiten in den durchschrittenen und noch

Volkssiurmbnlnillone in der Bewährung

Sowjetische Durchbruchsversuche brachen blutig zusammen

Berlin, 26. Okt. Der eindeutige Schwerpunkt der Kämpfe im Osten lag weiterhin im ostpreußischen Grenzgebiet., Die Bolschewisten versuchten ihren Ein- bruchsraum zu verbreitern und den Sperr­riegel zwischen Goldap und Gumbinnen wieder anfzureißen. Hieraus ergaben sich die erbitterten Kämpfe bei Augustow, Goldap und Trakehnen sowie am nörd­lichen Riegel bei Ebenrode und Schloß­berg. Die Durchbruchsversuche der frisch herangeführten sowjetischen Kräfte, die südöstlich Schlofiberg bis zu zwölfmal an- griffen, brachen blutig zusammen. In das Ringen um ihre Heimat griffen zum erstenmal anch Volkssturmbataillone ein, die sich hier ebenso bewährten, wie der ostpreußische Landsturm in den Schick- tsalsschlachten von 1914.

Die Schlacht zwischen Augustow und Schillfelde nimmt die Kräfte des Feindes in solchem Maße in Anspruch, daß sein Druck gegen die Memelfront und die Stadt Memel selbst weiterhin schwach blieb. An der kurländischen Front, wo unsere Truppen weitere Stellungsver­besserungen ereichten, und auf der Halb­insel Sworbe gingen dagegen die Kämpfe weiter. Hier setzten die Bolschewisten nach ihren sehr schweren Verlusten am Vortage ihre Angriffe zwar fort, doch waren sie uneinheitlich und wurden trotz Unterstützung durch Schlachtflieger und Panzer von der tapferen deutschen Be­satzung an der schmälsten Stelle der Landbrücke zur Halbinsel unter Abschuß von elf Panzern abgeschlagen.