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farieiamiliche Tageszeitung
Da» Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen
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Geschäftsstellen':
Bremen: Geschäftsstelle und Schriftleitung: Geeren 8-8, Ruf 2 19 31; Nachtruf und sonntags 2 47 65; Obernstr. 86, Ruf 219 31; Syke: Mühlendamm 2» Bremen-Hemelingen: Bahnhofstr. 8,
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der Nationalsozialisten Bremens
Amtliches Verkündungsblatt des Reichsslatthalters in Oldenburg Und Bremen
Nummer 280 14. Jahrgang
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Mittwoch, 18. Oktober 1944
Einzelpreis 15 Rpf.
Ungarn mobilisiert alle nationalen Kräfte
Reichsverweser v. Horlhy legi sein Am! in jüngere Hände - Führer der „Pfeilkreuzler''^ Szalasi. bildete die neue Regierung
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Entschlossene Wendung
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Budapest, 17. Okt. Am Sonntag rs j e im Namen des Reichsverwesers * Horthy über den Rundfunk eine Ver- ljutbarung herausgegeben, in der lügen- (te Behauptungen über das deutsch- B w e ^irische Bundes- und Waffenbrüder- W0ld61 i 'läitnis, defaitistische Aufforderungen die ungarische Armee und Anbiederungen an die Feinde Ungarns enthalten iiren. Die Hintergründe der Angelegenleit sind noch nicht endgültig geklärt, (eiclisverweser von Horthy hat diese (erlautbarung für nichtig erklärt. Er ' w ferner die bisherige Regierung L a - ,tos ihres Amtes enthoben und den ssr e-. iürer der Pfeilkreuzlerbewegung, S z a - t und'- | ts i, mit der Bildung einer neuen Regie- schloss uns beauftragt. Er hat sich aber auch ’ ^ jicht der ernsten Tatsache entziehen kon- lt n, daß durch dieses Ereignis die ghleichende Krise im bisherigen jtnnie an den Tag trat und hat sich da- e Jhn Interesse einer Klärung der Lage
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j Ari, - ie Staatsfuhrung in jüngere sgisdK i khlossenere Hände zu legen. ,
ie im U Die heutigen Meldungen geben ein Bild Musi: eden tief greifen den V er ändern gen in der ungarischen Staats- liibrung und dem entschlossenem Wil- |cn der neuen ungarischen Regierung, mit i aa!ü den Halbheiten der Vergangenheit zu kocht i brechen und die gesamten moralischen, materiellen und militärischen Kräfte Un- . } gras nunmehr an der Seite Deutschlands “ ii den Kampf zu werfen. ,
Zuck» Reichverweser Nikolas von Horthy gab neck Weende Erklärung ab: _ ■
Biac An die Präsidenten beider Hauser.
Hiermit erkläre ich, daß ich mich ent- ved „Hussen habe, in dieser schweren Stunde der ungarischen Geschichte in Voraussetzung einer erfolgreichen Kriegführung
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itm ■ und um die innere Einheit' und Gescnios- Ki* senheit der Nation zu erhalten, von mei- öf um Amt als Reichverweser zurückzutre- giii ai und auf alle damit verbundenen ge- $j5 jetzlirhen Rechte zu verzichten. Ich. habe 3 Et, Szalasi mit der Bildung einer ■«Ci taten Regierung der nationalen Einheit ®S! auftragt. ; ,
i einem Dekret des neuen ungarischen piisterpräsidenten Szalasi heißt es: „Der [ächsverweser ist von der Führung der aatsgeschäfte zurückgetreten und nahm Ist Abdankung von Ministerpräsident Lahms und seiner Regierung entgegen, .-n Inhetracht der außergewöhnlichen Um- sände und der Maßnahmen, die für diese zu treffen sind, habe ich mich ent- t l shlossen. einen Regentschaftsrat, der aus (dtt fei Mitgliedern besteht, zu bilden. Bis ® Bildung des Regentschaftsrates sowie % te zur Vorlage 'des Gesetzesvorschlages jfer die Berechtigung zur Führung der iaaisgeschäfte im Aufträge des König- ^-ungarischenMinisterpräsidenten führe #■: vorläufig die Staatsgeschäfte, damit
«clt die Verzögerung nicht in- unserem Lj Jüerlande und in der Nation
: -und in der Nation schwere
laden und Gefahren entstehen.“
’u Mitgliedern des Regentschaftsrates leiden ernannt: Der Königlich-unga-
Wthe Verteidigungsminister, General- ®«st Karolv Berecky, der Königlich- If^üsche Kultus- und Unterrichtsmini-
, b neue ungarische Regierung ist am , 0n b gebildet worden: Franz S z a 1 asi, !r Führer der Pfeilkreuzler-Be,
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Dr. Ference R a j n i s z und Dr. Sau- Csi z
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e Sung, Ministerpräsident und stetl- jUtrcfender . Reichsverweser. Eugen
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Reichsverweser. — 0 --
nessi (Pfeilkreuzler) stell'crtre r n;r Ministerpräsident. Außenminister r! on Gabriel Kemeny, Innenminister tVi 1 1 LY ä J n a > Honvedminister und zu- ;j., Ghef des Generalstabes General- ( r « B e r e e k y, Justizminister Wladis- ü,j ., Uf Hn sk y, Kulturminister Franz: Jnisz, Finanzminister (wie bisher)
Ilandelsmini-
^ny’-Schneller,
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Ctaf S_ z asz, Ackerbauminister
Fidel P a 1 f f y, Führer
. . _tischen __ -
•nister Emil Szakvary, Ver-
-Wt, y . a 11 1 y, ruhTer ■ -mtionalsozialistisehen
’J'tneminister ” ~ '
, J ( '^ugsjninister
der ungari- Partei, In-
: !zp-"'T 1 ‘k‘ aier ( wie bisher) ’ •'■'iRerdem befinde: noch drei Minister
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Bela J u - befinden sich im Ka- Minister ohne Portehesonderen kriegsbe'Mngten
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^ r l e gseinsatz, General Helle- tii n^ r Kriegsindustrie und K r Propaganda.
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Nikolas von Horthy er 6 nlrhlärung an die Honveds, in ?it j) !e un Farische Armee aufforderte, e ft e i s t e r u n g weiterzu-
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’-ze .ft e ? ’ w ' e es die schwere Kampf- i. ort| ere, .um des Ruhmes der tapfe-
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'«euj n terr i c hts- und Kultusminister Dr Nation rt„j ,n * sz v erlas die erste Prokla'
( 0n ,“Y’ Um des Ruhmes der tapfe-
Pc i-Armee würdig zu sein.
ls farLi, er nngarischen Regierung an die „l t lsc ne Nation:
% i.n i ni lrun F ihrer gesetzlichen nü Pflichten ruft die neue König
lich ungarische Regierung jeden treuen Sohn der ungarischen Nation auf, den Befehl des Kampfes und der Arbeit unbedingt und opferbereit Folge zu leisten. In dieser feierlichen und schweren Stunde unserer Geschichte richten wir uns an das ungarische Volk und rufen es zum Kampf um unser Dasein auf. Der Feind, der den Boden unseres Vaterlandes betreten hat, hat seine Karten gezeigt. Heute wissen wir es schon, daß die Aufgabe des Kampfes und die Waffenruhe unserer Volkskraft das Sklavenleben unserer Nation bedeuten würde.
Entweder wir bestehen den Kampf mit heiligem Glauben und mit bis zum Tode Entschlossenem Willen oder wir gehen für alle Ewigkeit in der Flut des Bolschewismus unter. Sämtliche Völker Europas sollen es wissen, daß der Magyare die gemeinsame Kultur und die geistigen Werte seiner Geschichte gegen die barbarische Übermacht verteidigt. Erste Aufgabe der Königlich-ungarischen Regierung ist es, die Nation mit allen Kräften in den Kampf zu führen an der Seite ihres Verbündeten. In der Zukunft wird das ganze Land für die Honved-Armee arbeiten.
Der Honved wird von nun ab nicht mehr verlassen sein an den Fronten. Für ihn arbeiten wir, um ihn kümmern wir uns. Wir verlangen von den ungarischen Honveds, daß sie jeden Fußbreit Boden zäh, in erbittertem Kampf- und zuverlässig
verteidigen, weil wir dafür Sorge tragen, daß neue Hilfe, neues. Kriegsmaterial ihnen zu Hilfe kommt. Von der deutschen Reichsregierung haben wir die Versicherung der Verstärkung des gemeinsamen Kampfes erhalten. Den Geist der Kameradschaft, der durch gemeinsames Blutvergießen besiegelt wurde, wird in der Zukunft kein feiges und heimtückisches Verhalten nochmals stören können. In Zukunft werden wir allein den Gedanken der ungarisch-deutschen Schicksalsgemeinschaft bestätigen.
Die Wunden Deutschlands sind _>ere
Wunden, seine Toten sind unsere Toten, sein 'Kampf ist unser Kampf und sein Sieg ist nns Sieg. Mit unerschütterlicher Sicherheit werden wir den entscheidenden Kampf an der Seite des deutschen Volkes mit der sicheren und gesicherten Überzeugung austragen, daß der deutsche Soldat gemeinsam mit uns für das unaLhängige Ungarn kämpft.
. Hinter den mit unserem Blut getränkten Schlachtfeldern werden wir die feste Sicherheit der inneren Front mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln sichern, und wir schwören auf unser Leben, «taß Unruhen und Aufruhr, die fremde Ziele verfolgen, in der Zukunft nie mehr einen Dolch in den Rücken der Honved-Armee, die ihre Pflicht erfüllt, werden stoßen können. Die Königlich-ungarische Regierung sorgt für eine ruhige, konsequente,
aber unvermeidliche Beseitigung des früheren Regimes und für die Durchsetzung der nationalen und sozialistischen Gerechtigkeit.
Das arbeitende ungarische Volk wird zur Verteidigung seines freien und unabhängigen Lebens einen Kreuzzug auf- nehmep. Die König.ich-ungarische Regierung ist nicht nur treuer Diener, sondern sie erstrebt mit der Organisierung aller Kraftreserven des Landes und ihrem Einsatz, daß die Opfer und Leiden des Ma- gyarentums nicht vergeblich sein werden, damit es in Zukunft friedlicher und glücklicher leben kann als in der Vergangenheit. Unsere ehrliche Absicht und unser uneigennütziges Ziel werden uns zur Verwirklichung dessen verhelfen.
Schamlose Desertion
Budapest, 17. Okt. Der bisherige Oberbefehlshaber der 1. ungarischen Armee, Generaloberst M i k 1 o s , ist mit einigen Damen und der gesamten Kasse seiner Armee zu den Sowjets übergelaufen. Außerdem hatte er sich, wie eine Revision ergab, monatelang von ihm zurückgehaltene Verpflegungsgelder seiner Armee angeeignet, die er bei seiner Desertion zu den Bolschewisten ebenfalls mitnahm. An der Unterschlagung war auch, der Chef seines Stabes, Oberst K e r i, beteiligt, der gleichfalls zu den Sowjets übergelaufen ist.
Der neue Kurs ungarischer KompromiOlosigkeii
Parole der Pfeilkreuzler-Partei: „Wer nicht arbeitet, muß sterben“
Drahtbericht unserer Berliner Schriiyeitung
g. Berlin, 17. Okt. Wer mit dem elektrischen Aüfzug vom Donauufer zum Burghügel in Budapest hinauffährt, hat den Eindruck, im Bruchteil einer Minute aus einer, Welt in eine andere hinübergewechselt zu sein. Am Donauufer der rauschende Verkehr einer Großstadt, auf der Donaubrücke, die zum Burghügel führt, durch den Tunnel, der den Berghügel durchschneidet, eine Atmosphäre feierlicher Leere und Stille: Gebäude im klassizistischen Stil, das Schloß im prunkvollen Stil der Maria-Theresien-Zeit, gelangweilte Wachen, eine eigentümlich abgeschlossene Atmosphäre. Dieser Unterschied zwischen der Großstadt am Donauufer und dem Berghügel ist durch lange Zeit Symbol für manche herrschenden politischen Zustände in Ungarn gewesen.
Ist es eine Durchbrechung solcher Überlieferungen vergangener Regierungskunst, wenn jetzt ganz andere Persönlichkeiten die Regierungsgewalt in Ungarn übernommen haben, als sie von jenem Kreis sich in sich, selbst abschließender Politiker bisher gestellt wurden? Es hat in der letzten Zeit schon nicht an Versuchen gefehlt, eine grundlegende Wandlung in Ungarn herbeizufiihren. Als im März dieses Jahres das Kabinett K a 11 a y von einem Kabinett S z t o j a y abgelöst wurde, schien man auf dem Wege zu eitlem solchen Wechsel. Feldmarschallleutnant Sztojay, vorher Gesandter in Berlin, brachte den Willen mit, die ungarischen Kräfte für die gemeinsame Kriegführung einzusetzen. Der Streit der Parteien, das Gegeneinander gewisser Gruppen in der Umgebung des Reichsverwesers und schließlich eine Erkrankung Sziojays selbst beschränkten die Dauer dieses Versuchs auf einige wenige Monate. Das Kabinett Sztojay verfügte_ noch die Auflösung der Parteien, ehe e6 die Regierungsgewalt an ein Kabinett unter der Leitung des Generals Lakatos ab- gnb. Es fiel damals auf, daß Lakatos in seiner Regierungserklärung ganz besonders die persönliche Treue zum Rcichsver- weser betonte, und Londoner Kommentare verfehlten nicht, als der Regierungswechsel Ende August bekanntgegeben wurde, einen Vergleich zwischen Lakatos und dem
finnischen'Marschall lapnerheim zu ziehen. Man erkennt jetzt, was der Sinn solcher Vergleiche war und wie jene dem Reichsverweser gelobte persönliche Treue mißbraucht worden ist. Es war nicht uninteressant, daß in der gleichen Zeit , die hauptsächlich aus Kommunisten bestehende ungarische Emigrantengruppe unter dem Grafen Karo l'y in London sehr rührig wurde. Was jene Clique um den General Lakatos zu inszenieren versucht hat, ist fehlgeschlagen.
Es war interessant, mit welcher politischen Planlosigkeit und welcher Unkenntnis der militärischen Verhältnisse der Verratsversuch unternommen wurde. Jener Aufruf, der unter Mißbrauch des Namens Horthy am Sonntag über den Rundfunk ausgegeben wurde, sprach von dem Angebot von Waffenstillstandsverhandlnngen. Die Absicht der Urheber jenes Aufrufes war es afto, Ungarn dem Bolschewismus anszuliefern. Aber es war bezeichnend, daß dabei überhaupt nicht daran gedacht worden war, auch nur die Frage zu klären, wie sich denn die im Kampf stehenden ungarischen Verbände verhalten sollten, bis es zu den geplanten Waffenstillstandsverhandlungen gekommen wäre. Jedenfalls haben sich die militärischen Kräfte und mit ihnen das ungarische Volk selbst sofort gegen jene Clique auf der Budapester Burg erhoben. Der Generalstabschef des ungarischen Heeres stellte schon am Sonntagnachmittag in einem eigenen Aufruf fest, daß der Kampf an den Fronten mit aller Entschiedenheit weitergeführt werden müsse. Damit war ein wichtiger Teil des entstandenen Problems geklärt, der militärische Teil, aber offen blieb die politische Frage.
Hier ist neben der schnellen Überwindung des Arisdlla-es auf die Wehrkraft des ungarischen Volkes die eigentlich ein-- schneidende Entscheidung gefallen. Reichsverweser von Horthy hat im Laufe der Entwicklung von Sonntag mittag bis zum Montag die Notwendigkeit enkaftnt, in den stürmischen und schwierigen Krisen der Jetztzeit die Verantwortung jüngeren Kräften zu übertragen. Es handelt sich dabei um eine doppelte Entscheidung: um die Regelung der Regentschaftsfrage und
Schlechtes Weiter muß herhalten
Eisenhowers Truppen bleiben im Schlamm und Regen stecken
um die Bildung der neueh Regierung. In beiden Fällen greift die Entscheidung weiter als irgendeine Veränderung der letzten Zeit. Der Reichsverweser selbst hat seine Amtsgewalt abgegeben, und an seine Stelle tritt ein Kollegium von drei Männern, zwei Generalen und einem Politiker. Die militärischen Fragen stehen in solchem Zeitpunkt im Vordergrund. Aber wesentlich ist, daß der Politiker im Regentschaftsrat, Franz Rajnis, ein Fünfzigjähriger, aus ganz anderem Kreis kommt als die sonst maßgebenden Politiker Ungarns.
Ein junger Lehrer, der 1914 in den Krieg geht, der als Kriegsgefangener und später als GPU. - Gefangener 7 Jahre in der Sowjetunion zubringt, ein Mann, der als 38jähriger seinen Doktor macht und nun als Politiker und Publizist sein eigentliches Wirken beginnt. Dieser erfolgreiche Journalist ist nicht nur Mitglied des Regentschaftsrates, sondern gehört gleichzeitig der Regierung an, ebenso wie der Generaloberst Berecky gleichzeitig Regentschaftsratsmitglied und Kriegsminister ist. Noch wichtiger fast ist die . Neubesetzung des Ministerpräsidiums und der Ministerien. Franz Szalasi-, der neue Ministerpräsident, kommt aus Militärkreisen, hat die Militärakademie in Wiener Neustadt absolviert und war Generalstäbler. Er hat als Leiter seiner nationalsozialistisch eingestellten „Partei des ungarischen Willens“ Veruriei- luiig durch den Strafgerichtshof und mehrjährige Gefängnisstrafe durchgemacht. Das Kabinett unter seiner Leitung stellt eine Sammlungsreg ie.rung dar, denn hier sind die verschiedenen Richtungen des ungaris en Nationalismus zusammengefaßt, die sich .bisher häufig bekämpften und dadurch die Bewegung schädigten.
Der andere Ton, der die ungarische Politik beherrscht, zeigt sich in einem entscheidenden Satz des Aufrufs,, den die Partei der Pfeilkreuzler, Franz Sza- lasis, Partei,, erlassen hat: „Wer nicht arbeitet, muß sterben!“ heißt es da, eine Parole, die unmißverständlich ist und die keinerlei Kompromisse sucht. Mit dieser Kompromißlosigkeit sucht man die Empfindungen der breiten Masse des Volkes zu treffen, und darin liegt vielleicht das wichtigste Kennzeichen des neuen Kurses, der jetzt auf der Budapester Burg eingeschlagen wird, Kompromißlosigkeit gegen innere und äußere Feinde.
Drahtberieht unseres Vertreters
sch. Lissabon, 17. Okt. Die englischamerikanischen Berichte von heute morgen über die Kämpfe an der'Westfront .beschäftigen sich in erster Linie mit dem Wetter, dem wieder einmal die Schuld für die mangelnden Fortschritte-der Truppen zugeschoben wird. Die Kämpfe fänden, so heißt es in den Berichten der Kriegskorrespondenten, in einem Zeitpunkt des schlechtesten Wetters statt, das man seit Beginn des Feldzuges erlebt habe. Ein kalter Regen gehe Tag und Nacht auf die Truppen nieder, die sich teilweise durch knietiefen Schlamm vorwärtskämpfen müßten. An keiner einzigen Stelle hat sich nach dem amtlichen Bericht des Hauptquartiers Eisenhowers die Lage innerhalb der letzten 24 Stunden wesentlich ge
ändert. In den Vororten von Aachen dauert der Kampf von Haus zu Haus an, und nördlich von Aachen stand die kleine Stadt Würselen, die schon gestern in deutschen Berichten erwähnt wurde, weiterhin im Brennpunkt schwerster Kämpfe.
Was di'e Schlacht um die Scheldemündung betrifft, so bestätigt der Bericht Eisenhowers den gestrigen deutschen Wehrmachtbericht, indem er nur geringe Fortschritte meldet. An der Vogesenfront seien die Deutschen zu starken Gegenangriffen übergegangen. „Die Lage bleibt stationär”, heißt es in einem amerikanischen Bericht, „der deutsche Widerstand versteift sich immer mehr, während auf der anderen Seite die englisch-amerikanische Führung immer neue Reserven in den Kampf wirft, um eine Entscheidung zu erzwingen."
Neue Blulurieile in Frankreich
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Stockholm, 17. Okt. Die Blutgerichte, in Frankreich tagen weiter. Diesmal hat, wie Reuter meldet, ein Kriegsgericht in Limoges den früheren Unterstaatssekretär im Kolonialministerium und Hauptratgeber Petains, Admiral Platon, zum Tode verurteilt. Auch gegen de Pellepox, dem ehemaligen Kommissar für jüdische Angelegenheiten unter Laval, wurde ein Todesurteil gefällt. Beide sind bereits hingerichtet worden.
In Perpignan wurden wieder drei Todesurteile gefällt. Eines davon betrifft den ehemaligen Fliegerhauptmann Emile Villy. In Tülle sind zwei Angehöiige der Miliz zum Tode verurteilt worden. In beiden Fällen wurden die Urteile unverzüglich vollstreckt.
Lächeln der Auguren
Von
Herbert. Caspers
Von Cato stammt das böse Wort, daß ein Augur den anderen nicht sehen könne, ohne zu lächeln. Damit wollte der große Römer dartun, welcher Schwindel hinter den Weissagungen des altrömischen Staatspriesterkollegiums, der Auguren, stand, die angeblich aus dem Flug und Schrei der Vogel öder dem Fressen der heiligen Hühner den Willen der Götter erkunden konnten. Das wissende Lächeln um den gegenseitigen Schwindel ist seitdem aus der Politik nicht verschwunden. Heute feiert es besonders starke Triumphe auf der Feindseite. Wenn sich Stalin und Churchill, Eden und Molotow, Roosevelt und Litwinow begegnen, müssen diese verbrecherischen. Kriegshetzer einander verständnisvoll anlächeln, denn größer ist ein politischer Schwindel iö. der Geschichte der Völker nicht gewesen als der, mit dem diese Männer ihre Völker in das Blutbad dieses Krieges führten.
Während ihre Armeen nach gemeinsamer Planung zur letzten Gewaltoffensive vor Einbruch des Winters auf allen Kriegsschauplätzen Europas ansetzen und ihre politischen Beauftragten schon um das Fell des deutschen Bären katzbalgen, den sie nie erlegen werden, tauchen einige bemerkenswerte Erinnerungsdaten auf, die die heutige Lage in Europa trefflich beleuchten. Es jährt sich am kommenden 31. Oktober zum fünften Male die außerordentliche Tagung des Obersten Sowjets, auf der der Aufien- kommissar Molotow 1939 mit starker Polemik über das „von den Westmächten angeblich verfolgte Kriegsziel, die Verfolgung des Hitlerismns“ herzog. Molotow nannte „dieses auch noch unter der Flagge der Demokratie verfolgte Kriegsziel schlechthin verbrecherisch“. Stäatsideen, wie die nationalsozialistische, könne man ablehnen oder annehmen, sie jedoch zum Kriegsgrund zu erklären, sei sinnlos und verbrecherisch. Die wirklichen Kriegsziele der Westmächte bestünden denn auch — sagte damals sehr -klarblickend Genosse Molotow — „in der B e- hauptüng ihrer Weltherrschaft und in der weiteren ungestörten Ausbeutung ihrer Kolonialvölker“. Damals begann der sowjetische Druck auf Finnland. Molotow beschwerte sich robust über die Schutzstellung Englands und der Vereinigten Staaten für das kleine Finnland, das heute von den Bolschewisten unter frenetischem Beifallsjubel der Engländer und Amerikaner mit Haut und Haaren gefressen wird. Vor fünf Jahren sah sich Molotow veranlaßt, dem Präsidenten Roosevelt mit bitterem Hohn auf sein Telegramm zu antworten, in dem er seine Wünsche für die „Unabhängigkeit Finnlands" bekundete: „In Moskau hat die Botschaft Roosevelts um so größeres Befremden erregt, als der Präsident offenbar Uber seinen Sorgen um die Unabhängigkeit Finnlands ihm näher liegende Fragen, wie die Unabhängigkeit Kubas oder der P h ilippinen, vergessen hat.“
Das ist die beste Illustration zu dem Befreiungsschwindel der Feindseite, die man sich wünschen kann. Es mag nur am Rande vermerkt werden, daß Molotow damals auch bereits schwere Drohungen gegen die Türkei richtete, weil sie „die Bindung ihres Schicksals an die Kriegspolitik der Westmächte einer Neutralitätspolitik vorgezogen habe“. Der sowjetische Außenkommissar fuhr dann im Sommer 1940 nach Berlin, um dort seine Ansprüche auf Rumänien, Finnland, Bulgarien und die türkischen Meerengen vergeblich zu erpressen zu versuchen. Heute haben England und die Vereinigten Staaten den Bolschewisten alles das eingeräumt, was Deutschland um der wahren Freiheit der 'Völker willen abgelehnt hat.
Die bolschewistischen Armeen rauben in Europa zusammen, was die r ' 7 n dos Kreml für notwendig erachten. Es war kein anderer als Winston Churchill, der in einem lichten Moment schon am 11. April 1919 im Algych-Club diese sowjetischen Raubinstinkte klar erkannte und erklärte: „Die bolschewistischen Armeen marschieren um Nahrung und Raub, und auf ihrem Wege stehen nur kleine schwache Staaten und Nationen, die durch den Krieg erschöpft und erschüttert sind. Wenn Deutschland dieser bolschewistischen Pest entweder ' wegen der internationalen Schwäche oder infolge einer wirklichen Invasion unterliegt, wird es in Stücke zerrissen werden.“
Wie aktuell sind doch die damaligen Erkenntnisse des Auguren Churchill heute! Die ganze Sinn Widrigkeit, der selbstmörderische Charakter der briti-' sehen Kriegspolitik unter Churchill kann nicht besser apostrophiert werden, als mit diesen Worten Churchills selbst. Es ist derselbe Churchill, der am 17. 7. 1919 im' britischen Rußland-Klub bissig jene mit