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Nummer 279 14. Jahrgang
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Parteiamtliche Tageszeitung
Das Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen
der Nationalsozialisten Bremens
Amtliches Verkündungsblatt des Reichsslatthaliers in Oldenburg und Bremen
Dienstag, 17. Oktober 1944
Einzelpreis 15 Rpf.
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Haigeys Angriffsflotie praktisch vernichtet
Japaner versenkten 10 Flugzeugträger, 2 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer, I Zerstörer der USA-Flolte TrcsgödievonFormosa
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Tokio, 16. Okt. Das Kaiserliche Hauptquartier gab am. Montag bekannt: pie japanischen Streitkräfte, die die fliehenden Flotten bei Taiwan (Formosa) verfolgen, haben, soweit bisher bekannt ist, folgende Erfolge erzielt: Es »urden versenkt 10 Flugzeugträger, 2 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer, 1 Zerstörer. Beschädigt Wurden 2 Flugzeugträger, I Schlachtschiff, 4 Kreuzer und 1 Kriegsschiff nicht bekannter Bauart.
Eine feindliche Flotteneinheit, die den Vers- ch unternahm, am 15. Oktober Manila anzugreifen, wurde von unseren dort eingesetzten Streitkräften zum Kampf gestellt. Die japanische Luftwaffe erzielte nach den bisherigen Ergebnissen folgende Erfolge: Ein feindlicher Flug
zeugträger versenkt, drei weitere und ein Schlachtschiff oder Kreuzer beschädigt. Außerdem wurden 30 Maschinen abgeschossen.
„Halseys Angriffsflotte ist in den Gewässern von Taiwan (Formosa) praktisch vernichtet worden“, erklärte der Sprecher der japanischen Ma- rine, als er am Montag eine ausführliche Schilderung des dramatischen 1 Kampfgeschehens gab, das sich seit einigen Tagen östlich von Taiwan abspielt. Der hier errungene japanische Sieg übertreffe noch die Erfolge bei Tachao und Malaya. Schon jetzt sei mit Sicherheit festzustellen, daß weitere Erfolge noch ausständen, da die Kämpfe noch andauerten. __
„Die Tragö^i'e von Formosa wird den Gegner ohne Zweifel veranlas- Sen. seine Ansichten über die Stärke Japans gründlich zu überprüfen und seine Hoffnungen auf die weitere Entwicklung des Pazifikkrieges erheblich zurückschrau- hen", erklärte der Regierungssprecher Igutschivor der Presse.
„Unsere Streitkräfte“, so fuhr er fort, „haben inden Gewässern östlich von Formosa eineReihe von eindrucksvollen Siegen errungen und den.geschlagenen Feind in die Flucht getrieben. So groß die bisherigen Erfolge über auch sind, das wahre
Epos muß erst noch geschrieben werden, denn weitere Erfolge sind angekündigt worden. Ermutigt durch seine kürzlichen Siege im mittleren Pazifik lag, es offensichtlich in der Absicht des Feindes, unsere strategische Festung Formosa durch zahlenmäßig überlegene Einheiten zu üb er rennen und damit den Weg für weitere große Operationen zu ebnen. Das Ergebnis dieses Versuches ist eine Katastrophe, die Haupteinheit der feindlichen Schlachtformationen ruht jetzt auf dem Grunde des Meeres oder ist zusammengeschossen; die Überreste, die ihr Heil in der Flucht suchten, werden von unseren Luft- und Seestreitkräften verfolgt und erleiden weitere so heftige Schläge, daß die feindlichen Kriegsschiffe, Flugzeuge und Mannschaften praktisch vernichtet sind.“
„Zwei Tatsachen“, so führte der Sprecher
weiter aus, „sind in Verbindung mit diesen Erfolgen besonders bemerkenswert. Erstens war die Art und die Zeit des feindlichen Versuchs, in unsere Linien einzudringen und Formosa anzugreifen, absolut leichtsinnig. Der Gegner bewies nicht Mut oder Unternehmungsgeist, sondern nur blinden Leichtsinn; das übertriebene Selbstvertrauen des Feindes und seine Hast, eine Entscheidung zu erzwingen, haben 1 uns die Gelegenheit gegeben, auf die wir gewartet haben. Zweitens hat der heiße Empfang, den wir dem Feind bereiteten, die enorme Schlagkraft bewiesen, über die wir verfügen pnd die auf der Gegenseite schwer unterschätzt wurde.
Der Grund für das übereilte Vorgehen des Feindes ist sicherlich u.a. in politischen Erwägungen zu suchen. Der 7. November, der Tag der amerikanischen Präsidentenwahl, rückt näher, und Roo-
sevelt suchte einen aufsehenerregenden Sieg im Pazifik zu erringen.“
„Es ist nicht anzunehmen“, so schloß der Sprecher, „daß Washington irgendwelchen Übereifer zeigen wird, die hohen Kostdn an Menschenleben und Material in naher Zukunft bekanntzugeben.“
Die USA-Mannschafisverlusie
Tokio, 16. _Okt. Einer Schätzung der Zeitung „Äsahi“ zufolge dürften sich die dem feindlichenFIottenverband am 12. und 13. Oktober vor Formosa zugefügten Verluste an Kriegsschiffsbesatzungen auf wenigstens 12 950 Tote und Verwundete stellen, wozu noch die Verluste von etwa 600 Flugzeugen kommen dürften, welche durch die Versenkung bzw. Beschädigung der Flugzeugträger verursacht wurden.
Resignierte Stimmung in London i Kriegslage enttäuschend
England auf einen sechsten Kriegswinter nicht vorbereitet — Ununterbrochen deutsche Verstärkungen
Drahtbericht unseres Vertreters
kl. Stockholm, 16. Okt. Der sechste Kriegswinter pocht vernehmlich an die britischen Türen, und in London gibt man mit auffallender Offenherzigkeit zu, daß. man auf ihn keineswegs vorbereitet ist. Eine resignierte Stimmung herrscht in London — so berichtet der Korrespondent des Stockholmer „Aftonbladet“. Aus der Erklärung, die Eisenhower in Paris vor 150 Pressevertretern abgab, geht hervor, daß von der Front und von dem ganzen Lande neue Anstrengungen gemacht werden müssen, damit der Krieg weitergeführt werden kann, und die neue Urlaubssperre, die über alle Frontkämpfer verhängt wurde, gilt auch für diejenigen, die bereits seit 3% Jahren keinen Urlaub mehr hatten.
Die britische Öffentlichkeit — so heißt es in einem anderen schwedischen Korre- spondenten-Bericht — die sich trotz Arnheim ' bisher geweigert hatte, an einen
ISchwesrer Schlag lür Rqosevelt im Pazifik
Entscheidender Rückschlag der amerikanischen Strategie
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Dr. W. Sch. Berlin, 16. Okt. Die überraschende Meldung von dem großen japanischen Erfolg gegen dip amerikanischen Loft- und Seestreitkräfte östlich von Formosa lenkt das Augenmerk wieder auf die Tatsache, die angesichts der atemberaubenden Ereignisse auf dem europäischen Kriegsschauplatz in der letzten Zeit manchmal etwas zurückgetreten ist, daß such die Vereinigten Staaten den Krieg ?egen zweiFronten zu führen haben. Die Sorgen, von denen Roosevelt im Hin- bhek auf den Pazifik bedrückt wird, sind iweifellos ganz erheblich. Nach Abschluß 5 er letzten Besprechungen zwischen Moseveit und Churchill in Quebec wurde Bericht ausgegeben, in dem der Ein- wuck erweckt wurde, als ob in aller nrze nach dem bald erwarteten Ende ,. es Kampfes in Europa eine gewaltige Schiebung der Kräfte nach dem Fer- ea Osten erfolgen werde. Roosevelt muß ater allen Umständen für eine solche */ ’assung in der öffentlichen Meinung , r Vereinigten Staaten wirken, weil doch immer weiteren Kreisen sich die Sorge Wrängt, daß eine zu lange Dauer des ne ges in Europa den Kampf gegen Ja- L n , zu einer völlig aussichtslosen Sache Könnte. Daß sich Roosevelt maßlos | rt “at, als er das schnelle Ende in °pa m Quebec voraussetzte, ist durch - o steigenden Widerstand der deutschen 0 DP, en im westlichen und östlichen ^fnereich des Reiches inzwischen aller aiJ ; klargemacht worden. Einen Erfolg tollt 1 , osta siatischen Kriegsschauplatz 0 |t ? ®Der Roosevelt vor den Wahlen toi«» ,. un ^ er allen Umständen vorder v 1 *^ nnen \ Von hier aus erklärt sich form 6rsuc ^’ e ‘ ne Landung auf der Insel , 0Sa , südöstlich der japanischen
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von Formosa als die» bgdew*
tendste dieses Krieges in Ostasien bezeichnet. Admiral Nimitz. und General Märshall als Chef der amerikanischen Kriegführung mußten sich längst darüber klar sein, daß der Krieg gegen Japan, nur dann mit einiger Aussicht auf Erfolg geführt werden könne, wenn man umfassende Basen im chinesischen'Raum zur Verfügung habe. Die Hoffnung, daß man diese Basen von Indien her auf dem Landweg gewinnen könne, hat sich, je länger je mehr, als eine Illusion erwiesen, und so wollte Admiral Nimitz sich jetzt eine Inselbrücke nach China verschaffen, um von dort aus Truppen landen zu können. Die Amerikaner haben sich über das Ausmaß und über die Bedeutung ihrer m der letzten Zeit errungenen Erfolge im Pazifik furchtbar getäuscht, als sie nämlich auf verschiedenen Inselgruppen Angriffe mit anschließenden Landungsunternehmungen durchführten, um dort die Zahl ihrer Luftstützpunkte zu vermehren. Japan hat diesen steigenden amen-, kanischen Provokationen, so auch der feindlichen Landung auf Guam, gegenüber nicht die Nerven verloren, sondern in aller Ruhe die Möglichkeit eines großen und entscheidenden Schlages abgewartet, für den man den Einsatz der Schlachtflotte zurückhielt. Die Amerikaner sind einer Täuschung zum Onfer gefallen, als sie meinten, daß die japanische Flotte es überhaupt nicht wage, sich zu einer entscheidenden Schlacht zu stellen, und darum glaubten sie, bereits nach der Landung auf den B o n i n -I n s e 1 n einen ausreichenden Flankenschutz für das Unternehmen gegen Formosa zu • haben, das nur 150 km von der chinesischen Küste entfernt liegt.
Die Amerikaner haben nun für ihre Überheblichkeit und für ihren Leichtsinn außerordentlich hoch befahlen müssen. „Exchange Telegraph teilt mit, daß die USA-Flotte von einem gewaltigen Verband von Transportschiffen begleitet gewesen sei. Die Flotte und dieser Verband befinden sich jetzt östlich von Formosa in stark angeschlagenem Zustand auf der Flucht, während die japanische Flotte zur Verfolgung angetreten ist. Es ist höchst wahrscheinlich, daß infolge des schweren Schlages, den die USÄ-Flötte jetzt erhalten hat. die Erfolge der bisherigen Strategie weitgehend hin- fällig gemacht werden können. Wenn das in den Vereinigten Staaten bekannt wird, dürfte es von Roosevelt unmittelbar vor den Wahlen als ein katastrophaler Schlag empfunden werden. Er wird natürlich alles tun, um die Tatsachen, wie nach Pearl Harbour, abzustreiten und zu verschleiern. Die Tatsachen kann er dadurch nicht ändern.
ernstlichen Rückschlag zu glauben, muß sich nun. mit dem Gedanken vertraut machen, daß die Anglo-Amerikaner eine lange Pause nötig haben, um die Lücken in ihrer Organisation auszufüllen. In der Normandie ist jeder verfügbare Mann in die Schlacht geworfen worden, so daß jetzt im entscheidenden Augenblick keinerlei Reserven zur Verfügung stehen, während es" den Deutschen gelungen ist, der neuen Front an der westlichen Reichsgrenze sehr starke Reserven zuzuführen, Die Prognose, die Eisenhower in Paris stellte, und die bekanntlich lautete: „Der Druck der Alliierten wird fortgesetzt werden, solange das Wetter, die Vorräte und die Geländeverhältnisse dies zulassen“, ist keineswegs optimistisch, sondern sehr vorsichtig formuliert.
Die Frontberichte der britischen und amerikanischen Korrespondenten nachen kein Hehl mehr daraus, daß Eisenhower die Schlacht um Aachen verloren hat, was seinem Prestige ungeheuer geschadet habe. Aachen sei zur Kapitulation aufgefordert worden in dem falschen Glauben, daß die amerikanische Zange nur zuge- drückt zu werden brauche. Die Initiative im Raüm von Aachen liege aber in den Händen der Deutschen und nicht mehr in den Händen der Amerikaner.
Mit nicht geringer Bestürzung hat die britische Öffentlichkeit zur Kenntnis nehmen müssen, daß die Briten sich am Niederrhein auf die Defensive verlegt haben, wofür die Sprengung der Rheinbrücke bei Arnheim ein untrüglicher Beweis ist. Vor vier Wochen wurden Tausende von Fallschirmsoldaten geopfert, nm die Brücke für die Briten zu reiten. Nunmehr wurde sie von britischen Fliegern zerstört, damit die Sicherheit der südlich des Niederrheins stehenden britischen Verbände erhöht wird.
Der „News-Chronicle“-Korrespondent meint, die britisch-amerikanische Kriegführung befinde sich nunmehr in der gleichen Lage, in der sich die deutsche
Kriegführung im November 1941 vor Moskau befand. Nach einem zu stürmischen Vormarsch sei die Offensive steckengeblieben und eine deutsche Gegenoffensive, die noch vor wenigen Wochen als völlig absurd erschien, sei nunmehr nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich geworden. Die Deutschen führten ununterbrochen neue Verstärkungen heran, die das Kräfteverhältnis an der gesamten Westfront von Tag zu Tag verändern. Während die Deutschen von den kurzem' Etappenwegen begünstigt werden, hätten die Alliierten Nachschubschwierigkeiten ganz besonderer Art zu überwinden. Es werde der größten Anstrengungen bedürfen. nm unliebsame Konsequenzen zu vermeiden.
Weder die britische noch die amerikanische .Heimatfront ist auf die Rückschläge gefaßt gewesen. Wie Reuter berichtet. haben 150 000 Kohlengrubenarbeiter in Yorkshire beschlossen, in den Streik zu treten. Millionen von. Arbeitern haben sich bereits „in einer Friedenspsychose“ befunden, aus der sie nunmehr unsanft aufgerüttelt werden. Das ganze britische Volk aber. ist psychologisch auf eineu sechsten Kriegswinter völlig unvorbereitet. Das gleiche gilt vielleicht in noch höherem Maße von den USA.
Brillanten verliehen
Fiihrerhauptqnartier, 16. Okt. Der Führer, hat dem Kommandeur einer Nacht.iagd-Gruppe. Hauptmann Heinz- Wolfgang Schnaufer nach seinem 100. Nachtjagdsieg die höchste deutsche Tap- ferkeitsanszeichnung verliehen und folgendes Telegramm an ihn gerichtet: „In Würdigung Ihres immerwährenden heldenmütigen Einsatzes im Kampf für die Freiheit unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 21. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. — Adolf Hitler.“
Weltbeirug
Von
Regen, Sturm, Schlamm und Rlut...
Anglo-Amerikaner benötigen Antwerpen — Deutsche Sperre
Drahtbericht unseres Vertreters
sch. Lissabon, 16. Okt. „Regen, Sturm, Schlamm und Blut sind immer noch die charakteristischen Kennzeichen der Kämpfe an der Westfront“, heißt es in dem Bericht eines amerikanischen Kriegskorrespondenten. Statt in einem „Super- Blitzkrieg“, wie die amerikanische Presse ankündigte, nach der Erzielung des Rheinüberganges von Arnheim quer durch Deutschland nach Berlin vorzudringen, mußten sich die amerikanisch-englischen Truppen inzwischen unter immer schwieriger werdenden Witterungsverhältnissen und bei ungenügendem Nachschub Meter um Meter vorwärtsquälen. Der bekannte englische Funkkorrespondent Murrow erklärte: „Vor einigen
Wochen schien es möglich, Holland und Niederdeutschland durch einen einzigen waghalsigen und glänzenden Schlag zu überrennen. Der Versuch mißlang, und das Ergebnis ist nunmehr ein kalter und schlammiger Feldzug in Holland. Die Deutschen haben ihre Truppen ergänzt und neu aufgefüllt, auch neu ausgerüstet. Ihre Verteidigung ist geschickt und erfolgreich.“
Ganz besonders schwer litten am Sonntag wiederum die kanadischen Truppen. Das interalliierte Hauptquartier möchte sich mit allen Mitteln in den Besitz der Zugänge zum Hafen von Antwerpen setzen, da es diesen Hafen trotz der Besetzung der Stadt nicht verwenden kann, weil die Deutschen von Walcheren aus die Hafenzugänge beherrschen. Um die Straße, die Walcheren mit dem Festlande verbindet, wird seit Tagen von den Kanadiern ohne Rücksicht auf .Verluste ge
kämpft. Der letzte amtliche Bericht Eisen- howers muß aber melden, durch deutsche Gegenangriffe würde den kanadischen Truppen diese Straße wieder entrissen.
Im Gegensatz zu den letzten Tagen sind die Berichte Eisenhowers über die blutigen Kämpfe rings um Aachen am Montag bedeutend einsilbiger. Ostwärts Aachen seien zur Zeit die Deutschen im Angriff. Diese deutschen Gegenangriffe hätten teilweise größte Heftigkeit. In einem englischen Bericht wird erklärt, der deutsche Widerstand in Aachen werde nicht schwächer, sondern heftiger. Im allgemeinen ist der Ton der amerikanischenglischen Frontberichter ernsthafter und wirklichkeitsgetreuer geworden. So werden in einem Londoner Funkbericht der englisch-amerikanischen Öffentlichkeit endlich die Tatsachen bekanntgegeben. In diesem Bericht heißt es: „Unsere Aufgabe ist es zur Zeit, den Westwall zu durchstoßen, die Vogesen zu überschreiten und am Rhein starke Brückenköpfe zu errichten. Das sind- alles sehr schwierige Unternehmen. Aber erst, wenn wir alle diese Ziele erreicht haben, würde ein neuer Abschnitt des Krieges beginnen." Als Voraussetzung für die Erreichung dieser Ziele wird immer wieder der Besitz des Hafeneinganges von Antwerpen sowie die Besetzung anderer Häfen am Atlantik bezeichnet. Aber das A und O bildet nach wie vor Antwerpen. Von Calais und Bou- logne seien die Nachschublinien immer nodi zu lang.
Der Führer hat dem König von Afghanistan in einem herzlich gehaltenen Telegramm seine Glückwünsche zum Geburtstag übermittelt.
Alfred Gerigk
Der „Weltregierungsplan“ von Dum- barton Oaks ist ein umfangreiches Schriftstück in zwölf. Kapiteln, deren jedes wieder eine Anzahl von Paragraphen umfaßt. Rein äußerlich haftet ihm freilich schon ein peinlicher kleiner Mangel an. Da steht im Kapitel 6 Punkt C der schlichte Satz: „Über das Stimmrecht im Sicherheitsrat sind n och Beratungen im Gange.“ Dieser harmlos klingende kleine Satz hat entscheidende Bedeutung. Denn folgendermaßen sieht der Weltregierungsplan von Dumbart Oaks aus: Zur Regierung der Welt wird eine Organisation mit dem Namen „Vereinigte Nationen“ eingerichtet werden, die aus einer Generalversammlung, einem Sicherheitsrat und einem Sekretariat besteht. Angehören sollen dieser Organisation möglichst alle „friedliebenden“ Staaten. Die Rechte der Generalversammlung, der alle Mitglieder angehören? Verteilung der Ausgaben auf die Mitglieder, Studium wirtschaftlicher und sozialer Probleme, Entgegennahme der Berichte, die der Sicherheitsrat über seine Tätigkeit erstattet, und Weitergabe von Empfehlungen an diesen Sicherheitsrat, der dann entscheidet, was damit geschehen soll. Die Rechte des Sicherheitsrates? Er nimmt Mitglieder auf und schließt Mitglieder aus, seine Beschlüsse sind pflichtmäßig von allen Mitgliedern durchzuführen. Er hat das Recht, jede Frage zu beraten, die ihm für die,Weltsicherheit wichtig erscheint. Er hat zur Verfügung die Streitmächte und Hilfsmaßnahmen, die alle Mitgliedstäaten ihm zu stellen haben, er unterhält ständige militärische Kontingente in der Luft, zu Wasser und zu Land, um Zwangsvollstreckungen gegen friedenstörende Staaten sofort durchführen zu können. Welch ein Verhältnis zwischen den Rechten der Generalversammlung und den Rechten des Sicherheitsrates!
Und wer stellt diesen, S i c h e r h,e i t s - r a t ? Ständige Mitglieder sind USA, England, Sowjetunion, China und später Frankreich, sowie sechs nichtständige Mitglieder, die die Generalversammlung wählen darf. Den fünf Großmächten werden also sechs Vertreter anderer, alle zwei Jahre wechselnder Staaten beigegeben, die, wenn es ernst - wird) sich dem fügen werden, was die Großmächte ihnen auftragen,, denn die Großmächte allein verfügen ja über Finanz- und Machtmittel in der Welt. Und nun zurück zu jenem einen kurzen Satz in Kapitel 6 Abschnitt C: „Über das Stimmrecht innerhalb des Sicherheitsrates sind noch Beratungen im Gange.“ Das Problem von Dumbarton Oaks war: Wenn
die Großstaaten unter sich einig sind, die militärische Zwangsvollstreckung gegen irgendeinen Kleinstaat durchzuführen, so würde alles in Ordnung sein. Wer aber hat das Recht mitzustimmen, wenn eine Großmacht selbst den Frieden gefährdet? Die Großmächte haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie selbstverständlich nicht überstimmt werden dürfen, wenn es um ihre eigenen Interessen geht. Aber so kraß wagte man denn doch nicht den kleinen Nationen mitzuteilen, daß sie zu bloßen Hilfsvölkern degradiert werden sollen. Und so ließ man den entscheidenden Satz, wer in dem allmächtigen Sicherheitsrat abzustimmen hat, zunächst einfach unvollendet. Innerhalb ihrer Interessenzonen sind die Großmächte frei, so ergibt sich aus der Satzung von Dumbarton Oaks. Erig- land könnte die Niederlande überfallen, die USA Argentinien, ohne daß Einspruchsrechte geltend gemacht werden könnten. Aber was kann man zum Trost den kleinen Völkern sagen, die in der Generalversammlung darüber entscheiden dürfen, wie die A u s g a b.e n des ganzen Weltregierungsapparates verteilt werden sollen?
Hier stößt das Problem von Dumbarton Oaks, das erst hinter dem jetzt aufgestellten „Versuchsvorschlag“ liegt, mit dem Problem zusammen, das Churchill auf seinem Besuch in Moskau begleitet. Denn das Problem dieser Moskau-Reise liegt darin, der Welt klarzumachen, was England den Sowiets schon zugestanden hat: die Auslieferung Europas an den Bolschewismus. In Quebec hat Churchill sich mit Roosevelt über manche Einzelheiten dieser Zusage an Moskau den Konf zerbrochen. Jetzt wird er von Churchill die Stellungnahme zu den offen- . gebliebenen Fragen erfahren, und diese Stellungnahme wird dann wiederum Roosevelt übermittelt werden. Es ist keine Überraschung, was in Moskau jetzt vergeht) denn es war klar, daß den Gesprächen der beiden angelsächsischen Regierungschefs die Stellungnahme des eigentlichen Oberhauptes der Koalition, eben Stalins, folgen mußte. Nachdem