Ausgabe 
(17.10.1944) 279
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Nummer 279 14. Jahrgang

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Parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsslatthaliers in Oldenburg und Bremen

Dienstag, 17. Oktober 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

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Haigeys Angriffsflotie praktisch vernichtet

Japaner versenkten 10 Flugzeugträger, 2 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer, I Zerstörer der USA-Flolte TrcsgödievonFormosa

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Tokio, 16. Okt. Das Kaiserliche Hauptquartier gab am. Montag bekannt: pie japanischen Streitkräfte, die die fliehenden Flotten bei Taiwan (For­mosa) verfolgen, haben, soweit bisher bekannt ist, folgende Erfolge erzielt: Es »urden versenkt 10 Flugzeugträger, 2 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer, 1 Zerstörer. Beschädigt Wurden 2 Flugzeugträger, I Schlachtschiff, 4 Kreuzer und 1 Kriegs­schiff nicht bekannter Bauart.

Eine feindliche Flotteneinheit, die den Vers- ch unternahm, am 15. Oktober Ma­nila anzugreifen, wurde von unseren dort eingesetzten Streitkräften zum Kampf gestellt. Die japanische Luftwaffe erzielte nach den bisherigen Ergebnissen folgende Erfolge: Ein feindlicher Flug­

zeugträger versenkt, drei weitere und ein Schlachtschiff oder Kreuzer beschädigt. Außerdem wurden 30 Maschinen ab­geschossen.

Halseys Angriffsflotte ist in den Ge­wässern von Taiwan (Formosa) praktisch vernichtet worden, erklärte der Sprecher der japanischen Ma- rine, als er am Montag eine ausführliche Schilderung des dramatischen 1 Kampf­geschehens gab, das sich seit einigen Ta­gen östlich von Taiwan abspielt. Der hier errungene japanische Sieg übertreffe noch die Erfolge bei Tachao und Malaya. Schon jetzt sei mit Sicherheit festzustellen, daß weitere Erfolge noch ausständen, da die Kämpfe noch andauerten. __

Die Tragö^i'e von Formosa wird den Gegner ohne Zweifel veranlas- Sen. seine Ansichten über die Stärke Ja­pans gründlich zu überprüfen und seine Hoffnungen auf die weitere Entwicklung des Pazifikkrieges erheblich zurückschrau- hen", erklärte der Regierungssprecher Igutschivor der Presse.

Unsere Streitkräfte, so fuhr er fort, haben inden Gewässern östlich von For­mosa eineReihe von eindrucksvollen Sie­gen errungen und den.geschlagenen Feind in die Flucht getrieben. So groß die bis­herigen Erfolge über auch sind, das wahre

Epos muß erst noch geschrieben werden, denn weitere Erfolge sind angekündigt worden. Ermutigt durch seine kürzlichen Siege im mittleren Pazifik lag, es offen­sichtlich in der Absicht des Feindes, unsere strategische Festung Formosa durch zahlenmäßig überlegene Einheiten zu üb er rennen und damit den Weg für weitere große Operationen zu ebnen. Das Ergebnis dieses Versuches ist eine Kata­strophe, die Haupteinheit der feind­lichen Schlachtformationen ruht jetzt auf dem Grunde des Meeres oder ist zusam­mengeschossen; die Überreste, die ihr Heil in der Flucht suchten, werden von unseren Luft- und Seestreitkräften verfolgt und er­leiden weitere so heftige Schläge, daß die feindlichen Kriegsschiffe, Flugzeuge und Mannschaften praktisch vernich­tet sind.

Zwei Tatsachen, so führte der Sprecher

weiter aus,sind in Verbindung mit die­sen Erfolgen besonders bemerkenswert. Erstens war die Art und die Zeit des feind­lichen Versuchs, in unsere Linien einzu­dringen und Formosa anzugreifen, absolut leichtsinnig. Der Gegner bewies nicht Mut oder Unternehmungsgeist, sondern nur blinden Leichtsinn; das übertriebene Selbstvertrauen des Feindes und seine Hast, eine Entscheidung zu erzwingen, haben 1 uns die Gelegenheit gegeben, auf die wir gewartet haben. Zweitens hat der heiße Empfang, den wir dem Feind berei­teten, die enorme Schlagkraft bewiesen, über die wir verfügen pnd die auf der Ge­genseite schwer unterschätzt wurde.

Der Grund für das übereilte Vorgehen des Feindes ist sicherlich u.a. in politischen Erwägungen zu suchen. Der 7. November, der Tag der amerikanischen Prä­sidentenwahl, rückt näher, und Roo-

sevelt suchte einen aufsehenerregenden Sieg im Pazifik zu erringen.

Es ist nicht anzunehmen, so schloß der Sprecher,daß Washington irgendwelchen Übereifer zeigen wird, die hohen Kostdn an Menschenleben und Material in naher Zukunft bekanntzugeben.

Die USA-Mannschafisverlusie

Tokio, 16. _Okt. Einer Schätzung der ZeitungÄsahi zufolge dürften sich die dem feindlichenFIottenverband am 12. und 13. Oktober vor Formosa zugefügten Ver­luste an Kriegsschiffsbesatzungen auf we­nigstens 12 950 Tote und Verwundete stellen, wozu noch die Verluste von etwa 600 Flugzeugen kommen dürften, welche durch die Versenkung bzw. Beschä­digung der Flugzeugträger verursacht wurden.

Resignierte Stimmung in London i Kriegslage enttäuschend

England auf einen sechsten Kriegswinter nicht vorbereitet Ununterbrochen deutsche Verstärkungen

Drahtbericht unseres Vertreters

kl. Stockholm, 16. Okt. Der sechste Kriegswinter pocht vernehmlich an die britischen Türen, und in London gibt man mit auffallender Offenherzigkeit zu, daß. man auf ihn keineswegs vorbereitet ist. Eine resignierte Stimmung herrscht in London so berichtet der Korrespondent des StockholmerAftonbladet. Aus der Erklärung, die Eisenhower in Paris vor 150 Pressevertretern abgab, geht hervor, daß von der Front und von dem ganzen Lande neue Anstrengungen gemacht werden müssen, damit der Krieg weitergeführt werden kann, und die neue Urlaubs­sperre, die über alle Frontkämpfer ver­hängt wurde, gilt auch für diejenigen, die bereits seit 3% Jahren keinen Urlaub mehr hatten.

Die britische Öffentlichkeit so heißt es in einem anderen schwedischen Korre- spondenten-Bericht die sich trotz Arn­heim ' bisher geweigert hatte, an einen

ISchwesrer Schlag lür Rqosevelt im Pazifik

Entscheidender Rückschlag der amerikanischen Strategie

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i»4«| I Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

Dr. W. Sch. Berlin, 16. Okt. Die über­raschende Meldung von dem großen japa­nischen Erfolg gegen dip amerikanischen Loft- und Seestreitkräfte östlich von For­mosa lenkt das Augenmerk wieder auf die Tatsache, die angesichts der atem­beraubenden Ereignisse auf dem europäi­schen Kriegsschauplatz in der letzten Zeit manchmal etwas zurückgetreten ist, daß such die Vereinigten Staaten den Krieg ?egen zweiFronten zu führen haben. Die Sorgen, von denen Roosevelt im Hin- bhek auf den Pazifik bedrückt wird, sind iweifellos ganz erheblich. Nach Abschluß 5 er letzten Besprechungen zwischen Moseveit und Churchill in Quebec wurde Bericht ausgegeben, in dem der Ein- wuck erweckt wurde, als ob in aller nrze nach dem bald erwarteten Ende ,. es Kampfes in Europa eine gewaltige Schiebung der Kräfte nach dem Fer- ea Osten erfolgen werde. Roosevelt muß ater allen Umständen für eine solche */assung in der öffentlichen Meinung , r Vereinigten Staaten wirken, weil doch immer weiteren Kreisen sich die Sorge Wrängt, daß eine zu lange Dauer des ne ges in Europa den Kampf gegen Ja- L n , zu einer völlig aussichtslosen Sache Könnte. Daß sich Roosevelt maßlos | rtat, als er das schnelle Ende in °pa m Quebec voraussetzte, ist durch - o steigenden Widerstand der deutschen 0 DP, en im westlichen und östlichen ^fnereich des Reiches inzwischen aller aiJ ; klargemacht worden. Einen Erfolg tollt 1 , osta siatischen Kriegsschauplatz 0 |t ? ®Der Roosevelt vor den Wahlen toi«» ,. un ^ er allen Umständen vor­der v 1 *^ nnen \ Von hier aus erklärt sich form 6rsuc ^ e ne Landung auf der Insel , 0Sa , südöstlich der japanischen

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J^^en Raum vorgelagert, zu er- u e ® ei1, Der Plan ist nicht nur vollkom- de n ® esc heitert, sondern droht sich nach zeit,,, ^^whtenden Schlägen der japani- !chla n Lu twaffo au f der Verfolgungs- eiu e 111 durch die japanische Marine in der Vp 11 t s . c heidende Niederlage 7 rein igten Staaten zu wandeln. ObrkVfH es Admiral Nimitz, der «ik n W aber der USA-Flotte im Pa- Ve» . bekanntem Schema noch rund- die Sni i ^Sendwelche Einzelheiten über »aterh- * bekanntzugeben, die doch WS schon tagelang in Gang ist. läj,.. ." e deutung man jedoch im Feind- die r[ leser Schlacht beimifit, das zeigt danh" i Sledun S desExchange Tele- ta > ^ le £ ^ ese See- und Luftschlacht

von Formosa als die» bgdew*

tendste dieses Krieges in Ost­asien bezeichnet. Admiral Nimitz. und General Märshall als Chef der amerika­nischen Kriegführung mußten sich längst darüber klar sein, daß der Krieg gegen Japan, nur dann mit einiger Aussicht auf Erfolg geführt werden könne, wenn man umfassende Basen im chinesischen'Raum zur Verfügung habe. Die Hoffnung, daß man diese Basen von Indien her auf dem Landweg gewinnen könne, hat sich, je län­ger je mehr, als eine Illusion erwiesen, und so wollte Admiral Nimitz sich jetzt eine Inselbrücke nach China verschaffen, um von dort aus Truppen landen zu kön­nen. Die Amerikaner haben sich über das Ausmaß und über die Bedeutung ihrer m der letzten Zeit errungenen Erfolge im Pa­zifik furchtbar getäuscht, als sie nämlich auf verschiedenen Inselgruppen Angriffe mit anschließenden Landungs­unternehmungen durchführten, um dort die Zahl ihrer Luftstützpunkte zu vermeh­ren. Japan hat diesen steigenden amen-, kanischen Provokationen, so auch der feindlichen Landung auf Guam, gegen­über nicht die Nerven verloren, sondern in aller Ruhe die Möglichkeit eines gro­ßen und entscheidenden Schlages abge­wartet, für den man den Einsatz der Schlachtflotte zurückhielt. Die Amerika­ner sind einer Täuschung zum Onfer ge­fallen, als sie meinten, daß die japanische Flotte es überhaupt nicht wage, sich zu einer entscheidenden Schlacht zu stellen, und darum glaubten sie, bereits nach der Landung auf den B o n i n -I n s e 1 n einen ausreichenden Flankenschutz für das Unternehmen gegen Formosa zu haben, das nur 150 km von der chinesischen Küste entfernt liegt.

Die Amerikaner haben nun für ihre Überheblichkeit und für ihren Leichtsinn außerordentlich hoch befah­len müssen.Exchange Telegraph teilt mit, daß die USA-Flotte von einem gewal­tigen Verband von Transportschiffen be­gleitet gewesen sei. Die Flotte und die­ser Verband befinden sich jetzt östlich von Formosa in stark angeschlagenem Zustand auf der Flucht, während die ja­panische Flotte zur Verfolgung angetreten ist. Es ist höchst wahrscheinlich, daß in­folge des schweren Schlages, den die USÄ-Flötte jetzt erhalten hat. die Erfolge der bisherigen Strategie weitgehend hin- fällig gemacht werden können. Wenn das in den Vereinigten Staaten bekannt wird, dürfte es von Roosevelt un­mittelbar vor den Wahlen als ein kata­strophaler Schlag empfunden wer­den. Er wird natürlich alles tun, um die Tatsachen, wie nach Pearl Harbour, ab­zustreiten und zu verschleiern. Die Tat­sachen kann er dadurch nicht ändern.

ernstlichen Rückschlag zu glauben, muß sich nun. mit dem Gedanken vertraut machen, daß die Anglo-Amerikaner eine lange Pause nötig haben, um die Lücken in ihrer Organisation auszufüllen. In der Normandie ist jeder verfügbare Mann in die Schlacht geworfen worden, so daß jetzt im entscheidenden Augenblick keinerlei Reserven zur Verfügung stehen, während es" den Deutschen gelungen ist, der neuen Front an der westlichen Reichsgrenze sehr starke Reserven zuzuführen, Die Pro­gnose, die Eisenhower in Paris stellte, und die bekanntlich lautete:Der Druck der Alliierten wird fortgesetzt werden, solange das Wetter, die Vorräte und die Geländeverhältnisse dies zulassen, ist keineswegs optimistisch, sondern sehr vor­sichtig formuliert.

Die Frontberichte der britischen und amerikanischen Korrespondenten nachen kein Hehl mehr daraus, daß Eisenhower die Schlacht um Aachen verloren hat, was seinem Prestige ungeheuer geschadet habe. Aachen sei zur Kapitulation aufge­fordert worden in dem falschen Glauben, daß die amerikanische Zange nur zuge- drückt zu werden brauche. Die Initiative im Raüm von Aachen liege aber in den Händen der Deutschen und nicht mehr in den Händen der Amerikaner.

Mit nicht geringer Bestürzung hat die britische Öffentlichkeit zur Kenntnis neh­men müssen, daß die Briten sich am Nie­derrhein auf die Defensive verlegt haben, wofür die Sprengung der Rheinbrücke bei Arnheim ein untrüglicher Beweis ist. Vor vier Wochen wurden Tausende von Fall­schirmsoldaten geopfert, nm die Brücke für die Briten zu reiten. Nunmehr wurde sie von britischen Fliegern zerstört, damit die Sicherheit der südlich des Nieder­rheins stehenden britischen Verbände er­höht wird.

DerNews-Chronicle-Korrespondent meint, die britisch-amerikanische Krieg­führung befinde sich nunmehr in der gleichen Lage, in der sich die deutsche

Kriegführung im November 1941 vor Mos­kau befand. Nach einem zu stürmischen Vormarsch sei die Offensive steckenge­blieben und eine deutsche Gegenoffen­sive, die noch vor wenigen Wochen als völlig absurd erschien, sei nunmehr nicht nur möglich, sondern sogar wahrschein­lich geworden. Die Deutschen führten un­unterbrochen neue Verstärkungen heran, die das Kräfteverhältnis an der gesamten Westfront von Tag zu Tag verändern. Während die Deutschen von den kurzem' Etappenwegen begünstigt werden, hätten die Alliierten Nachschubschwierigkeiten ganz besonderer Art zu überwinden. Es werde der größten Anstrengungen bedür­fen. nm unliebsame Konsequenzen zu ver­meiden.

Weder die britische noch die amerika­nische .Heimatfront ist auf die Rück­schläge gefaßt gewesen. Wie Reuter be­richtet. haben 150 000 Kohlengrubenarbei­ter in Yorkshire beschlossen, in den Streik zu treten. Millionen von. Arbeitern haben sich bereitsin einer Friedenspsychose befunden, aus der sie nunmehr unsanft aufgerüttelt werden. Das ganze britische Volk aber. ist psychologisch auf eineu sechsten Kriegswinter völlig unvorbereitet. Das gleiche gilt vielleicht in noch höhe­rem Maße von den USA.

Brillanten verliehen

Fiihrerhauptqnartier, 16. Okt. Der Führer, hat dem Kommandeur einer Nacht.iagd-Gruppe. Hauptmann Heinz- Wolfgang Schnaufer nach seinem 100. Nachtjagdsieg die höchste deutsche Tap- ferkeitsanszeichnung verliehen und fol­gendes Telegramm an ihn gerichtet:In Würdigung Ihres immerwährenden hel­denmütigen Einsatzes im Kampf für die Freiheit unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 21. Soldaten der deutschen Wehr­macht das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler.

Weltbeirug

Von

Regen, Sturm, Schlamm und Rlut...

Anglo-Amerikaner benötigen Antwerpen Deutsche Sperre

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 16. Okt.Regen, Sturm, Schlamm und Blut sind immer noch die charakteristischen Kennzeichen der Kämpfe an der Westfront, heißt es in dem Bericht eines amerikanischen Kriegs­korrespondenten. Statt in einemSuper- Blitzkrieg, wie die amerikanische Presse ankündigte, nach der Erzielung des Rheinüberganges von Arnheim quer durch Deutschland nach Berlin vorzudrin­gen, mußten sich die amerikanisch-engli­schen Truppen inzwischen unter immer schwieriger werdenden Witterungsver­hältnissen und bei ungenügendem Nach­schub Meter um Meter vorwärtsquälen. Der bekannte englische Funkkorrespon­dent Murrow erklärte:Vor einigen

Wochen schien es möglich, Holland und Niederdeutschland durch einen einzigen waghalsigen und glänzenden Schlag zu überrennen. Der Versuch mißlang, und das Ergebnis ist nunmehr ein kalter und schlammiger Feldzug in Holland. Die Deutschen haben ihre Truppen ergänzt und neu aufgefüllt, auch neu ausgerüstet. Ihre Verteidigung ist geschickt und er­folgreich.

Ganz besonders schwer litten am Sonn­tag wiederum die kanadischen Truppen. Das interalliierte Hauptquartier möchte sich mit allen Mitteln in den Besitz der Zugänge zum Hafen von Antwerpen setzen, da es diesen Hafen trotz der Be­setzung der Stadt nicht verwenden kann, weil die Deutschen von Walcheren aus die Hafenzugänge beherrschen. Um die Straße, die Walcheren mit dem Festlande verbindet, wird seit Tagen von den Ka­nadiern ohne Rücksicht auf .Verluste ge­

kämpft. Der letzte amtliche Bericht Eisen- howers muß aber melden, durch deutsche Gegenangriffe würde den kanadischen Truppen diese Straße wieder entrissen.

Im Gegensatz zu den letzten Tagen sind die Berichte Eisenhowers über die bluti­gen Kämpfe rings um Aachen am Mon­tag bedeutend einsilbiger. Ostwärts Aachen seien zur Zeit die Deutschen im Angriff. Diese deutschen Gegenangriffe hätten teilweise größte Heftigkeit. In einem englischen Bericht wird erklärt, der deutsche Widerstand in Aachen werde nicht schwächer, sondern heftiger. Im all­gemeinen ist der Ton der amerikanisch­englischen Frontberichter ernsthafter und wirklichkeitsgetreuer geworden. So wer­den in einem Londoner Funkbericht der englisch-amerikanischen Öffentlichkeit endlich die Tatsachen bekanntgegeben. In diesem Bericht heißt es:Unsere Auf­gabe ist es zur Zeit, den Westwall zu durchstoßen, die Vogesen zu überschrei­ten und am Rhein starke Brückenköpfe zu errichten. Das sind- alles sehr schwie­rige Unternehmen. Aber erst, wenn wir alle diese Ziele erreicht haben, würde ein neuer Abschnitt des Krieges beginnen." Als Voraussetzung für die Erreichung die­ser Ziele wird immer wieder der Besitz des Hafeneinganges von Antwerpen sowie die Besetzung anderer Häfen am Atlantik be­zeichnet. Aber das A und O bildet nach wie vor Antwerpen. Von Calais und Bou- logne seien die Nachschublinien immer nodi zu lang.

Der Führer hat dem König von Afghanistan in einem herzlich gehaltenen Telegramm seine Glückwünsche zum Geburtstag übermittelt.

Alfred Gerigk

DerWeltregierungsplan von Dum- barton Oaks ist ein umfangreiches Schriftstück in zwölf. Kapiteln, deren jedes wieder eine Anzahl von Paragra­phen umfaßt. Rein äußerlich haftet ihm freilich schon ein peinlicher kleiner Man­gel an. Da steht im Kapitel 6 Punkt C der schlichte Satz:Über das Stimmrecht im Sicherheitsrat sind n och Beratungen im Gange. Dieser harmlos klingende kleine Satz hat entscheidende Be­deutung. Denn folgendermaßen sieht der Weltregierungsplan von Dumbart Oaks aus: Zur Regierung der Welt wird eine Organisation mit dem NamenVereinigte Nationen eingerichtet werden, die aus einer Generalversammlung, einem Sicher­heitsrat und einem Sekretariat besteht. Angehören sollen dieser Organisation möglichst allefriedliebenden Staaten. Die Rechte der Generalversamm­lung, der alle Mitglieder angehören? Verteilung der Ausgaben auf die Mitglie­der, Studium wirtschaftlicher und sozialer Probleme, Entgegennahme der Berichte, die der Sicherheitsrat über seine Tätig­keit erstattet, und Weitergabe von Emp­fehlungen an diesen Sicherheitsrat, der dann entscheidet, was damit geschehen soll. Die Rechte des Sicherheits­rates? Er nimmt Mitglieder auf und schließt Mitglieder aus, seine Beschlüsse sind pflichtmäßig von allen Mitgliedern durchzuführen. Er hat das Recht, jede Frage zu beraten, die ihm für die,Welt­sicherheit wichtig erscheint. Er hat zur Verfügung die Streitmächte und Hilfs­maßnahmen, die alle Mitgliedstäaten ihm zu stellen haben, er unterhält ständige militärische Kontingente in der Luft, zu Wasser und zu Land, um Zwangsvoll­streckungen gegen friedenstörende Staa­ten sofort durchführen zu können. Welch ein Verhältnis zwischen den Rechten der Generalversammlung und den Rechten des Sicherheitsrates!

Und wer stellt diesen, S i c h e r h,e i t s - r a t ? Ständige Mitglieder sind USA, Eng­land, Sowjetunion, China und später Frankreich, sowie sechs nichtständige Mitglieder, die die Generalversammlung wählen darf. Den fünf Großmächten wer­den also sechs Vertreter anderer, alle zwei Jahre wechselnder Staaten bei­gegeben, die, wenn es ernst - wird) sich dem fügen werden, was die Großmächte ihnen auftragen,, denn die Großmächte allein verfügen ja über Finanz- und Machtmittel in der Welt. Und nun zu­rück zu jenem einen kurzen Satz in Kapitel 6 Abschnitt C:Über das Stimm­recht innerhalb des Sicherheitsrates sind noch Beratungen im Gange. Das Pro­blem von Dumbarton Oaks war: Wenn

die Großstaaten unter sich einig sind, die militärische Zwangsvollstreckung gegen irgendeinen Kleinstaat durchzuführen, so würde alles in Ordnung sein. Wer aber hat das Recht mitzustimmen, wenn eine Großmacht selbst den Frieden gefährdet? Die Großmächte haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie selbstver­ständlich nicht überstimmt werden dür­fen, wenn es um ihre eigenen Interessen geht. Aber so kraß wagte man denn doch nicht den kleinen Nationen mitzu­teilen, daß sie zu bloßen Hilfsvöl­kern degradiert werden sollen. Und so ließ man den entscheidenden Satz, wer in dem allmächtigen Sicherheitsrat abzu­stimmen hat, zunächst einfach unvollen­det. Innerhalb ihrer Interessenzonen sind die Großmächte frei, so ergibt sich aus der Satzung von Dumbarton Oaks. Erig- land könnte die Niederlande überfallen, die USA Argentinien, ohne daß Ein­spruchsrechte geltend gemacht werden könnten. Aber was kann man zum Trost den kleinen Völkern sagen, die in der Generalversammlung darüber entschei­den dürfen, wie die A u s g a b.e n des ganzen Weltregierungsapparates verteilt werden sollen?

Hier stößt das Problem von Dumbarton Oaks, das erst hinter dem jetzt aufge­stelltenVersuchsvorschlag liegt, mit dem Problem zusammen, das Churchill auf seinem Besuch in Moskau begleitet. Denn das Problem dieser Moskau-Reise liegt darin, der Welt klarzumachen, was England den Sowiets schon zugestanden hat: die Auslieferung Europas an den Bolschewismus. In Quebec hat Churchill sich mit Roosevelt über manche Einzelheiten dieser Zusage an Moskau den Konf zerbrochen. Jetzt wird er von Churchill die Stellungnahme zu den offen- . gebliebenen Fragen erfahren, und diese Stellungnahme wird dann wiederum Roo­sevelt übermittelt werden. Es ist keine Überraschung, was in Moskau jetzt ver­geht) denn es war klar, daß den Ge­sprächen der beiden angelsächsischen Regierungschefs die Stellungnahme des eigentlichen Oberhauptes der Koalition, eben Stalins, folgen mußte. Nachdem