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(9.8.1944) 218
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der Nationalsozialisten Bremens

Aörtliches Verkündungsblaft des Reichsstatthalters m O denburo und Eremen

Nr. 218 14. Jahrgang

Mittwoch, 9. August 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

Das Volk hielt Gericht

Der Anschlag vom 20. Juli durch Hängen der Verschwörer gesühnt

Witzleben, Höppner, Stieff, Hagen, Hase, Bernardis, Klausing, York von Wartenburg vordem Ersten Senat des Volksgerichtshofes Todesurteil nach zweitägiger Verhandlung - Die Geschichte einer hoch- und landesverräterischen Episode - Die Angeklagten enthüllen die Einzelheiten ihrer Schurkerei - Urteilsvollstreckung zwei Stunden nach Verkündung

dnb. Berlin, 8. August. Vor den Schranken des Volksgerichtshöfe* fand am Dienstag nach zweitägigen Verhandlungen das verbrecherische Attentat des 20. Juli seine gerechte Sühne.

Vor knapp 48 Stunden hat das deutsche Heer die Mitschuldigen an dem feigsten und ehrlosesten Verbrechen, das die deutsche Geschichte kennt, aus ihren Reihen ausgestoßen. Das deutsche Heer, die Millionen anständiger deut­scher Soldaten und Offiziere haben die Anstifter, Helfershelfer und- Mitwisser des fluchwürdigen Attentats dem Urteil des Volkes überstellt. Jetzt hält das Volk Gericht. So schnell wie die Niederschlagung dieser gegen das deutsche - Volk gerichteten Revolte erfolgt ist, so rasch Ist auch die Sühne, die das Volk" an diesen Verbrechern zu vollziehen sich nunmehr anschickt.

Auftakt zur Verhandlung

Im großen Plenarsaal des Kammergerichts lU-.Berlin tritt in wenigen Minuten .der Erste Senat des Volksgerichtshofes zusammen. Durch eine Seitentür werden die acht An­geklagten von Polizeibeamten in den Saal geführt. Sie tragen keine Uniformen mehr. Ihre bleichen Gesiclrter sind gezeichnet von der ungeheuren Schwere der Anklage, die aul ihnen lastet. Der Attentäter, Graf Stauf- fenberg, ist nicht mehr unter ihnen, aber der Fluch seiner Ta-t schreitet mit ihnen zur Anklagebank. In Doppelreihe sitzen sie, ihrer Richter gewärtig, an der Längsseite des Saales. Nichts ist mehr an ihnen von jener großsprecherischen Art, mit der sie die niederträchtige Schandtat vorbereiteten, nights mehr von jenem, elenden Zynismus, mit dem ai« den gemeinen Mordanschlag auf den Führer vorbereiteten, uiid die hoch­fligenden Pläne eines verruchten persön­lichen Ehrgeizes sind verwischt. Eigen­nützige, kleine, elende Verräternaturen sitzen vor uns, ein Bild menschlicher Er­bärmlichkeit.

Mit zusammengekniffenen Lippen, . ins leere sehend, sitzt an erster Stelle der ehe­malige Generalieldmarschall von Witz­leben, neben diesem der bereits 1942 we­gen Feigheit vor dem Feinde aus der Wehr­macht ausgestoftene ehemalige Generaloberst Höppner. Wie das personifizierte böse Gewissen wirft der ehemalige Generalmajor Stieff scheue Blicke in den Raum. Mit tfrvösen und fahrigen Gesten greift er im­mer wieder zum Hals, - während die übrigen Angeklagten dumpf vor steh hinbrüten.

Inzwischen hat der Senat in den "wein- rolen Roben dieses höchsten deutschen Ge* liehst den Saal betreten, an der Spitze der Präsident des Volksgerichts, Dr. Roland Breisler. Neben dem Präsidenten neh­men der Berichterstattende Beisitzer, Volks-

Oberreichsanwalt Lai

gerichtsrat Lemmie, und Stadtrat Kai­ser, zu seiner Rechten der General der Infanterie R e i n i c k e und der Kaufmann Seuberth am Richtertisch Platz, während als Ersatzricht'er der Bäcker Winter und der Ingenieur Werner fungieren. Vertre­ter der Anklage ist der Oherreichsanwalt Lautz, begleitet von Oberstaatsanwalt Gotisch 1 . Vor den 'Angeklagten haben die acht Pflichtverteidiger Platz genommen.

Vor Eintritt in die Verhandlung vereidigt der Präsident den Beisitzer Seuberth, der mit erhobener Stimme die Worte' der Eides­formel nachspricht:Ich werde dem Führer des . deutschen . Volkes,. Adolf Hitler, tred und gehorsam sein. Unwillkürlich richten sich alle Blicke auf die' Angeklagten, die diesen ihren heiligen Eid auf so schurkische Weise gebrochen haben.

Die Verhandlung beginnt mit der Fest­stellung de.s Präsidenten, daß der Ohcr- reichsanwaD Anklage erhebt gegeh den ehemaligen Generalfeldmarschall v. Witz­leben, Generaloberst Höppner, Gene­ralmajor Stieff, Oberleutnant d. R. von Hagen, Generalleutnant von Hase, Oberstleutnant im Generalstab Bernar­dis, der seine Angaben zur Person so unhörbar macht, daß ihn der Präsident er­mahnen muß, laut zu sprechen, denn das ganze deutsche Volk soll'hören; was erzu sagen hat Ferner sitzen auf der Anklage­bank der ehemalige Hauptmann Friedrich Karl Klausing und der ehemalige Leut­nant d. R. Graf York-von Warten- bürg.

Als der Präsident als ersten den Ange­klagten Erwin von Witzleben aufruft und dieser die Stirn hat, die Hand zum Deutschen Gruß zu erheben, verbittet es sich der Präsident mit den Worten:Den Deutschen Gruß wenden nur Volksgenossen an, die noch ihre Ehre im Leibe haben."

it? erhebt die Anklage

mit der kurzen Begründung, daß die Ange- kUgten im Sommer 1944 als Teilnehmer eines zahlenmäßig kleinen Verschwörer­kreises es unternommen haben, den F ti h - rer durch feigen Mord zu töten, uib sodann durch eine Revolte im Innern die Gewalt über Heer und Staat an sich zu reißen, um sich schimpflich dem

Feinde zu ergehen.

Als erster Angeklagter tritt. S t i e Pf vor den Rirhtertisch. Aus seiner Vernehmung eigiht sich, daß er am.30. Januar 1944, also, "ie der Präsident unterstreicht, am Jahres­tag der Machtergreifung, zum Generalmajor befördert worden ist. Der Präsident stellt fsst, daß der Angeklagte bei der ersten polizeilichen Vernehmung, in der er vorgab, Ron alledem, was mit den furchtbaren Er-, eignissen zusammenhängt, erst hach dem Mordanschlag erfahren zu haben, gelo- 9*n hat. Als Stieff Ausflüchte versucht, for­dert der Präsident ein unzweideutiges Ja oder Nein, worauf der. Angeklagte zu- 9|nt, bei der ersten Vernehmung die Un­wahrheit gesagt zu .haben. Der Präsident alt sodann dem Angeklagten die einzelnen tankte seines polizeilichen Geständnisses vor., ;

Präsident:Haben Sie im Sommer 1943, herst von Tresckow, den späteren Chef Stabes einer Armee der Heresgruppe "iute, aufgesucht, und hat er davon ge­brochen, der Führer müsse durch, einen Prengstoffanschlag bei der militärischen gehesprechung ermordet werden?" Angeklagter:Jawohl."

Präsident:Haben Sie von dieser Unge- ueuerlicbkelt Ihren Vorgesetzten und ha- en Sie dem Führer Meldung erstattet?" Angeklagter:Nein, das habe ich nicht!"

Angeklagte gibt weiter zu, daß er k f s P'* erp n Besprechung mit dem in- Hchen standrechtlich erschossenen Ge­

neral der Infanterie, O 1 h r i c h t, teilge­nommen hat und dabei auch mit dem ehe­maligen Generaloberst a. D. von Beck bekannt gemacht wurde, der ihn direkt auf­forderte, den Führer durch einen Spreng­stoffanschlag zu beseitigen.

Präsident:Sind Sie .gefragt worden, ob Sie mitmächen wollten?

Angeklagter:Jawohl.

Präsident:Ist es richtig: daß im Oktober 1943 der Graf von Stauffenberg in Sie gedrungen ist und daß Sie nicht nein gesagt haben, weil SieIhre Finger darin haben wollten?

Angeklagter:Jawohl".

Präsident:'Sind Sie sich darüber klar, daß Sie nicht nur die Finger von Ihrem Kopf gar nicht zt reden, sondern Ihre Ehre darin gehabt und mil Ihrer Einwilli­gung Ihre Ehre fiir immer ausgelöscht haben?

Angeklagter:Jawohl.

Der Angeklagte gibt weiter zu, daß, als Stauffenberg. ihm angetragen habe, den An­schlag durchzuführen, er zwar für sich die­sen Vorschlag abgelehnt, aber den für die Durchführung des Anschlags Verwandten Sprengstoff auf bewahrt habe, ob­wohl er wußte, daß er für den hinterhältigen Mordplan bestimmt war. Der Präsident hält dem Angeklagten vor, daß er vor der Polizei erklärt habe, er habe nie Spreng­stoffe besessen,'und verliest dann zum Be­weis für seine Verlogenheit das Verneh­mungsprotokoll, in dem der Angeklagte zu­nächst alles abstreitet, um dann nach länge­rem Vorhalt einzugestehen, daß er es war, der die Sprengkörper Stauffenberg schaffen ließ,' die ein entfernter Verwandter des Attentäters beschafft hatte. Dabei weist der Präsident darauf bin, daß es sich um einen englischen Sprengstoff ge­handelt hat.

Drei brave Grenadiere lollten daran glauben

rter Präsident den Angeklagten (ragt, el * r 0*wnßt habe, daß der Sprengstoff für dnnH ,, nrtians chlag auf den Führer Verwem- «ttmi n<len so "**' entwerteter er unter ein»«.° S j r s P* n nung des Zubörerraumes mit D «fntlteh vernehmbarenJa".

* Gipfel der Gemeinheit und Nieder­

tracht enthält bei weiterer Vernehmung die Aussage Stieff* über einen vorhergegan­genen Plan, den die Verbrecher vorbereitet, aber nlfht zur -Ausführung qebracht hatten. Dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht sollte eine neue Soldatenaus­rüstung vorgetührl werden. Drei einfache

Soldaten mH Frontbewährung sollten zu die­sem ehrenden Auftrag kommandiert wer­den. In das Marschgepäck eines dieser bra­ven, ahnungslosen Frontsoldaten planten die Verbrecher die Bombe mH Zeitzünder ein­zupacken, damit sie im Zeitpunkt der Mel­dung vor dem Führer explodieren sollte, um ihn mitsamt der Grenadiere - zu töten.

Digse Verbrecher wußten,, daji. der. Füh­rer gerade der. Ausrüstung der deutschen Frontsoldaten das größte persönliche In­teresse entgegenbringt und darauf hatten Sie ihren abgrundtiefen Schurken; streich aufgebaut. Wieder muß der An­geklagte eingestehen, daß er auch in alle diese Einzelheiten eingeweiht war. Als er auf die Frage des Vorsitzenden mitJa­wohl" antwortet, ruft ihm der Präsident zu: Das ist ja furchtbarl

Der Angeklagte bestätigt sodann, daß Graf Stauffenberg, nachdem der Anschlag bei der Vorführung der neuen Marsch­ausrüstung nicht zur Durchführung gekom­men war, nunmehr eine geballte Sprengladung in einer Akten­tasche in die Lagebesprechung beim Füh­rer einschmuggein sollte, ein Vorschlag, der ebenfalls von dem ehemaligen Generalmajor von Tresckow ausging.

Erneut wendet sich der Präsident an den Angeklagten:Jetzt kannten Sie den, der den Anschlag ausführen wollte. Haben Sie es jetzt dem Führer gemel­det?" Der Angeklagte:Nein 1"

Von Hagen gab

Al* nächster wird der ehemalige Ober­leutnant d. R. Albrecht von Hagen ver­nommen. Er war Untergebener des nach dem Anschlag zu den Bolschewisten über­gelaufenen Majors Kuhn, der seinerseits wieder dem Angeklagten Stieff unterstand. Etwa Ende November 1942 hat ihn Major Kuhn beauftragt, zwei Pakete Sprengstoff sicherzustellen, die von Major Kuhn und dem Angeklagten im Waide an einem Holz- tnrm - vergraben wurden. In Wirklichkeit war der Sprengstoff nur oberflächlich mit Moos abgedeckt gewesen und war auch bald von der Feldpolizei gefunden worden.

Im Dezember 1943 erhielt er von Kuhn anläßlich einer Dienstreise zur Front aber­mals den Auftrag, Sprengstoff zu besorgen, was er auch tat. Eine Meldung über die Ausfühfung dieser ihm erteilten' Befehle habe er jedoch nicht gemacht, während über alle anderen ausgeführten Aufträge eine schriftliche Meldung von ihm erstattet wurde. Der Angeklagte bestätigt, daß Stieff von diesem Auftrag, den Sprengstoff zu be­schaffen, gewußt habe, obwohl die Dienst­stelle Stieffs und die der übriger) Beteilig­ten, einschließlich des Angeklagten, gar nichts mit Sprengstoff zu tun, sondern ganz andere Aufgaben hatten. Stieff ließ sich den Sprengstoff aushändigen und bewahrte ihn bei sich auf, bis er dann in seinem Auftrag Ende Mai 1944 von v. Hagen nach Berlin gebracht und dem Mörder Stauffenberg übergehen wurde.

Präsident:Haben Sie den Sprengstoff bei Stauffenberg abgeliefert?

Angeklagter:Jawohl.

Präsident:Und damit war die Sache er­ledigt?

Angeklagter:Nein!

Präsident:Sondern?

Angeklagter:Ich habe Stauffenberg ge­fragt, was damit geschehen solle. Darauf hat Stauffenberg erklärt, damit wolle er die Regierung oder den Führer, so genau Weiß ich das nicht mehr, hochgehen lassen.

Aul die Frage des Vorsitzenden, ob er diese ungeheuerliche Absicht Gral Stauffen- hergs pflichtgemäß gemeldet habe, muß auch er mH Nein antworten.

Der Präsident schließt die Vernehmung des Angeklagten mit der Feststellung ab, daß Hagen das Attentat dadurch mitbegan- gen habe, daß «r den Sprengstoff an- Stauffenberg weitergab.

Nach einer kurzen Pause ;geht Präsident Dr. Freister zur Vernehmung des ehemaligen Generalfeldmarschalls von Witzleben und des früheren Generalobersten Höpp­ner über, der schon im Jahre 1942 wegen Feigheit und s Ungehorsams aus der Wehr­macht ausgestoßen wurde. Diese beiden An­geklagten sind wichtige Akteure in dem gemeinen Verrat gewesen.

Witzleben, der als erster vernommen Wird, wurde, 1881 geboren und 1901 aktiver Offizier. Er. wurde vom Führer in der Reichstagssitzu'ng vom 1. .Juli 1940 zum Feldmarschall ernannt, dann aber im Jahre 1942 zur Führerreserve versetzt.. Er gibt ohne weiteres zu, daß er in die Sache verwickelt ist. 'Witzleben hat den stand­rechtlich' erschossenen früheren General Ol bricht seit längerer Zeit gekannt und mit ihm verkehrt,. Er hat auch mit. dem durch Selbstmord geendeten ehemaligen

Bei -der. weiteren Vernehmung Stieffs kommt die Sprache auf seinen unmittel­baren Vorgesetzten, den Generalquartier- meister des Feldheeres, den ehemaligen Ge­neral der Artillerie, Wagner, der nach dem mißlungenen Attentat Selbstmord be­ging, Hierbei ergibt sich, daß er mit Wag­ner "über den .MoTÖarfschlag schon in den Endmonaten des Jahres 1943 gesprochen' Hat ünfl daß Wagner' 'unterrichtet war. Die Behäüptuhg SUeffs, daß sowohl Wagner als auch ' der Angeklagte von Ahfahg an das Verbrechen nicht" gewollt hätten, wird von dem Präsidenten mit dem Hinweis auf das klare Eingeständnis des Angeklagten beant­wortet, daß er den für den Anschlag ver­wandten Sprengstoff versteckt gehalten hat.

Unter ungeheurer Spannung kommt dann zur Sprache, daß bereits am 6. und 11. Juli der Mörder Graf Stauffenberg, der sich zum Vortrag im Führerhauplquartier angemeldet batte, den für den Mordansrhlag bestimmten Sprengstoff bei sich geführt habe.

Warum ist das Attentat nicht an diesem Tage aiisgeführt worden? fragt der Prä­sident den Angeklagten, und dieser ant­wortet, wie auch die anderen übereinstim­mend bekunden:Weil der Reichsführer M nicht anwesend war. Dieser aber sollte mit hochgehen". Es folgt nun die entscheidende Frage:Haben Sie vor dem 20. Juni ge­wußt, daß Gral Stauffenberg an diesem Tage seinen Mordplan ansführen wollte?" Der Angeklagte muß «»geben, daß er am

Generalstabschef des Heeres, Generaloberst a. D. B e c k - und dem Angeklagten Höpp­ner Verbindung gehabt.

Die erste, ihn schwer belastende Fest­stellung geht dahin, daß bereits im Februar 1943 Witzleben den Beck in dessen Woh­nung aufgesucht und mit ihm über die Lage gesprochen hatte. Mari habe sich darüber unterhalten, daß die Leute, die der Führer an die Spitze der militärischen Kriegfüh­rung gestellt .habe,nicht gut seien und die Guten ausgeschaltet seien". Auf die Frage des Präsidenten, wer es hätte besser machen sollen, antwortet Witzleben unter dem Gelächter der Anwesenden mit leiser Stimme:.Wir beide, Beck und Ich."

Eine zweite Besprechung. Witzlebens in dieser Angelegenheit findet im Oktober oder November 1943 mit Olbricht statt, und zwar weil Olbricht sozusagen die Feder­führung des Verrats übernommen hatte. In dieser Besprechung habe Olbricht zum erstenmal darauf hingewiesen, daß er es allein wohl; kaum schaffen könne. Er müßte noch »einen dazuhaben.

Der' Präsident fragt, wie sie sich nun eigentlich die Verwirklichung ihrer Pläne gedacht hätten, den Führer dahin zu brin­gen, zurückzittreten und Witzleben und Beck Oberbefehlshaber und Reichskanzler spielen zu lassen. Darauf antwortet Witzleben:Von der ganzen Politik und den innerpölitischen Dingen verstehe ich nichts. In erster Linie wollten, wir uns natürlich des Führers be­mächtigen, aber nicht in der Form des Attentats. Es sollte ein Zeitpunkt ahgesvar- tef syerden, wo der Führer mit möglichst geringer Begleitung auf der Reise war, da­mit man seiner habhaft werden konnte.' Wir waren der Meinung, daß uns ein über­lebender Führer nützlicher sein würde als ein nichtlebender."

Frage des Präsidenten:Wer sollte den Stoßtrupp führen?"

Witzleben:Die Leute dafür mußtet) erst gesucht werden."

Auf die Bemerkung des Präsidenten, daß man doch einen glatten Mord geplant habe, eiklärte Witzleben:Das kann man natür­lich sagen.

Eine dritte Besprechung hatte Witzleben im Mai 1944, als er zu Olbricht ging, um sich, wie er sagte,die Lage erklären zu lassen". Dabei-lernte,Witzleben den Mörder Graf Stauffenberg kennen. Witzleben gibt ohne weiteres zu, daß er jetzt wußte, daß Olbricht den gesuchten Gehilfen ge­funden hatte. Nach dieser Besprechung reiste Witzleben in aller Ruhe zur Kur nach Bad Kissingen. Dort vvurde er am 10. oder 11. Juli von einem Mittelsmann angerufen,

Der Präsident hält Witzleben weiter, und zwar immer auf Grund erlassener und von ihm anerkannter Befehle, vor, daß diese re­aktionäre Clique von vornherein in der bru­talsten Weise gegen/das Volk zu regieren beabsichtige. Standgerichte sollten eingesetzt werde«, die die geringsten Vergehe» einschließlich Sachbeschädigung mit Todesstrafe oder Zuchthausstrafe, mei-

19. abends durch Wagner über den Zeit­punkt des Mordanschlages unterrichtet wurde, daß das Verbrechen am 20. Juli ge­schehen sollte.

Präsident:.Sie W u fi t e n a l s o a Tn Abend vorher: Morgen ge­

schieht diese entsetzliche Tat, eine Tat, wie es sie abscheulicher und niederträchtiger niemals in der deutschen Geschichte gegeben hati Sie wußten: Morgen mitten in unserem Ringen lim Leben und Freiheit soll unser Führer ermordet werden! Sie wuß­ten mehr! Sie wußten: Morgen unter­

nimmt mein Verhrechergenosse Stauf- fenberg diese Tat! Haben Sie das gemeldet?, fragt der Präsident mit erhobener Stimme.

Der Angeklagte, der mit gesenktem Kopf vor den Richter^ steht, antwortet nach wenigen Sekunden mit einem kaum vernehmbarenN e i n".

Präsident:Sagen Sie es ruhig laut!"

Wieder vergehen einige Sekunden dann bestätigt der Angeklagte mit einem abermaligenNein", daß er Wissentlich zu diesem Mordplan geschwiegen hat, der das deutsche Volk in unausdenkbares Unglück gestürzt hätte.

Nach diesem Eingeständnis, das im Saal eine tiefe Bewegung auslösf, unterbricht der Präsident die Sitzung für kurze - Zett­

er solle sofort nach Berlin kommen: man brauche ihn dort, es sei nämlich bereits füf Dienstag das Attentat geplant,

Witzleben:Es fiel ins W«8*er.

Am 19. Juli war Witzleben wieder aus persönlichenGründen" in Berlin. Man sagte ihm dort, daß esmorgen wahrscheinlich klappen" wird, worauf er wieder nach Hause, nach Seesen, Kreis Kalau, fuhr.

Am 20. Juli wird Witzleben nun - nach seinem Geständnis in Seesen mit der Mit­teilung angerüfen, es gehe in Berlin los. Er erkundigt sich unterwegs Wieder bei einer militärischen Dienststelle, 'erfährt dort, daß der Führer bei dem Mordan'schlag leicht ver­letzt wurde, fährt zum Oberkommando des Heeres in die Bendierstraße und trifft sich mit Beck, Höppner und Olbricht. Dort war Graf Stauffenberg gerade aus dem Führer­hauptquartier nach dem Attentat eingetrof­fen. Beck erläuterte, in einer kurzen An­sprache, warum man die Revolte auch ohne sichere Nachricht über den Ausgang des Attentates ausgelöst habe. Witzleben wer­den nunmehr sogenannteBefehle" vorge­legt, die seinen Namen- tragen und die er, obwohl er sie vorher nicht gelesen haben will .jetzt vor dem Volksgerichtshof - ver­antwortlich 'anerkennt, .und zwar mit der Bemerkung, daß er diese Befehle fürwich­tig" gehalten habe. Als angeblicherOber­befehlshaber der Wehrmacht verkündet er in diesenBefehlen,, daß eineneue Reichs­regierung" gegründet sei.

Präsident Dr. Freister verweist auf, .wei­tere Befehle, u. a. auf einen Geheim- befahl, den als angeblicher Oberbefehls­haber des Ersatzheeres der Heimat Höpp­ner erlassen hat. Es handelt sich um An­ordnungen für - die Verhaftung aller, die im nationatsozialistischen-Deutschland die Äüf- rechterhaltiing der Ordnung, der Ernährung, der Rüstungsproduktion, kurz die gesamte Kriegführung und das staatliche Leben leiten.

Witzleben und Höppner verfügten außer­dem, und zwar unter einer heute noch-von Witzleben ausdrücklich übernommenen Ver­antwortung, daß die Konzentrations­lager von Soldaten zu besetzen, die Wachmannschaften zu internieren, die Verbrecher zu befreien seien. Man sollte sie nur bitten (!), : sich'-vorläufig aller Kundgebungen zu enthalten.

Der Präsident stellt dabei fest, daß dies die Freilassung vop tausenden rein krimineller, ihm Teil aus­ländischer Verbrecher bedeutet Kälte.

Witzleben schweigt betreten.

stens bis zu 15 Jahren, belegen sollten. Die Polizeistunde sollte auf 9 Uhr abends fest­gesetzt werden. Man war, wie diese Befehle bewiesen, zuden v drakonischsten Unter­drück u n g s nia ß n a h m en gegen das deutsche Volk entschlossen, so daß der Prä­sident feststem, ein Metternich sei bei sol­cherJtegiernhgskunst" geradezu als ein (Fortsetzung auf Seile - 2l

den Sprengstoff an Graf Stauffenberg

Groteskes Bild einer Ulfrareaktion