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der Nationalsozialisten Bremens
Aörtliches Verkündungsblaft des Reichsstatthalters m O denburo und Eremen
Nr. 218 • 14. Jahrgang
Mittwoch, 9. August 1944
Einzelpreis 15 Rpf.
Das Volk hielt Gericht
Der Anschlag vom 20. Juli durch Hängen der Verschwörer gesühnt
Witzleben, Höppner, Stieff, Hagen, Hase, Bernardis, Klausing, York von Wartenburg vordem Ersten Senat des Volksgerichtshofes Todesurteil nach zweitägiger Verhandlung - Die Geschichte einer hoch- und landesverräterischen Episode - Die Angeklagten enthüllen die Einzelheiten ihrer Schurkerei - Urteilsvollstreckung zwei Stunden nach Verkündung
dnb. Berlin, 8. August. Vor den Schranken des Volksgerichtshöfe* fand am Dienstag nach zweitägigen Verhandlungen das verbrecherische Attentat des 20. Juli seine gerechte Sühne.
Vor knapp 48 Stunden hat das deutsche Heer die Mitschuldigen an dem feigsten und ehrlosesten Verbrechen, das die deutsche Geschichte kennt, aus ihren Reihen ausgestoßen. Das deutsche Heer, die Millionen anständiger deutscher Soldaten und Offiziere haben die Anstifter, Helfershelfer und- Mitwisser des fluchwürdigen Attentats dem Urteil des Volkes überstellt. Jetzt hält das Volk Gericht. So schnell wie die Niederschlagung dieser gegen das deutsche - Volk gerichteten Revolte erfolgt ist, so rasch Ist auch die Sühne, die das Volk" an diesen Verbrechern zu vollziehen sich nunmehr anschickt.
Auftakt zur Verhandlung
Im großen Plenarsaal des Kammergerichts lU-.Berlin tritt in wenigen Minuten .der Erste Senat des Volksgerichtshofes zusammen. Durch eine Seitentür werden die acht Angeklagten von Polizeibeamten in den Saal geführt. Sie tragen keine Uniformen mehr. Ihre bleichen Gesiclrter sind gezeichnet von der ungeheuren Schwere der Anklage, die aul ihnen lastet. Der Attentäter, Graf Stauf- fenberg, ist nicht mehr unter ihnen, aber der Fluch seiner Ta-t schreitet mit ihnen zur Anklagebank. In Doppelreihe sitzen sie, ihrer Richter gewärtig, an der Längsseite des Saales. Nichts ist mehr an ihnen von jener großsprecherischen Art, mit der sie die niederträchtige Schandtat vorbereiteten, nights mehr von jenem, elenden Zynismus, mit dem ai« den gemeinen Mordanschlag auf den Führer vorbereiteten, uiid die hochfligenden Pläne eines verruchten persönlichen Ehrgeizes sind verwischt. Eigennützige, kleine, elende Verräternaturen sitzen vor uns, ein Bild menschlicher Erbärmlichkeit.
Mit zusammengekniffenen Lippen, . ins leere sehend, sitzt an erster Stelle der ehemalige Generalieldmarschall von Witzleben, neben diesem der bereits 1942 wegen Feigheit vor dem Feinde aus der Wehrmacht ausgestoftene ehemalige Generaloberst Höppner. Wie das personifizierte böse Gewissen wirft der ehemalige Generalmajor Stieff scheue Blicke in den Raum. Mit tfrvösen und fahrigen Gesten greift er immer wieder zum Hals, - während die übrigen Angeklagten dumpf vor steh hinbrüten.
Inzwischen hat der Senat in den "wein- rolen Roben dieses höchsten deutschen Ge* liehst den Saal betreten, an der Spitze der Präsident des Volksgerichts, Dr. Roland Breisler. Neben dem Präsidenten nehmen der Berichterstattende Beisitzer, Volks-
Oberreichsanwalt Lai
gerichtsrat Lemmie, und Stadtrat Kaiser, zu seiner Rechten der General der Infanterie R e i n i c k e und der Kaufmann Seuberth am Richtertisch Platz, während als Ersatzricht'er der Bäcker Winter und der Ingenieur Werner fungieren. Vertreter der Anklage ist der Oherreichsanwalt Lautz, begleitet von Oberstaatsanwalt Gotisch 1 . Vor den 'Angeklagten haben die acht Pflichtverteidiger Platz genommen.
Vor Eintritt in die Verhandlung vereidigt der Präsident den Beisitzer Seuberth, der mit erhobener Stimme die Worte' der Eidesformel nachspricht: „Ich werde dem Führer des . deutschen . Volkes,. Adolf Hitler, tred und gehorsam sein.“ Unwillkürlich richten sich alle Blicke auf die' Angeklagten, die diesen ihren heiligen Eid auf so schurkische Weise gebrochen haben.
Die Verhandlung beginnt mit der Feststellung de.s Präsidenten, daß der Ohcr- reichsanwaD Anklage erhebt gegeh den ehemaligen Generalfeldmarschall v. Witzleben, Generaloberst Höppner, Generalmajor Stieff, Oberleutnant d. R. von Hagen, Generalleutnant von Hase, Oberstleutnant im Generalstab Bernardis, der seine Angaben zur Person so unhörbar macht, daß ihn der Präsident ermahnen muß, laut zu sprechen, denn das ganze deutsche Volk soll'hören; was erzu sagen hat Ferner sitzen auf der Anklagebank der ehemalige Hauptmann Friedrich Karl Klausing und der ehemalige Leutnant d. R. Graf York-von Warten- bürg.
Als der Präsident als ersten den Angeklagten Erwin von Witzleben aufruft und dieser die Stirn hat, die Hand zum Deutschen Gruß zu erheben, verbittet es sich der Präsident mit den Worten: „Den Deutschen Gruß wenden nur Volksgenossen an, die noch ihre Ehre im Leibe haben."
it? erhebt die Anklage
mit der kurzen Begründung, daß die Ange- kUgten im Sommer 1944 als Teilnehmer eines zahlenmäßig kleinen Verschwörerkreises es unternommen haben, den F ti h - rer durch feigen Mord zu töten, uib sodann durch eine Revolte im Innern die Gewalt über Heer und Staat an sich zu reißen, um sich schimpflich dem
Feinde zu ergehen.
Als erster Angeklagter tritt. S t i e Pf vor den Rirhtertisch. Aus seiner Vernehmung eigiht sich, daß er am.30. Januar 1944, also, "ie der Präsident unterstreicht, am Jahrestag der Machtergreifung, zum Generalmajor befördert worden ist. Der Präsident stellt fsst, daß der Angeklagte bei der ersten polizeilichen Vernehmung, in der er vorgab, Ron alledem, was mit den furchtbaren Er-, eignissen zusammenhängt, erst hach dem Mordanschlag erfahren zu haben, gelo- 9*n hat. Als Stieff Ausflüchte versucht, fordert der Präsident ein unzweideutiges Ja oder Nein, worauf der. Angeklagte zu- 9|nt, bei der ersten Vernehmung die Unwahrheit gesagt zu .haben. • Der Präsident alt sodann dem Angeklagten die einzelnen tankte seines polizeilichen Geständnisses vor., ;
Präsident: „Haben Sie im Sommer 1943, herst von Tresckow, den späteren Chef Stabes einer Armee der Heresgruppe "iute, aufgesucht, und hat er davon gebrochen, der Führer müsse durch, einen Prengstoffanschlag bei der militärischen •gehesprechung ermordet werden?" Angeklagter: „Jawohl."
Präsident: „Haben Sie von dieser Unge- ueuerlicbkelt Ihren Vorgesetzten und ha- en Sie dem Führer Meldung erstattet?" Angeklagter: „Nein, das habe ich nicht!"
Angeklagte gibt weiter zu, daß er k f s P'’* erp n Besprechung mit dem in- ’Hchen standrechtlich erschossenen Ge
neral der Infanterie, O 1 h r i c h t, teilgenommen hat und dabei auch mit dem ehemaligen Generaloberst a. D. von Beck bekannt gemacht wurde, der ihn direkt aufforderte, den Führer durch einen Sprengstoffanschlag zu beseitigen.
Präsident: „Sind Sie .gefragt worden, ob Sie mitmächen wollten?“
Angeklagter: „Jawohl“.
Präsident: „Ist es richtig: daß im Oktober 1943 der Graf von Stauffenberg in Sie gedrungen ist und daß Sie nicht nein gesagt haben, weil Sie „Ihre Finger darin haben“ wollten?“
Angeklagter: „Jawohl".
„Präsident:' „Sind Sie sich darüber klar, daß Sie nicht nur die Finger — von Ihrem Kopf gar nicht zt reden, — sondern Ihre Ehre darin gehabt und mil Ihrer Einwilligung Ihre Ehre fiir immer ausgelöscht haben?“
Angeklagter: „Jawohl“.
Der Angeklagte gibt weiter zu, daß, als Stauffenberg. ihm angetragen habe, den Anschlag durchzuführen, er zwar für sich diesen Vorschlag abgelehnt, aber den für die Durchführung des Anschlags Verwandten Sprengstoff auf bewahrt habe, obwohl er wußte, daß er für den hinterhältigen Mordplan bestimmt war. Der Präsident hält dem Angeklagten vor, daß er vor der Polizei erklärt habe, er habe nie Sprengstoffe besessen,'und verliest dann zum Beweis für seine Verlogenheit das Vernehmungsprotokoll, in dem der Angeklagte zunächst alles abstreitet, um dann nach längerem Vorhalt einzugestehen, daß er es war, der die Sprengkörper zü Stauffenberg schaffen ließ,' die ein entfernter Verwandter des Attentäters beschafft hatte. Dabei weist der Präsident darauf bin, daß es sich um einen englischen Sprengstoff gehandelt hat.
Drei brave Grenadiere lollten daran glauben
rter Präsident den Angeklagten (ragt, el * r 0*wnßt habe, daß der Sprengstoff für dnnH ,, nrtians chlag auf den Führer Verwem- «ttmi n<len so "**' entwerteter er unter ein»«.° S j r s P* n nung des Zubörerraumes mit D™ «fntlteh vernehmbaren „Ja".
* Gipfel der Gemeinheit und Nieder
tracht enthält bei weiterer Vernehmung die Aussage Stieff* über einen vorhergegangenen Plan, den die Verbrecher vorbereitet, aber nlfht zur -Ausführung qebracht hatten. Dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht sollte eine neue Soldatenausrüstung vorgetührl werden. Drei einfache
Soldaten mH Frontbewährung sollten zu diesem ehrenden Auftrag kommandiert werden. In das Marschgepäck eines dieser braven, ahnungslosen Frontsoldaten planten die Verbrecher die Bombe mH Zeitzünder einzupacken, damit sie im Zeitpunkt der Meldung vor dem Führer explodieren sollte, um ihn mitsamt der Grenadiere - zu töten.
Digse Verbrecher wußten,, daji. der. Führer gerade der. Ausrüstung der deutschen Frontsoldaten das größte persönliche Interesse entgegenbringt und darauf hatten Sie ihren abgrundtiefen Schurken; streich aufgebaut. Wieder muß der Angeklagte eingestehen, daß er auch in alle diese Einzelheiten eingeweiht war. Als er auf die Frage des Vorsitzenden mit „Jawohl" antwortet, ruft ihm der Präsident zu: „Das ist ja furchtbarl“
Der Angeklagte bestätigt sodann, daß Graf Stauffenberg, nachdem der Anschlag bei der Vorführung der neuen Marschausrüstung nicht zur Durchführung gekommen war, nunmehr eine geballte Sprengladung in einer Aktentasche in die Lagebesprechung beim Führer einschmuggein sollte, ein Vorschlag, der ebenfalls von dem ehemaligen Generalmajor von Tresckow ausging.
Erneut wendet sich der Präsident an den Angeklagten: „Jetzt kannten Sie den, der den Anschlag ausführen wollte. Haben Sie es jetzt dem Führer gemeldet?" Der Angeklagte: „Nein 1"
Von Hagen gab
Al* nächster wird der ehemalige Oberleutnant d. R. Albrecht von Hagen vernommen. Er war Untergebener des nach dem Anschlag zu den Bolschewisten übergelaufenen Majors Kuhn, der seinerseits wieder dem Angeklagten Stieff unterstand. Etwa Ende November 1942 hat ihn Major Kuhn beauftragt, zwei Pakete Sprengstoff sicherzustellen, die von Major Kuhn und dem Angeklagten im Waide an einem Holz- tnrm - vergraben wurden. In Wirklichkeit war der Sprengstoff nur oberflächlich mit Moos abgedeckt gewesen und war auch bald von der Feldpolizei gefunden worden.
Im Dezember 1943 erhielt er von Kuhn anläßlich einer Dienstreise zur Front abermals den Auftrag, Sprengstoff zu besorgen, was er auch tat. Eine Meldung über die Ausfühfung dieser ihm erteilten' Befehle habe er jedoch nicht gemacht, während über alle anderen ausgeführten Aufträge eine schriftliche Meldung von ihm erstattet wurde. Der Angeklagte bestätigt, daß Stieff von diesem Auftrag, den Sprengstoff zu beschaffen, gewußt habe, obwohl die Dienststelle Stieffs und die der übriger) Beteiligten, einschließlich des Angeklagten, gar nichts mit Sprengstoff zu tun, sondern ganz andere Aufgaben hatten. Stieff ließ sich den Sprengstoff aushändigen und bewahrte ihn bei sich auf, bis er dann in seinem Auftrag Ende Mai 1944 von v. Hagen nach Berlin gebracht und dem Mörder Stauffenberg übergehen wurde.
Präsident: „Haben Sie den Sprengstoff bei Stauffenberg abgeliefert?“
Angeklagter: „Jawohl“.
Präsident: „Und damit war die Sache erledigt?“
Angeklagter: „Nein!“
Präsident: „Sondern?“
Angeklagter: „Ich habe Stauffenberg gefragt, was damit geschehen solle. Darauf hat Stauffenberg erklärt, damit wolle er die Regierung oder den Führer, so genau Weiß ich das nicht mehr, hochgehen lassen.“
Aul die Frage des Vorsitzenden, ob er diese ungeheuerliche Absicht Gral Stauffen- hergs pflichtgemäß gemeldet habe, muß auch er mH Nein antworten.
Der Präsident schließt die Vernehmung des Angeklagten mit der Feststellung ab, daß Hagen das Attentat dadurch mitbegan- gen habe, daß «r den Sprengstoff an- Stauffenberg weitergab.
Nach einer kurzen Pause ;geht Präsident Dr. Freister zur Vernehmung des ehemaligen Generalfeldmarschalls von Witzleben und des früheren Generalobersten Höppner über, der schon im Jahre 1942 wegen Feigheit und s Ungehorsams aus der Wehrmacht ausgestoßen wurde. Diese beiden Angeklagten sind wichtige Akteure in dem gemeinen Verrat gewesen.
Witzleben, der als erster vernommen Wird, wurde, 1881 geboren und 1901 aktiver Offizier. Er. wurde vom Führer in der Reichstagssitzu'ng vom 1. .Juli 1940 zum Feldmarschall ernannt, dann aber im Jahre 1942 zur Führerreserve versetzt.. Er gibt ohne weiteres zu, daß er in die Sache verwickelt ist. 'Witzleben hat den standrechtlich' erschossenen früheren General Ol bricht seit längerer Zeit gekannt und mit ihm verkehrt,. Er hat auch mit. dem durch Selbstmord geendeten ehemaligen
Bei -der. weiteren Vernehmung Stieffs kommt die Sprache auf seinen unmittelbaren Vorgesetzten, den Generalquartier- meister des Feldheeres, den ehemaligen General der Artillerie, Wagner, der nach dem mißlungenen Attentat Selbstmord beging, Hierbei ergibt sich, daß er mit Wagner "über den .MoTÖarfschlag schon in den Endmonaten des Jahres 1943 gesprochen' Hat ünfl daß Wagner' 'unterrichtet war. Die Behäüptuhg SUeffs, daß sowohl Wagner als auch ' der Angeklagte von Ahfahg an das Verbrechen nicht" gewollt hätten, wird von dem Präsidenten mit dem Hinweis auf das klare Eingeständnis des Angeklagten beantwortet, daß er den für den Anschlag verwandten Sprengstoff versteckt gehalten hat.
Unter ungeheurer Spannung kommt dann zur Sprache, daß bereits am 6. und 11. Juli der Mörder Graf Stauffenberg, der sich zum Vortrag im Führerhauplquartier angemeldet batte, den für den Mordansrhlag bestimmten Sprengstoff bei sich geführt habe.
„Warum ist das Attentat nicht an diesem Tage aiisgeführt worden?“ fragt der Präsident den Angeklagten, und dieser antwortet, wie auch die anderen übereinstimmend bekunden: „Weil der Reichsführer M nicht anwesend war. Dieser aber sollte mit hochgehen". Es folgt nun die entscheidende Frage: „Haben Sie vor dem 20. Juni gewußt, daß Gral Stauffenberg an diesem Tage seinen Mordplan ansführen wollte?" Der Angeklagte muß «»geben, daß er am
Generalstabschef des Heeres, Generaloberst a. D. B e c k - und dem Angeklagten Höppner Verbindung gehabt.
Die erste, ihn schwer belastende Feststellung geht dahin, daß bereits im Februar 1943 Witzleben den Beck in dessen Wohnung aufgesucht und mit ihm über die Lage gesprochen hatte. Mari habe sich darüber unterhalten, daß die Leute, die der Führer an die Spitze der militärischen Kriegführung gestellt .habe, „nicht gut” seien und „die Guten ausgeschaltet seien". Auf die Frage des Präsidenten, wer es hätte besser machen sollen, antwortet Witzleben unter dem Gelächter der Anwesenden mit leiser Stimme:. „Wir beide, Beck und Ich."
Eine zweite Besprechung. Witzlebens in dieser Angelegenheit findet im Oktober oder November 1943 mit Olbricht statt, und zwar weil Olbricht sozusagen die Federführung des Verrats übernommen hatte. In dieser Besprechung habe Olbricht zum erstenmal darauf hingewiesen, daß er es allein wohl; kaum schaffen könne. Er müßte noch »einen dazuhaben.
Der' Präsident fragt, wie sie sich nun eigentlich die Verwirklichung ihrer Pläne gedacht hätten, den Führer dahin zu bringen, zurückzittreten und Witzleben und Beck Oberbefehlshaber und Reichskanzler spielen zu lassen. Darauf antwortet Witzleben: „Von der ganzen Politik und den innerpölitischen Dingen verstehe ich nichts. In erster Linie wollten, wir uns natürlich des Führers bemächtigen, aber nicht in der Form des Attentats. Es sollte ein Zeitpunkt ahgesvar- tef syerden, wo der Führer mit möglichst geringer Begleitung auf der Reise war, damit man seiner habhaft werden konnte.' Wir waren der Meinung, daß uns ein überlebender Führer nützlicher sein würde als ein nichtlebender."
Frage des Präsidenten: „Wer sollte den Stoßtrupp führen?"
■ Witzleben: „Die Leute dafür mußtet) erst gesucht werden."
Auf die Bemerkung des Präsidenten, daß man doch einen glatten Mord geplant habe, eiklärte Witzleben: „Das kann man natürlich sagen.“
Eine dritte Besprechung hatte Witzleben im Mai 1944, als er zu Olbricht ging, um sich, wie er sagte,die Lage erklären zu lassen". Dabei-lernte,Witzleben den Mörder Graf Stauffenberg kennen. Witzleben gibt ohne weiteres zu, daß er jetzt wußte, daß Olbricht den gesuchten Gehilfen gefunden hatte. Nach dieser Besprechung reiste Witzleben in aller Ruhe zur Kur nach Bad Kissingen. Dort vvurde er am 10. oder 11. Juli von einem Mittelsmann angerufen,
Der Präsident hält Witzleben weiter, und zwar immer auf Grund erlassener und von ihm anerkannter Befehle, vor, daß diese reaktionäre Clique von vornherein in der brutalsten Weise gegen/das Volk zu regieren beabsichtige. Standgerichte sollten eingesetzt werde«, die die geringsten Vergehe» einschließlich Sachbeschädigung mit Todesstrafe oder Zuchthausstrafe, mei-
19. abends durch Wagner über den Zeitpunkt des Mordanschlages unterrichtet wurde, daß das Verbrechen am 20. Juli geschehen sollte.
Präsident:. „Sie W u fi t e n a l s o’ a Tn Abend vorher: Morgen ge
schieht diese entsetzliche Tat, eine Tat, wie es sie abscheulicher und niederträchtiger niemals in der deutschen Geschichte gegeben hati Sie wußten: Morgen — mitten in unserem Ringen lim Leben und Freiheit — soll unser Führer ermordet werden! Sie wußten mehr! Sie wußten: Morgen unter
nimmt mein Verhrechergenosse Stauf- fenberg diese Tat! Haben Sie das gemeldet?“, fragt der Präsident mit erhobener Stimme.
Der Angeklagte, der mit gesenktem Kopf vor den Richter^ steht, antwortet nach wenigen Sekunden mit einem kaum vernehmbaren „N e i n".
Präsident: „Sagen Sie es ruhig laut!"
Wieder vergehen einige Sekunden — dann bestätigt der Angeklagte mit einem abermaligen „Nein", daß er Wissentlich zu diesem Mordplan geschwiegen hat, der das deutsche Volk in unausdenkbares Unglück gestürzt hätte.
Nach diesem Eingeständnis, das im Saal eine tiefe Bewegung auslösf, unterbricht der Präsident die Sitzung für kurze - Zett
er solle sofort nach Berlin kommen: man brauche ihn dort, es sei nämlich bereits füf Dienstag das Attentat geplant,
Witzleben: „Es fiel ins W«8*er.“
Am 19. Juli war Witzleben wieder aus persönlichen „Gründen" in Berlin. Man sagte ihm dort, daß es „morgen wahrscheinlich klappen" wird, worauf er wieder nach Hause, nach Seesen, Kreis Kalau, fuhr.
Am 20. Juli wird Witzleben nun - nach seinem Geständnis in Seesen mit der Mitteilung angerüfen, es gehe in Berlin los. Er erkundigt sich unterwegs Wieder bei einer militärischen Dienststelle, 'erfährt dort, daß der Führer bei dem Mordan'schlag leicht verletzt wurde, fährt zum Oberkommando des Heeres in die Bendierstraße und trifft sich mit Beck, Höppner und Olbricht. Dort war Graf Stauffenberg gerade aus dem Führerhauptquartier nach dem Attentat eingetroffen. Beck erläuterte, in einer kurzen Ansprache, warum man die Revolte auch ohne sichere Nachricht über den Ausgang des Attentates ausgelöst habe. Witzleben werden nunmehr sogenannte „Befehle" vorgelegt, die seinen Namen- tragen und die er, obwohl er sie vorher nicht gelesen haben will • .jetzt vor dem Volksgerichtshof - verantwortlich 'anerkennt, .und zwar mit der Bemerkung, daß er diese Befehle für „wichtig" gehalten habe. Als angeblicher „Oberbefehlshaber der Wehrmacht” verkündet er in diesen „Befehlen,, daß eine „neue Reichsregierung" gegründet sei.
Präsident Dr. Freister verweist auf, .weitere Befehle, u. a. auf einen Geheim- befahl, den als angeblicher Oberbefehlshaber des Ersatzheeres der Heimat Höppner erlassen hat. Es handelt sich um Anordnungen für - die Verhaftung aller, die im nationatsozialistischen-Deutschland die Äüf- rechterhaltiing der Ordnung, der Ernährung, der Rüstungsproduktion, kurz die gesamte Kriegführung und das staatliche Leben leiten.
Witzleben und Höppner verfügten außerdem, und zwar unter einer heute noch-von Witzleben ausdrücklich übernommenen Verantwortung, daß die Konzentrationslager von Soldaten zu besetzen, die Wachmannschaften zu internieren, die Verbrecher zu befreien seien. Man sollte sie nur bitten (!), : sich'-vorläufig aller Kundgebungen zu enthalten.
Der Präsident stellt dabei fest, daß dies die Freilassung vop tausenden rein krimineller, ihm Teil ausländischer Verbrecher bedeutet Kälte.
Witzleben schweigt betreten.
stens bis zu 15 Jahren, belegen sollten. Die Polizeistunde sollte auf 9 Uhr abends festgesetzt werden. Man war, wie diese Befehle bewiesen, zu’den v drakonischsten Unterdrück u n g s nia ß n a h m en gegen das deutsche Volk entschlossen, so daß der Präsident feststem, ein Metternich sei bei solcher „Jtegiernhgskunst" geradezu als ein (Fortsetzung auf Seile - 2l
den Sprengstoff an Graf Stauffenberg
Groteskes Bild einer Ulfrareaktion