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Parteiamtliche Tageszeitung
Pa* Amt»blalf des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen
der Nationalsozialisten Bremens
Amtliches Verkündungsbiatt des Reichsstatthallers in Oldenburg und Eremen
Nr. 210 • 14. Jahrgang
Dienstag, 1. August 1944
Einzelpreis 15 Rpf.
Feindlicher Generalangriff im Zeidien der Zeitnot
Churchiff er kennt: Die Zeit des Bluffens ist vorbei — Auch die Sowjets befürchten einen Umschwung
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' Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung dr. w. sch. Berlin, 31. Juli. Auf der letzten Sitzung des britisch en Kriegskabinetts hat es, wie aus Lissabon ein- trefienden Informationen bekannt geworden ist, erregte Debatten gegeben, als eine Anzahl von Kabinettsmitglieder die weitgehende Evakuierung Londons und die Verlegung der Regierung nach Schottland verlangte. Diese Forderung wurde damit begründet, daß die dauernde Beschießung mit V 1 das Leben in London allmählich unerträglich .mache, dafi die Zahl der Opfer dauernd steigt, daß die Produktion in den Rüstungsfabriken ständig sinke und daß sich die Moral allmählich auflöse, zumal es oifenbar an einer wirksamen Abwehrwaffe gegen V1 fehle.
Churchill hat sich diesem Verlangen aus den Reihen des Kriegskabinetts mit dem Hinweis widersetzt, daß die Erfüllung dieser Forderungen einer Kapitulation nahe- käme, daß aber bis zura Wirksamwerden der neuen deutschen Watten England noch eine gewisse Zeit zur Verfügung habe, um durch den Einsatz der vorhandenen zahlen- und materialmäiiigen Ueberlegenheit im Rahmen des bisherigen Rüstungsniveaus den Sieg schnell, wenigstens so rechtzeitig zu erzwingen, ehe Deutschland seinen neuen Vorsprung zur Geltung bringen könne.
„Die Zeit des Bluffens ist vorüber”, so erklärte Churchill kürzlich und begründete damit die. Tatsache, daß er die Rundfunkansprache von Dr. Goebbels in England ausführlich verbreiten ließ. Er war sich offenbar der Notwendigkeit bewußt, die britische Oeffentlichkeit darauf vorzubereiten, daß man noch schweren Zeiten entgege'nsehen müsse, weil die Ankündigung von Dr. Goebbels ernst zu nehmen sei, daß über V 1 hinaus in Kürze noch viel wirksamere neue deutsche W affen den rüstungstechnischen Vorsprung auf unserer Seile entscheidend zu Geltung bringen werden.
Somit unterstrich Churchill unsere Argumentation, daß es an allen Fronten jetzt in eister Linie darauf ankommt, den Ansturm der Gegner vor den lebenswichtigen Räumen solange abzubremsen, bis der revolutionäre Umschwung auf dem Gebiet der Waf f e n t e c h n i k und damit unser entscheidender Vorsprung voll zur Geltung gebrach-t werden kann. Die Gegner setzen alles daran, um die ihnen verbleibende Zeit noch-zu nützen.
Churchill hatte dieser Tage eine fünfstündige Unterredung mit Montgomery. Ihr Ergebnis war offenkundig der Plan, in neuenGewaltangriffen in den Räumen von C a e n und S t. L o alles an Menschen und Waffen in den Kampf zu werten, was sich an der schmalen Front und dem engen Landekopf zusammenpressen ließ. Man kann sich vorstellen, welche Enttäuschungen es unter diesen Umständen gerade an den maßgeblichen Stellen in England hervorgerufen hat, daß die Oiiensive Mont- gomerys in winzigen Raumgewinnen steckenblieb.
Man erfährt weiter, daß der amerikanische Kriegsminister St.imson und General Eisenhower die Auffassung teilen, daß die in drei Jahren getroffenen Vorbereitungen für einen Angriff auf die Festung Europa nutzlos gewesen sein könnte* 1 ' wenn der Eriolg nicht in den. nächsten Wochen 7 u erzielen sei. Auch, von Churchill "erden Aeußerungen in dem Sinne bekannt, daß die schwere Probe, der Deutschland heute unterworfen sei, in den nächsten Wochen zu Ende gehen und daß die Stunde für Deutschland schlagen könne.
Offenbar aus diesem Grunde hat man sich auch entschlossen, entgegen den Bedenken der feindlichen Militärs ' an der Invasionsfront, die Terrorang r i ff e auf Deutschland zu verstärken und hoch einmal zu versuchen, die Heimatfront zu zerbrechen. Die Hoffnung wird so vergeblich sein, wie alle nach dieser Richtung zielenden Spekulationen der zurückliegenden Zeit. „Die Zeit des Bluffens ist vpfbei!”
In Wirklichkeit ist es so, 'daß sowohl "die Sowjets wie unsere westlichen Feinde immer klarer erkennen, daß' sie im 7. e i - c üen einer zunehmenden Zeitnot kämpfen. Erneut? hat Möntgo- m ery seine Kräfte gesammelt,' und nunmehr ist wiederum die Offensive an der ganzen Invasionsfront, von der Westküste der Halbinsel Cotentin bis südwestlich von Caen, im Gange. Wenn im Wehrmachtbericht von tieferen Einbrüchen ■ in unsere Front die Rede ist, gegen, die bereits Pan- zerkväfte zum' Gegenangriff eingesetzt sind, kommt dieser Formulierung für diesen Bereich nicht annähernd die Bedeutung wie für die Räume und Kämpfe des Ostens zu.
Uie Ortsangaben über die Kämpfe an der Invasiorisfront lassen erkennen, 'daß die Kampffront' heute etwa von Brehal über f o r i g n y an ^ er yj re gner den Räum siid- ’ch von Caen bis zur Seiriebucht verläuft. Am weitesten von der .Viremühdung ent- nmt, knapp 50 km von Isigny, stehen V w '^' mt!r *kaner südlich vöd Torigny. Nörd- davon, verfügen sie'noch einmal über le schmalen Raum von 50 km bis Cher- •n < “ U , 4 r 9 Rn5,p Frontausdehnung von
nördlich G r a n v i 11 e his zur Seine- u c n t. ist kaum länger als 100 km. Eine so
kurze Front und ein dahinter befindlicher enger Landraum setzen der Anhäufung einer material- und mengenmäßigen Uebermacht ganz bestimmte Grenzen. Selbst wenn der Gegner inzwischen so große Teile der südwestlichen Invasionsarmee Patton in die Normandie gepreßt hat, darf zunächst kaum noch mit weiteren Landungsunternehmen zu rechnen sein. Alle diese Umstände kommen der Verteidigung zugute, und darum kämpfen Engländer und Amerikaner mit einer so verbissenen Wut um den Ausbruch ins freie Gelände und um die operative Entfaltungsmöglichkeit, die ihnen nach wie vor durch den unvergleichlich tapfern Widerstand unserer Truppen verwehrt bleibt.
Das Bewußtsein der britischen Bedrängnis in Zeitnot und der Abhängigkeit vom Bol
schewismus wirkt sich deutlich so aus, daß man im westlichen Feindlager immer stärker die Hoffnungen auf die Erfolge der sowjetischen Offensive knüpft. Aber auch hier wird der Tag kommen, wo der Krieg ein neues Gesicht erhält. Aus englischen Meldungen aus Moskau wird ersichtlich, daß man auch dort einen baldigen Umschwung auf Grund der deutschen Gegenmaßnahmen befürchtet und mit allen Mitteln, trotz offenkundiger strategischer Gefahrenmomente, die Zeit des noch ungleichen Kräfteverhältnisses nutzen will.
Ddrum die Verstärkung der vier Offensiven, die Stöße, die im Süden auf die Karpatenpässe — dem Eintritt in die ungarische Tiefebene —, anschließend auf das Innere des Weichselbogens und das
südliche Generalgouvernement, weiter gegen Warschau und schließlich übar Kowno und Schaulen hinaus nach Ostpreußen und Riga zielen. Noch ist der Zeitpunkt nicht gekommen, an dem die deutschen Gegenmaßnahmen zur Entfaltung gebracht werden können. Aber er wird mit Bestimmtheit kommen, wenn wir auch in der Zwischenzeit mit weiteren Opfern unter der Preisgabe von Räumen und Städten rechnen müssen, von denen wir nach den ersten Kriegsjahren im Osten nicht mehr angenommen hätten, daß sie nochmals im Zusammenhang mit dem Kampfgeschehen genannt werden müssen. Aber vom lebenswichtigen Raum ist der Gegner auch hier noch entscheidend getrennt, und der Raum für den neuen Aufmarsch zeichnet sich schon jetzt ab.
Unbeugsame Entschlossenheit des „Volkes im Kriege
Tiefgreifende Maßnahmen im Staatsapparat — Besprechung im Reichskabinett - Dr. Goebbels Aufgabe
dub. Berlin, 31. Juli. Unter dem Vorsitz des Cheff der Reichskanzlei, Reichsminisler Dr. Lammers, fand in Berlin eine Besprechung der Reichsbehörden, der Chefs der Zollverwaltung in den besetzten Gebieten und der Staatssekretäre der Reichsministerien statt, in deren Mittelpunkt Ausführungen des Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz, Reichsminister Dr. Goebbels, standen.
Reichsminister Dr. Lammers verwies auf den Zusammenhang zwischen den ersteh Maßnahmen, die im Frühjahr 1943 zum Ziele der Tokalisierung des nationalen Kriegseinsatzes dhrchgeführt wurden und der grundlegenden'Erweiterung, die der damalige an einen Dreierausschuß dps Rerchskabinetts gerichtete Führerauftraq durch die jetzige Bestellung eines Reichsbevollmächtigten erfahren hat. Schon durch die seinerzeitigen den damals bestehenden Verhältnissen angepaßten Maßnattmen seien Millionen Deutsche zusätzlich für Wehimacht und Rüstung mobilisiert worden. Mit den der jetzigen Gesamtlage des Krieges entsprechenden neuen und umfassenden Vollmachten, die der Führer mit seinem Erlaß vom 25. Juli 1944 dem Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz übertragen habe, sei nun ein Instrument geschaffen, das die restlose Konzentration der Kräfte und eine totale Ausschöpfung der Reserven unseres Kriegspotentials ge
währleiste, und dabei die Dynamik einer kraftvollen, mit der Volksführung und Menschenführung vertrauten Persönlichkeit zur Wirkung bringe.
In mehr als einstündigen, sehr eindringlichen Ausführungen, die auch zahlreiche wichtige Einzelfragen beleuchteten, gab Reichsminister Dr. G o e b b e 1 s einen Ueber- blick über die Grundsätze und Methoden, mit denen er seinen Auftrag als Reichsbevollmächtigter für den totalen Kfiegsein- satz wahrzunehmen beabsichtige.
Unser fester Wille, die heutige Kriegslage zu meistern, zwingt uns dazu, einschneidende Maßnahmen zu ergreifen. Mutig und vorbehaltlos muß davan- geghngen werden, den ganzen Staatsapparat ausschließlich für den eigentlichen Kriegszweck cin- zu.setzen und alle Arbeiten, die nicht unmittelbar mit den Kriegsbedürfnissen Zusammenhängen, einzustellen. Auch mit der Stillegung ganzer Arbeitsgebiete des öffentlichen Dienstes müsse gerechnet werden, da vor allem durch solche tiefgreifenden Maßnahmen große Kraftreserven für den unmittelbaren Kriegseinsatz an der Front und In der Rüstung Irei gemacht werden.
Reichsminister Dr. Goebbels unterstrich in diesem Zusammenhang erneut den Grundsatz, daß alle Opfer und Lasten, die dabei das deutsche Volk treffen werden,
gleichmäßig und ohne Unterschied aui alle Schichten der Nation verteilt und von ihnen gemeinsam getragen werden müßten. Zum Schluß seiner eindrucksvollen Ausführungen richtete er einen besonderen Appell an alle Chefs der obersten Reichsbeliörden, in eigener Initiative die Entwicklung Deutschlands zu einem wahren „Volk im Kriege" voranzu! reiben.
„Wir haben" — so betonte Reichsministei Dr. Goebbels mit Nachdruck — „die wirkungsvollstem Pfänder des Sieges in der Hand, wenn wir sie nur restlos mobilisieren. Ich hin überzeugt, daß wir auch das neue, vom Führer bezeichnete Ziel erreichen und daß dies im wahren Sinne des Wortes kriegsentscheidend sein wird."
Reichsrninister Dr. Lammers gab im Anschluß an die Ausführungen des Reichsbevollmächtigten für den totalen Krieqs- einsatv. dem Willen der Mitglieder des Reiehskabinetts und aller Anwesenden Ausdruck, Reichsminister Dr. Goebbels in geschlossener Einmütigkeit zu unterstützen und seine Forderungen mit aller Energie in die Tat umzusetzen. Er gedachte des Beispiels, das der Führer in seiner Willenskraft allen Deutschen bietet und schloß , die Zusammenkunft mit einem Gelöbnis der Tr e u e zu Adolf Hitler und der unbeugsamen Entschlossenheit zum Kampf bis zum Sieg unserer gerechten Sache.
Vorbild unwandelbarer Treue und Pflichterfüllung
Staatsakt für Generaloberst Korten im Tannenberg-Ehrenmal — Der Reichsmatschall hielt die Gedenkrede
dnb. Berlin, 31. Juli. Mit führenden Männern au» Partei. Staat und Wehrmacht nahm der Reichsmarschall und Oberbefehls-' haber der Lullwaffe in einem Staatsakt am Fuße des Tannenberg-Eliren- mals Abschied von seinem Generalstabschef, Generaloberst Günther Korten, der als ein Vorbild unwandelbarer Treue und höchster Pllfcliteriüllung im Gedächtnis seines Volkes weiterleben wird.
Im Innenhof des Tannenberg-Denkmals stand der Sarg mit den sterblichen Ueber- resten von Generaloberst Korten aufgebahrt. Vier Generäle der Luftwaffe, Ritterkreuzträger und Kameraden des toten Generalobersten hielten die Totenwache. Zu beiden Seiten .des Sarges hatten die Angehörigen und die Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht sowie, die Waffen-Attaches der verbündeten und neutralen Staateh Aufstellung genommen. Die Abordnung aus dem Führerhauptquartier, mit Generalfeldmar- schall Keitel und dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, an der Spitze, trat zu ihnen. Dann traf der Reicbs- marschall und Oberbefehlshaber der Luftwaffe ein.
Nach den Klängen des Trauermarscbes aus der Eroica von Beethoven würdigte Generaloberst Stumpf, Oberbefehlshaber der Luftflotte „Reich”, das Lebenswerk des Soldaten und Fliegers Korten und hob seine holien Verdie.nste an zahlreichen Kampferfolgen der deutschen'Luftwaffe hervor.
„Ich weiß es aus seinem eigenen Munde", so sagte Generaloberst Stumpf, „daß er es als eine besondere Gnade des Schicksals empfand, daß er auch in schweren Stunden seinem Reichsmarschall Berater und Gehilfe sein konnte, daß er Freud und Sorgen mit ihm tfeilen konnte und daß er. auch unserem Führer und seinen Gedanken und Plänen nahe sein durfte. Generaloberst Korten hat im wahrsten und unmittelbarsten Sinne des' Wortes sein Leben f.iir den Führer hingege-. bfen, und wenn es ihm zum Bewußtsein gekommen ist, so dürfen wir davon überzeugt sein, daß er dies schwerste Opfer mit Freudigkeit und Entschlossenheit gebracht hat. Wir handeln in seinem Sinne, wenn wir uns an seiner Bahre in dem unverbrüchlichen Gelöbnis vereinigen, daß wir alle es ihm gleich tun wollen: • für unseren Führer zu leben und, wenn es die Stunde .fordert, auch'- zu sterben. Generaloberst Korten, du bist uns darin Vorbild."
Dann nahm der Reichsmarschall Abschied von seinem Freund und Kameraden. In einer ergreifenden Ansprache schil
derte er den lauteren Charakter und den unendlichen Arbeitseifer seines loten Generalstabschefs, dessen ganzes Leben nur ein Ziel kannte: den Dienst an Führer und Volk
Ein' knappes Jahr nur, sagte der Reichsmarschall Hermann Göring, sei Generaloberst Korten Generalstabschef der Luftwaffe gewesen und habe die schwere Bürde dieses Amtes getragen. Aber in diesem kurzen Jahr habe er Bedeutendes geleistet. „Meinen anderen Mitarbeitern und auch dem Führer gegenübei“, so fuhr der Reichsmarschall wörtlich fort, „habe ich es oft ausgesprochen, welch ein unsagbares Glück es fiir mich war, Dich,' mein lieber Korten, in diesen doch so schweren Zeiten neben mir zu haben. Deine durch nichts zu brechende Siegeszuversicht, Dein klarer Blick, Dein unbedingter Glaube an die Zukunft unseres Reiches waren es, die seihst in schwersten Stunden immer wieder Strahlen einer Sonne fallen ließen. Ich bin unserem Führer
so dankbar für seine Weisung, daß der letzte Abschied, den wir von Dir nehmen, in diesem Ehrenmal slattfinden darf. Tannenberg, ein leuchtender Name in der deutscheg' Geschichte, ein Symbol, dem Du, mein lieber Freund, selbst so oft gehuldigt hast, ein Symbol, wie man mit nur wenigen Truppen auch eine Uebermacht brechen kann, wenn der Wille und der Glaube stark sind. Wenn wir den Glauben so in unserem Herzen tragen wie Du, dann kann und muß uns der Endsieg werden.“
„Eifert ihm nach!" so rief der Reichsmar- srhall ausr „nicht nur in seinem Können, sondern vor allem in seinem Charakter! Eifert ihm nach in seiner strahlenden Haltung, eifert ihm nach als Kamerad und eifert ihm nach in seiner vorbildlichen Treue!"
„Sein Vermächtnis", so schloß der Reichsmarschall seine Gedenkrede, „ist so stark, daß es weiterwirken wird. Es wird uns stets Kraft geben.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Gespannte Erwartung in Ankara
Die Risiken der neuen Politik — Vor der Sitzung der Nationale/Sammlung
Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung b. B e r 1 i n , 31. Juli. Das türkische Volk belindet sich in einer gespannten Erwartung angesichts der am 2. August durch die Nationalversammlung zu lallenden Entscheidung über den Abbruch der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland. Die besondere Bedeutung dieses Schrittes hat bereits jetzt einen großen Zustrom der Deputierten, der Diplomaten und der Presse zur Hauptstadt veranlaßt, wobei natürlich nicht die Risiken des in Aussicht stehenden Schrittes übersehen werden können.
>. Die „New York Times“ schreibt heute sehr offen, daß die Türkei im Falle einer Kriegs- beteiligung sich einer sehr ernsten Gefahr aussetze, da das Land gegen Luftangriffe ungeschützt sei. Die Möglichkeiten der Entwicklungen werden auch von der Londoner „Times" angedeutet, die britische Hilfsmaßnahmen in Aussicht stellt. In türkischen Kreisen erwartet man, daß in dem Augenblick, in dem die Türkei die Beziehungen zu Deutschland abbricht, die Alliierten ihr unverzüglich das notwendige Kriegs- m a t e<r i a 1 zur Verfügung stellen werden, soweit es ihnen möglich ist. Diese Erwartung hat natürlich etwas' Problemati
sches an sieb, da in der jüngsten Vergangenheit die linkischen Wünsche nach anglo- amerikanisebem Kriegsmaterial unerfüllt blieben. Man machte von der gegnerischen Seite geltend, das es im Augenblick der Großoifensive nicht möglich sei, englisches oder amerikanisches Kriegsmaterial zur Türkei äbzuzweigen.
Von gleicher Problematik sind die politisch e n, G a r a n t i e n , die man offenbar in der Türkei erhofft und die sicherlich auf dem Mißtrauen Ankaras gegen Moskau basieren. Das jüngste Schulbeispiel — Polen — hat- sehr deutlich den Unwert britischer Garantien unterstrichen lind dürfte in. der Türkei als nicht völlig uninteressantes Problem angesehen worden sein.
Wenn auch die Entscheidung der türkischen • Nationalversammlung heute noch nicht feststeht und in Ankara offenbar die Meinungen sich geggnüberstehen, die eine unveränderte Neutralitätspolitik auf der einen Seite und eine, strikte Festlegung zugunsten der alliierten auf der anderen Seite anstreben, so ist doch die Stärke des diplomatischen Druckes unverkennbar, der von London ausgeübt wird' um einen Abbruch der Beziehungen zu Deutschland zu erzwingen.
Doriot an der Invasionsfront
PK*Kriegsherichter Zimmermann (PBZ—-Sch) Der Führer der französischen VolLsf;c; tri 'F.!\F.) besuchte Einheiten unserer Fall* schirmjiifier in der vordersten Linie , ' faf/ttei Doriot prüft Iloosetelts Falschgeld , die ln • t asionsfrunken.
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Von ?
Fritz Zietlow
Die Kämpfe um die Südseeinsel Saipan sind der Auftakt für eine Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen, in denen Japan und die USA mit höchstem Einsatz darum ringen, künftig das entscheidende Wort im Pazifischen Ozean zu sprechen. In wenigen Monaten hatte das Reich des Teno' vom Dezember 1941 an die feindliche Umklammerung gebrochen und Bastionen vorgeschoben gehabt, die das japanische Mutterland praktisch unangreifbar machten. Im Hochsommer 1942 begann die feindliche Gegenoffensive zur Rückeroberung des Verlorenen. Die Hauptlast übernahmen die USA, auf ihr großes strategisches Dreieck Panama, Hawai und Dutch Harbour gestützt, und setzten den ersten Stoß gegen die Inselgruppe der Salomonen an.
Ein Blick auf die Karte erklärt, warum der abgelegenste Teil der pazifischen Inselwelt gewählt wurde. Auf der reichlich 1000 km langen Inselgruppe, von der durch den Heroismus unserer Verbündeten besonders Guadalcanar bekannt wurde, hatte Japan maritime und fliegerische Vorhuten postiert, die eine Gefahr für die Lebenslinie der USA im Pazifikkrieg bedeuteten. Sie führt von der nordamerikanischen Westküste über Hawai und die Samoa-Inseln nach Australien, zwischen Neuen Hebriden und Fidschi-Inseln hindurch.
Die zuerst gewählte Methode des „I n - s eihüpfen s" stellte sich bald als sehr, sehr kostspielig heraus. Es fehlte nicht an oftmals reichlich kühnen strategischen Plänen, von denen am meisten öffentlichen Beifall der fand, man möge die Japaner in einer großen Zangenbewegung ersticken —, wobei allerdings übersehen wurde, daß dazu Tschiangkaisehek die südostchinesische Kü- stenlinie fehlte: zu ihrer Wiedergewinnung wäre die erneute Oeffnung der Burmastraße nötig gewesen, hierzu wiederum die Rückeroberung Hongkongs und Singapurs. So ging es also nicht, und es dauerte fast bis zur Jahreswende 1943/44, ehe auf anglo- amerikanischer Seite eine neue strategische Konzeption erkennbar wurde. An die Stelle des Inselhüpfens trat die überholende Landungsoperation, von Luft-, See- und Landstreitkräften gemeinsam durchgeführt.
Im ersten Stadium ihrer Gegenoffensive hatten die USA mit sehr gewichtigen Ver-, lüsten eine Grundlehre moderner Kriegführung erkauft: Ohne Abschirmung in der Luft sind Flottenojjerationen nicht mehr denkbar, und auch eine Landarmee vermag ohne ausreichende Fliegerkräfte nicht auf die Dauer zu kämpfen. Ünd außerdem mußten die Nordamerikaner erfahren, daß die mühsam zurückgewonnenen Inseln und Atolle nur selten gute Flugplätze boten, während gerade ihr Bestand an Flugzeugträgern bedrohlich zusammengeschmolzen war. Erst mit der Kontrolle über die großen Salomoneninseln waren feste an Steile der schwimmenden Fliegerhorste gewonnen und erst damit die Voraussetzungen für den Ein- , satz der Schlachtflotte, die in Monaten pau-' senloser Schläge durch die japanische Luftwaffe sehr bedenklich gelitten hatte.
Immerhin konnte die gegnerische Agitation darauf verweisen, daß etwa anderthalb Jahre nach der Einleitung des'Gegenstoßes, also gegen das Ende des Jahres 1943 hin, mancher Stützpunkt zurückgewonnen war, wobei wie üblich die langen Listen der Verluste an Menschen, Schiffen und Flugzeugen sorgfältig geheimgehalten wurden. Zwar wurde noch um die Gilbert- und Marschall-Inseln sowie auf Neu-Pom- mern wild gekämpft: zwar hielten und halten bis heute wichtige Positionen der ' Japaner tief im Rücken der Nordamerikaneri aber es bedeutete doch etwas, wenn man