Ausgabe 
(1.8.1944) 210
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Parteiamtliche Tageszeitung

Pa* Amt»blalf des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsbiatt des Reichsstatthallers in Oldenburg und Eremen

Nr. 210 • 14. Jahrgang

Dienstag, 1. August 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

Feindlicher Generalangriff im Zeidien der Zeitnot

Churchiff er kennt: Die Zeit des Bluffens ist vorbei — Auch die Sowjets befürchten einen Umschwung

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' Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung dr. w. sch. Berlin, 31. Juli. Auf der letz­ten Sitzung des britisch en Kriegs­kabinetts hat es, wie aus Lissabon ein- trefienden Informationen bekannt geworden ist, erregte Debatten gegeben, als eine Anzahl von Kabinettsmitglieder die weitgehende Evakuierung Londons und die Verlegung der Regierung nach Schottland verlangte. Diese For­derung wurde damit begründet, daß die dauernde Beschießung mit V 1 das Leben in London allmählich unerträglich .mache, dafi die Zahl der Opfer dauernd steigt, daß die Produk­tion in den Rüstungsfabriken ständig sinke und daß sich die Moral allmählich auflöse, zumal es oifenbar an einer wirksamen Abwehrwaffe gegen V1 fehle.

Churchill hat sich diesem Verlangen aus den Reihen des Kriegskabinetts mit dem Hinweis widersetzt, daß die Erfüllung dieser Forderungen einer Kapitulation nahe- käme, daß aber bis zura Wirksamwerden der neuen deutschen Watten England noch eine gewisse Zeit zur Verfügung habe, um durch den Einsatz der vorhandenen zahlen- und materialmäiiigen Ueberlegenheit im Rah­men des bisherigen Rüstungsniveaus den Sieg schnell, wenigstens so rechtzeitig zu erzwingen, ehe Deutschland seinen neuen Vorsprung zur Geltung bringen könne.

„Die Zeit des Bluffens ist vorüber”, so er­klärte Churchill kürzlich und begrün­dete damit die. Tatsache, daß er die Rund­funkansprache von Dr. Goebbels in England ausführlich verbreiten ließ. Er war sich offenbar der Notwendigkeit bewußt, die britische Oeffentlichkeit darauf vorzubereiten, daß man noch schweren Zei­ten entgege'nsehen müsse, weil die Ankündi­gung von Dr. Goebbels ernst zu nehmen sei, daß über V 1 hinaus in Kürze noch viel wirksamere neue deutsche W af­fen den rüstungstechnischen Vorsprung auf unserer Seile entscheidend zu Geltung brin­gen werden.

Somit unterstrich Churchill unsere Argu­mentation, daß es an allen Fronten jetzt in eister Linie darauf ankommt, den An­sturm der Gegner vor den lebens­wichtigen Räumen solange abzubrem­sen, bis der revolutionäre Um­schwung auf dem Gebiet der Waf f e n t e c h n i k und damit unser ent­scheidender Vorsprung voll zur Gel­tung gebrach-t werden kann. Die Geg­ner setzen alles daran, um die ihnen verbleibende Zeit noch-zu nützen.

Churchill hatte dieser Tage eine fünf­stündige Unterredung mit Montgomery. Ihr Ergebnis war offenkundig der Plan, in neuenGewaltangriffen in den Räu­men von C a e n und S t. L o alles an Men­schen und Waffen in den Kampf zu werten, was sich an der schmalen Front und dem engen Landekopf zusammenpressen ließ. Man kann sich vorstellen, welche Enttäu­schungen es unter diesen Umständen gerade an den maßgeblichen Stellen in England hervorgerufen hat, daß die Oiiensive Mont- gomerys in winzigen Raumgewin­nen steckenblieb.

Man erfährt weiter, daß der amerikani­sche Kriegsminister St.imson und Gene­ral Eisenhower die Auffassung teilen, daß die in drei Jahren getroffenen Vorberei­tungen für einen Angriff auf die Festung Europa nutzlos gewesen sein könnte* 1 ' wenn der Eriolg nicht in den. nächsten Wochen 7 u erzielen sei. Auch, von Churchill "erden Aeußerungen in dem Sinne bekannt, daß die schwere Probe, der Deutschland heute unterworfen sei, in den nächsten Wochen zu Ende gehen und daß die Stunde für Deutschland schlagen könne.

Offenbar aus diesem Grunde hat man sich auch entschlossen, entgegen den Bedenken der feindlichen Militärs ' an der Invasions­front, die Terrorang r i ff e auf Deutsch­land zu verstärken und hoch einmal zu ver­suchen, die Heimatfront zu zerbrechen. Die Hoffnung wird so vergeblich sein, wie alle nach dieser Richtung zielenden Spekulatio­nen der zurückliegenden Zeit. „Die Zeit des Bluffens ist vpfbei!”

In Wirklichkeit ist es so, 'daß sowohl "die Sowjets wie unsere westlichen Feinde immer klarer erkennen, daß' sie im 7. e i - c üen einer zunehmenden Zeit­not kämpfen. Erneut? hat Möntgo- m ery seine Kräfte gesammelt,' und nun­mehr ist wiederum die Offensive an der ganzen Invasionsfront, von der West­küste der Halbinsel Cotentin bis südwestlich von Caen, im Gange. Wenn im Wehrmacht­bericht von tieferen Einbrüchen ■ in unsere Front die Rede ist, gegen, die bereits Pan- zerkväfte zum' Gegenangriff eingesetzt sind, kommt dieser Formulierung für diesen Bereich nicht annähernd die Bedeutung wie für die Räume und Kämpfe des Ostens zu.

Uie Ortsangaben über die Kämpfe an der Invasiorisfront lassen erkennen, 'daß die Kampffront' heute etwa von Brehal über f o r i g n y an ^ er yj re gner den Räum siid- ’ch von Caen bis zur Seiriebucht verläuft. Am weitesten von der .Viremühdung ent- nmt, knapp 50 km von Isigny, stehen V w '^' mt!r *kaner südlich vöd Torigny. Nörd- davon, verfügen sie'noch einmal über le schmalen Raum von 50 km bis Cher- •n < “ U , 4 r 9 Rn5,p Frontausdehnung von

nördlich G r a n v i 11 e his zur Seine- u c n t. ist kaum länger als 100 km. Eine so

kurze Front und ein dahinter befindlicher enger Landraum setzen der Anhäufung einer material- und mengenmäßigen Uebermacht ganz bestimmte Grenzen. Selbst wenn der Gegner inzwischen so große Teile der süd­westlichen Invasionsarmee Patton in die Normandie gepreßt hat, darf zunächst kaum noch mit weiteren Landungsunterneh­men zu rechnen sein. Alle diese Umstände kommen der Verteidigung zugute, und dar­um kämpfen Engländer und Amerikaner mit einer so verbissenen Wut um den Aus­bruch ins freie Gelände und um die operative Entfaltungsmöglichkeit, die ihnen nach wie vor durch den unvergleich­lich tapfern Widerstand unserer Truppen verwehrt bleibt.

Das Bewußtsein der britischen Bedrängnis in Zeitnot und der Abhängigkeit vom Bol­

schewismus wirkt sich deutlich so aus, daß man im westlichen Feindlager immer stärker die Hoffnungen auf die Erfolge der sowje­tischen Offensive knüpft. Aber auch hier wird der Tag kommen, wo der Krieg ein neues Gesicht erhält. Aus englischen Meldungen aus Moskau wird ersichtlich, daß man auch dort einen baldigen Um­schwung auf Grund der deutschen Ge­genmaßnahmen befürchtet und mit allen Mitteln, trotz offenkundiger strategischer Gefahrenmomente, die Zeit des noch unglei­chen Kräfteverhältnisses nutzen will.

Ddrum die Verstärkung der vier Offen­siven, die Stöße, die im Süden auf die Kar­patenpässe — dem Eintritt in die un­garische Tiefebene —, anschließend auf das Innere des Weichselbogens und das

südliche Generalgouvernement, weiter ge­gen Warschau und schließlich übar Kowno und Schaulen hinaus nach Ost­preußen und Riga zielen. Noch ist der Zeitpunkt nicht gekommen, an dem die deutschen Gegenmaßnahmen zur Entfaltung gebracht werden können. Aber er wird mit Bestimmtheit kommen, wenn wir auch in der Zwischenzeit mit weiteren Opfern unter der Preisgabe von Räumen und Städten rechnen müssen, von denen wir nach den ersten Kriegsjahren im Osten nicht mehr angenommen hätten, daß sie nochmals im Zusammenhang mit dem Kampfgeschehen genannt werden müssen. Aber vom lebens­wichtigen Raum ist der Gegner auch hier noch entscheidend getrennt, und der Raum für den neuen Aufmarsch zeichnet sich schon jetzt ab.

Unbeugsame Entschlossenheit des „Volkes im Kriege

Tiefgreifende Maßnahmen im Staatsapparat — Besprechung im Reichskabinett - Dr. Goebbels Aufgabe

dub. Berlin, 31. Juli. Unter dem Vorsitz des Cheff der Reichskanzlei, Reichsminisler Dr. Lammers, fand in Berlin eine Besprechung der Reichsbe­hörden, der Chefs der Zollverwaltung in den besetzten Gebieten und der Staatssekretäre der Reichsministerien statt, in deren Mittel­punkt Ausführungen des Reichsbevollmäch­tigten für den totalen Kriegseinsatz, Reichs­minister Dr. Goebbels, standen.

Reichsminister Dr. Lammers verwies auf den Zusammenhang zwischen den ersteh Maßnahmen, die im Frühjahr 1943 zum Ziele der Tokalisierung des nationalen Kriegseinsatzes dhrchgeführt wurden und der grundlegenden'Erweiterung, die der damalige an einen Dreierausschuß dps Rerchskabinetts gerichtete Führerauftraq durch die jetzige Bestellung eines Reichs­bevollmächtigten erfahren hat. Schon durch die seinerzeitigen den damals bestehenden Verhältnissen angepaßten Maßnattmen seien Millionen Deutsche zusätzlich für Wehimacht und Rüstung mobilisiert worden. Mit den der jetzigen Gesamtlage des Krieges entspre­chenden neuen und umfassenden Vollmach­ten, die der Führer mit seinem Erlaß vom 25. Juli 1944 dem Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz übertragen habe, sei nun ein Instrument geschaffen, das die restlose Konzentration der Kräfte und eine totale Ausschöpfung der Reserven unseres Kriegspotentials ge­

währleiste, und dabei die Dynamik einer kraftvollen, mit der Volksführung und Men­schenführung vertrauten Persönlichkeit zur Wirkung bringe.

In mehr als einstündigen, sehr eindring­lichen Ausführungen, die auch zahlreiche wichtige Einzelfragen beleuchteten, gab Reichsminister Dr. G o e b b e 1 s einen Ueber- blick über die Grundsätze und Methoden, mit denen er seinen Auftrag als Reichs­bevollmächtigter für den totalen Kfiegsein- satz wahrzunehmen beabsichtige.

Unser fester Wille, die heutige Kriegs­lage zu meistern, zwingt uns dazu, ein­schneidende Maßnahmen zu er­greifen. Mutig und vorbehaltlos muß davan- geghngen werden, den ganzen Staats­apparat ausschließlich für den eigentlichen Kriegszweck cin- zu.setzen und alle Arbeiten, die nicht unmittelbar mit den Kriegsbedürfnissen Zu­sammenhängen, einzustellen. Auch mit der Stillegung ganzer Arbeits­gebiete des öffentlichen Dien­stes müsse gerechnet werden, da vor allem durch solche tiefgreifenden Maßnah­men große Kraftreserven für den unmittel­baren Kriegseinsatz an der Front und In der Rüstung Irei gemacht werden.

Reichsminister Dr. Goebbels unterstrich in diesem Zusammenhang erneut den Grund­satz, daß alle Opfer und Lasten, die dabei das deutsche Volk treffen werden,

gleichmäßig und ohne Unterschied aui alle Schichten der Nation ver­teilt und von ihnen gemeinsam getragen werden müßten. Zum Schluß seiner ein­drucksvollen Ausführungen richtete er einen besonderen Appell an alle Chefs der ober­sten Reichsbeliörden, in eigener Initiative die Entwicklung Deutschlands zu einem wahren „Volk im Kriege" voranzu! reiben.

„Wir haben" — so betonte Reichsministei Dr. Goebbels mit Nachdruck — „die wir­kungsvollstem Pfänder des Sieges in der Hand, wenn wir sie nur restlos mobilisie­ren. Ich hin überzeugt, daß wir auch das neue, vom Führer bezeichnete Ziel erreichen und daß dies im wahren Sinne des Wortes kriegsentscheidend sein wird."

Reichsrninister Dr. Lammers gab im Anschluß an die Ausführungen des Reichs­bevollmächtigten für den totalen Krieqs- einsatv. dem Willen der Mitglieder des Reiehskabinetts und aller Anwesenden Aus­druck, Reichsminister Dr. Goebbels in ge­schlossener Einmütigkeit zu unterstützen und seine Forderungen mit aller Energie in die Tat umzusetzen. Er gedachte des Bei­spiels, das der Führer in seiner Willenskraft allen Deutschen bietet und schloß , die Zu­sammenkunft mit einem Gelöbnis der Tr e u e zu Adolf Hitler und der unbeug­samen Entschlossenheit zum Kampf bis zum Sieg unserer gerech­ten Sache.

Vorbild unwandelbarer Treue und Pflichterfüllung

Staatsakt für Generaloberst Korten im Tannenberg-Ehrenmal — Der Reichsmatschall hielt die Gedenkrede

dnb. Berlin, 31. Juli. Mit führenden Männern au» Partei. Staat und Wehrmacht nahm der Reichsmarschall und Oberbefehls-' haber der Lullwaffe in einem Staatsakt am Fuße des Tannenberg-Eliren- mals Abschied von seinem Generalstabs­chef, Generaloberst Günther Korten, der als ein Vorbild unwandelbarer Treue und höchster Pllfcliteriüllung im Gedächtnis seines Volkes weiterleben wird.

Im Innenhof des Tannenberg-Denkmals stand der Sarg mit den sterblichen Ueber- resten von Generaloberst Korten aufgebahrt. Vier Generäle der Luftwaffe, Ritterkreuz­träger und Kameraden des toten General­obersten hielten die Totenwache. Zu beiden Seiten .des Sarges hatten die Angehörigen und die Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht sowie, die Waffen-Attaches der verbündeten und neutralen Staateh Auf­stellung genommen. Die Abordnung aus dem Führerhauptquartier, mit Generalfeldmar- schall Keitel und dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, an der Spitze, trat zu ihnen. Dann traf der Reicbs- marschall und Oberbefehlshaber der Luft­waffe ein.

Nach den Klängen des Trauermarscbes aus der Eroica von Beethoven würdigte Ge­neraloberst Stumpf, Oberbefehlshaber der Luftflotte „Reich”, das Lebenswerk des Sol­daten und Fliegers Korten und hob seine holien Verdie.nste an zahlreichen Kampf­erfolgen der deutschen'Luftwaffe hervor.

„Ich weiß es aus seinem eigenen Munde", so sagte Generaloberst Stumpf, „daß er es als eine besondere Gnade des Schicksals empfand, daß er auch in schweren Stunden seinem Reichsmarschall Berater und Gehilfe sein konnte, daß er Freud und Sorgen mit ihm tfeilen konnte und daß er. auch unserem Führer und seinen Gedanken und Plänen nahe sein durfte. Generaloberst Korten hat im wahrsten und unmittelbarsten Sinne des' Wortes sein Leben f.iir den Führer hingege-. bfen, und wenn es ihm zum Bewußtsein ge­kommen ist, so dürfen wir davon überzeugt sein, daß er dies schwerste Opfer mit Freu­digkeit und Entschlossenheit gebracht hat. Wir handeln in seinem Sinne, wenn wir uns an seiner Bahre in dem unverbrüchlichen Gelöbnis vereinigen, daß wir alle es ihm gleich tun wollen: • für unseren Führer zu leben und, wenn es die Stunde .fordert, auch'- zu sterben. Generaloberst Korten, du bist uns darin Vorbild."

Dann nahm der Reichsmarschall Abschied von seinem Freund und Kamera­den. In einer ergreifenden Ansprache schil­

derte er den lauteren Charakter und den unendlichen Arbeitseifer seines loten Gene­ralstabschefs, dessen ganzes Leben nur ein Ziel kannte: den Dienst an Führer und Volk

Ein' knappes Jahr nur, sagte der Reichs­marschall Hermann Göring, sei General­oberst Korten Generalstabschef der Luft­waffe gewesen und habe die schwere Bürde dieses Amtes getragen. Aber in diesem kur­zen Jahr habe er Bedeutendes geleistet. „Meinen anderen Mitarbeitern und auch dem Führer gegenübei“, so fuhr der Reichs­marschall wörtlich fort, „habe ich es oft ausgesprochen, welch ein unsagbares Glück es fiir mich war, Dich,' mein lieber Korten, in diesen doch so schweren Zeiten neben mir zu haben. Deine durch nichts zu bre­chende Siegeszuversicht, Dein klarer Blick, Dein unbedingter Glaube an die Zukunft un­seres Reiches waren es, die seihst in schwer­sten Stunden immer wieder Strahlen einer Sonne fallen ließen. Ich bin unserem Führer

so dankbar für seine Weisung, daß der letzte Abschied, den wir von Dir nehmen, in diesem Ehrenmal slattfinden darf. Tan­nenberg, ein leuchtender Name in der deutscheg' Geschichte, ein Symbol, dem Du, mein lieber Freund, selbst so oft gehuldigt hast, ein Symbol, wie man mit nur wenigen Truppen auch eine Uebermacht brechen kann, wenn der Wille und der Glaube stark sind. Wenn wir den Glauben so in unserem Herzen tragen wie Du, dann kann und muß uns der Endsieg werden.“

„Eifert ihm nach!" so rief der Reichsmar- srhall ausr „nicht nur in seinem Können, sondern vor allem in seinem Charakter! Eifert ihm nach in seiner strahlenden Hal­tung, eifert ihm nach als Kamerad und eifert ihm nach in seiner vorbildlichen Treue!"

„Sein Vermächtnis", so schloß der Reichs­marschall seine Gedenkrede, „ist so stark, daß es weiterwirken wird. Es wird uns stets Kraft geben.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Gespannte Erwartung in Ankara

Die Risiken der neuen Politik — Vor der Sitzung der Nationale/Sammlung

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung b. B e r 1 i n , 31. Juli. Das türkische Volk belindet sich in einer gespannten Er­wartung angesichts der am 2. August durch die Nationalversammlung zu lallen­den Entscheidung über den Abbruch der politischen und wirtschaftlichen Beziehun­gen zu Deutschland. Die besondere Bedeu­tung dieses Schrittes hat bereits jetzt einen großen Zustrom der Deputierten, der Diplo­maten und der Presse zur Hauptstadt ver­anlaßt, wobei natürlich nicht die Risiken des in Aussicht stehenden Schrittes über­sehen werden können.

>. Die „New York Times“ schreibt heute sehr offen, daß die Türkei im Falle einer Kriegs- beteiligung sich einer sehr ernsten Ge­fahr aussetze, da das Land gegen Luft­angriffe ungeschützt sei. Die Möglichkeiten der Entwicklungen werden auch von der Londoner „Times" angedeutet, die britische Hilfsmaßnahmen in Aussicht stellt. In tür­kischen Kreisen erwartet man, daß in dem Augenblick, in dem die Türkei die Beziehun­gen zu Deutschland abbricht, die Alliierten ihr unverzüglich das notwendige Kriegs- m a t e<r i a 1 zur Verfügung stellen werden, soweit es ihnen möglich ist. Diese Erwartung hat natürlich etwas' Problemati­

sches an sieb, da in der jüngsten Vergangen­heit die linkischen Wünsche nach anglo- amerikanisebem Kriegsmaterial unerfüllt blieben. Man machte von der gegnerischen Seite geltend, das es im Augenblick der Großoifensive nicht möglich sei, englisches oder amerikanisches Kriegsmaterial zur Türkei äbzuzweigen.

Von gleicher Problematik sind die poli­tisch e n, G a r a n t i e n , die man offenbar in der Türkei erhofft und die sicherlich auf dem Mißtrauen Ankaras gegen Moskau basieren. Das jüngste Schul­beispiel — Polen — hat- sehr deutlich den Unwert britischer Garantien unterstrichen lind dürfte in. der Türkei als nicht völlig uninteressantes Problem angesehen worden sein.

Wenn auch die Entscheidung der türki­schen • Nationalversammlung heute noch nicht feststeht und in Ankara offenbar die Meinungen sich geggnüberstehen, die eine unveränderte Neutralitätspolitik auf der einen Seite und eine, strikte Festlegung zu­gunsten der alliierten auf der anderen Seite anstreben, so ist doch die Stärke des diplo­matischen Druckes unverkennbar, der von London ausgeübt wird' um einen Abbruch der Beziehungen zu Deutschland zu er­zwingen.

Doriot an der Invasionsfront

PK*Kriegsherichter Zimmermann (PBZ—-Sch) Der Führer der französischen VolLsf;c; tri 'F.!\F.) besuchte Einheiten unserer Fall* schirmjiifier in der vordersten Linie , ' faf/ttei Doriot prüft Iloosetelts Falschgeld , die ln • t asionsfrunken.

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Von ?

Fritz Zietlow

Die Kämpfe um die Südseeinsel Saipan sind der Auftakt für eine Reihe kriegeri­scher Auseinandersetzungen, in denen Ja­pan und die USA mit höchstem Einsatz dar­um ringen, künftig das entscheidende Wort im Pazifischen Ozean zu sprechen. In we­nigen Monaten hatte das Reich des Teno' vom Dezember 1941 an die feindliche Um­klammerung gebrochen und Bastionen vor­geschoben gehabt, die das japanische Mut­terland praktisch unangreifbar machten. Im Hochsommer 1942 begann die feindliche Gegenoffensive zur Rückeroberung des Ver­lorenen. Die Hauptlast übernahmen die USA, auf ihr großes strategisches Dreieck Pa­nama, Hawai und Dutch Harbour gestützt, und setzten den ersten Stoß gegen die Insel­gruppe der Salomonen an.

Ein Blick auf die Karte erklärt, warum der abgelegenste Teil der pazifischen Inselwelt gewählt wurde. Auf der reichlich 1000 km langen Inselgruppe, von der durch den Heroismus unserer Verbündeten besonders Guadalcanar bekannt wurde, hatte Japan maritime und fliegerische Vorhuten postiert, die eine Gefahr für die Lebenslinie der USA im Pazifikkrieg bedeuteten. Sie führt von der nordamerikanischen Westküste über Ha­wai und die Samoa-Inseln nach Australien, zwischen Neuen Hebriden und Fidschi-Inseln hindurch.

Die zuerst gewählte Methode des „I n - s eihüpfen s" stellte sich bald als sehr, sehr kostspielig heraus. Es fehlte nicht an oftmals reichlich kühnen strategischen Plä­nen, von denen am meisten öffentlichen Bei­fall der fand, man möge die Japaner in einer großen Zangenbewegung ersticken —, wobei allerdings übersehen wurde, daß dazu Tschiangkaisehek die südostchinesische Kü- stenlinie fehlte: zu ihrer Wiedergewinnung wäre die erneute Oeffnung der Burmastraße nötig gewesen, hierzu wiederum die Rück­eroberung Hongkongs und Singapurs. So ging es also nicht, und es dauerte fast bis zur Jahreswende 1943/44, ehe auf anglo- amerikanischer Seite eine neue strategische Konzeption erkennbar wurde. An die Stelle des Inselhüpfens trat die überholende Landungsoperation, von Luft-, See- und Landstreitkräften gemeinsam durch­geführt.

Im ersten Stadium ihrer Gegenoffensive hatten die USA mit sehr gewichtigen Ver-, lüsten eine Grundlehre moderner Kriegfüh­rung erkauft: Ohne Abschirmung in der Luft sind Flottenojjerationen nicht mehr denkbar, und auch eine Landarmee vermag ohne ausreichende Fliegerkräfte nicht auf die Dauer zu kämpfen. Ünd außerdem muß­ten die Nordamerikaner erfahren, daß die mühsam zurückgewonnenen Inseln und Atolle nur selten gute Flugplätze boten, während gerade ihr Bestand an Flugzeug­trägern bedrohlich zusammengeschmolzen war. Erst mit der Kontrolle über die großen Salomoneninseln waren feste an Steile der schwimmenden Fliegerhorste gewonnen und erst damit die Voraussetzungen für den Ein- , satz der Schlachtflotte, die in Monaten pau-' senloser Schläge durch die japanische Luft­waffe sehr bedenklich gelitten hatte.

Immerhin konnte die gegnerische Agi­tation darauf verweisen, daß etwa an­derthalb Jahre nach der Einleitung des'Ge­genstoßes, also gegen das Ende des Jahres 1943 hin, mancher Stützpunkt zurückgewon­nen war, wobei wie üblich die langen Li­sten der Verluste an Menschen, Schiffen und Flugzeugen sorgfältig geheimgehalten wurden. Zwar wurde noch um die Gilbert- und Marschall-Inseln sowie auf Neu-Pom- mern wild gekämpft: zwar hielten und hal­ten bis heute wichtige Positionen der ' Japaner tief im Rücken der Nordamerikaneri aber es bedeutete doch etwas, wenn man