Ausgabe 
(19.7.1944) 197
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Parteiamiliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des R«crl«r*nd»n Bftrasrmeisters der Freien Hansestadt Bremen

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der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündunasblatt des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen

Nr. 197 14. Jahrgang

Mittwoch, 19. Juli 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

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Heroischer Einsatz deutscher Torpedomänner

im manngesteuerten Doppeltorpedo gegen die Invasionsflotte Ein improvisiertes Kampfmittel

.' Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

b. Berlin, 18. Juli. Die Weltöffentlich­keit erfährt heute erstmals Einzelheiten über den Einsatz eines bisher unter dem Schiefer der Geheimhaltung wirkenden Kampfmittels der deutschen Kriegsmarine, das sich als ein von einem Schützen ge­steuerter Doppeltorpedo vorstelU. (Siehe auch den folgenden Bericht;Der Ein-Mann-Torpedo eine Ueberraschungs- waffel)

Die zweimalige Erwähnung im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht unter der nüchternen Bezeichnung:Kampfmittel der Kriegsmarine versenkten . . . ließ auf die Wirkung dieser Waffe aufmerksam werden. Zweifellos handelt es sich hierbei nicht bereits um die Verkörperung einer neuen Waffe, mit der sich die Vor­stellung einer revolutionierendenGe­heimwaffe verbindet, vielmehr ist hier aus der Improvisation ein Kampfmittel entstanden, das seine besondere Wirksam­keit gegenüber konzentrierten Schiffsan­sammlungen erwies, als sich die anglo- amerikanischen Flottenstreitkräfte vor dem Brückenkopf von Anzio massierten und in ihrer starken Sicherung wenig Angriffs­flächen boten. In dieser Situation wurde der Gedanke geboren, gewisseimaßen aus dem Handgelenk heraus ein Kampfmittel zu schaffen, das keinerlei besondere Betriebs­umstellung verlangte und bereits Vorhan­denes sinnvoll anzuwenden wußte. Neben der außerordentlichen kämpferischen Lei­stung, die von den Schützen dieser Ein- Mann-Torpedos verlangt wird, ist für die­ses Kampfmittel besonders die Tatsache, charakteristisch, daß es ohne besonderen Aufwand an Zeit und Material hergestellt werden kann.

Der erfolgreichste Torpedoschütze, der in­zwischen zum Schreibermaat beförderte und mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnete bisherige Schreiberoberge­freite Walter G e r h o I d , sprach am Diens- tagmitfag vor den Berliner Vertretern der deutschen Presse und gab durch seine Schilderung ein anschauliches Bild der be­sonderen Erfordernisse dieses Einsatzes. (Seine Ausführungen verzeichnen wir an anderer Stelle dieses Blattes.)

Seine Erscheinung ist typisch für Männer, die unter Einsatz ihres Lebens dieses Kampf­mittel dem Feind entgegenführen. Die Mög­lichkeit des Sichselbstopfems, das nicht auf jeden Fall Bedingung des Erfolges zu sein braucht, gibt ihrem Kampf das Hero­ische. Sie schließen in dem Augenblick

mit dem Leben ab, ln den) sich die Glaskup­pel des Trägertorpedos i^ber ihnen schließt und ein Kampf gegen eiiie Uebermacht be­ginnt, dessen Erfolg vor allem im Ueber- raschungsmoment begründet liegt. Die Män-

dnb. Berlin, 18. Juli. Der Führer hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, dem Führer der in der Seine-Bucht eingesetzten Ein-Mann-Torpedos, Oberleutnant zur See Johann Krieg, und dem Schreiberoberge­freiten Wal-ther Gerhuld für die mit einem Ein-Mann-Torpedo erzielte Versen­kung eines feindlichen Kreuzers das Rit­terkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Kriegs hervorragende Persönlichkeit verstand es, seine eigene Entschlossenheit und Energie, verbunden mit einem unbändi­gen Angriffswillen, auf die Männer seiner Kampfgruppe zu übertragen. Er ist dalnit maßgeblich an ihren Erfolgen beteiligt. Krieg, der am 14. 3. 1919 geboren wurde, ist in der ersten Einsatznacht schwer verun- unglückt.

Der 23 Jahre alte Schreiberobergefreite G e r h o 1 d ist der erste Einzelkämpfer der Kriegsmarine, der für die unter schwie­rigsten Bedingungen erzielte Versenkung eines britischen Kreuzers derAurora"- Klasse das Ritterkreuz erhielt. Gerhold passierte mit seinem Torpedo sechs Zer­störer in unmittelbarer Nähe, durchbrach diesen Sicherungsgürtel und griff kalt be­rechnend unter geschickter Umgehung al­ler Schwierigkeiten den dahinter liegenden Kreuzer an. Das Schiff ging nach einer schweren Kesselexplosion unter. Gerhold wurde wegen Tapferkeit vor dem Feind zum Schreibermaat befördert.

Bei der Bekämpfung fei ldlküci Krieg*- und Transportschiffe im Seegebiet der in­vasionsfront zeichneten sich neben einer Reite anderer junger Soldaten der Kriegs- mamie sechs Männer besonders aus, von denen der jüngste 17 und der älteste 28 Jahre alt sind. Auch sie wurden wegen Tapferkeit vor dem Feind befördert und er­hielten als äußeres Zeichen des rücksichts­losen Einsatzes ihrer Person das Deutsche Kreuz in Gold verliehen.

Im einzelnen haben sich hierbei mit Ihrem Ein-Mann-Torpedo Bootsmann S c h u I d t,

ne^ des Oberleutnants zur See Johann 'Krieg meldeten sich durchweg freiwillig zu dem Einsatz in dem neuen Kampfmittel. Sie ver­körpern den Geist von Einzelkämpfern, die den Preis ihres Lebens nicht zg hoch achten,

28 Jahre alt, Bootsmann Zimmermann, 22 Jahre alt, Matrosenhauptgefreiter Breuer, 24 Jahre alt, Matrosengefreiter Berger, 17 Jahre alt,.Matrose F e d cfe r - s e n , 22 Jahre alt, und Matrose S c ha­ch i n g e r, 21 Jahre alt, hervorragend be­währt.

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Der Ein-Mann-Torpedo wurde bereits in Italien vor Anzio und Nettuno erfolgreich eingesetzt und hat sich nun in der 'Seine- Bucht, wo ähnliche Verhältnisse Vorlagen wie in Italien, als ausgesprochene U e b e r - raschungswaffe erneut bewährt. Seine Entstehung ist jtngsten Datums und auf die Forderung zurückzuführen, mit vorhandenen Mitteln ohne zeitraubende Erprobung und kostspielige Herstellung eine Waffe zu schaf­fen, die mit Aussicht auf Erfolg gegen Schiffs­ansammlungen eingesetzt werden kann, wie sie der Gegner vor L'andeköpfen anzuhäufen gezwungen ist. Dabei stand von Anfang an fest, daß dieser Ein-Mann-Torpedo nur von Männern erfolgreich zum Einsatz gebracht werden konnte, die auch angesichts der starken feindlichen Ueberlegenheit mit todes­mutiger Kampfentschlossenheit in unmittel­bare Nähe ihres Zieles fuhren, um es,zu vernichten. Mit dieser Waffe ' wurde den Männern der Kriegsmarine erstmalig ein Kampfmittel in die Hand gegeben, das sie ebenso wie ihre Kameraden bei Heer und Luftwaffe in die Lage versetzt, den Feind als Einzelkämpfer anzugreifen.

Der Ein-Mann-Torpedo Ist eine einfache, aber rinnt eit he Verbindung von zwei Torpedos, wie sie von U-Booten, Zer­störern oder Torpedobooten verschossen werden. Der eine der beiden Torpedos ist der Träger, der andere der Gefechtstor­pedo. Dieser Ist an zwei Stellen unter dem Trägertorpedo aufgehängt und läuft nach Abfeuerung, durch elektrische Energie betrieben, mit hoher Geschwindigkeit auf sein Ziel zu.

Die Zieleinrichtung, die dem Schützen zur Verfügung "steht, besteht aus

um dem Gegner schwere Schläge zu ver­setzen. Als Anerkennung ihrer rücksichts­losen Einsatzbereitschaft wurden sie mit dem Ritterkreuz bzw. mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet

einem stauförmig ausgearbeiteten Kora und einer Markierung in der halbkugelförmigen Glaskuppel, die während der Fahrt über Wasser ragt. Die Glaskuppel und das Korn sind auf dem etwa 1,50 m langen und 0,75 m breiten Kopf des Trägertorpedos angebracht.

In diesem außerordentlich beschränkten Raum befindet sich der Schütze wäh­rend seines langen Einsatzes. Er kann nur die allemotwendigsten Bewegungen machen und hat zwischen seinen Beinen die Steue­rung und den Auslösehebel für den Gefechtstorpedo. Die Plexiglaskuppel schließt ihn von der Außenwelt luftdicht ab. Die Ausrüstung des Schützen während seines Einsatzes besteht aus einem Atmungs­gerät, der Jägermaske und zwei Kali-Patro­nen, die für die unbedingt notwendige Er­neuerung der Luft sorgen. Ferner erhält er Konzentratverpflegung, wie Koka-Kola, See­notproviant, wie ihn die U-Boote mit sich führen, Dextroenergen und anderes mehr.

Während des Einsatzes wird der Tauch­retter getragen. Die Atmung erfolgt durch die Jägermaske,, die an die beiden Kali-Patronen angeschlossen ist. Mit Hilfe des Tauchretters ist der Schütze jederzeit in der Lage, den Trägertorpedo nach Ab­werfen der Glaskuppel zu verlassen. Da außer der niedrigen Glashaube, die häufig vom Wasser überspült wird, von dem in Fahrt befindlichen Torpedo sonst nichts zu sehen ist, können die Männer ihre tödliche Ladung unter Umgehung weniger wertvoller Schiffszlele oder starker Sicherungen bis in die unmittelbare Nähe des ausgewählten Objektes heranführen und, wie die Versen­kungen beweisen, zum Erfolg bringen.

Es steht dabei völlig außer Zweifel, daß in jedem einzelnen Fall von diesen kühnen Männern das Höchste an Mut und Todesbe­reitschaft gegeben wird. Ihr bedingungsloser freiwilliger Einsatz und Ihr unerschütter­licher Glaube an den Erfolg auch einem zur Zelt materiell überlegenen Feind gegen­über sind beispielhaft.

Der Ein-Mann-Torpedo - eine Ueberraschungswaffe

Die ersten Ritterkreuze lür Einzelkämpfer der Kriegsmarine Weitere kühne Männer ausgezeichnet

Idi Iah 2 Schornlteine, vorn und achtern Zwillingstürme..

Erlebnisbericht des Obergeireiten Walther Gerhold von seinem kühnen Torpedoritt durch die Seine-Bucht

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

BZ. Berlin, 18. Juli. Braungebrannt, mit blitzenden Augen steht er vor uns, der- 23- jährige Walther G e r h o 1 d. Seine Stimme klingt sachlich, und zwischen seinen Wor­ten schwingt die stumme Frage; Weshalb dieses besondere Augenmerk auf mich, da meine Kameraden ein Gleiches vollbrachten?

Dieselbe Zurückhaltung zeigen die Einzel- käjnpfer.der Infanterie, wenn sie über ihre Erlebnisse 'berichten sollen, "über Taten, die sie als Selbstverständlichkeiten ansehen und die doch weit über den Rahmen des All­täglichen hinausgehen. Wie sich der Soldat im Osten und . an der Invasionsfront mit seiner geballten Ladung au den Feindpanzer heranschleicht, um ihm im günstigen Augen­blick den Todesstoß zu versetzen, so pirscht sich der Einzelkämpfer der Kriegsmarine an das feindliche Kriegsschiff heran, um den vernichtenden Torpedotreffer anzubringen.

In der Nacht des 6. Juli besteigt er seinen Ein-Mann-Torpedo, um allein auf sich ge­stellt, nur Gott und seinem Glück, vertrau­end, zu einem Unternehmen anzusetzen, das den ersten starken, sichtbaren Erfolg brin­gen sollte. Eingeengt in. der engen Glas­kuppel seines Träger-Torpedos sieht er nur das Wasser der Orne-Mündung, den Him­mel, den Nordstern und den Mond. Die Ge­stirne dienen ihm zur Orientierung und sine kleine Mondtabelle in seiner Hand ist einziges Hilfsmittel. der Orientierung ln dieser Wasserweite, die er aus der Frosch­perspektive, kaum 25 Zentimeter über dem Wasserspiegel, nur in ganz kleinem Umkreis übersehen kann, off auch hierin durch Ueberspülen der Wellen gestört.

Zerstörer tauchen auf, drei, vier, sechs. Sie liegen gestoppt. Lohnen sie einen An­griff, oder sind sie der Schutz wertvollerer größerer Einheiten? Sekundeftschnelle Ueber- legung. In 400 Meter Entfernung lenkt er seinen Torpedo an dem Sicherungsverband vorbei. Die Atemluft läßt die Scheiben der Glaskuppel beschlagen. Bei' dem eifrigen Wischen der Sichtflächen des engen Ge­häuses entdeckt er ejnen siebenten Zerstö­rer, der zur Sicherung auf Seeseite auf und ab patroulliert. Bildet er ein lolniendes Ziel- objekt?

Auch dieser Zerstörer war mir als Ziel zu klein. Gerhold durchbricht die Sperr­kette. Unbemerkt lenkt er' seinen Torpedo durch die Lücken zwischen den Zerstörern und findet «ein Ziel: Ein Kreuzer der

fl Anrora"-Klasse.

Ich sah zwei Schornsteine, vorn und «Wen. Zwillingstürme. In. diesem Augen­blick war ich noch ruhiger als vorher,

schoß meinen Gefechtstorpedo ab und war­tete auf den Erfolg!"

Der Torpedo war unter Berücksichtigung der Strömung mit Vorhaltewinkel abge­schossen worden. Er traf! ,

Die Explosion schleuderte mich wild hin und her. Ein riesiger Feuerschein blen­dete mich, Rauchwolken hüllten den Kreu-

dnb. Aus dem Führerhaupt- quariier, 18. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

In der Normandie hat im Raum süd­westlich C a e n und nordöstlich St. Lo durch den Einsatz neuer Kräfte auf beiden Selten die Abwehrschlacht größtes Ausmaß ange­nommen. Südwestlich Caen wurden alle feindlichen Großangriffe zum Stehen ge­bracht, Wo der Feind vorübergehend in un­sere Stellungen eindrin'gen konnte, wurde er in sofortigen Gegenstößen geworfen.

Besonders heftig waren die vom stärksten ArUUeriefeuer unterstützten feindlichen Durchbruchsangriffe im Raum nordöstlich St. L o. Es gelang dem Feind dort erst nach schwersten Verlusten, unsere Linien auf den Nordrand der Stadt zurückzudrücken.

Schlachtflieger unterstützten die Abwehr­kämpfe des Heeres im Landekppf.

In der Nacht wurden feindliche Truppen­ansammlungen und Artilleriestellungen mit guter Wirkung angegriffen.

Im französischen Raum wurden wiederum 167 Terroristen und Banditen Im Kampf niedergemacht.

Die im Wehrmachtbericht verschiedentlich gemeldete Versenkung feindlicher Schiffe durch neuartige Kampfmittel der Kriegs­marine ist auf den Einsatz von Torpedos zurückzuführen, die durch einen Mann an den Feind gebracht werden. Bei diesem Ein­satz hat sich der Matrosen-Obergefreite Walter Gerhold besonders ausgezeichnet.

Das Vergeltungsfeuer auf London dau ert an.

Auch in Italien nahmen die Abwehr kämpfe an den bisherigen Brennpunkten immer mehr an Heftigkeit zu. Besonders süd­östlich Livorno, nördlich und nordwest­lich Volterra, im Raum beiderseits A r e z z o und südlich Ancona führte der Feind zahlreiche Angriffe, in denen er

zer ein. Als ihm eine heftige Kesselexplo­sion den Rest gegeben hatte, glitt er vor mir über das Heck lautlos in die Tiefe."

Die Abwehr war erwacht. Scheinwerfer tauchen die Wasseroberfläche in blendende Helligkeit. Öie Zerstörer werfen Wasser­bomben. 2-cra-Geschosse surren ohne Ziel. Ohne getroffen zu werden, zieht sich Ger-

jedoch nur geringen Geländegewinn erzielen konnte.

Im Süden der Ostfront griffen die Sowjets östlich des oberen Bug weiter mit starken Kräften an. In Gegenstößen zer­schlugen unsere Divisionen alle feindlichen Durchbruchsversuche.

Im Mlttelabschn'itt warfen unsere Truppen an mehreren Stellen die auf das Westufer des Njemen vorgedrungenen Bol­schewisten über den Fluß zurück. Westlich W i.l n a , im Seengebiet südlich Düna­burg, nördlich der Düna, am Einbruchs­raum von Opotschka sowie südlich Ostrow versuchten die Sowjets auch gestern unsere Front zu durchbrechen. Alle Ihre Angriffe brachen jedoch blutig zusam­men. Hierbei wurden allein im Abschnitt nördlich der Düna 62 feindliche Panzer ab­geschlossen.

hold mit seinem Träger-Torpedo aus dem Be­reich der Sicherungsfahrzeuge zurück. Die Kameraden überreichen ihm einen Blumen­strauß, als er die Küste wieder erreicht.

Gerhold stammt aus dem Sauerland. Er wurde am 8. Juni 1921 geboren. Bevor er Soldat der Kriegsmarine wurde, war er begeisterter Hitler-Jugend-Fül)rer.,

Schlachtflieger vernichteten 37 feindliche Panzer und über 300 Fahrzeuge.

Marineartillerie-Leichter beschädigten auf dem Pelpussee drei sowjetische Kanonen­boote.

Bei den Kämpfen an der Ostfront haben sich im Süden die fränkisch- sudetendeut- sche 88. Infanterie-Division unter Führung von Generalmajor Graf von Rittberg und im Norden die rheinisch-westfälische 329. In­fanteriedivision unter Führung von General­leutnant Mayer durch besondere Härte und Zähigkeit wiederholt ausgezeichnet.

In der Nacht wurden bei einem feindlichen Luftangriff auf Kirkenes 37 sowjetische Flugzeuge in Luftkämpfen abgeschossen und damit über ein Dritlel der Angreifer ver­nichtet.

In der vergangenen Nacht warfen britische Flugzeuge Bomben auf B e r 1 i n.

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Karte zu dem neuen Großungriff der Invasoren in der Normandie

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Großangriffe südwestlich Caen zum Stehen gebracht

Schwerste Feindverluste nordöstlich St Lo Alle Durchbruchsversuche im Süden der Ostfront zerschlagen

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Von

f Promode Sengupta

Promode Sengupta, Mitarbeiter de* Aus­schusses Freies Indien und hervorragender Kenner der politischen Verhältnisse in sei­ner Heimat, behandelt die Hintergründe für die Freilassung Gandhis.

Die Schriftleitung derBremer Zeitung*

Die am 5. Mai 1944 erfolgte Freilassung Gandhis nach fast zweijähriger Gefangen­schaft ist ein Ereignis von nicht zu unter­schätzender Bedeutung. Ehe die Briten den Mahatma fretgaben, waren schon einige in­dische Führer, u. a. Frau Gandhi und ihr Privatsekretär, Mahadö Desai, im Gefängnis gestorben. Gandhi selbst und viele andere gefangene Kongreßführer, so auch Abdul Gaffer Khan (der.Gandhi der Grenze), Maulana Abul Kalam Azad (der jetzige Kon­greßpräsident) und Pandit Jawaharlal Nehru waren befeits damals erkrankt. Eine Frei­lassung erfolgte jedoch nicht. Nach dem Tode von Frau Gandhi verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Mahatma zu­sehends, so daß befürchtet werden mußte, auch er werde im Gefängnis sterben. Dieser kritische Zustand des noch immer gefangen gehaltenen Gandhi führte zu einer ernsten Krise unter den britischen Führern.

Um einen Ausweg zu schaffen, schlug Vizekönig Lord Wavell die Entlassung Gandhis aus gesundheitlichen Gründen vor, wohl in der Hoffnung, daß ein . solcher Schritt unter den augenblicklichen Umstän­den den Briten bessere Verhandlungsmög­lichkeiten für die Zukunft geben würden. In London gibt man jetzt allerdings offen zu, daß die Amery-Clique in England und viele britischen Bürokraten in Indien sich auf das heftigste einer Freilassung Gandhis wider­setzten. Nur unter der Voraussetzung, daß Gandhi öffentlich dieVerlaßt-Indien"-Erklä- rung widerrufe, wollten sie ihre Zustimmung zur Entlassung des Mahatma geben. Gandhi aber, und jeder andere Kongreßführer auch, würde lieber im Gefängnis sterben, als irgend eine derartige Erklärung abgeben. Man weiß jetzt, daß die aordamerikanische Regierung zu diesem Zeitpunkt einen star­ken Druck auf das britische Kabinett auf übte, und es wird sogar angedeutet, daß Präsident Roosevelt selbst Churchill gegen­über habe durchblicken lassen, daß man den Mahatma ohne Bedingungen frsilassen solle. Wahrscheinlich hat sich Roosevelt zu diesem Schritt genötigt gesehen, um die wachsende Unzufriedenheit der amerikani­schen Oeffentlichkeit über die ungeschickte Handhabung des indischen Problems zu be­ruhigen. Schon der Gefängnistod Frau Gandhis hatte in Amerika und den neutra­len Ländern Mißstimmung gegen England hervorgerufen, so daß sich nun sowohl amerikanische als auch englische Staats­männer darum bemühten,, den Tod Gandhis im Gefängnis zu verhindern, da ein solches Ereignis das angelsächsische Prestige stark erschüttern würde. Auch die vielen reli­giösen u ld humanitären Organisationen Englands und Amerikas zugunsten von Gandhis sofortiger Entlassung betriebene Propaganda und die von der Türkei, Aegyp­ten und den anderen mohammedanischen Staaten geäußerten Befürchtungen erwiesen sich als entscheidende Faktoren. So wurde Gandhi schließlich, als sein Gesundheitszu­stand zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gab, freigelassen.

Es wäre jedoch falsch, anzunehmen, daß Gandhis Entlassung nur ausgesundheit­lichen Gründen erfolgte. Im Gegenteil: diesem Schritt, zu dem man sich nach reif­lichen Ueberlegungen entschlossen hatte, liegt ein bedeutungsvolles Motiv zugrunde, Als Gandhi und der K'ongreß Protest gegen die gegen den Willen Indiens erfolgte KriegserkjärungMm Namen Indiens einleg­ten und schließlich dieVerlaßt-Indien- Resolution erließen, entschloß sich das bri­tische Kabinett zu einer Unterdrük- -kun g spolitik v o,m nie zuvor er­lebter Härte. Alle Kongreßorganisätio- nen und sogar viele andere rein wirtschaft- lichfe und philantropische Einrichtungen wurden als ungesetzlich verboten, und mehr als 100 000 Kongreßanhänger, an ihrer Spitze alle Kongreßführer, wurden ins Gefängnis geworfen. Immer wieder eröffnete britische Polizei und britisches Militär das Feuer auf unbewaffnete Demonstranten.

Neben dieser Unterdrückungspolitik griff die britische Regierung wieder zu dem alt­bewährten Mittel der. Aufspaltung, Indem sie einige anti-indische Führer veranlaßte, den Pakistanplan, der Indien in einen Moslemstaat und einen Hindustaat spalten sollte, vor der Oeffentlichkeit zu propägan- dieren. Gleichzeitig forderte man gemäßigte Führer, wie Rajagopalacharia, Jayakar und SapTU, die im Volk nur wenig Anhang ha­ben, auf, den Kongreß zur Zurückziehung derVeijaßt-Indien,-Resolution und damit zu einer Verständigung mit dem britischen Imperialismus zu überreden.

Aber alle diese Bemühungen der briti­schen Herrscher schlugen kläglich fehl. Das von den britischen Propagandisten so laut verkündete SchlagwortPakistan" hatte keine große Wirkung, und alle volkstüm­lichen Moslemführer erkannten die Gefahr und traten dagegen auf. Der Einfluß Jinnahs aber, der 1942 auf der Höhe seiner Macht stand und dessen Worte von Reuter stets getreulich wiedergegeben werden, begann

sehr zur Enttäuschung Churchills und Amerys zu schwinden.

Darüber hinaus hatte die politische Un­zufriedenheit des Volkes und die anhaltende Sabotagetätigkeit die anglo-amerikanischen Kriegsvorbereitungen stark beeinträchtigt,