Ausgabe 
(3.7.1944) 181
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Parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

Nr. 181 14. Jahrgang

Montag, 3. Juli 1944

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des ReichsstatthalterB in Oldenburg und Bremen

Einzelpreis 15 Rpf.

MHH

Das Vermächtnis von Narvik:

Für die Freiheit - kein Opfer zu groß oder zu teuer!

Finnlands Ministerpräsident Linkomies:Kampf an der Seite Deutschlands ist Ehrensache"

Von unserem Berliner Schriftleiter Dr. Walter Schneider

In ernster Stunde vernahm das deutsche Volk wieder einmal die aufrültelnden Worte des Führers. Der Anlaß, aus dem der Führer sprach, war zu tiefst erschütternd, er wid­mete einem seiner teuersten und treuesten Freunde, einem der besten deutschen Sol­daten, dem Helden der Nation, die letzten Worte des Gedenkens. Aber dennoch und gerade darum erweist sich an jedem Satz, den der Führer sprach, die bezwingende Größe und die ausstrahlende Kraft seines Genius. Jenseits der Trauer steigert sich nach des Führers Wort das Bewußtsein, daß für diesen Kampf kein Opfer zu groß oder zu teuer ist, um nicht gebracht zu wer­den". Aus dem Schmerz um den großen Ver­lust leitet der Führer einen Appell und eine Verpflichtung für das ganze deutsche Volk ab. Nun erst recht wird der Held von Narvik für die gesamte Nation zu einem leuchtenden Beispiel, und nun erst recht soll uns sein Denken, Fühlen und Handeln Richtschnur für die eigene Bereitschaft zum höchsten Ein­satzsein.

Der Führer hat die Bedeutung dieses Vor­bildes besonders treffend durch die Fest­stellung gekennzeichnet, daß er in ..Dietl einen Mann kennengelernt habe,der selbst das scheinbar Aussichtslose am Ende doch durch sein gläubiges Vertrauen würde er­möglichen können". Er hat das besonders sinnfällig und zwingend durch die Schilde­rung der Leistung erläutert, die General­oberst Dietl in Narvik vollbrachte, als er es mit einer Handvoll Soldaten gegen eine ge­waltige Ueberlegenheit schließlich doch in unseren Besitz brachte und dadurch einen Eckpfeiler unserer Verteidigung gegen den konzentrischen Angriff unserer Feinde schuf.

Wenn wir im ersten Weltkrieg uns jemals in einer s strategisch-geographischen Lage wie heute befunden hätten der Feind im Westen auf einem kleinen Küstenstreifen in der Normandie zusammengedrängt, die Front in Italien südlich des Apennin und 'die Ostfront jenseits von Polen und des Baltikums, so hätten wir sicher daheim uns angeschickt, die Siegesglocken zu läu­ten, zumal wenn noch die Bindung eines großen Teiles der' englisch-amerikanischen Seestreitkräfte im Pazifik durch Japan als Verbündeten hinzugekommen wäre. Es ist gewiß richtig, und auch das wollen wir nicht leichtfertig übersehen, daß im Zuge der technischen Entwicklung heute die Ent­fernungen wesentlich zusammengeschrumpft sind. Wir verspüren dies schmerzlich an den Folgen des Terrorkrieges aus der Luft. 'Aber eins wissen wir auch, daß die Zeit, die wir durch die wirkungsvolle Abwehr in elastischer Verteidigung der Fronten gewon­nen haben, nicht ungenutzt geblieben ist," daß in ihr mit dem Aufgebot aller Kräfte gearbeitet wurde, um den technischen Vor­sprung in den Voraussetzungen der Krieg­führung wieder herzustellen, den wir zu 'Anfang des Krieges bereits einnmal besessen haben. Der Einsatz der Vergeltungswaffe Nr. 1 stellt nur den Beginn einer neuen Entwicklung dar, die dahin führen soll, daß wir im entscheidenden Endabschnitt des

Krieges nicht nur das technische Gleichge­wicht wiederhergestellt haben, sondern uns darüber hinaus im Besitz von revolutionär wirkenden Waffen befinden, die gemeinsam mit der kämpferischen Ueberlegenheit un­serer Soldaten den Sieg sichern werden. Bis diese Entwicklung abgeschlossen ist, gilt das Vermächtnis des Helden von Narvik und sein Auftrag an uns, selbst das'schein­bar aussichtslose durch gläubiges Vertrauen schließlich doch zu ermöglichen. So hat der Führer das Vermächtnis des General­obersten Dietl gedeutet, und wir folgen die­ser verpflichtenden Parole.

Dietls letzter Weg

München, 2. Juli. Am Sonntagvormit­tag traf die sterbliche Hülle des General­obersten Dietl in München ein, auf dessen Nordfriedhof anschließend ln Gegenwart der Vertreter von Wehrmacht und Partei die Beisetzung des ruhmvollen Soldaten statt­fand.

Als letzten Gruß der Front legte der Ge* n«tai der Gebirgstruppen, Ritter von H e n g i, den Kranz einer Armee am Grabe nieder. Es sprach General der Infanterie

Haenlcke, der Generaloberst Dietl als einen wahren V.olksheros würdigte und das Versprechen der Pflichterfüllung in seinem Geiste bis' zum siegreichen Ende gab. Gau­leiter Giesler betonte, sicherlich werde man ihn einmal denBlücher d'e s Adolf-Hitler-Reiches' nennen, weil er mit seinem fordernden soldatischen Sinn das herzliche volksverbundene Gefühl für alle aufbrachte, die seiner Führung anver­traut waren. An der unter den militärischen Ehren erfolgenden Bestattung des General­obersten nahm die Münchener Bevölkerung in tiefer Bewegung teil.

Im Geiste des Winterkrieges!

Die Losung: Kampf und Arbeit Finnland legt erst im Einvernehmen mit Deutschland die Waffen nieder

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

b, Berlin, 2. Juli. Die neue Situation Finn­lands nach dem Uebereinkommen von Hel­sinki mit der deutschen Reichsregierung wurde am Sonntag durch den finnischen Ministerpräsidenten Linkomies in einer Rundfunkansprache umrissen, deren hoch­politischer Charakter vor allem durch die Formulierung unterstrichen wurde, daß Finnland es nach den neuen Abmachun­gen als selbstverständliche Pflicht ansehe, erst im Einvernehmen mit Deutschland die Waffen nieder­zu 1 e g e n. Die Klarheit dieser Formulie­rung betont das politische Gewicht der Ver­handlungen, die Reichsaußenminister von Ribberitrop mit der finnischen Regia- rung führte. Sie sind das Ergebnis von Ueberlegungen, die aus der Kenntnis der wahren Vernichtungsabsicht des Bolsche­wismus keine andere Alternative ließen, als die' des Kampfes bis zur endgültigen Beseitigung der bolschewisti­schen Angriffsgefahr. Die Freund­schaft, die Deutschland und Finnland seit je füreinander empfanden, wandelt sich durch diesen Schritt der finnischen Regie­rung zu einer Schicksalsgemeinschaft, die keinerlei Deutelei zuläßt.

Die finnische Regierung hat in einer Zwi­schenphase des Krieges Erkundigungen über sowjetische Waffenstillstandsbedingungen eingeholt und erfahren, daß man sich dem Bolschewismus nur auf Gnade oder Un­gnade ergeben kann, oder aber zur Weiter­führung des Kampfes gezwungen ist. Für ein ehrbewußtes Volk konnte nur die letzte Möglichkeit gewählt werden. Selbst Mei­nungsverschiedenheiten des finnischen Reichstages konnten nicht diese Hauptfrage betreffen, die Notwendigkeit der Fort­setzung des K'a mpfes und die A n - nähme der Hilfe aus D-bu t's c h - 1 a n d. Gerade diese Einsicht, die alle Par- teiströmungen erfaßt, muß vom europäi­schen Standpunkt aus als besonders bedeut­sam gewertet werden. Es hat dem finnischen Volk nicht an sogenannten guten Ratschlä­gen gefehlt, die aus dem anglo-amerikani- schen Lager kamen und an denen sich auch schwedische Kreise beteiligten. Diese Rat­schläge enthielten jedoch entweder den Vor­

schlag, sich den Sowjets zu unterwerfen, oder aber den zynischen Hinweis, daß Finn­land noch weitere Schläge erhalten müßte, um sich - zur Unterwerfung zu bequemen. Alle diese^ Ratschläge übersahen den einen Gesichtspunkt, daß tapfere, stolze und ehr­bewußte Völker in der Gefahr ihre Kräfte verdoppeln und verdreifachen.

Nach einer Pause von mehr als zwei Jahren muß jetzt unsere Wehnnacht schon die vierte Woche ununterbrochen harte Kämpfe ausfechten", so begann Linkomies seine Rundfunkrede.Die großen Massie­rungen des Feindes und besonders seine Ueberlegenheit an Artillerie, Panzer- und Luftwaffe führten zu Anfangserfolgen, unter deren Druck unsere Truppen sich Schritt für Schritt auf die allgemeine Linie Vii- puriVuoksi zurückzogea. In dem Maße, wie sich die Verteidigung dem Herzen Finn­lands näherte, erwachte im Heere der Geist des Winteikrieges. Es hat zäh die wiederholten Angriffe des Feindes abgeschlagen und ihm trotz seiner Ueber­legenheit schwere Verluste beigebracht.

Die Kämpfe waren hart wie noch nie. Die Verteidigung Kareliens und Finnlands ver­langte und verlangt schwere Opfer. Das wertvollste, was wir besitzen, das Leben un­serer jungen Männer, muß in die Waag­schale geworfen, kostbarer Boden und blü­hende Felder mußten geopfert werden. Wir müssen unser Land, unsere freie Volks­gemeinschaft und unsere Unabhängigkeit verteidigen. Wir müssen unser Familien­leben und die von unseren Vätern ererbten geistigen Werje verteidigen. Wir müssen alles das verteidigen, was das Leben'iebens- wert macht. Wenn wir das nicht täten, hätten wir eine einzige AJternative die Kapitulation.

Ich spreche dieses Wort nicht als eine Annahme aus, ich weiß, daß die Sowjet­union von Finnland Kapitulation verlangt. Nach der Kapitulation würde man uns einen Frieden diktieren, der sicherlich auch nicht die allerelementarsten Rechte des finnischen Volkes berücksichtigen würde. Eine solche Kapitulation würde uns wehrfos dem Gut­dünken des Gegners preisgeben. In einem Augenblick würden wir alles verlieren, was unser Volk im Laufe von Jahrhunderten aufgebaut hat.

Alle feindlichen Angriffe im Landehopf gescheitert

Schwere Verluste des Gegners in Italien Unvermindert heftiger Abwehrkampf im Osten

dnb. Aus dem Führerhauptquar- tier, 2. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Einbruchsraum südwestlich C a e n nahm der Gegner seine Durchbruchsversuche nach stärkstem Artillerietrommelfeuer in den Mittagsstunden des gestrigen Tages wieder auf. Alle Angriffe scheiterten dort ebenso wie nordöstlich St. L o.

Schlachtfliegerverbände unterstützten auch gestern die Erdkämpfe mit gutem Erfolg. In der Nacht griffen Kampffliegerverbände feindliche Schiffsansammlungen vor dem Landekopf an. Starke Explosionen wurden beobachtet.

Bei mehreren Säuberungsunternehmen im französischen Raum wurden 80 Terroristen liquidiert.

Schweres V e r g e 11 u n g s f e u e r liegt auf London.

In Italien lag der Schwerpunkt der feind­lichen Angriffe im westlichen Kiisten- ahschnitt und im Raum südöstlich V öl­te r r a. Unsere Truppen setzten sich hier unter dem starken feindlichen Druck auf den Cecina-Abschnitt ab. Auch südöstlich Volterra konnte der Feind nach Norden Bo­den gewinnen. -Im Raum von Siena und "westlich des Trasimenischen Sees schlugen unsere tapferen Divisionen alle feindlichen Angriffe unter schweren Verlusten für den Gegner zurück. Ein feindliches Bataillon und 29 Panzer wurden vernichtet.

An der mittleren Ostfront setzten un­sere tapferen Divisionen den mit überlege­nen Kräften angreifenden Sowjets weiteren hartnäckigen Widerstand entgegen. Im Raum von S 1 u z k konnten die Bolschewisten erst nach schweren Kämpfen Boden gewinnen. Der Ort wurde aufgegeben. Bei Össipo- i t s c h i behaupteten unsere Truppen ihre

Stellungen gegenüber allen feindlichen An­griffen. Die Kampfgruppen aus dem Raum von Brobruisk haben sich zu unseren Hauptkräften durchgeschlagen. An der mitt­leren B e r e s i n a sind schwere Kämpfe mit den ununterbrochen angreifenden Sowjets im Gange. Im Raum westlich P o 1 o z k hält der feindliche Druck an. Südwestlich und südlich Polozic wurden starke feindliche An­griffe. abgeschlagen oder in Riegelstellungen aufgefangen.

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Schlachtflieger griffen laufend in die Erd­kämpfe ein und fügten dem Feind hohe Ver­luste zu.

Im Hohen Norden wurden im Kanda- 1 a k s ch a - Abschnitt mehrere von starker Artillerie unterstütze Angriffe der Sowjets in harten Waldkämpfen unter hohen Ver­lusten für den Feind abgewiesen.

In der vergangenen Nacht warfen einzelne britische Sförflugzeuge Bomben im rhei- nisch-westiälischen Raufn.

Das Eichenlaub verliehen

Führerhauptquartier, 2. Juli. Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Rit­terkreuz des Eisernen Kreuzes an General­major Martin Unrein, Kommandeur einer sächsischen Panzer-Division; Oberst d. R. Werner Kolb, Kommandeur eines Grena­dier-Regiments aus Friedberg (Hessen); Ge­neralleutnant Abraham, Kommandeur einer berlin-bramlenburgischen Infanterie- Division, und Generalleutnant Frilz-IIubert G r a e s e r , Kommandeur einer bärlin-bran- denburgischen Infanterie-Division.

Der Führer verlieh am 2. 7. 1944 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eiser­nen Kreuzes als 518. Soldaten der deutschen Wehrmacht dem Oberbefehlshaber der 7. Ar­mee, Generaloberst Friedrich Doilmann, nach dem Tode und als 519. Soldaten der deutschen Wehrmacht dem Oberbefehls­haber West, Generalfeldmarschall Gerd v. Rundsiedl.

^Am 27. Juni verlieh der Führer dem Oberstleutnant d. R. Günther IC ei 1, Kom­mandeur eines hessisch-thüringischen Gre­

nadier-Regiments, der die Seele des heroi­schen Kampfes um Stadt und Hafen Cher­bourg war, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Der Führer, verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes im Heer an: Oberst Otto II e i 1 m a n n ; Hauptmann Herbert P r o 11; Hauptmann Alfons Webe r ; Leut­nant d. R. Hermann T e s c li ; Wachtmeister Theodor II o t z k y ; Unteroffizier Hans Katzenmeier. In der Luftwaffe an: Oberst Georg-Henning v, Heydebreck; Oberst Hanns Horst v. Necker; Major E i c h m e i e r ; Major Schiller; Hauptmann Ruffer; Hauptmann Daily; Oberleut­nant M e t z i g ; Leutnant Woidich; Leut­nant Schmidt; Fahnenjunker-Feldwebel Kolb; Oberwachtmeister Metze. In der Waffen-#/: Hans Eckert, Bataillons-Kom­mandeur in der ##-Panzer-DivisionDas Reich".

Ritterkreuzträger Generalmajor Wilhelm Falley fand im Westen den Heldentod. Den Flieqe+tod . starb Ritterkreuzträger Major Wilhelm Knapp.

Als freie Männer und Frauen müssen wir für die Gegenwart und die Zukunft ün- seres Volkes kämpfen, solange unsere Kräfte dazu ausreichen.

Dieser Entschluß stjmmt mit dem Mitte April vom Reichstag einstimmig gefaßten überein. Damals hatte nämlich der Reichs­tag ohne jegliche Meinungsverschiedenheit die von der Sowjetunion vorgeschlagenen Waffenstillstandsbedingungen abgelehnt, die formell noch keine Kapitulation bedeuten. In Wirklichkeit hatten die damaligen Be­dingungen sehr nahe an die Kapitulation geführt, und ihre Annahme würde nach der Auffassung der Regierung unser Volk ins Verderben gestürzt haben. Schon damals hat unser Volk klar und entschlossen den harten Weg des Kampfes der Ergebung auf Gnade und Ungnade des Feindes vorge­zogen.

Dte Kraftprobe mit der Sowjet- Union ist aus natürlichen Gründen eine ungleiche. Der Feind ist uns nicht nur zahlenmäßig überlegen, weil ihm große Menschenmassen zur Verfügung stehen, son­dern auch, weil sein technisches Material reichlicher ist. Darum brauchen wir für unseren Kampf jede Hilfe, die wir nur be­kommen können, seien es Waffen oder be­waffnete Truppen.

. Das einzige Land, das eine solche Hilfe geben kann und will, ist Deutschland. Ob­gleich Deutschland selbst in einem Riesen- kampf steht, hat es uns In den vergangenen Krlegsjahren Waffen und anderes Kriegs' material geben können. Ebenso wichtig war die deutsche Hilfe durch Lebensrnittel.

ln diesem Augenblick brauchen wir un­bedingt in möglichst großem Ausmaße mili tärische Hilfe, um uns gegen den Groß­angriff der sowjetischen Wehrmacht zu ver-. teidigen. Diesmal kämpfen wir auch nicht allein. Technisch gut ausgerüstete deutsche Einheiten haben sich uns sofort zur Seite gestellt. Sie haben ihren Anteil an dem den feindlichen Luftstreitkräften und Panzern beigebrachten bedeutenden Verlusten.

Deutschland hat sich auch weiterhin ver­pflichtet, uns jede militärische Hilfe zu lei­sten, die es zu leisten imstande ist. Der Er­folg unseres Kampfes ist auch ausschließlich mit Hilfe des aus Deutschland kommenden Kriegsmaterials und der übrigen Hilfe mög lieh. Da wir uns nicht dem Feinde auf Gna­den wnd Ungnaden ergeben wollen, haben wir keine andere Wahl als zu kämpfen. Finnland ist entschlossen, an Deutschlands Seite und als Deutschlands Waffenbruder Krieg gegen die Sowjetunion zu führen.

In Anbetracht der Hilfe, die uns Deutsch­land in unserem Kample gegen den Bolsche; wismus leistet, ist es Finnlands selbstver­ständliche Pflicht, erst nach Einvernehmen mit Deutschland die Waffen niederzulegen. Es ist natürlich, daß wir, während wir deut­sche Hilfe entgegennahmen, nicht zugleich mit dein Gedanken an Beendigung des Kampfes umgehen können. Das würde ja schon die Forderung der Ehrlichkeit verbie­ten, die das finnische Volk mehr als viel­leicht irgendein anderes Volk der Welt ein- zuhalten gewöhnt Ist.

Im Ausland, gibt es über unsere Entschei­dung verschiedene Meinungen. Wir seihst haben nur einen Leitstern: Finnland und das finnische Volk vor dem drohenden Un­tergang zu bewahren. Dieses ist unser aller gemeinsame Aufgabe, Alle anderen Inter­essen müssen beiseite gelassen werden, und alles, was in unseren Kräften steht muß zu diesem einen Zweck vollständig aufgeboten werden. Kampf und Arbeit, sie und ausschließlich sie, sind die Losung des heutigen Finnland. Das finnische Volk ver­läßt sich auf sjein Heer und auf dessen hochgeachteten Oberbefehlshaber, erfahrene Führer und unverzagte Mannschaft. Sie alle sind bereit, den Kampf auszuhalten, den sie für ihr Vaterland und ihre Famjlien zu führen haben. Sie wissen, daß, falls sie dieses Land schutzlos ließen, ihr eignes Leben nicht mehr lebenswert wäre. Aber dasselbe Pflichtgefühl wird auch hinter der Front verlangt. Auch hier muß alles bis aufs äußerste aufgeboten werden. Wir wis­sen, daß die Arbeiter ohne zu murren ihre Aufgaben erfüllen, die Leistungen der Rü­stungsindustrie müssen immer größer wer­den. Iri einer Stunde, wo die Existenz dfes ganzen'Volkes auf dem Spiele steht, muß

V (Fortsetzung auf Seite 2)

Hafenanlagen in Cherbourg gesprengt

****** .*'»'?

PK-Kriegsbefichter Peter (Sch) Um dem Feinde da* Ausladen ron schicerem Kriegsmaterial im Hajen Cherbourg unmöglich zu machen, wurden alle Kais und Hajenunlagen zerstört. t nser Bild zeigt: Die U irkung einer einzigen Sprengladung im Kai A nrmandie. Im Hintergrund der Seehafen Cherbourg.

Die KtieQtfifiM&etuiHf det Jeindmächie

Von

Professor Dr. Hans Hohlfeld

Direktor des Instituts für Bank- und

Finanzwirtschaft an der Universität Köln

In einem modernen Kriege, in dem über Sein oder Nichtsein ganzer Kontinente und Völkerschaften entschieden wird, stehen Kriegswirtschaft und Kriegsfinanzierung in allen Ländern grundsätzlich vor dem glei­chen Problem. Wie schon im Verlauf des ersten Weltkrieges, so kommt es für jede kämpfende Nation .auch heute vordringlich darauf an, ihre kriegswirtschaftliche Pro­duktion bis zur Grenze des Möglichen zu stärken. Das bedeutet zweierlei: einmal, daß die gesamte menschliche und maschinelle Leistungskraft bis zum Aeußersten ausge­nützt wird, um möglichst viel Kriegsgü­ter zu erzeugen, und zweitens bedeutet es, daß der zivile Verbrauch ebenfalls bis zur Grenze des Erträglichen gesenkt wird. Steigerung der Produktion insgesamt, Er­höhung des Anteils der Kriegsgütererzeu­gung und Senkung des Anteils der zivilen Gebrauchsgüterherstellung, sind also das Ziel jeder Kriegswirtschaftspolitik. Aber auch die Finanzierung wirft Fragen von größter Wichtigkeit auf. Finanzierung be­deutet die Bereitstellung geldlicher, zur Be­zahlung erworbener Güter. Die Probleme der Kriegsfinanzierung drehen sich im we­sentlichen um die Fragen nach dem Wie und dem Woher, das heißt: in welchen For­men soll sich die Finanzierung vollziehen und aus welchen Quellen soll sie gespeist werden?

Die deutsche Kriegsfinanzierung ist von Anfang an so konstruiert worden, daß sie sozusagen zwangsläufig und automatisch lauft und daß sie eine grundsätzlich unbe­grenzte Zeit funktionieren muß. Ihre wich­tigste und solideste Quelle ist das Aufkom­men an Steuern und ähnlichen Einnahmen, auf dem sie etwa zur knappen Hälfte ba­siert. Die darüber hinaus benötigten Mittel beschafft sie sich auf dem Kreditwege, etwa zur Hälfte durch Ausgabe langfristiger Schatzanweisungen und zur anderen Hälfte, durch Verlauf kurz- und mittelfristiger Titel. Ihre stärksten Stützen sind Rationalisierungs- System und Preisstop, die bewirken, daß ein bestimmter Teil, der aus dem Einkommen stammender Kaufkraft auf den Konsumgüter­märkten unanbringlich wird und auf diese Weise zwangsläufig dem Reich entweder unmittelbar als Anleihekauf oder mittelbar auf. dem Wege über die Kreditinstitute zu­fließt. Wir bezeichnen diesen Vorgang als Abschöpfung freier Kaufkraft. Als beson­deren Vorzug können wir für uns geltend machen, daß die Art und Weise der deut­schen Kriegsfinanzierung zum ersten Male in der Kriegswirtschaftsgeschichte frei von inflationistischen Zügen ist. Unsere Gegner dagegen sind Wege gegangen, 'die sich teil­weise deutlich . von den deutschen unter­scheiden, teilweise sie auch nachahmen, so­weit sie mit ihren eigenen Methoden nicht weiter kamen.

Den gefährlichsten Weg hat sicher die französische Kriegsfinanzierung einge- schlagen. Sie bediente sich in erster Linie der Notenbankkredite. 'immer wenn die Staatskasse leer war, wurde die Leitung der Bank vop Frankreich gezwungen, neue No­ten zu drucken und dem Staat zur Bezah­lung seiner Anleihe Zur Verfügung zu stel­len. Steuern und Anleihen snielten daneben eine geringe Rolle. Hätte Frankreich nicht aus militärischen Gründen kapituliert, dann- wäre vermutlich schon bald eine Finanz- krise größten Ausmaßes ausgebrochen, die seine Widerstandskraft zermürbt hätte.

Ganz arijrlers oeartet sind di° Metbnden der S o w j e t - R e p u b 1 i k. Für die bol-