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Parteiamtliche Tageszeitung
Das Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen
Nr. 179 • 14. Jahrgang
Sonnabend. 1. Juli 1944
der Nationalsozialisten Bremens
Amtliches Verltündu nasl slgtl des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen
Einzelpreis 15 Rpf.
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F. 4Z.
England fürchtet: Luftflotten überholt und veraltet
V1 revolutioniert das gesamte Luftfahrtwesen - Eisenhower inspiziert Schadenstellen — Konferenz mit Churchill
Aus der Hosentasche eines Tommys
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Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung
b. B e r 1 i n , 30. Juni. Die neue deutsche Vergeltungswaffe Nr. 1, die in den bisher 15 Tagen ihrer Anwendung den Beschuß des Großraumes London derart steigerte, daß der amtliche deutsche OKW.-Bertcht heute erstmals von „schwerem Vergeltungsfeuer" spricht, wurde von dem kanadischen Munitionsminister Howe als Ausdruck einer sich anbahnenden Revolution auf dem gesamten Gebiet des Luftfahrtwesens gewertet. Sie leite möglicherweise den Tag ein, an dem die allierten Luftflotten von heute als überholt und veraltet verschrottet werden könnten, denn die Technik, den Luftraum zu überwinden, set durch sie auf eine neue Grundlage gestellt worden.
Das Ausmaß des fortdauernden deutschen Beschusses veranlaßte nach britischen Berichten den Oberbefehlshaber der anglo- amerikanischen Invasionsarmeen, General Eisenhower, für kurze Zeit die Invasionsfront zu verlassen und die Schadenstellen in der britischen Hauptstadt zu in - spizieren. Während seines Besuches in London konferierte Eisenhower mit dem britischen Premier, wobei Churchill seiner Besorgnis über die jüngste Entwicklung Ausdruck gegeben haben soll. Churchill habe von der militärischen Führung gefordert, daß alsbald größere Unternehmen zur Gewinnung der gesamten Atlantikküste ins Auge gefaßt würden, da eine weitere Steigerung des deutschen Beschusses, möglicherweise durch noch andere Geheimwaffen, durchaus erwartet werden müßte.
Eisenhower hat einige tausend Beamte angefordert, um seine Invasionsbüros aus der Hauptstadt in die nähere oder weitere Umgebung Londons umquartieren zu lassen. Während .seines Aufenthalts an der Themse überprüfte er die Durchführung: dieser Anordnung.
Die britische Presse läßt jetzt keiner Zweifel mehr darüber, daß es bisher nicht gelungen ist, wirksame Abwehrmaßnahmen gegen die deutsche Geheimwaffe durchzuführen. Die bereits begonnene Methode, schwere Lancaster- und Halifax- Bomber gegen die französischen Küstenteile einzusetzen, hinter denen die „Start- boxen" der deutschen Geschosse vermutet werden, bezeichnet Colin B e d n a 11 als eine Utopie.
Praktisch müsse man ganz Nordfrankreich Meter um Meter umpflügen, wenn man auch nur eine geringe Aussicht auf Erfolg haben wolle. Die Startanlagen seien offenbar in einem weiten Halbbogen angeordnet und dabet so vorzüglich getarnt, daß man sie hinter jedem Bauernhaus, in jedem Busch, in jedem Waldstück vermuten könne. Es herrsche jetzt der Eindruck vor, daß die deutschen Waffen für einen Augenblick den Betrieb einstellten, wenn die anglo-amertkanische'n Bomber das Gebiet überflögen, um dann mit noch verstärktem Tempo das Feuer wieder aufzunehmen.' Offenbar werde die Zwischenzeit dazu benutzt, um neue 'Munition heranzuschaffen.
Kein vernünftiger Mensch in England könne heute noch die Wirkung der deut
schen Waffe unterschätzen, schreibt Vprnon B a r 11 e 11. Der „Daily Sketch“ bezeichnet die Auswirkung als „entschieden unangenehm“, zumal hach Morrisons Warnungen in naher Zukunft die deutschen Geschosse noch verbessert oder durch andere neue Geheimwaffen abgelöst werden können. Die „Times" betonen, daß sich die Angriffe ..bereits jetzt von Tag zu Tag verschärfen. „Ich kann niGht schlafen, nicht essen, nicht arbeiten. Ich fühle mich oft sehr deprimiert", gestand ein Bewohner Südenglands einem Korrespondenten, der Aussprüche von Personen aus den betroffenen Gebieten sammelte. Ein Verleger 1 in einem Londoner Zei
tungsviertel erklärte: „Am liebsten würden wir alle wie die Wahnsinnigen blasen, um durch den Wind den Kurs des Geschosses von uns, zu lenken". Andere berichteten, sie begännen zu stottern oder zu zittern, wenn sie das Geräusch des heran- brausendeii geheimnisvollen Geschosses hörten.
Heute verstärkter Einsatz von V 1
Eigener Drahtbericht
ep. Lissabon, 30. Juni. Das Bombardement von Südengland durch die deutschen Flugbomben V 1 wurde am Freitag verstärkt, erklärt eine ÜSA-Nachrichtenagentur am
Freitagnachmittag. In regelmäßigen Abständen seien die „fliegenden Bomben" über den Kanal gekommen und hätten Schäden verursacht.
V 1 trifft Munitionszug dnb. Genf, 30. Juni. Laut Londoner „Times" explodierte in einer Ortschaft in Cambridgeshire ein Munitionszug und richtete derartige Verheerungen an, daß mit einem Schlage 500 Personen obdachlos wurden. Die beiden Gaswerke des Ortes wurden zerstört. Zwischenfälle ähnlicher Art mit verheerenden Wirkungen sind seit dem Einsetzen der deutschen V-l-Waffe an der Tagesordnung.
Gewaltiger Ansturm des Feindes gegen Caen
Angriff gegen Nordwestspitze der Halbinsel verlustreich zusammengebrochen — 900 Feindpanzer ab geschossen — In Italien und in der Mitte der Ostfront weiterhin erbitterte Kämpfe - 13000 BRT. versenkt
dnb. Aus dem Führerhauptquartier, 30. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
In der Normandie setzte der Feind seine gewaltigen Anstrengungen fort, um die Stadt Caen von ihren Versorgungslinien abzuschneiden und von Südwesten her zu nehmen. Unter stärkstem Einsatz von Artillerie und Luftwafie konnte der Gegner seinen Einbruchsraum in erbitterten Kämpfen zunächst erweitern, bis ihn ein starker deutscher Gegenangriff in der Flanke traf und Ihm einen großen Teil des gewonnenen Geländes- wieder entriß. Zahlreiche Panzer dös Feindes wurden vernichtet. Die Kämpfe dauern an.
An der übrigen Front des Landekopfes scheiterten erneute, von starker Artillerie unterstützte Vorstöße des Gegners östlich der O r n e und südwestlich T 111 y. Nordwestlich St. L o eingebrochene nordamerikanische Truppen wurden im Gegenangriff wieder geworfen.
Im Kampfraum von Cherbourg trat der Feind auf breiter Front nunmehr auch gegen unsere Kampfgruppen auf der Nordwestspitze der Halbinsel zum Angriff an. Der Ansturm des weit überlegenen Gegners brach am Widerstand der tapferen Verteidiger unter Führung von Oberstleutnant Keil verlustreich zusammen.
Seit dem 6. Juni wurden an der Invasionsfront über 900 feindliche Panzer abgeschossen.
Beim Kampf im Raum von Cherbourg zeichnete sich der Kommandant eines Stützpunktes der Luftnachrichtentruppe, Ober
leutnant D a i m 11 n g , besonders aus.
Marinebatterien der Kanalinseln nahmen wiederholt feindliche Krtegsschiffverbände unter Feuer und zwangen sie zum Abdrehen.
Fernkampfbatterien der Kriegsmarine beschädigten unter der englischen Küste einen großen Tanker, der auf Strand gesetzt werden mußte.
Das schwere Vergeltungsfeuer der „V 1" wird fortgesetzt.
An der italienischen Front wurde an der Küste des LigUrlschen Meeres und lm Abschnitt südwestlich und südöstlich Siena erbittert gekämpft. Der Gegner griff hier, unterstützt von starken Panzerkräften und unter Zusammenfassung seiner Artillerie, während des ganzen Tages an, konnte aber nur wenig Boden gewinnen. Beiderseits des Trasimenischen Sees setzte der Feind seine Durchbrachsversuche infolge der an den Vortagen erlittenen hohen Verluste, di*- ihn *11 «'rTv’.iiti’’* f imgrupnirt t* n zwangen, gestern während des ganzen Tages nicht fort.' Erst gegen Abend nahm er seine Angriffe wieder auf, die noch im Gange sind.
In der Mitte der Ostfront wird weiter erbittert gekämpft. Zwischen S 1 u z k und B o b r u i s k wurden feindliche Angriffsspitzen an einigen Stellen aufgefangen. Bei B o r i s s o w und südwestlich P o 1 o t k kam es zu heftigen Kämpfen mit feindlichen Angriffsgruppen. Schlacht fliegerverbände griffen wiederholt in die Erdkämpfe ein und zersprengten feindliche Infanterie- und Kraftwagenkolonnen. Südöstlich P o 1 o z k
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brachen auch gestern alle Angriffe der Bolschewisten blutig zusammen. Hier hat sich die norddeutsche 290. Infanteriedivision unter Führung von Generalmajor Henke besonders ausgezeichnet.
In Weißruthenien wurde ein Bandenunternehmen von Sicherungsverbänden des Heeres und der Polizei unter Führung des H-Obergruppenführers und Generals der Polizei von Gottberg erfolgreich beendet. In vierwöchigen Kämpfen wurden 342 Bandenlager und 936 Bunker zerstört. Die Bolschewisten hatten schwerste blutige Verluste. Außer 7700 Toten verloien sie 5300 Gefangene, zahlreiche Waffen und umfangreiche Lebensmittelvorräte wurden erbeutet.
Im hohen Norden wiesen unsere Gebirgs- truppen mehrere Angriffe der Bolschewisten ab.
Ein starker nordamertkantscher Bomberverband griff gestern vormittag Orte in MitU'lrieulsrbland an. B< sonders in Magdeburg und Wittenberg entstanden Gebäudeschäden und Verluste unter der Bevölkerung.
Einzelne feindliche Flugzeuge warfen in der Nacht Bomben im Raum von Wien.
Ueber dem Reichsgebiet und den bese.z- ten Westgebteten wurden bei Tage lind in der Nacht durch Luftverteidigungskräfte 34 feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht.
Unterseeboote vernichteten 3 Schiffe mit 13 000 BRT. und einen Bewacher. Im Kampf gegen die feindliche Seeüberwachung schossen sie zehn feindliche Flugzeuge ab.
Plan und Wirklichkeit des Invasionsabenteuers
Nach dem Scheitern des Terminplanes der Invasoren — Politische Entwicklungsmöglichkeiten
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Generaloberst Dollmann A
Tagesbefehl des Führers
dnb. Führerhauptquartier, den 30. Juni. Generaloberst D o 11 m a n n , Oberbefehlshaber einer Armee, ist am 27. Juni plötzlich verstorben.
Der Führer erließ aus diesem Anlaß folgenden Tagesbefehl:
Am 27. Juni 1944 wurde Generaloberst Dollmann durch einen jähen Tod aus seiner, im schweren Abwehrkampf stehenden tapferen Armee herausgerissen.
Im Ringen um unser Großdeutsches Reich hat sich Generaloberst Dollmann auf allen Schlachtfeldern Frankreichs durch sejne
hervorragende persönliche Führung und durch seinen unermüdlichen Einsatz besonders ausgezeichnet. Das von unseren Feinden als aussichtslos angesehene Wagnis, beim Angriff über den Rhein die für Unüberwindlich gehaltene Maginotlinie ‘zu durchstoßen, hat Generaloberst Dollmann im festen Glauben an den Opfermut, an Tapferkeit und an das Können seiner mee erfolgreich durchgeführt. Seine erschrockenheit und' sein hohes Ver wortungsbewußtsein haben dann seine Soldaten von Sieg zu Sieg geführt.
Durch die hervorragende Führung e Armee an der Atlantikküste hat er die Voraussetzung für die Abwehr derjln vasion geschaffen und im Abwehrkampf selbst die weitgesteckten Pläne des Feindes vereiteln helfen und damit das erste Ziel der Landung des Gegners zunichte gemacht. 1
Aus diesem Ringen um unser Vaterland hat ihn, den besten und tapfersten Soldaten seiner Armee, dessen Glaube um ulser nationalsozialistisches Großdeutsches Rlich immer ein Vorbild bei seinen Soldaten bleiben wird, ein jäher Tod herausgerisien. Sein Name wird deshalb in seiner Armee und dem ganzen' deutschen Volk unvergessen bleiben.
Das Heer senkt in stolzer Trauer vor dfem toten Oberbefehlshaber einer Armee die Reichskriegsflagqe.
A d.o 1 f Hitler!
ner
mit
tapferen
Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung
dr. w. sch. Berlin, 30. Juni. Mit verbissener Wut und mit geballter Kraft drängen die Engländer an der normannischen Front gegen die Stadt Caen an, die sie jetzt von Südwesten her einzunehmen versuchen. Nachdem es unseren Truppen im Gegenstoß von der Flanke her gelungen ist, dem Feind einen großen Teil des gewonnenen Geländes wieder abzunehmen, dauern die erbitterten Kämpfe an dieser Stelle weiterhin an.
,1m Hinblick auf Caen klagt der englische Militärkritiker Cyrill Fails darüber, daß es trotz aller Bemühungen die Engländer nicht fertig gebracht hätten, die Stadt einzuschließen, obwohl ihre 6. Luftlandedivision schon am ersten Invasionstage in den Außenbezirken gestanden habe. Dabei sei es den Deutschen in dieser Phase der In- vasionskämpfe wohl kaum darauf angekommen, den Alliierten eine vernichtende Niederlage zuzufügen, sondern sie lediglich in ihren Operationen zu stören und ihre Pläne zu durchkreuzen. Das sei ihnen auch gelungen. Dieses Eingeständnis Cyrill Falls ist außerordentlich bedeutsam.
Wie sehen die Dinge jetzt aus, nachdem der ursprüngliche Plan Eisenhowers durch die deutsche Abwehr vollkommen über den Haufen geworfen werden konnte? • Wenn Montgomery nach einer freimütigen Anerkennung der Fähigkeiten und der eisernen Entschlossenheit .seines alten Gegners Rommels sagte, daß man sich nicht darüber täuschen dürfe, daß noch sehr ernste und opferreiche Kämpfe vor den Invasoren lägen, so ist andererseits nicht zu begreifen, wie er gegenüber einem Exchange-Vertreter der Hoffnung Ausdruck geben konnte, daß der Krieg schneller zum Abschluß kommen werde, „als sich heute mancher Stratege auf Grund der Kampfgeographie in der Normandie ausrechnet" Sollte dieser Satz nicht schon von Sorgen über politische Entwicklungsmöglichkeiten diktiert worden sein, die sich dann anbahnen könnten, wenn die Enttäuschung über den Verlauf des Invasionsabenteuers ernstere Formen annimmt? Aüch Cyrill Falls deutet die Möglichkeit an, daß ein Sieg der Deutschen über die Invasions Streitkräfte uns die Chance geben würde, „ohne zu unterliegen aus diesem Kriege herauszukommen". Das bedeutet im Munde Gegenseite eben so dar, daß nach dem bisherigen Verlaufe der Invasionskämpfe die Möglichkeit eines deutschen Sieges ins Auge faßt, der dann selbstverständlich den Endsieg nach sich ziehen werde. Die Situ
ation stellt sich besorgten Leuten auf der Gegenseite ebenso dar. daß nach dem Scheitern des Terminplanes der Invasoren „es den Deutschen im Stadium des Kräftesammelns gelungen ist, sehr schnell ihre Divisionen zusammenzuziehen, daß der deutsche Widerstand nicht einmal annähernd gebrochen ist und daß deutscherseits jetzt mit glühendem Fanatismus gekämpft wird".
Wir nehmen diese Tatsache mit Genugtuung zur Kenntnis und lassen uns selbstverständlich auch in unserer Siegeszuversicht nicht erschüttern, wenn zur Zeit noch an der Ostfront neue Absetzbewegungen von "unserer militärischen Führung als notwendig erkannt werden. Die Lage ist in dem Raum der Schlacht im Osten, die sich
jetzt über ein Gebiet von etwa 300 km Breite und 150 km Tiefe erstreckt, noch nicht in allen Einzelheiten zu übersehen. • Das Vordringen des Feindes mit Panzerspitzen in den Räumen von Bobruisk, Sluzk, Borissow und P o 1 o z k hat den Kämpfen dort den Charakter des Bewegungskrieges gegeben. Wir wissen aber, daß in der Rangordnung der Kriegsschauplätze die Ostfront zurücktritt. Daß die Widerstandskraft unserer Truppen im Osten ausreichend sein wird, um auch dort die weiterzielenden Pläne des Gegners zu durchkreuzen, dessen sind wir gewiß. Diese Sicherheit findet in dem Abschluß der neuen deutsch-finnischen Vereinbarungen eine ganz besonders eindrucksvolle Bekräftigung.
Wasser und Land ein Flammenmeer
Baionettkämpfe an der Küste — Ein britischer Kriegskorrespondent berichtet
Drahtbericht unseres Vertreters
osch. Bern, 30. Juni, Mit welch schweren Menschenverlusten Briten und Amerikaner ihre Landungsoperationen längs der normannischen Küste erkaufen mußten, erhellt erneut ein Bericht des englischen Kriegskorrespondenten Leslie M i 1 h o n, den eine Genfer Tageszeitung veröffentlicht.
Der englische Berichter schildert die Atmosphäre während der Abfahrt von England als ungeheuer nervös. Milhon schreibt:
„Endlich konnten wir die französische Küste erkennen. Am Horizont hob sich eine Welle von Flammen und Blitzen ab. Das ganze Küstengebiet spuckte Flammen. Marinesoldaten waren schon vor uns an Land gegangen, sie wurden schwer beschossen. Da und dort barsten ihre Landungsboote auseinander. Wasser und Land bildeten nur noch ein Flammenmeer. Ich sah das Schauspiel genau vor meinen Augen. Die letzten hundert Meter, die uns von der Küste trennten, glichen der Hölle. Ueber der Küste lag eine Wolke schwarzen Rauches. Die Zahl der Marinesoldaten wurde schnell kleiner.
Es war dann an unserem Boot vorzurücken. Kleine Schnellboote trugen uns davon. Ich schaute meine Kameraden an. Ihre Gesichter waren bleich. Es wäre kindisch zu leugnen daß wir Furcht empfanden. Unsere Herzen schlugen. Bäche von Schweiß rieselten unsere Rücken herab. Ueber den Küsten hielt der Lärm der Flugzeuge an.
Die Kanonep im Küstengebiet brüllten. Wir sprangen dann ins Wasser und ruckten so schnell wie möglich mit eingezogenem Kopf, vor. Es regnete um uns Geschosse. Maschinengewehre knatterten. Eine Gruppe feindlicher Soldaten suchte uns den Weg abzuschneiden. Es kam zu Bajonettkämpfen. Mehrere meiner Kameraden waren tödlich getroffen, andere schwer verletzt. Die Invasion hatte nun für uns wirklich begonnen.“
Die englischen Städte „durchgeschüttelt“
Eigener Drahtbericht
ep. Lissabon, 30. Juni. Die Wirkung der Granaten, mit denen die deutschen Fernkampfgeschütze die englische Kanalküste beschießen, scheint sich in der letzten Zeit außerordentlich verschärft zu haben. „News Chronicle" erklärt dazu: „Die Explosionen waren so heftig, daß die Städte in der Frontlinie durchgeschüttelt wurden, Alles, was nicht niet- und nagelfest war, zitterte und wurde durcheinandergeworfen."
Botschafter Stahraer bei Tojo
dnb. Tokio, 30. Juni. Der japanische Mi nisterpräsident General Tojo empfing in Anwesenheit des Außenministers Shige- mitsu den deutschen Botschafter in Tokio, Stahmer, zur Besprechung aktueller politi scher und militärischer Fragen.
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Kin Feuerzeug, etwas groß geraten, ein Knicker, an einer Schnur mit allerhand Werkzeugen. Ein Schlagring, 50 reguläre französische Franc: und 50 Francs „Invasionsgeld“ in Scheinen zu 5 Francs, das von den Franzosen als Fulschgeld gewertet wird.
PK-Kriegsberichter Petraschk To.-Ep. (Sch)
famkteuh» Aüfqa&e
Von unserem Vertreter in Paris Josef Berdolt
*Bis Kriegsende ist das Schicksal Frankreichs durch den Waffenstillfitandsvertrag von lü40 Mgi. Dieser Vertrag legt die
Pflichten der französischen Regierung und Bevölkerung eindeutig fest. Seine Tendenz, die auch in der Präambel ausgesprochen wird, ist: Frankreich darf nichts tun, was die Fortführung des Deutschland aufgezwungenen Krieges und seine siegreiche Beendigung behindern könnte. Die eindeutige Festlegung Frankreichs spielt zweifellos jetzt in der Zeit der Invasionsschlacht eine bedeutsame Rolle.
In diesen Tagen wurde in Vichy von Regierungsseite verschiedentlich geäußert, Frankreich sei „nicht mehr im Kriege", und die Bevölkerung müsse sich dementsprechend gegenüber den kriegführenden Parteien verhalten. Es müsse gewissermaßen ein „neutraler" Standpunkt bezogen werden. Diese Meinung stimmt nicht mit der Wirklichkeit überein; denn zwischen der Neutralität und dem Waffenstillstandsregime gibt es deutliche Unterschiede. In Wirklichkeit ist es so, daß Frankreich durch den Waffenstillstandsvertrag verpflichtet ist, alle seine technischen Einrichtungen und Möglichkeiten der deutschen Kriegführung rückhaltlos zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört auch beispielsweise das Personal der Eisenbahn, der Verwaltung und der Polizei. Der Begriff der Neutralität könnte also 'hier leicht zu Mißverständnissen führen.
Andererseits besteht zwischen Deutschland und Frankreich seit Oktober 1940 noch eine weitere Vereinbarung, nämlich die von Montoire, in welcher der Grundsatz der „Zusammenarbeit" zwischen den beiden Völkern festgelegt wurde. Seit Montoire beginnen weite Kreise des französischen Volkes zu begreifen, daß die deutsch-französische Zusammenarbeit das zukünftige Schicksal Europas und damit auch Frankreichs bestimmen wird. Zwar hat es in Frankreich immer wieder Ereignisse gegeben, die darauf .hindeuteten, welche starken Kräfte trotz allem in Frankreich bestrebt sind, die alte Kluft zwischen Deutschland und Frankreich aufrechtzuerhalten und damit zu versuchen, den Kontinent zu zersprengen. Aber . die Auseinandersetzung zwischen „Collaboratio- nisten und „Anticollaborationisten" hat schließlich doch immer wieder dazu geführt, daß der Verständigungsgedanke wuchs. Dazu trug auch wesentlich die korrekte, ritterliche Haltung der deutschen Soldaten in Frankreich bei. So unangenehm eine ausländische Besatzung für ein Land sein mag, so wird doch in Frankreich selbst von den Feinden Deutschlands unumwunden zugegeben, daß keine Besatzungsarmee der Welt sich besser betragen kann, als es die deutsche während der verflossenen vier Jahre tat. Es ist in Frankreich auch schon oft offen ausgesprochen worden, daß eine etwaige anglo-amerikanische Besetzung
67,6 Millionen gesammelt
dnb. Berlin, 30. Juni. Die am 4. Juni durchgeführte 3. Haüssammlung des Kriegs- hilfswerkes für das Deutsche Rote Kreuz 1944 hatte ein vorläufiges Ergebnis von 67 646 919 RM. Bei der gleichen Sammlung des Vorjahres wurden 58 023 156,72 RM aufgebracht. Es ist somit eine Steigerung des Ergebnisses um 9 623 762,28 RM oder 16,J v. H. zu verzeichnen.