Ausgabe 
(23.9.1943) 263
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Erscheint 7mal wöchentlich

Moaatsbezirg 2.30 NM etnlchl. Zustellgebühr; Postbezug-preis monatltch 2,30 RM leinlchl. S3.I Rps. PostzeitungsgeLühr) zuzügi. 12 Npf. »eftellgelb. Postscheck: Hamburg 17272. Anzei­genpreise und Aufnahmebedingungen U. Preis, pst«. Lufnahmetermin« ohn« Perbindlichke^

vremerWuna

GeschSfts stellen:

Bremen: Leeren 3/8. Ruf 2 19 31: Nachtru, u. sonntags 217 33: Vb-rnstr. 88. Ru» 219 31; Eqk«: Mühlendamm 2: Br -Hemelingen: Bahn» hofstratze 8. Eck- Poststratze. Ru» 131 »S: Br.- Segesack: R-Hrstr. 2«. Ruf 1 «. 8: Br -Blumen« fhal: Kapt.-Dallmrnn-Str. 11/13, Ruf 88 u, 80

VarideiarntÜclie Layeszettnny

Das flmtsbiott des Negierenden vürgermeisters der §reien Hansestadt vremen

M

W

der Nationalsozialisten, vremens

Amtliches verkündungsbiatt des Neichsstakt«ialters in Oldenburg und vremen

Nr.2SZ , 1Z. Jahrgang

Donnerstag, 2Z. September 1S4Z

kinzelpreis lS Npf.

vsnvrsIkommMsr Sud« dollckls- vUtttcdsm Lnlcklag srlsyvn

Berlin, 22. Sept. An der Nacht ,om 22. September ist der Generalkommissar von Weihruthenien. Gauleiter Wilhelm Kube, in Minsk einem bolschewistischen Mordanschlag zum Opfer gefallen. Dieser Anschlag ist von bolschewistischen Agenten im Auftrage Mos­kaus vorbereitet und durchgeführt worden.

Gauleiter Kube hat als völkischer und nationalsozialistischer Kämpfer Jahrzehnte hindurch auf politischem Vorposten gestan­den. Als Leiter der preußischen Landtags­fraktion der NSDAP. und Gauleiter der Kurmark hat er sich durch seine unerschrockene Haltung und seinen energischen Einsatz einen Namen gemacht, der weit über seinen enge­ren Wirkungskreis bekannt wurde. Die neue Aufgabe, die Kube nach der Errichtung der Zivilverwaltung als Eeneralkommissar für Weitzruthenien im Jahre 1941 übertragen wurde, gab ihm erneut die Möglichkeit, bahn­brechend an entscheidender Stelle für das Reich wirksam zu werden. Die Entschlossen­heit und Zielbewußtheit, mit denen er die chaotischen Verhältnisse in dem vom Bolsche­wismus verwüsteten Weitzruthenien meisterte, haben heute bereits symbolhafte Bedeutung für das gesamte Ostführerkorps gewonnen. Aber gerade wegen dieser positiven Wen­dung der weitzruthenischen Dinge galt ihm Moskaus ganzer Hatz. Bereits vor einiger Zeit hatte man einen Anschlag auf ihn im Minsker Theater vorbereitet, der aber da­mals glücklicherweise mißlang. Nun ist es einem der feigen Schächer Stalins gelungen, dem kämpferischen Leben Wilhelm Kubes auf hinterhältige Weise ein Ende zu setzen. Das deutsche Ostführerkorps wird das Erbe des ermordeten Eeneralkommissars mit fester Hand weiterführen.

Er stand noch vor uns, als wir ihn da­mals in Minsk in seinem Generwlbezirk Weiß-Ruthenien, dem Vorwerk detz Ostlan- dss, besuchten: Seinem Weiß-Ruthenien,

denn er hatte sich dieser neuen Aufgabe, die ihm der Führer auf gefährdetem Posten ge­stellt hatte, mit der ganzen Vitalität und Einsatzfreudigkeit seiner starken Persönlich­keit verschrieben. Leidenschaftliche Ileberzeu- gungskraft strömte aus den Worten, mit denen er uns von Plänen und Zielen, von Erreichtem und noch zu Erreichendem sprach. Hinter der meisterlichem Formulierung seiner Sätze stand nicht nur der auf dem Parla­mentsboden geschulte erfahrene Rhetoriker, sondern vor allem der Mann und Kämpfer, der sein ganzes kraftvolles Ich in die Bresche wirft, wenn es die Stunde von ihm fordert.

Jetzt fand sie ihn als Eeneralkommissar von Weiß-Ruthenien vor der Aufgabe, in­mitten einer wüst zerstörten Stadt ein Zen­trum deutschen Geistes und deutscher Hal­tung- auszubauen, an dem sich das weitz- ruthenische Volk, dem bislang noch nie in der Eeschichtss ein echtes völkisches Leben vergönnt gewesen war, zu einem schaffens- bereiten Angehörigen der abendländischen Völkergemeinschaft emporrichten konnte. Zielbewußt, fest und mutig mutzte der ober­ste Repräsentant des Reiches gerade in die­sem Gebiet sein, in dem der Brand des Krieges noch immer unter Asche und Trüm­mern glaste.

Wilhelm Kube kannte solchen Kampf aus den Jahren, da er der Bannerträger der Par­tei war gegen eine Phalanx von Ableh­nung, Geringschätzung und Hatz. Damals, als er als Führer der Sechs-Mann-Frak­tion im preußischen Landtag antrat, begann er den parlamentarischen Kampf um die Hauptbastion Preußen. Er hat ihn mit un­geheurer Tatkraft und höchstem persönlichen Mut geführt, ein nimmermüder Propa­gandist, der mit packender Kraft wie mit beißender Ironie gegen die Verlogenheit des Regimes und gegen alle Entartungen des Parlamentarismus ins Gefecht zog und von der Tribüne des preußischen Hauses aus den Widerhall in der Öffentlichkeit suchte und fand. Wilhelm Kube konnte selbst die Ernte seines unermüdlichen Rin-

(Fortsetzung auf Seite 2)

lotsler L illssy Japans kür äsn 8isg

lo/o kündigt S^ 5 c^nsfc/snc/s an

^u6s505cisnt//c^s kfkäkung c/sc

Tokio, 22. September. Der japanische Mi­nisterpräsident Tojo hielt am Mittwoch seine angekündigte Rundfunkansprache, in der er unter anderem betonte, daß die von der Regierung beschlossenen einschneidenden Maßnahmen zur Stärkung der Heimatfront und der nationalen Kriegsstruktur des Lan­des nur ein Ziel hätten: diesen Krieg zu gewinnen. Die Entwicklung der Kriegslage, so betonte Tojo, sei in ein Stadium getreten, das kein Nachlassen der bisherigen Anstren­gungen dulde. Mit Ueberzeugungskraft und dem Glauben an den Sieg allein sei es nicht getan. Die Engländer und Amerikaner ver­suchten ohne Rücksicht auf eigene hohe Ver­luste durch immer neue Offensiven, das japanische Kaiserreich auf die Knie zu zwin­gen. Schwere Kämpfe seien daher im Gange und noch zu erwarten. Daher sei für das ja­panische Volk die Zeit gekommen, sich auf allen Gebieten des Lebens auf die heutige Kriegslage einzustellen und seine Entschlossen­heit und Kraft zur Durchführung des Krie­ges und zum Sieg zu verstärken.

Die Regierung habe sich angesichts dieser Lage gezwungen gesehen, einschneidende Maßnahmen zu ergreifen und sie sofort in die Praxis umzusetzen. So sei erstens Vorsorge getroffen für engste Zusammen­

arbeit zwischen den obersten Militärbehör­den und der Staatsführung. Zweitens werde man im Innern eine entschlossene Kampf­front schaffen, die in jeder Hinsicht als Un­terstützung der Kriegführung den Endsieg verbürge. Drittens würden schnelle und ak­tive diplomatische Maßnahmen ergriffen. Schließlich seien Maßnahmen vorgesehen, die eine epochale Erhöhung der Kriegsproduk­tion und vor allem der Munitions- und Flugzeugproduktion sicherstellten.

Ministerpräsident Tojo ging dann im ein­zelnen auf die zahlreichen Maßnahmen ein, die im Verlauf der Dienstagsttzuna des Kabinetts beschlossen wurden. Die Regie­rung übernehme die Verantwortung für die schnelle und erfolgreiche Durchführung dieser Maßnahmen und werde dem Volke mit gu­tem Beispiel vorangehen. Alle unnötigen Arbeiten und Maßnahmen, die nicht direkt mit der Kriegführung in Verbindung stehen, haben zu unterbleiben. Auch die beabsich­tigte Mobilisierung der Arbeitskräfte, der Einsatz der Studenten und aller Schichten der Bevölkerung müsse als äußerst weit­gehend bezeichnet werden. Bei der geplanten Verstärkung der Verteidigung des Heimat­landes werde die Regierung die Initiative übernehmen. Wenn alle diese Pläne schnell

8ckverpMkts kollsvs. koslsvl, 8molsn§k

c/sr 5 ovv/sts oulgs/ongsn — Osutrc^s unc/ notiono/- io 5 cs,,'Äi'§ciis Vs,bön 6 s im gsgsn p/ünc/smc/s ^uiLtänclirckis

Aus dem Führerhauptquartier. sche« Diensten stehende griechische Untersee-

22. Sept Das Oberkommando der Wehr­macht gibt bekannt:

An der Ostfront griff der Feind gestern weiter mit Schwerpunkten in den Räumen von Poltawa, Roslawl und Smo- lensk an. Seine mit starke» Kräften ge­führten Durchbruchsaügrisfe wurden aufge­fangen. In den Gewässern des Nordkaps schössen deutsche Jagd- und Zerstörerverbände zusammen mit der Bordflak eines Geleits von 38 angreifenden sowjetischen Flugzeu­gen 21 ab.

An der süditalienischen Front fanden nur örtliche Kampfhandlungen statt.

Slowenische Aufständische zusammen mit italienischen Kommunisten und Bandengrup- pen aus dem kroatischen Raum versuchten im Ostteil Vaneziens, in Jstrien und Slo­wenien, unter Ausnutzung des Badoglio- Verrats, die Macht an sich zu reißen. Deut­sche Truppen, unterstützt von national-faschi­stischen Einheiten und freiwilligen Landes­einwohnern. haben die wichtigsten Orte und Berkehrsverbindungen besetzt und stehen im Angriff gegen die raubenden und plündern­den Aufständischen.

Im Mittelmerraum griff die Luftwaffe wiederholt mit gutem Erfolg Flugplätze, Marschkolonnen und Stellungen des Feindes an und vernichtete zwei große Schnellboote.

Bei Gibraltar versenkten unsere Untersee­boote drei feindliche Zerstörer, torpedierten ein stark gesichertes Kühlschiff und vernich­teten einen Frachtensegler sowie ein feind­liches Flugzeug. Im Tyrrhenischen Meer versenkten Fahrzeuge der Kriegsmarine einen zum Feind übergehenden Dampfer der Vadoglio-Regierung von 14 500 BRT. und beschädigten ein weiteres großes Schiff sowie einen Minenleger und ein anderes kleines Kriegssahrzeug schwer. In der Aegäis ver­nichtete ein llnterseebootjäger das in briti-

boot „Katsonis" und brachte Teile der Be­satzung als Gefangene ein.

In der vergangenen Nacht griffen schnelle deutsche Kampfflugzeuge Einzelziele in Süd- england an. Bei freier Jagd über dem At­lantik wurde ein britisches Großslugboot ab­geschossen.

und prompt durchgeführt würden, so seien direkte und indirekte Auswirkungen auf die militärischen Ereignisse zu erwarten, die die Welt erneut in Erstaunen setzen dürften.

Heute sei jedenfalls nicht mehr die Zeit. ru alten, liebgewordenen Gewohnheiten, Arbeitsmethoden usw. festzuhalten Es gelte vielmehr, sich in der gesamten Lebensein­stellung auf die Bedürfnisse dieses Krieges einzurichten. Der Krieg nehme täglich an Heftigkeit zu. Der Feind versuche mit allen Mitteln, durch Gegenoffensiven Erfolge zu erzielen. Daher werde die Zukunft im Ver­lauf des weiteren Kriegsgeschehens noch viele bemerkenswerte Ereignisse bringen. An die­sem Wendepunkt des Krieges erwarte die Regierung daher, daß die Bevölkerung alle Bemühungen der Staatsführung, die sich zur Durchführung solcher entscheidenden Maßnahmen veranlaßt sehe, weitgehend und mit größtem Verständnis unterstützt. Ein Zweifel an den Endsieg gebe es nicht, und es werde der Tag kommen, da Frieden und Ordnung in allen Gebieten Eroßostasiens gesichert seien.

Tojo dankte bei dieser Gelegenheit den verschiedenen Völkern und Verbündeten Ost­asiens für ihre herzliche und enge Zusam­menarbeit im Kampf um ein gemeinsames Ziel. In Europa, so betonte Tojo abschlie­ßend, kämpften Deutschland und die übri­gen verbündeten Länder Schulter an Schul­ter mit Japan weiterh'N mit voller Kraft gegen den gemeinsamen Feind.

*

Das Jnformationsamt der Regierung gab zu Beginn der Rede des Ministerpräsiden­ten einen Ueberblick über die zahlreichen Maßnahmen, die im Verlaufe der Dauer­sitzung des japanischen Kabinetts am Diens­tag zur weiteren Stärkung der Heimatfront beschlossen wurden. Wie diese Uebersicht zeigt, werden hiervon praktisch alle Teile der Bevölkerng betroffen. Die Maßnahmen

(Fortsetzung auf Seite 2)

vis Versenkung Sss V-Looles „Hstsonis"

öf/t/sc/isr O^/r/sf rvvong grisc/iisc/is össotzung mit c/sr?/sto/s rum Komps

Berlin, 22. September. Wie der Wehr­machtbericht meldet, versenkte ein deutscher llnterseebootjäger in der Aegäis das in eng­lischen Diensten fahrende griechische Unter­seeboot „Katsonis" durch Rammstoß und Ar­tilleriebeschuß. Er brachte dabei , auch Ge­fangene ein.

In der Abenddämmerung des 14. Septem­ber sichtete der unter dem Kommando des Kap i üänleutn an iis Vollh« im stehende Unterseebootjäger in der Aegäis ein feind­liches U-Voot bei dem es sich, wie sich spä­ter'herausstellte, um das im Solde Englands fahrende griechische U-Boot „Katsonis" han­delte. Das über Wasser fahrende Boot ver­suchte, sich durch Schnelltauchen der einsetzen­den Verfolgung zu entziehen, was ihm aber infolge der gutliegendcm Wasserbombenreihe nicht mehr gelang. Im Detonationsschwall mehrere!! unmittelbar unter dem getauchten Boot explodierender Wasserbomben wurde es an die Oberfläche geworfen. Noch bevor sich jjcmand aus dem Turm des U-Boots zeigte, setzte der U-Jäger mit äußerster Kraft zum Rammstoß an und traf das Boot mitt­schiffs so schwer daß es sofort starke Schlag­seite zeigte. Auf allernächster Entfernung entspann sich nun ein erbitterter Kamps, zu dem der einzige an Bord des Bootes be­findliche britische Offizier mit der Pistole in der Hand die griechische Besatzung zwang. Durch die von deutscher Seite eingesetzten Nahkampfwaffen, Handgranaten, Maschinen­gewehre, Pistolen und Karabiner erlitt die

schwere Vevlulste, während der britische "Offizier und ein ihm beigegebener britischer Funker unverletzt blieben und nach den Versenkung des Bootes geborgen werden konnten. .

Im weiteren Verlauf des Gefechtes, das sich nun wieder auf größerer Entfernung abspielte, brach im Innern des Bootes «in Brand aus, der rasch um sich griff, so daß der ganze Turm des Bootes kurze Zielt später rot erglühte. Nach wenigen Salven aus allen Waffen sank das schwer beschädigte Boot zwei Minuten vor 20 Uhr über den Achtersteven in die Tiefe. Von seiner Besatzung hatten sich außer den beiden Briten mir 14 Mann, die zum Teil schwer »verletzt waren, durch Ueberbordspringen retten können.

Best dem rund 600 Tonnen großen Boot handelte, es sich vermutlich um dasselbe U-Boot, das in den letzten Monaten ver­schiedentlich umbewaffnete griechische Küsten- segler und Fischerboote überfallen, sie rück­sichtslos mit seinen Bordwaffen beschossen und dabei meist die nur wenige Mann starke Besatzung getötet oder schwer verletzt und ihre Fahrzeuge, die für die Ernährung der griechischen Küstsnbevölkerung sorgten, ver­senkt hat. Kapitänleutnant Vollheim hat damit als Kommandant eines U-Bootjägers in diesem Jahre bereits sein zweites feind­liches Unterseeboot versenkt. Außerdem hat er bei einem Angriff von drei englischen Torpedofliegern im Februar 1943 alle drei abgeschossen.

Ltsrks dolsckewistiLclls VsrluÄs bei Viirclibriick8ver§iicl»eil

keinSf 5 le/!s ye/sny 65 cism fsmci, UN5S1S l-misn ru c/ukcsi 5 tohski ociek flanken ru umia 55 sn ' knllazsuny clukcli l-uitanykifie

Berlin, 22. September. Im Süden und in der Mitte der Ostfront versuchten die Bolschewiste» am 21. September von neuem, mit starken Kräften die deutsche Front aufzureißen. In harten Abwehr- kämpfen wiesen unsere Truppen aber die hef­tigen Angriffe ab oder sicherten durch ener­gische Gegenstöße ihre Bewegungen, so daß der Feind nur freiwillig aufgegebenes Ge­lände zu besetzen vermochte. An keiner Stelle gelang es den Sowjets, unsere Linien zu durchbrechen oder unsere Flanken zu um­fassen. Statt dessen wurde der Feind dort, wo er in überraschenden Vorstößen weiter vorprellte, im sofortigen Gegenangriff blu­tig zurückgeworfen.

Dieses Bild disziplinierter und in ihreiy Ablauf voll beherrschter Bewegungen steht im äußersten Gegensatz zu den Schlachten der Jahre 1941-42 im gleichen Raum, als die deutschen Truppen die feindlichen Fron­ten immer wieder zerrissen, aufspalteten und die Bolschewisten zu fluchtartigen, regellosen Rückzügen zwangen. Die großen Kesselschlach­ten am mittleren Dnjepr und bei Wjasma— Vrjansk im September und Oktober 1941 kosteten den Feind über 1,5 Millionen Ge­fangene. und weitere Hunderttausende büßte er im Mai 1942 bei Charkow, Woltschansk und Jsjum eüi. Solchen Millionenzahlen haben die Bolshrwyten heute nichts entge­

genzusetzen. Sie sind vielmehr gezwungen, die verhältnismäßig geringen deutschen Aus­fälle zu übertreiben, um die eigenen, viel­fach höheren Verluste, die sie nicht ganz ver­schleiern können, einigermaßen verständlich zu machen. Wie schon so oft im Osten, er­weist sich auch jetzt die Kampfmoral des deutschen Soldaten den nach Zahl und Ma­terial stärkeren Bolschewisten überlegen.

Charakteristisch für den planmäßigen Ab­lauf der Frontverkürzung waren die Kämpfe am Kuban-Brückenkopf. Unsere Truppen ließen die Bolschewisten in die Hafenstadt Anapa eindringen, schlugen aber, als der Feind am Ostabschnitt des Brückenkopfes an mehreren Stellen beider­seits einer wichtigen Straße angriff, ener­gisch zu und verwehrten den Sowjets unter Abschuß von vierzehn feindlichen Panzern das weitere Vordringen. Auch nördlich des A'sowschen Meeres blieben feindliche Stör- angriffe mit Kräften bis zu Regiments­stärke unter Verlust mehrerer Panzer im deutschen Feuer liegen, während im Gegen­stoß, aus der Absetzbewegung heraus, eine Anzahl Gefangener und mehrere Fahrzeuge und Feldküchen als Beute eingebracht wer­den konnten.

Verlustreich für den Feind scheiterten auch seine weiteren Einbruchsversuche nordwest­lich P o l t a w a, wo die Bolschewisten allein

im Abschnitt brandenburgischer und schlesi- scher Grenadiere innerhalb von vier Tagen 124 Panzer einbüßten. Nördlich davon koste­ten an einem der letzten Tage die mehrfach wiederholten vergeblichen Angriffe gegen den Abschnitt einer Panzer-G.renadier-Divi- sion dem Feind allein 35 von 50 vorgehenden Panzern und beträchtliche blutige Verluste. Zahlreiche weitere Vorstöße der Bolschewi­sten kamen durch wirksame Tiefangriffe un­serer Kampf- und Schlachtflugzeuge über­haupt nicht zum Tragen. Die fühlbarste Ent­lastung wurde aber den Erdtruppen durch fortgesetzte Bombenangriffe unserer Kampf­und Sturzkampfgeschwader, gegen Feld- und Artilleriestellungen, gegen Brücken und Trup- penquartiere und gegen Marsch- und Nach­schubkolonnen des Feindes zuteil. Mehr als 280 meist vollbesetzte Kraftfahrzeuge wur­den vernichtet. Drei große Munitionslager flogen in die Luft, und bei Angriffen gegen Flußübergänge wurden drei große mit Trup­pen beladene und fünf Fährboote vernichtet.

Im mittleren Abschnitt vor Oftfront bot sich südlich und nördlich Roßlawl das gleiche Kampfbild. Auch hier griffen die So­wjets mit starken Kräften an, wurden aber zurückgewiesen oder abgeriegelt. Weiter nördlich standen unsere Truppen westlich der allgemeinen Linie Jelnja—Jarzewo—Welish —Demidow von neuem in schweren Kämp­

fen. Der Schwerpunkt lag südöstlich Smo- lensk. Hier setzte der Feind starke, von zahlreichen Batterien und Fliegergeschwadern unterstützte Infanterie- und Panzerverbände zum Angriff an. Obwohl die Bolschewisten ihre Kräfte auf schmalem Raum zusammen­faßten und ununterbrochen anstürmten, schei­terten ihre Durchbruchsversuche ebenso wie an den vorausgegangenen Tagen in erbitter­ten Kämpfen am unerschütterlichen Wider­stand unserer Grenadiere und an der Feuer­wirkung der schweren Waffen. Auch die ver­stärkten Angriffe des Feindes bei Demidow wurden abgewiesen oder aufgefangen.

Unsere Luftwaffe unterstützte die Ab­wehrkämpfe durch Bombenwürfe auf feind­liche Bereitstellungen und Nachschubkolon­nen. Feindliche Kräfte, die einen Flutzlauf zu überschreiten versuchten, wurden von Kampf- und Sturzkampfflugzeugen gefaßt, deren Treffer eine Brücke zerstörten, 15 mit Lastkraftwagen beladene Pontons und drei Fähren versenkten. In der Nacht zum 22. September griffen deutsche Kampfflieger- verbände wichtige Verschiebebahnhöf« und Versorgungsstützpunkte des Feindes im süd­lichen Kampfabschnitt mit Spreng- und Brandbomben an. Zahlreiche Treffer ver­nichteten groß« Mengen rollenden Mate­rials und setzten Truppenquartiere, Bahn­höfe und Nachschublager in Brand.

3ei1k»a»ei»eÄrLÜa«se

Von Ibsockor Zcbulrs

Mitte September ist der Kongreß der USA., nachdem er während der Sommermonate dem feuchtheißen und fast tropischen Klima Wa­shingtons entflohen war, zu seiner Herbst­tagung zusammengetreten. Die Wiederkehr der Senatoren und der Repräsentanten be­deutet für das Weiße Haus und die Regie­rung selten eine reine Freude. Diesmal aber hat man der Sitzungsperiode mit ganz be­sonders gemischten Gefühlen entgegenzusehen. Jeder Kongreß wird störrisch und unlenksam, sobald „der große Wahltermin" sich nähert. Dieser Wahltermin aber steht 1944 bevor, und über aller amerikanischen Politik lastet bereits jene für die USA. charakteristische, alles beherrschende Wahlatmosphäre.

Der jetzige Kongreß erwies sich aber be­reits feit seinem ersten Zusammentritt als ganz besonders schwierig. Er war von Anfang an entschlossen, sich nicht zu einer bloßen AL- stimnnmgsmaschine machen zu lassen. Dies« Schwierigkeiten wurden dadurch erhöht, daß Roosevelt weder im Senat noch im Reprä­sentantenhaus über eine sichere Mehrheit verfügte mit Ausnahme in großen Fragen der Kriegführung. An der inneren Front steht dem Präsidenten infolge des Versagen« seiner Kriegswirtschastspolitik (es gelang ihm weder Preise noch Löhne zu stabilisie­ren, noch das Fortschreiten der Inflation zu vermeiden) eine erbitterte Opposition gegen­über.

Allerdings ist Roosevelt im Gegensatz zu seinem doktrinären und starren Vorgänger Woodrow Wilson, dem Präsidenten des er­sten Weltkriegs, biegsamer, raffinierter, tak­tisch gerissener. Ja, er ist vielleicht der ge­rissenste Taktiker des heutigen Amerika. Als solchen sehen ihn sowohl die Politiker in Washington als auch die Vertreter des „gro­ßen Geschäfts". Für sie ist er nicht der Kreuz­ritter für irgendwelche nebelhaften „Frei­heiten" oder der Kronwächter der -Demo­kratie. Das ist gut genug, um das ameri­kanische Geschäft im Ausland zu besorgen. Auf innenpolitischem Felde bleibt er ein durch Glück, Skrupellosigkeit, Zähigkeit und die Leitung einer energischen Frau beson­ders hochgestiegener Politiker.

Roosevelt weiß das. Er fühlt seine Gren­zen. Er möchte seine Stellung halten. Er will seine Politik der Niederwerfung der Achsen­mächte bis zum Ende durchfechten, er hat den Ehrgeiz, seinen Namen ganz groß in das Buch der amerikanischen Geschichte einzutra­gen und die USA. aus einer amerikanischen Kontinentalmacht zu einer meer- und luft- beherrschenden Weltmacht zu machen. Gerade deswegen laviert er in der letzten Zeit auf innenpolitischem Gebiete äußerst vorsichtig und faßt die Volksvertreter mit Glace­handschuhen an. denn er hat «inen untrüg­lichen Instinkt für den Augenblick, wo er die Zügel schleifen und dem unberechenbaren Kongreßpferd seinen Willen in vielen Din­gen lassen muß. Deshalb legt er augenblick­lich größten Wert darauf, den Kongreß, den er früher durch jene Arroganz und Selbst- überheblichkeit verärgerte, die sich bei ihm von Wahltermin zu Wahltermin stärker ent­wickelten. und über die sich selbst seine in­timsten Freunde heute beklagen, wenigstens der Form nach und nach außen hin in die großen Entscheidungen einzuschalten, und sucht es zu vermeiden, das stark entwickelte Pre» stigegefühl des Repräsentantenhauses pnd noch mehr des Senates allzu sehr herauszu­fordern.

Stoff zu Konflikten wird es im Kongreß sehr bald geben. Zur Entscheidung steht zu­nächst eine typisch amerikanische Streitfrage, nämlich die Einziehung der bisher vom Wehrdienst befreiten Familienvater, die von der Regierung verfügt worden ist und am 1. Oktober beginnen soll. Der Kongreß hat sich bisher gegen eine solche Einziehung ge­sträubt. Er weiß ganz genau, daß diese Maß­nahme höchst unpopulär ist. und vor allem die Mitglieder des Repräsentantenhauses haben keinerlei Lust dazu, sich unmittelbar vor den Wahlen den Unwillen ihrer Wäh­ler zuzuziehen. Schon werden von verschie­denen Seiten Eingaben angekündigt, die den Familienvatern zunächst bis Januar 1944 eine weitere Gnadenfrist gewähren wollen in der Hoffnung, daß bis dahin eine neue Situation entständen oder eine neue Rege­lung gefunden worden ist, die eine so un­populäre Maßnahme vielleicht unnötig macht.

Die Gegner dieser Maßnahme begründen ihren Widerstand mit dem Hinweis "darauf, die USA. hätten bereits eine Wehrmacht von mehreren Millionen Mann aufgestellt, die nur zum allerkleiusten Teil eingesetzt sei. Was soll, so fragen sie, dieser riesige militärische Apparat? Im Kriegsdepartement zu Wa­shington weist man demgegenübevbarauf hin, daß angesichts der Verpflichtungen der USA. in aller Welt die jetzige Wehrmacht keines­wegs zu groß sei. und daß man in Zukunft entgegen der allgemeinen optimistischen Auf­fassung der Bevölkerung mit schweren und blutigen Kämpfen und den entsprechenden Verlusten rechnen müsse. Die ungewöhnlich schweren Verluste bei Salerno stützen natür­lich die Auflassung des Kriegsdevartementz.

Dils Entwicklung der Lage in Italien war überhaupt ein schwerer Schock für die ameri­kanische Oeffentlichkeit. Statt des erwarte­ten militärischen Spazievganges nach Rom und Tu .in sah sich die amerikanische 5. Arme« unter General Clark plötzlich in blutige und ver-lüstreicha Kämpfe Lei Salerno verwickelt. „Viele amerikanische Mütter werden weinen, wenn die nächsten Nachrichten aus Europa kommen", erklärte ein amerikanischer Jour­nalist. Im Kongreß beschuldigt man ange­sichts dieser Lage die Rcgieruna. sie Habs der Oeffentlichkeit ein viel zu günstiges Bild der allgemeinen militärischen Lage ge­geben, und Roosevelt sucht dieser Kritik 'geq