Ausgabe 
(22.9.1943) 262
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Hayeszettuny

vos flmtsbiatt des Negierenden vürgermcislcrs der Zielen kiansestavt vremen

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Nr. 282 , 1Z. Iaiirgang

Mittwoch. 22. September 184Z

der Nationcrlldzi>Ll.isterr Vremens

flmtliches verkündungsblat« des Ncichsstattlialters in Old enburg und vremen

kmzelpreis l5 ttpf.

Lsrge von i-eickendei Lslerao

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(Drahtbericht unseres Vertreters»

r6. Madrid, 21. September. Die großen Verluste der Anglo-Amerikaner bei Salerno sollen nicht zur Kenntnis der Oeffentlichkeit in den alliierten Ländern kommen. Die offi­zielle Nachrichtengebung sucht entsprechende Meldungen zu unterdrücken oder abzumil­dern. Neuerdings wurde auch vor allem für Briefe, die nach Amerika gehen, eine scharfe Zensur eingeführt. Trotzdem läßt sich die Wahrheit auf die Dauer nicht verheimlichen.

So wird aus Gibraltar gemeldet, die Lei­chen der englisch-amerikanischen Soldaten hätten sich an der Küste und auf den Lan­dungsbooten zu Bergen gehäuft. Man habe sie nicht an Land beisetzen können und des-

krs!s" Ilslisner mit I-eisiksrrlsn

Drahtbericht unseres Vertreters

dkk. Lissabon, 21. September. Wie aus Anspielungen in der englischen Presse zu ent­nehmen ist, haben sich diefreien Italiener" in Großbritannien als Söldner für England angeboten und gebeten, sie in Italien unter Montgomery einzusetzen. Offenbar haben sich aber die Engländer über den neuen Bundes­genossen nicht gerade begeistert geäußert. Es scheint, daß ihnen das rechte Zutrauen zu der Kampffreudigkeit dieser als Besitzer von Eissalons und Südfruchthandlungen in Lon­don lebenden Badoglio-Anhänger fehlt.

DerDaily Sketch" ist sogar so grob, diese Vorgänge zu .illustrieren, und zwar mit einem Leierkastenmann, auf dessenInstru­ment" ein Affe sitzt. Der Vadoglio-Mann streicht sich unsicher sein uyrasiertes Kinn, und auch der Affe scheint nicht ganz mit dem martialischen Entschluß einverstanden zu sein. Ilebrigens, so meint das Blatt, werde man diese Italiener, die sich angeblich auch aus anderen Ländern jetzt zu den alliierten Fah­nendrängen", erst ein halbes Jahr instru­ieren müssen, bevor sie einsatzbereit seien. So scheint aus derschönen Geste" nicht viel Positives herauszukommen.

Das einzig Positive wird sein, daß Herr Pachiardi, der frühere Befehlshaber italieni­scher Freiwilliger bei den Rotspaniern, diese Gelegenheit benutzt, um von den militäri­schen Stellen in London ein paar Pfund für seineantifaschistische Miliz" zu erpressen. Herrn Pachiardi ging es in letzter Zeit recht schlecht, und er ist deshalb auf diese Idee verfallen, um sich wieder Einnahmen und eine schöne neue Uniform zu verschaffen. Aber offenbar sind sogar die Engländer diesmal nicht bereit, sich in so plumper Weise nas­führen zu lassen und legen denFreiheits­kämpfern" nahe, doch lieber beim Leierkasten zu bleiben.

«inyulsp Vooä gestorben

Stockholm, 21. September. Nach einer Reutermeldung ist der britische Schatzkanzler Kingsley Wood am Dienstag gestorben.

tteus KMsrkrvurliLgsr

Führerhauptquartier, 21. September. Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Oberstleutnant Heinrich B ro ri­sset von Schellen darf, Komman­deur eines Panzergrenlrdier-Rcgiments; Ritt­meister Hans B ö h m e r, Kommandeur einer Aufklärungsabteilung: Feldwebel Georg

König, Zugführer in einem Panzer-Regi­ment. ,

Ritterkreuzträger Oberleutnant d. Res. Karl-Heinz Wiihelm aus Lüneburg fand am 14. August an der Ostfront den Helden­tod.

halb Massenbeerdigungen im Meer vorge­nommen. Es wird berichtet, daß Sonder- kommandos die Leichen in besonderen Booten auf die See hinausgefahren, dort in Lein­wand eingenäht, mit Blei beschwert und nach einem kurzen Zeremoniell versenkt hätten. Die Schlacht mit ihren gewaltigen Eindrücken habe auf die jungen Soldaten, die hier ihre Feuertaufe erlebten, derart eingewirkt, daß es zu vielen Nervenzusammenbrüchen gekom­men sei.

Darüber'braucht man sich nicht zu wun­dern, wenn man bedenkt, daß vornehmlich den Amerikanern der Einmarsch in Italien als eine Art Spaziergang geschildert wor­den ist. Um so nachdrücklicher mußte dann die Wirkung der erfolgreichen deutschen Ab­wehr sein, die dem Gegner hohe Verluste bei­brachte. Es ist begreiflich, daß Roosevelt das größte Interesse daran hat, nur nichts von dem blutigen Verlauf der Schlacht bei Sa­lerno an die USA.-Oeffentlichkelt gelangen zu lassen. Das würde seiner Propaganda, die er zu seiner Wiederwahl als Präsident betreibt, auch sicherlich sehr wenig zuträg­lich fein. Vielleicht würden auch die Väter und Mütter, die 'ihre Söhne weit entfernt von der Heimat für den jüdischen USA.- Imperialismus opfern sollen, an jenes Ver­sprechen Roosevelts erinnert werden, das er bei einer Wahlversammlung am 30. Oltober 1940 gab, wo es ihm auch nur auf Stimmen­fang ankam:Während ich jetzt zu euch spreche, Mütter und Väter, gebe ich euch die Versicherung: niemals werde ich eure Söhne in irgendeinen fremden Krieg entsen­den...!" Roosevelt entsendet sie nicht nur in einen fremden Krieg, sondern er läßt sie auch dort für eine Sache, die nicht die Sache des USA.-Volkes ist, rücksichtslos verbluten.

Auch die umfangreichen Schiffsoerluste der Alliierten werden in Meldungen aus Gibral­tar erkennbar. Die bei Salerno schwer be­schädigten Schiffe können, wie berichtet wird, in absehbarer Zeit nicht repariert werden Die Docks und die Häfen in Nordafrika kön­nen keine weiteren Aufträge annehmen, ob­wohl sie in letzter Zeit bedeutend vergrößert worden sind. Die am meisten mitgenommenen, darunter Motorschiffe modernster Bauart, sollen sofort zur Verschrottung kommen.

76 von 10V Lovjstpsnrkrn vermeinet

Oerllictie Kämpfe in 8ükiitslien

Aus denr Führerhauptquartier, 21. September. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Nördlich des Asow-Meeres, östlich des mitt­leren Dnjepr, an der Desna und im Raum von Smolensk führten unsere Truppen auch gestern schwere Abwehrkämpfe gegen starke feindliche Infanterie- und Panzerkräfte. Im Abschnitt eines Armeekorps wurden dabei aus einer feindlichen Stoßgruppe von etwa 1VÜ Panzern 78 vernichtet. In den harten Kämpfen nördlich des Asow-Meeres zeichne­ten sich die fränkische 17. »nd die niedersäch­sische 111. Infanterie-Division besonders aus.

Aus Süditalien wird örtliche Kampstätig­keit in den Abschnitten von Salerno und Potenz« gemeldet. Mehrere feindliche An­griffe wurden dort abgewiesen.

In der vergangenen Nacht überflogen einige feindliche Störslugzeuge das Reichs-

Sie bleiken Kampier tür t^ur^ps. Begi-ilrierung uer k-»Li«,!l>gen, oie mit Lvsckeu oem verräte- ,-iseNen Ssckoglio-Nesime Uen Bücken gekeiirt Usben unü ckem Duee 1>eue kalten «ollen

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Daß es einenNervenkrieg" gibt, und was alles darunter zu verstehen ist, das weiß nie­mand besser als der Parteigenosse. Er steht gewissermaßen im Schützengraben dieser merk­würdigen Begleiterscheinung jedes Kriegs­geschehens; er erlebt denNervenkrieg" im steten Umgang mit starken und schwachen Volksgenossen, mit anständigen und weniger charakterfesten, mit überzeugten und 'chwan- kenden. Seit der Stunde, in der wir Natio­nalsozialisten wurden, kennen wir auch selbst .,_ __iede Form der Seelcnzustände, die den Men­gebiet und warfen vereinzelt Bomben, durch schen im Zeichen großer kämpferischer Aus- die nur unwesentliche Schäden entstanden. I einandersetzungen erfassen und ihn um so

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Drahtbericht unseres Vertreters

k>p. Genf, 21. September. Ueber die Hun­gersnot in Indien schreibt der Londoner Korespondentr derNeuen Züricher Zei­tung":Aus Kalkutta wird berichtet, daß dort täglich 40 obdachlose Menschen verhun­gern. In Burdwan, einer etwa 100 Kilo- meter nordwestlich von Kalkutta gelegenen Bezirkshauptstadt, deren gegenwärtige Be- völkerungszahl nicht festzustellen ist, die aler vor 20 Jahren etwa 35 000 Einwohner hatte, sterben täglich 20 bis 25 Menschen infolge vcn Nahrungsmittelmangel. Gleichzeitig verbreiten sich Seuchen, vor allem Cholera und Typhus, mit erschreckender Schnelligkeit. Offiziell wurde festgestellt, daß bei richtiger Verteilung die vorhandenen Nahrungsmittel für die Ernährung der ganzen Bevölkerung ausreichen würden.

In der Provinz Bengalen sind 650 000 Personen ohne Nahrung. In Punjab herrschte obendrein großer Arbeitermangel in den Landwirtschaftsbetrieben, da alle jungen Männer zum britischen Heer eingezogen wor­den sind. Die Punjabregierung forderte da­her die sofortige Entsendung von 500 000 Arbeitern nach dem Punjab.

In Kalkutta und anderen Städten der Provinz Bengalen stirbt die indische Be­völkerung noch immer vor Hunger in den Straßen , so heißt es in einer Reuter-Mel­dung aus Kalkutta. Nach einer englischen Statistik sei«n vom 1. August bis 15. Sep­tember allein in Kalkutta 1200 Menschen den Hungertod gestorben, 3500 Personen seien wegen Unterernährung in die Kran­kenhäuser eingeliefert worden, denn infolge der schlechten Ernährungslage sei die Bevöl­kerung überhaupt nicht mehr widerstands­

fähig. In den drei Tagen vom Freitag bis Sonntag vergangener Woche seien in die Krankenhäuser von Kalkutta 558 Personen eingeliefert worden, von denen 186 starben. (Wenn Reuter solche Zahlen nennt, wieviel Verhungerte müssen es dann in Wirklichkeit sein!)

Tausende von Indern in Bengalen seien, heute der grausamsten Form des Todes, dem langsamen Dahinvegetieren, ausgesetzt, er­klärte eines der beiden weiblichen Mitglie­der der zentralen gesetzgebenden Versamm­lung, Frau Renuka Rah, in einem Appell an die Frauenorganisationen. Die katastro­phalen Auswirkungen seien in einigen Be­zirken so groß, daß, wenn nicht sofort um­

fangreiche Hilfsmaßnahmen eingeleitet wür­den. 50 v. H. der Bevölkerung Hungers stür­ben und Tausende ohne Hoffnung auf Ge­sundung aufs Krankenlager geworfen wür­den. Wie Berichte aus Silchar an der Grenze von Bengalen und Assam besagen, treffen dort täglich Hunderte von verhungerten und verelendeten Männern, Frauen und Kindern vom Süden und Osten der Provinz Bengalen ein. Sie schleichen in einem bejammerns­würdigen Zustand wie wandelnde Skelette von Tür zu Tür, um sich etwas Nahrung zu erbetteln. Zahlreiche Inder werden in den Straßen von einem Echwächezustand be­fallen und müssen in ein Krankenhaus ge­bracht werden, wo viele von ihnen sterben.

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Rom, 21. September. DerSender der faschistischen Regierung" teilt noch einige Episoden aus der Gefangenschaft des Duce mit, die dieser persönlich in den letzten Ta­gen berichtet hat. Als der Duce sich zu der letzten Audienz beim König begeben habe, sei ihm sofort dessen Nervosität aufgefallen. Der König sei ständig im Zimmer hin und her gelaufen und habe vor sich hingemurmelt: Der Krieg ist verloren, alles ist verloren!" Auch während der folgenden Unterhaltung mit dem Duce habe sich der König ständig wieder unterbrochen und immer die gleichen Worte vor sich hingesprochen.

In den ersten zwei Tagen seiner Gefangen­schaft, so teilte Mussolini weiter mit, habe er nichts zu seiner Verfügung gehabt, noch

nicht einmal ein Taschentuch. Danach erst sei ihm auf seinen Wunsch ein kleiner Koffer mit den notwendigsten Gebrauchsgegenstän­den besorgt worden. Gleichzeitig habe er eine lakonische Mitteilung von Badoglio erhal­ten, in dem dieser ihm mitteilte, er dürfe sich nicht etwa als Gefangener betrachten, son­dern müsse die augenblicklichen Maßnahmen bezüglich seiner Person als Schutz gegen ein drohendes Attentat ansehen. Mit einer ge­wissen Rührung berichtet der Duce von dem Polizeiwachtmeister Negrelli, der sich, als ihm der Gefangene vorgeführt wurde, nicht habe beherrschen und nur schwer seine Trä­nen habe zurückhalten können. Schließlich habe der Duce selbst ihm zureden müssen, um ihn wieder zu beruhigen.

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?k. 21. September. Räumung.en ungün­stiger oder wertlos gewordener Positionen gehen in der Kriegsgeschichte häufig Hand in Hand mit erfolgreichen Operationen oder Planungen, die letzten Endes dem Gegner das Heft aus der Hand schlagen. Das be­zeichnende Merkmal für die im Laufe der östlichen Sommerjchlacht vorgenommenen Frontbegradigungen wird die Geschichts­schreibung dieses Krieges darin schen, daß sie parallel mit außerordentlich wirkungs­vollen Abwehrschlachten erfolgten die den bolschewistischen Angreifer zum Weißbluten brachten und ihn das Hundertfache der eige­nen Verluste an Menschen und Material ko­steten, mithin also ein wichtiges Glied waren in der langsamen, aber stetigen Zermürbung der furchtbarsten Kriegsmarine, die jemals gegen Europa aufgeboten wurde.

Auch die Räumung von Noworossijsk, dem südlichsten und am meisten exponierten Punkt unserer Ostfront, muß unter Sem strategischen Grundsatz betrachtet werden, daß es besser ist. seine Kräfte vorteilhaft weiter rückwärts zu konzentrieren, als sich, an eine einzelne Position gelehnt, in einen zweifel­haften Kampf verstricken zu lassen. Das Vorspiel, aber keineswegs die Voraus­setzung der Räumgng war. das für die Dolschewisten sehr verlustreiche Landungs­

unternehmen, bei dem ein großer Teil der gelandeten Truppen mit ihrem Material vernichtet wurde. Neben den vielen zerstör­ten Landungsbooten und Kriegsschiffsein­heiten und den dabei ertrunkenen sowje­tischen Soldaten wurden allein im Westteil des Hafens 450 Gefangene eingebracht, 1380 Bolschewisten getötet, sieben Geschütze, 21 Gra­natwerfer und 83 Maschinengewehre erbeu­tet. Nur östlich der Stadt war es dem Feind nach ebenfalls empfindlichen Verlusten gelungen, seinen Landekopf zu vergrößern und die Verbindung mit der vom Süden heranführenden Küstenstraße herzustellen.

Im Kampf um Noworossijsk, das die So­wjets acht Monate lang vergeblich berannt hatten, waren übrigens die naturgegebenen gelänbemäßigen Vorteile durchaus auf fei­ten des Feindes. Am Ostufer der Zemeßkaja- bucht besaßen die Bolschewisten von jeher die günstigere Bergflanke, die, mit schwerer Artillerie bespickt, gewissermaßen die Rolle des Mammutschlachtschiffes erfüllte, das den ganzen Raum der in breiter Mulde an der offenen Bucht gelegenen Stadt bestreichen konnte. Dazu kam die durch den im Februar gebildeten Landekopf geschaffene Belage­rungsflanke, die aber trotz laufender Ver­stärkungen durch schwere Batterien. Granat­werfer und neu herangeführte Kräfte im

Augenblick der planmäßigen Räumung nicht um einen Zoll verschoben werden konnte.

Glanzleistung militärischer Organisation

Noch am Abend vor der Räumung waren den Bolschewisten erhebliche Einbußen durch Angriffe auf der Erde und aus der Luft zugefügt worden. Stukas hatten vor allem die große Zementfabrik, in der die Sowjets Fuß gefaßt hatten, in mehreren Ctoßangrif- fen bombardiert. Von Beginn der Dämme­rung an und während der ganzen Nacht flo­gen unsere bewährten Kampfflugzeuge un­unterbrochen, jede Handlung des Feindes verhindernd, Angriffe auf den von den Bol­schewisten besetzten Ortsteil der Bucht und die Küstenstraße, ihre einzige Nachschubader. Bei Einbruch der Nacht rollten von Eaida her auf dem Bahndamm, dessen Gleisanla­gen bereits gesprengt waren, zahlreiche Sturmgeschütze vor und verhinderten durch einen Feuerregen, den sie zwischen die Bol­schewisten und die eigenen Stellungen legten, jedes eventuell geplante unmittelbare Nach­stoßen der feindlichen Kräfte. Eine vorüber­gehend eingeschlossene deutsche Pioniergruppe hatte sich durch kühnes Handeln bereits frei; gekämpft, ebenso hatten sich die aus der Ze- mentjabrik abgedrängten schwachen eigenen

Kräfte unbemerkt über die Berge zurückge­zogen.

Die planmäßige Räumung der Stadt lief wie ein Uhrwerk mit vollendeter Präzision und vom Feinde so gut wie ungestört ab. Nachdem bereits seit Tagen alles Material, rollendes und anderes, aus dem Ort ent­fernt worden war, rückten am 15. September nach Einbruch der Dunkelheit auch die Jn- fanterienachhut, schwäbische und bayerische Grenadiere und ihre Luftwasfenkameraden ab. Alle wichtigen Gebäude und Anlagen wurden gesprengt. Der Feind sollte nichts vorfinden als ein nutzloses Trümmerfeld, Kein Ewräubchen, kein Reserverad, kein Schuß Munition, kein Bunker oder Unter­stand, ja nicht einmal Schrottmatepial irgend welcher Art durften in seine Hände fallen. Vor allem der Hafen mit seinen Docks und Anlagen wurde auf lange Zeit unbrauchbar gemacht.

Vor der Nase des Feindes

Als unsere Truppen schon längst abgerückt waren, führten die Bolschewisten noch im Laufe der Nacht Bombenangriffe auf das menschenleere Trümmerfeld durch. Die schwere Artillerie beschoß die lodernden Brandstätten und Sprengungen und ver-

(Fortsetzung aus Seite Lj

stärker mitreißen, je letdenschaftlicher er seine Zeit miterlebt. Es ist nicht so, daß der, den eine tiefe Ueberzeugung erfüllt, den Gescheh­nissen kalt gegenüberstünde, wie es seinen Mitmenschen zu sein scheint, weil sie ihn stets gelassen sehen. Im Gegenteil, von guter wie von schlechter Nachricht ist er oft tiefer er­griffen als viele ahnen. Aber er hat einen festen Standpunkt, er weiß, was er will. des­halb ntag sein Gemüt erregt werden, aber er schwankt nicht in seiner festen Haltung, er wird nicht von den Geschehnissen hin und her gerissen-, sondern seine innere Beteiligung äußert sich nur in kratziger Willenskundge­bung.

Wer wie wir Nationalsozialisten sein Leben der Freiheit und Größe seines Volkes ver­schrieben und verschworen hat, der besitzt auch eine unerschütterliche Vorstellung von der Kraft- die in unserem Volke ruht. Seine innere Einstellung zu allen Dingen des Krie­ges ist bestimmt von der festen Ueberzeugung, daß dieses deutsche Volk jugendlich gesund und unüberwindbar stark ist, und daß seine Kraft nur richtig gelenkt werden muß. um das nationale Leben in jeder, auch der stärk­sten Bedrohung zu behaupten. Wer.Natio­nalsozialist ist, weiß deshalb, daß das Schick­sal und die Zukunft unseres Volkes niemals von einzelnen Erfolgen oder auch Mißerfol­gen entschieden werden, nicht in Mariopul oder Brjansk, auch nicht in Sizilien oder in Salerno wird der Krieg gewonnen oder verloren für ein Volk, das den Glauben an dir eigene Kraft fest in sich trägt, das mit letzter Entschlossenheit um seine Existenz und Zukunft kämpft, gibt es überhaupt kei­nen Geländepunkt, von dessen Besitz oder Verlust er seine Einstellung zum Kriege grundsätzlich beeinflussen ließe.

Wer eine große Zukunft gewinnen will, muß auch Verluste ertragen können, ohne durch sie das Vertrauen zu sich selbst zu ver­lieren, Wer im Nehmen stark bleibt, dem reift die Stunde des entscheidenden Zu- packens wieder heran. Wer aber in nervöser Verblendung sich verleiten läßt, auf seine eigene Kraft zu vergessen, der verliert sein Leben nicht durch den Ansturm von außen, sondern durch sich selbst. Es gibt keine bessere Lehre als jene, die uns in diesem Sommer in dem italienischen Beispiel zuteil gewor­den ist. Ich meine dabei nicht nur die bittere Erfahrung, die das italienische Volk aus der Schwäche und dem Verrat der Badoglio- Leute ziehen mußte, sondern auch das' Er­lebnis für uns: wie aus im ersten Augen­blick sehr ernsten und sehr überraschenden Nachrichten durch ein festes Hartbleiben neue Chancen sich eröffneten und ein Zustand sich entwickelte, der durch endlich eingetretene Klarheit sich vorteilhaft von dem früheren unterscheidet.

Wir Parteigenossen, die wir auch durch die gerade uns stark bewegenden Geschehnisse des 25. Juli nicht erschüttetr wurden, haben wieder einmal recht behalten. Keiner von uns»! konnte damals ahnen, was inzwischen gekommen ist. aber jeder van uns wußte schon damals, daß es auch gegenüber dem Verrat Badoglios Mittel und Wege geben mußtq, um den Kampf entschlossen fortzu­setzen. Auch ohne die politischen Fehler der Churchill und Roosevelt die es dem Führer ermöglichten, die Siziliendivisionen zu ret­ten und so sorgfältige militärische Maßnah­men zu treffen, daß der Italienfeldzug für unsere Feinde kein Spaziergang mehr ist. sondern eine Blutprobe sondergleichen wird, auch ohne diese glückliche Entwicklung hätten wir dem /Feinde ein Halt geboten, ganz gleich, wo er uns gegenübergetreten wäre. DasFmögen sich unsere Feinde merken, daran mögen sie und alle jene denken, die die Größe dieses Ringens noch ebensowenig erfaßt ha­ben wie die Stärke eines Volkes, das um sein Leben kämpft.

Gegenüber solchen Ereignissen standhaft zu bleiben, bedeutet gleichzeitig auch, allen son­stigen Erscheinungen des Nervenkrieges völlig unzugänglich werden. Wer einen festen Standpunkt gewonnen hat und sich in jeder Lage klar darüber ist, daß nichts geschehen ist und geschehen kann, was unsere Grund- einstellung und die Ueberzeugung berührt, daß unser Volk, wenn es nur will, stark ge­nug ist, um sich frei zu erhalten und seine eigene Zukunft zu gestalten für den ist