Ausgabe 
(12.9.1943) 252
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Parletc:nrt>.iclie Layeszettuns

vos Amtsblatt des legierenden vürgermeisters der Zielen Hansestadt vremen

Nr. 252 , 1Z. Jalirgang

Sonntag, 12. September 1S4Z

der Nationalsozialisten, vremens

flmtliches verkündungsblatt des Nci chsstattlialrers jn Oldenburg und Vremen

kinzelpreis 15 Npf.

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Dratztbericht unserer Berliner Schriftleitung

<tr. v. sei,. Berti«, 1t. September. Jede Unterhaltung» die , man heute mit einem Volksgenossen sührt, bestätigt ebenso wie die zahlreichen Drahtmeldungen und Funksprüche aus allen Hauptstädten Europas, aus Süd- amerika und aus Ostasien den überwältigen­den Eindruck, daß die Rede des Führers drinnen und draußen wie ein mächtiges, befreiendes Gewitter gewirkt hat. Sie hat Ausblicke des Krieges geöffnet, die unter dem schweren und bitteren Zwang diplomatischer Rücksichtnahme jahrelang ver­schlossen bleiben muhten, und auf eine gerade­zu erlösende Art Klarheit über den bisher zurückgelegten Weg und über die gegenwärti­gen Voraussetzungen des Kampfes und da­mit eine verstärkte Sicherheit unseres Sie­geswillens geschaffen.

Die durchschlagende Kraft dessen, was der Führer an diesem Wendepunkt ausgesprochen hat, mutzte überall in der Welt umso stär­ker empfunden werden, als sich jedes seiner Worte auf unabweisbare Tatsachen der Ver­gangenheit und auf entscheidende politisch- militärische Erfolge der letzten Tage und Stunden stützen konnte. Was die zurücklie­gende Zeit betrifft, so wird dem Führer in der ganzen Weltöffentlichkeit nicht eine ein­

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Berlin, 11. September. Eine britische Nachrichtenagentur berichtet aus dem alliier­ten Hauptquartier in Nordafrika, dah Mussolini sich als Gefangener in den Händen der Regierung Badoglio befinde. Alle technischen Voraussetzungen seien erfüllt, um gegebenenfalls Mussolini an die Alliiertenauszuliefern.

zige Stimme entgegenzutreten wagen, wenn er sich im Hinblick auf das Verhalten Deutsch­lands gegenüber Italien in jedem Abschnitt des Krieges bis zum grauenvollen offenen Verrat der Verschwörerbande um Badoglio dem Urteil der Geschichte anvertraut.

Die Darlegungen und Feststellungen des Führers gründen sich auf das genaue Wissen um Einzelheiten des Geschehens, die dem deutschen Volke und der Weltöffentlichkeit bis jetzt vorenthalten werden mutzten. Nun­mehr können alle Rücksichten fallengelassen werden. Von amtlicher deutscher Stelle wer­den heute diplomatische Dokumente ver­öffentlicht, welche die bodenlose Gemeinheit der römischen Verschwörer in ein? noch schrecklichere Beleuchtung stellen, als es trotz allem, was schon bekannt war, bisher inner­halb der Grenzen der Vorstellungskraft zu liegen schien.

Nachdem längst der schmählichste aller Waffenstillstandsverträge unterzeichnet wor­den war, brachten es nacheinander ein König, fein Marschall, sein Außenminister und sein Eeneralstabschef fertig, dem deutschen Ver­treter gegenüber mit feierlichstem Pathos und init maßlos übersteigertem Eifer das Festhalten an der Bündnistreue und den Willen zur gemeinsamen Fortsetzung des Kampfes bis zum äußersten zu versichern. Ueber die moralische Seite dieser Angelegen­heit braucht wirklich nichts mehr gesagt zu werden. Da dürfte Einmütigkeit der Beur­teilung bei allen anständigen Menschen auf der Erde, ja sogar bis hinein ins Feind- lager herrschen. Nach der Lektüre der doku­mentarischen Belege fehlen einem einfach die Worte, um den Gefühlen des tiefsten Ekels und des Schauderns vor solcher mora­

lischen Verkommenheit Ausdruck zu geben. Es kann schwerlich irgendwo in der Welt jemand den traurigen Mut aufbringen, um dieses Verhalten der schamlosesten Verräter der Geschichte auch nur andeutungsweise zu rechtfertigen. Ueber diesen Fall können die Akten geschlossen werden.

Wir wenden unser Interesse nunmehr vor allem der praktischen politisch-militärischen Seite der Angelegenheit zu. Der Verrat nahm schließlich darum so unheimlich infame For­men an, weil er nach der Anlage eines teuf­lischen Planes mit einem bisher unvorstell­bar gemeinen Betrugsmanöver gekoppelt sein sollte, dessen Zielsetzung eine Katastrophe kür die deutschen Truppen auf italienischem Bo­den war. Die römischen Verräter hatten sich in ihrer Erbärmlichkeit gegenüber den Ver­tretern der jlldisch-plutokratisch-freimaureri- s-chen Feindmächte verpflichtet, alles zu tun,

um den bisherigen Bundesgenossen durch Dolchstöße in den Rücken und durch die Er­richtung von Fallen in den militärischen Zu- sammenbruch mit hineinzureiten. Das ver­logene Pathos des Königs und seiner Ver­räterkumpane sollte dazu dienen, das wach­sende Mißtrauen auf unserer Seite, das tat­sächlich längst ein klares Wissen um die Tat­sachen war, zu zerstreuen und uns gegenüber den naiv-plumpen Schwindeltricks der ita­lienischen Militärs im Solde der britischen und amerikanischen Generalität aufgeschlossen und gefügig zu machen.

Das hätte diesen erbärmlichen Kreaturen so passen können, wenn wir ihren Bitten und ihrem Rat gefolgt wären und etwa die Leibstandarte nach Sardinien ge­schickt und eine größere Anzahl von Divi­sionen so über den Raum von Calabrien vcr- lFortsetzung auf Seite 2)

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Die bedingungslose Kapitulation der Re­gierung Badoglios ist die logische Fortsetzung des verräterischen Anschlages, dem am 25. Juli Mussolini und das faschistische Regime zum Opfer fielen, schreibt die „Deutsche Diplo­matische Korrespondenz." In der Stunde der schwersten nationalen Gefahr, der Landung der Engländer und Amerikaner auf Sizilien, erhob damals der Verrat fein Haupt gegen den Mann und die Regierung, die in zwan- zigjährigeln Ringen die Größe Italiens ge­schaffen hatten und die allein imstande wa­ren und sind, die Lebensansprüche des ita-

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Berlin, 11. September. Mit welcher Planmäßigkeit das italienische Oberkom­mando seit dem Staatsstreich oom 25. Juli den Dolchstoß in den Rücken der auf italieni­schem Boden stehenden deutsche» Truppen vorbereitete, ergibt sich aus fast allen Maß­nahmen, die es seit Ende Juli betrieb. Es war ihr Ziel, auf jede erdenkliche Weise die Kampfkraft der deutschen Verbände zu schwä­chen und ihre Beweglichkeit herabzusetzen, um die deutschen Truppen dann desto leichter an

die amerikanisch-britische Jnvasionsarmee verraten oder ihnen in den Rücken fallen zu können.

So war es bereits in der ersten August­hälfte auffällig, daß die Jnstandsetzu'ngs- arbeiten an Bahnanlagen, die durch ameri­kanisch-britische Luftangriffe beschädigt wor­den waren, von der italienischen Eisenbahn­verwaltung nur sehr schleppend und zögernd durchgeführt wurden. Das Angebot, die Wiederherstellung durch Einsatz deutscher Ei-

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Aus dem Führerhauptquartier, 11. September. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Raum von N o w o r o s s i j s k . wurde eine starke Landungsgruppe der Bolschewisten im wesentlichsten schon vor Erreichen der Küste durch Artilleriefeuer zerschlagen. Mit Resten gelandeter feindlicher Kräfte sind noch Kämpfe im Gange. Drei Kanonenboote, ein Wachboot und elf Landungsboote wurden von Verbänden des Heeres und der Kriegsmarine versenkt oder in Brand geschossen. Südwest­lich Mariupol, das nach völliger Zer­störung aller kriegswichtigen Anlagen plan­mäßig geräumt wurde, rieben deutsche und rumänische Truppen eine an der Küste des Asow-Meeres gelandete Kräftegruppe der Sowjets auf. Westlich Kraßnoarmeiskoje schlössen deutsche Panzerverbände die Masse einer sowjetischen Schützendivision" ein und vernichteten" einen feindlichen Divisionsstab. Im Kampfgebiet von Charkow und süd­westlich Konötop wurden starke feindliche Angriffe in erbitterten Kämpfen abgeschlagen und örtliche Einbrüche bereinigt oder abge­riegelt.

Im mittleren Frontabschnitt dauern an der Desna und südwestlich Kirow die schweren Abwehrkämpfe an. Westlich Wjas- ma scheiterten hartnäckige Angriffe der Sowjets. Vorübergehend in unsere vorder­sten Stellungen eingedrungene feindliche Kräfte wurden im Gegenstoß geworfen und dabei zahlreiche Waffen vernichtet oder er­beutet.

Die Sowjets verloren gestern an der Ost­front 203 Panzer. Die Luftwaffe setzte zahl­reiche feindliche Panzer außer Gefecht, ver­nichtete rund 2ÜV mit Truppen beladene

Fahrzeuge und zerstörte mehrere Nachschub­lager der Sowjets.

Im hohen Norden schössen schnelle deutsche Kampfflugzeuge einen feindlichen Kusten- schoner in Brand. Während der Nacht wurden Nachschubverbindungen und Truppenunter- künfte des Feindes an verschiedenen Front­abschnitten mit Bomben aller Kaliber belegt.

Die Entwaffnung des italienischen Bado- glio-Heeres steht vor ihrem Abschluß. Wo örtlich noch Widerstand geleistet wird, sind unsere Truppen in energischem Vorgehen. Die italienische Besatzung aus der Jniel Rhodos hat nach einem Angriff durch Sturzkampfslieger kapituliert. Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben die um Rom stehenden königlich-italienischen Gardeverbände in Stärke von zwei Panzer- nnd fünf Infanteriedivisionen unter dem Eindruck der energischen deutschen Maßnah­men ihre Waffen niedergelegt. Unsere Trup­pen sind in Mailand^ Turin und P a - dua einmarschiert. Die Seefestung Pola wurde übergeben.

Im Raum von Salerno stehen deutsche Truppen in erbittertem Kamps gegen starke britisch-nordamerikanische Kräfte. Die Höhen ostwärts der Kiistenniederung werden gehal­ten. Im Gegenangriff wurde verlorenes Ge­lände zurückgewonnen, wobei der Feind emp­findliche Verluste an Menschen und Material erlitt. Die Luftwaffe versenkte bei Angrijfen gegen Schiffsziele und gelandete Truppen im Golf von Salerno mehrere Transporter und Landungsboote. Zahlreiche Schiffe wurden beschädigt:

Wenige feindliche Flugzeuge flogen gestern i» den Küstenraum der besetzten Westgebiete ein. Ein Flugzeug wurde abgeschossen.

senbahnpioniere zu beschleunigen, wurde ab­gelehnt. Die Folge war, daß sich vorüber­gehend die Nachschub- und Versor­gungszüge für die in Süditalien versammelten deutschen Ver­bände stauten, bis die deutsche Führung zur Selbsthilfe griff.

In einem Zeitraum von weniger als vier Wochen ereigneten sich ferner 35 zum Teil sehr schwere Fälle von Sabotage an den deutschen Nachrichtenverbindungen. Die ita­lienischen Behörden unternahmen nichts, um diese "verbrecherischen Anschläge aufzuklären, so daß die Täter unerkannt blieben. Sie dürf­ten vielfach in den Kreisen des italienischen Fachpersonals zu suchen fein, worauf die sachverständige Ausführung der Sabotageakte hinweist. Wiederholt wurde auch von amtlichen italienischen Stel­len die Herstellung von, Nachrichtenverbin­dungen zwischen den deutschen Truppenteilen durch Verbotsmaßnahmen und andere Schi­kanen verhindert oder verzögert, während die gleichen Behörden bis zum 25. Juli bereit­willigst auf alle deutschen Wünsche eingegan­gen waren. Die Fälle, daß auf einzelne deut­sche Soldaten oder einsame Posten geschossen wurde, mehrten sich in der letzten Zeit auf­fällig.

Besonders aufmerksam aber wurde auf deutscher Seite beobachtet, wie man seit Ende Juli bemüht war, längs der wichtigen Ver­kehrswege, die von Deutschland nach Italien hineinführen, die Straßen- und Eisenbahn- brücken, die Tunnels und andere Kunst­bauten zur Sprengung vorzube­reiten.

Methodisch wurde den deutschen Truppen ferner jede Eeländeaufklärung verwehrt, zweifellos, um das eigene ver­räterische Treiben ungestört fortsetzen zu kön­nen. Das war in den alpinen Hochtälern bei­derseits der Brennerstraße ebenso der Fall wie im oberitalienischen Raum.

Alles in allem läßt das Verhalten des ita­lienischen Oberkommandos nach dem 25. Juli den Schluß zu, daß die italienische Führung spätestens seit diesem Zeitpunkt in heimlicher Verbindung mit den Amerikanern und Bri­ten stand und nach deren Weisungen han­delte. Hierher paßt auch eine Aeußerung des italienischen Generalstabschefs Roatta, wonach Badoglios Treueversiche­rung gegenüber Deutschland nur Kampf um Zeitgewinn sei. Dieses schäbige Verrätertum, das freilich der Aufmerksam­keit der deutschen Führung nicht entging, so daß der geplante Dolchstoß wirkungslos blieb, richtet sich selbst. Es wird seiner ge­rechten Strafe nicht entgehen.

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Berlin, 11. September. Das Auswärtige Amt veröffentlicht in der Deutschen Diploma­tischen KorrespoO>enz aus den letzten Tagen des Verrats des Königs Victor Emanuel. und des Marschalls Badoglio" folgende Tat­sachen:

1. September

Am 1. September 1943 fand eine Unter­redung zwischen dem Außenminister Eua- riglik und dem deutschen Geschäftsträger in Rom, Gesandten Dr. Nahn, statt. Der deutsche Geschäftsträger berichtete darüber am gleicher) Tage telegraphisch folgendes:

„Bei meiner heutigen Unterredung erklärte Euariglia: „Die Regierung Badoglio ist wie bisher entschlossen» nicht zu kapitulieren und den Krieg an der Seite Deutschlands fortzusetzen! Ich werde mich bei den militärischen Stellen Italiens mit aller Energie dafür einsetzen, daß sie diese Entschlossenheit in die Tat umsetzt unl zu einer immer engeren und konsequenteren Durchführung der militärischen Zusammen­arbeit führt."

3. September

Am 3. September meldete der deutsche Ge­schäftsträger folgendes:

„Marschall Badoglio bat mich heute zu sich und erklärte mir, angesichts der feind­lichen Landungen in Calabrien lege er Wext darauf, mie zu versichern.-daß Volk und Heer trotz der Erschütterungen der letzten Zeit fest in der Hand der Regierung seien. Er bitte um mein Vertrauen. Wörtlich fügte er hinzu: „Ich bin der Marschall Badoglio, und ich werde Sie durch Taten davon überzeugen, daß es nicht richtig war. mir zu mißtrauen. Natürlich ist die Friedenssehnsucht im Volke und vor allem bei den Frauen groß. Aber wir werden kämpfen und nie­mals kapitulieren".

Badoglio verabschiedete sich mit dem be­zeichneten überbetonten Bestreben, den Ein­druck der Zuverlässigkeit und Ehrenhaftig­keit zu erwecken."

Die vorstehenden Worte sprach Marschall Badoglio am 3. September, also an dem Tage, an dem er die Kapitulation der italienischen Streitkräfte unterzeichnete.

4. September

Am 4. September hatte der deutsche Ge­schäftsträger eine Unterredung mit dem Oberkömmandierenden der italienischen Wehr­macht. General Ambrosia. Der deutsche Geschäftsträger berichtete darüber:

„General Ambrosia führte lebhafte Klage darüber, daß deutscherseits ihm nicht mehr das der deutsch-italienischen Kriegskamerad­schaft entsprechende Vertrauen entgegenge­bracht werde. Er sei, so betonte General Am­brosia mit vollstem Nachdruck, nach wie vor von dem festen und aufrichtigen Willen zu gemeinsamer Wetterführung des Krieges er­füllt. Er bat mich, bei den deutschen militä­rischen Stellen dafür einzutreten, daß ein verstärkter freundschaftlicher Gedankenaus­tausch erfolge. Der ungewöhnliche Schritt Ambrosios hinterließ be-f mir den Eesamt- eindruck, daß es ihm darauf ankam, uns da­von zu überzeugen, daß er zur gemeinsamen Fortjetzung des Kampfes entschlossen sei".

8. September

Am 8. September wurde der Vertreter des Reiches, Gesandter Dr. Nahn, van König Victor Emanuel zu einem offiziellen Antrittsbesuch empfangen. In dem telegraphi­schen Bericht des Gesandten heißt es folgen­dermaßen:

„Bei meinem heutigen Antrittsbesuch sprach König Victor Emanuel zunächst über die allgemeine militärische Lage. Er ver­folg? mit Aufmerksamkeit die Kämpfe im

Osten, bewundere den Kampfgeist der deut­schen Truppen, deren soldatische Tradition, Organisation und Bewaffnung die italie­nische Armee leider nie erreicht habe. die Lage in Italien betreffe, so hoffe er, daß sich die Reichsregierung inzwischen von dem guten Willen der Bundestreue der Regierung Badoglios und der italienischen Armee überzeugt habe, und daß die in den letzten Tagen sich wieder anbah­nende vertrauensvolle Zusammenarbeit bald militärische Früchte trage. Italien werde niemals kapitulieren. Er sei überzeugt, daß einige kleine Schönheits­fehler in den nächsten Tagen verschwinden würden. Badoglio sei ein braver, alter Soldat, dem es auch gelingen werde, durch elastische Taktik den Druck der Links- kreije, die nach zwanzigjähriger Ausschaltung glaubten, ihre Stunde sei wieder gekom: in. in geeigneter Weise abzufangen. Zum Schluß betonte der König noch einmal den Willen, an der Seite Deutschlands, mit dem Italien auf Gedeih und Verderb verbun­den sei, den Kampf bis zum Letzten fortzusetze n."

Diese Erklärungen wurden von dem Kö­nig am 8. September, mittags, also am glei- lFortfetzung aus Seite L)

lienischen Volkes, seine Würde und Ehre, zu verteidigen. Der erste Verrat, dem Verrat nach innen, der das italienische Volk um alle jene sozialen und wirtschaftlichen Er» rungenschaften bringen sollte, die ihm der Faschismus .erkämpft hatte, ist jetzt der zweite Verrat, der Verrat nach außen, ge­folgt. Durch den Sturz Mussolinis wurde das italienische Volk der Anarchie ausgelie­fert. Jetzt, nachdem diese Drachensaat im Aufgehen begriffen ist. werdest zu den inne­ren die äußeren Feinde des italienischen Volkes ins Land gerufen, werden > bedin­gungslos die Waffen gestreckt vor Mächten, die die Vernichtung nicht nur des Faschis­mus, sondern des italienischen Volkes als Kriegsziel proklamiert haben.

Die Urheber dieses zweimaligen Dolch­stoßes in den Rücken eines schwer kämpfenden Volkes sind bekannt. Sie heißen Victor Emanuel, Kronprinz Umberto, Ba­doglio und als deren Werkzeug der Hof­minister Graf d'Acquarone, Botschafter Grandi und General Roatta. Hinter ihnen steht nicht das italienische Volk oder die italienische Wehrmacht. Sie stützen sich vielmehr auf eine Clique vc^erlandsloser Opportunisten, die ihre Existenz während des Faschismus geschickt zu tarnen wußten, um den Augenblick zu erspähen, in dem sie die Existenz ihres Volkes gegen den eigenen Vor­teil auszuspielen vermochten. Die internatio­nalen Verflechtungen des italienischen Hofes, die notorische Versippung dem Hofe nahe­stehender Familien mit . der anglo-amerika- nischen Plutokratie haben an diesem Verrat ebenso mitgewirkt, wie die Korruptheit eines Teiles der italienischen Generalität, die sich niemals damit abfinden konnte, daß der Faschismus das Salonsoldatentum der Ver­gangenheit in ein einsatzbereites Frontsol- datentum zu verwandeln suchte.

Victor Emanuel, Kronprinz Umberto und Badoglio aber haben nicht nur Verrat am eigenen Volk geübt, sie haben auch den deut­schen Bundesgenossen auf eine Weise zu hin­tergehen versucht, die hinter dem historischen Treuebruch Italiens an den Mittelmächten am 23. Mai 1915 nicht zurücksteht. Damals erklärte der Kaiser Franz Joseph von Oester­reich in einem Aufruf an seine Bölker: „Ein Treuebruch, desgleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreiche Italien an seinen besten Verbündeten begangen worden. Nach einem Bündnis von mehr als dreißig­jähriger Dauer, währenddessen es seinen Territorialbesitz mehren und sich zu ungeahn­ter Blüte entfalten konnte, hat uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden-^Fahnen in das Lager unserer- Feinde übergegangen. Wit haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschmälert, seine Ehre und seine Interessen nicht ange­tastet. Wir haben unseren Bllndnispflichten stets getreu entsprochen und ihm unseren Schirm gewährt, als es ins Feld ging. Wir haben mehr getan: als Italien seinen be­gehrlichen Blick über unsere Grenzen sandte, waren wir, um das Bllndnisverhältnis und den Frieden zu erhalten, zu großen und schmerzlichen Opfern entschlossen, zu Opfern, die unserem väterlichen Herzen besonders nahe gingen."

Diese Worte haben durch die Handlung Victor Emanuels, des Kronprinzen Umberto und Badoglios eine neue erschütternde Eül, tigkeit erfahren. Als am 25. Juli Mussolini und der Faschismus um die Macht gebracht waren, gaben Victor Emanuel und Badoglio eine Erklärung ab, in der sie versicherten, daß Italien treu zu seinen Bündnispflichten, gegenüber Deutschland stehen werde. „Der Krieg geht weiter", das war der Satz. der das Wort des italienischen Königs und sei« nes Ministerpräsidenten bekräftigte. Obwohl die Reichsregierung über die wahren Absich­ten des gegen Mussolini gerichteten Staats­streiches nicht einen Augenblick im Zweifel war, nqhm sie diese aus freien Stücken abge­gebene Erklärung zur Kenntnis und machte sie zur Grundlage ihrer Beziehungen zum Nachfolger Mussolinis. Die Reichsregierung tat dies in der berechtigten Hoffnung, daß die Reaktion in Großbritannien und den Vereinigten Staaten auf den Sturz Musso­linis auch die eingefleischten Gegner des Fa­schismus und die übelsten Opportunisten überzeugen mußte, daß das italienische Volk sich in einem Kampf nicht um die Aufrecht­erhaltung eines politischen Systems, oder des Bündnisses zu Deutschland, sondern um seine letzte Existenz befand. Freilich stellte sich schon bald heraus, daß der Gedanke des Verrats mächtiger war als jede reale Einsicht. So blieben die Fäden, die Badoglio zum Feind spann, der Reichsregierung nicht verborgen. Jetzt ist Victor Emanuel. der Vollstrecker des italienischen Treuebruchs gegen die Mittel­mächte im ersten Weltkrieg, zum Vollstrecker des Treuebruchs am Achsenpartner im zwei­ten Weltkrieg geworden.

Wie damals, so wird auch diesmal dem italienischen Volk aus dem Verrat nur Un­glück erwachsen. Die gleichen Mächte, denen Victor Emanuel und Badoglio das italieni­sche Volk heute auf Gnade und Ungnade aus­geliefert haben, betrogen Italien i'm Frieden von Versailles. Damals waren Eroßbritan«