Ausgabe 
(10.9.1943) 250
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ParietLEticlie Layeszettnny

Das pmtsdlatt des Negierenden VÜrgermeisters der §reien Hansestadt vremen

der NationaildziaMen. Bremens

flmtliches verkündungsblatt des Ncichsstatttialters in Oldenburg und Nremen

Nr. 250 , 1Z. 7atsrgang

Zreitag, 10. September 1S4Z

kinzelpreis 15 Npf.

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kegienma im Namen Wasoliais

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oa der italienische« E r « n z e, I faschistische Nationalregierung gebildet, sie S. September. Die italienische faschistische > arbeitet im Sinne Mussolinis. Die

Nationalregierung hat einen Aufruf a« das italienische Volk erlasse«, der durch Rundfunk verbreitet worden ist. In diesem Aufruf heißt es u. a.:

Pietro Badoglio hat seinen Verrat vollendet. Derjenige, der als Generalstabs- ches Italiens beim Eintritt Italiens in den Krieg verantwortlich ist für seine man­gelnde militärische Vorbereitung, ist jetzt da bei, das Vaterland den Feinden auszulie fern. Der Mann, der durch Jahre hin durch den Duce getäuscht hat, und der auf dem Wege über die Niederlage hart­näckig die Macht angestrebt hat» beabsichtigt - letzt, seinen monströsen Plan auszuführen durch den das Vaterland für immer verstüm melt werden soll. Ein Vaterland ohne Si zilien, ohne Sardinien, ohne die über­seeischen Besitzungen, voraussichtlich auch ohne Süditalien, das ist die düstere Aussicht, die sich dem Schicksal -es Vaterlandes eröffnet.

Der Verrat wird nicht vollen­det «erden! Es haj sich eine italienische

venoaäsrs Koks ksinüvsrlusts im Vonvrdsrksn

Erwarteter Verlauf der Maßnahmen gegen den Verrat Badoglios

Aus demFührerhauptquartier. 8. September. Das Oberkommando der Wehr­macht gibt bekannt:

Im Don.ezbecken führen die Sowjets neue Truppenverbände in die Schlacht, die uuter besonders hohen Verlusten für den Feind anhält. Südlich und westlich Char­kow scheiterten mehrere feindliche Angriffe. Im upttleren Frontabschnitt griffen die So­wjets nur im Raum westlich Kirow mit stärkeren Kräften an. In den übrigen Ab­schnitte«-war die feindliche Angriffstätigkeit schwächer als an den Vortagen. Eine im Verlauf der Abwehrkämpfe eingeschlossene feindliche Gruppe wurde vernichtet.

Deutsche und rumänische Fliegerverbände unterstützten auch gestern in zahlreichen Ein­sätzen die Truppen des Heeres. Dabei er­zielte Oberleutnant Nowotny» Führer einer Jagdfliegergruppe, seinen 198. bis 299. Luftsieg.

An der Ostfront wurden gestern 298 Pan­zer abgeschossen.

Im Finnischen Meerbusen beschossen Ma- rinebatterien der Insel Tytaers einen so­wjetischen Minenräumverband. versenkten ein Minensuchboot und beschädigten zwei weitere schwer.

Bei den verbissenen Kämpfen westlich Tharkow haben sich die Panzergrenadier- DivisionErohdeutschland", die hessische 11.» die «iedersächsische 19. Panzerdivision und die rheinische 31. Infanteriedivision beson­ders ausgezeichnet.

In Südfrankreich, in Italien und auf dem Balkan, wo deutsche und italie­nische Truppen bisher gemeinsam gekämpft haben, siüd alle Maßnahmen im Gange, die durch den Verrat der Regierung Badoglio notwendig wurden. Sie nehmen den von uns erwarteten Verlauf.

An der calabrischen Westküste griff ein Verband deutscher Schlachtflugzeuge feindliche Landungskräfte in der Bucht von Eufe- mia an, versenkte einen Truppentranspor­ter und erzielte Bombentreffer schweren Kalibers auf vier großen Schiffen, darunter einem Kreuzer.

Bei Angriffen starker britisch-nordameri« konischer Bomberverbände auf die besetzten Westgebiete und über dem Atlantik wurden ' elf feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Schnelle deutsche Kampfflugzeuge warfen in der vergangenen Nacht Bomben auf mili­tärische Ziele in Süd- und Mittelengland.

faschistische Nationalregierung wird unnach- fichtlich jeden Verräter bestrafen, die ein­zigen wahren Verantwortlichen für unsere Niederlage. Sie wird alle Mittel anwenden, um Malren mit unverletzter Ehre und mit der Möglichkeit eines weiteren Lebens in der Zukunft aus dem Kriege herauszuführen.

Es ist zu Ende mit der traurigen Phrase einer sogenannten Freiheit, die aufgezwun- gen wurde durch den Belagerungszustand, Polizeistunde und die Zensur. Das reine Blut der Euardisten und Soldaten, die in den Tagen der Schande ermordet wurden, fällt zurück aus die Köpfe der Mörder, der gerin­gen sowohl wie vor allem der hochgestellten. Zu Ende ist es mit dem Abgleiten in den Bolschewismus. Zu Ende ist es mit dem Wiedererscheinen der alten Männer in einem Italien, das die Tore der soldatischen Ju­gend öffnen wird und das die durch Opfer

und kriegerische Leistung erworbenen An­sprüche anerkenne« wird. Um unser Banner reihen sich zusammen mit den Soldaten und der Jugend die Kräfte der Arbeit, deren auf dem sozialen Gebiet mit dem Faschismus angetretener Marsch unter dem Faschismus ans Ziel gelangen wird."

Der Aufruf schließt mit einem Appell an die italienischen Soldaten:Soldaten! Ge­horcht nicht faschen Befehlen des Verrates, weigert euch dagegen, daß ihr dem Feinde ausgeliefert werdet, weigert euch dagegen, daß ihr gegen eure deutschen Kameraden kämpfen sollt! Alle die, denen es möglich ist, sollen den Kampf an der Seite der Deutschen fortsetzen. Die anderen sollen nach Hause ge­hen in ihre Dörfer und ihre Städte in Er­wartung weiterer Befehle. Aus Leid und Schmach soll nach unserem Willen ein reines und mächtiges Italien auferstehen!

Die italienische faschistische National­regierung."

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Kkoot/snr /vsikvit unc/ Oncrbliängigks/t nunms /15 untzsLcjilcmkt

Agram. 9. September. In der Nacht zum Donnerstag hat der Poglavnik eine Pro­klamation an das kroatische Volk erlassen, in der die Wiederinbesitznahme der an Italien abgetretenen Gebiete des Küsten­landes und Dalmatiens angekündigt wird.

In dem Aufruf des Poglavnik heißt es: In dieser geschichtlichen Stunde vereinigen wir uns um unsere-Wehrmacht, ^die gemein­sam mit der verbündeten deuffchen Wehr­macht die kroatischen Länder an der Adria befreien wird. IN" dieser Stunde vereinigen wir uns in der Liebe zum Vaterland und zu jenen unglücklichen Bürgern, die wir be­freien und ans Herz drücken werden ver­einigen wir uns alle in dem Gedanken nur an das Glück und um die Freiheit des kroa­tischen Volkes und an den eigenen unabhän­gigen Staat Kroatien. Der kroatischen Wehr­macht habe ich den Befehl erteilt, ihre mili­tärische Pflicht zu tun. Kroaten! Unterstützt alle die kroatische Armee in der Erfüllung dieser historischen Pflicht! Vom heutigen Tage an ist die Freiheit und Unabhängigkeit Kroatiens durch-.nichts mehr begrenzt!"

Kriegsminister General Friedrich Na­rr r a t i l gab einen Tagesbefehl des Poglav­nik an die gesamte kroatische Wehrmacht be­kannt. in dem der Poglavnik verkündete, daß Kroatien durch den Verrat Italiens seiner aufgezwungenen Pflichten entledigt sei und nunmehr die italienischen Gebiete besetzen und verteidigen werde. In diesem Tages­befehl gibt der Poglavnik seiner Ueberzeu­gung Ausdruck, daß somit der Wunsch des Volkes und seiner Armee in Erfüllung ge­gangen sei und daß die kroatische Wehrmacht bis zum letzten Mann ihre Pflicht treu er­füllen werde, da die Stunde der Rückckkehr ier adriatischen Küste zum Mutterland ge­schlagen habe.

Luek jspLnislks kegenmagnakmen

Tokio, S. September, Der Tenno empfing am Donnerstagmorgen nacheinander in Son- deraudienz den Außenminister Schige- mitsu und Ministerpräsidenten Tojo. Um 11 Uhr japanischer Zeit gab die japanische Regierung zur Kapitulation Italiens fol­gende Erklärung ab:

Die italienische Regierung Badoglio hat ich den Engländern und Amerikanern be­dingungslos ergeben. Dies muß als Ver­rat bezeichnet werden an dem Dreierpakt und an dem Abkommen, wo­nach keiner der Vertragspartner einen Son­derfrieden schljehen würde. Das Ereignis wird vom japanischen Kaiserreich äußerst be­

dauert. Die japanische Regierung sah jedoch eine derartige Entwicklung voraus und hat die entsprechenden Gegenmaßnahmen er­griffen. so daß dieses Ereignis keinen ent­scheidenden Einfluß auf die gesamte Kriegs­lage haben wird. Japan glaubt mehr denn je an den endgültigen Sieg und wird die Zusammenarbeit mit Deutschland und den anderen verbündeten Völkern in Europa und Großostasien verstärken» um den gemeinsamen Feind England und Amerika zu vernichten. Das japanische Hundertmillionenvolk wird im Geiste seiner dreitausendjährigen Ge­schichte seine höchsten Kampfkräfte entwickeln, um das Ziel dieses Krieges zu erreichen."

Osutsc/i/oncis 6sgsnmo6nc>/imsn gsgsn c//s Vsrräts5 Von Or. Walter Leffneicler

Ueber den bodenlosen Abgrund eines so gemeinen und schamlosen Verrats, wie ihn die moderne und die alte Geschichte in dieser Maßlosigkeit bisher nicht kannte, ist im Hin­blick auf die praktische Auswirkung im -Kriegsgeschehen^ von unserer Seite augenblick­lich eine militärische Brücke geschlagen wor­den. Sie besteht in der Feststellung, daß die deutschen Maßnahmen seit der Bekanntgabe der Kapitulation Badoglios überall plan­mäßig verlaufen. 'Der gigantische politische und militärische Betrugsversuch ist im Hin­blick auf seine Ziele an der vorausschauen­den Klugheit und Umsicht der deutschen mili­tärischen Führung gescheitert.

Heute wird es die deutsche Oeffentlichkeit verstehen, wenn unsere maßgeblichen Stel­len über das, was sie seit Wochen erkannt hatten und wußten, und was sie in ihre Be­rechnungen und vorbereitenden Handlungen einstellen mußten, eisern geschwiegen haben. Die römischen Verräter wollten im Einver­nehmen mit unseren Feinden Zeit gewin­nen, um uns in bestimmte militärische Aben­teuer zu wcken und in den eigenen Zusam- menbruch mit hineinzureißen. Als wir den Plan schnell durchschaut hatten, kam es für uns darauf an, die Zeit in unserem Sinne zu nutzen, und dafür war Voraussetzung, daß wir uns den Verrätern gegenüber gutgläu-, big stellten.

Nur so konnte das, was gegen uns geplant war. von uns zum eigenen Besten gewendet werden. So konnte durch unsere rechtzeitig, zielsicher und umfassend durchgeführten Maß­nahmen die Absicht, dem verratenen Bundes­genossen auch noch militärisch in den Rük- ken zu fallen, im Keim erstickt werden. Dar­über hinaus wurden die Voraussetzungen da­für geschaffen, daß wir heute auch in Italien denjenigen Raum militärisch einwandfrei beherrschen, der zur Sicherung unserer stra­tegischen Stellung in Europa notwendig ist-,

Nachdem die Gegner selbst den Zeitpunkt für gekommen erachtet haben, den Schleier vor den Tatsachen des Verrates zu zerreißen, fällt von uns die schwere Last,-es Schwei­gens und der Tarnung ab. und wir können Nun endlich einmal mit aller Offenheit über

die Dinge sprechen, wie sie waren und wie sie sich entwickelt haben. Als am 25. Juli der Mann, der allein Italien aus der Not eines beengten und zerfallenden Strats- wesens in die politische und wirtschaftliche Freiheit und Unabhängigkeit eines wirk­lichen Großstaates zu führen vermochte, von einer Verschwörerbande feige in einen Hin­terhalt gelockt und dort nach Nordamerika« nischer Eangstermanier verhaftet wurde, war das ein Abjchluß und eine Wende zugleich.

Die politischen Abenteurer und internatio­nalen Finanziers, die national entwurzelten Feudalherren und unsoldatischen Salongene­rale, die sich von der sozialen Leidenschaft, von der politischen Dynamik und von der frontsoldatischen Einsatzforderung des Fa­schismus in ihrem persönlichen und gesell­schaftlichen Wohlbefinden aufgestört und ge­troffen fühlten, haben offenbar seit Kriegs- beginn ihre Chance gewittert, auf dem Wege über die Niederlage und unter Aufopferung des eigenen Volkes ihre persönlichen Inter­essen zu sichern. Das ganze Verhalten dieser verrotteten Gesellschaft war direkte und in» direkte Sabotage an den Kriegsanstrengun­gen der Achsenmächte. Sie brachten es tat­sächlich fertig, militärische Rückschläge herbei­zuführen, die das italienische Volk in seiner Gesamtheit so schwer belasteten und erschüt­terten, daß im geeigneten Moment der Ver­rat sein Haupt erheben konnte. Der Chef des Hauses Savoyen, der 1915 auf der Höhe sei­ner Mannesjahre, schon einmal schmählichen Verrat am Bundesgenossen geübt hatte, blieb sich nur selber treu, wenn er als Greis am Rande des Grabes sein erbärmliches Tun wiederholte, um als Viktor Emanuel der Verräter in die Geschichte einzugehen.

So wurde der 25. Juli in einer dramati­schen Zuspitzung einmal zum Abschluß einer Verschwörung, um dann mit mathematischer Sicherheit schnell im völligen moralischen Zusammenbrach zu enden. Es erfüllte sich auch

Lllilcdlolleiies üsnäeln unserer Veluinsclit

Vsrs/nrs/tsr ärt/iciisr Wic/srstonc/ vvurcis roscii gsdrociisn

Berlin, 9. September. Nach bisher vor­liegenden Meldungen haben in Süd- frankreich, im deutsch-italieni­schen Grenzgebiet und weiteren Be­reichen Italiens sowie in Südosteuropa die deutschen Truppen den Schutz der euro­päischen Küste und die Sicherung der mili­tärischen oder kriegswirtschaftlich wichtigen Objekte übernommen, nachdem erhebliche Teile der itqlienischen Wehrmacht infolge der feigen Kapitulation Badoglios die Waffen niedergelegt haben. Die deutschen Maßnahmen mußten vor allem daraus Be­dacht nehmen, daß die erfolgreiche Fortfüh­rung des Kampfes gegen die Amerikaner und Briten nicht Lurch den Verrat Badoglios gefährdet wurde. Deshalb waren die deut­schen Truppen genötigt, die italienischen Truppen überall da, wo man dem Kurs Ba­doglios folgen wollte, zur N-iederlegung der Waffen zu veranlassen. Im allgemeinen kam es hierbei nurzuwenigen Zwischen- sälsen, die durch entschlossenes Auftreten rasch bereinigt werden konnten. Oertlicher Widerstand, der nur vereinzelt geleistet würde, war rasch gebrochen. Mehrere ehe- mälige Milizformatronen unterstellten sich der deutschen Führung und konnten in die deutschen Verbände eingereiht werden.

Dank der rasch durchgeführten Maßnahmen waren die im Raum von Neapel-Salerno eingesetzten deutschen Verbände in der Lage. den Kampf gegen amerikanische und britisch« Landungsstreifkräfte ohne Gefährdung ihrer rückwärtigen Verbindungen sofort entschlaf­en aufzunehmen. Auch die in Siidcalabrien kämpfenden deutschen Nachhuten behaupteten sich erfolgreich gegen die längs der Westküste

und von See her angreifende« britischen Di­visionen in hinhaltendem Gefecht.

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Berlin, 9. September. Amtlich wird be­kanntgegeben: Die deutsch-italienische Grenze ist für den zivilen Reiseverkehr bis auf wei­teres gesperrt. Don der Stellung entspre­chender Sichtvermerkanträge ist daher zu nächst abzusehen.

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Bochum, 9. September. Die in Bochum be­schäftigten italienischen Arbeiter haben in einer Entschließung sich zur faschistischen ita­lienischen Nationalregierung bekannt und in einem Telegramm zum Ausdruck gebracht, daß sie, treu der faschistischen Tradition, be

sch

reitstehen für alle künftigen Maßnahmen des faschistischen Italiens.

6uüsnkSr»sksi1 üsr Verräter

ep. Bern, 9. September. Die Verräter- regierung Badoglios hat das Erscheinen aller antisemitischen Zeitschriften Italiens verboten. Insbesondere betrifft das Verbot das Organ Telesio JnterlandisDie Ver­teidigung der Rasse" und dieVita Jta- liana", die von Prozzolioni geleitet wurde. Jnterlandi wurde verhaftet. Das 'Kriegs­ministerium hat ferner die Vereinigung ita­lienischer Reserveoffiziere ermächtigt, die früheren jüdischen Offiziere, die infolge der Rassengesetze aus der italienischen/Wehrmacht ausgestoßen worden war, wiederaufzunehmen.

Me äsr vuce unü äss jtslieiüscke Volk verraten wurüeil

öcrc/og//o5 Vsrdrscirsn von /cmgsr kionc/ vorbsrs/tst Osn c/sutsclisn 7>uppsn p/onmö6/g /n c/sn Kücken gs/o//sn

Berlin, 9. September. Nach zuver­lässigen Berichten aus Rom hat sich der Staatsstreich des 25. Juli und die Entfüh­rung des Duce wie folgt abgespielt: Nach einer Sitzung des faschistischen EroßraHes be­gab sich der Duce zum König, um von ihm Vollmachten für schärfstes Vorgehen gegen die von gewissen Kreisen systematisch be­triebene Sabotage der Kriegsanstrengungen der italienischen Nation zu fordern. Er wollte insbesondere Vollmachten erwirken zu rücksichtslosem Durchgreifen gegen das feige Desertieren von Generalen und hohen Offi­zieren der italienischen Wehrmacht, das sich vor allem auf Sizilien gezeigt hatte, gegen das unsoziale Verhalte« des höheren ita­lienischen Offizierskorps gegenüber den Mannschaften und Unteroffizieren, sowie gegen die Korruptionserscheinungen in der Armee und in der Kriegswirtschaft. Er ver­langte Vollmachten für ein sofortiges schar­fes Durchgreifen gegenüber all jenen reak­tionären und korrupten Elementen, die allein - für die fortgesetzten Fehlschläge der italieni-

Der Duce wußte nicht, daß der König und Marfchall Badoglio schon während der vor­hergehenden Tage insgeheim den Staats­streich vorbereitet hatten. Don einer kleinen Abteilung seiner Leibgarde begleitet, bestieg Mussolini sein Auto und gab Weisung, ihn nach der Privatresidenz des Königs zu fah­ren. Die Zusammenkunft des Königs Viktor Emanuel mit Mussolini dauerte ungefähr zwei Stunden. Der König hörte aufmerksam zu und machte den Eindruck, daß ihn der Be­richt lebhaft interessierte.

Am Schluß der Ausführungen Mussolinis erklärte der König:Ich muß Ihnen mittei­len» daß Ihr Nachfolger in der Ministerpräfi- dentschaft bereits bezeichnet ist und fein Amt praktisch schon angetreten hat, nämlich Mar­schall Badoglio. Stellen Sie sich ihm zur Verfügung."

Der^Duce, der von dieser Erklärung völlig überrascht wurde, entgegnete, daß er sich, um das italienische Volk zu retten, stark genug

scheu Kriegführung verantwortlich zu machen fühle, sich der Krone und nötigenfalls sogar seien. jder Armee zu widersetzen. Mussolini ging

dem Ausgang zu, indem er kurz erklärte, daß er seine Entschlüsse bereits gefaßt habe.

Während dieser Unterredung hatte Ba­doglio schon alle nötigen Maßnahmen des Anschlages gegen Mussolini getroffen. Er hatte insgeheim dem ehemaligen Polizeikom­mandanten Senise die Poljzeigewalt über­geben und die königlichen Carabinieri sich selbst unterstellt. Die verschiedenen Komman­danten der faschistischen Miliz erhielten ein gefälschtes Telegramm, das die Mitteilung enthielt, daß die Miliz in Zukunft ein Be­standteil der Armee sei. Die lokalen Poli­zeikommandanten wurden aufgefordert, den Weisungen des Marschalls Badoglio.zu ge­horchen. Auf Hiess Weise wurden alle das faschistische Regime stützenden Waffen von den Verrätern lahmgelegt.

Während seines Aufenthaltes beim König waren das Auto und die Leibgarde Musso­linis vom Eingang der Villa Savoia ent­fernt und unter einem Dorwand in einer abgelegenen Allee postiert worden. Bald darauf traf ein Sanitätsauto unter dem Befehl eines Carabinieri-Obersten, den einig«

andere Offiziere begleiteten, vor der Privat­residenz des Königs ein. Als Mussolini die letzten Stufen der Eingangstreppe Hinaus­schritt und sein Auto nicht sah, befahl er dem Personal des Königlichen Hauses mit lauter Stimme:Laßt mein Auto

kommen!"

In diesem Moment trat der Oberst auf Mussolini zu und sagte zu ihm:Exzellenz, ich habe den Auftrag, Sie in Hast zu nehmen. Ich bitte Sie deshalb, dieses Auto zu bestei­gen." Mussolini widersetzte sich heftig, wurde aber mit brutaler Gewalt in das Auto ge- zerrt und auf der Tragbare gefesselt.

In rascher Fahrt fuhr das Auto von der Villa Savoia nach der Carabinieri-Kaserne auf der Piazza del Popolo. wo Mussolini unter schärfster Bewachung gehalten wurde, um später an einen anderen Ort transpor­tiert zu werden. Sein Aufenthalt wurde noch des öfteren gewechselt. Es scheint als sicher zu gelten, daß Mussolini nach dem Fort Braschi bei Rom und dann nach der Insel Ponza im Golf von Gaeta übergeführt wurde.

(Fortsetzung auf Seite 2)

nsus Licksnlsudlrägsr

Führerhauptquartier.9. Sept. Der Führer verlieh am 7. September 1913 da» Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eiserne« Kreuzes an General der Panzertruppen Joa­chim Lemelsen, Kommandierender. Gene­ral eines Panzerkorps, als 291. Soldaten, und an General der Infanterie Erich Jaschke, Kommandierender General eines Armeekorps, als 295. Soldaten der deutschen Wehrmacht.

in diesem Falle das geschichtliche Gesetz, daß ein Wechsel in der Führung, der auf dem Höhepunkt des Kampfes vorgenommen wird, unweigerlich ins Verderben führen muß. Diesmal kam hinzu, daß die niederträchtige Gesellschaft, die sich mit Hilfe des Verräter­königs dieMacht" erschlichen hatte,' vom ersten Augenblick an den Verrat am eigenen Volke und am Bundesgenossen in einer Form ins Auge gefaßt hatte, die tatsächlich in der Weltgeschichte erstmalig und einmalig ist. Ein Rückblick auf die Ereignisse bestätigt dieses Urteil mit zwingender Kraft.

Der ehrlose Exponent dieser reaktionären italienischenOberschicht", die zum Teil mit englischen Kreisen versippt ist und an nichts anderes als an ihre ausländischen Kapita­lien und an die gesellschaftlichen Vorrechte einer vergnüglichen Plutokratenexistenz dachte, verkündete nach dem Umsturz mit verlogenem Pathos, daß der Krieg weiter­gehe.

In Wirklichkeit schickte Badoglio schon etwa in der zweiten Augustwoche Vertreter ins neutrale Ausland". Es scheint, daß an der Spitze dieser Delegation der persönliche Feind Mußolimis, Dino Erandi, gestan­den hat, der als alter Faschist in doppeltem Sinne zum Verräter wurde. Obgleich Ba­doglios Vertreter nur die Forderung Roöse- velts und .Churchills nach bedingungsloser Kapitulation zurückbringen konnten, ließen sich Viktor Emanuel und Badoglio vom'Wege ihres Verrates nicht mehr abbringen. Schon am 3. September wurde, wie wir heute wis­sen, der Waffenstillstandsvertrag unterzeich­net, der nicht die geringste Bürgschaft für irgendeine gesicherte Zukunft Italiens ein­schließt, sondern die restlose Auslieferung des italienischen Volkes an Plutokraten. Ju, den, Freimaurer und Bolschewisten dar­stellt. Vor allem an die Bolschewiken; denn inzwischen war bekanntgegeben worden, daß der Abschluß des Waffenstillstandsvertrages in vollem Einvernehmen mit Statt n" erfolgt sei, und Stalin weiß schon, was er will. Er hat nicht umsonst die Auf­nahme eines bolschewistischen Agenten in den Ausschuß; Sizilien und Italien durch- geietzt.

Was nach dem 3. September geschehen ist, das ist nun wirklich das tollste und grauen­hafteste Stück der Weltgeschichte, Das ist noch nicht dagewesen, daß nach der U n t e r z e i ch- nung eines Waffenstillstandsvertrages eine Regierung nach dem Willen der einen Partei lediglich zu Zwecken der Tarnung und um den bisherigen Waffengefährten so weit wie möglich in die eigene Katastrophe hinein- zureißen, weiterhin eigene Soldaten ver­bluten ließ, um dem Anschein zu erwecken, als ob der Kampf noch ernsthaft weiter- efuhrt werden sollte. Als der Gipfel der Schamlosigkeit und bodenlosen ^Gemeinheit erscheint es aber schließlich, wenn schließlich zuTarnungszwecken" Hunderte von Frauen und Kindern der Stadt Neapel unter einem anglo-amerikanischen Bombenangriff geop- ert wurden. Solch einen beispiellosen Vtzr- rat am eigenen Volke, solch einem grauen­haften Handeln völlig ehrvergessener Lumpen

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