Ausgabe 
(7.9.1943) 247
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Das flmtsblatt des Negierenden Bürgermeisters der Zielen Hansestadt Bremen

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üev NationalsoziaMen, vremens

flmtiiches verkündungsbiatt des Neichsstatttialters in Oldenburg und Bremen

Nr. 24? , 1Z. Jahrgang

Dienstag, ?. September 1S4Z'

kinzelpreis 15 Npf.

vre! neus Ljckenlsublräger

Führerhauptquartier. S. Septem­ber. Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Major Kans-Detlef von Tossel, Abteilungs­Kommandeur in einem mainfriinkischen Panzer-Regiment als 285.» an Hauptmann Rolf Rocholl, Bataillonsführer in einem Grenadier-Regiment» als 287.» und an Ober­leutnant Walter Nowotny in einem Jagdgeschwader als 283. Soldaten der deut­schen Wehrmacht. Major von Cossel und Hauptmann Rocholl haben bei den Kämpfen an der Ostfront den Heldentod gefunden.

Major von Cossel» am 1. Juli 1916 in Swakopmund geboren, wurde als Oberleut­nant und Kompaniechef am 8. September 1941 an der Ostfront mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Hauptmann Rocholl, am 8. Dezember 1918 !n Berlin geboren, erhielt das Ritterkreuz am 28. Juli 1942 an der Front in Nord­afrika.

Der erst 22jährige Oberleutnant Nowotny, in Gmünd im Gau Niederdonau geboren, erwarb sich das Ritterkreuz nach 56 Abschüs­sen am 4. Dezember 1942. Der Wehrmacht­bericht vom 2. September 1943 gab bekannt, datz Oberleutnant Nowotny tags zuvor zehn Luftsiege errungen hatte. Eine solche Ab- schutzzisfer stellt auch heute noch einen Aus­nahmefall dar. Bereits in den Hochsommer­tagen dieses Jahres hatte er schon einmal zehn feindliche Flugzeuge an der Ostfront ab­geschossen und damit den 124. Luftsihg errun­gen. Die zweiten zehn brachten iM,auf 183, und weitere sechs im dene feindliche Gegner erhöhttzn^re Zahl feiner Lustsiege auf 189.

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Führerhauptquartier, 6. September. Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Föl'droe!be!l Karl Nestle, Zug­führer -in einem Pan^erarenadier-Regrmenr; Unteroffizier Kurt Bade. Zugführer in einer Panz e raufkl ä r u ng s -A b t e il u ng; Ober­jäger Josef Ehinger. Gruppenführer in einem Gebirgsjäger-Regiment; Obergefrei­ten Ernst David, MG.-Schütze in einem Gebirgsjäger-Regiment. Feldwebel Nestle und Obergefreiter David haben noch vor der Verleihung des Ritterkreuzes den Helden­tod gefunden.

Koks LusLeiümims tür vslueys

Berlin, 6. September. Der Führer hat dem ll-Oberstgruppenführer und Generaloberst der Polizei Kurt Daluege sür seine gro­ben Verdienste das Ritterkreuz des Kriegs- verdienstkreuzes mit Schwertern verliehen.

Kurt Daluege wurde am 15. September 1897 in Kreuzberg geboren. Der Kriegsfrei­willige Student kämpfte im ersten Weltkrieg an der West- und Ostfront und wurde als Stotztruppführer schwer verwundet. Nach dem Weltkrieg stand Kurt Daluege im Kampf gegen den Bolschewismus. Im Frühjahr 1926 wurde ihm die SA. Norddeutschlands und Berlins unterstellt. Bom Herbst 1926 bis Sommer 1928 war er stellvertretender Gau­leiter von Berlin. 1930 übernahm Daluege die Führung der neugebildeten Schutzstafsel in Berlin. Nach der Machtübernahme wurde er in das Innenministerium berufen und mit der Organisation der Landespolizei be­auftragt. Als der Reichsführer » Heinrich Himmler am 17. Juni 1936 Chef der Deut­schen Polizei wurde, stand ihm Daluege als Chef des Hauptamtes Ordnungspolizei zur Seite. Nach dem Tode von »-Obergruppen­führer Reinhard Heydrich wurde Kurt Da­luege vom Führer zum stellvertretenden Reichsprotektor für Böhmen und Mähren berufen. Diesen Posten hatte er bis zu der 'jetzt erfolgten Ernennung Dr. Fricks zum Reichsprotektor inne. Am 20. April 1942 war Kurt Daluege zum »-Oberstgruppenführer und Generaloberst der Polizei befördert 'worden.

öüäiscksr NoclivsrrSIsr kingerieklel

Berlin. 6. September. Die Justizpresse­stelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Der 62jährige Sigmund Israel Amarant aus Paris, den der Volksgerichtshof zum Tode verurteilt hat, ist am 2. September 1943 hingerichtet worden. Der Verurteilte hat sich vom Auslande her hochverräterisch gegen das Erotzdeutsche Reich und die in Böhmen und Mähren geschaffene Ordnung betätigt und den Feind begünstigt.

Immer neue AllgeltsaMWe sn 8lslm

Enttäuschung unci Spannung oui cis/- Osgsnss/ts / Osutschs ^kivs/,5 ungsbwchsn

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitunz

6r.4v.sck. Berlin. K. September. Auch dort» wo die Briten und Amerikaner ein­mal einen militärischen Aktivposten glauben ausweisen zu können, sind sofort die Sowjets mit der Forderung bei der Hand, damit dieser Posten politisch in ihrem Sinne ausgewertet und auf ihr Konto gutgeschrieben werden müsse. Ueber die Besprechungen zwischen Eden, Maisky und dem amerikanischen Bot­schafter Wynant teilt jetzt der diplomatische Berichterstatter desDaily Telegraph" mit, man habe Maisky den Vorschlag unterbrei­tet, dah die Sowjetunion Vertreter nach Si­zilien und Nordafrika entsenden möge. Das ist nun offenkundig im englischen Sinne eine reichlich schöngefärbte Darstellung des tat­sächlichen politischen Tatbestandes. Was Afrika betrifft» so haben die Sowjets bei der Entsendung ihres Agenten überhaupt nicht vorher nach der Meinung ihrer Alliierten gefragt, vielmehr gegenüber dem de-Gaulle- Slusschuh eine robust selbständige politische Linie eingeschlagen.

Im Hinblick auf Sizilien hat Moskau recht deutlich seine Forderungen angemeldet, und London und Washington haben daraufhin vergrämt und kleinlaut beigeben müssen. Die Volschewisten haben eben das britische Ver­sprechen in der Tasche, datz sienach dem Siege", der vorläufig allerdings noch eine Fata Morgana darstellt, in Europa schalten und walten könnten, wie es ihnen beliebt.

Die Briten und Amerikaner bekommen heute schon zu spüren, datz die territorialen Nahziele der Bolschewiken, wie sie Molotow seinerzeit in Berlin vortrug, und die sich auf Finnland, die baltischen Staaten, Polen, den Balkan und die Dardanellen erstrecken, nur ein vorläufiges Mindestprogramm darstellen, und datz der tatsächliche Plan Moskaus auf die Beherrschung und Bolschewisierung ganz

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Aus dem Führerhauptquartier, 6. September. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die starken Angriffe der Sowjets im Donezbecken, im Raum von Charkow sowie südwestlich und westlich Miasma halten un- vermiydert an. Die Luftwaffe unterstützte wirksam die in schweren Abwehrkämpfen stehenden Verbände des Heeres. In der Zeit vom 2. bis 5. September verlor der Feind IKK Flugzeuge.

Auf der Calabrischen Halbinsel gingen die gelandeten britischen Kräfte gegen die schwachen deutsch-italienischen Sichcrungs- kräfte nur zögernd vor. Nur an einigen Stellen kam es zu Gefechte«.

In der vergangenen Nacht führten feind­liche Bomberverbände Terrorangriffe gegen das Gebiet der Städte Mannheim und Lud­wigshafen. Die Bevölkerung hatte Verluste. In einigen Stadtteilen entstanden erheb­liche Zerstörungen vorwiegend durch aus­gedehnte Brände. Nachtjäger und Flak­artillerie schössen, soweit bisher festgestellt wurde, 37 der angreifenden Bomber ab.

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. Rom, 6. September. Der italienische Wehr­machtbericht vom Montag lautet:

In Calabrien sind die italienisch-deutschen Truppen nach tapferer Verteidigung des Küstengeländes gegen einen an Menschen und Material überlegenen Feind im Be­griff, sich auf neue Widerstandsstellungen zurückzuziehen. Die Luftflotte setzte ihre An­griffe gegen die feindliche Versorgung fort und verwickelte die anglo-amerikanischen Fliegerverbände, die die Landopcrationen unterstützten, in schwere Kämpfe.

Im Adriatischen Meer hat eine unserer Korvetten unter dem Oberbefehl des Kapi­tänleutnants Riccardo Gladi aus Trieft ein feindliches U-Boot versenkt.

Europas zielt. Ein bolschewistischer Vertre­ter in Sizilien und später vielleicht in Cala­brien würde ja selbstverständlich gar keine andere Aufgabe Haben, als die bolschewisti­sche Unterhöhlung der Völker in militärisch besetzten Gebieten zu betreiben. Wie das ge­macht wird, davon können vor allem die bal­tischen Völker ein trauriges Lied singen.

stks ist nur eine jämmerlich« Vogelstrauh- politik, wenn sich derDaily Expreß" damit zu trösten versucht, datz in einem Dreier- Ausschutz alle beteiligten Staaten etwas zu sagen haben werden, so datz also auch Eng­land und die Vereinigten Staaten, wenn den Sowjets jetzt Einflutz in Sizilien einge­räumt werde, ihrerseits bei der Regelung von Problemen zwischen der Sowjetunion und Finnland oder einem Balkanstaatbe­ratend zur Seite stehen" dürften. Zunächst wird hier wieder einmal das Fell des Bären verteilt, ehe er erlegt ist, und zum anderen kann nach allen Erfahrungen wirk­lich kein vernünftiger Mensch mehr glauben, dah die Sowjets sich von ihren westlichen Verbündeten auch nur ein Wort in Gebieten dreinreden lassen würden, in denen sie. mili­tärisch die Herren wären. So kann auch die englisch-amerikanische Zustimmung zur Ent­sendung eines bolschewistischen Agenten nach Sizilien gar nicht anders als Ausdruck der Tatsache gewertet werden, datz England und die Vereinigten Staaten den Sowjets bei­nahe jeden Wunsch von den Augen ablesen und jeder Fordetz 'g nachgeben müssen.

Im Hintergrund dieser Abhängigkeit steht die wachsende Erkenntnis, datz man Deutsch­land mit militärischen Mitteln nicht beikom- men kann. Vor allem klagt man heute in London darüber, datz man sich gegenseitig durch mahlose Ueberteibungen den Blick für die Wirklichkeit getrübt habe. Zunächst ein­mal hätten, so sagt eine englische Zeitschrift, die Amerikaner viel zu hohe Ziffern über

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Ueber den Gebieten von Aversa, Capua, Formia, Villa Literna und Viterbo fanden Bombenangriffe statt; zwei viermotorige und ein zweimotoriges Flugzeug, die in sehr grotzer Höhe von italienischen Jägern in ein Gefecht verwickelt wurden, sind am Boden zerschmettert; ein viertes Flugzeug wurde durch die Flak von Vrindisi getroffen und ist bei Lopertino abgestürzt.

ihre Produktionsmöglichkeiten genannt und damit die sowjetischen Forderungen ins maß­lose gesteigert. Umgekehrt hätten die Bol- schewisten Angaben über die deutschen Ver­luste gemacht, die zweifellos um Millionen zu hoch seien. Sie hätten auf diese Weise selbst zu der Auffassung beigetragen, dah die Sowjets die Unterstützung durch eine Zweite Front" nicht so dringend notwendig hätten, während gleichzeitig übersehen wor­den sei, welche besonderen Aufgaben England habe, und dah die Möglichkeiten für Eng­land beschränkt seien, Truppen für neue Un­ternehmen bereitzustellen.

Gerade im Hinblick auf diese beschränkten Möglichkeiten muh es den Briten und Ame­rikanern darauf ankommen, unter allen Um­ständen Stalin zur Fortsetzung seines Opfers von Menschen und Kriegsmaterial an der deutschen Ostfront bis zur Grenze der Er­schöpfung zu veranlassen. Und wenn sie noch nicht mit einem Unternehmen helfen kön­nen, das die Sowjets. tatsächlich als eine Zweite Front" anerkennen, so müssen sie den politischen Preis zu steigern suchen, wenn das überhaupt noch möglich ist.

In diesem weltpolitischen Zusammenhang erstrahlen der Ruhm und die Leistung unse­rer unvergleichlichen kämpfenden Truppen an der Ostfront um so Heller. Sie stehen nunmehr schon seit zehn Wochen beinahe ohne Atempause dem wilden Ansturm der Massen von bolschewistischen Truppen und Panzern gegenüber und haben es trotz des Rieseneinsatzes auf der gegnerischen Seite zu verhindern vermocht, dah den Sowjets ^r geplante strategische Durchbruch gelungen ist. Die Kriegführung im Osten muhte gewih in Anpassung an die besonderen Verhältnisse vielfach beweglich gestaltet werden, aber nirgends hat der Feind die erstrebten Durch­bruchsziele erreicht. Ihm wurden maßlose Verluste zugefügt, die die Frage berechtigt erscheinen lassen, wie lange er sie noch er­tragen kann. Das Entscheidende ist, datz der verzweifelte Massenansturm der Sowjets die Abwehrkräfte des deutschen Soldaten nicht im geringsten zu erschüttern vermocht hat. Solange diese Voraussetzung besteht, bleibt jeder politische Preis, den die Engländer und Amerikaner den Sowjets in Aussicht stellen, gegenstandslos, und die Feinde müs­sen sich tatsächlich auf ihre letzte Hoffnung, auf denZusammenbruch der deutschen Mo­ral" zurückziehen, über die wir dann, wenn wir die militärische Lage beherrschen, grau­sam lachen dürfen.

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sj-PK. Der Oberstleutnant der Sowjet­armee glaubte auf dem Wege nach Pvltawa oder an dem Dnjepr zu sein, als die Män­ner der ss-PanzergrenadierdivisionDas Reich" ihn fingen und zum Eefechtsstand zu­rückschickten. Er fiel nicht gerade aus allen Himmeln, denn die letzten Tage hatten ihn darüber belehrt, dah eine elastische Front nicht unbedingt eine schwache Front ist. Für ihn und für sein Regiment war der Gegen­stoß stark genug gewesen, den äußeren Schwung und die innere Zuversicht ihrer ukrainischen Brotoffensive aufzufangen. Dort, wo der Erfolg der Stunde sür sie noch ab­zulesen schien in den Kartenblättern und Vormarschskizzen, zeichnete sich schon die Nie­derlage in die Gemüter der Angreifer, deren Spitzen vor den stählernen Riegeln der deut­schen Abwehr zu verbluten begannen. Der Oberstleutnant jedenfalls verstand die Zei­chen der Schlacht zu deuten. Was blieb ihm übrig, als resigniert den Kopf zu schütteln und zu sagen: Solange Hitler >olche Divi­sionen hat. muh er den Krieg gewinnen.

Gottlob haben wir es nicht nötig, unser Selbstbewußtsein an den verzweifelten Aus- sprüchen bolschewistischer Regimentskomman­deure aufzurichten. Die Kronzeugen unserer Stärke stehen uns näher als irgendein bol­schewistischer Generalstäbler, den Fortuna einen Weg in die deutsche Gefangenschaft hat finden lassen. Wir wissen ja, wer wir sind. Den Tröstungen aus dritter Hand stehen wir ebenso gelassen gegenüber, wie allem Leid und den schwersten Prüfungen, die nicht selten das Mäh der menschlichen Kraft zu überschreiten scheinen. Schließlich ist es die Maske des Todes, in die wir täglich blicken. Ihr starres Auge hat uns unempfindlich ge­macht gegen viele kleine und große Ver­blüffungen, mit denen die Straßen der Schlacht gepflastert sind. Sie alle, vom Ge­neral bis zum letzten Grenadier, der erschöpft und durstig in den Sonnengluten liegt, sind in ihren äußeren Verrichtungen Handwerker des Krieges geworden, zu dessen Rohstoffen, so traurig das in vielen Fällen ist, das Blut gehört. Sie haben das feine Nerven­netz des Menschlichen mit dem Asbest der llnempfindlichkeit gegen sich selbst verkleidet

und denken die kleinen Gedanken des persön­lichen Lebens nicht mehr, wenn sie unter­wegs zu ihren Mlen sind,, sie rennen von Bjelgorod zum Mus und vom Donez nach Charkow, um ihr Gewicht in die Waagschale der Entscheidung zu werfen. Sie fragen alles das nicht, was die Kleingläubigkeit wissen will. Sie wehren ab, sie stehen, sie greifen an und werfen den Feind, so wie das Gesetz des Augenblicks es von ihnen verlangt. Ihr un­bewegliches Gesicht ist zugleich das Antlitz des Krieges, in dem nicht Empfindungen, sondern Kräfte und Bewegungen allein sich spiegeln. Es interessiert sie nicht, wie viel Panzer über die nächste Höhe kommen wer­den. Aber sie werden sie aushalten, abschießen oder zurückdrängen. Wenn sie einmal aus­weichen müssen, wenn die Uebermacht ihre klammernden Hände losbricht von einem Waldstück, einem Dorf, einem Stadtrand, dann gehen sie doch mit keinem einzigen Ge­danken zurück in die Sicherheit. Sie tasten herum und überlegen wie verbissene Arbeiter, die eine schwere Last bewegen wollen, ohne bisher den richtigen Hebel gefunden zu haben. Keineswegs sind sie Maschinen ge­

worden. In ihnen schlägt das Herz leben­diger Menschen. In den stillen 'Falten ihres Bewußtseins bleiben sie die Angst aller Kreatur. Bei ihnen sind ihre Frauen, ihre Kinder, ihre Eltern, mit denen sie leben wollen. Aber sie verlassen hundertmal das bergende Tal der individuellen Selbsterhal­tung und erklettern die einsame Höhe des Heldischen, hinter der wer weih wo das Tor des Sieges eines Tages sich auftun wird.

Man muh lange mit ihnen gelebt haben, einer von ihnen geworden sein, um die Kraft eines solchen Geheimnisses ausmessen zu können. Man muh wissen, was in ihnen vor­geht, wenn sie immer wieder zum Angriff antreten, der jedesmal auch ihr Ende sein kann. Darüber denken sie nicht nach. Sie denken auch nicht lange darüber nach. dah bolschewistische Armeen bei Bjelgorod durch­gebrochen sind, und versuchen in die Ukraine zu gelangen. Sie werden nicht gelähmt von der Vorstellung des Außerordentlichen, des Lebensgefährlichen. Sie gehen stumm dorthin,

(Fortsetzung auf Seite L)

2 « Viee-i-jätei-e«

Weg einer Generation deutscher Männer

f Von Kriagsbericktsr Dr. IVsrnor llükns

(LK.) An der Kanalkiiste. 1918 waren die männlichen Angehörigen dieser Jahrgänge noch gemustert worden. Zu ihrer Einziehung kam es nicht mehr. Im Dunkel des Novem­berumsturzes versank auch für sie, was bis­her den Inhalt ihres Lebens ausgemacht hatte. An ihnen zuerst, die in den Jahren des ersten Weltkrieges von Kindern zu Jünglingen herangereift waren, wirkte sich der doppelte Fluch des inneren Zusammen- bruchs und des brutalen Diktats von außen aus. Ihre Väter hatten fast ausnahmslos jahrelang am Feind gestanden. Viele von ihnen kehrten nie zurück. Die die Heimat wiedersahen, waren verbittert und ent­täuscht. Sie wußten sich selbst kaum noch zu­rechtzufinden. Wie konnten sie da ihren Söh­nen, die in den Jahren ihres Fernseins zu jungen Männern aufgeschossen waren, zu rechten Führern des beginnenden eigenen Lebens werden?

Die Generation deutscher Männer, von der hier gesprochen wird, kam im ersten, zweiten und dritten Jahr nach der Jahrhun­dertwende zur Welt. Ueber ihren ersten Kin­derjahren lag noch der helle Schein des wil­helminischen Reiches. Wenn auch manchen der Aelteren die drohenden Schatten in dem äußerlich glänzenden Bilde nicht verborgen blieben, die Jungen jedenfalls verspürten nichts davon. Als sie eben die Kinderschuhe ausgetreten hatten, kam der große Krieg über Europa. Siege, Jubel und Fahnen waren ihre ersten Kriegseindrücke.

Bald aber umkrallte auch sie die bittere Not der Heimat, gegen die schon damals der Feind mit der Hungerblockade den Krieg führte. Ihre Väter hatten geglaubt, für ein künftiges besseres Leben ihrer Kinder in den Krieg zu ziehen. Aber deren Teil und Erbe wurde dann dock nur Elend, Sorge und Not. Soldaten wuroen die damals Sech­zehn- und Siebzehnjährigen nicht' mehr. Es mutzten noch einmal fast 25 Jahre vergehen, ehe sie doch noch in dem zweiten großen Schicksalskampfe ihres Volkes nun in der Tat zu den Waffen geraten wurden.

Dazwischen liegen für die Männer dieser Jahrgänge Zeiten schwersten Lebenskampfes. Als sie eben die ersten suchenden Schritte in das eigene. Berufsleben Hinaustaten, lastete das Elend der Nachkriegszeit und der In­flation über ihrem Vaterland. Viele von ihnen muhten durch Monate und Jahre drückender Arbeitslosigkeit hindurch. Als die große Wende des Jahres 1933 anhob, waren sie schon Männer in den besten Jahren, Diese Wende herbeizuführen, hatten nicht wenige unter ihnen mitgestritten. Nun schien sich am Beginn der zweiten Halbzeit ihres Lebens doch noch an ihnen zu erfüllen, wo­für einst ihre Väter in den Schützengräben des Weltkrieges gekämpft hatten.

Da wurde ihrem Volke zum zweiten Mal innerhalb eines Lebensalters der Kampf um sein Schicksal aufgegeben. Die Männer dieser Jahrgänge, die heute Vierzig- und Dreiund- vierzigjährigen, haben den Krieg in seinen ersten Teilen zumeist in der Heimat mit­erlebt. Nur eine Minderheit unter ihnen ae- börte bei Kriegsausbruch zu den ausgebil­deten Jahrgängen. So blieben sie zunächst zu Hause, während an Jahren doch noch ältere als sie, die gedienten Männer des ersten Weltkrieges, sofort wieder zu den Fahnen eilten. Sie haben diese Kriegsjahre zu Haufe wahrlich nicht gefeiert. Ein groß Teil der Arbeitslast der Eingezogenen fiel noch zusätzlich auf ihre Schultern. Bis auch für sie die Stunde kam, da sie noch als reife Männer zum Waffendienst im Kriege auf­gerufen wurden.

Die Uniform verdeckt die Grenzen der Jahrgänge und gleicht die Altersunterschiede aus. Sie übt ihr gleichmachendes Wesen auch an ihnen. Wo sie heute an den Fronten stehen, sind sie längst in der großen Kamerad­schaft der vielen Jahresklassen aufgegangen. Aber nicht wegwischen läßt sich das eigene Lebensgesetz, unter dem diese Generation deutscher Männer stand.

Da liegen drei Grenadiere dieser Jahr­gänge in einem Bunker am Atlantik zusam­men, der zweiundvierzigjährige Lehrer aus dem Lauenburgischen. der dreiundvierzigjäh- rige Buchdrucker aus einem Vorort Hamburgs und der «inundvierzigjährige städtische An­gestellte aus Lüneburg. Erst seit einem guten halben Jahr tragen sie die Uniform. Ge­troffen haben sie sich bei einem Ersatzbatail­lon der Landesschlltzen. Zusammen sind sie ausgebildet worden, zusammen kamen sie an dieWasserfront" im Westen. Jetzt gehören sie zu den Stammannschaften dieses Stütz­punktes. Um sie herum sind viele Jüngere, auch ihre direkten Vorgesetzten gehören fast ausnahmslos jüngeren Jahrgängen an. Die drei Grenadiere können auch ihr Alter nicht verleugnen. Ihre Haare zeigen schon die er­sten grauen Fäden, ihre Gesichter sind vom Leben geformt. Aber sind sie deshalb weniger gute Soldaten? Sie selbst betonen es mit Stolz, daß sie noch jeder Anstrengung des militärischen Dienstes immer voll gewachsen waren. Und der Stützpunktkommandant be­stätigt es ihnen gern, daß sie es in der Be­dienung aller Waffen mit jedem Jüngeren aufnehmen.Auf die ist unbedingt Berlah!" faht er seine Ueberzeugung zusammen. Kann ein militärischer Vorgesetzter über seine Männer überhaupt ein besseres Urteil ab­geben?

Soweit brauchte über Soldaten dieser Jahrgänge überhaupt kein besonderes Wort gesagt zu werden. Aber es bleiben doch ihre eigenen Geschicke, die gerade die Männer die- . ser Generation geformt und geprägt haben. Sie lassen sich auch aus den Soldaten nicht herauslösen. Wo sie heute am Feind stehen