Ausgabe 
(23.7.1943) 201
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

E rscheint 7 mal wöchentlich

Monatsbezug 9,30 RM etnlchl Zustellgebühr; Pastbezugspret» monatlich S.SV'RM (einlchl. 80.1 Rpf. Postzettungsgebühr) zuzügl. «2 Rps. Bestellgeld. Postscheck: Hamburg 17272 . Anzei­genpreise und Ausnahmebedingungen lt. Preis­liste. Aufnahmetermln« ohn« Verbindlichkeit.

vremerWuny

Geschäfts st eilen:

Bremen: Leeren 8 / 8 . Ruf 2 I 9 SI: N-chtruf »- sonntags 2 «7 SS: Ob-rnstr. 88 . Rus 219 31 ; Syke: MÜHIendamm 2 : Br-Kemelingen: Bahn- hofstratze 8 . Ecke Postfir.. Rus « 8488 ; Br.- Vegesack: Rohrstr 24 . Ruf 4 ». 8 ; Br.-Blumen« thal: Kapt.-Dallmann-Etr. 41 / 43 , Ruf 88 u. 89

Vcwleramtliclie Layeszettung

vos flmtsdlatt des Negierenden vürgermeistcrs der Freien fjanscstadt vremen

WGM

der Nationalsozialisten. Vrernens

Amtliches llerkündungsbiatt des Neichsstattiialters in Oldenburg und lZremen

Nr. 201 , 1Z. Mrgang

Zreitag, 2Z. IuU1S4Z

kinzelpreis 15 Npf.

/

gesell eoivjettscke ^Lcksckudlläksll

Berlin, 22. Juli. Im Schwarzen Meer und Asowschen Meer eingesetzte Einheiten der deutschen Kriegsmarine haben schon seit Be­ginn des Ostfeldzuges in zahlreichen Unter­nehmungen dem Feinde beträchtlichen Scha­den zugefügt und die feindlichen Bewegun­gen laufend gestört. Die ständige Beunruhi­gung des Feindes ist allein schon durch die Tatsache der Anwesenheit dieser Seestreit­kräfte in beiden Seegebieten bedingt. Auch im Kampf mit der sowjetischen Luftwaffe haben die deutschen Seestreitkräfte beacht­liche Abwehrerfolge erzielt. In der Nacht zum 21. Juli standen, wie der Wehrmacht- bericht mitteilt, deutsche Seestreitiräfte im Rahmen ausgedehnter Operationen gegen wichtige sowjetische Nachschubhäfen nördlich des Kuban-Brückenkopfes längs der gesam­ten Ostküste des Asowschen Meeres und vor den küstennahen Stellungen der Bolschewisten an der Mius-Front. Der kurz nach dem Er­reichen der befohlenen Positionen an allen Stellen gleichzeitig und schlagartig ein­setzende artilleristische Feuerüberfall traf vor allem die Häfen Jeisk, Promorsko-Achtari und Atschujew sowie die Landstellen des Geg­ners am Mius.

Damit haben deutsche Seestreitkräfte im Gebiet des Asowschen Meeres nunmehr erst­malig auch in die Landkämpfe einbegriffen. Durch die Beschießung, die von Land her von eigenen Heeresbatterien unterstützt wurde, konnten zahlreiche Treffer erzielt werden, die heftige Explosionen und Brände zur Folge hatten. 2m Hafengebiet von Jeisk; das be­reits am 20. Juni nachhaltig beschossen wurde, fielen gleich zu Anfang durch gut­liegende Treffer die feindlichen Landschein­werfer aus. so daß die Bolschewisten, eines wichtigen Abwehrmittels beraubt, das Feuer nur zerstreut und wirkungslos erwidern konnten. Auch hier hatte die Beschießung in der Nähe des Scheinwerferstandes Explo­sionen zur Folge. Weitere Explosionen und Brände wurden im Hafen selbst beobachtet, verschiedene Anzeichen deuteten darauf hin, baß auch Getreidelager getroffen wurden.

2m Zuge der Beschießung von Primoski- Achtari, das ebenfalls bereits am 14. 2uli schwere Treffer durch Beschüß erhalten hatte, wurden zahlreiche Brände beobachtet, auch hier fiel ein starker Scheinwerfer durch Voll­treffer aus. Eines unserer Boote schoß einen feindlichen Bewacher zusammen, der bren­nend auf Strand gesetzt werden mußte. Sechs feindliche Artillerie-Schnellboote lie­fen während der Beschießung des Hafens aus, kamen aber infolge der überlegenen Feuerkraft unserer Boote und durch deren ge­schickte Manöver nicht mehr zur Aktion. Auf dem Rückmarsch wehrten die deutschen Boote einen Angriff sowjetischer Cchlachtflugzeuge erfolgreich ab. Bei der Beschießung von Atschujew war infolge starken Dunstschleiers eine genaue Beobachtung der Ergebnisse nicht möglich, doch sahen unsere Besatzungen beim Angriff noch lange Zeit den Feuer­schein eines Eroßbranües. Die an diesen Unternehmungen beteiligten Einheiten kehr­ten alle in ihren Stützpunkt zurück, nur zwei von ihnen erlitten unbeträchtlichen^Schaden. In der Nacht zum 22. 2uli wurde die Be­schießung eines Abschnittes an der Mius- Front durch, den gleichen Verband unserer Seestreitkräfte planmäßig wiederholt.

81a1m leimt 1I8L.-rUm sd

ep. Stockholm, 22. 2uli. Wie die Londoner Nachmittagsblätter berichten, wird der mit großer Reklame angekündigte und nach d?m Buch des Nordamerikanischen Botschafters in Sowjetrußland,. Davies, gedrehte Film Mission in Moskau" 'wahrscheinlich in Moskau nicht gezeigt werden. Stalin soll die Szenen, die die Gerichtsverhandlung und Hinrichtung des . Generals Tuchatschewski im Jahre 1937 darstellen, beanstandet haben. WieAftontidningen" dazu meldet, soll der Film Stalin bei einem Besuch des USA.- Botschafters in Moskau gezeigt worden sein. Bei den Szenen um Tuchatschewski soll der Uebersetzer plötzlich angefangen haben, zu stammeln, um dann auf einen Wink Stalins zu schweigen. Die amerikanischen Gäste wa­ren peinlich überrascht, als Stalin nach der Vorführung mit einem kurzen Nicken den Raum verließ, ohne ein Wort zu seinem Ehrengast Davies zu sprechen.

Der eagliscke König trete ab!

^Ü<HLcll-0MSf/KctM5c/l6 V^s/t/l6f55c/iait5p/ä5IS snt/lü//t öf/tonm'sn M c/sc /?o//s VON Isxa§ Os5 c/s5 ^ckssnmÖckts /Ü5 o//s Ls/kLtksrvu6tsn ^Ö/1tS5

Drobtbericht unserer Berliner Schriftlcitung clr. vr. ock. Berlin» 22. 2uli. Einige Zeit nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg wurde von einem enttäuschten Emigratenhäuptling in London die boshafte Bemerkung berichtet, daß es England nichts schaden könne, wenn es nun auch einmal am eigenen Leibe verspüren müsse, was es be­deute, einen angelsächsischen Verbündeten zu haben. Damit wurde sehr deutlich auf die brutale 2nteressenpolitik und auf die unge­hemmte Treulosigkeit Englands gegenüber all seinen Verbündeten hingewiesen, die von London nur so lange als 2nstrumente des eigenen Imperialismus und als Kanonen­futter mißbraucht werden, wie es der bri­tischen Politik in den Kram paßt, um dann in einer veränderten Lage rücksichtslos ver­raten oder gar aufgeschluckt -zu werden. Po­len hat im Auftrage von London und im Zeichen einer britischen Garantie den Welt­krieg entfesselt, und inzwischen mußte Si- korski fallen, weil er nicht mit absolutem Schweigen der Auslieferung Polens an den Bolschewismus zusehen wollte.

Wie England das Bündnis mit Frankreich aufgefaßt hat, das zeichnete sich in ganz be­sonders greller Beleuchtung in den letzten

Tagen des französischen Zusammenbruchs ab, als Churchill dem französischen Ministerpräsi­denten Reynaud kaltschnäuzig die Zumutung stellte, daß er Frankreich als Dominion im britischen Empire aufgehen lassen möge. Da­mals hätte es Churchill wohl als unvorstell­bar bezeichnet, daß ihm selbst und England wenige 2ahre später ein ganz gleichartiger Vorschlag von feiten eines anderen, stärkeren Verbündeten gemacht werden könnte, dem gegenüber Churchills Amoklauf sowohl das englische Mutterland wie das Weltreich in eine absolute Abhängigkeit gebracht hat.

Tatsächlich hat eine der größten amerika­nischen Zeitungen, dieChikago Daily Tri­bune", kürzlich mit einer geradezu unglaub­lichen Unbekümmerthcit die Aufforderung an England und seine Dominien gerichtet, einen Antrag auf Ausnahme in den Ver­band derUnited States of America" zu stellen. So erlebt nun tatsächlich England, was es heißt, einen stärkeren angelsächsischen Verbündeten und zudem noch einen solchen unter ausschlaggebender jüdischer Führung zu haben.

Was heute die große Zeitung in Chikago mit allem Ernst und mit vielen staatsrecht­lichen, weltpolitischen und wirtschaftlichen Ar­

gumenten vorschlägt, stellt den Endpunkt einer Entwicklung dar, deren Tendenzen bereits im Pacht- und Leihgefetz ihren Ausdruck fand und die in der Verhökerung der westindischen Besitzungen Englands für ein paar Dutzend alter Zerstörer zuerst praktisch faßbar in Er­scheinung ckrgt. In den parlamentarischen Er­örterungen um das Pacht- und Leihgefetz wurde in Washington immer wieder festge­stellt, daß die englische Gegenleistung unter Umständen später nicht in Form einer Geld­zahlung, sondern durch politische und strate­gische Konzessionen, offenbar also durch Ab­tretung von Stützpunkten und anderer Vor­rechte im bisherigen Bereich des Empire, er­folgen solle. Dann kam der Sprung Noose- velts nach Afrika, dem zeitlich parallel die Schaffung amerikanischer Positionen im Na­hen Osten und in 2ndien verlief. Was den Nahen Osten betrifft, so haben die Vereinig­ten Staaten bereits ganz offiziell erklärt, daß sie dort ihre politischen Stellungen nach dem Kriege erst recht auszubauen gedächten, und im Hinblick auf 2ndien konnte sich Churchill niemals darüber im unklaren sein, was die Entsendungtechnischer Kommissionen" aus den Vereinigten Staaten und des Sonder- (Fortsetzung auf Seite 2)

öolsÄisvnstkclie LngMe ÄiLSMmengedrocdsll

5 msu 1 163 ?onrse .. - Xülmsr Vorrtoü s,'ns 5 c/sutrclisn U- 6 oots§ in c/sn l-ialsn von 5 /rolcur

Aus dem Führerhauptquartier, 22. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:Die Sowjets setzten gestern an der gesamten Front vom Asowschen Meer bis in den Kampfabschnitt Orel ihre vergeblichen Bemühungen, die deutschen Stellungen zu durchbrechen, fort. Ihre zum Teil mit frischen Kräften vorgetragenen An­griffe, deren Schwerpunkt bei Kuiby­schews, Jsjum, nördlich Vjelgorod und aiy Orel-Bogen lagen, brachen ent­weder im Abwehrfeuer und Bombenhagel vor den eigenen Linien zusammen oder wurden in der Hauptkampflinie im Nah- kampf zum Stehen gebracht. Oertliche Ein­brüche konnten überall im sofortigen Gegen­angriff bereinigt werden. Die deutsche In­fanterie hat sich in den letzten schweren Kämpfen in allen Lagen ganz besonders ausgezeichnet. Bor allem verdient die srän- kische-sudetendeutsche 48. Infanteriedivision genannt zu werden. 163 Sowjetpanzer wur­

den gestern abgeschossen. Deutsche Seestreit­kräfte beschossen in der Nacht zum 21. Juli wichtige sowjetische Nachschubhäfen an der Ostkiiste des Asowschen Meeres und Stellun­gen an der Mius-Front. Hierbei wurde ein feindliches Bewachungsfahrzeug versenkt, ein anderes in Brand geschossen. In den Ge­wässern der Fischerhalbiusel vernichteten schnelle deutsche Kampfflugzeuge ein sowjeti­sches Schnellboot. -

Auf Sizilien kam es nur im Ostteil zu Kampfhandlungen. Der Angriff einer englischen Kampfgruppe wurde zerschlagen. Der Feind verlor zahlreiche Gefangene und hatte hohe blutige Verluste. 13 schwere Panzer wurden abgeschossen und einige Ge­schütze erbeutet. Beim Angriff auf Schisfs- ,ziele im Hafen von Augusta in der Nacht zum 21. 7. versenkte die deursche Luftwaffe einen Tanker von 19 900 BRT. und be­schädigte durch Bombentreffer fünf weitere Schisse sowie ein Panzer-Landungsboot. Ein deutsches Unterseeboot drang in kühnem Vor-

Wksr Mckerstsnck m 8 iMei»

6 tzc/sutsnc!s IsincKicsis l/sr/usts an unc/ /^atsn'a/

Rom, 22. Juli. Das Hauptquartier der italienischen Wehrmacht gibt bekannt:In Sizilien hat dsr Feind am Ost- und am Westabschnitt der Front Infanterie- und Panzeraktionen eingeleitet, denen die Streit- kräfte der Achse zähen Widerstand entgegen-, setzen, indem sie den angreifenden Einheiten bedeutende Verluste an Menschen und Mate­rial zufügten. An den SUdostküsten Siziliens trafen unsere Torpedo-Flugzeuge sieben große Schiffe, von denen eins explodierte. Ein Tanker wurde versenkt, und sechs Han­delsschiffe wurden beschädigt, als Bomben­flugzeuge der Achse die Reede von Augusta angriffen. 2n der Nacht zum 17. Juli hat vor Syrakus eines unserer U-Boote einen aus zwei großen Einheiten und zahlreichen Zerstörern bestehenden feindlichen Verband angegriffen und dabei zwei Torpedotreffer auf einer der ^größeren Einheiten erzielt. Erosseto, Neapel, Salerno und Cagliari sind von der englisch-amerikanischen Luft­flotte bombardiert worden. Die Schäden sind unerheblich. In der Umgebung von Salerno

beschossen feindliche Maschinen einen Zug mit Kriegsgefangenen mit MG. Unsere Flakbatterien haben ein-Flugzeug bei Miliz und ein zweites bei Uras ((Sardinien) zum Absturz gebracht. Die italienischen Nacht­jäger haben drei Maschinen abgeschossen. In den ersten Morgenstunden des Donnerstag vernichtete ein deutsches Flugzeug ein zwei- motoriges britisches Flugzeug, das mit ME- Feuer einen Flughafen der Hauptstadt an­zugreifen versucht hatte."

717 lots in Kom

Nom, 22. Juli. Wie amtlich bekannt­gegeben wird, beträgt die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung bei dem anglo- amerikanischen Terrorangrifs aus Rom vom 19. Juli 717 Tote und 1599 Verletzte.

Durch den Angriff der anglo-amerikani- schen Luftgangster in der Nacht zum 22. Juli wurde in Neapel der Monumentalfried­hof von Poggiorcale, der schon hei einem früheren Angriff mit Bomben belegt wor­den war, zum größten Teil verwüstet.

stoß in den Hafen von Syrakus ein und vernichtete einen Truppentransporter von 12 900 BRT."

*

Ergänzend teilt das OKW. mit: Im Kampfraum von Catania und in Mittelsizi­lien bekämpften deutsche Jagd- und Zerstö­rerverbände am 2K Juli während des gan­zen Tages feindliche Stellungen, Versor­gungsstützpunkte und Nachschubtransporte. Besonders schwere Ausfälle erlitten die bri­tisch-amerikanischen Streitkräfte bei Caltani- setta, als einer unserer Zerstörerverbände die feindlichen Transportkolonnen über­raschend angriff und im Reihenwurf zahl­reiche Fahrzeuge vernichtete. Ansere Jäger griffen ebenfalls hartnäckig in die Be­kämpfung des feindlichen Nachschubs ein und schössen in Tiefflügen, Lasttkraft- und Tank­wagen in Brand. In der Nacht zum 21. Juli bombardierten deutsche Kampffliegerverbände wiederum die feindliche Transportflotte vor der Südostküste Siziliens. Dabei wurden sie­ben Schiffe mit über 30 000 BRT. in und vor Augusta schwer getroffen. Ein Tanker von 10 000 BRT. sank unter heftigen Explo­sionen. Bombeneinschläge in die Hafenanla­gen von Augusta setzten Nachschub- und Ver­sorgungslager in Brand. Bei diesem Angriff gingen zwei deutsche Flugzeuge verloren. Da­gegen ist das bei dem Nachtangriff gegen La Valetta auf Malta am 21. Juli als vermißt gemeldete deutsche Kampfflugzeug inzwischen zu seinem Stützpunkt zurückgekehrt.

VisSskreisr" girr Ausbeuter

Trabtbcricht unseres Vertreters

op. Stockholm, 22. Juli. Die britische Re­gierung hat nach einer Mitteilung des Schatzkanzlers Sir Kingley Wood im Unter­haus im Einvernehmen mit der Regierung der Vereinigten Staatey den Kurswert der italienischen Lire auf 400 pro Pfund Ster­ling und 100 pro Dollar festgefetzt. Diese Maßnahme ist, wie die willkürliche Fest­setzung der Pfund- bzw. Dollar-Parität zum Franc in den besetzten novdamerikanischen Gebieten, nach Ansicht wirtschaftlicher Sach­verständiger geeignet, die Bevölkerung der von Engländern und Nordamerikanern be­setzten italienischen Gebiete erheblich zu be­nachteiligen.

Die Ursachen der Gerüchtebildung

Vor»

Pros. Dr. lobsnn vyn Issrs

Als die alte Garde Napoleons I. bei Wa- terloo noch zuletzt das Schlachtfeld behaup­tete und schon von her feindlichen Reiterei umzingelt war, soll ihr Befehlshaber, Ge­neral Lambronne, auf die Aufforderung zur Uebergabe stolz geantwortet haben:Die Garde stirbt, doch sie ergibt sich nicht." Nein, sagenbesser Unterrichtete", so fein hat sich der General Cambronne gar nicht ausge­drückt, er hat vielmehr die Aufforderung zur Waffenstreckung mit einem groben zweisil­bigen Soldatenwort abgewiesen. In Wirk­lichkeit war weder das eine noch das anders der Fall, die ganze Sache ist eine Legende, die eine' französische Zeitung schon 1815 er­funden hatte, um sich über den Schmerz der Niederlage stolz hinwegzutrösten in Wirk­lichkeit wurde der General Cambronne von dem hannöverschen Reiterführer Frhr. von Halkett aus seiner alten Garde heraus ge­fangengenommen.

In Hunderten von Schulbüchern steht die Geschichte von der Mühle von Sanssouci. Friedrich der Große habe sich durch das dau­ernde Klappern der Mühle belästigt gefühlt und versucht, sie dem Müller abzukaufen. Der Müller habe das abgelehnt und Fried­rich der Große. habe darauf gedroht, er werde die Mühle enteignen. Stolz ant­wortete der Müller:Ja. wenn das Kam- mevgericht in Berlin nicht wäre." In Wirk­lichkeit hieß der Müller Grävenitz, war ein armer Teufel, hat dem König mit Klagen und Bittgesuchen immer wieder in den Ohren gelegen genau so wie sein Nach­folger aber niemals hat der König die Mühle kaufen oder gar wegnehmen wollen.

Als 1807 die Franzosen die Festung Grau- denz belagerten, forderte der französische belagernde General den Kommandanten von Graudenz, den alten General de l'Homme de Lourbiere auf, sich zu ergeben und teilte ihm mit, daß der König von Preußen sein Land verloren habe. In Hunderten von Darstellungen heißt es nun, der preußische Kommandant habe geantwortet:Wenn es keinen König von Preußen mehr gibt, so bin ich König von Preußen" oder ,,. . . so bin ich König von Graudenz". Alles falsch! Dem alten General lag es weltenfern, sich derartig respektlos auszudrücken. Er sagte nur ganz einfach und vernünftig:Wenn es keinen König von Preußen mehr gibt, so gibt es wenigstens noch einen König von Graudenz" pnd wahrte damit seinem König das Recht auf die Festung.

Aus dem Siebenjährigen Krieg stammt eine andere Legende: Es wird erzählt, daß der ungarische Reiterführer Graf Hadik. als er vorübergehend Berlin besetzen konnte, von der Stadt die Lieferung eines Dutzend schö­ner Damenhandschuhe gefordert hätte, um siL der Kaiserin Maria Theresia zu schen­ken. Die Berliner Stadtverwaltung Habs ihm darauf geschickt ein Dutzend linker' Handschuhe verehrt, und die Kaiserin habe sich darüber sehr geärgert. In Wirklichkeit war der ungarische Reiterführer einer der vernünftigsten Heerführer seiner Zeit, der bei seiner kurzen Besetzung Berlin plan­mäßig vor jeder Plünderung bewahrt hat, niemals solche Handschuhe gefordert und auch keine linken Handschuhe bekommen hat. Die ganze Sache ist ein boshaftes Witzchen, mit dem die Berliner sich über die Tatsache wegtrösteten, daß ihre Stadt von den Weiß- röcken besetzt war.

Weniger harmlos ist die Erzählung aus dem Jahre 1848, daß die Artillerie der kö­niglichen Truppen in der Vreitenstraße eine Kanonenkugel mit der AufschriftAn meine lieben Berliner" gefeuert habe. Hier handelt es sich um eine geradezu böswillige Hetze. Als die Kämpfe am 18. März schön heftig im Gange waren, versuchte der König durch eine ProklamationAn meine lieben Ber­liner" die Ruhe wieder herzustellen. Die re­volutionären Scharfmacher jene Tage ver­breiteten dann sofort die Wendung, seine richtige ProklamationAn die lieben Ber­liner" seien die Kanonenkugeln gewesen. Daraus wurde dann die Behauptung, die

Lrklsruirg äe§ ?sp 8 te§ 211m Isrrorverbrecken sii kam

kt'n Lt/sl X//. an c/sn (psnsro/vskcrr c/se 3 tcrc/t cr//sr 3 täc/ts"

Rom, 22. Juli. Unter dem Eindruck der frevelhaften Vernichtung Jahrtausende alter Heiligtümer und Kulturdenkmäler in der ewigen Stadt-Rom richtete Papst Pius XII. ein Schreiben an seinen Generalvikar in Rom, den Kardinal F. M. Selvaggjani, in dem er einleitendin einer Stunde beson­derer Bitterkeit" den Bombenangriff auf Rom als eintrauriges Schauspiel des Blut­bades und der sich häufenden Ruinen im Kampf gegen eine wehrlose und unschuldige 'Bevölkerung" kennzeichnet und die Kriegfüh-" renden daran erinnert, daß sie, wenn sie die Würde ihres Volkstumes und die Ehre ihrer Waffen hochhalten wollten, die Unverletzlich- keit der friedlichen Bürger und der Denk­mäler des Glaubens und der Kultur respek­tieren müßten.Denkt, so wollen wir ihnen zurufen, an das strenge Urteil, das die künf­tigen Generationen über diejenigen fällen werden, die rilles das zerstört haben, was eifersüchtig behütet und bewahrt werden mußte, weil es den Reichtum und der Glanz der ganzen Menschheit und des Fortschritts der Völker bildete."

Pius XII. bezeichnet in diesem Zusam­menhang die Stadt Rom als einenEdel­

stein, von wunderbaren Denkmälern der Religion und der Kunst eingefaßt", die Hü­terin sehr wertvoller Erinnerungen und Do­kumente. Es ist das gleiche Rom, dessen Stadtgebiet mit Gebäuden der römischen Hurie und zahlreichen päpstlichen Instituten und Schulen mit unzähligen Weihestätten, nicht eingerechnet unsere großartigen Pat- riarchalkirchen, zahlreiche Bibliotheken und .Werke der größten Geister der bildenden Künste, das Rom, zu dem so viele Menschen aus der ganzen Welt wallfahren, um nicht nur den Glauben, sondern auch die antike Weisheit zu lernen, Menschen, die diese Stadt als ein Leuchtfeuer der Kultur be­trachten".

Der Papst weist ferner darauf hin, daß die Vatikanstadt ein unabhängiger und neu­traler Staat fast im Zentrum Roms liege. Er habe darauf klar und wiederholt hingewiesen, indem er mit Recht den Schutz Noms dem Gefühl für menschliche Würde und christliche Kultur anempfahl. Es schien, so heißt es in dem Brief weiter, die Hoff­nung erlaubt, daß das Gewicht so ausschlag­gebender Gründe bei den kriegführenden Parteien eine günstige Aufnahme zugunsten

R,oms finden würde.Aber leider", so er­klärte Papst Pius XII. ferner,wurde un­sere so vernünftige Hoffnung getäuscht. Das, was wir befürchtet hatten, ist eingetroffen, und was wir vorausgesehen hatten, ist jetzt traurige Wirklichkeit. Denn eine der berühm­testen römischen Basiliken, die von Sän Lorenzo, die von .allen Katholiken wegen der Erinnerung an die Antike, die sie her­vorruft, und wegen des Grabmals Pius IX. hochgeschätzt wurde, liegt nun zum größten Teil in Trümmern.

Zum Schluß.erhebt der Papst erneut seine Stimmezum Schutze der höchsten Werte, die die Menschheit und das Christentum zieren", um de^überlieferten und anvertrauten geistigen" Schatz vor dem Urteil der künfti­gen Generationen und der Meinung aller Wohlgesinnten in Schutz zu nehmen".'

»

Die Erklärung, die der Kardinal Erz­bischof von Buenos Aires, Cvpello, am Mon­tag über die Bombardierung Roms abge­geben hat, wird am nächsten Sonntag in allen argentinischen Kirchen während der Messen verlesen werden.

> ' - , .- ---»-v->

.«7*

»-i!

DEM

MSW

«>« lier rernksiness vor l.omngrsil. oil 5c>ion meiaele oor lloerlrommLnllo «er «enrmocM, Ils» ecliwere üeiitscds Artillerie llrlegsvrlclitlge rlole in l.enlngrsil unter «lrlrungrvolles Seusr nsiim. vieres mit elner Sernlrsniers üben 70 kni sulgonommene vllii reizt rierlze Velspeiclrör, lile von unserer Artillerie zetrotlon «uriien unll nun unter zevrsltiger 8sucl,en«vickiung ausbrennen. ?K.-Xriezsderic>itsr Usntiie^ (8clr.)