Ausgabe 
(20.7.1943) 198
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Varleiamttictie Layeszeilung

Dos flmtsblati des Negierenden lZürgcrmcistcrs der Zrcien fjanscstadl vremen

der Nalionaildzial-isten. Vremens

flmtliches Nerkündungsbiatt des Neichsstattiialkers in Oldenburg und Nremen

Nr. 198, 1Z. Jahrgang

Dienstag, 28. Juli 194Z

kinzelpreis 15 Npf.

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Trahtbericht unserer Berliner Schriftlcitung.

ckr. rv.--l-b. Berlin, 1». Juli. Die Ver­antwortlichen für den Mord- und Terrorkrieg aus der Luft haben die letzten Hüllen der Scham fallen lassen, als sie den Bomben­angriff auf Rom befahlen. WieGiornale d'Jtalia" berichtet, handelt es sich um einen Angriff großen Stils, den die Anglo-Ameri- kaner mit Brand- und Sprengbomben ver­übten. Welle auf Welle erfolgte der Angriff weißer amerikanischer Flugzeuge auf die Hauptstadt. Ziel ihrer Bomben waren vor allem die Wohnviertel zwischen der Porta Magqiore und der Porta Tiburtina, wo in kreuzen Mietshäusern taufende römische Ar­beiter wohnen. Der Stadtteil Tiburtina wurde am meisten getroffen. Auch in Rom waren Kirchen, Denkmäler und Friedhöfe das Opfer der Angreifer. Viele Wohnhäuser wurden zerstört. Die altehrwürdige San- Lorenzo-Basilika, die im vierten Jahrhundert von Kaiser Konstantin erbaut wurde und die Gräber vieler Päpste enthält, rst zerstört. Der ausgedehnte katholische Fried­hof Campo Berano mit seinen vielen Kirchen und Kapellen wurde von zahlreichen Bom­ben getroffen. Schwer getroffen wurde auch ein Teil der ausgedehnten Anlagen der Poli­klinik. Bis heute konnte man auf der Gegen­seite immer noch gewisse Hemmungen erken­nen, die italienische Hauptstadt in den Be­reich des Terrorkrieges einzubeziehen. Diese Hemmungen hat man skrupellos fallen lassen, obwohl man sich darüber klar sein mußte, daß ein solcher verbrecherischer Anschlag bei 400 Millionen Katholiken der Welt ein maß­loses Entsetzen und eine gewaltige Empörung auslösen würde. In diesem Sinne hatte sich gerade noch einen Tag vor dem nunmehr er-

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ep. Tokio 19. Juli. Ueber weitere erfolg­reiche Aktionen der Japaner gibt das Kai­serliche Hauptquartier bekannt: Unsere

Streitkräfte auf der Insel Reu Georgia ha­ben in einer überraschenden Umgehungsbe­wegung feindliche Landungskräfte und moto­risierte Verbände östlich des Ai-Flusses in der Nacht des 17. Juli erfolgreich angegriffen. Die Landungseinrichtungen des, Gegners wurden schwer beschädigt und motorisierte Verbände vernichtet. Unsere Operationen werden fortgesetzt. Unsere bei Munda auf der Insel Neu Georgia stationierten Streitkräfte haben verschiedene vom Gegner mit Panzer­unterstützung vorgetragene Angriffe abge­schlagen und eine feindliche Torpedoflottille, die einen Landungsversuch unternahm, be­schossen und in die Flucht geschlagen.

Die japanische Marineluftwaffe erzielte weitere Erfolge gegen die feindlichen Stellungen im Pazifik. Am 15. Juli griff die Marineluftwaffe militärische Anlagen des Feindes auf der Insel Rubiana an und fügte dem Feind schwere blutige Verluste zu. Bei Luftangriffen über der Insel wur­den von 60 Flugzeugen 19 abgeschossen. Zehn japanische Marineflugzeuge werden vermißt. Ferner wurden die Insel Vam- karo, die zur Santa-Cruz-Eruppe gehört, und die Salomonen-Jnseln Tulagi und Euadalcanar angegriffen und feindliche Kriegs- und Handelsschiffe beschädigt. In Luftkämpfen mit 167 feindlichen Flugzeugen, die am 17. Juli Buin auf der Salomonen- infel Eougainville angriffen, wurden 58 feindliche Flugzeuge bei neun japanischen Verlusten abgeschossen.

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op. Bangkok, 19. Juli. Burmas Unab­hängigkeit steht vor der Tür, erklärte Dr. U. Maung Ba nach seiner Rückkehr aus Scho- nan. Dr. Maung Ba, der Chef der vor­läufigen burmanischen Regierung, hatte in, Schonan mit dem japanischen Ministerpräsi­denten General Tojo und Subhas Chandra Böse konferiert. Die notwendigen Porar- beiten für die Proklamierung der burmani­schen Unabhängigkeit seien praktisch abge­schlossen, erklärte Dr. Maung Ba. Böse ge­genüber habe er die Versicherung abgegeben, alles zur Unterstützung des indischen Frei­heitskampfes zu tun.

folgten Luftangriff auf Rom die katholische Zeitung in Buenos Aires,Pueblo", ge­äußert. Die Christen der ganzen Welt, so schreibtPueblo", hätten sich gefreut, daß die französischen Kathedralen vom Kriege ver­schont geb/ieben seien nnd mit Trauer die Nachricht von der Zerstörung des Kölner Domes vernommen. 409 Millionen Katholi­ken forderten jetzt, daß Rom verschont bleibe. Außer der kulturellen und künstlerischen Be­deutung sei diese Stadt die Pilgerstätte des Christentums und die Hauptstadt der katholi­schen Welt. Die Zerstörung Roms würde keinerlei entscheidenden Einfluß aus den Kriegsverlauf haben, aber sie würde bedeu­ten, daß die Kunst und die Religion weniger gelten, als rein materielle Güter, wie ein Dutzend Handelsschiffe oder ein Stück Land.

Im englischen Unterhaufe konnten die wildesten Amokläufer ihre Geduld schon seit langem nicht mehr zügeln und forderten un­gestüm einen beschleunigten Entschluß zur Bombardierung Roms. Wenn die englische Regierung zunächst noch etwas zögerte, so nur darum, weil sie sich yoch ein klein wenig

Sorge um die Empfindungen der katholischen Welt machte und sich darüber im klaren war, daß ein Bombenangriff auf Rom den verbrecherischen Charakter des anglo-ameri- kanischen Luftkrieges restlos entlarven werbe. Mit irgendwelchen moralischen Bedenken hatte das selbstverständlich nicht das gering­ste zu tun. Am 80. Juni hat der Außen­minister Eden das wiederholt zum Ausdruck gebracht, indem er erklärte:Wir werden

nicht zögern, Rom. soweit es möglich ist und so schwer wir es treffen können, mit Bomben zu belegen, wenn der Verlauf des Krieges eine solche Aktion als nützlich und angezeigt erscheinen lassen sollte." Also auch hier wurde das Zweckmäßigkeitsprinzip rücksichtslos über alle Gesetze der Kultur und der. Menschlichkeit gestellt, wie es von England nicht anders erwartet werden konnte. Es ist nur ein jämmerlicher Versuch, die eigene barbarische Erundeinstellung zu verschleiern, wenn die englischen Berichte über den Luftangriff auf Rom behaupten wollen, daß er sich nur gegen militärische Ziele gerichtet habe. Es sind die führenden

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dem Führer hauptquar- 19. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:Die Sowjets

rannten auch gestern gegen die Mitte und den Südteil der Ostfront vergeblich an. Sie erlitten dabei erneut hohe blutige Verluste und verloren 387 Panzer. Am Kuban- Brückenkopf stellte der Feind infolge sei­ner schweren Verluste im Laufe des Nach­mittags seine Angriffe ein. Am Mius und am mittleren Donez setzten die Sowjets ihre Durchbruchsversuche fort, die an der zähen Abwehr oder durch den ent­schlossenen Gegenangriff unserer Truppen scheiterten. Nördlich Bjelgorod wurden die in mehreren Wellen angreifenden In­fanterie- und Panzerverbände der Sowjets bereits vor der Hauptkampflinie zerschlagen. Im gesamten Raum von Orel wehrten unsere Truppen in wechselvollen Kämpfen die an zahlreichen Stellen der Front vorge­tragenen Angriffe unter besonders hohen Verlusten für den Feind ab. An der übri­gen Ostfront führten die Sowjets nur ört­liche erfolglose-Angriffe. Die Luftwaffe griff mit starken Verbänden wiederholt in die Kämpfe an den Schwerpunkten der Abwehr­schlacht ein und war in zahlreichen Lust­kämpfen erfolgreich. Rumänische Jäger schössen hierbei 17 Sowjetflugzcugc ab.

Auf Sizilien leisten deutsche und ita­lienische Truppen teilweise in beweglicher Kampssührung dem Feind weiterhin erbit­terten Widerstand. Im Küstenabschnirt iüd- lich Eaton ia wurden von schwerer Schisfsartillerie und starken Fliegerkrüsrcn unterstützte Durchbruchsangriffe britischer Infanterie- und Panzerverbände abgewie­sen. Deutsche und italienische Fliegerver­bände bekämpften bei Tag und Nacht die

Transportflotte, des Feindes in den Ge­wässern Siziliens mit großem Erfolg Bei der Abwehr von Angriffen gegen deutsche Geleite an der norwegischen und holländischen Küste wurden ein feind­liches Unterseeboot versenkt und durch Siche­rungsfahrzeuge und deutsche Jäger fünf Flugzeuge abgeschossen. Vier weitere feind­liche Flugzeuge, darunter ein Großslugboot, wurden über dem Kanal sowie über dem Atlantik vernichtet. Ein eigenes Jagdflug­zeug ging verloren. In der vergangenen Nacht überflogen nur einzelne feindliche Störflugzeuge das Reichsgebiet. Deutsche Unterseeboote versenkten im Kampf gegen feindlichen Nachschub erneut zehn Schiffe mit 82 »00 BRT."

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Männer der anglikanischen Kirche gewesen, die in der letzten Zeit des öfteren mit scheinheilig-rührseligem Gesicht erklärt ha­ben, daß es leider nicht verhindert werden könne, baß beim Angriff auf feindliche Städte. Kunstschätze, Kirchen und die Zivil­bevölkerung mitgetroffen würden. Ganz offiziell hat man sich in England längst zu der Auffassung bekannt, daß exakte Ziel­angriffe nicht möglich seien, und daß man stattdessen zumaerea bombing" habe über­gehen müssen, zum wahllosen Abwerfen von Bomben auf einen bestimmten Raum ohne Rücksicht auf das, was im einzelnen getrof­fen werde. Nach dem letzten Angriff auf Köln wurde in England die Frage gestellt, warum denn dieser neue Angriff noch nötig gewesen sei. Die Frage wurde so beantwortet, daß man die Bevölkerung nicht zur Ruhe kom­men lassen dürfe, sondern pausenlos quälen müsse.

Ueberall in den Schützengräben des Ter­rorkrieges, im Nordwesten und im Westen des Reiches weiß jedes Kind, was von der immer wieder einmal auftauchenden eng­lischen Behauptung zu halten ist, daß sich

(Fortsetzung auf Seite 2)

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Rom, 19. Juli. Das Hauptquartier der italienischen Wehrmacht gibt bekannt:Auf Sizilien wurden wiederholte feindliche An­griffe zurückgeschlagen. Im Verlauf der Kämpfe der letzten Tage hat sich die Livorno-Division" durch ihre tapfere Hal­tung besonders hervorgetan. Bombergeschwa­der und Kampfflugzeuge der Achse, die die Streitkräfte des Heeres unterstützten, griffen feindliche Truppen- und Fahrzeugansamm­lungen wirksam an. Während dieser Kämpfe wurden vier feindliche Flugzeuge zum Ab­sturz gebracht. Im Verlauf von Tages- und Nachtoperationen der italienischen und deutschen Luftstreitkräfte wurden der feind­lichen Schiffahrt neue Verluste beigebracht.

Ein 12 OOO-BRT.-Dampfer, der mit Muni­tion beladen war, wurde von einem unserer Torpedoflugzeuge getroffen und in die Luft gesprengt. Ein schwerer Kreuzer und ein Dampfer mittlerer Größe wurden ebenfalls von Torpedos unserer Flugzeuge getroffen. Eines unserer Aufklärungsflugzeuge zer­störte einen Bomber über Sardinien. Am Montagvormittag warfen feindliche Flieger­verbände zahlreiche Bomben über Rom ab. Der entstandene Schaden wird zur Zeit fest­gestellt."

Der Papst hat, wie der Sender Rom mel­det, die Kirche Sän Lorenzo besucht, um die Schäden zu besichtigen, die bei dem Angriff entstanden sind. (Siehe auch Seite 2.)

kriögssclMe von ^srlinique sn V8L. susgeliekert

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Drabtvcricht unseres Vertreters

rck. Lissabon, 19. Juli. Wie UP aus Mar­tinique meldet, teilte der neue französische Oberkommissar Hoppenot den Pressevertre­tern mit, Admiral Robert sei mit seinem Stäbe nach Portorico transportiert worden. Robert habe es abgelehnt, in irgendeiner Form Verbindung mit dem französischen Na- tionalkomitee zu suchen. Er habe vor seinem offiziellen Rücktritt gefordert, daß die An­hänger Petains Martinique und Guadeloupe verlassen oder in Freiheit auf den Inseln bleiben könnten, ohne Vergeltungsmaß­

nahmen ausgesetzt zu sein. Hoppenot als neuer Oberkommissar habe sich mit diesen Bedingungen einverstanden erklärt und habe nach seiner Ankunft auf Martinique alle politischen Gefangenen unverzüglich in Frei­heit gesetzt. Robert habe sich zum Rücktritt veranlaßt gesehen, nachdem unter den Trup­pen eine Revolte ausgebrochen sei. Die auf­ständischen Soldaten hätten ein Truppen- lager in der Nähe von Fort de France be­setzt und Robert den Gehorsam verweigert. Die Hintergründe der von den USA. ange­stifteten Revolte aber werde» deutlich, wenn Hoppenot weiter erklärt, daß dieEmile Berlin", dieJeanne d'Arc" sowie die übri­

gen Kriegsschiffe und sieben Tanker so bald wie möglich zur Reparatur und Moderni­sierung nach den USA. geschickt würden. Die­sem ,,Erfolg" strebte die nordamerikanische Politik, von Anbeginn der Auseinander­setzung mit Admiral Robert zu die hat endlich einen Verräter in Hoppenot gefun­den, der sich beeilt, die geheimen Wünsche des Weißen Hauses zu erfüllen. Das Gold wurde in amerikanische Verwaltung genommen und soll dazu benutzt werden, die Unkosten der französischen Emigranten zu begleichen. In Zukunft werden also die Dienste der französi­schen Emigranten mit französischem Gold ver­gütet werden.

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DrohtbcriKt unseres Vertreters rck. Bern, 19. Juli. Vollständige politische und wirtschaftliche Beherrschung der Mensch­heit ist das groteske Ziel Roosevelts. Kaum glaubliche Einzelheiten, die erst jetzt über die sogenannte internationale Ernährungskon­ferenz von Hot Springs bekannt werden, lassen erkennen, daß die USA. weder den Völkern noch den Staaten das Recht auf Eigenleben zubilligen wollen. Roosevelt' ist der Meinung, daß nach einem Kriegsende, wie er es sich denkt, hundert von Millionen Menschen zwangsweise auf die Wanderschafl geschickt werden sollen. Allein der Urwald Brasiliens könne, wie sich jetzt dieBasier Nachrichten" in einem Artikel aus Washing- wie er es sich denkt. Hundert von Millionen .gebrauchen. Diese Zwangsumsiedlungen sol­len nicht etwa zur Bereinigung der natio­nalen Grenzen dienen, sondern voll einem Erdteil zum anderen erfolgen, je nachdem,

wohin Roosevelt in feinem kranken Hirn die Mehrheit der Menschen bestimmen möchte.

Grundgedanke ist augenscheinlich, politisch mißliebige Nationen zu entwurzeln und Zwangsverschickungen in solche Gebiete vor­zunehmen, die bisher wegen Unwirtlichkeit nicht erschlossen werden konnten. Das Stich­wort für diese absurden Pläne lautet: die übervölkerten Gebiete müßten von ihrem Menschendruck befreit werden. In erster

Linie können sich dann in Europa die Bel­gier und Holländer daraus gefaßt machen, auf Nimmerwiedersehen in die grüne Hölle des Amazonas oder in die eisigen Steppen Nordsibiriens geschafft zu werden. Trotz des gefährlichen Charakters dieser Projekte ge­rade für verschiedene kleine Staaten haben sich die Emigrantenklüngel nicht gescheut, an der famosen Konferenz teilzunehmen und so­gar ihre Beschlüsse zu billigen. Die Emigranz muß sich aber darüber klar gewesen sein, daß allein um 500 Millionen in die Wildkaut­schukwälder und glutheißen Sumpfgebiete Jnnerbrasiliens zu schicken, wo selbst die

Neger wie Fliegen verenden, ganz Westeuropa cküd halb China entvölkert werden müßten.

Daß die Sowjets in Hot Springs derartige menschenunwürdige Absichten vorbehaltlos unterstützten, war zu erwarten. Für sie wiegt der einzelne Mensch ebenso wenig wie die Nation, außerdem können sie nur hoffen von Roosepelts neuemEvangelium" zu profi­tieren. Aber auch England sah keinen An­laß, sich human zu gebärden. Die englische Delegation bangte nur darum, daß ihr An­teil an künftigen Lebensmittellieserungen recht hoch ausfällt, und geriet deshalb in Hef­tigste Meinungsverschiedenheiten mit den Sowjets. DieBasier Nachrichten" stellen deshalb der USA.-Diplomatie das höchste Lob aus, daß es ihr gelungen sei, diesen Zwist zu schlichten. Doch man kennt aus den französischen und polnischen Geheimakten. nach welchen radikalen Methoden die Dollar­diplomatie gegenüber den Engländern ar­beitet. Bullit und Kennedy, die USA.-Vot- schafter in Paris und London vor dem Kriege, rühmten sich oft, daß sie genug Mit­

tel besäßen, um die Engländer gefügig zu machen.

In den sogenanntenEmpfehlungen der Konferenz von Hot Springs". mit denen sei­nerzeit die Verhpndlungen offiziell abge­schlossen wurden, sind bezeichnenderweise die Roosevelt-Pläne über die Massenverschlep- pungen nicht enthalten. Man scheute sich doch. diesen Angriff auf das geheiligte Sied­lungsrecht der Völker und Nationen laul zu verkünden, zumal offenbar die Zwangsver­schickungen, wenn sie je gelängen, gleicher­maßen die verbündeten wie die feindlichen Völker treffen würden. Außerdem stehen sie im ärgsten Gegensatz zu dem Programm, das von Roosevelt in den Jahren der Kriegs- vorbereickung und zu Kriegsbeginn ver­kündet worden war, als er noch die Freiheit des Einzelnen zu verteidigen vorgab. Der Gesinnungswandel kommt aber nicht von un­gefähr. In ihm spiegelt sich der verhängnis­volle Einfluß der bolschewistischen polrtifchen Praxis im der Staatskunst der jüdisch ver­sippten herrschenden Kaste der USA. wider.

Von 8^.-6r»ppenküI» er kiincli 8 s s s s

Von den Dämpfen des Aetna ständig überwölkt, mit einem Kranz natürlicher Häfen ausgestattet, liegt die Insel Sizilien von Gibraltar etwa 1600 stm und von Suez etwa 1800 km entfernr und trennt das Mit­telmeer in ein östliches und ein etwas klei­neres westliches Becken. Zugleich bildet Si-' zilien die Landbrücke Italiens nach Afrika hinüber. Die Westspitze der Insel ist von dem untergangenen Karthago und danach von Tunis nur gut 200 stm entfernt. Sie flan­kiert im Zeitalter der Luftwaffe beherr­schend die Durchfahrt durch das Mittelmeer. So ist Sizilien um seiner Lage und Beschaf­fenheit willen als die Zitadelle des Mittel- meeres anzusprechen.

Für die Völker, die auf ihr Fuß faßten, ist die Insel von schicksalhafter Bedeutung geworden. Einst begründeten in der frühen Geschichte des Abendlandes die Griechen dort ihre Handelsniederlassungen. Etwas später faßte die Welthandelsmacht Karthago von Afrika her auf ihr Fuß. An jener schmalen Straße von Mesfina, die Sizilien von der italienischen Halbinsel trennt, kam es dann zum Zusammenstoß mit der Landmacht Rom, die sich anschickte, das Erbe des alten Grie­chenland anzutreten. Während des ganzen 1. punischen Krieges stand die Insel im Brenn­punkt der Kämpfe. Von 264 bis 241 v.d. Z. rangen Römer und Karthager mit wech­selndem Erfolge um ihren Besitz, dessen Be­hauptung von der Seeherrschaft abhängig blieb. Darum ging die Landmacht Rom nach der Besetzung von Messina und einigen an­deren Städten auf das Meer und nahm hier den Kampf aufi In der Enterbrücke. die sie für diesen Kampf zur See erfanden, erlang­ten die Römer das Mittel zur Ueberwindung der seegewohnten Karthager. Bei Mylae an der Nordküste Siziliens errangen sie im Jahre 260 ihren ersten, denkwürdigen See­sieg, dem 256 der bei Eknomus an der Süd- küste folgte. Gegen die überlegene Kraft der römischen Legionen konnten sich die Kartha­ger schließlich nur noch im Westteil der In­sel behaupten. Auch die Tüchtigkeit ihres Feldherrn Hamilkar Barkas vermochte zu Lande nur vorübergehende Erfolge zu erzie­len. Obwohl mehrere römische Flotten im Sturm scheiterten, gaben die Römer den Kampf um die Seeherrschaft und damit um die Nachschubverbindungen nicht auf und er­kämpften schließlich bei den ägatischen Inseln an der Westspitze Siziliens den entscheiden­den Seesieg, der Karthago zum Frieden zwang. Nach 23jährigem Ringen fiel Rom die reiche Insel mit ihrer beherrschenden Lage als Siegespreis zu. Mit Sizilien er­warb Rom nicht bloß seine erste Provinz, sondern auch seine künftige Kornkammer und den strategischen Ausgangspunkt für spätere Eroberungen.

Jahrhunderte danach war die Weltmacht Rom zerbrochen. Aus ihrer Auflösung ent­standen die ersten europäischen Nationalstaa­ten unter der Einwirkung der großen ger­manischen Wanderzüge. Gleichzeitig aber rollte von Süden her die. Flutwelle des Islam heran und schuf iy kühner Eroberung das großarabische Reich. Es setzte seinen Fuß in Spanien und bald auch in Sizilien auf europäischen Boden, denn noch immer war die Insel neben ihrer strategischen Bedeu­tung reich an Erzeugnissen ihres Bodens und bot deshalb dem arabischen Handel ein willkommenes Wirkungsfeld.

Wieder vergingen Jahrhunderte, bis von Anteritalien her im Jahre 1061 kühne Noc- mannenscharen unter Roberi Euiskard auf der Insel landeten, sie von der Frenrdherr- schaft befreiten und wieder in die europäische Gemeinschaft eingliederten. Zugleich aber wurde Sizilien zum Ausgaitgspunkt der normannischen Machtbestrebungen im Mit­telmeerraum. Bis dorthin reichte später auch die Kaisermacht der Staufen. deren letzter Sproß hier sein Haupt unter fremder Hen­kershand verlor. Als dann Spanien zur Weltmacht aufstieg, ging Sizilien in seinen Besitz über. Es hat ihn lange zu behaupten gewußt und gleichermaßen mit den Waffen wie mit den Mitteln seiner Diplomatie ver­teidigt. In diesen Kämpfen traten nahezu alle europäischen Mächte der damaligen Zeit in Erscheinung. Besonders Ludwig XIV. streckte damals seine Hand nach der'Insel aus. Er ließ in Messina einen Aufstand ent­fesseln und unterstützte ihn durch seine Flotte und durch Entsendung von Hilfstruppen.