Ausgabe 
(9.7.1943) 187
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vos flmtsblatt des Negierenden vürgermcisters der 5rcien fjanscstadt vremen

Nr. 18? . 1Z. )o!frgang

Freitag, 8. ZuN 194Z

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flmtiiches verkünüungsbiatt des Ncichsstatt iialters in Oldenburg und Nremen

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Aus dem Führerhauptquartier, I wurden im westdeutschen Grenzgebiet > vernichteten die Grenadiere einer württem- ^ ^_iHknp nonnen-;rnprtl»n Inranterle-Dlmiion jäion

8. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:Im Raum von Bjelgorod und südlich Orel kam es gestern zu schwe­ren Panzerschlachten, in deren Ver­lauf durch Truppen des Heeres, durch Flak­artillerie, Kamps- und Nahkampsgeschwader der Lustwafse mehr als 4vü sowjetische Panzer vernichtet wurden. Das feindliche tiefgegliederte Stellungssqstem wurde in zähen Wald- und Dorskämpsen durchbrochen. Kampf- und Nahkampssliegergeschwader der Luftwaffe unterstützten die Angriffsopera­tionen des Heeres und fügten dem Gegner hohe Verluste an Menschen, schweren Waffen und rollendem Material zu. In heftigen Lustkämpfen und durch Flakabwehr wurden über dem Kampfraum im mittleren Abschnitt der Ostfront 193 Sowjetslugzeuge vernichtet. Oberfeldwebel Strahl, Flug­zeugführer in einem Jagdgeschwader errang an drei Tagen 25 Luftsiege. 13 eigene Flug­zeuge werden vermiht. Nachtangriffe der Luftwaffe richteten sich gegen Truppenunter- künfte, Eisenbahnverbindungen und Nach­schubstützpunkte des Feindes in der Tiefe des Raumes. Von der übrigen Ostfront werden keine nennenswerten Kampfhandlungen ge­meldet.

Im Küstenraum Siziliens vernichteten deutsche und italienische Luftverteidigungs­kräfte 18 britisch-nordamerikanische. meist mehrmotorige Flugzeuge. Ueber dem Atlan­tik und an der Kanalkiiste wurden vier wei­tere Flugzeuge abgeschossen. Bei nächtlichen StörangAfsen weniger feindlicher Flugzeuge

vereinzelte Bomben, ohne nennenswerten Schaden zu verursachen, abgeworfen."

Mit neu herangeführten Infanterie- und Panzerkräften versuchten die Sowjets am 7. Juli im Raum von Bjelgorod und südlich Orel den deutschen Truppen die Initiative wieder zu entreißen. Es entwickelten sich hieraus in verschiedenen Abschnitten schwere Panzerschlachten, in denen beide Seiten große Verbände ihrer modernsten Kampf­wagen ins Gefecht warfen. Aus den er­bitterten Duellen Panzer gegen Panzer gingen' die deutschen schweren Panzer im­mer wieder als Sieger hervor. Nach überaus hohen Verlusten brachen die Reste der bol­schewistischen Panzerverbände den Kampf ab und zogen sich zurück.

Obgleich sich die Sowjets mit äußerster Hartnäckigkeit zur Wehr setzten und sich in Waldstücken und Ortschaften immer wieder unter Verwendung ihrer schweren Waffen zum Widerstand aufrafften, gewannen die deutschen Truppen überall weiter au Boden. Meter um Meter wurde den Bolschewisten in schworest Nahkämpfen abgerungen und der feindliche Widerstand gebrochen. Dabei kam es mehrfach zu harten Abwehrkämpfen mit den im Gegenangriff der Sowjets ein­gesetzten feindlichen Kampfwagen. Allein in einem Abschnitt wurden durch Trappen des Heeres vierzig sowjetische Kampfwagen ab­geschossen. Südlich Orel. wo die Bolschewisten ihre Abwehr in zunehmendem Maße durch Artillerie und Salvengeschütze verstärkten,

bergisch-badischen Infanterie-Division schon am ersten Tage des deutschen Gegenangriffes 2l Sowjetpanzer. Insgesamt verlor der Feind am zweiten Tage dieses Gegen­angriffs über vierhundert Kampfwagen, wo­mit die Abschußzahl der beiden Angriffstage siebenhundert überschritten hat.

Sturzkampf-, Zerstörer- und Schlachtflug­zeuge griffen wirksam in die Erdkämpfe ein. Sie fügten dem Feinde durch Bombenwurf und Bordwaffenbeschuß in seinen Infanterie- und Artilleriestellungen, in Bereitstellungs­räumen und Truppenunterkünften sowie auf den Anmarsch- und Nachschubwegen hohe Verluste zu. In der Nacht zum 8. Juli rich­teten sich Angriffe zahlreicher Kampfflug­zeuge gegen die Bahnhofsanlagen von Niko- lajewska und die Eisenbahnstrecke Woronesch- Kursk. sowie gegen die Stadt und Bahnhof Kostornoje. den an dieser für den gesamten Nachschubverkehr der Sowjets wichtigen Bahnlinie liegenden Eisenbahnknotenpunkt.

In Luftkämpfen büßten bie Sowjets durch Jäger und Flakartillerie bei nur dreizehn Verlusten der deutschen Flieger am 7. Juli 193 Flugzeuge ein. Sie verloren damit in den bisherigen Kämpfen insgesamt 839 Flug­zeuge gegenüber einem Verlust der deut­schen Luftwaffe von 54 Flugzeugen. In den Luftkämpfen Schossen neben dem schon am Vortage genannten Oberfeldwebel S t r a ß l, der zu seinen fünfzehn Abschüssen am 7. Iul, zehn weitere für sich buchen konnte, der Rit­terkreuzträger Oberleutnant K i-r chner und der Ritterkreuzträger Hauptmann Wiese zwölf sowjetische Flugzeuge ab.

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Berlin, 8. Juli. Ueber die harten Kämpfe im Raum von Bjelgorod zu Beginn der Schlacht im Lause des 6. Juli, die in sich ständig steigernden Angriffsbewegungen der Truppen des Heeres und der Waffen-über­gingen, erfahren wir noch folgende Einzel­heiten: Die Verbände der Infanterie-Divi­sionen, der Panzergrenadiere sowie die jj- Panzer-Erenadier-Divisionen standen vor einem Stellungssystem des Feindes, das in den letzten Monaten von den Bolschewisten durch die Anlage zahlloser Hindernisse, Kampfstände und Bunker, durch unzählige in die Erde eingegrabene Panzer, durch breite Panzergräben und tiefe Minenfelder außer­ordentlich verstärkt worden war.

Nachdem der Angriffsbefehl die deutschen Grenadiere erreicht hatte, überschüttete ein Trommelfeuer aller schweren Waffen die Stellungen des Feindes, daß sich bei gleich­zeitigem Einsatz zahlreicher Nebelwerfer zu einem wahren Orkan von Feuer und Eisen steigerte. Die dichten Rauchwolken über den sowjetischen Grüben und Reservestellungen wiesen den in Wellen zu IM und mehr an­fliegenden Sturzkamps- und Schlachtflieger­verbänden den Weg zu ihren Zielen. Pausen­los sausten Bomben aus die Bolschewisten nieder. Dank brach die deutsche Infanterie in breiter Front zum Angriff vor. unterstützt von unzähligen Sturmgeschützen und Pan­zern. Ein Kampf von unvorstellbarer Härte entbrannte. Die Bolschewisten mögen wohl geahnt haben, was auf dem Spiele stand. Sie warfen alles in die Schlacht, was dem Eisen­hagel des deutschen Trommelfeuers entgan­gen war.

Als die Hunderte der Sturmgeschütze, Panzer und Schützenpanzer, ihnen voran die Abteilung der mächtigenTiger"-Panzer, ge­gen den inneren Befestigungsgllrtel der So­wjets heranrollten, schlug den Kolossen ein wütendes Abwehrfeuer entgegen, daß sie aber nicht aufhalten konnte. Unaufhaltsam mahlten sich die Stahlkolosse ihren Weg und brachten mit ihren schweren Kanonen die

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Hagen, 8. Juli. In Hagen fand eine Füh- rerragung der NSDAP. des Gaues West- falen-Süd statt, in der Reichsorganifations- leiter Dr. Ley Gauleiter Albert Hoffmann die Ernennungsurkunde zum Gauleiter über­reichte. Dr. Ley führte u. a. dabei aus, daß es gerade die Partei sei, die in diesem här­testen Abschnitt des Kampfes steht, denn der Krieg am Rhein und Ruhr sei der härteste Kampf, der jemals ausgetragen worden ist. Die Partei müsse immer die Elaubens- trägerin des Kampfes sein. Wir hätten aste Chancen, um das zu erringen, was vor uns Generationen erhofften und erträumten: die Größe des Reiches, den Raum, die Frei­heit und die Ehre. Die ganze Nation nehme Anteil an den schweren Kämpfen der Gaue am Rhein und Ruhr. Alle fühlten sie mit, und man könne sagen, was man einem Deutschen im Westen angetan habe, das habe man allen.Deutschen getan. Die natio­nale Solidarität habe sich auf das beste be­währt. In seiner Erwiderung bat Gaulei­ter Hoffmann den Reichsorganisatipns- leiter, die Versicherung an den Führer mit­zunehmen. daß der Gau Westfalen-Süd fest zusammenstehe, was auch immer geschehen möge.

Widerstandsnester zum Schweigem. Im Schutze dieses beweglichen Walles arbeiteten sich die'Grenadiere und Panzergrenadiere vor.

Noch ehe die Masse der Angreifer den im Verteid.igunassyftem des Feindes liegenden mächtigen Panzergraben erreichte, waren zwei Bataillone der Waffen-tt mit Unter­stützung einigerTiger" und Sturmgeschütze nach Ueberrumpelung der sowjetischen Vor­posten bis zu dem Graben vorgedrungen. Minenfelder, verwickelte Verdrahtung, be­herrschende Bunker und verzweigte Kampf­stellungen, die aus ihm ein nach mensch­lichem Ermessen unbezwingliches Hindernis machten, haben es nicht verhindern können, daß er schon überwunden wurde. Es kam dabei zu erbitterten Nahkämpfen, in denen schließlich der hervorragende Angriffsgeist der tt-Grenadiere unter Führung ihres Re­gimentskommandeurs den Ausschlag gab. An der Spitze seiner Männer gewann er den Panzergraben, drang tief in das dahinter- liegende Festungssystem des Feindes ein, schlug damit den nachfolgenden Panzerkräf­ten und Divisionen eine Bresche und schuf dann in vorbildlichem Zusammenwirken mit

der Luftwaffe die Voraussetzungen zur Oeff- nung der sowjetischen Front. Mit voller Wucht stießen die deutschen Truppen in diese Bresche, die sich im Laufe' des Kampfe immer mehr nach der Seite und Tiefe ver­breiterte.

Besonders eindrucksvoll erwies sich die un­erhört wirksame Zusammenarbeit mit der Luftwaffe, die mit Stukas und Schlachtflie­gern hervorragende Wirkung hatte, und die Luftherrschaft in allen Lagen trotz erbitter­ten Widerstandes der bolschewistischen Flie­ger stets behauptete. Unaufhörlich stießen die Flieger auf die feindlichen Linien nie­der und-brachten in die Reihen der Sowjets Tod und Verwirrung. Jäger und Flak schirmten den Luftraum so sicher ab, daß je­der Versuch der feindlichen Luftwaffe, den eigenen Heeresverbänden Entlastung zu bringen, mit hohen Flugzeugverlusten für den Feind vereitelt wurden. Auf den Stra­ßen zur Front aber rollt ungehindert der Nachschub für die kämpfende Truppe, rollen weitere Panzerkräfte nach vorn; ein impo­nierendes Bild der gewaltigen Verstärkung unserer Panzerwaffe.

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Dr. >v. soll. Unabhängig vom Ausgangs­punkt und taktischen Ursprung der Kämpfe zwischen Orel und Bjelgorod steht heute nach dem Wehrmachtsbericht und nach den ergänzenden Darstellungen die neue Schlacht im Osten ganz im Zeichen des deutschen An­griffes und Vormarsches. Wenn das Ober­kommando der Wehrmacht meldet, daß das tief gegliederte feindliche Stellungssystem durchbrochen werden konnte, so ist das schon angesichts der bekannten Zurückhaltung des Oberkommandos in solchen Kämpfstadien außerordentlich vielsagend. Die großen Er­folge konnten erzielt werden, obgleich das Gelände in nordsüdlicher und ostwestlicher Richtung von zahlreichen Schluchten durch­zogen ist, die sich der Bewegung der Panzer hindernd in den Weg stellen. Die Einzel- schilderung über das Trommelfeuer aller schweren Waffen und den Orkan von Feuer und Eisen kennzeichnet die ungeheuerliche Wucht und Wirkung des deutschen Angriffs ebenso wie die Tatsache, daß im Verlauf von nur drei Kampftagen 700 Panzer und über 800 Flugzeuge des Gegners vernichtet oder kampfunfähig gemacht werden konnten, wäh­rend die eigenen Flugzeugverluste nur 54 be­tragen. Auch das Verhältnis der Panzer- verluste ist ähnlich günstig für uns. Für die Sowjets dürfte eine besonders peinliche Ueberraschung die Tatsache des erstmaligen Einsatzes von Panzern auf unserer Seite ge­wesen sein, die in ihrer Kampfkraft noch stärker sind als die der.Tiger".

Die feindlichen Verlustzahlen lassen er­kennen, welch starke Kräfte die Sowjets in dem Halbkreis zusammengezogen hatten, der

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Wie der Wehrmachtbericht meldet, haben un­sere Truppen im Raum von Bjelgorod die feindliche Front durchbrochen. Im Verein mit Verbänden des Heeres hat ein 11-Panzcrkorps die mit stärksten Kräften vorgetragene bolsche­wistische Offensive zwischen Bjelgorod und Orel zunächst aufgefangen, die hartnäckigen Angrifft der Sowjets zerschlagen und ist ties in die feindlichen Stellungen eingedrungen. 11-Kriegs- berichter Alois Zimmermann meldet hierüber:

(ij-kk.) Es ist Sonntagabend und die letz­ten Sonnenstrahlen fallen auf die Kreidefel­sen in den Schluchten nördlich von Bjelgo- rod. Eindrucksvoll das Bild, welches diese Schluchten in den letzten Stunden vor dem Gegenangriff bieten. Auf engstem Raum steht hier Fahrzeug neben Fahrzeug, Zelt neben Zelt, und es wimmelt geradezu von Soldaten. Jetzt sammeln sich die Züge und Kompanien, und beim Hereinbrechen der Nacht verschwindet Marschkolonne um Marschkolonne durch die Ausgänm der Schli cht, Kraftfahrzeuge klettern mu heulen­den Motoren auf den Wegen an den Hän­gen empor, und die modernen Heerlager be­ginnen sich aufzulösen.

Von Minute zu Minute verdunkelt sich der Himmel mehr, und im letzten Dämmer- schein schieben sich die schwarzen Wolken­wände über uns hinweg. Blitze zuckten auf, Donner rollt am Himmel, und dann platscht der Gewitterregen auf uns hernieder-. Im Nu sind die Feldwege, auf denen wir in die Bereitstellungsräume vorrücken, auf­geweicht und zäh wie Gummi klebt die schmierige Erde an den Rädern unserer Fahrzeuge. Mühsam arbeiten wir uns im Schritt-Tempo vorwärts. Die Räder rut­schen auf dem Schlamm hin und her, wie wenn sie über eine spiegeglatte Eisfläche schlittern würden. Immer wieder bleiben einzelne Fahrzeuge im Dreck steckep, rutschen ab, stellen sich quer in den Weg und bleiben bewegungsunfähig liegen. Da kann nur noch gemeinsames Zupacken helfen. Komandeure stellen sich neben ihre Grenadiere in den

Gräben und Löchern, und schnell ist das Uebel behoben, die Kolonne kann weiter- rollen!

Langsam beginnt es zu tagen. Die fin­stere Nacht weicht von den weitgeschwun­genen Hügeln und Mulden, von den Kreide­felsschluchten und verödeten Feldern am westlichen Quellarm des Donez. Sonnen­blumen- und Wermutfelder, über Felsen, Gärten und Panjehütten huschen, blitzen an der ganzen dortigen Front die Mündungs­feuer der feindlichen Artillerie auf. Ein Rollen und Fauchen durchdröhnt die Luft, die Erde wummert unter den Einschlägen der Granaten, und wie in Feuerwerk sprü­hen die berstenden Geschosse durch das Mor- gendämmern. Wir aber schauen aus un­serer Deckung heraus gelassen dem Feuer­zauber zu, liegen doch die Einschläge größ­tenteils außerhalb unserer Bereitstellungs­räume, und die Äkusik ist daher größer als der Erfolg.

Als das Licht endgültig über die Dunkel­heit gesiegt hat, streift unser Blick über Hü­gel und Täler. Plötzlich bewegen sich die Ge­büsche, Sträucher und Kusseln, und nachdem die Tarnung gefallen ist, kommen unzählige Panzer zum Vorschein, tief gestaffelt sind unsere Geschütze, die Paks und Flaks auf Selbstfahrlafetten in Feuerstellung gefahren, die Motoren unsererTiger", Sturmgeschiitze und Schützenpanzer heulen auf. die Kano­niere stehen wartend neben ihren Nebelwer­fern und Geschützen, Betriebsstoff- und Mu­nitionswagen rollen über.die Felder hinweg. Ein schwarzes Meer von Menschen, Waffen und Fahrzeugen hat sich für den bevor­stehenden Gegenangriff bereitgestellt.

Eine Stunde lang hämmert die feindliche Artillerie auf unseren Raum nieder, dann wird es für Minuten ganz ruhig an der Front, und man sieht nur noch in weiter Ferne Leuchtspurgarben spritzen und Leucht­kugeln hochsteigen. Kurz nach 3 Uhr in der Frühe. Per Batteriechef hält seine Uhr in der Rechten und folgt gespannt dem Sekun­denzeiger. Viel, viel schneller müßte er in

Schlamm und schieben die Wagen aus den diesem Augenblick kreisen! Die Viertelstunde

ist voll. Schlagartig setzte unsere Feuervor­bereitung ein. Mit unheimlichem Grollen flattern die Salven unserer Werfer feind- wärts, Hunderte Kanonen pulvern Schuß auf Schuß aus ihren Rohren, ohne Unterlaß zie­hen die Geschosse übe,r uns hinweg, und am Horizont hat sich eine dichte Wand von Dreck­fontänen ausgebaut und beizender Pulver­dampf zieht träge an uns vorüber. In dieser Stunde stehen die ss-Erenadiere im Raum nördlich Bjelgorod schweigend im Kreise und hören den Befehl ihrer Führer. Und aus ihren Gesichtern konnte man in diesen Mi­nuten das Gelöbnis lesen, daß sie sich ein­setzen werden bis zum Letzten. Mit unge­brochenem Kampfesmut traten sie zur Schlacht an, um den Feind zu schlagen.

Plötzlich ein Brummen in der Luft, das stärker und stärker anschwillt. Wir blicken zum Himmel. Staffelweise schieben sich un­sere Stukas über uns hinweg, ziehen über den Feindstellungen Kreise und Schleifen, lassen sich dann fallen und laden ihre Bom­ben ab. In blitzschnellem Flug sausen die be­gleitenden Jäger knapp über die Erde hin­weg, klettern in weite Höhen und stürzen sich dann wieder auf die Ziele und bcharken die Feindstellungen mit ihren Bordwaffen.

Der Angriff hat begonnen. Die Panzer setzen sich in Marsch. Sturmgeschütze mit den aufgesessenen ss-Grenadieren folgen ihnen, und unsere Spitzen stoßen in^ die Linien der Sowjets vor. Hartnäckig ver­teidigt sich der Feind. Seine Stellungen sind gut ausgebaut, das ganze Gelände vor uns ist überzogen mit Gräben, Bunkern und Minensperren. Vor den Panzern gehen un­sere Pioniere, nehmen taufende Minen auf und bahnen eine Gasse für unsere, nach­stoßenden Kräfte. Immer wieder müssen die ss-Grenaüiere von den Sturmgeschlltzen ab­springen und die Felder durchstreifen. In den Steppengräsern und Kornfeldern ver­steckt lauern die Sowjets. Einmal knallt es von hinten, dann fängt wieder ein MG. links oder rechts an zu hacken.

(Fortsetzung auf Seite 2j

von Orel aus westlich von Kursk nach Sumy und weiter bis Bjelgorod verlief. Wie schon seit Beginn des Krieges im Osten die So­wjets sich in dem Gedanken verrannt hatten, daß Angriffsstöße aus vorgeschobenen Aus­buchtungen wie bei Bialystock und Lcmberg besonders aussichtsreich sein müßten, so hatten sie auch jetzt wieder in dem Front- vorsprung westlich von Kursk Truppen und Material im gewaltigen Ausmaß angehäuft. Offenbar haben die Bolschewiken aus den früheren Erfahrungen doch noch nicht end­gültig gelernt, daß solche Zusammenballun- gen in Frontvorfprüngen der Gefahr des Eindrückens von den Flanken her und schließlich der vernichtenden Einkesselung ausgesetzt sind. Andererseits ist nicht zu ver­kennen, daß sie sich im Raum von Kursk in einer gewissen Zwangslage befanden, weil hier der Frontverlauf von unserem Ge­sichtspunkt wie von demjenigen der Sowjets nach einer Korrektur geradezu schrie. Wenn jetzt die Sowjets den Plan gehabt haben sollten, aus dem Vorsprung bei Kursk her­aus zum Angriff in nördlicher und in süd­licher Richtung vorzugehen, um zunächst die Flankenbedrohung zu beseitigen und dann zu einem größeren strategischen Unternehmen anzusetzen, so ist heute schon, am vierten Tage nach dem Beginn der Schlackt, ganz deutlich zu sehen, daß sich der Gegner einer für ihn höchst verhängnisvollen Täuschung über die tatsächliche Krafh unserer Abwehr und unseres Angriffs hingegeben hat.

Auch im westlichen Lager unserer Gegner steht man der plötzlich eingetretenen Wen­dung im Osten zunächst noch völlig hilflos gegenüber. In der englischen Presse wurde bisher durchweg die Auffassung vertreten, daß die Deutschen an der Ostfront keine größere Mtion mehr durchführen könnten, weil sie in Erwartung der Invasion dort große Streitkräfte hätten abziehen müssen. Umgekehrt rechneten die englischenSach­verständigen" ganz allgemein mit einer großen Sowjet-Offensive, als deren Ziel meist die Wiedergewinnung der Ukraine vermutet wurde. Nach dieser Richtung waren ja auch die letzte Winteroffensive der Sowjets und später die Massenangriffe im Raum von Orel angelegt gewesen, die schließlich nach. ungeheuerlichen Verlusten erfolglos einge­stellt werden mußten. In der Londoner Presse war im Rahmen dieser Kombina­tionen gesagt worden, daß derjenige im Osten die Entscheidung herbeiführen könne, der endgültig die Ukraine in seinem Besitz haben werde. Das heißt also, daß man im westlichen Feindlager durchweg mit einer Sowjet-Offensive aus dem Frontvorsprung von Kursk heraus rechnete.

Es ist eine bittere Ueberraschung für die Engländer und Amerikaner, daß nunmehr die Schlacht in diesem Raum vollkommen im Zeichen des erfolgreichen deutschen Angrif­fes steht. Der Beweis.dafür ist erbracht, daß wir entgegen allen feindlichen Spekulationen auch hier weiterhin das Gesetz des Handelns zu bestimmen vermögen. Man hat in London eine ganze Weile gebraucht, um eine Formel zu finden, mit der der Öffentlichkeit gegen­über die Ueberraschung und Enttäuschung der für die englisch-amerikanische Kriegfüh­rung verantwortlichen Stellen verschleiert werden soll. Die englisch-amerikanische Krieg­führung, so sagt man jetzt, werde sich durch die neuen Ereignisse im Ostenin ihren Plänen nicht stören lasten". Was soll das nun wieder heißen? Und wie wird sich Sta­lin damit zufrieden geben? Seit längerer Zeit kommt von Moskau her der Ruf nach der zweiten Front mit vermehrter Laut­stärke. Bisher konnten London und Washing­ton es noch mit der Vertröftuna versuchen, daß die Sowjets 'in diesem Jahr die An­griffskraft der deutschen Armeen nicht meh^ besonders zu fürchten brauchten, weil die Drohung mit der Invasion wohl allein schon genügt habe, um die Oftfront durch den Ab­zug von Truppen und von Teilen der Luft- streitkräfte zu schwächen. Nun zeigt es sich aber, daß die deutsche Luftwaffe gegenüber