Ausgabe 
(10.9.1942) Nr. 249
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Das pmtsblatt des Negierenden vllrgermcisters der Zreien Hansestadt vremen >88^ pmtlithes verkündungsdiatt des Ncichsstai

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pmtlidies verkündungsdiatt des Ncichsstattkailers in Oldenburg und vremen

Nr. 249 , 12. Jahrgang

Donnerstag, 19. September 1942

tmzelpreis 15 Dpf.

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Verzweifelte Gegenangriffe der Bolschewisten scheiterten

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Berlin, 9. September. Zu den Dienstag-Kämpfen im Festungsgebiet von Stalingrad teilt das Oberlom- ntanbo der Wehrmacht ergänzend mit: Westlich von Stalingrad stießen bereits am frühen Morgen deutsche Panzer vor, durchbrachen die befestigten feindlichen Stellungen und gewannen eine beherrschende Höhe. Nachfolgende Jnsanterietruppen überwanden den Wi­derstand bolschewistischer Kampfgruppen, säuberten das im Sturm genommene Gelände und nahmen weitere tzchenstellungen westlich von Stalingrad nach hartem Kamps. Die Bolschewisten unternahmen vergebliche Ge­genangriffe, die sämtlich unter blutigen Verlusten für den Gegner vor den deutschen Stellungen liegenblieben. Auch nordwestlich von Stalingrad machte der deutsche Angrisf weitere Fortschritte. Teile des Feinds, die sich in einem Panzergraben verschanzt hatten, wurden vernichtet. Gegenangriffe der Bolschewisten wurden un­ter hohen Verlusten für den Feind abgewehrt und da­bei mehrere feindliche Panzer vernichtet.

Deutsche Kampfflugzeuge griffen in die harten Kämpfe im Raum des Befestigungsgürtels von Stalin­grad mit guter Wirkung «in. Durch die Zerstörung von 20 Panzerkampfwagen und 18 Geschützen der Bolsche­wisten brachten sie den Erdtruppen Entlastung bei dem weiteren Eindringen in das Verteidigungssystem. Drei Munitions- und zwei Treibstofflager wurden vernichtet. Angriffe deutscher Kampfflugzeuge richteten sich gleich­zeitig gegen die zum Schutze Stalingrads eingesetzten Flakbatterien, von denen 13 durch Bombentreffer außer Gefecht gesetzt wurden.

Zerstörerslugzeuge griffen bolschewistische Eisenbahn­linien im Norden von Stalingrad sowie ostwärts der Wolga mit guter Wirkung an. Die Bomben der deut­schen Flugzeuge rissen die Schienenstränge auf und ver­ursachten in den Bahnhofsänlagen, in denen Truppen- ucrladungen vorgenommen wurden, umfangreiche Brände. Kriegswichtige Ziele im Innern der Stadt wurden in der Nacht zum Mittwoch mit guter Wirkung bombardiert. Ostwärts der Wolga griffen deutsche Kampfflugzeuge Flugplätze der Bolschewisten an. Hallen und Unterkünfte gerieten nach Bombentreffern in Brand.

»kiserner Halbkreis um Stalingrad"

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Drahtbericht unseres Vertreters o. sch. Bern, 9. September. In den englischen und amerikanischen Korrespondenzberichten aus Moskau wird eine weitere Verschlechterung der Lage der bolsche­wistischen Verteidiger Stalingrads eingestanden. Wenn es auch nördlich von Stwlingrad den Sowjets gelun­gen fei so behaupten diese Meldungen Verstär­kungen einzusetzen, so habe dadurch die Kampflage vor der Stadt selbst nicht zugunsten der bolschewistischen Truppen, beeinflußt werden können. Westlich der Stadt hätten, so müssen sowohlUnited Preß" wieExchange" bestätigen, die-'Sowjets weitere Stellungenaufgeben"

USp.-Sroßschiff auf See ausgebrannt

- «p. Lissabon, 9. September. Der große nord- ; «merikanische TruppentransporterWakefield" ist durch ei» Feuer auf hoher See ausgebrannt. Es handelt sich um den früheren PassagierdampferManhattan" derUnited States Lines, der mit 24 239 BRT. das größte Schiff der nordamerikanischen Handelsflotte war. DieWakefield" war mit über 1999 Passagieren aus England und Irland nach den Vereinigten Staa­ten unterwegs, als an Bord Feuer ausbrach. Die Passagiere wurden von begleitenden Kriegsschiffen über­nommen. Die Besatzung verließ ebenfalls das Schiff, doch begab stch später der Kapitän mit einem Teil der Besatzung wieder an Bord, wo es gelang, die Flammen h> löschen. Das ausgebrannte Schiff wurde dann nach einem nordamerikanischen Hasen abgeschleppt.

müssen. Die Verteidigung der Sowjets, so fügt der United-Preß"-Bericht hinzu, sei insofern noch schwie­riger geworden, als verschiedene deutsche Angriffs­armeen sich westlich von Stalingrad hätten vereinigen und eine feste halbkreisförmige Front um die Stadt legen können. Der Bericht unterstreicht die wirksame Unterstützung, die die deutschen Truppen vor Stctlin-

grad durch die deutsche Luftwaffe und besonders die Stukas erhalten. Der englische Nachrichtendienst be­tonte am Mittwochnachmittag noch einmal die Bedeu­tung von Stalingrad. Niemand dürfe unterschätzen, daß die Festung einen wichtigen Schlüsselpunkt in der sowje­tischen Strategie darstelle. Ein Verlust Stalingrads würde für die Bolschewisten schmerzhaft und ernst sein.

veherrschende höhen genommen!

Schwere panzeroerluste der Sowjeis bei Kaluga und Nschew 137 Sowjeislugreuge abgeschossen

Aus dem Führerhauptquartier, 9. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:Bei der Erstürmung einer beherrschenden Höhe südostwärts Noworossijsk wurden über 1999 Gefangene einge- öracht und 27 Geschütze, ein Panzerzug und zahlreiches sonstiges Kriegsgerät erbeutet. Bor der Schwarzmeer- küfte versenkten Kampfflugzeuge ein Transportschiff von 899 BRT. Am Terek verlor der Feind bei vergeblichen Angriffen 18 Panzerkampfwagen.

Im Festungsgebiet von Stalingrad durchbrachen Panzertruppen zäh verteidigte Stellungen des Feindes und nahmen in erbitterten Kämpfen unmittelbar westlich Stalingrad gelegene beherrschende Höhen. Bei Nacht wurden das Stadtgebiet sowie sowjetische Flugplätze ostwärts der Wolga bombardiert.

Südwestlich Kaluga wurden wiederholte örtliche An­griffe des Feindes abgewiesen. Die Zahl der in diesem Kampfabschnitt seit dem 11. August vernichteten Panzer hat sich aus über 1999 erhöht. Im Raum von R s ch e w fanden auch am gestrigen Tag« keine größeren Kampf­handlungen statt. In der Zeit vom 39. Juli bis 8. Sep­tember wurden hier durch Heer und Luftwaffe 2126 so­wjetische Panzer vernichtet. An der Einfchließungssront von Leningrad scheiterten verernzelte feindliche An­griffe. Auf dem Ladogasee wurden drei sowjetische Ka­

nonenboote durch Bombentreffer schwer beschädigt. Im hohen Norden griffen Kampfslugzeue einen Flugstütz­punkt an der Kola-Bucht und das Hafengebiet von Mur­mansk an. Jagdflieger schossen in diesem Raum 26 feind­liche Flugzeuge ohne eigene Verluste ab. Die Sowjet­luftwaffe verlor am gestrigen Tage in Luftkämpfen mit deutschen und kroatischen Jägern und durch Flakartillerie 137 Flugzeuge. Vier eigene Flugzeuge werden vermißt.

Bei den Einflügen in die besetzten Westgebiete und bei vereinzelten Tagesstörflügen über Westdeutschland wur­den in Luftkämpsen 19 britische Flugzeuge abgeschosse». Im Laufe der Nacht griffen Verbände der britischen Luftwaffe südwestdeutsches Gebiet an. Die Zivilbevölke­rung hatte Verluste. Vor allem in Wohnvierteln ent­standen Sach- und Gebäudeschäden. Nach bisherigen Mel­dungen wurden drei der angreifenden Bomber abge­schossen. In der Zeit vom 28. August bis 8. September verlor die britische Luftwaffe 232 Flugzeuge, davon 129 über dem Mittelmeer und in Nordafrika. Während der gleichen Zeit gingen im Kamps gegen Großbritannien 39 eigene Flugzeuge verloren. Kampfflieger griffen bei Tag und Nacht Rüstungswerke und militärische Anlagen an der englischen Südküste sowie in Mittel- und Ost­england an. Ein britisches Motorschiff von 399 BRT. wurde durch Bombentreffer versenkt."

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USA.-Zuchthäusler alsVerteidiger des Vaterlandes". Im Ohio-Staatsgefängnis in USA. ist das erste ameri­kanische Sträflings-Soldatenkorps gegründet worden, lieber diese Verbrecher-Soldaten brachte voi kurzem eine große amerikanische Zeitschrift einen rührseligen Bericht, aus dem wir diese Aufnahme entnehmen. Den Zuchthäuslern werden die Pforten des Gefängnisses geöffnet, wenn sie bereit sind, sich für die Geldsack-Interessen des Weißen Hauses zu schlagen. Die Ausbildung erfolgt innerhalb des Zuchthauses vorsichtshalber jedoch zunächst mit Holzgewehren, die mit einer Eisenstange versehen sind

Scherl-Bilderdienst

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Ecuador in den sängen tDafhingtans

7000 USfl.-Soldaten in Mo de Janeiro gelandet tJargae' Vasallentum gegenüber Naalevelt Chile bleibt fest

Drabibericht unserer Berliner Schriftleitung

d. Berlin, 9. September. Der Kriegsminister Ecu­adors mußte an dem Tage, an dem Roosevelt durch Lan­dung von 7999 nordamerikanischen Soldaten in Rio de eaneiro seinen ersten praktischen Kriegsbeitrag für Bra- fllicn leistete, dem Parlament seines Staates mittei- Jhi, daß die Vereinigten Staaten entgegen der gestrigen Erllarung des Außenministers Hüll nicht nur Stütz­punkte auf den Galapagos, sondern auch im Gebiet von «anta Elena, dem am weitesten nach Westen vor­geschobenen Punkt der ccuadorianischen Küste, besetzten. Beide Ereignisse find gleich symptomatisch für die Wege, d>e Washington zur vollständigen wirtschaftlichen und Mlitärischen Beherrschung Südamerikas konsequent be­schneitet.

x£ie Ankündigung des ccuadorianischen Kriegs- juinisters war von erregten Debatten des Parlaments i», Quito begleitet, .wo man zwei strategisch eminent Wichtige Gebiete an das unersättliche Washington ver- : Mt sieht, das sowohl auf die Galapagos wie auf Santa Mena schon seit langem begehrliche Blicke wirft. Die galapagos ermöglichen die militärische Sicherung ö ? 5 Panamakanals gegen eventuelle Angriffe von Sud- 3|tm her. Die Nordostsicherung des Kanals als der empfindlichsten Stelle im Verteidigungssystem der USA. Mst Roosevelt durch die Befestigung der Hawai-Jnseln seicht zu haben. Die Halbinsel Santa Elena ver- M über besonders günstige Verkehrsmöglichkeiten zw>- Aen dem Festland und den Ealapagos-Jnseln. Die gereinigten Staaten hatten die Arbeiten an SHcf«n £ tu SPunficn bereits seit Monaten ausgenommen. Wenn ^°e Abgeordneten in Quito jetzt di« Vollendung des Drittes mit begreiflicher Erregung konstatieren, so 3>yren sie doch gezwungen, das Verhalten ihrer Re- L"ung zu billigen, die lediglich die Folgerung aus dem °!ü mcn 0°fl. das sie zusammen mit den Regierungen Venezuela und Columbien bereits vor Monaten

lit den Vereinigten Staaten schloß und das es den lSA. ausdrücklich erlaubte, die fraglichen Gebiete durch ordamcrikanische Offiziere unter dem Gesichtspunkt der Möglichkeit von Stützpunktanlagen zu vermessen. Be- eits Anfang 1911 aber hatte die Regierung Ecuadors er USA.-GesellschaftPacific Develoment Corpora- ion" weitgehendewirtschaftliche Konzessionen" in iesem Gebiet erteilt,-wobei-es beachtlich ist, daß sich iejes Unternehmen zwar äußerlich alsSchildkröten- esellschaft" tarnt«, aber als Direktor doch den USA.- liarineingenieur Foster an der Spitze hatte. Die tollarmillionen. die für die Verpachtung dieser Gebiete «zahlt wurden haben dann die Regierung Ecuadors ch bereit finden lassen, durch diese wichtigen Posi- ionen den unersättlichen Stützpunkthunger des amerikani- hen Präsidenten stillen zu helfen. Die Erregung des Parlaments, das ja weitgehend durch die Dollars Washingtons bestochen ist, galt deshalb wohl auch nicht er Tatsache der Besetzung an sich, sondern dem llm- and, daß die USA. schon lange vor derBestatt­ung" durch das Parlament die Arbeit in den frag- ichen Stützpunkten aufnahmen. Rach südamerikani- hen Informationen begannen die Befestigungsarbeiten uf Santa Elena bereits im Februar dieses Jahres, und uch auf den Ealapagos-Jnseln ist wahrscheinlich auch hne Billigung" des ccuadorianischen Parlaments be- sits lange mit dem Bau von Befestigungsanlagen be-

onnen worden. . r ,

Interessant ist es, daß die Ealapagos-Jnseln,, aus enen sich heute die Nordamerikaner häuslich nieder- elafien haben, ursprünglich Seeräubern sichere Schlups- .inkel gaben, dann dienten sie als Verbrecherkolon,e es Staates Ecuador und heute sind sie Besitz Roo,e- clts. Ein sehr hübsches Sinnbild!

In Ecuador zeigen stch dergestalt die ersten Stadien er USA.-Jnfiltrierung. In Brasilien kann Roose- elt schon sehr viel weitgehendere Etappen seststellen.

Der 120/ Unabhängigkeitstag des Landes diente dem Präsidenten Vargas zu einer Unterstreichung des Vasallentums, das er gegen gute Dollar gegenüber Washington eingenommen hat. Um die Kriegsbegeiste­rung der von ihm in den Krieg gezerrten Brasilianer zu heben, ließ er eine Reklameparade der brasilianischen Truppen durchführen, die ihm zugleich Anlaß war, gegen deutsche und italienische Staatsangehörige erneut vorzugehen. An der Paradestraße liegende Häuser mußten sich einer Haussuchung unterziehen lasten. Wäh­rend des Aufmarsches durften sich die Deutschen und Italiener nicht an den Fenstern zeigen. Weiter wurden an diesem Tage der italienische Generaldirektor der Fluggesellschaft Lati, sowie mehrere Piloten, die ver­sucht hatten, Brasilien zu verlassen, verhaftet.

Ueber weitere Maßnahmen gegen die unter deutscher oder italienischer Leitung stehenden Luftfahrtgesellschaf- ten auch in anderen südamerikanischen Ländern kabelt unser Korrespondent in Buenos Aires: Die Konzessionen der Deutschen Lufthansa und ihrer Tochtergesellschaft zur Errichtung von Luftlinien zwischen Argentinien, Bra­silien und Chile, sowie Afrika und Europa wurden als verfallen erklärt. Eine neu gegründete brasilianische Luftfahrtgesellschaft bekam die Einrichtung einer Han- delsfluglinie zwischen Buenos Aires und Rio de Ja­neiro übertragen. In Peru gab das Außenministerium die fast völlige Einschränkung von Zivilluftreisen nach dem Norden bekannt, da die Eenehmigunq der Flug­erlaubnis hierfür ausschließlich an das llSA.-Kriegs- departement abgetreten wurde. Chiles Haltung >zu der veränderten außenpolitischen Lage auf dom slldamerika- nischen Festland steht naturgemäß im Mittelpunkt der Wallstreet-Hetze und des Jnterestes der südamerikanifchen Oefsentlichkeit. ,

Ueber die Besprechungen, die der chilenische Staats­präsident Rias mit Roosevelt demnächst haben wird, gab (Fortsetzung auf Seite 2)

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Was sich das Unterhaus gefallen lassen mutz

6r. w. sch. Berlin, 9. Sdptember. Wochenlang haben das Unterhaus und die gesamte englische Oefsentlichkeit mit fiebernder Spannung auf das gewartet, was Chur­chill ihnen über seine Reise zu Stalin und in den Mitt­leren Osten berichten würde. Churchill hat seine Leute absichtlich so lange warten lassen, bis die Spannung bei­nahe wieder erlahmt war. Schon damit hat er seine voll­kommene Respektlosigkeit gegenüber den vormals so laut gepriesenen Einrichtungen der Demokratie bekun­det. Er hatte allerdings eine Ausrede. Parallel zu seiner Reise nach Moskau verlief nämlich eine Linie militärischer Ereignisse, die allesamt furchtbare Schläge für England bedeuteten, das Fiasko von Dieppe, die Vernichtung des Geleitzuges im Mittelmeer, die Fort­dauer der 'schweren Verluste in der Schlacht auf den Meeren und schließlich die katastrophale Zuspitzung der Lage an der Sowjetfront, fo. daß ein Rechenschafts­bericht Churchills schon zu einer schweren Geburt werden mußte. Wenn nach den Meldungen aus Washington dort in weiten politischen Kreisen Roosevelts Katastro- phenbotschaft an den Kougreß, die in die Form eines Ultimatums gekleidet war, geradezu alsBeleidigung für den Kongreß" empfunden wird, so scheint die Rede Churchills im Unterhaus in London ganz ähnliche Empfindungen geweckt zu haben. Churchill hat sein Parlament wie eine Versammlung von dummen Jun­gen? behandelt, denen gegenüber er sich nicht verpflichtet fühlt, einen ernsthaften Rechenschaftshericht zu er­statten, eine wirkliche Aufklärung über die gegen­wärtige Lage zu geben oder gar eine begründete Auf­fassung über künftige Entwicklungsmöglichkeiten darzu­legen.' Er hat seine Zuhörer auf den Unterhausbänken mit einem nichtssagenden Geplätscher ganz seichter Re­densarten abgespeist, wie man einem fremden Hund einen abgenagten Knochen hinwirft.

Daß die Ünterhausmitglieder sich dessen selbst mit beschämter Resignation bewußt geworden sind und. daß sie diese Erkenntnis mit starker Unlust erfüllte, das' spiegelt sich deutlich in amerikanischen und schwedischen Stimmungsberichten über den Verlauf der Sitzung. Selbst Reuter muß bie bittere Klage von Cripps dar­über verzeichnen, daß eine Anzahl von Abgeordneten während der Rede Churchills den Sitzungssaal ver­lassen haben. In einem aus London gedrahteten Bericht für den amerikanischen Rundfunk wird festgestellt, daß die Abgeordneten alles Interesse verloren hätten, als zutage getreten sei, daß Churchill über einen oberfläch­lichen Bericht hinaus nichts wesentliches habe Vorbrin­gen wollen. Das Parlament habe während der Rede nervös auf das Ende gewartet, um zum Essen zu ge­langen. Das weise, so sagt der amerikanische Bericht­erstatter, auf eine höchst bedeutsame politische Entwick­lung hin. Wenn diesebedeutsame politische Entwick­lung" angedeutet wird, so kann das kaum anders ver­standen werden, als daß sowohl Roosevelt wie Chur­chill durch ultimative oder verächtlich respektlose Be­handlung der Parlamente diese demokratische Einrich­tung, auf die man einst so stolz war, Schritt für Schritt zurückzudrängen suchen. Es muß der Verdacht aufkom- men, daß. diesedemokratilchen" Usurpatoren sich bei ihrem Vorgehen von der Absicht leiten lassen, die be­fürchtete Möglichkeit rechtzeitig abzuwürgen, daß aus den Parlamenten heraus schließlich doch einmal eine wirksame Ovposition gegen ihre Kriegfllbrung entstehen und anwachsen könnte. Wenn diese Parlamente sich eine solche Behandlung gefallen lassen, statt die Inter­essen ihrer Völker gegen wahnsinnige Usurpatoren wabr- zunehmen, so machen sie sich in vollem Ausmaß zu Mit­schuldigen an den Verbrechen, die die Churchill und Roosevelt gerade auch gegen ihre eigenen Völker ver­übt haben und weiter verüben wollen.

Was Churchill im einzelnen zusammcngefaselt hat, rechtfertigt in der Tat den Eindruck, den man in den Wandelgüngen .des britischen Unterhauses gewinnen wollte, daß zu dieser Rede nichts zu sagen sei, vor allem gerade vom englischen Gesichtspunkt aus. Jeder Mann in England weiß doch inzwischen, daß das letzte Eeleit- zugunternehmen im Mittelmeer als eine vollkommene Katastrophe geendet hat. Churchill gesteht zwar heute die Versenkung eines Flugzeugträgers, zweier Kreuzer und eines Zerstörers ein, bringt es aber fertig, zu be­haupten, daß der Preis für den erzieltenErfolg" nicht übertrieben gewesen sei. Bekanntlich konnten sich nach Malta nur einige Schiffe aus dem Riesengeleitzug flüch­ten, der in Wirklichkeit nach Alexandrien bestimmt war. Auf der gleichen Linie liegt es, wenn Churchill heute noch über Dieppe so spricht, als ob nicht inzwischen die ganze Welt erkannt hätte, daß ein großangelegter Jn- vasionsversuch mit einer furchtbaren Niederlage geendet hat. Man habe, so behauptet er, frech, aber nicht gottes- fllrchtig, dem Feindvielleicht" ebenso große Verluste beigebracht,^ als sie die Landungstruppen selbst erlitten hätten. Schämt sich das englische Parlament nicht bis auf den Grund der Seele, wenn ihm sein Premier zumu­tet, solchen aufgelegten Irrsinn als bare Münze hinzu­nehmen?

Das gleiche im Hinblick auf Afrika! Churchill kann nicht umhin, festzustellen, daß bei dem britischen Rück­zug bei El Alameindie Divisionsformationen in großem Ausmaß aufgelöst und die Schlachtgruppen völlig zersplittert" wurden, so daß erdrastische' Aende- rungen im Oberbefehl" für erforderlich gehalten habe. Die Ehurchillschen Renommistereien Anfang dieses Jah­res sind noch nicht vergessen, in denen'er die Zer­schmetterung der Achsenkräfte in Afrika und den Marsch nach Tripolis als sicher prophezeite. Wenn er es heute, nach dem Eingeständnis derZersplitterung der achten Armee" wiederum wagt, zu behaupten, daß die britische Afrika-Armee stärker sei als je, auf wen will er dann

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Unser Tagesspiegel

In harten Kämpfen nahmen unsere Truppen be­herrschende Höhen westlich Stalingrads; Gegenan­griffe der Sowjets im Fcsinngsgelände scheiterten. Bei ihren vergeblichen Entlastungsangriffen im Raum von Kaluga und Rschew erlitten die Bolsche­wisten schwere Panzerverlustc.

Bei einer Gefängnisrevolte in der britischen Pro­vinz Bihan wurden 31 Personen getötet.

Roosevelt bringt nunmehr auch Ecuador unter sein Joch; in Rio de Janeiro landeten 7999 USA.- Soldatdn.

Reichsjustizminister Dr. Thierack erläuterte den ihm vom Führer erteilten Auftrag der Rechtserneuerung. Der Führer ehrte die Frauen des Nordsecgaucs für ihren gefahrvollen Einsatz.

Vremen erhält verschiedene Sonderzuteilungen.