Ausgabe 
(3.8.1942) Nr. 211
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Nr. 211 , 12. Jahrgang --

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der Nationalsozialisten Bremens

flmlliHes verkündungsblatt des Neichsstatthallers in Oldenburg und Vremen

Montag. Z. flugust 1942

kinzelpreis 15 Npf.

Sem weichenden feind keine sttenipause!

^ Kastlose Verfolgung in Mchtung auf den Kuban / Vriickenkopf der Volschewlsten im großen Vonbogen erobert / Sowjets verloren vom 21—ZU. Juli SIS slugzeuge

Volgaschiffalirr unter Bomben

Reuter: „Die schicksalsreichste Schlacht dieses Krieges"

"i ür.n. sob. Berlin, 2. August. Am neunten Tage nach der Erstürmung von Rostow wird der Kuban als Zielrichtung der Berfolgungsschlacht südlich des unteren Tau angegeben. Dieser Fluh verläuft in einer Entfer- !» «ung von etwa 366 Kilometer vom Unterlauf des Don , in oitwestlicher Richtung und mündet südlich der .Landengen, die sich der Halbinsel Kertsch , entgegenstrecken, ins Schwarze Meer. Diese Annäherung an den Kuban konnte kaum noch überraschen, nachdem ^am Vortage die Ueberschreitnng der Eisenbahnlinie H Stalingrad—Krasnodar auf 75 Kilometer breiter Front 5 und die Tatsache mitgeteilt worden war, daß die Spitzen unseres Vormarsches bereits über 268 Kilometer im Sü­ll den des Don zurückgelegt haben. Die zuletzt als von un­kt seien Truppen genommen gemeldete» Städte Salsk und -t Pestschanopskaja (etwa halbwegs Salsk—Tichorzks lie- - gen heute schon hinter, unserer Front. Der deutsche Vor­marsch bewegt sich zu beiden Seiten der von Rostow : nach Vaku führenden Eisenbahn, der die Oelleitung parallel läuft. Die strategischen Auswirkungsmöglich- lriten dieser rastlosen Versolgung zeichnen sich am Hori- . zout schon sehr deutlich ab.

Die Sowjets müssen es schon der deutschen mil-itä- riichen Führung überlasten, wo sie die Hauptkraft ihres Angrifssstoßes ansetzen will. Wenn sich der Gegner dar­über tüncht, so ist das sein Fehler, der sich bitter rächen kann. Nach dem Beginn der deutschen Operationen aus dem Raum Kursk—Charkow heraus glaubte Timoschonko dm deutschen Plänen durch eine Ballung des Wider­standes bei Woronesch wirksam entgegentreten zu können. Lange Zeit wurde ein großes Geschrei um die sowjetischen Eegenangriffe im Raume dieses Brückenkopfes östlich des Don gemacht, während das Schicksal schon längst in anderer Richtung seinen Laus nahm, nachdem nämlich die Schwenkung unseres Vormarsches nach Südosten und dann nach Süden durchgeführttwar, um das tm Westen unheimlich stark befestigte Donezgebiet von der Flanke und nom Rücken her aufzurollen. Nun hat Stalin in der höchsten Not dte Verzweiflungsparole „Steg oder Tod" gegeben. Sie wird von den Moskauer Zeitungen noch hmterisch übersteigert. „Es ist an der Zeit", so schreit der „Rote Stern", „den Rückzug zu beendigen. Die Rote Armee ist nicht berechtigt, weiter zurückzugehen. Das sowjetische Volk wird der Roten Armee einen weiteren Rückzug nicht verzeihen können." Nun jubilierte die „Times" bereits, daß dte Zeit des „elastischen Rückzugs" vorüber sei, und die Moskauer Korrespondenten der eng­lischen Zeitungen sind jetzt beauftragt worden, die von feiten der Sowjsttruppen erfolgte „Aufnahme der Schlacht" von Woronesch bis in den Donboggn hinein nach Hause zu melden.

Inzwischen aber liegt das Hauptgewicht des deut­schen Angriffs auf dem stürmischen Vormarsch 'südlich des unteren Don, wo nach der unbedingten Voraus­sage aller gegnerischen Armstuhlstrategen bis zur Er­stürmung Rostows Timoschenko eine uneinnehmbare

I kroßer krfoig des Jagdgeschwaders MSlders

" Berlin, 2. August. Bei den heftigen Lnftkämpfen, sich gestern im mittlere» Abschnitt der Ostfront ent- M wickelten, schoß das Jagdgeschwader Mölders trotz un- " Wetterbedingungen 25 sowjetische Flugzeuge

/ ab. Hierbei errang Ritterkreuzträger Oberfeldwebel k sch erenbrock mit neun Abschüssen seinen 94. bis V 102. Luftsieg.

Reichsmarschall Eöring hat dem General der Flieger ?- Ereim und der ihm unterstellten Luftwafsenverbände, insbesondere dem Oberfeldwebel Veerenbrock für die augerst wirksame Unterstützung des Heeres und den her- vorragenden Einsatz der der Abwehr des starken Lolsche- 1 magischen, Angriffs fernen Dank und seine besondere Am- »K erkennung ausgesprochen.

Aufnahme- und Verteidigungsstellung geschaffen haben sollte. Das stürmische Tempo der Verfolgung durch unsere schnellen Verbände und durch die unmittelbar nachfolgende Infanterie läßt ohne weiteres erkennen, daß die Sowjettruppen südlich des Don geradezu ver­nichtende Schläge erhalten haben und sich unter dem Druck der rastlosen Verfolgung immer mehr der Auf­lösung nähern. Auf wirksame Unterstützung von Nor­den her können diese Sowjettruppen jetzt nicht mehr rechnen, nachdem die letzte ins Kubangebiet und ans Schwarze Meer führende Eisenbahn von unseren Trup­pen abgeschnitten ist» Diese Eisenbahn endigt am Schwarzen Meer in der Hafenstadt Noworossijsk, und schon werden aus Moskau Besorgnisse geäußert, daß die Abtrennung der letzten Verbindung mit dem Hinter­land höchst bedrohliche Folgen für den letzten Zufluchts­hafen der Schwarzmeer-Flotte und damit auch für diese selbst haben werde.'

Selbst der sowjetische Heeresbericht sieht sich außer­stande, die Tatsachen ganz zu verschweigen. Er spricht von „erbitterten Kämpfen im äußersten Donbogen" und „in den Bezirken Kutschewskaja und Salsk". Die ganze Welt weiß nach den bisherigen Erfahrungen,

daß Orte, die die Sowjets in ihren Heeresberichten zur Kennzeichnung der Kampfräume nennen, nicht mehr in ihrem Besitz sind. So kommt also diesmal Moskau mit seinen Eingeständnissen den Ereignissen einiger­maßen nach. Unter diesen Umständen hält es auch der militärische Korrespondent von Reuter nicht für an­gebracht, die in einem Teil der englischen Presse wieder krampfhaft entfachte Stimmungsmache mitzumachen. Die Größe und Bedeutung der militärischen Ereignisse zwischen Don und Kuban zwingt ihn zn der Fest­stellung: „Zwischen den sowjetischen Südarmeen und den deutschen Heeren wird die schicksalsreichste Schlacht dieses Krieges ausgefochten."

Es entspricht ganz der amerikanischen Unreife und Leichtfertigkeit, wie sie sich in den tollen Prophezeiun­gen der Knox und Stimson offenbarte, wenn die „New- york Herald Tribune" ihre Leser so zu trösten sucht, daß es den Deutschen bisher nicht gelungen sei, ein ein­ziges wichtiges Industriezentrum in die Hand zu be­kommen, mit Ausnahme von Woroschilowgrad. lleber- haupt habe bie russische Kriegsindustrie kaum gelitten. Das konnte in Amerika an einem Zeitpunkt geschrieben (Fortsetzung aus Seite 2)

Schwerer deutscher Luftangriff aus Norwich

wett aus-edelinke vrandletder und Zerstörungen auch in Industrieanlagen

Aus dem Führerhanptquartirr, 2. August. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Im Süden der Ostfront stießen schnelle Verbände und In­fanterie-Divisionen dem Feind in rastloser Versolgung in Richtung ans den Kuban nach und brachen stellen­weise noch zähen Widerstand seiner Nachhuten. Zahl­reiche eingeschlossene Gruppen wurden vernichtet. Ver­bände der Luftwaffe unterstützten den Vorstoß des Hee­res und richteten außerdem rollende Angriffe gegen die rückwärtigen Verbindungen der Sowjets. Im großen Donbogen nahmen deutsche und italienische Truppen einen sowjetischen Brückenkopf. Starke Nah- kampffliegerverbände griffen in diese Kämpfe mit gutem Erfolg ein. Bei Nachtangriffen aus den Schisss- und Fährverkehr wurden fünf Wolgaschisse durch Bomben­treffer versenkt. Fünf weitere und eine Fähre be­schädigt. — Vom 23. Juli bis 1. August vernichtete ein Panzerkorps im Raum nordwestlich Kalatsch 482 zum größten Teil schwere und schwerste Panzer. Nördlich Rschew griffen die Sowjets auch am gestrigen Tage wiederholt an. Sie wurden in erbitterten Kämpfen zum Teil im Gegenstoß unter blutigen Verlusten zu­rückgewiesen. Im Finnischen Meerbusen beschädigten Kampfflugzeuge zwei sowjetische Frachtschiffe durch Bombentreffer. In der Zeit vom 21. bis 31. Juli ver­lor die Sowjetluftwaffe 815 Flugzeuge, davon wurden 841 in Lustkämpfen, 86 durch Flakartillerie und elf durch Verbände des Heeres vernichtet, die übrigen am Boden zerstört. Während der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 61 eigene Flugzeuge verloren.

In Aegypten griffen deutsche Kampfflugzeuge in der Nacht zum 1. Augnst den Flugplatz Heliopolis bei Kairo an. Mehrere Flugzeughallen wurden in Brand gesetzt und siebe» Flugzeuge am Boden zerstört. Eine

Anzahl britischer Flugzeuge führte im Laufe des gestri­gen Nachmittags in großer Höhe Störslüge im we st­iren tschen Gebiet durch. Durch Bombenwurf auf Wohnviertel einiger Städte entstanden Verluste unter der Zivilbevölkerung und Eebäudeschädeir. Zwei Flug­zeuge wurden in Luftkämpfen zum Absturz gebracht. Im Kamps gegen Großbritannien belegte die Luftwaffe in der vergangenen Nacht ohne eigene Verluste kriegs­wichtige Anlagen von Norwich mit Spreng- und Brandbomben.

In der Nacht zum 1. August wurde nördlich Zee- brügge bei einem Gefecht zwischen deutschen Vorposten­booten und englischen Schnellbooten ein englisches Schnellboot versenkt, ein weiteres in Brand geschossen. In der Nacht zum 2. August kam es vor der fran­zösischen Küste zu einem Gefecht deutscher Vorposten- boote mit englischen Schnellbooten und Kanonenbooten. Hierbei wurden zwei englische Schnellboote wahrschein­lich vernichtet, auf weiteren Booten wurden Treffer beobachtet. Die eigenen Streitkräfte bliebe» unbe­schädigt."

Wie das Oberkommando der Wehrmacht mitteilt, griffen im Laufe der vergangenen Nacht deutsche Kampf­flugzeuge in mehreren Wellen kriegswichtige Anlagen der Stadt Norwich an der englischen Ostküste an. Zahlreiche Spreng- und Tausende von Brandbomben wurden auf die dicht um den Stadtkern gelegenen Fa­briken abgeworfen, die eine große Zahl weit ausge­dehnter Brände, unter anderem auch im Stadtgebiet selbst, verursachten. Die eingesetzten deutschen Kampf­flugzeuge kehrten ohne Verluste zu ihren Einsatzhäfen zurück.— Norwich ist die Hauptstadt der englischen Grafschaft Norfolk und Bahnknotenpunkt der Eisen- bahnstrecke London—yarmouth.

F» 12 Stunden S vritenflugzeuge...

Berlin, 2. August. Zu der erfolgreichen Abwehr bri- cher Luftangriffe am Sonnabend teilt das Oberkom- rndo der Wehrmacht ergänzend mit: Als kurz nach Uhr ein britischer Dagdverband das nordfranzösische istengebiet bei St. Valerien Caux etwa 25 Krlome- : westlich Dieppe überflog, geriet er in das konzen- sche Abwehrfeuer der deutschen Flakbatterien, die ei Spitfire brennend zum Absturz brachten. Der durch n Flakbeschuß zersprengte Verband drehte nach Nord­eten zum offenen Meer hin ab.

Um 17 Uhr eröffneten deutsche Flakdatterien ihr ner gegen britische „Boston"-Bomber, die unter star­

kem Jagdschutz »in den Raum von Vlissingen an der holländischen Küste eingedrungen waren. Drei der sechs angreifenden „Boston", deren Bombenwürfe geringen Sachschaden in Wohnvierteln und einige Verluste unter der holländischen Zivilbevölkerung hervorgerufen hatten, wurden in kurzer Zeit abgeschossen.

Ferner brachten deutsche Jäger im Laufe des Sonn­abendnachmittags zwei in das Seegebiet der Deutschen Bucht eingedrungene britische Flugzeuge über der Nord­see zum Absturz. In der Nacht zum Sonntag wurde schließlich ein einzeln fliegender Bomber von der Flak­artillerie in der Nähe von Eoreux abgeschossen. Die Briten verloren damit im Laufe von 12 Stunden neun Flugzeuge. Ein deutsches Jagdflugzeug wird vermißt.

Keine Verminderung der deutschen Schlagkraft

ftmerikaner fordern von jeder neuen front Sberbekeftl — Deutsche erfolge selbst ln London nicht zu leugnen

Drahtbericht unseres Vertreters Kv. Stockholm, 2. August. „Irgend etwas muß ge­schehen — aber was?" So luvtet nach amerikanischen und schwedischen Berichten aus London der allgemeine Eesprächstosf in England angesichts der neuesten ver­hängnisvollen Nachrichten von der Ostfront. „Die eng­lische Oeffentlichkeit hat mit Interesse die Berichte über die englischen Luftangriffe auf deutsches Gebiet ver- Mgt. aber sie hat noch keinerlei Einwirkung aus die Schlagkraft der deutschen Kriegsmaschine feststellen können", sagt sehr drastisch und zweifellos zutreffend «n Londoner Bericht der United Preß.. Die Spanne »wischen der eigenen Erfolglosigkeit und den unauf­haltsamen Siegen der deutschen Wehrmacht wird immer größer. Die amerikanische Darstellung aus London spricht von einer „deutschen Lawine", die mit unwider­stehlicher Kraft rolle." Der ganze Krieg befinde sich irtzt in einem Stadium, wo eine Aktion der Verbünde­ten fällig sei. Sowjetrußland müsse schnelle und wirk- >ume Hilfe haben, ehe es zu spät sei. Eine schwedische -Meldung aus London spricht, von politischem Einschlag in der Agitation für die zweite Front. Neue Demon­strationen seien allenthalben im Gange. Vielfach werde

der Gedanke über bie Notwendigkeit gegenseitiger Hilfsleistung unter Anführung von Beispielen aus dem Weltkrieg als Leitthema benutzt. Lripps' Zeitschrift „Tribune", die sich besonders eifrig für die zweite Front einsetzt — obwohl Cripps im Unterhaus schein­bar streng loyal gegen Churchill eine auch nur nicht­öffentliche Behandlung ablehnte — richtet einen An­griff auf das Außenministerium, der, wie die schwedische Darstellung sich ausdrückt, einen Argwohn auf der Lin­ken zum Ausdruck bringt, der dem ganzen Feldzug für die zweite Front politischen Charakter geben könnte.

In der amerikanischen Presse spielt die Frage des Oberbefehls weiter eine große Rolle. „New Park Times" macht zur Vorbedingung einer neuen Front die Errich­tung eines gemeinsamen Oberkommandos, da die ganze bisherige Strategie der Verbündeten improvisiert ge­wesen sei. Churchill und Roosevelt seien beide gleicher-^ maßen nur allzu interessiert daran, die Kriegsstrategie allein zu leiten. Aus Mangel an ausreichenden Vor­bereitungen seien die Verbündeten nahe daran, die Schlacht um den Atlantik zu verlieren. „New York Herald Tribune" gibt ähnlichen Eedankengängen Aus­druck. Die englische Presse dagegen umgeht das Thema des Oberbefehls peinlich, besonders nach dem schlechten

Eindruck, den die Proteste etlicher Londoner Blätter gegen einen USA.-Eeneral als obersten Chef der Ver­bündeten in Washington ausgelöst haben. Sehr vor­sichtig, aber immerhin mit unverkennbarem Respekt, werden dagegen die aus den verschiedensten Gebieten Europas eingehenden Nachrichten über deutsche Erfolge in USA. verzeichnet.

Die gefährlich« jüngste Entwicklung am Südflügel der Ostfront wird in London einigermaßen realistisch eingeschätzt, besonders nachdem die Sowjets selber das Stichwort von neuem deutschen Vordringen südöstlich Rostow gegeben und die Entstehung einer „Bresche" eingeräumt haben, die offensichtlich als Umschreibung der im OKW.-Brricht geschilderten Erfolge an der Bahn Stalingrad — Noworossijsk zu betrachten ist. Der „News-Chronicle"-Vertreter in Moskau meldet das Ende des normalen Verkehrs auf dieser Bahn. Auch die Rostow-Baku-Vahn sei bis 75 Kilometer südlich Rostow erobert. Etliche englische Berichte vergleichen die Beweglichkeit der Operationen in dem Steppenkand mit den Kämpfen in der Wüste, was bei der englischen Oejsentlichkeit sicher keine angenehmen Vorstellungen sachruft.

Liioeülra

Die älteste deutsche Kolonie der Ukraine

„Darf ich Ihnen behilflich sein?" Wir blicken ver­dutzt aus unserem Fahrzeug auf die Fragende, die uns hier zwischen Dnjeprpetrowsk und Saporoshje, 2506 Kilometer vom Vaterlande entfernt, so unvermittelt in durchaus korrektem Deutsch anspricht, dessen singender Tonfall stark dem schwäbischen Dialekt ähnelt. „Gerne", entgegnen wir, schnell gefaßt, der Dorfschönen, „wir suchen die Baustelle T. im Ort Einlage."

„Das werden wir gleich haben", meint die Dorfmaid keck, läßt sich auf der Streckenkarte den gegenwärtigen Standort zeigen, überlegt kurz und zeigt dann mit dem Finger die genaue Fahrtroute, die noch zurückzulegen ist. Uns ist ganz merkwürdig ums Herz; nahezu an­dächtig lauschen wir den wohloertrauten Heimatklän­gen und kosten das bisher seltene Elücksgesühl, einem Menschen gegenüberzustehen, der deutsch spricht und sicherlich auch deutsch fühlt. Jetzt, wo unser Fahrtziel haargenau erläutert ist, stellen wir die private Frage, die uns auf den Lippen brennt: „Wo haben Sie denn das ausgezeichnete Deutsch gelernt?" „Von Vatern und Muttern!", kommt es stolz zurück. „Und die haben es wieder von ihren Urahnen. Das hat sich von Gene­ration auf Generation vererbt. Hier spricht ja fast alles deutsch!" — „Fast alles", wiederholen wir ungläubig. „Ja, ja", lacht sie ungläubig, „schaun's her." Sie macht eine kurze Kehrtwendung, ruft drei des Weges kom­mende, schulaltrige Kinder heran und fragt auf deutsch: „Wie heißt du?" Anna Stephan, Joses Weber und Walter Braun, kommt es von den Gefragten zurück. „Na, was sagen Sie jetzt", triumphiert sie. sich uns wieder zuwendend. „Und das sind nicht die einzigen. Sie finden hier in der Gemeinde insgesamt 12 000 Deutschstämmige. Lhortitza ist nämlich die älteste und größte deutsche Kolonie der Ukraine."

Angeregt durch diese zufällige Information, haben wir uns später auf Erkundungsfahrt gemacht und an Hand vergilbter, in Privatbesitz befindlicher Unter­lagen und tagebuchartiger Aufzeichnungen die nach­folgende, höchst interessante Eründungs- und Entwick­lungsgeschichte der ältesten deutschen Kolonie aufgespürt:

Im Herbst 1786 haben die beiden Danziger Bürger Jakob Höppner und Johann Bartsch über Riga und Dubrowna eine abenteuerliche Expeditionsfahrt zum Konskayafluß unternommen, an dessen Lauf, vor allem gegenüber der Stadt Berislawl, deutschen Bauern­familien Siedlungsland zur Verfügung gestellt worden war. Die Fruchtbarkeit des Bodens, die von Kaiserin Katharina zugesicherte völlige Freiheit über die Fischerei im Dnjepr und in den konskayaischen Ge­wässern, ein zehnjähriger Steuererlaß, ungehemmte wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeit, die staatliche Er­richtung von Bauernhöfen nach deutschem Vorbild mit allem Gerät und die Zurverfügungstellung von 65 Dessätinen Land (rund 70 Hektar') veranlaßten die beiden Kundschafter nach ihrer Rückkehr für eine starke Kolonisieruna dieses E^ietes einzutreten.

Diese Werbung unter Freunden und Bekannten war recht erfolgreich, denn der Chronist weiß zu berichten, daß 228 auswanderungslustige Familien aus Danzig, Elbing, Marienburg und Tilsit am 12. August 1788 von Danzig uus die Südrußlandreise antraten. Bis Riga gings per Schiff und von dort aus teils auf Pferdegespannen, teils auf Flößen und Barken den Lauf der Düna hinab bis Dubrowna, wo die nahezu tausendköpfige Auswandererschar überwinterte. Im Frühjahr 1789 setzten die Kolonisten ihre Weiterfahrt nach Krementschug fort, wo ihnen eröffnet wurde, daß das Konskayagebiet infolge kriegerische Einfälle un- besiedelbar sei, daß ihnen aber ein gleichwertiges Sied­lungsland im Chortitzer Gebiet abgetreten werde.

Unsntmutigt zogen die deutschen Kolonisten weiter südwärts, erreichten Anfang August ihre Wahlheimat und erlebten hier eme Kette grenzenloser Enttäuschungen. Statt blühender Gärten und Weiden, statt gepflegten Ackerlandes fanden sie Grauen und Zerstörung, Ruinen und Schutthaufen, eingeäscherte Lehmhäuser und ausge­brannte Scheunen. Kein Baum, keiu Strauch, kein Lebe-

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In rastloser Verfolgung des geschlagenen Feindes geht der deutsche Vorstoß in Richtung aus den Kuban weiter.

Die Sowjets verloren in der Zeit vom 21. bis 31. Juli 815 Flugzeuge.

Industrieanlagen in Norwich wurden von der deut­schen Luftwaffe mit vernichtender Wirkung ange­griffen.

Roosevelt kündigt für den kommenden Winter ein­schneidende Maßnahmen in der Benzinversorgung des amerikanischen Kontinents an.

Eine Bremer Flakauswahl besiegte Werder klar mit 6 «1,

Erstmalig wnrden im Gebiet Nordsee der HJ. die Meisterschaften in den Sommerspielen ausgetragen.

Im Hamburger Grnppenturnier hatten unsere Nord- see-HJ.-Voxer einen schlechten Tag.

In Zempelburg wurde der 5. Reichssportwettkampf der Marine-HJ. durchgeführt.

Reichsjugendsührer Axman« wendet sich mit einem Aufruf an die im Ernteeinsatz stehenden Jugend­liche».