Ausgabe 
(18.4.1945) 90
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Erscheint 6mal wöchentlich

Monatsbezug 2,30 RM elnschl. Zustell­gebühr; Postbezugspreis monatlich 2,30 RM (elnschl.' 18 Rpi. Post- liö (hng f jcltungsgebühr) zuzügl. 36 Rp*. Be-

deiK, jf jtellgeld. Postscheck: Hamburg 172 72. r*®, Öl ;>■

Anzeigenpreise und Aufnahmebedin­gungen laut Preisliste. Aufnahme­termine ohne Verbindlichkeit

1,6

füllt

&S1I

o** l

***(

ähiBge,

iWUllD,

Stegen

aus e

itrunii

Parteiamtliche Tageszeitung

Den Amtsblatt des Begierenden Bürgermeisters der Freien Bremen

^Bremer 9lad)dd)tm

G e 8 c häftsstellen:

Bremen: Geschäftsstelle und Schrlft- leitung: Geeren 6-8, Ruf tags und nachts unter Sammelnummer 2 18 31; Syke: Mtlhlendamm 2; Bremen-Hemelingen: Bahnhofstr. 8. Ecke Poststraße, Ruf 4 34 58; Bremen-Vegesack: Rohrstr. 24, Ruf 4 und 8; Bremen-Blumenthal: Kapit.-Dallmann-Str. 41-43, Ruf 88 u. 89

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verk&ndungsblatt des Beichaslatthaltere in Oldenburg und B re men

\ Nummer 90 15. Jahrgang

Mittwoch, 18. April 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Darum der Kumpf!

Von Kreisleiter Max Schümann

Viele stellen die Frage über den Sinn des loch jetzt fortzuführenden Kampfes. Diese tage fand durch den Tagesbefehl des Füh- gs an die Soldaten der Ostfront ihre Be- ntwortung. Ein Tagesbefehl, der von allen, le guten Willens sind, sehnlichst erwartet turde. Die Bevölkerung hat in diesen letzten Wochen hundertfach gefragt, warum schweigt ■ Führer. Jetzt hat er das Schweigen ge-

icbotej t win

•rieht i

en ode frag «en, mit de

:heiLR Wehen, nachdem Stalin glaubt, zum ent- j„ , 5 scheidenden. Schlage aushölen zu können, ieet mi S® in8 Worte sinti klar un<i eindeutig, hab spricht davon, daß sich das Schicksal Asiens ™ior der Hauptstadt des Deutschen Reiches

die öS ®das Schicksal den größten Kriegsverbrecher d flM l - er Zeiten von .dieser Erde genommen hat. .rmper Kampf um Bremen erhält d a - :it seinen höchsten Sinn. Wir f'oen die große Aufgabe zu erfüllen, den uns |]r™r nnenden Feind aufzuhalten — und noch- aufzuhalten! Wir müssen ihn schlagen ihm Verluste zufügen, wo immer es geht -Sitzia|®ü wo immer er sein mag. Es 'ist für den nippe, mzelnen bitter und schmerzlich, wenn in ■mträgt dieser schon durch den Bombenterror schwer leimgesuchten Stadt nun auch noch Bauten 1 Apr durchgeführt' werden, die sich aus der mili- m ‘ if »rischen Lage ergeben. Dieses geschieht lsfsW1 nicht zu unserem' Vergnügen, weil nun so ider so Krieg ist, um zu zerstören oder zu iprengen, sondern es geschieht aus der Not- ^“■‘-Jrencligkeit, das, was noch da ist, in der G e - mtheit zu erhalten. Jeder Einsichtige miß das begreifen und verstehen, denn wir

irch eue A

e Sta;

«Schwere Differenzen"

Truman vor dem Kongreß “ Er sieht internationale Schwierigkeilen voraus

tehen nicht um unserer selbst willen da und HTo m das, weil es uns Spaß macht und wir zweci iefallen -am Kriegshandwerk gefunden ag n aben, sondern wir tun es aus der leiden­den f thaftlichen Überzeugung heraus, daß wir. es -Mira jhgffgn werden und alles das doch einen ^’jmn gehabt hat. Wenn wir uns in unserer ^"Jansestadt umsehen, dann kann uns oft das Itrz bluten und keiner Ist unter uns, der mit »aii/är jr nicht der Überzeugung ist und sagt: ngen < iiser Volk hat es nun schon verdient, jetzt .'iueb: m Lohn für das alles zu erhalten, was. es Gesäg j dieser schweren und schwersten Zeit hat die E irchmachen müssen. Wir Nationalsozialisten ; jtrauen dem Führer bis zur letzten Konse- Airf ( ?nz Er würde es niemals zulassen und dul- a, daß dieser Krieg weitergeführt würde, über tnn er nicht die Gewißheit des von uns lie h strebten und heiß erhofften Sieges hätte, xd. d Jemals würde er diese Opfer von unserem i, dke fordern, wenn sie nicht vor der Welt- [ortüB jehichte verantwortet werden könnten. Wir sben — rein militärisch gesehen — ein Fak- 1 ^ t; ' 0 "‘ l r zu bleiben, der in der Lage ist, politische lit (j rderungen zu erheben. Man kann jetzt a-e TK K noch formulieren, jedoch werden die r sk. 1 fchsten Tage und Wochen das zu beweisen ;rBi fen. Es kommt aber bei der augenblick- * es 55 öien Situation in erster Linie tatsächlich «J uns selber an und wir, die wir uns für sm y aes Volk verantwortlich fühlen, denken *er!a Bit daran, dem Feinde Möglichkeiten in die lericas lad zu spielen, auf die er nur wartet. Die en v“ tfangenenaussagen, die neutrale und auch rde et ie feindliche Presse bringen klar zum Aus- k« ‘ rack, daß sie trotz ihres Vormarsches und t ir damit verbundenen politischen Gewalt teionen in ihrem eigenen Lager selbst am ide sind. Dies ist bekanntlich der zweite jj I eltkrieg. Stalin will die Weltherrschaft und i tamert sich heute nicht mehr um Wünsche ul«. iö Interessen der Briten und Amerikaner, i i. ta große Fragezeichen ist für sie: der Be- G.:W tn des dritten Weltkrieges untereinander.

«halb wird das Schicksal nicht nur rügt 6J Machlands, sondern auch Europas mit vor a! l fernen entschieden. Dieses Schicksal wird Jjo’i wall da entschieden, wo dem Feinde ein i ilt geboten wird und wir von der. Rieh-

_gkeit dieser letzten Entscheidung über-

. Fr«» 1 ägt sind. Deshalb glauben wir an die f ffp iicksalhafte Wende und damit auch an uns ü— ist und an die Ewigkeit des Reiches! iji _

Brillanten für General Mauss

en). G® 1 fuhrerhauptqüartier, 17. April. Der Führer o- «lieh das Eichenlaub mit Schwertern und Kw kanten zum Ritterkreuz des Eisernen .rscbJ teures an Generalleutnant Karl Mauss,

1 tamandeur der 7. Panzerdivision, als st. (t ! 1 Soldaten der deutschen Wehrmacht.

; ’J :; Generalleutnant Mauss hat sich bei den *»_ jjj Heren Kämpfen um Elbing und Könitz j.. - #th geschickte wendige Führung, Tatkraft W Draufgängertum ganz besonders be­ehrt. Seinen immer wieder mit- hervorra- dem taktischen Geschick angesetzten und von ihm persönlich in vorderster Linie Angriffen ist es u. a. zu verdan- t. % jj daß die Besatzung von Elbing entsetzt ■: jij 1 w mit allen Verwundeten aus der bereits 'T T(j c ®ßtenteils in Feindeshand befindlichen n üerausgebracht werden konnte, unmittelbar aus diesen schweren Kämpfen ja SHus wurde die Division nach Könitz ge- fr»;J wt, wo ein Durchbruch der Bolschewisten ' Meist ganz auf sich gestellt, brachte

jt, t;* ® er alleutnant Mauss mit zunächst ernge- [teüenen schwachen Teilen das sowjetische äcbjM; ? gehe u zum Stehen und vernichtete in -pjj' ^ nen Angriffen eine bereits in die Stadt ^rungene feindliche Kräftegruppe. Kurze ü 11 später vereitelte Generalleutnant Mauss

Durchbruchsversuche bei

ift

h ^ietischen Wburg.

aberI * -

-j» Ij ° le Delegierten der Bänder und Re- "pj. lf die zur Teilnahme äh der Kon-

’-'ih- u ' « ?\y on San Franzisko eingeladen sind, hat Che Gese hschalt in Großbritannien ein ■ mit der Aulforderung gerichtet, unver-

h d * e Bildung einer indischen National- (* r Sslitvü® unc i die Freilassung der indischen hen Führer durchzusetzen.

Eigener Drahthericht

m. Berlin, 17. ApriL Truman hat nach seiner Eidesleistung vor dem Kongreß in seiner neuen Eigenschaft als vollamtieren­der Präsident eine Erklärung abgegeben, die selbstverständlich betont, daß der Krieg bis zu den von unseren Gegnern gesteckten Zie­len fortgeführt wird. Truman hat in diesem Teil seiner Rede sehr viel aus dem Sprach­gebrauch Roosevelts übernommen. Aber die anderen Abschnitte seiner Kongreßbotschaft enthalten doch einige recht bezeichnende Sätze, die auch von der englischen Presse schon in den Vordergrund gestellt werden. So z. B. der Hinweis darauf, daß die Vereinig­ten Staatep nicht die Absicht hätten, die Welt zu beherrschen. Derartige Äußerungen werden natürlich in England begierig aufge­griffen. wo allen Redensarten von der Freundschaft der Amerikaner zum Trotz doch ein ungeheures Mißtrauen dem Bun­desgenossen gegenüber herrscht.

Sehr viel bedeutsamer ist jedoch die Un­terstreichung der' Verantwortung, die heute auf den Vereinigten Staaten von Amerika ruht. Truman hat von einem tragischen Schicksal gesprochen, das den Amerikanern diese schwere Verantwortung auferlegt habe. Aber fast resigniert fügte er hinzu: „Wir müssen weitermachen“. Die Welt wird nun sehen, was die Vereinigten Staaten mit ihrer Verantwortung anfangen werden, wie diese aussieht, wie sie vor allem jenseits des’ Atlantiks ausgelegt wird. Die ganze Welt schaue heute auf Amerika, erklärte Truman. sie erwarte von den USA die Führung zum Frieden und zum Fortschritt. Doch schon muß Truman mit dem Blick auf San Fran- zisko die Bremse hörbar anziehen. Wenn in Zukunft Kriege verhütet werden sollen, so heißt es in seiner Botschaft, müssen sich die Nationen den Gesetzen des Friedens unter­werfen und vor allem ständig Zusammen­arbeiten. Dazu gehöre die Gerechtigkeit, denn nur dann könne die wirkliche und wahre Sicherheit gefunden werden.. Infolge­dessen müsse man eine internationale Or­ganisation zur Regelung von Differenzen schaffen. Ohne einen solchen Apparat würde die ganze Welt ein Waffenlager bleiben. Sie wäre zu einem tödlichen Konflikt ohne jede Hoffnung auf einen wahren Frieden verur­teilt. Die Amerikaner müßten nun für den Frieden arbeiten und, wenn nötig, auch für ihn kämpfen.

Diese knappen Sätze gießen sehr viel Was­ser in den Wein derjenigen Optimisten, die meinen, man brauche nur in San Franzisko irgendein Stück Papier zu unterzeichnen, auf dem etwas von Frieden und Sicherheit stehe, dann würde schon alles von allein glatt gehen. Truman sieht dies Stück Papier noch nicht, er sieht dafür sehr schwere Differen­zen, die ja ohnehin schon die Weltöffentlich­

keit seit Wochen beherrschen; er hat daraus auch die nüchterne Folgerung gezogen, daß vorerst ein Ergebnis von San Franzisko nicht zu erkennen ist und daß es noch eines har­ten Ringens bedarf, um zur Verwirklichung der oft besprochenen Pläne zu kommen.

Jedoch die Hoffnung hierfür ruht auf einer wackligen Unterlage. Darum hat auch Tru­man schon die Kehrseite der Medaille ange- sprochep, also die Möglichkeit der Verhin­derung jeglicher Abrüstung, der Eiitfachung tödlicher Konflikte und eines neuen Kamp­fes. Er mußte also sein Amt damit beginnen, der Welt zu erklären, daß die Zukunft kei­neswegs rosenrot aussieht und daß die Ver­einigten Staaten mit einer Verantwortung auch für Europa belastet sind, von der kein Mensch weiß, zu welchen Erscheinungen sie für die Amerikaner und die übrigen Völker führen wird.

Englische Besorgnisse

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 17. April. Die gestrige erste Rede des neuen amerikanischen Präsidenten Truman vor dem Kongreß wird in England zwar nach außen hin als ein Bekenntnis zur Fortsetzung des Roosevelt-Kurses begrüßt, trotzdem spricht auch heute aus allen eng­lischen Berichten der Ton der Sorge und Furcht, der die gesamte britische Bericht­erstattung über amerikanische Dinge seit dem Tode Roosevelts beherrscht. Präsident Truman bekannte sich zwar in seinef pro­grammatischen Erklärung zu den gleichen Zielen wie sein Vorgänger und forderte eben­falls die bedingungslose Kapitulation, er be­kannte sich weiterhin zur Fortsetzung der internationalen Zusammenarbeit mit den Alliierten, vermied aber dabei sorgfältig irgendein stärkeres Bekenntnis zur Über­nahme weitgehender internationaler Ver­pflichtungen durch die USA. Dagegen be­tonte er vor allem, daß die Außenpolitik der Vereinigten Staaten vöfi der Zißtlhönüng des' größten Teilps der öffentlichen Meinung ge­tragen werden müsse. Die Betonung gerade dieser Notwendigkeit wird als eine Verbeu­gung vor dem Senat aufgefaßt, der in Zu­kunft ein. bedeutend gewichtigeres Wort in der amerikanischen Außenpolitik mitsprechen wird als in den letzten Jahren der Präsident­schaft, man kann schon sagen, der außen­politischen Diktatur Roosevelts.

Nach englischen Berichten stellte sich Truman bei Übernahme der Geschäfte auf den Standpunkt, er sei von den Beschlüssen in Jalta von Rooseyelt nicht unterrichtet worden, kenne ihren Umfang und ihr Aus­maß nicht und müsse sich erst mit der Ma­terie vertraut machen. Die Konferenz von San Franzisko könne stattfinden, und der

Präsident werde die Beschlußfreiheit der amerikanischen Delegation in keiner Weise beeinflussen, behalte sich aber selbstver­ständlich das endgültige Wort vor. Stettinius wird eine Übergangszeit hindurch Staats­sekretär bleiben, dann aber durch den bis­herigen Direktor des Kriegsmobilmachungs­amtes, James feyrnes, ersetzt werden, einen rechtsstehenden konservativen Mann, der mit Truman persöiilich sehr gut steht, sein Vertreter als Unterstaatssekretär dürfte dann S u m n e r Weites werden.

„Neue Ära"

Drahtberieht unseres Vertreters kl. Stockholm, 17. April. Einer der besten Kenner Trumans, der Chefredakteur des „Star“ von Kansas City, Ray Roberts, ver­sichert, daß in den Vereinigten Staaten unter der Präsidentschaft Trumans eine neue Ära begonnen habe. Der mittlere Westen und der Westen der USA, die unter Roosevelt nur wenig oder gar nichts zu sagen hatten,' wür­den jetzt wieder zu Wort kommen. Es ist be­kannt, daß Roosevelt für seine Kriegspplitik vor allem im Osten der Vereinigten Staaten Verständnis fand, weniger aber im Westen und im mittleren Westen, die der Hort des Isolationismus waren. Ray Roberts versichert weiter, daß Trumans hervorstechendste Eigen­schaft der Konservatismus sei. Truman sei nicht entfernt von dem gleichen politischen Ehrgeiz besteelt wie Roosevelt. Roberts sieht eine Gefahr darin, daß es verschiedenen ehr­geizigen Politikern gelingen könnte, einen überragenden Einfluß auf Truman auszuüben. Wenn Truman erkläre, daß er die Politik Roosevelts fortsetzen wolle, so sei dies richtig und anerkennenswert. Aber jeder Tag bringe in der Weltpolitik neue Probleme mit sich, die Truman nach seinen eigenen Rezepten lösen müsse schon deshalb, weil Roosevelt für sie keine Rezepte hinterlassen konnte.

Im Gegensatz zu Roosevelt stammt Truman aus sehr beschetde nea Verhältgispgn. Er ha£ ’efen Ticker mit eigenen H&ndeh "gepStigT und hat später in einer Paketexpedition gearbei­tet. Im Umgang mit Leuten vom Schlage Churchills fehle ihm die Sicherheit, die Roose­velt auszeichnete. Truman sei überzeugter Demokrat und fafcse die Demokratie so auf, daß die Entscheidung von einem möglichst großen Kreis von Politikern gefaßt werden müsse. Dagegen habe er ein unzureichendes Verständnis für die Arbeiterbewegung. Der amerikanischen Delegation für San Franzisko habe er freie' Hände gelassen. Zunächst stehe ihm noch der Honigmond der Präsidentschaft bevor. Aber die wirklichen Schwierigkeiten würden in etwa e.nem halben Jahr einsetzen, wenn die Prüfungszeit vorüber sein werde, die dem neuen Präsidenten von den politischen Parteien gewährt wurde.

Gewaltiger sowjetischer Aufwand — Starke deutsche Abwehr

Eigener Drahtberieht

rd. Berlin, 17. April. Der neue Massen- ansturm der Bolschewisten an der Oderfront hat Formen angenommen, die alle bisherigen Durchbruchsversuche des Feindes in diesem Frontabschnitt bei weitem übersteigen. Die feindliche Truppenführung hat so starke Ver­bände in den Brennpunkten der Oderschlacht zum Einsatz gebracht, daß der Wehrmacht­bericht von einem gewaltigen Aufwand an Menschen und Material sprechen muß. Trotz­dem blieb der Feind vor den deutschen Ab­wehrstellungen liegen und mußte am ersten Tage des Großangriffs den Verlust von 271 Panzern und 169 Flugzeugen in Kauf nehmen.

In hervorragendem Zusammenwirken zwi­schen Wehrmacht und Luftwaffe wurden diese Abwehrerfolge erzielt, die die deutsche Kampfbereitschaft und die unerschütterliche Standhaftigkeit unserer Soldaten einwandfrei bewiesen. Flugzeugbesatzungen stürzten sich mit ihrer Bombenlast auf besonders wichtige Oderübergänge des Feindes und zerstörten sie so nachhaltig, daß eine empfindliche Schädi­gung der feindlichen Offensivkraft erwartet werden kann.

Auch an den anderen Ansatzpunkten der neuen sowjetischen Frühjahrsoffensive schei­terten die bolschewistischen Durchbruchsver­suche an unserer hartnäckigen Abwehr. So­wohl bei Ratibor als auch an der Lausitzer Neiße bei Rothenburg und Muskau gelangen dem Feind keine Durchbrüche, während Ein­bruchsstellen abgeriegelt werden konnten.

Somit erwies die Ostfront auch am Montag ihre starke Abwehrkraft auf Grund der muti­gen und kaltblütigen Kampfesweise unserer Soldaten, die genau wissen, um was es im ge­genwärtigen Zeitpunkt dieses Krieges geht.

Ebenso geringfügig wie die Einbrüche der Bolschewisten blieben die Bodengewinne der Nordamerikaner im Elbe-Mulde-Abschnitt. Soweit sie überhaupt Fortschritte erzielten, ergaben sich diese aus .Vorstößen nach Nor­den und Süden. Die Bewegungen des Feindes nach Osten blieben bedeutungslos. Statt des­sen engten unsere Truppen im Gegenangriff südlich Magdeburg den nordamerikanischen Elbebrückenkopf ein.

Aus dem Nord- und Südäbschnitt der West­front werden dagegen einige Geländegewinne des Gegners in den Niederlanden, im Mün­dungsgebiet der Ems, in der Lüneburger Heide, in Franken und in der Oberrheini­schen Tiefebene sowie im Industriegebiet ge­meldet. Kräftige Gegenstöße verhinderten aber an den Brennpunkten die weitere Ent­faltung der feindlichen Angriffe.

Widerstand Immer heftiger

Drahtberieht unseres Vertreters

sch! Lissabon, 17. April. Auch die heutigen Berichte von der englisch-amerikanischen Front in Mitteldeutschland zeigen eine. Ver­langsamung der Vorwärtsbewegung an den wichtigsten Punkten vor allem im nördlichen Sektor an. Der britische Kriegsbericht-

Snal eines diiiien Weltkrieges

Drahtberieht unseres Vertreters ws. Lissabon, 17. April. Die immer weiter um sich greifende amerikanische Ernüchte­rung über die zuerst so angepriesenen „Er­folge“ Roosevelts auf der Konferenz von Jalta kommt jetzt offen in der bekannten USA-Zeitschrift „Saturday Evening Post“ zum Ausdruck. Überall, so erklärt das Blatt, treffe man heute in den USA Journalisten und Leitartikler, die nicht begreifen, warum sie noch vor einem Monat s» begeistert über eine Konferenz geurteilt haben, von der sie praktisch gar nichts wußten. Es habe keinen Zweck, Jalta als einen Sieg der Diplomatie Roosevelts oder eine Rechtfertigung der At­

lantik-Charta hinzustellen. Allein die Tat­sache, daß die wichtigste Kommission ihr Hauptquartier in Moskau aufschlagen solle, bedeute, daß man die Ausbeutung Deutsch­lands von den Sowjets durchführen lassen werde, während die britischen und amerika­nischen Partner dabei nur theoretische Rat­schläge zu geben hätten. Selbst linksradikal eingestellte Zeitschriften wie „New Repu- blic“, so betont „Saturday Evening Post“, sehen heute ein, daß für die Welt kein Grund bestehe, über Jalta irgendwelche Freude zu empfinden und geben zu, daß die Pläne, die in Jalta für die Zukunft Europas geschmiedet worden seien, zwangsläufig die Saat eines dritten Weltkrieges enthalten.

erstatter Robert Barr, der sich bei der 9. Ar­mee an der Elbe befindet, berichtet, daß der deutsche Widerstand immer heftiger werde. Oft müsse man ihn geradezu fanatisch nennen. Es sei den Deutschen sozusagen über Nacht gelungen, selbst östlich und südlich des Brückenkopfes der Amerikaner bei Magde­burg starke Stellungen zu errichten. Weiter südlich habe der äußere Verteidigungsring vor Leipzig die amerikanischen Truppen auch in den letzten 24 Stunden weiterhin aufge­halten. Weiter nördlich gelte das gleiche von dem Abwehrkampf der fanatischen deutschen Besatzung von Ülzen. Die Kühnheit der deut­schen Infanterie, die die Panzer bis auf we­nige Meter heranrollen lasse und dann mit der Panzerfaust gegen sie vorgehe, ist nach einem Bericht des Londoner „Daily Tele­graph“ unbeschreiblich.

Dqs Weiße Haus nachher

Von unserer Berliner Sehriftleitung

BZ. „Viele Amerikaner sind der Meinung, daß die Verantwortung zwischen dem Präsi­denten, dem Kongreß und dem Obersten Ge­richtshof gleichmäßig verteilt werden soll", meldet ein englisches Blatt aus Washington als Ausdruck der Stimmung, die im Weißen Haus drei Tage nach dem Tod Roosevelts und nach dem Amtsantritt des neuen Präsi­denten Truman herrscht. Präsident, Kongreß und Oberster Gerichtshof — das waren nach der USA-Verfassung in der Tat die drei Ge­wichte, die ein Gleichgewicht des Verfas­sungslebens und der Innenpolitik garantieren sollten. Die zwölf Jahre Roosevelt haben die­ses Gleichgewicht verschoben. Der Gedanke, der in dem englischen Blatt zum Ausdruck kommt, geht also offenbar dahin, daß jetzt vielleicht eine. Wiederherstellung der verfas­sungsrechtlichen Grundlagen der amerikani­schen Innenpolitik bevorstehe. Man erwar­tet, so sagt ein anderes Blatt, daß Trumans Politik „etwas rechts vom Zentrum“ liegen wird, während die Politik Roosevelts „etwas links vom Zentrum“ betrieben wurde. Das alles sind Überlegungen, die beweisen, daß die zwölf Jahre Rooseveitscher Regierung auch im Gefühl der Amerikaner einen tiefen Einschnitt bedeuten und daß die große Trauerfeier, die man für ihn in Washington veranstaltete, offenbar als ein Schlußstrich gedacht ist, was die Innenpolitik anlangt. Wohlgemerkt — die Innenpolitik, denn über die Fortführung der Außenpolitik hat der neue Präsident ja sofort nach Amtsantritt eine Erklärung abgegeben.

Aber ein solcher Wandel der Innenpolitik würde zunächst einmal für Amerika selbst ohne Zweifel sehr bedeutungsvoll sein. Man muß in diesem Augenblick noch einmal über­legen, wie tief der Einbruch in die amerika­nische Tradition war, der durch die Persön­lichkeit Roosevelts herbeigeführt wurde. Man erkennt ihn im Umriß schon bei der Feststel­lung, daß zwischen dem amerikanischen Bür­gerkrieg und dem ersten Amtsantritt Roose­velts, d. h. in den 73 Jahren zwischen 1861 und 1933 nur 16 Jahre lang demokratische Präsidenten, sonst aber Republikaner regier­ten, während von 1933 die zwölfjährige Herr­schaft des Demokraten Roosevelt begann, die, wenn er seine vierte Amtsperiode durchlebt -Hätter sdgar-iB Janrr%i5aähel-t häfce, also ge­nau so lange, wie die Demokraten in der gan­zen vorangegangenen Zeit des modernen Amerika die Leitung der Politik an sich zie­hen konnten. Davon ausgehend ergeben sich andere Brüche der amerikanischen Tradition, die schwerwiegend und bedeutungsvoll waren. Der amerikanische Staat ist ja ein Föderativ­gebilde, das den Bundesstaaten weitgehende Rechte gibt und den Obersten Gerichtshof zum Richter über diese Rechte setzt.

Roosevelt trat sein Amt in der Zeit schwer­ster amerikanischer Wirtschaftsnot an, und der große Plan, der ihm zunächst Anhänger verschaffte, war „New Deal“ — die „neue Kartenverteilung“, das neue Mischen der Karten für ein neues Spiel zwischen den ver­schiedenen Gesellschaftsschichten. Dafür wollte er durch die Zentralbundesbehörde alle wirtschaftlichen Hilfsquellen ohne Rücksicht auf die Staatengrenzen anspannen. Und nun trat ihm der Oberste Gerichtshof entgegen: für verfassungswidrig wurde eine Anzahl landwirtschaftlicher Reformen und Maßnah­men für den Zusammenschluß der Industrien erklärt. Roosevelt suchte den Schlag gegen sein System abzubiegen. Er ernannte als Richter für das Bundesgericht Männer seines Vertrauens, um so einen günstigeren Urteils­spruch zu erzielen. Konfliktsfall: der Senat lehnte die Neuernennungen des Präsidenten ab. Und trotzdem wurde Roosevelt wiederge­wählt. 1936, 1940, 1944. Der Grund für die wie­derholte Wiederwahl lag in dem Bruch mit einer anderen amerikanischen Tradition, mit der Regelung der Wahlen durch die Partei­apparate der Demokraten und der Republika­ner. Roosevelts New Deal hatte trotz der „neuen Kartenverteilung“ nicht die Wirt­schaftsnot beheben können. Aber er hatte eine große Schar unmittelbarer Interessenten am Roosevelt-System geschaffen — allein eine

Polen-Krise verschärft sich weiter

Drahtbericht unseres Vertreters

rd. Bern, 17. April. Die Feindkoalition wird brüchiger, je mehr der Kreml, von seinen Er­folgen überall in der Welt berauscht, die Maske fallen läßt und sich immer rückhalt­loser zu seinem Ziel der Welteroberung be­kennt. In Amerika wie in England werden gewisse Besorgnisse vor dem übermächtigen Alliierten, der sich über alle Jalta-Beschlüsse einfach hinwegsetzt, immer stärker. Im Vor­dergrund steht dabei die Polenfrage. Man fürchtet in Washingtoner politischen Kreisen, daß es wegen dieser Frage zu ernsten Zwi­stigkeiten kommt und bemüht sich, den Kon­flikt zu beseitigen.

Der politischen Rücksichtslosigkeit des Kreml geht die Terrorisierung des polnischen Volkes parallel, die endlich in der westlichen Presse steigenden Widerhall findet. So schreibt der USA-Schriftsteller Walsh in der Zeitung „The Laeder“, daß von den Polen, die nach Sibirien deportiert wurden, nur eine geringe Anzahl der Überlebenden wahr­scheinlich „das Dasein in der sowjetischen Hölle" aushaiten könne. Bis jetzt seien be­reits 1,75 Millionen Polen von den Bolsche­wiken nach Sibirien verschleppt worden. Dte meisten dieser Unglücklichen, die sich ge­weigert hätten, für die Bolschewiken unter den unwürdigsten Verhältnissen Sklaven­

arbeit zu leisten, seien einfach durch Genick­schuß erledigt worden. Der Rest führe ein entsetzliches Dasein in der Sowjethölle. Auch in Lettland hätten auf Befehl Moskaus die Sowjets' ein Blutbad unter Tausenden von Frauen und Kindern angerichtet.

In London treffen, wie der Londoner „Ya"- Korrespondent Assia schreibt, ständig ähn­liche Hiobsbotschaften aus Polen ein. Das polnische Problem bilde eine Gewitterwolke am Horizont der San-Franzisko-Konferenz. Einer Meldung des „Catholic Herald" zufolge seien allein im letzten Monat wieder über 20 000 Polen nach Sibirien verschleppt wor­den. Über 6000 Angehörige der Heimatarmee halte man in einem Konzentrationslager ge­fangen, wo es entsetzlich zugehe.

Gigantische Seeschlacht

ep. Tokio, 17. April. Die gigantische Luft-, Land- und Seeschlacht um Okinawa tobt wei­ter und nähert sich ihrem Höhepunkt, wie Domei meldet. Die ungeheure Zusammenbal­lung von mehr als 1500 Einheiten der USA- Flotte stellen die größte Konzentration an Kriegsschiffen in diesem Kriege“ dar, so daß die Schlacht um Okinawa die große Entschei­dungsschlacht zu werden scheine. Beide Par­teien würfen alles ihnen zur Verfügung ste­hende Kriegspotential in die Schlacht,