Ausgabe 
(13.4.1945) 86
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Parteiamtliche Tageszeitung

Pas Amtsblatt das Baeiarsodan BürsrenneUfers dar Fralan Hansestadt 1

der Nationalsozialisten Bremens

Amflichas Verkündung* blatt das Reichs slatthallsrs in Oldanbure und Bremsa

Nummer 88 15. Jahrgang

Freitag. 13. April 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

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Botschaft des Schicksals

Per Glaube, von dem ein Mensch oder ein Volk ganz erfüllt sind, kann nicht abhängig uin von der Größe der Gefahr, in die der jlensch oder das Volk gestürzt werden. Ein Glaube, der in der Gefahr klein und schwach jlrd, ist nicht der echte Glaube, der „Berge ^ersetzen" und aus der Kraft der Herzen slbst Wunder tun kann. — Wunder der Tapferkeit . und der Standhaftigkeit. Ein solcher Glaube wird ln den Zonen der Ge f ahr und auch der fürchterlichsten Schrecken nicht geringer, sondern im Feueratem des Schicksals wird er immer mehr geläutert und cehärtet 2 iur tiefsten und heiligsten Kraft auf Erden.

Ein Mensch, der glaubt, kann wohl für die gerechte Sache fallen, aber nie an ihr zwei­feln. Ein Volk, das glaubt, kann wohl vom Schicksal bis an den äußersten Band der Oe- fjlir geführt werden, aber nie ln ihr unter­teilen. Ein Mensch, der glaubt, kämpft bis im letzten Atemzuge furchtlos und fest ater der Fahne seines Glaubens. Ein Volk, das glaubt, steht und kämpft bis zum letzten. Wer aber kämpft und standhaft bleibt ist nicht verloren. Es ist die heilige Gewißheit ... echten Glaubens, daß er imbesiegbar und i unsterblich macht! Dies ist die Botschaft des Schicksals an uns. Vernehme und erfülle sie ; Jeder Deutsche im Herzen 1

Wieder spurlos verschwanden

Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 12. April. Der britische lAußenminister Eden wurde im Untefhaus jjber die polnischen Angelegenheiten befragt, er allem über die bekannte Entführung der polnischen Politiker, die seit vierzehn Tagen ipurlos verschwunden sind. Eden erklärte da- der britische Botschafter in Moskau habe Weisung erhalten, Nachforschungen nach Verbleib dieser Polen anzustellen. Eden gab weiter zu, daß diese Nachforschungen außer­ordentlich schwierig sein würden, denn bisher .habe noch kein Mitglied der Botschaft in Moskau Erlaubnis erhalten, polnisches Ge- Jbiet zu betreten. Es befänden sich auch 01 " J . leInerlei britische Zeitungskorrespondenten p dieser Gegend.

Unterdessen.ist bereits wieder ein beson­ders prominenter polnischer Politiker spur- Jos verschwunden. Der polnische l^ational- pisschuß in London gab bekannt, daß der Eühere polnische Premierminister Witos, der gr Bauembewegung entstammt, vdp sowje­tischen Polizeiagenten aus seiner Wohnung in der Nähe von Krakau entführt worden sei. pes sei am 31. März geschehen. Seit dieser iZelt wisse man nicht das geringste über den Verbleib des 70jährigen Mannes.

Wie wenig sich die Sowjets um die englisch- onerikanischen Belange im Osten kümmern, ieht auch daraus hervor, daß Eden im Unter- iiius mitteilte, die britische Regierung habe .ich gezwungen gesehen, Vorstellungen ln Moskau zu erheben, um die Bewegungsfrei­heit der britischen Mitglieder der alliierten Kommission in Bulgarien zu erzielen. Ähn- Eches gilt für Rumänien. Dort befindet sich 4er aus -seinem Amt gejagte Ministerpräsi­dent Radescu immer noch in der britischen Botschaft. Die Sowjets und die von ihnen ingesetzte neue rumänische Regierung ver­langen seine Auslieferung. Wie ein Re- jSterungsvertreter im Unterhaus bekanntgab, (finden zur Zeit Beratungen mit der sowjeti- ichen und der rumänischen Regierung über weitere Schicksal Radescus statt. Dies scheint anzudeuten, daß Radescu unter gendeinem Vorwand schließlich doch noch len Sowjets ausgeliefert wird.

Deutsche Sklovenarbeiler

Bezeichnende Unierhausdebaiio *■» „Schändliche Bedingungen"

Stockholm, 12. April. Im englischen Unterhaus entwickelte sich über die Frage der Deportierung deutscher Arbeiter nach f der Sowjetunion eine Debatte, in der von den Abgeordneten und den Vertretern der Regie­rung mit nicht überbietbarem Zynismus nur immer von „deutschen Sklavenarbeitern“ die Rede war. Der Labourabgeordnete Stockes richtete zu diesem Thema verschiedene An­fragen an die Regierung und erwähnte da­bei, die Bedingungen, die die alliierten Re­gierungen den deutschen Sklavenarbeitern für die Sowjetunion auferlegen wollen, seien so schändlich, daß man nicht wage, sie der Öffentlichkeit mitzuteilen.

Wenn schon ein englischer Abgeordneter diese Bedingungen schändlich nennt, so kann man sich vorstelien, wohin die Pläne der feindlichen Vemichtungspolitik gehen. Die „deutschen Sklavenarbeiter“ werden unter der Hungerknute fronden sollen, und man wird ihnen die schwerste Arbeit zutei- len, die kein Mensch auf die Dauer aushalten kann. Auf diese Weise würde das Vemich- tungsziel der Feindmächte mühelos erreicht werden.

Bezeichnend für die englische Einstellung zu der Verwendung deutscher Arbeitssklaven ln der Sowjetunion ist eine Äußerung des Außenministers Eden. Als er gefragt wurde, ob die Deportierung der Deutschen nach Sowjetrußland den Tatsachen entspreche, versuchte er, sich um die Antwort herumzu­drücken. Er konnte jedoch die Tatsache der

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geplanten Auslieferung deutscher Arbeiter an die Bolschewisten nicht abstreiten.

Der deutsche Arbeiter ist sich längst dar- über klar, was der Feind gegen ihn im Schilde führt. Er macht sich keine Illusionen und weiß, daß die Alliierten, gelänge es ihnen, Deutschland in die Knie zu zwingen, ihre Pläne zur Durchführung bringen würden. Aber noch ist es nicht so weit. Der deutsche Arbeiter wird sich gegen die Ausrottungsab­sichten des Feindes verbissen wehren. Er wird sich mit allen ihm zur Verfügung ste­henden Mitteln gegen den Feind werfen und unter Einsatz der letzten Kraft die satani­schen Pläne des Gegners 2 unichte machen.

Hungertyphus in Frankfurt

'Berlin, 1%. April. In Frankfurt a. AI ist, wie von der amerikanischen Nachrichten­agentur United Preß gemeldet wird, eine Typhusepidemie ausgebrochen. Die Epidemie greift um so schneller um sich, als die Be­völkerung seit der Besetzung durch die Amerikaner keine Lebensmittelzuteilungen mehr erhalten hat. Es handelt sich also, was ln -dem amtlichen amerikanischen Bericht verschwiegen wird, um einen ausgesprochenen Fall von Hungertyphus.

Die alliierten Militärbehörden sind, wie weiter gemeldet wird, bemüht, die Epidemie auf die bisher allein betroffene deutsche Be­völkerung zu beschränken. Sie gehen zu die­sem Zweck mit rigorosen Mitteln vor. Die be­troffenen Stadtviertel werden rücksichtslos

evakuiert, die Bewohner außerhalb der Stadt, meist unter freiem Himmel, und soweit vor­handen, in Zelten oder Baracken in Quaran­täne gelegt, Sondertrupps übergießen sodann die geräumten Häuser mit Benzin und bren­nen sie einschließlich der Keller, in denen die Bevölkerung Unterschlupf gefunden hatte, nieder. Bei den Besatzungstruppen wurden sofort Massenschutzimpfungen durchgeführt. Die vorhandenen Sanitätsmlttel, besonders Impfstoffe, sind infolge der alliierten Nach­schubschwierigkeiten nur beschränkt vorhan­den. Die Besatzungsbehörde hat daher alle in Apotheken und Lagern vorhandenen Sani­tätsmittel zur Verteilung an die Truppe be­schlagnahmt. Alle deutschen Arzte der Stadt mußten sich innerhalb 24 Stunden melden und zur Hilfeleistung beim USA-Truppen- dienst zur Verfügung stellen.

In bezug auf die ärztliche Betreuung der deutschen Bevölkerung .nimmt die Militär­regierung den gleichen Standpunkt wie in der. Emährungsfrage ein, nämlich, daß in erster Linie die alliierten Soldaten» und Aus länder versorgt werden und daß die deutsche Bevölkerung selbst zusehen muß, Wie sie fer­tig wird. 1

Nach der Meldung der amerikanischen Nachrichtenagentur wird von den? alliierten Militärbehörden alles getan, um die Epidemie auf, ihren Herd in der deutschen Bevölkerung zu beschränken. Eine Beeinträchtigung der Kampfkraft der amerikanischen Truppe sei zunächst nicht zu erwarten.

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Härteste Abwehr gegen in Mitteldeutschland vordringeuden Feind

Drahtberlcbt unserer Berliner Schriftleitung

BZ. Berlin, 12. April. Die Angriffsbe­wegungen aus dem Westen lassen als Haupt­operationsgebiet der Amerikaner heute den Raum nördlich Braunschweig bis südlich Weimar erkennen, ein Gebiet, das eine Front­breite von ungefähr 200 Kilometer hat. Innerhalb dieses Gebietes sind zwei große, auf Raumgewinn nach Osten berechnete Be­wegungen zu erkennen. Die eine verläuft nördlich und südlich von Braunschwelg, die andere nördlich und südlich von Erfurt. Die Operation aus' den Räumen von Braun­schweig hat, ausgehend von dem Gebiet Hannover-Hildeshelm mit stark rückwärti­gen Staffelungen, die bis zur Stadt Braun­schweig selbst reichen, als östlichste Punkte. Magdeburg und 15 km südlich Magdeburg die kleine Stadt Schönebeck an der Elbe erreicht.

Schönebeck ist ein Städtchen von 35 000 Einwohnern, ein - Industrieplatz mit einem Salzbergwerk und mit chemischen Fabriken, durch das Eisenbahn a und Landstraße von Magdeburg nach Halle ‘auf dem linken Elb­ufer verlaufen. Dazu kommt in diesem Ger, blet der Angriff nördlich Braunschweig, wo die Amerikaner ebenfalls nach Osten drän­gen. Beide Operationsvorgänge in diesem Gebiet erwecken den Eindruck, daß der Geg­ner das Wald- und Berggebiet des Harzes offenbar umgehen will, und diesem Opera­tionsgedanken schließen sich logisch die Stöße an, die er südlich des Harzes im Er-

Angsi vor dem Chaos nach Kriegsende

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Drahtbericht unseres Vertreters . kl. Stockholm, 12. April. Die schwedischen Korrespondenten. berichten über einen anf­allenden Stimmungsumschwung in England, militärischen Ereignisse sind völlig ln Hintergrund geraten, und das Interesse Sendet sich innerpolitischen Fragen zu. Churchill muß im Unterhaus sehr kräftig ’°r der Ansicht warnen, daß die Parlamentä­ren unmittelbar bevorstehen. Zugleich lehnte er die beldep letzten Reden Bevins, ® denen der mangelnde Wille zur Zusam­menarbeit sehr deutlich zum Ausdruck kommt, entschieden ab. Die „Times“ erklä- •’eo. die Farlamentswahlen würden frühe­stens im Spätherbst stattfinden. Es scheint, “aß die Konservativen plötzlich zur Besin- jjhng gekommen sind und eingesehen haben, daß sie den Bogen überspannt haben. Die pouerliche Hinauszögerung der Parlamentä­ren ist ein weiterer Beweis dafür, daß Konservativen hinsichtlich der Wahlen atcht mehr so siegessicher sind wie noch vor *®igen Wochen.

Ganz allgemein aber herrscht tn England Gefühl vor, daß die militärischen Ereig- “»se nicht so ausschlaggebend in der gegen- antgen Entwicklung sind. Die Nachkriegs- Wobleme nehmen einen immer dringlicheren harakter an, und auch der kleine Mann .kehrt sich zu der Ansicht, daß ein mili- 11®?® Sieg in keiner Weise mit einem utuchen Sieg gleichbedeutend sei. Groß-. befindet sich innerpolitisch, so- -tspoiitisch und außenpolitisch in einer feeren Situation, die den Briten die 5® an der militärischen Entwicklung

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gen. Die Erfolgsmeldungen aus dem UB-guartier Eisenhowers werden keineswegs

e taer Stimmung des Frohlockens aufge­

nommen, wie der „Observer“ berichtet, denn man frage sich, was nach dem Kriegsende kommen solle. In weiten Gebieten Europas sehe man die Elemente der Zivilisation und der politischen Ordnung verschwinden,' und es würde der größten Mühe bedürfen, um zu verhüten", daß aus dem Umsturz des Gleich­gewichts der Mächte eine neue Weltkrise ent­stehe. Angesichts der Erbschaft von Ruinen habe man einen langen und dauerhaften Frieden nötig, aber der sei unglücklicherweise keineswegs gesichert.

Ähnliche Gedankengänge klingen in einer Betrachtung des Athener Sondli'korrespon- denten der „Times“ über die Lage in Griechenland an. Der Sonderkorrespondent gibt der Befürchtung Ausdruck, daß im Augenblick des Kriegsendes in Europa ein anderer Krieg gegen Demoralisierung, Krank­heiten und Hungersnot auszufechten sein werde. Wenn dieser Kampf nicht sofort auf­genommen werde, dann werde ein Chaos ent­stehen, das nicht wieder zu beseitigen sei.

In der USA-Öffentlichkeit wird bereits mit banger Sorge die Frage erörtert, was nach dem Kriege werden soll. In Arbeiter­kreisen ist man sich darüber klar, daß dem Krieg eine furchtbare Arbeitslosigkeit folgen wird. Diesen Befürchtungen gibt ein Artikel der Wirtschaftszeitung „American Mercury“ Ausdruck. Danach rechnen die Werftarbeiter damit, daß sich die Arbeitgeber sofort nach dem Kriege wenigstens 60 v. H. der Arbeiter entledigen werden. Da diese Arbeiter aus den entlegensten Teilen des Landes in die Hafenstädte des Westens gelockt wurden, so werden sie nach ihrer Entlassung vor dem Nichts stehen. Das Blatt rechnet mit Arbeits­losen in den USA nach dem Kriege von mindestens 20 Millionen 'und verweist dar­auf, daß die Folge der Massenarbeitslosig­keit ein unvorstellbares Elend sein werde. In Arbeiterkreisen gehe das Wort um, daß die Nachkriegsjahre für den Arbeiter eine Hölle sein würden.

furter Raum nach Osten führt. Erfurt selbst 1 ist jetzt Gegenstand eines konzentrischen Angriffes. Nördlich an Erfurt vorbei ist der Stoß bis Sömmerda und beiderseits Weimar vorgedrungen. Südlich Erfurt ist die Stoß­richtung durch den Ort Kranichfeld gekenn­zeichnet, das heißt sie zielt in Richtung Leipzig.

Neben dieser Hauptbewegung des Gegners, deren klare Westostrichtung besonders be­achtenswert ist, sind zwei große weitere Kampfgebiete festzustellen, die aber am heu­tigen Tage nicht das eigentliche Schwer­gewicht der gegnerischen Anstrengungen dar­stellen: einmal der Raum zwischen Zuidersee' und Weser, zum anderen das ganze Gebiet südlich des Thüringer Waldes bis hinunter ins Badensche. Im nördlichen Kampfgebiet blieb der holländische Raum von größeren Kämpfen frei, und lm Weser-Ems-Raum konnte die deutsche Front gefestigt, ja durch Gegenangriffe wesentlich gestützt werden. Im südliohen Gebiet zwischen Thüringer Waid und Baden liegt der Schwerpunkt des feind­lichen Druckes im Raum von Koburg, wo süd­lich und nordöstlich der Stadt Kämpfe in Richtung Osten stattfinden.

Für die Ostfront ist der Gesichtspunkt maßgebend, daß zwischen dem Stettiner Haff und dem slowakischen Raum verhältnis­mäßige Ruhe herrscht, aber die starken Transportbewegungen des Gegners sowohl auf der Eisenbahn als auch auf der Land­straße fortdauem, vor allem im Gebiet zwi­schen Guben und Küstrin. Der Schwerpunkt der Kämpfe lm Osten bleibt Wien mit dem March-Abschnitt. ■

Kennzeichen der Gesamtlage sind außer­dem die überaus starken Luftkämpfe Über deutschem Gebiet, was sich daraus ergibt, daß vor allem Bayern unter schwerem Druck der feindlichen Luftwaffe steht, mit Angriffen auf München, Regensburg, Landshut, Dorau- wörth, Rosenheim, Ingolstadt, Nürnberg und Bayreuth. Die zweite Welle der feindlichen Lufttätigkeit hat sich zwischen dem schlesi­schen und dem thüringischen Raum <n der Hauptsache zwischen Zwickau und Eisleben gerichtet.

Die Schlacht In Deutschland hat somit räumlich zwar eine weitere Ausdehnung er­fahren, doch bleibt der deutsche Widerstand sowohl auf den ursprünglichen Kampfplätzen weiterhin hart, während zur gleichen Zeit die vordringenden Feindspitzen in zahlreiche Ge­fechte verwickelt werden, die sehr verlustreich für den Feind verlaufen. Das ganze weit aus­gedehnte Kampfgebiet hallt an allen Ecken und Enden wider vom Gefechtslärm, und nir­gends kann der Feind sich rühmen, die deut­sche Widerstandskraft überwunden zu haben. Der Feind umfährt mit seinen motorisierten Verbänden möglichst unsere Widerstands­zentren, wie dies bei Braunschweig uijd Er­furt der Fall ist, und versucht, durch Vor­stöße in das Hinterland die Kampfmoral der deutschen Truppen zu unterhöhlen in der Hoffnung, damit der kämpferischen Ausein­andersetzung entgehen zu können.

Wir jedoch wissen, daß ln den Hunderten von Gefechten, aus denen sich die augen­blickliche Schlacht in Deutschland zu­sammensetzt, der deutsche Soldat standhaft bleibt und weiterkämpft. Das rheinisch-west fälische Industriegebiet wüd von allen Set ten von großer feindlicher Übermacht ange­griffen, und dennoch verteidigen die dort ein­gesetzten deutschen Verbände jeden Fußbreit des ihnen anvertrauten deutschen Bodens mit äußerster Zähigkeit. Bochum ging erst nach schwerem, tagelangem Kampf verloren, und nur ganz langsam kann der Feind unsere Verbände gegen die Ruhr zurückdrücken. 'Auch in Essen toben Straßenkämpfe. Ebenso

hartnäckig verteidigt*: ich die Südfront, wo die deutschen Truppenim Raum Olpe Gegen­angriffe gegen die Flauen des vordringenden Feindes^ führen.

Feind sudich Bremen zuriiekeworien

Berlin, 12. Aril. Im Norden der Westfront bauten insere Truppen trotz starken ^eindlichei Drucks sowohl im Bereich der Ijss wie zwischen Ems und Unterweser n& Widerstandslinien auf. Die an der Ijssel gührten Angriffe brachen wiederum verlustrch zusammen. Zwischen der Ems und Quaktbrück, das sieh weiterhin gegen starke Angffe behauptete, schlugen unsere Truppen voühlende feindliche Kräfte ab. Im Raume sü&h Bremen führten un­sere Verbände kr'tige Gegenangriffe und warfen den Felndn vierstündigen schweren Kämpfen unter inen Verlusten zurück.'

Keine jifene Stadl"

Erlaß de Reichst iihrers H

Berlin, 12. All. Reichsführer H Hein­rich Himmler hafolgenden Befehl erlassen:

Der Feind veucht durch Irreführung, deutsche Orte zi Übergabe zu veranlassen. Durch vorgeprel' Panzerspähwagen unter­nimmt er es, dißevölkerung mit der Dro­hung einzuschütem, daß im Falle der Nichtübergabe d Ort durch angeblich auf ­gefahrene Banz: oder Artillerie zusammen- geschossen wür< Auch diese Kriegslist des Feindes verfehl Ihr Ziel. Keine deutsche Stadt wird zur?fenen Stadt erklärt. Jedes Dorf und jede adt werden mit allen Mit­teln verteidigt td gehalten. Jeder für die Verteidigung ies Ortes verantwortliche deutsche Manrder gegen diese selbstver­ständliche nätiale Pflicht verstößt, verliert Ehre und Leb*

„Mit anderen Mitteln"

Von Hans Seligo, Lissabon

Alles, was die Anglo-Amerikaner uns über ihre Ziele in Mitteleuropa, über die Zer­stückelung und Vernichtung des Reiches und aller seiner Einrichtungen mitgeteilt haben, ist ln Abwandlung des bekannten Wortes von Clausewitz nicht anderes als eine Fortsetzung des Vernichtungskrieges mit anderen Mitteln über das Kriegsende hinaus. Im vergangenen Kriege hat England seine größte und einzige Vemichtungsschlacht gegen Deutschland nicht im Kriege selbst, sondern erst nach 4em Waffenstillstand geschlagen, nämlich mit der Waffe der Hungerblockade gegen die Frauen und die künftige Generation eines wehrlos gewordenen Volkes. Das ist die Me­thode, einen Krieg mit anderen Mitteln fort­zusetzen, auch wenn*er längst offiziell be­endet Ist. Sowjetrußland hat eine hohe Schule daraus entwickelt, die es heute in aller Kon­sequenz der englischen Lehre ariwendet.

Die Anglo-Amerikaner haben den totalen Krieg gerne als ein besonders illegales und gehässiges Hirngespinst Deutschlands und als eine Idee des Generals Ludendorff hin­gestellt, weil Ludendorff ebenso wie andere kluge Köpfe nicht nur erkannt hatte, in wel­cher Richtung sich die Kriegsmethoden der mit England verbündeten Feindmächte ent­wickelten, sondern dies auch jedem verständ­lich aussprach. In klarer Erkenntnis, welche moralische Rückwirkung eine Entlarvung der englischen Vemichtungsmethoden auf die übrige Welt haben müßte, auf deren guten Willen England ja stets angewiesen war, ent- ’ faltete sich jene zur letzten Präzision und Logik entwickelte Verieumdungspropaganda, mit einem überzeugenden Entrtistungsschrei dem jeweiligen Feinde alles das nachzusagen, was man selber gerade skrupellos tat oder vorhatte. Stellte sich später ein neuer bru­taler Raubzug der Briten heraus oder grauen­erregender Straffeldzug, so zögerte man nicht mit dem Argument, in Abwehr nur das gleiche getan zu haben, womit die Feinde England drohten. Immer wieder fiel die Weit­meinung darauf herein, nicht zuletzt die Massen des englischen Volkes, die ja auch nur ein Mittel zum Zweck sind.

Nur der Umstand der langen Friedens zeit, deren sich Deutschland vor 1914 erfreute, und vielleicht auch politische Bedenken der Di­plomaten und Beobachter machen es erklär­lich, daß Englands Taktik der totalen Krieg­führung nicht schon viel früher den zivüi- slerten Völkern zum Bewußtsein kam. Selbst hervorragende Historiker, Strategen und Kriegstheoretiker haben die Umwertung aller Kriegsbegriffe, wie sie von den Engländern seit langem praktisch angewendet wurde, sel- ten zum Ausgangspunkt ihrer Darstellungen gemacht, was um so notwendiger gewesen wäre, als ja England damit große Erfolge er­zielte und Jahrhunderte hindurch niemals entscheidend geschlagen wurde. Der über ein Jahrhundert währende Krieg gegen Frank­reich ist ein hervorragendes Beispiel sowohl für den Vernichtungswillen Englands, der über jeden Waffenstillstand hinaus erhalten blieb, als auch für die Verteidigung Frank­reichs, das sich in dieser langen Kriegszeit erfolgreich, und wenn man will, schließlich siegreich gegen England behauptete, obwohl es besetzt war und nur ein halbes Dutzend mittelfranzösischer Städte noch souverän waren und selbst in Paris die Engländer saßen.

Mit Recht haben die Engländer uns Deut­sche früher als das unrealistische und un­politischste Volk Europas hingestellt, dessen Idealismus so weit gehe, Dinge, die in ihrer drastischen Wirklichkeit handgreiflich vor uns liegen, einfach nicht anzuerkennen, weil sie mit unserer Ethik, unseren Vorstellungen vom-Menschen, Gott und der Welt, kurz mit unserer berühmten Weltanschauung nicht zu vereinbaren sind.

Es gibt viele Gründe dafür, daß die Eng­länder so sind oder besser gesagt, etwas ln

Tfilich 750 000 Worte über San Franzisko

DrahttPht unseres Vertreters

hw. Stockhc, 12. April. Auf der Konferenz ki San Franzi: sollen, wie von maßgeblicher amerikanlschßelte mitgeteilt wird, agitato­risch derart! Rekordleistungen vollbracht werden, daß dort eingesetzten Pressever­treter tägheungefähr/ 75CT000 Worte zu liefern habeiVahrschelnllch will man zur gleichen Zeit einem Dutzend von Haüpt- und Ausschiersammlungen von morgens bis abends th- Die 750 000 Worte würden ungefähr ein Umfang von zehn Romanen entsprechen.sutrale Beobachter sind, wie Außenminist Stettinius erklärte, uner­wünscht. Sthoün betont, um Verwechse­lungen zu veBiden, daß von Schweden kein derartiger weh ausgegangen sei. Stettinlus gab ferner tmnl, daJ^ die USA-Delegation Ihre Stellunhms durch Mehrheitsabstim­mung festle wolle, was darauf schließen läßt, daß diffdgkeit selbst ln ihrem Schoße nicht sehr t ist. Noch weniger gilt das für die Verhält» zwischen den Verbündeten lm allgeme 1 -

Das neueUetepiel liefern die im kanadi­schen Pariert zum Durchbruch gelangten Widerständegen weitere Beteiligung am Pazlfjkkrie/'erbunden mit einem neuer­lichen Ausch anti-englischer Stimmung. Hinzu korr die Unfähigkeit der Verbün­deten, irgede mit den brennenden euro­päischen Semen fertig zu werden. Nicht einmal gecHunger und Not sind die pri­mitivsten kehrungen getroffen. Das ein­zige Leberehen vop der UNRRA" besteht in dem Grdnis ihrer sogenannten Ge- sundheitsflung in Washington, daß auf Grund de^ngerverheitmsse in vielen be­setzten Lfm große Gefahr für das Auf- I kommen Seuchen vorhanden sei.

Von sowjetischer Seite wird gegen die Ver­bündeten mit der Drohung gearbeitet, Jedes Sichtbarwerden von Gegensätzen, jeder Widerstand gegen Moskauer Forderungen entspringe „geheimen deutschen Einflüssen“.

.Der Londoner „Observer“ erklärt, einen wirklichen Erfolg verspräche man sich in maßgebenden Londoner und Washingtoner Stellen nicht mehr von San Franzisko. Man wäre bereits froh, wenn auf der Konferenz wirklich eine „gewisse Klärung der inter­nationalen Atmosphäre“ zuständegebracht werden könnte. „Observer unterstreicht, daß vor allem in der Konservativen Partei das Mißtrauen gegen die hinter der Kon­ferenz stehenden Pläne im Wachsen sei und Churchill sehr bald nicht unerhebliche Schwierigkeiten machen werde. Auf genau die gleichen Schwierigkeiten stößt Roosevelt. Überhaupt hat der Entschluß Moskaus, die Konferenz von San Franzisko nur mit Per­sönlichkeiten zweiten und dritten Ranges zu beschicken, in den USA dazu geführt, daß Männer ersten Ranges ebenfalls nicht nach San Franzisko gehen möchten.

Die in Moskau gebildete neue tschechische Exilregierung Fierlinger läßt eine program­matische Regierungserklärung veröffentlichen, die die völlige Gleicn.'.chaltung mit Moskau proklamiert. Neben engster Anlehnung an Mos kau in Politik und Gesetzgebung sollen nach dem Beispiel Rumäniens, Ungarns und Bulga­riens Bluttribunale err 1 :htet werden, um eben­so wie in diesen Ländern die aufbauenden Kräfte des Volkes auszurotten.

. Die Bonomi-Regierung ist von der USA-Re- gierung dahin, unterrichtet worden, daß es ihr nicht gestattet wird, in San Franzisko vertreten zu sein, nicht einmal durch einen Beobachter.