J
Erschei nt 6mal wöchentlich
mooatsöezug 2.30 RM elnschl. Zustellgebühr; Postbezugspreis monatlich 2 i 3 o RM (einschl. 18 Rpt Postzeitungsgebühr) zuzügl. 36 Rpl Be-
etellgeld- Postscheck: Hamburg 172 72. Anzeigenpreise und Aufnahmebedingungen laut Preisliste. Aufnahmetermine ohne Verbindlichkeit
Bremer jcitunn
Geschäftsstellen:
Bremen: Geschäftsstelle und Sehrift- leitung: Geeren 6-8, Ruf tags und nachts unter Sammelnummer 2 18 31; Syke; Mühlendamm 2; Bremen-Hemelingen; Bahnhofstr. 6, Ecke Poststraße, Ruf 4 34 58; Bremen-Vegesack: Rohrstr. 24, Ruf 4 und 8; Bremen-Blumenthal; Kapit.-Dallmann-Str. 41-43, Ruf 88 u. 89
Parteiamtliche Tageszeitung
Das Amtsblatt des Bagtereaden Bürgermeisters der Freien Hanseminlt
^Bremer 9iadjriditen
der N afionalsozialislen Bremens
AmlUcbee VericüodengsUafl dee
Iq Oldeaberg
die
Nummer 85 15. Jahrgang
Donnerstag, 12. April 1945
Einzelpreis 15 Rpf.
der
lbst
:fs— aber idem topä-
Gat
iedei-
:n 0*. lief- berg ;hrift- 15L "
enieD.
Eheine Parole
Darauf kommt es allein und vor allem mderen an in der Stunde der Not: daß man geh wehrt, daß man zurückschlägt und auf den Füßen bleibt, kurz, daß man handelt ! \fer handelt, gibt sich nicht selbst auf. Wer sich nicht selbst auf gibt, der ist in keiner Gefahr verloren, so überaus groß ihre Bedrohung den schweren Augenblick auch scheinen der nächste Augenblick wird schon w'e- leichter sein. Handeln! Das gilt dem ein- ielnen und das gilt dem Volke, das im Kampfe ,uf Leben und Tod gleicherweise tapfer die Höhen und die Täler des Krieges durchschreiten muß und dem es, durch je gefährlichere Tiefen der Weg geht, bestimmt ist, uit um so größerer Standhaftigkeit den Weg su Ende zu gehen, der Opfer nicht achtend ad die Toten nicht zählend. Einen anderen jeg in die Freiheit und das zukünftige Leben js Volkes gibt es nicht.
Handeln, — das ist die eherne Parole jer Zeit. Alles Handeln des Volkes aber ist nichts als die Summe des Handelns und Verhaltens jedes einzelnen im Volke, und die Kraft, die das Volk einzusetzen hat, um durch Standhaftigkeit zu bestehen, ist die Summe Jer Kraft, die jeder einzelne im Volke Mann, Frau und Kind, in die Waagschale der Zeit reden. In solchem Sinne kommt es auf eine shr nüchterne und überzeugende Weise wahr- auf jeden einzelnen an, auf sein Handeln und Verhalten, und von der Kraft der Mattigkeit seines Herzens hängt mit die Entscheidung ab. Darum soll und muß der linzeine mit der Zuversicht und dem G!au- len handeln, als hinge der Erfolg von ihm elbst ab, denn er hängt wirklich in einem ieferen und entscheidenden Sinne mit vr.n Im ab! <■
„Erhebliche Versteifung"
Stockholm, 11. April. Die Berichte der tnglo-amerikanischen Kriegskorrespondenten ran der Westfront stellen jetzt übereinstimmend fest, daß sich der deutsche Widerstand ganz erheblich versteift habe und der Vor- narsch dadurch erheblich gebremst sei. Ein leuter-Korrespondent bei der 2. britischen irmee gibt die Äußerung eines englischen Offiziers wieder, der den voreiligen Optimisten in England zuruft: „Es ist noch lange acht alles vorüber“ und der offen zugibt, ‘iß der Kampf überaus blutig sei, und daß (b englischen Truppen selbst alles andere als jtimistisch seien. Auch der Kriegskorrespon- Snt Richard Dimbley warnt entschieden vor inberechtigtem Optimismus. Er macht vielsehr nachdrücklich darauf aufmerksam, daß in der ganzen amerikanischen Front der tatsche Widerstand immer härter und zä- »r, die Kämpfe immer heftiger und verlust- licher würden. Der Kriegskorrespondent :ht darauf aufmerksam, daß die Deut- hen immer gute Improvisatoren gewesen leien. So würden sie auch jetzt wieder Mittel ®d Wege finden, um die alte Kampfkraft Itieder zu gewinnen. Die „New York Times“ setzen dem Optimismus in den USA, der von Jen jüdischen Agitatoren Roosevelts systematisch geführt worden ist, einen erheblichen ■Dämpfer auf, indem sie die USA-Bürger jiarauf vorbereiten, daß angesichts des sich [nmer mehr versteifenden deutschen Wider- tondes nicht der geringste Grund vorhanden |*i, etwa schon jetzt ein Siegesgeschrei zu iheben.
[Kroatiens Unabhängigkeitstag
Berlin, 11. April. Der Führer hat dem Itroatischen Staatsführer Dr. Pavelitsch zum Ittoatischen Unabhängigkeitstag telegraphisch Izme herzlichen Glückwünsche ausgesprochen. Reichsaußenminister von Ribbentrop Iht Ministerpräsident Mandic und Außen- I sinister Alajbegovic die Glückwünsche der IMchsregierung übermittelt.
Hungernde Fronarbeiler
Was die Feinde mit uns voihaben — Erlaß einer USA-Militärregierung
Stockholm, 11. April. Die Militärregierung der 1 . USA-Armee hat- jetzt eine Erklärung über die Behandlung der deutschen Bevölkerung abgegeben, deren grundsätzliche Bedeutung von dem englischen Reuterbüro besonders unterstrichen wird. „Sie sollen“, so heißt es in dem amtlichen Text, den Reuter aus dem Hauptquartier der 1. USA-Armee kabelt, „den Deutschen einen Vorgeschmack dessen geben, was sie unter der Herrschaft der Alliierten erwartet, und von vornherein ade Illusionen ausschalten, die sich anscheinend einige Deutsche machen.“ Man verspricht sich auf alliierter Seite von dieser Erklärung eine wirksame Unterstützung der von Eisenhower erlassenen „Nichtverbrüderungsbestimmungen“ für die USA-Soldaten.
In der Erklärung heißt es weiter, die Deut
schen würden angehalten, so schwer zu arbeiten, wie sie nur könnten, denn die Alliierten beabsichtigten nicht, irgendwelche Nahrungsmittel nach Deutschland einzuführen. Man sei sich klar darüber, daß die Ernährung der Be- satznngstruppen und der Millionen Ausländer, die sich zur Zeit noch in Deutschland befinden, nur gesichert werden könne, wenn die Arbeitskraft jedes Deutschen, Mann, Frau und Kind, bis zum äußersten ausgenutzt würde. Die Erzeugung von Nahrungsmitteln werde in Zukunft die wichtigste Aufgabe der deutschen Bevölkerung sein. In den besetzten deutschen Städten herrsche heute bereits erheblicher Lebensmittelmangel, der sich bald zu einer allgemeinen Hungersnot steigern werde. Die alliierte Militärregierung hat daher befohlen, alle geeigneten Deutschen aus
den Städten zu evakuieren. Auf diese Wei3e soll in den schwer zerstörten Städten- Raum für die Unterbringung der Besatzungstruppe geschaffen werden.
Die in Deutschland befindlichen Ausländer sollen, wie Reuter weiter berichtet, solange von der deutschen Bevölkerung mit ernährt werden, bis die Ernährungslage in ihren Heimatländern ihnen die Rückkehr ermöglicht. „Die Deutschen werden sich daran gewöhnen müssen, bedeutend weniger zu essen und bedeutend mehr zu arbeiten.“ Mit diesen Worten schließt der Erlaß der alliierten Militärregierung, der jedem Deutschen die Augen darüber öffnet, welches Schicksal ihm unsere westlichen Feinde zugedacht haben, wenn es schwach werden und nachgeben würde.
Heftige Kümpfe mit vordringendem Feind im Westen
Eigener Drahtbericht
rd. Berlin, 11. April. Von der Ostfront werden im Wehrmaehtbericht zur Zeit nur die Kämpfe in Südostdeutschland und hier insbesondere die Kämpfe in Wien, ferner die Angriffe bei Ratibor, gegen Breslau und an der Danziger Bucht hervorgehoben. Wesentl’Cha Veränderungen sind nicht zu erkennen, wenngleich die Besatzung von Wien, die zäh kämpft, auf den Donaukanal zurückgedrückt; worden ist. An den übrigen wenigen Kampfplätzen des Ostens konnte sich unsere Abwehr behaupten, während an den größten Teilen der Ostfront die Vorbereitungspause für die erwartete sowjetische Offensive anhält.
An der gesamten Westfront haben s ; cii weiterhin starke Kämpfe entwickelt, nachdem die Anglo-Amerikaner und die im Süden eingesetzten gaullistischen Verbände neue Verstärkungen herangeführt und ihre Offensivtätigkeit neu belebt haben. Im Nordabschnitt versuchen die Engländer sowohl in Holland als auch in Nordwestdeutschland nach Norden, Nordwesten und Osten Raum zu gewinnen. Bei Quakenbrück und Bersenbrück gelang es unseren Verbänden, vorgestoßene britische Kräfte zurückzuwerfen und ihre Stellungen gegen Durchbruchsversuelie zu behaupten. Südlich Bremen dringt der Feind weiter nach Osten vor, er konnte Hannover nach erbitterten Straßenkämpfen einnehmen.
Eine neue Schlacht hat sich in dem ganzen mitteldeutschen Raum zwischen dem H'irz und dem Thüringer Wald entwickelt, wobei die Räume südlich Hildesheim und westlich Erfurt besonders stark umkämpft werden. Aber auch in Süddeutschland entwickeln sich am Dienstag heftige Kämpfe mit amerikanischen Panzer- und Infanterieverbänden, die zwischen dem Thüringer Wald und dem Main nach Südosten Vordringen. Crailsheim ist heftig umkämpft worden und blieb am Abend des Dienstag in unserer Hand. Die nördlich dieser Stadt eingeschlossen gewesene starke feindliche Kampfgruppe konnte zwar nach Nordwesten ausbrechen, doch wurde sie in der Flanke gefaßt und erlitt hohe Verluste. Das Streben der Amerikaner geht dahin, möglichst weit in den süddeutschen Raum
Polen-Frage unlösbar
ein«
Bn*
einiM
fäniief
59 463.
rerä e0
trief*'
5.9 4e~ ■n fes
ter?
es von
erfatr- res«' 59 599- >la*p- sofort
319 » biirf-, rüvrr-h 5'«.. - Old®' T) W' 4 -
iintbo"
^ 7263. ' Fran 1 *\
IS. ‘
Drahtberleht unseres Vertreters
. Ü. Stockholm, 11. April. In zwei Wochen tu die Konferenz von San Franzisko hre Höre öffnen, und noch immer ist es nicht Sangen, das polnische Problem einer Lösung -äterzubringen. In London bezeichnet man “«halb die Polenfrage als unlösbar und er- Jägt öen Vorschlag, Polen in San Franzisko ®rch Australien vertreten zu lassen. “ a Segen dürfte wahrscheinlich die Sowjet- änion protestieren, die auf Teilnahme der ionischen bolschewistischen Regierung be- ®eht. Weitere Verwirrung wurde in der rolenfrage durch das letzte Kommunique * r Londoner Polenregierung geschaffen, die «r Welt das Verschwinden von 15 führenden ionischen Politikern mitteilte. Diese Poli- ’“ te r, die früher die sog. polnische Schatten- Gierung gebildet hatten, sind bekanntlich , P der Sowjetunion zu Verhandlungen ein- sdaden worden. Die Abreise erfolgte am 6>- März, und seither fehlt von den 15 polni- flien Politikern jede Spur.
Londoner Informationsministerium •urde erklärt, die britische Regierung habe •“her auf ihre Anfrage nach dem Schicksal J? 15 polnischen Politiker keine Antwort •|halten. Von der Londoner Sowjetbotschaft f. 1 ® Gerüchte ausgestreut worden, daß die !? Polen sich in Moskau befänden, was S r nicht kontrolliert werden könnte. Jeden- 'ifs wartet man. in London noch immer mit ,™nung auf ein Lebenszeichen der S p ? 4en - Über ihr Verbleiben gibt es zwei Jpothesen. Die erste nimmt an, daß dio yon den Sowjets einfach beseitigt wur- n,p während die andere davon ausgeht, daß u 0wjets ihre Verhandlungspartner nur •irh machen wollten. Die 15 Polen werden sfr, dieser zweiten Version in einem Iso- Jbgslager zurückgehalten und sollen erst tri“; freigegeben werden, wenn sie Sich ‘»zeigen, den sowjetischen Wünschen r«?tiinnien.
: <aa ' einer näheren Prüfung zeigt es sich, •j Abmachungen von Jalta über die .^rage eine typische Kautschuk-Resolu- • Dlese Resolution spricht von einer g der Lubliner Regierung auf demokratischer Baste ante^Hinzuzie-
hung polnischer Politiker sowohl aus Polen wie auch'aus dem Auslande. Die Sowjets legen die Resolution so aus, daß es genüge, die Lubliner Regierung durch einige rein demokratische Figuren zu erweitern, während Briten und Amerikaner versicherten, daß sie ihre Zustimmung nur zu einem Aufgehen der Lublin-Regierung in einer wirklichen repräsentativen Koalitionsregierung, die alle polnischen Parteien umfassen müsse, erteilt hätten. In der Praxis hat dieser Meinungsstreit natürlich nur geringe Bedeutung, da die Sowjets die einzigen Herren in Polen sind, und sich jede Einmischung von britischer und amerikanischer Seite verbitten. Unter diesen Umständen hat die polnische London- Regierung gute Aussichten, ihre Existenz weiterführen zu können. Es ist bezeichnend, daß in letzter Zeit in dem offiziellen politischen Nachrichtendienst des Londoner Rundfunks wieder geheime Anweisungen an die Patrioten in verschlüsselten Wendungen gerichtet werden. London läßt also zu, daß der britisc le Rundfunk zur Aufstachelung des geheimen Widerstandes der polnischen Patrioten gegen die sowjetische Okkupationsmacht benutzt wird.
In einer schwedischen Betrachtung über die Sowjetpraxis in den besetzten Gebieten, veröffentlicht vom Stockholmer „Aftonbla- det“, wird festgestellt, daß Massen von Polen zwangsdeportiert, enteignet oder arbeitslos gemacht worden sind. Daß die Sowjetisierung nicht überall glatt gehe, nicht einmal in früher sowjeteigenen Gebieten, sei aus Notizen der „Prawda“ ersichtlich. Man klage über „faschistische Sabotage“ in der Ukraine und in'Lettland.
Von englischer Seite werde der eiserne Vorhang, den die Sowjetunion über ganz Osteuropa heruntergelassen habe, nicht mit Begeisterung angesehen.
Wie wenig Moskau seine anglo-amerikanisehen Verbündeten in seine Karten sehen läßt und sie immer nur vor vollendete Tatsachen stellt, bestätigt ein Bericht der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“, in dem festgestellt wird, daß man aus den von den Sowjets besetzten Gebieten „äußerst wenig hört.“
hineinzufühlen und damit Verkehrsverbindungen zu bedrohen.
Das Gesamtbild der Kämpfe an der Westfront zeigt die Konzentrierung der deutschen Abwehrkräfte und den Versuch des Feindes, jeden, und sei es auch nur im örtlichen Rahmen, erfolgenden deutschen Zusammenschluß durch schnell vorstoßende Panzerkräfte zu vereiteln. Dennoch haben sich an vielen Stellen des weit auseinandergezogenen Schlachtfeldes zum Teil erhebliche deutsche Kräfte zu sammeln vermocht, die mit ungebrochener Kampfkraft und äußerster Entschlossenheit den Feind jederzeit anspringen und auch bei zahlenmäßiger Unterlegenheit beachtliche Abwehrerfolge erringen. Dieser allmähliche Erstarrungsprozeß, der erfahrungsgemäß nach größeren feindlichen Durchbrüchen eine gewisse Zeit beansprucht, ist noch im Anlaufen und bereitet dennoch dem Feind so erhebliche Schwierigkeiten, daß die Meldungen der feindlichen Agitation über ein angebliches Erlahmen des deutschen Widerstandes neuerdings von wütenden Feststellungen über die Härte des Kampfes und die Schwierigkeiten der Schlacht in Deutschland abgelöst werden.
Ein hervorragendes Beispiel äußersten Mutes und kämpferischer Einsatzbereitschaft lieferten deutsche Jagdverbände, die am 7. April zur Abwehr amerikanischer Terrorangriffe gegen den norddeutschen Raum zusammengezogen worden waren. Wenn allein über 60 viermotorige Bomber durch Rammstoß vernichtet worden sind, dann kann man hier nicht mehr nur von der heroischen Tat eines einzelnen sprechen, sondern muß dieses Heldentum der gesamten deutschen Jagdwaffe zuguteschreiben, die sich damit als an der Spitze jeder kämpferischen Moral stehend erwiesen hat. Der Wehrmaehtbericht spricht in seiner Ergänzung von todesmutiger Selbstaufopferung und von opferreichen Kämpfen auch für die deutschen Jäger. In Ehrfurcht gedenkt das deutsche Volk der Jagdflieger, die den verhaßten Feind zu Boden zwangen, obwohl sie selbst den Helden
tod starben. Der Geist dieser Jagdflieger überwindet jeden Feind!
Zwischen Ijssel und Weser
Berlin, 11. April. Im Westen konnte unter der Wirkung unserer Gegenangriffe die zwischen Ijssel und Weser angreifende 21. anglo- amerikanische Heeresgruppe nur unwesentlich vorankommen. An der Ijssel hatten die Kanadier bei der Fortsetzung ihres Angriffs auf Deventer abermals schwere Verluste. Trotz Einsatz zahlreicher Batterien und Flammenwerferpanzer erzielten sie nur einen etwa zwei Kilometer tiefen Einbruch, der sie an den Nordrand der Stadt heranführte. Hier blieben sie in den fortgesetzten Gegenstößen unserer Fallschirmjäger und im Abwehrfeuer unserer schweren Waffen liegen. Weiter nördlich schieben die Briten ihre Aufklärung in den Sumpfgebieten zwischen Meppel und Meppen nur mit aller Vorsicht weiter’ nach Norden vor. Sie mußten jedoch beim Kampf um die wenigen, die Sümpfe durchziehenden Straßen empfindliche Panzerverluste einstecken. Bei Meppen drang ein stärkerer britischer Angriffsverband zunächst nach Norden vor und schwenkte dann nach Osten ein. Seine Spitze wurde östlich der Ems zwischen Börger und Haselünne in- Gegenangriffen aufgefangen und zurückgeworfen. Auch die im Hasebogen in Richtung auf Quakenbrück und südlich davon angesetzten feindlichen Kräfte wurden durch unsere Gegenstöße weder zurückgedrängt.
Im Raum südlich Bremen hat der Gegner, dessen Westflanke am Vortag durch unsere Gegenschläge hart getroffen worden war, seine Angriffe ebenfalls nicht weiter entwickeln können. Dagegen gewannen die zwischen dem Mündungsgebiet der Aller und dem Thüringer Wald stehenden anglo-ameri- kanischen Kräfte in schweren Kämpfen Boden. Das Ringen erfaßte das am Vortage beiderseits überflügelte Hannover und verlagerte sich südlich Hildesheim gegen den Westrand des Oberharzes.
Innerpolitischer Burgfriede Englands bedroht
Drahtbericht unseres Vertreters
ost. Stockholm, 11. April. Schlagartig haben zwei Reden des britischen Labourministers Bevin, in denen er sich rücksichtslos gegen alle weiteren Koalitionspläne Churchills und der Konservativen aussprach, einen Kampf ausgelöst, der nun von allen Beobachtern in London als Auftakt zu großen innerpolitischen Auseinandersetzungen bezeichnet wird. Der Wahlkampf, der eigentlich erst nach Kriegsende beginnen sollte, ist durch die Bevin-Re- den verfrüht ausgebrochen, und die britische Öffentlichkeit nimmt mit ungeheurem Interesse Anteil an diesem Kampf. Die Spannung ist so groß, daß selbst die wichtigsten Kriegsnachrichten jetzt hinter den politischen Geschehnissen des Tages zurücktreten. Nach der offenen Kampfansage Bevins gegen Churchill und seine Konservativen haben die Tories ihrerseits zum Gegenschlag ausgeholt und einen ihrer besten Redner, Informationsminister Brandan Bracken, veranlaßt, eine Rede zu halten, in der er mit ebenso schwerem Geschütz wie die Labour-Leute angriff. Kaum waren diese konservativen Salven abgeschossen, da ergriff Greenwood das Wort, um im Namen der Labour-Front wiederum Churchill „als dem britischen Kriegsherrn Tribut zu zollen", um ihm dann aber den Satz an den Kopf zu werfen: „Wir Linksparteiler betrachten Churchill nicht als den geeigneten Architekten für die ungeheure Wiederaufbauarbeit der britischen Zukunft. Churchill würde klug daran tun, die Zukunftsarbeit anderen zu überlassen.“ Womit man selbstverständlich die Labour-Partei meint.
Viele Zeitungen Englands haben erklärt, der Krach zwischen links und rechts habe bereits solche Ausmaße angenommen, daß der Burgfrieden jeden Augenblick platzen könne. Politische Beobachter in London glauben jedoch, daß der Zeitpunkt für einen offenen Bruch innerhalb des Kabinetts noch nicht gekommen ist. Man wird versuchen, die Zusammenarbeit der Rechten und der Linken innerhalb der Regierung trotz aller politischen Gegensätze aufrechtzuerhalten. Möglich wäre jedoch, daß die Labour-Partei den Augenblick für besonders günstig hält, um bei einer Unterhausdebatte das Mißtrauen gegen Churchill zu beantragen. Ein solches Manöver wäre jedoch ziemlich riskant, denn parteipolitisch sind die Linksparteien in der Minderheit. Von den 615 Plätzen des Unter
hauses verfügen die Konservativen über 387 feitze, wozu zumindest die Nationalliberalen mit 33 Sitzen hinzugerechnet werden müssen, während die Labour-Partei nur über 154 Sitze verfügt plus 17 Liberalen und ein rundes Dutzend unabhängiger Linkssympatisieren- der, sowie einen Kommunisten. Diese Stimmverteilung im Unterhaus, die sich noch auf die Wahlen von 1935 stützt, entspricht in keiner Weise mehr der politischen Einstellung der englischen Öffentlichkeit. Eines dürfte jedoch klar sein: Rein reaktionäre Innenpolitik nach Traditionsmuster der Konservativen wird Churchill nicht mehr betreiben können. Man wird daher bei der kommenden Auseinandersetzung zwecks Vorbereitung der Neuwahlen viele Tarnungen erleben können. (Siehe hierzu auch den heutigen Leitartikel)
Churchill in Bedrängnis
Von unserer Berliner Schriftleitung
A. G. Über Nacht ist in England eine Regierungskrise entstanden. Es begann zunächst, wie so viele Auseinandersetzungen, die seit Monaten zwischen den zwei Hauptregierungsparteien stattfanden, zwischen Konservativen und Labourparteilem. Ein führender Mann der Laboürpartei hielt eine Rede gegen den Regierungschef und gegen die Konservative Partei: Dieser Krieg sei „eines Mannes Krieg“, womit er unmißverständlich Churchill meinte. Zwischen Laboürpartei und Konservativen werde der Kampf um Privateigentum und Sozialismus ausgekämpft werden müssen. Ein führender Mann der Konservativen Partei antwortete: Die Laboürpartei habe den Burgfrieden gebrochen; sie habe den Fehdehandschuh hingeworfen, und die Konservativen würden ihn aufheben.
Das alles wäre nicht aufregend. Schärfere Auseinandersetzungen hatte es schon vor Monaten gegeben, so etwa, wenn Arbeiter- parteiler Churchill so stockkonservativ nannten, daß er in die Steinzeit gehöre oder ein Unterhausabgeordneter aktiven Ministern vorwarf, die Öffentlichkeit sei mit dem Panzerbauprogramm betrogen worden. Aber das Sensationelle an diesen zwei Reden war, daß der prominente Labourparteiler und der prominente konservative Minister im gleichen Kabinett bei jeder Kabinettssitzung am gleichen Tisch miteinander beraten — der Ar- beitsminister Bevin und der Informationsminister Brandon Bracken, der ein persönlicher Freund Churchills ist.
Schlagartig wie diese beiden Reden auf- einanderfolgten, ging es weiter: Frage- und Antwort^piel- im Unterhaus, bei dem Churchill in ausgesprochen ironischer Weise antworten darf, und '» eine Versammlungsrede des Führers der “ Laboürpartei Arthur Greenwood. Schon heißt es überall: „Die Auflösung der Regierungs-Koalition steht bevor“. Der Wahlkampf hat praktisch bereits begonnen, ehe noch der Krieg in Europa zu Ende ist. Um diesen Wahlkampf unmittelbar hinter dem Krieg in Europa spielten sich die Auseinandersetzun- • gen schon in der ganzen letzten Zeit ab, und die Entwicklung der militärischen Lage hat jetzt offenbar der Laboürpartei den letzten Anstoß gegeben, sich aus der bestehenden Verbindung mit der größten Unterhaus- und der größten Regierungspartei, mit den Konservativen schleunigst zu lösen; denn es geht nun um die Verantwortung für Krieg und Kriegselend und — so meint man, weil man das Kriegsende zu sehen glaubt — um die Führung in der Nachkriegszeit, die nur der haben kann, der nicht oder wenig belastet erscheint.
So ist diese Auseinandersetzung verknüpft mit gegenseitigen unfreundlichen Feststellungen und mit Enthüllungen, die man wohl noch vor einigen Wochen nicht ausgesprochen hätte — Enthüllungen, die den innerpolitischen Wahlgegner belasten sollen, aber zugleich doch auch recht interessant für die Kriegführenden, für die Außenpolitik und für die Schuld an der allgemeinen Verelendung und an dem Niedergang des britischen Weltreiches sind. Die Schuld der Konservativen als der Haupt-Regierungspartei erscheint in einem immer grelleren Lichte vor dem englischen Volk und vor der Weltöffentlichkeit. Der Führer der Laboürpartei, Greenwood, hat in seiner Rede scharfe Worte gegen die Wirtschaftsmonopole gefunden, die sich in den Händen einiger weniger Privatleute befinden. „Diese Herren in der City von London, diese Großindustriellen machen jetzt Pläne für ihre Zukunft, nicht für unsere Zukunft“, sagte Greenwood. Er lenkte damit die Aufmerksamkeit auf die Ängste breitester britischer Bevölkerungsschichten vor dem Nachkriegselend. Die Konservativen tragen aber — das wird aus englischen Veröffentlichungen selbst immer klarer — durch hre Kriegspolitik auch die unmittelbare Schuld an der Verärgerung jener Kreise, die die Grundlage britischer Tradition waren. Der bekannte Deal Inge, dessen soziale Stu-lien viel gelesen wurden, schrieb vor einiger Züt: „Unsere obersten und Mittelkreise begehen, indem sie diesen Krieg zuließen, mit vollem Bewußtsein Selbstmord. Sie wußten, daß sie am Kriegsende sich selbst fast ihres gesamten
Hohe Auszeichnung für Gauleiter Hanke
Berlin, 11. April. Der Führer hat an Gauleiter Karl Hanke in Breslau des Goldene Kreuz des Deutschen Ordens verliehen und ihm folgendes Telegramm gesandt: „In
dankbarer Würdigung Ihrer großen Verdienste im Kampf um die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen das Goldene Kreuz des Deutschen Ordens.“
Mit dieser hohen Auszeichnung werden die Verdienste eines pohtischen Führers und Kämpfers gewürdigt, unter dessen starker Hand die Festung Breslau in diesen schweren Wochen zu einem wahrhaften Symbol deutscher Standhaftigkeit geworden ist. Mit Verbänden der Wehrmacht, mit tapferen Männern des Volkssturms und der todesmutigen Bevölkerung Breslaus hat Gauleiter Hanke in der schlesischen Gauhauptstadt einen Widerstand organisiert, der seit Monaten dem Massenansturm zahlreicher sowjetischer Armeen standhält und der militärischen Führung damit die Möglichkeit gab, neue starke Fronten auszubauen, Zehntausende von schlesischen Flüchtlingen in Sicherheit zu bringen und Zeit für neue Gegenmaßnahmen zu gewinnen.
Ganz Deutschland sieht heute voller Bewunderung und mit- heißen Wünschen auf diesen Mann und auf den Heldenkampf der Metropole des deutschen Ostens, die ein Bollwerk aus Stein und Eisen, mehr noch aber eine Festung tapferer .deutscher Herzen
ist. Breslau ist für uns alle ein hohes Beispi dafür, daß eiserne Beharrlichkeit und d fanatische Wille, dem Feind um jeden Pr« zu trotzen, auch gegen eine Überzahl v< Menschen und Waffen erfolgreich sein wir Es wird der bleibende Ruhm Karl Hank sein, daß er es war, der in der Festrn Breslau gegen die Überzahl der Waffen c starke Übermacht der Herzen und damit s seiner Stelle die wichtigste Voraussetzui schuf für das siegreiche Bestehen dies Schicksalskampfes. Der ganzen Nation i Gauleiter Hanke gerade in diesen Tagen : einem leuchtenden Vorbild für treuen Opfe mut und Pflichterfüllung geworden.
Kampf aller gegen alle
Eigener Drahtbericht
ep. Lissabon, 11. April. Die neue griechiscl Regierung unter Admiral Vulgaris begegni wie United Preß aus Athen meldet, erhe' liehen Schwierigkeiten. Das wichtige Inne: ministerium ist noch immer unbesetzt, ui nicht weniger als elf Kandidaten, denen Ai miral Vulgaris das Amt des Innenministe antrug, haben die Übernahme abgelehnt. E Haltung der Parteien zum Kabinett i unterschiedlich. Einheitlich ist nur c Kampfstimmung, mit der sich alle Partei! seit der Besetzung durch die Anglo-Amei kaner in den Haren liegen.