Ausgabe 
(12.4.1945) 85
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Parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Bagtereaden Bürgermeisters der Freien Hanseminlt

^Bremer 9iadjriditen

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Nummer 85 15. Jahrgang

Donnerstag, 12. April 1945

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Eheine Parole

Darauf kommt es allein und vor allem mderen an in der Stunde der Not: daß man geh wehrt, daß man zurückschlägt und auf den Füßen bleibt, kurz, daß man handelt ! \fer handelt, gibt sich nicht selbst auf. Wer sich nicht selbst auf gibt, der ist in keiner Ge­fahr verloren, so überaus groß ihre Bedrohung den schweren Augenblick auch scheinen der nächste Augenblick wird schon w'e- leichter sein. Handeln! Das gilt dem ein- ielnen und das gilt dem Volke, das im Kampfe ,uf Leben und Tod gleicherweise tapfer die Höhen und die Täler des Krieges durch­schreiten muß und dem es, durch je gefähr­lichere Tiefen der Weg geht, bestimmt ist, uit um so größerer Standhaftigkeit den Weg su Ende zu gehen, der Opfer nicht achtend ad die Toten nicht zählend. Einen anderen jeg in die Freiheit und das zukünftige Leben js Volkes gibt es nicht.

Handeln, — das ist die eherne Parole jer Zeit. Alles Handeln des Volkes aber ist nichts als die Summe des Handelns und Ver­haltens jedes einzelnen im Volke, und die Kraft, die das Volk einzusetzen hat, um durch Standhaftigkeit zu bestehen, ist die Summe Jer Kraft, die jeder einzelne im Volke Mann, Frau und Kind, in die Waagschale der Zeit reden. In solchem Sinne kommt es auf eine shr nüchterne und überzeugende Weise wahr- auf jeden einzelnen an, auf sein Handeln und Verhalten, und von der Kraft der Mattigkeit seines Herzens hängt mit die Entscheidung ab. Darum soll und muß der linzeine mit der Zuversicht und dem G!au- len handeln, als hinge der Erfolg von ihm elbst ab, denn er hängt wirklich in einem ieferen und entscheidenden Sinne mit vr.n Im ab! <■

„Erhebliche Versteifung"

Stockholm, 11. April. Die Berichte der tnglo-amerikanischen Kriegskorrespondenten ran der Westfront stellen jetzt übereinstim­mend fest, daß sich der deutsche Widerstand ganz erheblich versteift habe und der Vor- narsch dadurch erheblich gebremst sei. Ein leuter-Korrespondent bei der 2. britischen irmee gibt die Äußerung eines englischen Offiziers wieder, der den voreiligen Optimi­sten in England zuruft: „Es ist noch lange acht alles vorüber“ und der offen zugibt, ‘iß der Kampf überaus blutig sei, und daß (b englischen Truppen selbst alles andere als jtimistisch seien. Auch der Kriegskorrespon- Snt Richard Dimbley warnt entschieden vor inberechtigtem Optimismus. Er macht viel­sehr nachdrücklich darauf aufmerksam, daß in der ganzen amerikanischen Front der tatsche Widerstand immer härter und zä- »r, die Kämpfe immer heftiger und verlust- licher würden. Der Kriegskorrespondent :ht darauf aufmerksam, daß die Deut- hen immer gute Improvisatoren gewesen leien. So würden sie auch jetzt wieder Mittel ®d Wege finden, um die alte Kampfkraft Itieder zu gewinnen. Die „New York Times“ setzen dem Optimismus in den USA, der von Jen jüdischen Agitatoren Roosevelts syste­matisch geführt worden ist, einen erheblichen ■Dämpfer auf, indem sie die USA-Bürger jiarauf vorbereiten, daß angesichts des sich [nmer mehr versteifenden deutschen Wider- tondes nicht der geringste Grund vorhanden |*i, etwa schon jetzt ein Siegesgeschrei zu iheben.

[Kroatiens Unabhängigkeitstag

Berlin, 11. April. Der Führer hat dem Itroatischen Staatsführer Dr. Pavelitsch zum Ittoatischen Unabhängigkeitstag telegraphisch Izme herzlichen Glückwünsche ausgespro­chen. Reichsaußenminister von Ribbentrop Iht Ministerpräsident Mandic und Außen- I sinister Alajbegovic die Glückwünsche der IMchsregierung übermittelt.

Hungernde Fronarbeiler

Was die Feinde mit uns voihaben — Erlaß einer USA-Militärregierung

Stockholm, 11. April. Die Militärregierung der 1 . USA-Armee hat- jetzt eine Erklärung über die Behandlung der deutschen Bevölke­rung abgegeben, deren grundsätzliche Bedeu­tung von dem englischen Reuterbüro beson­ders unterstrichen wird. „Sie sollen“, so heißt es in dem amtlichen Text, den Reuter aus dem Hauptquartier der 1. USA-Armee kabelt, „den Deutschen einen Vorgeschmack dessen geben, was sie unter der Herrschaft der Alli­ierten erwartet, und von vornherein ade Illusionen ausschalten, die sich anscheinend einige Deutsche machen.“ Man verspricht sich auf alliierter Seite von dieser Erklärung eine wirksame Unterstützung der von Eisenhower erlassenen „Nichtverbrüderungsbestimmun­gen“ für die USA-Soldaten.

In der Erklärung heißt es weiter, die Deut­

schen würden angehalten, so schwer zu arbei­ten, wie sie nur könnten, denn die Alliierten beabsichtigten nicht, irgendwelche Nahrungs­mittel nach Deutschland einzuführen. Man sei sich klar darüber, daß die Ernährung der Be- satznngstruppen und der Millionen Auslän­der, die sich zur Zeit noch in Deutschland befinden, nur gesichert werden könne, wenn die Arbeitskraft jedes Deutschen, Mann, Frau und Kind, bis zum äußersten ausgenutzt würde. Die Erzeugung von Nahrungsmitteln werde in Zukunft die wichtigste Aufgabe der deutschen Bevölkerung sein. In den besetzten deutschen Städten herrsche heute bereits er­heblicher Lebensmittelmangel, der sich bald zu einer allgemeinen Hungersnot steigern werde. Die alliierte Militärregierung hat da­her befohlen, alle geeigneten Deutschen aus

den Städten zu evakuieren. Auf diese Wei3e soll in den schwer zerstörten Städten- Raum für die Unterbringung der Besatzungstruppe geschaffen werden.

Die in Deutschland befindlichen Ausländer sollen, wie Reuter weiter berichtet, solange von der deutschen Bevölkerung mit ernährt werden, bis die Ernährungslage in ihren Hei­matländern ihnen die Rückkehr ermöglicht. „Die Deutschen werden sich daran gewöhnen müssen, bedeutend weniger zu essen und be­deutend mehr zu arbeiten.“ Mit diesen Wor­ten schließt der Erlaß der alliierten Militär­regierung, der jedem Deutschen die Augen darüber öffnet, welches Schicksal ihm unsere westlichen Feinde zugedacht haben, wenn es schwach werden und nachgeben würde.

Heftige Kümpfe mit vordringendem Feind im Westen

Eigener Drahtbericht

rd. Berlin, 11. April. Von der Ostfront wer­den im Wehrmaehtbericht zur Zeit nur die Kämpfe in Südostdeutschland und hier ins­besondere die Kämpfe in Wien, ferner die An­griffe bei Ratibor, gegen Breslau und an der Danziger Bucht hervorgehoben. Wesentl’Cha Veränderungen sind nicht zu erkennen, wenn­gleich die Besatzung von Wien, die zäh kämpft, auf den Donaukanal zurückgedrückt; worden ist. An den übrigen wenigen Kampf­plätzen des Ostens konnte sich unsere Ab­wehr behaupten, während an den größten Teilen der Ostfront die Vorbereitungspause für die erwartete sowjetische Offensive anhält.

An der gesamten Westfront haben s ; cii weiterhin starke Kämpfe entwickelt, nach­dem die Anglo-Amerikaner und die im Süden eingesetzten gaullistischen Verbände neue Verstärkungen herangeführt und ihre Offen­sivtätigkeit neu belebt haben. Im Nordab­schnitt versuchen die Engländer sowohl in Holland als auch in Nordwestdeutschland nach Norden, Nordwesten und Osten Raum zu gewinnen. Bei Quakenbrück und Bersen­brück gelang es unseren Verbänden, vorge­stoßene britische Kräfte zurückzuwerfen und ihre Stellungen gegen Durchbruchsversuelie zu behaupten. Südlich Bremen dringt der Feind weiter nach Osten vor, er konnte Han­nover nach erbitterten Straßenkämpfen ein­nehmen.

Eine neue Schlacht hat sich in dem ganzen mitteldeutschen Raum zwischen dem H'irz und dem Thüringer Wald entwickelt, wobei die Räume südlich Hildesheim und westlich Erfurt besonders stark umkämpft werden. Aber auch in Süddeutschland entwickeln sich am Dienstag heftige Kämpfe mit ameri­kanischen Panzer- und Infanterieverbänden, die zwischen dem Thüringer Wald und dem Main nach Südosten Vordringen. Crailsheim ist heftig umkämpft worden und blieb am Abend des Dienstag in unserer Hand. Die nördlich dieser Stadt eingeschlossen gewesene starke feindliche Kampfgruppe konnte zwar nach Nordwesten ausbrechen, doch wurde sie in der Flanke gefaßt und erlitt hohe Verluste. Das Streben der Amerikaner geht dahin, möglichst weit in den süddeutschen Raum

Polen-Frage unlösbar

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Drahtberleht unseres Vertreters

. Ü. Stockholm, 11. April. In zwei Wochen tu die Konferenz von San Franzisko hre Höre öffnen, und noch immer ist es nicht Sangen, das polnische Problem einer Lösung -äterzubringen. In London bezeichnet man “«halb die Polenfrage als unlösbar und er- Jägt öen Vorschlag, Polen in San Franzisko ®rch Australien vertreten zu lassen. “ a Segen dürfte wahrscheinlich die Sowjet- änion protestieren, die auf Teilnahme der ionischen bolschewistischen Regierung be- ®eht. Weitere Verwirrung wurde in der rolenfrage durch das letzte Kommunique * r Londoner Polenregierung geschaffen, die «r Welt das Verschwinden von 15 führenden ionischen Politikern mitteilte. Diese Poli- ’“ te r, die früher die sog. polnische Schatten- Gierung gebildet hatten, sind bekanntlich , P der Sowjetunion zu Verhandlungen ein- sdaden worden. Die Abreise erfolgte am 6>- März, und seither fehlt von den 15 polni- flien Politikern jede Spur.

Londoner Informationsministerium •urde erklärt, die britische Regierung habe •“her auf ihre Anfrage nach dem Schicksal J? 15 polnischen Politiker keine Antwort •|halten. Von der Londoner Sowjetbotschaft f. 1 ® Gerüchte ausgestreut worden, daß die !? Polen sich in Moskau befänden, was S r nicht kontrolliert werden könnte. Jeden- 'ifs wartet man. in London noch immer mit ,™nung auf ein Lebenszeichen der S p ? 4en - Über ihr Verbleiben gibt es zwei Jpothesen. Die erste nimmt an, daß dio yon den Sowjets einfach beseitigt wur- n,p während die andere davon ausgeht, daß u 0wjets ihre Verhandlungspartner nur •irh machen wollten. Die 15 Polen werden sfr, dieser zweiten Version in einem Iso- Jbgslager zurückgehalten und sollen erst tri“; freigegeben werden, wenn sie Sich ‘»zeigen, den sowjetischen Wünschen r«?tiinnien.

: <aa ' einer näheren Prüfung zeigt es sich, •j Abmachungen von Jalta über die .^rage eine typische Kautschuk-Resolu- • Dlese Resolution spricht von einer g der Lubliner Regierung auf demokratischer Baste ante^Hinzuzie-

hung polnischer Politiker sowohl aus Polen wie auch'aus dem Auslande. Die Sowjets legen die Resolution so aus, daß es genüge, die Lubliner Regierung durch einige rein demokratische Figuren zu erweitern, während Briten und Amerikaner versicherten, daß sie ihre Zustimmung nur zu einem Aufgehen der Lublin-Regierung in einer wirklichen reprä­sentativen Koalitionsregierung, die alle pol­nischen Parteien umfassen müsse, erteilt hätten. In der Praxis hat dieser Meinungs­streit natürlich nur geringe Bedeutung, da die Sowjets die einzigen Herren in Polen sind, und sich jede Einmischung von britischer und amerikanischer Seite verbitten. Unter diesen Umständen hat die polnische London- Regierung gute Aussichten, ihre Existenz weiterführen zu können. Es ist bezeichnend, daß in letzter Zeit in dem offiziellen politi­schen Nachrichtendienst des Londoner Rund­funks wieder geheime Anweisungen an die Patrioten in verschlüsselten Wendungen ge­richtet werden. London läßt also zu, daß der britisc le Rundfunk zur Aufstachelung des geheimen Widerstandes der polnischen Pa­trioten gegen die sowjetische Okkupations­macht benutzt wird.

In einer schwedischen Betrachtung über die Sowjetpraxis in den besetzten Gebieten, veröffentlicht vom Stockholmer „Aftonbla- det“, wird festgestellt, daß Massen von Polen zwangsdeportiert, enteignet oder arbeitslos gemacht worden sind. Daß die Sowjetisierung nicht überall glatt gehe, nicht einmal in früher sowjeteigenen Gebieten, sei aus No­tizen der „Prawda“ ersichtlich. Man klage über „faschistische Sabotage“ in der Ukraine und in'Lettland.

Von englischer Seite werde der eiserne Vor­hang, den die Sowjetunion über ganz Ost­europa heruntergelassen habe, nicht mit Begeisterung angesehen.

Wie wenig Moskau seine anglo-amerikanisehen Verbündeten in seine Karten sehen läßt und sie immer nur vor vollendete Tatsachen stellt, be­stätigt ein Bericht der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“, in dem festgestellt wird, daß man aus den von den Sowjets besetzten Ge­bieten „äußerst wenig hört.“

hineinzufühlen und damit Verkehrsverbin­dungen zu bedrohen.

Das Gesamtbild der Kämpfe an der West­front zeigt die Konzentrierung der deutschen Abwehrkräfte und den Versuch des Feindes, jeden, und sei es auch nur im örtlichen Rah­men, erfolgenden deutschen Zusammenschluß durch schnell vorstoßende Panzerkräfte zu vereiteln. Dennoch haben sich an vielen Stellen des weit auseinandergezogenen Schlachtfeldes zum Teil erhebliche deutsche Kräfte zu sammeln vermocht, die mit unge­brochener Kampfkraft und äußerster Ent­schlossenheit den Feind jederzeit anspringen und auch bei zahlenmäßiger Unterlegenheit beachtliche Abwehrerfolge erringen. Dieser allmähliche Erstarrungsprozeß, der er­fahrungsgemäß nach größeren feindlichen Durchbrüchen eine gewisse Zeit beansprucht, ist noch im Anlaufen und bereitet dennoch dem Feind so erhebliche Schwierigkeiten, daß die Meldungen der feindlichen Agitation über ein angebliches Erlahmen des deutschen Widerstandes neuerdings von wütenden Fest­stellungen über die Härte des Kampfes und die Schwierigkeiten der Schlacht in Deutsch­land abgelöst werden.

Ein hervorragendes Beispiel äußersten Mu­tes und kämpferischer Einsatzbereitschaft lieferten deutsche Jagdverbände, die am 7. April zur Abwehr amerikanischer Terror­angriffe gegen den norddeutschen Raum zu­sammengezogen worden waren. Wenn allein über 60 viermotorige Bomber durch Ramm­stoß vernichtet worden sind, dann kann man hier nicht mehr nur von der heroischen Tat eines einzelnen sprechen, sondern muß dieses Heldentum der gesamten deutschen Jagd­waffe zuguteschreiben, die sich damit als an der Spitze jeder kämpferischen Moral ste­hend erwiesen hat. Der Wehrmaehtbericht spricht in seiner Ergänzung von todesmutiger Selbstaufopferung und von opferreichen Kämpfen auch für die deutschen Jäger. In Ehrfurcht gedenkt das deutsche Volk der Jagdflieger, die den verhaßten Feind zu Bo­den zwangen, obwohl sie selbst den Helden­

tod starben. Der Geist dieser Jagdflieger über­windet jeden Feind!

Zwischen Ijssel und Weser

Berlin, 11. April. Im Westen konnte unter der Wirkung unserer Gegenangriffe die zwi­schen Ijssel und Weser angreifende 21. anglo- amerikanische Heeresgruppe nur unwesent­lich vorankommen. An der Ijssel hatten die Kanadier bei der Fortsetzung ihres Angriffs auf Deventer abermals schwere Verluste. Trotz Einsatz zahlreicher Batterien und Flammenwerferpanzer erzielten sie nur einen etwa zwei Kilometer tiefen Einbruch, der sie an den Nordrand der Stadt heranführte. Hier blieben sie in den fortgesetzten Gegenstößen unserer Fallschirmjäger und im Abwehrfeuer unserer schweren Waffen liegen. Weiter nörd­lich schieben die Briten ihre Aufklärung in den Sumpfgebieten zwischen Meppel und Meppen nur mit aller Vorsicht weiter’ nach Norden vor. Sie mußten jedoch beim Kampf um die wenigen, die Sümpfe durchziehenden Straßen empfindliche Panzerverluste ein­stecken. Bei Meppen drang ein stärkerer bri­tischer Angriffsverband zunächst nach Nor­den vor und schwenkte dann nach Osten ein. Seine Spitze wurde östlich der Ems zwischen Börger und Haselünne in- Gegenangriffen aufgefangen und zurückgeworfen. Auch die im Hasebogen in Richtung auf Quakenbrück und südlich davon angesetzten feindlichen Kräfte wurden durch unsere Gegenstöße we­der zurückgedrängt.

Im Raum südlich Bremen hat der Gegner, dessen Westflanke am Vortag durch unsere Gegenschläge hart getroffen worden war, seine Angriffe ebenfalls nicht weiter entwickeln können. Dagegen gewannen die zwischen dem Mündungsgebiet der Aller und dem Thüringer Wald stehenden anglo-ameri- kanischen Kräfte in schweren Kämpfen Bo­den. Das Ringen erfaßte das am Vortage beiderseits überflügelte Hannover und ver­lagerte sich südlich Hildesheim gegen den Westrand des Oberharzes.

Innerpolitischer Burgfriede Englands bedroht

Drahtbericht unseres Vertreters

ost. Stockholm, 11. April. Schlagartig haben zwei Reden des britischen Labourministers Bevin, in denen er sich rücksichtslos gegen alle weiteren Koalitionspläne Churchills und der Konservativen aussprach, einen Kampf ausgelöst, der nun von allen Beobachtern in London als Auftakt zu großen innerpolitischen Auseinandersetzungen bezeichnet wird. Der Wahlkampf, der eigentlich erst nach Kriegs­ende beginnen sollte, ist durch die Bevin-Re- den verfrüht ausgebrochen, und die britische Öffentlichkeit nimmt mit ungeheurem In­teresse Anteil an diesem Kampf. Die Span­nung ist so groß, daß selbst die wichtigsten Kriegsnachrichten jetzt hinter den politischen Geschehnissen des Tages zurücktreten. Nach der offenen Kampfansage Bevins gegen Churchill und seine Konservativen haben die Tories ihrerseits zum Gegenschlag ausgeholt und einen ihrer besten Redner, Informations­minister Brandan Bracken, veranlaßt, eine Rede zu halten, in der er mit ebenso schwe­rem Geschütz wie die Labour-Leute angriff. Kaum waren diese konservativen Salven ab­geschossen, da ergriff Greenwood das Wort, um im Namen der Labour-Front wiederum Churchill „als dem britischen Kriegsherrn Tribut zu zollen", um ihm dann aber den Satz an den Kopf zu werfen: „Wir Linkspar­teiler betrachten Churchill nicht als den ge­eigneten Architekten für die ungeheure Wiederaufbauarbeit der britischen Zukunft. Churchill würde klug daran tun, die Zu­kunftsarbeit anderen zu überlassen.“ Womit man selbstverständlich die Labour-Partei meint.

Viele Zeitungen Englands haben erklärt, der Krach zwischen links und rechts habe bereits solche Ausmaße angenommen, daß der Burgfrieden jeden Augenblick platzen könne. Politische Beobachter in London glauben jedoch, daß der Zeitpunkt für einen offenen Bruch innerhalb des Kabinetts noch nicht gekommen ist. Man wird versuchen, die Zusammenarbeit der Rechten und der Lin­ken innerhalb der Regierung trotz aller po­litischen Gegensätze aufrechtzuerhalten. Möglich wäre jedoch, daß die Labour-Partei den Augenblick für besonders günstig hält, um bei einer Unterhausdebatte das Mißtrauen gegen Churchill zu beantragen. Ein solches Manöver wäre jedoch ziemlich riskant, denn parteipolitisch sind die Linksparteien in der Minderheit. Von den 615 Plätzen des Unter­

hauses verfügen die Konservativen über 387 feitze, wozu zumindest die Nationalliberalen mit 33 Sitzen hinzugerechnet werden müssen, während die Labour-Partei nur über 154 Sitze verfügt plus 17 Liberalen und ein rundes Dutzend unabhängiger Linkssympatisieren- der, sowie einen Kommunisten. Diese Stimm­verteilung im Unterhaus, die sich noch auf die Wahlen von 1935 stützt, entspricht in keiner Weise mehr der politischen Einstellung der englischen Öffentlichkeit. Eines dürfte jedoch klar sein: Rein reaktionäre Innen­politik nach Traditionsmuster der Konserva­tiven wird Churchill nicht mehr betreiben können. Man wird daher bei der kommenden Auseinandersetzung zwecks Vorbereitung der Neuwahlen viele Tarnungen erleben können. (Siehe hierzu auch den heutigen Leitartikel)

Churchill in Bedrängnis

Von unserer Berliner Schriftleitung

A. G. Über Nacht ist in England eine Re­gierungskrise entstanden. Es begann zu­nächst, wie so viele Auseinandersetzungen, die seit Monaten zwischen den zwei Haupt­regierungsparteien stattfanden, zwischen Konservativen und Labourparteilem. Ein führender Mann der Laboürpartei hielt eine Rede gegen den Regierungschef und gegen die Konservative Partei: Dieser Krieg sei „eines Mannes Krieg“, womit er un­mißverständlich Churchill meinte. Zwi­schen Laboürpartei und Konservativen werde der Kampf um Privateigentum und Sozialis­mus ausgekämpft werden müssen. Ein füh­render Mann der Konservativen Partei ant­wortete: Die Laboürpartei habe den Burg­frieden gebrochen; sie habe den Fehdehand­schuh hingeworfen, und die Konservativen würden ihn aufheben.

Das alles wäre nicht aufregend. Schärfere Auseinandersetzungen hatte es schon vor Monaten gegeben, so etwa, wenn Arbeiter- parteiler Churchill so stockkonservativ nann­ten, daß er in die Steinzeit gehöre oder ein Unterhausabgeordneter aktiven Ministern vor­warf, die Öffentlichkeit sei mit dem Panzer­bauprogramm betrogen worden. Aber das Sensationelle an diesen zwei Reden war, daß der prominente Labourparteiler und der pro­minente konservative Minister im gleichen Kabinett bei jeder Kabinettssitzung am glei­chen Tisch miteinander beraten — der Ar- beitsminister Bevin und der Informations­minister Brandon Bracken, der ein persön­licher Freund Churchills ist.

Schlagartig wie diese beiden Reden auf- einanderfolgten, ging es weiter: Frage- und Antwort^piel- im Unterhaus, bei dem Chur­chill in ausgesprochen ironischer Weise ant­worten darf, und '» eine Versammlungsrede des Führers der “ Laboürpartei Arthur Greenwood. Schon heißt es überall: „Die Auflösung der Regierungs-Koalition steht bevor“. Der Wahlkampf hat praktisch be­reits begonnen, ehe noch der Krieg in Europa zu Ende ist. Um diesen Wahl­kampf unmittelbar hinter dem Krieg in Europa spielten sich die Auseinandersetzun- • gen schon in der ganzen letzten Zeit ab, und die Entwicklung der militärischen Lage hat jetzt offenbar der Laboürpartei den letzten Anstoß gegeben, sich aus der be­stehenden Verbindung mit der größten Un­terhaus- und der größten Regierungspartei, mit den Konservativen schleunigst zu lösen; denn es geht nun um die Verantwortung für Krieg und Kriegselend und — so meint man, weil man das Kriegsende zu sehen glaubt — um die Führung in der Nach­kriegszeit, die nur der haben kann, der nicht oder wenig belastet erscheint.

So ist diese Auseinandersetzung verknüpft mit gegenseitigen unfreundlichen Feststellun­gen und mit Enthüllungen, die man wohl noch vor einigen Wochen nicht ausgesprochen hätte — Enthüllungen, die den innerpoliti­schen Wahlgegner belasten sollen, aber zu­gleich doch auch recht interessant für die Kriegführenden, für die Außenpolitik und für die Schuld an der allgemeinen Verelendung und an dem Niedergang des britischen Welt­reiches sind. Die Schuld der Konservativen als der Haupt-Regierungspartei erscheint in einem immer grelleren Lichte vor dem eng­lischen Volk und vor der Weltöffentlichkeit. Der Führer der Laboürpartei, Greenwood, hat in seiner Rede scharfe Worte gegen die Wirtschaftsmonopole gefunden, die sich in den Händen einiger weniger Privatleute be­finden. „Diese Herren in der City von Lon­don, diese Großindustriellen machen jetzt Pläne für ihre Zukunft, nicht für unsere Zu­kunft“, sagte Greenwood. Er lenkte damit die Aufmerksamkeit auf die Ängste breitester britischer Bevölkerungsschichten vor dem Nachkriegselend. Die Konservativen tragen aber — das wird aus englischen Veröffent­lichungen selbst immer klarer — durch hre Kriegspolitik auch die unmittelbare Schuld an der Verärgerung jener Kreise, die die Grundlage britischer Tradition waren. Der bekannte Deal Inge, dessen soziale Stu-lien viel gelesen wurden, schrieb vor einiger Züt: „Unsere obersten und Mittelkreise begehen, indem sie diesen Krieg zuließen, mit vollem Bewußtsein Selbstmord. Sie wußten, daß sie am Kriegsende sich selbst fast ihres gesamten

Hohe Auszeichnung für Gauleiter Hanke

Berlin, 11. April. Der Führer hat an Gau­leiter Karl Hanke in Breslau des Goldene Kreuz des Deutschen Ordens verliehen und ihm folgendes Telegramm gesandt: „In

dankbarer Würdigung Ihrer großen Ver­dienste im Kampf um die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen das Goldene Kreuz des Deutschen Ordens.“

Mit dieser hohen Auszeichnung werden die Verdienste eines pohtischen Führers und Kämpfers gewürdigt, unter dessen starker Hand die Festung Breslau in diesen schwe­ren Wochen zu einem wahrhaften Symbol deutscher Standhaftigkeit geworden ist. Mit Verbänden der Wehrmacht, mit tapferen Männern des Volkssturms und der todes­mutigen Bevölkerung Breslaus hat Gauleiter Hanke in der schlesischen Gauhauptstadt einen Widerstand organisiert, der seit Monaten dem Massenansturm zahlreicher sowjetischer Armeen standhält und der mili­tärischen Führung damit die Möglichkeit gab, neue starke Fronten auszubauen, Zehn­tausende von schlesischen Flüchtlingen in Sicherheit zu bringen und Zeit für neue Gegenmaßnahmen zu gewinnen.

Ganz Deutschland sieht heute voller Be­wunderung und mit- heißen Wünschen auf diesen Mann und auf den Heldenkampf der Metropole des deutschen Ostens, die ein Bollwerk aus Stein und Eisen, mehr noch aber eine Festung tapferer .deutscher Herzen

ist. Breslau ist für uns alle ein hohes Beispi dafür, daß eiserne Beharrlichkeit und d fanatische Wille, dem Feind um jeden Pr« zu trotzen, auch gegen eine Überzahl v< Menschen und Waffen erfolgreich sein wir Es wird der bleibende Ruhm Karl Hank sein, daß er es war, der in der Festrn Breslau gegen die Überzahl der Waffen c starke Übermacht der Herzen und damit s seiner Stelle die wichtigste Voraussetzui schuf für das siegreiche Bestehen dies Schicksalskampfes. Der ganzen Nation i Gauleiter Hanke gerade in diesen Tagen : einem leuchtenden Vorbild für treuen Opfe mut und Pflichterfüllung geworden.

Kampf aller gegen alle

Eigener Drahtbericht

ep. Lissabon, 11. April. Die neue griechiscl Regierung unter Admiral Vulgaris begegni wie United Preß aus Athen meldet, erhe' liehen Schwierigkeiten. Das wichtige Inne: ministerium ist noch immer unbesetzt, ui nicht weniger als elf Kandidaten, denen Ai miral Vulgaris das Amt des Innenministe antrug, haben die Übernahme abgelehnt. E Haltung der Parteien zum Kabinett i unterschiedlich. Einheitlich ist nur c Kampfstimmung, mit der sich alle Partei! seit der Besetzung durch die Anglo-Amei kaner in den Haren liegen.