Ausgabe 
(31.3.1945) 76
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Parteiamtliche Tageszeitung

Daa Amtsblatt des Regierenden B&rgenneisters der Freien Hansestadt Bremen

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der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündunasblatt des Reichsstatthallers in Oidenbury tmd Bremen

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Nummer 76 15. Jahrgang

SonnabendiSonntag, 31. März 1 1. April 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

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Mutig - kühn - entschlossen

Beispielhafte Taten, die den Erfolg verbürgen

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Berlin, 30. März. Das Beispiel ent­flossener Einzelkämpfer und' kleinster Kampfgruppen zeigt immer wieder, daß durch Mut und Kühnheit der Ansturm auch starker feindlicher Kräfte gebrochen wer­den kann. ^

• Als die Sowjets beispielsweise bei den ichweren Kämpfen in Pommern an einer wichtigen Stelle, durchzubrechen versuch­te, warf sich Feldwebel Neher aus Otters­wang mit fünf Kameraden den überlegenen iolschewistischen Truppen entgegen. Mit Handgranaten und' Maschinenpistolen ging die kleine Schar beherzter Männer vor und schloß die Einbruchsstelle, so daß .der feind-, liehe Durchbruch mißlang. Der Feld­webel vernichtete dabei allein drei Maschi­nengewehre und setzte zahlreiche Bolsche­wisten außer Gefecht.

An einer andereh Stelle war die Zündlei­tang zu einer wichtigen, zur Sprengung vor­bereiteten -Brücke an der Dievenow durch Beschuß ausgefallen. Der Flußübergang

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drehte .den Bolschewisten unversehrt in die. Hände zu fallen. Obwohl die Sowjets jede .„J Bewegung im Umkreis der - Brücke unter ■sta Feuer nahmen, arbeitete sich der 23jährige rrs Ionier Andreas Meyer aus GebWeiler an die chadhafte Zündleitung heran, beseitigte die Störung und ermöglichte 'damit, daß die Brücke im entscheidenden Augenblick dort jesprengt werden konnte.

Bei den Ahwehrkämpfen östlich Dievenow itürmte der 41jährige Haüptmann Willi Wolf aus Halberstadt, Führer einer Fahnen- ianker-Kompanie, an der Spitze seiner Männer, nachdem er mit der Panzerfaust :n sowjetischen'Kampfwagen vernichtet ,tte, gegen einen wichtigen Ort vor, den ■ [Sr J#e Bolschewisten hartnäckig verteidigten. In schneidigem Zugriff entriß er dem Feind die Ortschaft, brachte ihm empfindliche wisifierluste bei und erbeutete vier Pak und itehrere Maschinengewehre.

Wach dem Durchbruch sowjetischer Panzer I einem anderen Abschnitt klärte der 41- Ihrige Hauptmann Albrapht Eggert aus- [ s iettin zunächst die völlig undurchsichtige _ , age vor seinen Stellungen. Mit einem Ge- £,T ‘ fi ihütz, einem Flakzug und mit schnell zu- immengerafften Kräften baute er dann he neue Sperre auf. Zwei Tage später fes- ‘ de eite er mit dem Flakzug und einigen Män- i. s km die auf eine nahe Ortschaft, vorstoßen- d * len Bolschewisten und hielt sie am Orts- it S Sind so lange auf, bis nach Verschuß 1 der it fl kbten Munition Verstärkung eintraf. Damit .1 Viele htte er ein weiteres Vordringen des Feindes nid Beitelt und den Aufbau einer neuen Wider- iteic tadslinie ermöglicht, lit df Der Kommandeur eines rheinisch-west- llischen Grenadierregiments, Oberstleutnant jjjj tke aus Lüdenscheid, hat im Raum von n B thwamvasser mit einer Handvoll Männern iddie® ne b Gefechtsstand über 24 Stunden lang Nahkampf verteidigt und die Bolsche- iten solange aufgehalten, bis von beiden in her wieder eine durchlaufende Haupt- ipflini^ aufgebaut werden konnte.

An der Kurland-Front hätten die Bolsche- mehrstündiges Trommelfeuer auf die pllungen einer rheinisch-westfälischen In- iterie-Division gelegt und'dann angegriffen.

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kompanien zu überrennen. Nur einzelne Wi­derstandsnester konnten sich halten und kämpften verbissen weiter. Die" schwere Ma- schinengewehrgiuppe des Unteroffiziers Hgns Kleimann aus Oberaden (Kr. Unna) hatte; bej Beginn des Artilleriefeuers eine Bedie­nung und ein schweres Maschinengewehr durch Volltreffer verloren. Mit. dem iibch ver­bliebenen Maschinengewehr und drei Mann verteidigte Kleimann acht Stunden lang seine Stellung gegen den immer wieder frontal und aus der Flanke angreifenden Feind. In die- diesem ungleichen Kampf wurden er und seine drei Männer verwundet. Die Munitidfi ging zu Ende. Als alles verloren schien, faßte Kleimann einen todesmutigen Ent­schluß. Die vier Verwundeten springen auf und-stürmen die schon von den Sowjets be­setzte Stellung des durch Volltreffer ausge­fallenen schweren Maschinengewehrs. Mit der dort noch vorhandenen Munition wird der Kampf aus dieser Stellung fortgesetzt. Aber die. Masse des Feindes war durchgebrochen und bedrängte den 400 Meter rechts liegen­den Bataillons-Gefechtsstand. Auch' die neue Stellung des Unteroffiziers wird von rück­wärts angegriffen.

Wieder ist es Kleimann, der seine verwun­deten Kameraden mitreißt. An ihrer Spitze fällt er dem starken feindlichen Einschlie­ßungsring in den Rücken und kämpft den Gefechtsstand frei. Unteroffizier Kleimann und seine drei Kameraden vereitelter) so einen Durchbruch der Bolschewisten.

Drei Tage lang griffen die Bolschewisten iiri Raum von Schwarzwasser ein Vorwerjc an, das von 30 Grenadieren und einem Pak-

äfug einer rheinisch-westfälischen Infanterie- Division gehalten wurde.' Bis in den Hof drangen die Panzer vor, konnten aber den Widerstand der Besatzung, nicht brechen. Unteroffizier Kuhls aus Hollendorf bei Lüne­burg, Geschützführer einer schweren Pak, stand plöjjplich einem aus einer Mulde auf* tauchenden T- 34 gegenüber. Mit dem ersten Schuß seiner Pak wurde der Panzer beschä­digt. Bevor Kuhls zum zweiten Schuß kam,' überrollte der Sowjetpanzer bereits das Ge­schütz. Aber aus vier Meter Entfernung traf ihn eine Panzerfaust des unerschrockenen Geschützführers. Der Panzer lag fest. Mit einer weiteren Panzerfaust schoß Kuhls den T 34 in Brand. Die aussteigende Besatzung wurde von ihm niedergeschlagen. Kaum war dieser Kampf vorbei, als ein weiterer Panzer anrollte. ynterofjizier Kuhls traf ihn auf etwa 40 Meter Entfernung mit der Panzer­faust so schwer, daß er nach kurzem Weiter­rollen ebenfalls brennend liegen blieb. Nun übernahm Unteroffizier Kuhls eine in der Nähe stehende Pak, deren Bedienung im Kampf mit einem überschweren sowjetischen Panzer zum Teil ausgefallen und machte im Mannschaftszug bei • völlig aufgeweichtem Boden mühsam Stellungswechsel. Mit den •ersten Schüssen konnte er einen dritten T 34 vernichten. Dann hielt er mit Sprenggrana- ten in die angreifende bolschewistische In­fanterie, die schwere Ausfälle hatte.

Unteroffizier Kuhls und seine wenigen Männer hieltet das so wichtige Vorwerk, einen Eckpfeiler der Divisionsfront, gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind.

Unerschütterlicher Kampfgeist

Stockholm, 30. März. Der zähe deutsche Widerstandswille und die fanatische Kampf­entschlossenheit der deutschen Truppen an der Westfront findet in der englischer) Presse immer wieder allerstärkste Beach-1 tung. So gibt die Londoner Zeitung „Daily Herald“ das Urteil der 51.' britischen Hoch­land-Division wieder, die im Brückenkopf der 2. Armee bei Rees den deutschen Trup­pen gegenüberstand und die deutschen Sol­daten als „fanatische Kämpfer“ charakteri­siert. Diese Deutschen sind, so berichtet der Kriegskorrespondent des „Daily Herald“, die beste Auslese. Sie kämpfen einzeln oder in kleinen Gruppen. Sie springen aus der Deckung und versuchen, durch die Schlitze der Panzer zu schießen. Sie halten in ihren Bunkern stand, bis der Feind unmittelbar vor ihrien ist und stürzen sich dann auf ihn, um ihm die Handgranate entgegenzuschleu- dem, ungeachtet der Möglichkeit, daß sie in den nächsten Sekunden im feindlichen Feuer fallen. Junge und alte Soldaten sind in gleicher Weise die wildesten Kämpfer, auf die man jemals gestoßen ist. Der Korre­spondent des „Daily Herald“ muß denen recht geben, die voraussagten, daß man öst­lich des Rheins auf erbitterten Widerstand der Zivilbevölkerung treffen werde. Diese Voraussage habe sich voll und ganz bewahr- _ heitet. Als Beispiel führt der Korrespondent gelang ihnen, die Stellungen der Schützen- eine Gruppe von Zivilisten an, die bis zur

Gewagte Panzer-Operationen

[Aahtbertcht unserer Berliner Sehrtftleltung

.1 Berlin, 30. März. Die nächsten Ziele der Glichen Operationen im Westen werden ^ der Verschleierungsversuche des Geg- ■® s jetzt deutlicher erkennbar und daraus Wen sich ebenso eindeutig die nächsten *%ben der deutschen Verteidigung..Feind- *he Meldungen sprechen davon, daß die p W ehnelien Vorstöße amerikanischer Panzer im pY*ü ? iet der Sieg und in Hessen weiter nach jitfj und Süden ausgedehnt werden sollen. »1. s W Nachrichten dienen aber offensichtlich

dem Zweck, die wirklichen Operationen owers zu verschleiern. -Im Wehr-

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ihtbericht wird demgegenüber mitgeteilt,

__ J 8 der Gegner am nördlichen Rand des

■wtr.jj «misch-westfälischen Industriereviers nach ^ v °rdringt und jetzt östlich der Linie lf dbeck —Dorsten steht. Er stößt also nicht B '**; ®®ittelbar in südlicher Richtung in^das In- ? triegebiet hin ein, sondern er umgeht Bres-“ , Nordrand. Weiter wird im Wehr- 0 . ^bericht gemeldet, daß die amerika- , ben Panzerspitzen über Gießen, Mar- hinaus weiter nach Norden bis Wildun-

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und Brilon gelangt sind, daß sie also in !K Prochener nördlicher Richtung jj 6C ai ri e »erReichten Schwenkung nach Nord- n v °rgehen. Diese beiden Feststellungen J ' Ve hrmachtberichtes kennzeichnen die, " e War und deutlich. Die nördliche Aktion ®howers geht ebenso in der Richtung b H a m m, von welchem die Alliierten bei ■ noch ungefähr 60 Kilometer ent- i. ' s;n d, wie die von Süden kommende.

n die Entfernung von Brilon nach Nord- ( his Hamm beläuft sich auf aiinähernd Kilometer. Der Gegner ist also anschei- u bestrebt, die Spitzen seiner beiden aj&olonnen im Raum östlich des Ruhr- 5 l" es roiteinander zu vereinigen.

hperationen sind- jedoch für ihn ein ^ rwvrtes Unternehme”, d—n sic wer- haiächst nur mit mehr oder weniger

starken Panzerrudeln durchgeführt. Es ist daher die Aufgabe der deutschen Eingreif- verbände, diese Panzerspitzen oder -rudel, wo immer sie" auftreten, aufzuspüren, zu stellen und zu vernichten, so. wie es im Raum von Aschaffenburg bereits mit durch­schlagendem Erfolg geschehen ist.

Unser starker Sperriegel, den wir bei Aschaffenburg errichtet haben und der sich von dort im Bogen bis zum Rhein hinzieht, hat allen weiteren Angriffen des Gegners standgehalteh. Ebenso hat sich auch die Lage im Raum zwischen Rhein und Sieg nicht wesentlich verändert.

Die Härte der Kämpfe im Osten hat sich weiter gesteigert. Besonders gegen Küstrin ist der Feind mit sehr starken Kräften vor­gegangen, tmd die tapfere Besatzung der Festung kämpft einen heroischen Verteidi­gungskampf gegen die gewaltige feindlche Übermacht. Ein gleiches Ruhmesblatt in der' deutschen Kriegsgeschichte ist der Kampf der Verteidiger von Danzig und Gotenhafen geworden, sowie der heldenhafte Wider­stand, den die deutsche Armee in Ostpreu­ßen nun schon seit so vielen Wochen ohne jede Kampfpause geleistet hat.

Aschaffenburg gesäubert

Berlin, 30. März. Entgegen feindlichen Meldungen, die Verwirrung schaffen wollen, wird von deutscher Seite festgestellt, daß das gesamte Gebiet ostwärts Aschaffenburg vom Feinde völlig gesäubert ist. Während die Stadt Aschaffenburg fest in deutscher Hand blieb, wurde eine 10 km südlich der Stadt gegen Sulzbach angreifende amerikanische Kräftegruppe in heftigen Gefechten schwer angeschlagen und kurz hinter dem Ort mit hohen Verlusten zurückgewiesen. Die Nach­richten, daß der Feird den Raum um Würz- bum oder Nürnberg erreicht hat, sind frei erfunden.

letzten Patrone feuerte und sicj; auch dann nicht ergab.

In einem weiteren Frontbericht des ,/Daily Herald“ wird eineyEpisojäe ajis dem Kampf um Wesel »fiedergegeben. . Dort wird von dem Generalmajor Deutsch, Kommandeur dei Flakwaffe, berichtet, der von' vordringenden- englischen Soldaten überrascht -wurde und, als er aufgefordert wurde, sich zu ergeben, das Gewehr ergriff, aus dem Unterstand her­aussprang und solange feuerte, bis, ihn eine Feindkugel tödlich traf. Alle deutschen Sol­daten in Wesel hätten, so sagt der englische Korrespondent, ebenso tapfer wie dieser General gekämpft. Er bestätigt wiederum, daß auch di^ Bevölkerung dem Gegner den energischsten Widerstand entgegensetzte.

Wieder ein anderer Frontbericht des „Daily Herald" weist auf die schweren Verluste hin, die die anglo-amerikanischen Fallschirm­truppen bei ihrer Landung durch das konzen­trierte dfeutsche Artilleriefeuer erlitten. Zahl­reiche Geleitflugzeuge seien wie lodernde Fackeln vom Himmel gefallen und nur wenige seien unbeschädigt auf dem Boden angelangt.

Hochachtung für Kesselring

Genf, 30. März. Der Kriegskorrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Italien, die anglo-amerikanischen Truppen hätten die größte Hochachtung für Feldmarschafl Kesselring. Er habe sie den ganzen Winter hindurch auf einer Frontlinie festgehalten. Er nutzte jede natürliche Verteidigungsstel­lung bis zum Äußersten aus und wisse seine Artillerie so meisterhaft zu verteilen, daß sie die höchste Feuerleistung gegen angreifende Truppen erziele. Kesselring habe auch große Fähigkeiten bei der schnellen Verschiebung von Truppen an andere Frontabschnitte be­wiesen.

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Presse-Hoffmann.

. Tapfere Jungen beim Führer

Der Führer empfing in seinem Hauptquartier Reichsjugendführer 'Arthur Axmann mit einer Abordnung von 20 Hitlerjungen, die sich bei der Verteidigung ihrer Heimat in Pommern, Niederschlesien und Oberschlesien als Einzel kämpfer mit der Panzerfaust, als MG-Schützen, als Spähtrupp und Erkunder; als Melder odervbei der Sprengung wichtiger Objekte besonders bewährt haben. — Unser Bild zeigt den Führer bei der Begrüßung des mit dem EK. 2 ausge­zeichneten 12jährigen Hit lerjungen Alfred Czech.

Und wenn die Welf voll Teufel wür...

Von Erich Beck

. Es gehören, wir wissen es alle, starke Her­zen dazu, dieses sonst so wundervolle Fest der Auferstehung mit dem inneren Gleich­mut zu begehen, der für uns sonst selbst­verständlich war. Einst, da haben wir diesen Tag voller, Freude mit Vielen schönen Wor­ten besungen. Wir sahen das Grünen drau­ßen in der Natur, die frühlingshafte Sonne und den Frieden, der über allem ausgebrei­tet war. Aber das ist alles heute dahin. Heute sehen wir den Feind tief im deut­sche» Land. Unzählige Hoffnungen -und Er­wartungen scheinen unerfüllt. Hart pocht an den Toren des deutschen Schicksals höchste Gefahr, und manoii einem mag der Glaube verlorengegangfen sein, daß sich das alles noch einmal zum Guten wendet.

Wir wollen mit ihnen nicht rechten. Schwächlinge hat es zu allen Zeiten gegeben, und wir haben noch 1918 erlebt, was sie an­zurichten vermögen, wenn man ihnen folgt, s'tatt mit Härte und festem Entschluß das Schicksal in die Schranke zu fordern und zu meistern. Deutschland erlebt nun aber­mals das gleiche oder ähnliches, was so viele Generationen vor uns bereits hin­nehmen mußten. Wie könnte es auch anders sein? Wir sind nun einmal in dieses Reich hineingeboren worden,' das das ’ Herzstück Europas ist, und-unterliegen somit den glei­chen Gesetzen, denen auch unsere Vor­fahren unterlagen. In seiner berühmten Kissinger Ansprache sagte Bismarck 1892: „Rußland ist gedeckt durch Asien, es hat nur eine dem Angriff ausgesetzte Front gegen Wästen; Frankreich hat den Ozean hinter sich, und die Vogesengrenze ist die einzige, an der man ihm beikommen kann. Wir da­gegen sind von allen Seiten Angriffen expo­niert. Deshalb müssen wir immer Rücken an Rücken stehen . , .!“ Das sprach der Eiserne Kanzler nach seinem Sturz. Und er- Sagte damit nichts anderes;- als was so viele deutsche Staatsmänner stets voll banger Ahnungen voräussahen. Bismarck versuchte, der Gefahr diplomatisch zu begegnen, aber immer nur mit dem Wissen, daß es sich dabei hur um' einen Aufschub, nicht aber, um eine Beseitigung handele! Aber selbst

Londoner Geständnis: Alliierte bringen Chaos

Drahtbericht unseres Vertreters ost. Stockholm, 30. März. Im Lon­doner Unterhaus kam es zu einer Debatte, bei der es sich um die Frage drehte, ob man überhaupt noch an dem ■ Kriegsschlagwort „Befreiung Europas“ festhalten könne, wenn überall mit den Alliierten der Hunger und das Elend ihren Einzug hielten. Diese Frage wurde vor allem vom stellvertretenden Leiter der Lahour-O^pposition, Greenwood, aufge­worfen, der in einer Interpellation über die Hilfspolitik der Alliierten in den besetzten Ländern Europas sagte: „Wenn sich die Dinge so weiter entwickeln, wenn wir es nicht fertigbringen, das 1 Versorgungsproblem Euro­pas in zufriedenstellender Weise zu lösen, dann werden wir Verhältnisse schaffen, die schlimmer sind als die Zeiten des schwarzen Todes und der Pest. Ich spreche absichtlich von den angeblichen befreiten Ländern Eu­ropas, denn was nützt es, wenn wir den Län­dern nur Hunger, Tod und Epidemien brin­gen. So ist es bisher über-ill der Fall gewesen. Wenn wir es nicht fertigbringen, alle Lebens­mittelvorräte der Welt zu mobilisieren, dann wird es nicht nur zu einer Völkertragödie sondergleichen kommen, sondern dann wird England selbst einer äußerst düsteren Zu­kunft entgegensehen müssen.“

Mit Mühe versuchte Attlee als Stellvertre­ter des Ministerpräsidenten, der bei solch un­angenehmen Debatten gern das Unterhaus, meidet, sich def Anklage und Kritik zu ent­ziehen, selbst mit unwahren Behauptungen versuchte er die nicht eingelialtenemHilfsver-

sprechen Englands- gegenüber den kleinen- Staaten Europas zu rechtfertigen. Mehr als England bisher geholfen habe, könne nicht getan werden, denn man häbe sogar von ,len eigenen Vorräten abgegeben, um den Befrei­ten zu ‘helfen, so behauptet Attlee. Was natür­lich nicht wahr sein kann, vergleicht man diese seine Behauptungen mit den amtlichen belgischen und französischen Angaben über die ausgebliebenen, britischen Hilfssendungen. Typisch für das. Heräusreden Attlee? war auch folgender Satz, den er über die furchtbaren Hungerzustände in Frankreich prägte Im großen und ganzen könne gesagt werden, daß die minimalen Vorräte in Frankreich bisher ausreichten, um Hungerkrawalle von ernste­rem Charakter zu vermeiden.

Englands Versorgungs- und Produkt*onr- minister sind mittlerweile in Washington ein- getroffen, um nach einer halbamtlichen Mel­dung mit den zuständigen nordamerikani- schen Stellen die so bitter drängende Lebers-, mittelfrage zu prüfen. Von seiten der briti­schen Botschaft in' Washington wurde kurz nach Eintreffen der beiden Ministe# eine Er­klärung abgegeben, wonach England vie‘ für die Versorgung der besetzten Gebiete Europas getan habe. Das dürfte nichts an der Tat­sache ändern, daß die britischen Minister vor allem nach Washington kamen, um die an­gekündigten drastischen Bescheidungen der nordamerikantschen Lrbfnsmittellieferiinr.p” nach. England, wenn irgend möglich, rück­gängig zu machen.

seiner großen Kunst ist es nur gelungen, für wehige Jahre das drohende Gespenst aus dem Osten zu bannen. 1914 begann trotzdem der erste Sturm. In dem Krieg, der mm 1939 begann und der von vornherein die glei­chen Vorzeichen trug wie alle früheren, hat die deutsche Heeresleitung ihr Möglichstes v ucht, mit militärischen Mitteln das zu erreichen, was Bismarck einst mit -diploma­tischen zu erreichen nicht gelang. Frank­reich wurde bis gegen den Ozean zurückge- •drängt, -RußlantF bis- an iller~Wtftg9f und damit bis nach Asien. Weiter vermag kein europäischer Staat zu greifen. Und doch er­füllte s.ich hier wieder die Befürchtung, daß die asiatischen Horden sich dauernd er­neuern und zurückbranden würden, bis über die Grenzen des Reiches.

Und nicht nur sie. Aus dem Frankreich, das noch Bismarck kannte, wurde im ersten Weltkrieg bereits, ein anglo-ämerikanisches Aufmarschgebiet. Heute ist das alte große Frankreich überhaupt verschwunden, und England machtmäßig kaum noch der Rede wert. Dafür aber hat der amerikanische Kon­tinent auf Europa übergegriffen, ebenso zer­malmend, ebenso furchterregend und ebenso blutig-- und blutgierig wie der bolschewistische Bundesgenosse. Und so erneuert sich aber­mals Deutschlands Mission. Es ist wiederum zum eigentlichen Widerstandsraum Europas geworden. Immer sind erst an den deutschen Grenzen die Vorstöße Asiens aufgefangen worden, einstmals an der oberen Donau die Avaren, bei Augsburg die Magyaren, bei Lieg­nitz die Mongolen,' bei Wien zweiiiial die Türken. 711 waren die Araber in Spanien ein­gefallen, brachen in Frankreich ein, als Karl Martell, der Frankenkönig, sie bei Toursund Poitiers auf fing und schlug. Immer mußte Deutschland Europa an seinen eigenen Gren­zen verteidigen, -und in den Notzeiten begann Europa stets- dort, wo deutsche Bauern und Soldaten zur . Abwehr bereit standen. Im Weltkrieg war es nicht anders, und erst Hin- denburgs Sieg bei Tannenberg rettete nicht nur deutsches Land vor asiatischer Überflu­tung, mit Deutschland wurde bei Tannen­berg auch Europa gerettet. Wie damals aber, so trägt auch heute wieder Deutschland al­lein das Schicksal 'Europas. Von seiner Stel­lung in der Mitte des europäischen Festlan­des aus baut es den Raum des Widerstandes auf, den es auch heute wieder mit Trotz und Verbissenheit verteidigt.

Wir wissen, daß manch einer vor der Größe dieser Aufgabe schwach wird. Sicherlich,/wir stehen vor der Entscheidung in diesem.Kriege, und um sie zu erzwingen und sie mit ihrem Sieg zu krönen, haben unsere Feinde in Ost und West alles zusammengefaßt, was ihnen zur Verfügung steht, und..uns ein Stück deut­schen Gebietes nach dem andern abgeumgen. Es ist niederdrückend, die Namen von. Städten und Dörfern zu hören, die noch vor ganz kurzer Zeit ein friedliches Dasein im Innern des Reiches führten und die nun plötzlich vom Feinde besetzt oder von seihen Panzer­spitzen durchrast wurden. Und trotzdem hat niemand ein Recht darauf, schwach zu wer­den. Die Weltgeschichte hat uns in unzäh­ligen Fällen bewiesen, daß nicht die zahlen­mäßige Überlegenheit und nicht das Übermaß an Material die letzte Entscheidung im Kriege trägt, sondern daß unendlich viel von den „Imponderabilien“ abhängt, wie Bismarck das Unsagbare nennt. . Der Krieg ist eben ein Rechenexempel. Bessere Führung und Aus­bildung der.Truppe, Faktoren moralischer und psychologischer Art sind immer von aus­schlaggebendem Einfluß auf den Gang des Krieges und auf seinen schließlichen Ausgang gewesen, und oft genug hat das zahlenmäßig schwächere Heer das stärkere des Feindes schließlich doch besiegt. Schon Clausewitz sagt: „Im Krieg mehr als irgend sonstwo in der Vielt kommen die Dinge anders, als man es sich gedacht hat. und sfhen in der Nähe anders aus als in der Entfernung.“ Aber dieses