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(28.3.1945) 74
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Parteiamtliche Tageszeitung

Da Amisbldi dM tarierenden Bürgermeistern der Freien Honeeetnrtt Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amälchea VerkOndungsblatt des Belchgatatihalfeni In Oldenburg ttod Bremen

lummer 74 15. Jahrgang

Mittwoch. 28. Mürz 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Sich selbst überlassen

Drahtbericht unseres Vertreters

»Lissabon, 27. März. Die britischen Bjen enthalten die ersten, Ins einzelne «den Berichte über die Behandlung der üben Zivilbevölkerung in den von den «danem und Engländern besetzten Ge- .. des Westens. Allgemein wird unter­en, daß General Eisenhower verfügt , daß die deutsche Zivilbevölkerung er- unssmäßig' völlig sich selbst überlassen M müsse. Die Alliierten würden ihr Mhren Vorräten nicht das Geringste dKn. Sie müsse selbst sehen wie sie (Uoinrne. Gleichzeitig wird bekanntge- , D| daß die deutsche Zivübevölkerung nur uei Stunden vormittags und zwei Stun- inchmittags die Straßen betreten dürfe, die nötigsten Einkäufe zu machen, falls Kzum Kaufen vorhanden sei. Die übrige werde die Zivübevölkerung in ihren nrn eingeschlossen.

;j „Daily Herald" ergänzend mitteilt, seit den Tagen der Okkupation an die litet der größeren Industrieorte keiner- Lotouahlungen mehr geleistet worden; würde aber auch keine Erwerbslosenent- i ausgezahlt. Die Arbeitslosen sind Medessen völlig mittellos. In ganz be­ten Notfällen könne eine Unterstützung höchstens 36 RM.. im Monat ausgezahlt

Kampfenischlossen

if, 27. März. Die englische Zeitung „News litle“ stellt auf Grund von Berichten Kriegskorrespondenten, die sich im be- ät Rheinland mit deutschen Kriegsge- aen und Zivilisten unterhalten haben, :t die deutsche Kampfentschlossenheit Das Blatt schreibt u. a„ die deutsche macht und das deutsche Volk seien trotz iöickschläge und der furchtbaren Leiden ;e des Terrors unerschütterlich ent- aen, den Kampf fortzusetzen. Die Deut- a seien der Überzeugung, daß für sie alle sthkeiten z\i,einer erfolgreichen Fort- üg des Kampfes gegeben seien.

Idem Ratschlag, die Alliierten sollten eine umfassende „physiologische Offen- iröffnen“, empfiehlt „News Chronicle“ einmal den Versuch, mit agitatorischen 2ie ; den Widerstandswillen des deutschen s zu brechen. Angesichts der Feststel- m über die deutsche Kampfentschlossen- scllte man sich eigentlich darüber klar säen sein, daß solche plumpen Köderver- t heute ebenso aussichtslos Sind wie ff.

Widerstand immer härter"

ockholm, 27. März. Zn der Kampf­an der Westfront meldet der Londoner jpondent von „Stockholms Tidnlngen“, ier deutsche Widerstand immer härter täen Ist. Ein militärischer Sprecher in on habe vor übertriebenen Hoffnungen einen schnellen Spaziergang in das Deutschlands gewarnt.

Finnische Unterwerfung!

Stockholm, 27. März. Eine skeptische tchtung der innerpolitischen Lage in fcnd veröffentlicht die Moskauer mla“ in einem Brief aus- Helsinki über innlschen Reichstagswahlen. Es gehe so- heißt es da, um die vollständige ligung aller Überreste des „Faschis- und um eine „wahre und konsequente fcratisierung des ganzen Lebens in ffid“. Schon die nächste Zukunft werde ob der neue Reichstag im Stande ise Aufgabe zu lösen und der Sowjet­gegenüber den Weg einer „wahren ichaftlichen Politik“ zu beschreiten, die „Prawda“ unter dem bolsche- tai Schlagwort „Demokratisierung“ t. ist durch die Moskauer Gewalt- zur Genüge erwiesen. Und für die ihaftliche Politik“, die von Finnland wird, gibt es ein treffendes Wort: 'erfung.

Gleiche Vernichlungspläne

Westgegner nichts besser! — Hier Wyschinski, dort Morgenthau

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

g. Berlin, 27. März. Als vor mehreren Woohen die bolschewistischen Massenheere in die östlichen Gaue des Reiches einbraohen und die ersten grauenvollen Meldungen von den Mordtaten und Schändungen der sowje­tischen Truppen auf deutschem Böden be­kannt wurden, ist in manchen Kreisen in Deutschland die durchaus irrtümliche Mei­nung entstanden, der Feind, der uns aus dem Westen bedroht, würde bei einem Einbruch in das Reichsgebiet nicht so barbarisch mit dem deutschen Volke verfahren, wie es die Horden Stalins im Osten tun. Inzwischen haben wir auch im Westen böse Erfahrungen sammeln können, und diese Erfahrungen bestätigen die Tatsache, daß der Gegner im Westen um kei­nen Grad besser ist als der im Osten. Die Me­thoden der Kampfführung mögen verschieden sein, aber im Endergebnis läuft der Einbruch der Anglo-Amerikaner auf,dieselbe Vernich­tung hinaus, wie der Überfall durch die rote Armee.

Es handelt sich bei Beurteilung dieser Kriegsereignisse niemals nur um das äußere Bild der Vorgänge in den vom Kriege unmit­telbar berührten Landschaftsteilen, sondern

man muß im Auge behalten, wie die feind­liche Führung mit der Bevölkerung im ganzen zu verfahren gedenkt. Dabei ergibt sich, daß wir im Osten angesichts der Wildheit der so­wjetischen Steppenvölker unmittelbar von Mord und Todschlag, von Schändung und Plünderung bedroht sind, daß aber im Westen eine lm Endeffekt vielleicht noch grausamere Kampfesweise angewendet wird, durch welche Millionen von Deutschen mit dem Hungertode bedroht werden.

Das System des bolschewistischen Volks­kommissars Wyschinski ist das System des Ge­nickschusses, die Methode des Amerikaners Morgenthau, des engsten Beraters Roosevelts, Ist der Plan, Deutschland verhungern zu lassen. Es Hegen bereits amerikanische Er­klärungen vor, daß es den allüerten Trüppen im Westen unter keinen Umständen möglich sein werde (und das sie es auch gar nicht wollen), der deutschen Bevölkerung irgend­welche Unterstützung an Nahrungsmitteln zukommen zu lassen, wie sie t es in den „be­freiten“ Ländern versprochen und zumeist nicht gehalten haben. Vielmehr werden den deutschen Einwohnern in den jetzt besetzten Tellen Westdeutschlands ihre Vorräte weg­genommen, und dann überläßt man sie sich

selbst und dem Hunger. Es gibt Engländer und Amerikaner, die daraufhin kaltherzig ausrechnen, wieviel tausend Deutsche bei diesem System täglich verhungern müssen. Es fragt sich sehr, welche Art von Greueln schlimmer ist, die Barbarei der Sowjets oder der kaltberechnende Massenmord der Briten und Yankees. Man erinnert sich, daß ameri­kanische Blätter im Anschluß an den be­rüchtigten Morgenthau-Plan geschrieben ha­ben, daß derjenige Teil des deutschen Volkes, der in Deutschland übrigbleibe, sich in Zu­kunft seine Nahrung mühsam auf dem gro­ßen Kartoffelacker zusammensuohen solle, ln welchen der Feind das Deutsche Reich ver­wandeln möchte.

System Wyschinski oder System Morgen­thau — das Ziel ist das gleiche. Immer wie­der stoßen wir auf die Absicht, nioht nur das Deutsche Reich politisch auszulöschen, son­dern auch die biologischen Grundlagen des deutschen Volkes zu zerstören. Auch der Feihd müßte sich sagen, daß solche Drohun­gen nur dazu führen können, den Wider­standswillen der ganzen deutschen Nation, die jetzt buchstäblich um Ihr Leben kämpft, bis zum äußersten aufzustacheln.

Wechselvolle Wesischlachten ~ Versteifung um Niedenhein

Eigener Drahtbericht

rd. Berlin, 27. März. Die Abwehrschlach­ten im Westen entwickeln sich durchaus un­einheitlich. Während es unseren Grenadieren und Fallschirmjägern gelungen ist, am Nie­derrhein eine Versteifung der Lage herbelzu- führen, die auch bereits vom feindlichen Nachrichtendienst zugegeben wird, — trotz größter Einsätze von Luftlandeverbänden konnten die Engländer die Bahnlinie Emme­rloh—Wesel nur geringfügig überschreiten —, hat sich die Lage östlich Koblenz und öst­lich Darmstadt nicht zu unseren Gunsten entwickelt. Der Wchrmachtbericht spricht von einer „Durchlöcherung“ unserer Front im Westerwald und teilt mit, daß die ameri­kanischen Panzerspitzen über Aschaffenburg hinaus nach Osten weiter vorgedrungen sind. Diese Tatsachen sind insofern merkwürdig, als das Gelände sowohl im Westerwald als auch im Spessart für großräumige Operatio­nen von Natur aus nicht geeignet erscheinen. Dort jedoch, wo sich im Rücken der nieder­rheinischen Frontlinie das flache Münster­land ausbreitet, in .dem wesentlich geringere Geländeschwierigkeiten zu überwinden sind, bleibt die Schlacht an den Raum östlich We­sel und den Nordrand des Industriereviers gefesselt.

■ Man empfängt deshalb den Eindruck, daß das Durchstoßen der anglo-amerikanischen Panzerverbände beiderseits des Taunus zwar eine örtlich kritische Situation geschaffen hat, daß aber von einer Überwindung der deut­schen Widerstandslinien oder gar von einer bedenklichen strategischen Entwicklung nicht die Rede sein kann. Das hessische und main­fränkische Land ist dicht besiedelt, in ihm be­finden sich zahlreiche seit alters her wehr­hafte Städte, und beide Gebiete stellen dem Verteidiger eine ganze Anzahl guter Abwehr­möglichkeiten allein geländemäßig zur Verfü­gung. Die deutschen Männer und Frauen der jetzt vom Feind bedrohten Abschnitte werden sich mit derselben Kraft den Eindringlingen entgegenwerfen, wie dies im Osten der Fall

psdieidungskampf um japanisches Kernland

Drahtbericht unseres Vertreters

Bern, 27. März. Nach den jüngsten «rfierungen des japanischen Kern- ^ durch starke Bordamerikanische i, t*"' und Seestreitkräfte sind die Ameri- unter der Führung von Admiral

fjjjj J| i einer Landung -auf einer Gruppe wu-Kni-Inseln übergegangen: Ziel der , e u, ^Operationen wurde die Okinawa- , c j: etwa in der Mitte der von Formosa

len- ™htcm Bogen nach Nordosten gegen *Pan geschwungenen Inselketten. Das 5 Üf' das Admiral Nimitz damit einging, 1 »»ut bei einem kritischen Überblick , lle gegenwärtigen Machtraumverteilun- VVestrand des Pazifik als recht er- Südlich und nördlich der Landungs- *>egen die Kernbastionen der japani- «eimatverteidigung, Formosa und süd- lapanischen Hauptinsein, und klam- oeu neuen Operationsraum ein. Die .Rationierten japanischen Luftflotten

, m den lrnmmpnHmi A lispinandfir«

den kommenden Auseinander- e: eine weit größere Rolle spielen

^ als dies bei der Iwojimaaktion mög-

6 J>iese ungünstigen Faktoren des Rau- «5«ugleichen, setzten die USA eine gem­ein „ ahl von Kriegsschiffen, aller ,7■ “ei den Geschwadern, die den er- cwif gegen die Okinawa-Inseln vor-

Seten

.und unterstützten, befanden sich.

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:-« anis °hen Angaben zufolge, 13 Flug- ' 11 Schlachtschiffe. 10 Kreuzer

«sturer, eine Flottenkonzentration,

gjjo diesem Kriege wohl noch

an

^ e eingesetzt worden ist.

Abschirmungsstreitkräfte ist bis- ► li „! c ' lts Genaueres bekanntgeworden, Jd 1 o^bt über die Form und Stärke des [Dt «oaren Angriffs

seit dem Auftauchen

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“i'.v «wci uic ruxiu uuu otwAc

,:‘°aren Angriffs selbst. Es heißt nur, str seit dem Auftauchen des

in 1 ' dt? ; er bandes unter dem dauernden

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^5, fe tadlichen Schiffsgeschütze lie- .--‘gt sich hier also die gleiche Form l "f» a ? iscf, * n Angriffs, wie sie bei Iwo- ’ «t klinischer Ausprägung zu be- d‘ s '„k : wochenlange Luftbombarde- 1011 tagelanges Trommelfeuer stärk­

ster Flottenstreitkräfte, verbunden mit kon­zentrierten Luftangriffen trägerbasierter Bomber, dann Landungsaktionen. Die Zahl der bisher im Okinawagebiet gelandeten USA-Einheiten ist den japanischen Meldun­gen zufolge noch recht klein. Etwa 1000 Lan­dungsboote sollen bisher gegen 20000 USA- Soldaten abgesetzt haben. Es sei zu erwar­ten, daß sich in diesem Inselgebiet eine Aus­einandersetzung anbahnen wird, die an Härte den Kampf um Iwojima noch übertrifft.

Mit der Offensive gegen die Riu-Kiu-Insein beginnt der Entscheidungskampf um den ja­panischen Kernraum. Ein Gelingen der lau­fenden USA-Aktion würde nicht allein die Abdrängung des japanischen zentralen Maehtraumes von den Südgebieten, sondern vielmehr sogar eine Durchschneidung des zentralen Raumes selbst, dem Formosa immer zugerechnet wurde, bedeuten. Japan wäre auf seinen ältesten Ausgangskem zurückgewor­fen und läge von See her der feindlichen Luftflottenmacht ungeschützt offen. Deshalb wird die japanische Verteidigung, der Bedeu­tung der Entscheidungskämpfe entsprechend, die denkbar härteste sein.

Zehn Kriegsschiffe versenkt

ep. Tokio, 27. März. Die japanische Ab­wehr hat den Angriff alliierter See- und Luftstreitkräfte gegen die. Riu-Kiu-Insein aufgefangen, meldet das Kaiserlich japa­nische Hauptquartier. Zehn alliierte Kriegs­schiffe, die das Landungsmanöver durch­führten, wurden von japanischen Abwehr­streitkräften versenkt.

Durch Volltreffer wurden fünf große Kriegsschiffe versenkt, beschädigt und ge­sunken sind fünf weitere große Kriegsschiffe. 24 feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen und 110 Maschinen beschädigt.

Das japanische Mutterland wurde am Dienstag erneut von USA-Bombem ange­griffen. Wie das Kaiserlich-japanische Haupt­quartier meldet, richteten etwa 150 USA- Bomb"r einen Angriff gegen dm nördlichen Teil der Insel- Kiushiu, der zwei Stunden dauerte.

war. Man erinnere sioh daran, daß bolsche­wistische Panzerspitzen ihr voreiliges Vor­dringen in sehr vielen Fällen mit völliger Ver­nichtung bezahlen mußten. Auch in Hessen und Mainfranken, auf das der anglo-amerl- kanische Vorstoß vom Mittelrhein her jetzt abzielt, wird der vorprellende Feind ähnliche Erfahrungen sammeln. Mit jedem Meter, den die Anglo-Amerikaner ihre Stoßkeile in die Mitte Deutschlands hin8inzutreiben ver­suchen, wird sich die Zahl der gegen sie auf­stehenden Waffen um ein Vielfaches vermeh­ren. Daß Offenbach verloren ging und in Frankfurt am Main gekämpft wird, daß der Feind in Kaub am Rhein steht und nördlich Mannheim zur Bergstraße vordringt, ist ein Alarmsignal. Es wird das ganze mittlere Deutschland auf den Plan rufen.

An der Ostfront stehen die deutschen Divi­sionen in weiterhin schwersten Abwehrkämp­fen gegen immer neue Durchbruchsversuche der Bolschewisten. Am stärksten war der Druck auf Neiße, aber auch die Anstrengun­gen des Gegners, zum mährisch-böhmischen Raum durchzustoßen, waren äußerst stark. Zusätzlich treiben die Sowjets ihre unga­rische Offensive weiter voran, drücken die deutsch-ungarischen Verbände zurück, doch gelingt ihnen der Durchbruch nicht. Breslau wird sehr hart angegriffen und hat sich ge­genüber schwerstem Feinddruck zu behaup­

ten. Besonders stark ist Jedoch der Ansturm der Bolschewisten in den Kampfräumen an der Ostseeküste, wo die feindliche Truppen­führung die stärksten Anstrengungen unter­nimmt, um Danzig, Gotenhafen und die kleine Reststellung auf ostpreußischem Bo­den südlich des Frischen Haffs endgültig zu erobern. Unsere Verbände kämpfen mit größ­ter. Erbitterung, aber der Ansturm der feind­lichen Übermacht ist ungeheuerlich, und selbst, das nahezu, ununterbrochene Eingrei­fen unserer Beestreltkräfte kann nicht ver­hindern, daß die deutschen Truppen dem Feinde immer wieder Raum geben müssen. Sie haben allerdings in den letzten Wochen und Monaten Kampfleistungen vollbringen müssen, die über das menschenmögliche hin- auszugreifen scheinen. Als ihr Erfolg muß die augenblickliche Stabilität der Ostfront in erster Linie betrachtet werden. Nunmehr hat der ununterbrochene' Strom neuer feindlicher Reserven, die gegen Ost- und Westpreußen beinahe täglich herangeführt worden sind, ihre Stellungen eng zusammengepreßt, und dennoch kämpfen diese deutschen Soldaten in vorbildlicher Pflichterfüllung mit dersel­ben Selbstverständlichkeit wie unsere Kur­landkämpfer, die in ihrer Festung Hunderte von Feindangriffen standhielten und der siebten Vernichtungsoffensive der Bolsche­wisten ungebrochen trotzen.

Moskau entdeck! neue „Polen-Regierung*

Drahtbericht unseres Vertreters

hw. Stockholm, 27. März. Die Sowjets beweisen eine schier unerschöpfliche Frucht­barkeit im Improvisieren immer neuer, von ihnen abhängiger „Regierungen“. Nachdem die Verhandlungen in Moskau über eine pol­nische sog. Sammlungsregierung bisher zu keinem Ergebnis geführt haben, hat Moskau jetzt eine weitere polnische „Regierung“ her­vorgezaubert. Praktisch Will der Kreml be­kanntlich nichts anderes als die Einsetzung eines Marionettenregimes als der einzigen von ihm beauftragten Instanz für das ge­plante Sowjetpolen. Aber nach' außen gibt man sich plötzlich den Anschein der Ver­handlungsbereitschaft. Da man aber mit den Londoner Polen nicht verhandeln will, hat man plötzlich eine spgenannte polnische Schattenregierung in Polen selbst entdeckt, die angeblich seit längerem unabhängig von den Sowjets und ihrem Lubliner Regime ein Dasein im Verborgenen geführt hat. Mit die­ser sagenhaften „Regierung“ gibt Moskau vor, gegenwärtig zu verhandeln.

Der Londoner „Observer", der diesen Zau­ber enthüllt hat, läßt durchblicken, daß die Engländer und Amerikaner es lieber sähen, wenn eine richtige „neue“ Polenregierung ge­schaffen würde, während Molotow lediglich auf eine scheinbare Komplettierung des Lub­liner Komitees abzielt. Die Sowjets setzen, nachdem die Moskauer Verhandlungen steckengeblieben sind, jetzt Druok hinter ihre eigenen Bemühungen mit der Begrün­dung, Polen solle auf jeden Fall in San Franzisko vertreten sein. Diese offenkundige Schiebung versetzt London in einige Ver­legenheit. Der „Observer“ orakelt über die verschiedenen Auslegungen für „Demokratie" bei den Sowjets und bei den Westmächten. Besonders deutlich sei das in Erscheinung getreten in Rumänien, wo Wyschinski alle film unbequemen Parteien als „außerhalb der demokratischen Grenzlinie“ stehend erklärt habe.

Moskauer Mahnung an Benesch

Bern, 27. März. Der tschechische Exilpräsi­dent Benesch hat seinen Moskauer Aufent­halt verlängert, um eine provisorische Re­gierung zu bilden, die von vornherein die Billigung Moskaus hat. Sein Moskauer Be­such hat den Zweck, den sowjetischen Ein­fluß ein für alle Male vertraglich sicherzu­stellen, um einer Entwicklung wie in der pol­nischen Frage vorzübeugen.

Wie United Preß meldet, sollen in der neuen Regierung vier Bolschewisten und vier Demokraten sitzen. In diesem Zusammen­hang ist ein Artikel der Moskauer „Prawda" von Interesse, der eine deutliche Warnung an die Adresse der Exiltschechen bedeutet. In

vor ernsten und schwierigen Aufgaben stün den, deren Lösung sich auf die aktive Unter­

stützung des Volkes stützen müsse. Das Mos­kauer Blptt zitiert Äußerungen eines Mit­gliedes der tschechischen Exilregierung, ln der französischen Zeitung „Partout“, in denen von der Notwendigkeit der Aufrechterhal­tung freundschaftlicher Beziehungen zu den Westmächten und des Abschlusses eines Ver­teidigungsblocks mit den kleinen Staaten Mitteleuropas gesprochen wurde. Hierzu erklärt die „Prawda“, es bestehe kein Zweifel, daß die Herstellung enger Beziehun­gen vor allem mit den nächsten Nachbarn und Blutsbrüdern, den slavischen Staaten, die Grundlage einer tschechischen Außen­politik sein müsse. Das Bündnis mit Moskau wird Benesch also in erster Linie nahegelegt. Alles andere hat erst in zweiter Linie zu kommen.

Wenn in der von Benesch geplanten Re­gierung vier Demokraten und vier Bolsche­wisten sitzen sollen, dann kann man sich schon jetzt vorstellen, von welcher Art der Staat sein wird, den eine solche Regierung leiten soll, nämlich rein bolschewistisch; denn die Bolschewisten in der Regierung werden ja doch den Ton angeben.

Abwarten!

Von Kreisleiter Max Schümann

Per Unwille der Bevölkerung über das nun­mehr schon wochenlange „In-den-Bunker- Laufen“ zu den verschiedensten Tages- und Nachtzeiten ist groß. Dazu kommt, daß der März uns schöne Sonnentage schenkt und damit der Ärger insofern noch größer wird, uns nun auch noch das Spazierengehen in der schönen Natur verleidet wird. Ich möchte es nicht erleben, wenn sich von den abge­schossenen Gangster-Flugzeugen die Fall­schirme der anglo-amerikanischen Piloten öffnen und sie in die Hände dieser bis zur Weißglut gebrachten Bevölkerung fallen. Ob sie nun aus „Gottes eigenem Land“ kommen oder den Segen des Bischofs von Canterbury empfangen haben, spielt dabei gar keine Rolle. Die Fäuste unserer deutschen Arbeiter würden einige Verunzierungen lm Gesichte dieser sog. Soldaten hervorrufen, dem auch später kein Schönheitssalon irgendwelche neue Formen zu geben in der Lage wär8. Das soll nicht heißen, daß man sie nun gerade totschlagen soll — das tun’wir nicht. Wir sind doch ein zivilisiertes Volk, und mancher, der aus der Luft auf deutsche Erde nieder­kam, hat sich selbst darüber gewundert. Aber, wie gesagt ....

Im Westen tobt die Offensive der Vertreter des krassesten Kapitalismus. Juden im Ge­folge derer, die das auf unmenschlichste Art und Weise vollziehen, was Bomben und Ar­tillerie der Bevölkerung nicht antun konn­ten. Die Kampfbereitschaft unserer Men­schen ln der nordwestlichsten Ecke unseres Vaterlandes ist wie die der anderen im Kampf stehenden Gaue. Die Führung mit ihrer klaren und zielstrebigen Arbeit, aber doch erfüllt mit heiligem Fanatismus, hat alles vorbereitet, um gegebenenfalls vor Überraschungen sicher zu sein.

Die Bevölkerung ist seit sechs Wochen stei­gernd von vereinzelten Bombenabwürfen bis zu den schwersten Angriffen der jüngsten Tage, in Verbindung mit der Westoffensive unserer Gegner, auf die Härte des Krieges hingewiesen worden, wie es vorher noch nie­mals der Fall gewesen ist. Das ist eine ganz klare und' nüchterne- Feststellung. Es muß hierbei aber auch gesagt werden, daß in den letzten Jahren, als die Fronten sich von uns wegbewegten, keiner so sehr die Größe und das Gigantische dieser Auseinandersetzung begriffen hat, wie in der Gegenwart, wo die Fronten sich auf uns zubewegen und das eigene persönliche Leben hei den Schwachen ständig mehr an Wert gewinnt, je näher Bomben und Schlachtenlärm vernehmbar werden. Dieses unerbittliche „Entweder — Oder“ schreibt uns das Gesetz des Handelns vor, und viele Fragen bleiben im Augenblick unbeantwortet, weil die Führung in der Lage sein muß, den .Feind zu überraschen, und zwar dann, wenn er glaubt, alle Möglich­keiten dafür ausgeschaltet zu haben. Es ist ein großes nationales Unglück und eine Tra­gik, zu wissen, daß mit dem. Einflug der Bomber-Divisionen wiederum mehr und mehr Städte vernichtet oder stark angeschlagen werden. Es ist aber heute in der Welt unum­stößliche Gewißheit geworden, daß das deut­sche Volk aus der Luft nicht zu besiegen ist. Ein Volk, das die Zerstörungen von Ham­burg, Berlin und anderen Städten, insbeson­dere in der letzten Zeit Dresden, so hin­nimmt und dennoch so kämpft, wie es die- Fronten heute beweisen, - ist unschlagbar! Das Schweigen des Führers und die unbe­dingte Ruhe der für die Führung des Volkes Verantwortlichen, lassen flicht nur das deut­sche Volk nachdenklich werden, sondern die Kommentatoren der Weltpresse und selbst die verantwortlichsten Kriegshetzer sprechen vor den Abgeordneten ihrer Häuser voller Vorsicht und richten beschwörende Worte an die Zukunft in der Gewißheit des Unheim­lichen, das wie ein schleichendes Gift auf sie zukommt. Sie alle wissen, daß es furchtbar sein wird, so furchtbar, wie es eben für sie sein muß, weil sie den Arm erhoben, um das Volk zu vernichten, das ein Herrgott mit den besten Eigenschaften, die eine Rasse in sich vereinigen kann? geschaffen hat. Daraus er­wächst für uns der Sieg, und hier werden es

Hohe Schifisverluste auf der Murmansk-Route

Drahtbericht unseres Vertreters

hw. Stockholm, 27. März. Der englische Marineminister Alexander gab einige Ver­luste bei den Lieferungen für die Sowjet­union auf der Geleitzugsroute nach Mur­mansk bekannt. England und die USA haben, wie er zugäb, die größten und kostspieligsten Anstrengungen daran gesetzt, durch die Lie­ferungen von Kriegsmaterial den bolschewi­stischen Ansturm gegen Europa anzukurbeln. Die von dem englischen Minister offiziell zu­gegebenen Einbußen umfassen 61 Handels­schiffe, ferner zwei englische Kreuzer, fünf Zerstörer und neun weitere Geleitschiffe. Auch die Zahl der beschädigten Kriegs­schiffe ist groß. Unter ihnen befindet sich ein Flugzeugträger. Erfahrungsgemäß han­delt es sich bei derartigen Mitteilungen nur um Teilgeständnisse.

Der englische .Marineminister gab bei der gleichen Gelegenheit bekannt, daß England und die USA bemüht waren, dem bolschewi­stischen Verbündeten auch Kriegsschiffe zur Verfügung zu stellen, und zwar größtenteils aus der eigenen Flotte, wenn auch im we­sentlichen ältere Schiffe. Die Unterwürfig­keit der Plutokratien geht also sogar noch weiter, als man bisher angenommen hatte. England lieferte ein älteres Schlachtschiff, den „Royal Sovereign“ (29 000 Tonnen) an die Sowjets, die Amerikaner einen großen

dem Artikel heißt cs, daß die Tschechen noch : iKreuser namens „Milwaukee“, die unter dem

Namen ..Arä'-.rcr’sk“ und „Murmansk“ in die Sowjetflotte eingereiht wurden. Andere

Schiffe von verschiedenen Größeklassen, über die sich der englische Minister nicht näher verbreitete, gehören gleichfalls zu diesen Lie­ferungen, die von England und USA auf Mos­kaus Verlangen zur Stärkung der sowjeti­schen Seemacht geliefert werden mußten.

Neuer Schauprozeß in Sofia

ep. Stockholm, 27. März. Eine neue Serie von Prozessen begann vor dem sogenannten Volksgericht in Sofia. Insgesamt handelt es sich um 142 führende bulgarische Militärs. Unter den Angeklagten befinden sich die Ge­nerale Zankoff, Jekoff, Georgieff, Poneff, Uzunsky, Rosneff und Torscheff.

Lloyd George gestorben

Eigener Drahtbericht

ep. Stockholm, 27. März. Der ehemalige britische Ministerpräsident David Lloyd George ist am Montagabend, wie Reuter meldet, auf seinem Landsitz in Wales gestor­ben. — Lloyd George hatte vor einiger Zeit den Rang eines Eearl verliehen bekommen und stand im 82: Lebensjahr. Während des ersten Weltkrieges hatte er zunächst den Posten des Schatzkanzlers inne, in den Jah­ren 1915 und 1916 verwaltete er das Muni­tionsministerium, im Jahre 1916 wurde er dann britischer Premierminister und war als solcher am Schandfrleden von Versailles maßgebend beteiligt.