Ausgabe 
(26.3.1945) 72
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Parteiamtliche Tageszeitung

Pas Amtsblatt des Begierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichs Statthalters in Oldenburg und Bremen

Nummer 72 15. Jahrgang

Montag, 26. März 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Schlacht um Brückenköpfe am Rhein

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Deutsche Eingreifverbände im Kamp! mit englischen und amerikanischen Lutilandeiruppen

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leite et, jshtberlcht unserer Berliner Schriftleitung ( Berlin, 25. März. Die große Schlacht am «lerrtein, die in der Nacht vom Freitag Sonnabend an dem Frontabschnitt bed­ien hat, an dem wir sie seit längerer Zeit Hat haben, entwickelte, sich in. ihrem ^Stadium im wesentlichen in der Rich- ln der es von der deutschen Führung voraus angenommen wurde. Eisenhower eine kombinierte Aktion von Erdtruppen Luftlandetruppen durchgeführt, wobei Aufgabe der Verbände, die bei Rees, bei den und bei Wesel über den Rhein gegan- (id, darin besteht, unsere rechtsrheini- Atwehrstellungen frontal ahzugreifen, ,jd die Lyftlandetruppen dicht.hinter deutschen Linien abgesetzt worden sind nun unsere Front im Rücken fassen sol- Wir sind jedoch, wie aus den Mitteilun­des OKW.-Berichtes hervorgeht, auf die- Manöver vorbereitet gewesen, und wir den Gegner, der über den Rhein kam, .jweise zurückgeworfen, während wir von Lastenseglern, mit denen die feindlichen detruppen herangebracht wurden, eine große Zahl schon vor der Landung ab- jeßen konnten. Allerdings' ist bis jetzt un- erst ein Drittel der Luftlandetruppen, [er Feind für dieses Unternehmen bereit- llt hat, eingesetzt worden, so daß eine re Steigerung des Kampfes zu erwarten Das gilt jedoch nicht nur für die Stärke irch ( feindlichen Einsatzes, sondern auch für ? t: deutsche Abwehr, für welche Spezialtrup- {!scim , und Panzerverbände zur Verfügung :en, die teilweise bereits den Kampf auf- Dmmen haben, teils noch im Anmarsch cht i ilffen sind. Infolgedessen haben die feind- g Gri m. Luftlapdetruppen noch keine Mög- ian nj teit gehabt, ih die Kämpfe in unseren igt. i jungen selbst einzugreifen.

ifgen das an allen Übergangsstellen sehr » ehr Hg einsetzende deutsche Artilleriefeuer __ pehte der Feind, sich mit Hilfe von Nebel- S?m zu tarnen, von denen er bereits vor h , a iragen in ausländischen Zeitungen die Be- 5h j> ptunj verbreitet hatte, daß derartig rie- titsi Vernebelungen, wie sie bei diesem Rhein- ,,^1 gang verwendet worden seien, die Kriegs- sn-uh Uchte bisher noch nicht gekannt habe. i 38 ä verdeckt jedoch nicht nur, sondern l8tT - idet auch, deshalb konnte unser streuen- lv e j Abwehrfeuer viele Hunderte von Sturm- V,B: m, tlbersetzprämen und Motorfähren des des zum Sinken bringen, noch bevor die «schalten das östliche Rheinufer über- it nur zu Gesicht bekommen haben. Nur Teil der für den Angriff bereitgestellten lerikanischen Übersetzverbände er- ite das diesseitige Ufer und versucht im iblick, die gewonnenen Brückenköpfe anszuweiten.

(iwar nicht anzunehmen, daß es der deut- i Abwehr gelingen würde, jeden Über- tersueh noch in der Mitte des Rheines zu Wagen. Die deutsche Abwehr ist infolge- i auch nicht nach dem Grundgedanken |i undurchdringbaren Befestigungssystems s.des Rheines auf gebaut worden, son- bman mußte der militärischen Auseinan- iung auf dem Ostufer des Rheines ins »Wicken und hatte nur die Möglichkeit, f Feinde den Übergang so schwer wie nur 1 möglich zu Inachen. Allein schon die

Tatsache der Bereitstellung großer feind- licher Luftlandeverbände . gebot derartige Überlegungen einer strategischen Abwehr, denen die Ereignisse Recht gegeben haben. Die Bemühungen der Anglo-Amerikaner sind unverändert darauf gerichtet, die verschiede­nen Brückenköpfe, die sie auf dem rechten Rheinufer' gebildet haben, nun zu erweitern und untereinander zu verbinden. Dadurch soll eine möglichst große Basis geschaffen werden, von der aus dann der Frontvorstoß in die norddeutsche Tiefebene und von Norden her in das Ruhrgebiet unternommen werden soll.

' Bemerkenswert erscheint es, daß die Luft­landetruppen durchweg in frontnahem Ge­biet, und zwar nur wenige Kilometer hinter unseren Linien, abgesetzt worden sind. Damit erledigen sich die zahlreichen Gerüchte und Vermutungen, daß der Feind vielleicht, ver­suchen könnte, mit solchen Luftlandetruppen sofort tief in das Innere des Reiches vor­zustoßen. Derartige kühne Unternehmungen liegen anscheinend außerhalb der sehr vor­sichtigen Taktik Elsenhowers.

Gegenüber dieser neuen großen Schlacht am Niederrhein treten die anderen Ereignisse etwas in den Hintergrund, obwohl auch an den anderen Abschnitten der Westfront schwer gekämpft wird. Dabei konnten wir den Feind daran hindern, seinen Brückenkopf bei Remagen noch mehr nach Osten auszu­weiten, Nur in südlicher Richtung ist er ein Stück vorwärtsgekömmen. Auch im südlich anschließenden Abschnitt des Rheins sind gegnerische Verbände auf das rechte Ufer gelangt, so daß zur Zeit an etwa acht Über­gangsstellen über den Rhein auf das heftigste gerungen wird. Alle diese Kampfplätze, ein­schließlich derjenigen, die durch Luftlandun­gen entstanden' sind, konnten in sich abge­schlossen gehalten werden, bzw. wurde eine Vereinigung der verschiedenen operierenden Kampfgruppen verhindert. Damit ist die erste taktische Aufgabe für Angreifer und Vertei­diger gleichermaßen gestellt, um deren Durch­führung in diesen Stunden schwerste Kämpfe am Rhein toben.

Aber diese Kombination verschiedener An­

griffe ändert nichts an der Tatsache, daß das Hauptziel Eisenhowers im Norden liegt. Auch die Konzentration der feindlichen Bomben­geschwader und die Angriffe im nördlichen Raum bestätigen diese Auffassung. In diesem Abschnitt ist es unt inzwischen gelungen, weitere deutsche Verbände in neue Stellungen in der Nähe des Rheins heranzubringen.

Im Osten ist der Feind durch seine überaus schweren Panzerverluste, die er in letzter Zeit Tag für Tag erlitten hat, daran gehin­dert worden, seine Offensive in dem bisheri­gen großen Stil fortzusetzen. Er mußte sich mehr und mehr auf einige Schwerpunkte in den gewohnten Kriegsschauplätzen beschrän­ken. Dtese sind einmal im schlesischen Raum, bei Küstrin und in Ost- und Westppeußqn zu finden. Dabei konnte der Feind an verschie­denen Stellen weiteren Boden gewinnen, und in einige unserer Verteidigungsstellen ein- dringen. Aber im großen und ganzen steht der östliche Kriegsschauplatz auch weiterhin im Zeichen deutscher Abwehr- erfolge.

Erbitterte Ahwehrkämpfe qn der gesunken Rhein-Front

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Aus dem hrerhauptquartier, 25.« März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: In Ungarn setzt der Feind zwi­schen Plattensee und Donau unter Einsatz starker Panzerkräfte seine Angriffe fort. Wäh­rend er im Raum von Veszprem und nördlich Zirc Boden gewinnen konnte, blieben seine Angriffe bei Kisber und südlich der Donau im Abwehrfeuer liegen. In harten W^ldkämpfen vereitelten unsere verbände im slowakischen Gebirge bei Neusohl erneute feindliche Durch­bruchsversuche. In Schlesien dehnten die Bol­schewisten ihre Angriffe auch auf die Räume Sorau und Strehlen aus. Sie wurden unter Ab­schuß von 75 Panzern abgeschlagen. Auch die Besatzungen der Festungen Breslau und GIo- gau wiesen erneute Angriffe ab. In den letzten jdrei Tagen scheiterte im Kampfabschnitt Küstrin der Ansturm starker Infanterie- und Panzerverbände der Sowjets an der Stand­haftigkeit unserer Divisionen*- Uber 200 feind­liche Panzer wurden abgeschossen. Bei Goten­hafen und Danzig und an der Küste des Frischen Haffs bei HeiligenbMl griff der Geg­ner mit starken Panzerkräften und upter hohem Munitionseinsatz weiter an. In den hoch anhaltenden schweren Kämpfen wurden gestern wieder 153 Panzer vernichtet, davon allein im Abschnitt der 73. Infanteriedivision 24 durch Panzerfaust. Auch in Kurland nahmen die Bolschewisten östlich Libau ihre Angriffe wieder auf. Sie blieben bis auf einen geringen Einbruch' erfolglos. Nordöstlich Frauenburg und nordwestlich Dohlen erzielten die Sowjets trotz unvermindert starken Kräfteeinsatzes kei­nen Geländegewinn. Die Luftwaffe griff an der Ostfront Truppenansammlungen und Nach­schubverbindungen an. Sie setzte weitere 35 Panzer außer Gefecht und brachte 51 Flug­zeuge zum Absturz.

An der Rhein-Front zwischen Rees und Dinslaken tobt die Abwehrschlacht gegen die dort angreifende 2. englische und Teile der 9. amerikanischen Armee. In einzelnen Ab­schnitten konnte der Feind, der erhebliche Verluste erlitt, den Rhein überschreiten und ln unser Hauptkampffeld eindringen. Beider­seits Wesel, in dessen Straßen heftig gekämpft wird, warfen unsere Truppen den Gegner wie­der auf das Rheinufer zurück. Im Rücken un­serer Stellungen am Niederrhein sind am

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5900 Deulsche sollen täglich verhungern

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h olm, 25. März. Der schändliche | USA-Armee-Zeitung, in dem es heißt:Laßfe- ittungsplan gegen das deutsche Volk, in j uns, wenn nötig, das gesamte deutsche Volk 1 Durchführung sich die Anglo-Ameri- ! ausrotten! In der britischen ZeitungDaily 1bbI l#mit den bolschewistischen Henkern tei- ! Expreß kamen jetzt englische Soldaten zu ~ »ollen, erfährt eine neue Beleuchtung , Wort, deren Äußerungen zweifellos nur den * eine Mitteilung des britischen Nach- I ihnen aufgetragenen Mord- und Vernich-

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äug. fendienstes über den Aushungerungsfeld- äer gegen das deutsche Volk nach dem oo. , *5« Beführt werden soll. Wie der BBC.- ;ew jJ**poncient meldet, schätzen alliierte -ösche Regierungsbeamte, daß 5000 "he an jedem Tage nach dem Kriegs- : St-, * an Hunger sterben werden.

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jVer** 1 w sind in einem Jahr Millionen "l 1 , j , ' !clle » die durch die alliierten Aushunge- [IJjiri ®® e ßioden ausgerottet werden sollen. , d. I® den Hungertod von vielen Millionen er-riSo-in Verbindung mit den brutalen Mör- iV w hoden der Bolschewisten die von den Verbrechern erstrebte Dezimierung des ffl t?V en Volkes erreicht werden. Das deut- ,i Pf « Volk setzt 'diesen Haßorgien seiner Lw, elnen Damm seines fanatischen Ab- fyillens entgegen. Es weiß, daß nur durch ' !r Lr^Promißlosen Kampf der Vemich- des Feindes gebrochen und un- i S»-i' ndern ein Le 13611 111 eitlem freien ' "^nlancl gesichert werden kann.

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SSt*** 25. März. Niemand ist mehr im

deutsche Volk aus!'

früher, daß die Haßausbrüphe un-

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»», e gleichgültig, ob es sich um die

tofi Mor dbestien oder Um die anglo-

>K|^ h en Krie sverbrecher handelt, die te i i u f' 0tt 'Ung des deutschen Volkes ver- on 'wird in den besetzten

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Gebiete n die Vernichtungspraxis in ^fer Weise demonstriert. Wie syste- ^ äit Vf * cnglo-amerikanischen Truppen ! u^fdhandwerk erzogen werden, zeigt von ObersUeutnant Leball in der

tungswillen kundtun, wie er von einem Van- sittart bereits offiziell proklamiert worden Ist. So heißt es in der Erklärung eines briti­schen Sergeanten, daßdie Deutschen voll­kommen ausgerottet werden müßten". Ein Staffelkommandant der britischen Luft­gangster gibt unverhüllt den verbrecherischen Geist zu erkennen, der diese britischen Luft­gangster beherrscht, indem er fordert:Tö­tet die Deutschen schnell, auch die Frauen und Kinder.

Fehlpoliiik der Westmächte

Drahtbericht unsere* Vertreters

ost. Stockholm, 25. März. Ein Leitartikel vonAftenbladet stellt 'fest, daß im Fall einer Vernichtung Deutschlands und Japans keine Macht mehr in der'Lage sein würde, die Sowjetherrschaft in Europa und Asien 'zu verhindern. Der sowjetische Einfluß würde sich alsdann vom. Stilien Ozean bis zum Ärmelkanal geltend machen. Niemand könne glauben, daß Stalin die politischen Ge­winne, zu denen er sich auf Grund des so­wjetischen Einsatzes berechtigt fühle, nicht einkassieren werde. Die zielbewußte Außen­politik, die die Sowjetunion im Gegensatz zu der unsicheren Politik der Demokratien führe, zeige deutlich, daß Stalin sich nicht beeindrucken lasse. Die Agitation tun die Konferenz von Jalta habe sich jetzt gelegt, und in England beginne man nun zu fragen, was dort wirklich geschehen sei. Allerdings würden solche Fragen weniger an die Bol­schewisten als an die eigenen Staatsmänner gestellt. Die geplante Vernichtung Deutsch­lands mit Hilfe der'Sowjetdiktatur könne daher für die Demokratien ein äußerst ge­fährlicher Bumerang werden.

gestrigen Vormittag die Engländer aus der Luft gelandet. Unsere für diesen Fall bereit- gehaltenen Verbände schossen aus einer Gruppe von 121 Lastenseglern noch vor der Landung 50 ab und gingen zum Angriff auf die feind­lichen Luftlandetruppen über. In den gestrigen Mittagsstunden setzten außerdem die Ameri? kaner zwischen der unteren Lippe und der unteren Ruhr stärkere Kampfgruppen aus der Luft ah» die gleichfalls von mehreren Seiten angegriffen werden. Westlich Siegbürg zer­schlugen unsere Truppen angreifende feind­liche Bataillone. An der gesamten Front zwi­schen Hennef und Neuwied hält der starke Druck der 1. amerikanischen. Armee an. öst­lich Neuwied drang der Feind tiefer -in unsere Stellungen ein. Bei Braubach, Boppard und St. Goarshausen sind heftige »Gefechte mit amerikanischen Stoßtrupps im Gange, die unter Nebelschutz mit Sturmbooten über den Strom setzten. Die Schlacht im Brückenkopf östlich Oppenheim. nahm an Heftigkeit zu. Aus dem Raum von Griesheim Stoßen die Amerikaner über Pfungstadt weiter vor. Unsere Kampf­schwimmer beschädigten eine Kriegsbrücke bei Oppenheim schwer. Die tapfere Besatzung von Ludwigsfaafen vernichtete auch gestern noch

zahlreich^ Panzer und hat sich nunmehr auf dem Ostufer des Rheins zur Verteidigung ein­gerichtet. Zwischen Speyer und Lauterberg im Unterelsaß stehen unsere Divisionen in schwe­ren Kämpfen vor allem um Germersheinf und Wörth am Rhein, wo 17 .Panzer abgeschossen wurden.

In Italien beschränkte sich die Kampftätig­keit auch gestern auf lebhafte- beiderseitige Aufklärung. Die Äbwehrkämpfe um Bihac in Westkroatien gehen weiter. Von Kleinfahr­zeugen der Kriegsmarine, die zuf Bekämpfung der Bandentätigkeit im dalmatinischen Insel­gebiet eingesetzt sind, wurden 13 Fahrzeuge versenkt oder aufgebracht. Küstenbatterien von Rhodos vertrieben leichte feindliche See­streitkräfte, die den Häfen der Insel Calehi anzulaufen versuchten.

Angriffe anglo-amerikanischer Terrorbomber richteten sich gegen Berlin, Nordwestdeutsch- Iand und besonders gegen frontnahe Orte an Ruhr und Niederrliein. In der Nacht waren nur schwache feindliche Verbände über dem Reich. Luftverteidigungskräfte schossen nach bisherigen Meldungen 46 Flugzeuge ab. Luft? Verteidigungskräfte der Kriegsmarine brachten über dem südnorwegischen Küstengebiet wei­tere 10 feindliche Flugzeuge zum Absturz.

Fehkechnung der Türkei

Drahtbericht unseres Vertreters

ost. Stockholm, 25. März. Die Politik der Ttirkej in dem gegenwärtigen Kriege be­ruht, wie es jetzt immer deutlicher wird,' auf einer völligen Fehlrechnung. In gut unterrichteten diplomatischen Kreisen Schwedens betrachtet man die Kündigung des sowjetisch-türkischen Freundschafts­und Neutralitätsvertrages durch Moskau als den weitestgehenden sowjetischen Schachzug gegenüber der Türkei. Man vermutet, daß die Sowjetunion mit ihrem Druck auf die Türkei weitgehenden türkischen Forderun­gen wegen der Zukunft der Dardanellen Vorbeugen wolle. Die Dardanellen seien nun einmal für die Sowjetunion, von lebenswich­tiger Bedeutung, und man scheine in Mos­kau in dieser Frage zu einem Entgegen­kommen keineswegs bereit zu sein.

Offensichtlich hatte sich die Türkei bei ihrem willfährigen Verhalten gegenüber den Alliierten etwas anderes vorgestellt. Sie hatte Deutschland zweifellos in der Hoff­nung den Krieg erklärt, daß die Sowjets auf militärische Stützpunkte an Meerengen verzichten würden. Diese Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen, denn es kann kei­nem Zweifel unterliegen, daß die Sowjets die Frage, der Meerengen bei- einer etwaigen Er­neuerung des Paktes äufrollen wird. Damit ist natürlich auch die Selbständigkeit der Türkei der Erörterung unterworfen.

In der türkischen Presse werden zur Zeit nur (p e diplomatischen Gesichtspunkte her- ausgestellt; So erklärt Yaltschin in der Zei­tungTan, daß England aus Europa deser­tiert sei und die kleineren Staaten ihrem Schicksal überlassen habe. England, das bis­her immer getrachtet habe, zu verhindern, daß eine einzige Macht in Europa das Über­gewicht habe, wendet seine Aufmerksamkeit fast ausschließlich der überseeischen Politik zu. Der Kommentar yaltsohins bringt die ganze Enttäuschung der Türken über die bri­tische Außenpolitik zum Ausdruck. Er ist ein türkischer Notschrei an die Adresse Englands, die Türkei nicht im Stich zu lassen, weil sonst die britische Position im östlichen Mittelmeer zusammenbrechen würde.

dn London haben sich inzwischen die ersten Stimmen gemeldet;Economist" z. B. ver­weist auf die zahlreichen Versuche, die Eng­land in seiner Geschichte gemacht hat, um die Russen von den Meerengen femzuhalten, und schreibt:Die Meerengen gehören nicht nur zur Sicherheitszone Rußlands, sondern auch zu derjenigen Großbritanniens. Eine einseitige Lösung in dieser empfindlichen Zone muß kritische Folgen für die britisch-so­wjetischen Beziehungen haben. Das muß man sich in Moskau vor Augen halten."

Prüfstein für die Politik Moskaus

Genf, 25. März.Tribüne de Geneve schreibt: Die Türken hofften, durch die Kriegserklärung an Deutschland eine inter­nationale Diskussion über die türkische Rolle als Wächter der Meerengen, verhindern zu können. In England sei man überzeugt, daß die Dardanellenfrage noch ein sehr schwieri­ges Problem werden wird. In England ist rian der Meinung, daß die Verhältnisse an den

Dardanellen, die auf einem internationalen Vertrag beruhen, nicht von einem Vertrags­partner allein geändert werden dürfen. Die Dardanellenfrage werde ein Prüfstein für die Politik des Kremls sein.

Totaler Einsatz Japans

Tokio, 25. März. Der japanische Minister­präsident Koiso gab anläßlich des Beschlusses über den totalen Einsatz des japanischen Vol­kes im Kriegsdienst eine Emärung ab, in der es heißt, die japanische Regierung bezwecke durch die neuen Gesetze, den totalen Einsatz der japanischen Bevölkerung, den Kriegs­dienst und die Landesverteidigung sicherzu­stellen. In ganz Japan würden sich ungeheure Kräfte sammeln, die unter einheitlichem Be­fehl eingesetzt werden. ,Es werde dadurch eine Macht entstehen, die sich vor nichts zu fürch­ten brauche. .

USA-Verluste bei Kyushu

Tokio, .25. März. Das Kaiserlich japanische Hauptquartier meldet: Die nach eingehenden Erkundigungen festgestellten zusammenge­faßten Abschlußresultate unserer Luftflotte bei ihrem Angriff auf die feindliche Sonder­flotteneinheiten im Gebiet von Kyushu vom 18. bis 21. März sind folgende:

Versenkt wurden: 5 Standard-Flugzeugträ­ger, 2 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer und 1 Kriegs- fahfzeug nicht festgestellter Klasse. Ferner wurden ungefähr 180 feindliche Flugzeuge ab­geschossen. 150 unserer eigenen Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt. Die meisten un­serer angreifenden Flugzeuge gehörten dem Sonderängriffskorps an. '

Faktor Zeit

Von unserem Vertreter in Stockholm Hans Wehdt

Welche vitale Bedeutung jeder Monat, jede Woche deutschen Widerstandes für Deutsch­land und Europa besitzen und wie sehr die Westmächte bei ihren jetzigen riesenhaften Anstrengungen nicht aus freiem Entschluß, sondern aus einem verzweifelten Wettlauf mit ihren eigenen Schwierigkeiten handeln, , geht aus englischen Betrachtungen hervor. Typisch ist vor allem ein Artikel der Lon­doner Zeitschrift ,'Sphere über die Zwangs­lage der Feindkoalition:Die Zeit ist der Feind Nr. 1, und keine leitende Person der Alliierten zweifelt daran. Wir müssen mit dem Kriege zu 'Ende kommen, weil der ge­ringste Atemraum, der den Deutschen noch bleiben würde, die Früchte langjähriger wis­senschaftlicher Planungen und Erfindungen an neuen, mindestens kriegsverlängemden Waffen fördern würde: neue U-Boote, bessere V-Waffen, neue Luftangriffsformen. Wir können uns keinen Verzug erlauben. Wir haben dem Feind offen gestanden, daß unser Schiffsraum noch nie so unzureichend war wie jetzt. Die Zeit ist stets der beste Verbündete Adolf Hitlers und der schlimmste Feind der Allüerten gewesen.

W a s im Grunde England und seine Al­liierten zur Eile zwingt, ist aber nicht nur die Furcht vor neuen deutschen Erfindungen, das ist gerade die in der Schiffsraumlage bereits vorhandene Not und Krise. Sie offen­bart sich in der katastrophalen Zuspitzung der Weltversorgungsschwierigkeiten. Das gleiche englische Blatt gesteht in einer an­deren Betrachtung:Die Deutschen haben immer noch Pfeile in ihrem Köcher die U-Boot-Gefahr ist um Gotteswillen nicht leicht^u nehmen, besonders bei dem'Zoll, der jetzt unserer Handelsflotte auferlegt wird. Sie ist uns bedenklich nahe auf den Leib gerückt! Ferner wird auf die verschärften V-Bombardements hingewiesen.

Das sind, nur einige wenige militärische Punkte, die denZeitmangel der Feinde Deutschlands so wesentlich erscheinen lassen und die sie jetzt dazu zwingen, Ströme eige­nen Blutes zu opfern. Andere Faktoren kom­men hinzu innenpolitische und soziale .Schwierigkeiten, darunter die Kriegsmüdig­keit der englischen und amerikanischen Massen und Soldaten, wie schwedische Blät­ter sorgenvoll unterstreichen, vor allem aber außenpolitische Gründe. Es gibt genug Symp­tome, aus denen man erkennen kann, daß ein. Wettlauf zwischen dem militärischen An­sturm gegen Deutschlands Herz und dem Ansturm der außenpolitischen Komplikatio­nen begonnen hat. Die Krisenzeichen häufen sich: ein geheimer Krieg ist zwischen den Feinden Deutschlands bereiti im Gange. Sie suchen gewaltsam nur die militärischen Vor­gänge zu beleuchten und alle politischen ins Dünkel zu schieben. Lange gelingt ihnen das nicht mehr. Der neue geheime Krieg hat genau so unsichtbar begonnen durch einen Kampf um die Ausgangspositionen für ein kommendes Ringen durch ein Tauziehen um psychologische und machtpolitische Faktoren, 'um -Stützpunkte und Bündnisse, wie seiner­zeit der Krieg gegen Deutschland von seinen Feinden schon Jahre vorher insgeheim , in Gang gesetzt worden war.

Besonders bezeichnend ist die Zuspitzung des Dardanellen-Problems, von dem der Lon­donerEconomist sagte, daß es zu englisch- sowjetischen Uneinigkeiten führen könnte. Jede einseitige Maßnahme könnte kritische Folgen für die beiderseitigen Beziehungen zeitigen'. Ein anderes Symptom: Schottische konservative Kreise sagen jetzt offen, daß die Sowjetunion unterfreundschaftlich einge-' stellten Regierungen offenbar nur kommu­nistische verstehe. Die Einstellung des Durch­schnittsengländers, und besonders des eng­lischen Soldaten, zu den Zukunftsfragen ist eine rein negative und fatalistische: Der LondonerNews Chronicle sagt wörtlich, daß in der englischen Allgemeinheit völlige Skepsis bezüglich des angestrebten Friedens herrsche, besonders aber in der englischen Wehrmacht. Von den alten Kriegszielen ynd dem Glauben an einen wirklichen Frieden, wenn nur Deutschland besiegt werden könnte, ist nichts mehr übriggeblieben. Statt dessen werden die brennenden Fragen England der­art gefährlich, daß man nuf einen Ausweg sieht: Hals über Köpf mit dem Kriege gegen

Verwaltungsbehörden im feindbeseizien Gebiet

Berlin, 25. März. Der Generalbevoll- mächtig'te für die Reichsverwaltung hat sämt­liche Reichsbehörden im feindbesetzten Ge­biet ausgeräumt und vorläufig stillgelegt. Sie üben also keinerlei Verwaltungstätigkeit aus. Ihre Akten und sonstiges Behördengut wird sichergestellt, ihr Personal, soweit es nicht der Wehrmacht zur Verfügung gestellt wird, einem anderen kriegswichtigen Einsatz Ange­führt. Um einen Überblick über den Verbleib des Personals und die Verwaltung des öffent­lichen Eigentums zu erlangen und alle vor­bereitenden Maßnahmen für einen späteren Wiedereinsatz der Behörden der allgemeinen und inneren Verwaltung (Regierungspräsi­denten, Landräte, Bürgermeister usw.) zu treffen sowie die noch bestehenden Einrich­tungen zu betreuen, beziehungsweise wenn nötig, abzuwickeln, bat der Reicbsminister des Innern Anlaufstellen geschaffen.

Diese sind für die Dienststellen aus dem Warthegau: die Dienststelle des Reichsstatt­halters Warthegau in Potsdam, Provinzial­verwaltung, Alte Zauche 67; aus Ostpreußen: der Regierungspräsident in Schleswig: aus Danzig-Westpreußen: das Mecklenburgische Staatsministerium in Schwerin; aus Ober­schlesien und Niederschlesien; der Regie­rungspräsident In Karlsbad; aus dem' Bezirk Bialystok der Landrat in Templin »Ucker­mark).

Alle Dienstkräfte, aber auch alle Volks­genossen, die eine Auskunft über den Verbleib von Dienststellen, Dienstkräften usw. wün­schen oder irgendwelche Angelegenheiten mit diesen Stellen zu regeln haben, wenden sich daher an die obengenannten Anlaufstellen.

Mangel an Schiffsraum

Genf, 25. März. Wie eine Reutermeldung aus New York besagt, erklären zuständige Kreise in Washington, daß der akute Mangel an Schiffsraum den Transport von Bau­materialien, wie Holz und Stahl, nach Groß­britannien zum Wiederaufbau vielleicht auf Jahre hinaus verhindern werde. Kreise der Armee und Marine in Washington gäben un­umwunden zu, daß der alliierte Schiffsraum­mangel sich ip den nächsten Monaten noch akuter bemerkbar machen werde als bisher. Die Schiffe stünden u. a. der Riesenaufgabe gegenüber, Mannschaften und Material in unerhörten Mengen über eine 6000 Meilen lange Nachschublinie auch nach der Kampf­front im Pazifik zu befördern. Eine ans Rie­senhafte grenzende Menge von Schiffsraum sei dafür notwendig. Nur wenige Schiffe wür- den für die ostwärtige Route nach Europa übngbleiben.

Der Bonoml-Vertreter in Bukarest wurde auf einen Wink Moskaus zurückgerufen.