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(22.3.1945) 69
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Parteiamtliche Tageszeitung

Pa Amtsblatt des Beetwreadm Bfifgsnnslste» dsr Fntoa Hansestadt Bnmon

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblati des Heichsstatthdlleni in Oldenburg

Nummer 69 15. Jahrgang

Donnerstag, 22. März 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Parolen der Zerstörung

„Keine Lebensmittel für die Deutschen" ■■■ Hafipläne der Feinde

jrahtberiebt unserer Berliner Schrlftleltung Berlin, 21. Man. „Vom amerika- bchen Oberkommando werden keine Lc- jusmittel für die Deutschen zur Verfügung . Die erbeuteten (also der deutschen sölkerung in den von den Feindtruppen atzten deutschen Gebiete geraubten) Le- ,nsmittel werden für die alliierten Truppen l(n andt. Diese zwei Sätze eines Korrespon itatenberichts aus dem feindlich besetzten Kölns enthüllen das grauenhafte Itlicksal, das Deutschland im Falle einer Verlage erwartet. „Die Deutschen müssen ien sehen, wie sie fertig werden“, so schließt (B er Berichterstatter. Was diese Worte je­joch in Wirklichkeit bedeuten, scheint man nch der drüben nicht klar zu machen. Sie Hungersnot, ein zerstörtes Land, von i vernichtete Städte, abgebrannte Dörfer, aufgewühlte und verwüstete Felder, lie keine Saat mehr tragen, plündernde Itindiiche Soldaten — wie sollen die Deut­ete in jener Atmosphäre „sehen, wie sie lirtig werden“? Das ist die Wirklichkeit.

Muß im Angesicht solcher Voraussagen ein jS nicht bis zum Letzten Widerstand jten? Muß es sich nicht wehren, um dem larmungslosen Hungertode, dem elenden Mn um Nahrung zu entgehen? Aber es l ht ja noch eine andere Gefahr: Von

:en versucht ein viel gewalttätigerer Feind sitschland zu erobern. Mord und Schän- Verschleppung und Massendeportation nd hier die Gefahren. Hungersnot droht Om westlichen Gegner — der Ausweg liegt Mg und allein in einem heldenhaften derstand, einem Widerstand, an dem jene istörerischen Kräfte letzten Endes doch zer- iellen werden.

Auf der gleichen Linie liegt die Meldung g die Zerstörung der deutschen Industrie, »über wir gestern bereits kurz berichteten. Mir als 10 000 britische Wissenschaftler Dd Techniker werden den alliierten Heeren ach Deutschland folgen“, heißt es darin „um die deutsche Kriegsindustrie für ;e Behandlung durch die alliierten Dyna- und Zerstörungsabteilungen reif zu ichen.“ Das ist eine Ankündigung des löschen Arbeitsministeriums. Sie bedeutet Ergänzung zu den feindlichen Aushun- [mngsplänen, denn praktisch kommt eine istörung der deutschen Industrie“ der Störung tausender, ja hunderttausender Arbeits- und Erwerbsstellen für den Aschen Menschen gleich. Die Industrie tant in Deutschland einen breiten Raum sie ist ein Hauptträger der gesamten Ortschaft. Das ergibt sich allein aus der Stellung, daß weit über 16 Millionen utsche im letzten Friedens! ahr in Industrie d Handwerk ihr Brot und Lebenunterhalt dienten. Aber nicht nur für Deutschland ■deutet ein solcher Plan den wirtschaft- Ruin, sondern auch für die europäische itschaft, ja für die gesamte Weltwirtschaft de er weitgehende Auswirkungen haben; doch das Reich mit seinen industriellen feugnissen ein Haupthandelspartner vieler äischer Länder gewesen. Es war mit Elektrotechnik in hohem Maße auf iuhr eingestellt, und etwa die Hälfte aller |‘itrotechnischen Einfuhrgüter in den euro- lachen Ländern kam aus deutschen Fabri- Der Lokomotiv- und Waggonbau hatte A Rationalisierung und schärfste Auslese ■s herzustellenden Typen vor Kriegsbeginn an international anerkannten Höchststand 'nicht. Die deutsche chemische Industrie

besaß eine Monopolweltsteilung, die sie vor 1914 fast_ konkurrenzlos innehatte. Glaubt man in (len anglo-amerikanischen Ländern in einer kommenden Friedenswirtschaft ganz ohne die vielgerühmte deutsche Exakt- und Präzisionsarbeit auszukommen? Glaubt man in der Mitte Europas eine hungernde, arbeits­lose, verelendete Menschenmasse verkommen zu lassen, ohne nicht selbst dabei Schaden zu nehmen? Will man im Herzen des Kontinents ein Land schaffen, dessen dahinvegitierende Bewohner immer wieder den Keim zu neuen Konflikten in sich tragen?

Die Pläne zur Aushungerung des deutschen Volkes und zur Zerstörung seiner Industrie und sonstigen Erwerbsquellen zeigen in er­schreckender Weise, daß die Demokratien ans den Folgen des letzten Krieges keine

Lehren gezogen haben. Damals forderte man unaufbringbare Tributleistungen, damals be­setzte man die industriell wertvollen deut­schen Westgebiete, internationalisierte die Ströme und riß Teile deutschen Landes vom Reich ab. Das Ergebnis dieser Politik? Ein Weltkrieg Nr. 2. Wie aber würde das Ergebnis eines Friedens aussehen, den die Anglo- Amerikaner im Verein mit den Sowjets heute schaffen wollen?

„Für Immer auslöschen"

Stockholm, 21. März. Der Londoner Kommentator Allan Bell schließt seinen letzten Bericht über die politische Lage so: „In London geht die allgemeine Sehnsucht nicht so sehr auf einen schnellen, sofortigen

Frieden, so schwer auch das Leben in der Heimat sein mag; der große Wunsch ist viel­mehr der, daß Deutschland für immer aus­gelöscht und so machtlos wie eine Mumie, eine häßliche Mumie im Museum der Völker­geschichte zurückgelassen wird.

Mr. Bell erweist sich mit diesem Haßaus­bruch als gelehriger Schüler Vansittarts. Wir nehmen ihn zugleich mit der Tatsache zur Kenntnis, daß die Briten und Amerikaner in den von ihnen besetzten linksrheinischen Ge­bieten gerade dabei sind, diese „Mumien­politik“ zu verwirklichen. Das ist für uns ein Grund mehr, diesem Vernichtungsplan mit unserer ganzen Kraft entgegenzutreten, ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu zer-' schlagen und unseren Haß zu entflammen.

Bedeutung der V-Wafien

Stockholm, 21. März. „Nach acht Monaten V-Beschuß sind die militärischen Sachver­ständigen in England mehr denn je von den Entwicklungsmöglichkeiten der Robotwaffen beeindruckt“, schreibt die amerikanische Zeitschreift „Time“. Der militärische Sach­verständige der „New York Times“, Hanson W. Baldwin, erklärte auf Grund von Front­berichten: „Die Bedeutung der V-Waffen wächst von Tag zu Tag.“

Eisenhowers UmfcisiimgspliKii gegen Saar-Verteidigung mißlingt

Von unserem militärischen v. W. -Mitarbeiter

Westlich des Rheins geht es Eisenhower darum, die eigentliche Rheinfront so weit wie nur irgend möglich nach Süden zu ver­längern. Doch ist das nur ein sehr primiti­ves Ziel. Tatsächlich bezweckt er mit seinem konzentrischen Angriff von der Mosel gegen die Saarpfalz einen operativen Vorteil, der darin zu sehen wäre, wenn es ihm gelänge, die deutschen Truppen, soweit sie ursprüng­lich zwischen Mosel und Rhein gestanden hatten, zu umfassen und auszuschalten, d. h. zb vernichten oder gefangenzunehmen. Heute, während die Schlacht noch in vollem Fluß ist, läßt sich sagen, daß dies dem Geg­ner nicht gelingen wird.

Während nämlich sein linker Flügel er­heblich vorangekommen ist, ist sein rechter im Gewirr des Westwalles zwischen Saar­brücken und dem Oberrhein hängengeblie­ben, weil der Angriff gegen ein Befesti­gungssystem selbst bei günstigem Fortschrei­ten mehr Zeit beansprucht als ein Panzer­durchstoß über Bergstraßen. Damit fallen aber auch die Voraussetzungen in sich zu­sammen, die Grundlage einer Entscheidung gegenüber den noch westlich des Rheines stehenden deutschen Divisionen wären. Zwi­schen Mosel und Nahe hat die 3. USA-Ar- mee die schwierigen Räume des Hochwaldes und Hunsrücks überwunden, nicht nur durch den Vormarsch ihrer starken Panzerspitzen von Nordwesten her, sondern auch durch den von Westen her geführten Angriff auf Saar­burg aus nach Osten und später nach Sü­den, der uns zwang, eine nördliche Abriege­lungsfront zwischen Saarlautem und Kusel aufzubauen, damit der hier beabsichtigte Stoß in den Rücken der Saarbefestigungen nicht Wirklichkeit werde. Der Schwerpunkt der feindlichen Bewegungen liegt zur Zeit im Pfälzer Bergland, das im Norden bis zur Nahe reicht und im Süden bis zur Glan, in

deren Tal der Feind immer noch weiter vor­dringt. Kaiserslautern ist sein nächstes Ziel in der Mitte der sich von Norden nach Sü­den bewegenden Schlacht. Der linke Flügel dieser Feindarmee arbeitet sich nach dem Gewinn von Bad Kreuznach nach einer Dre­hung nach Südosten gegen Mainz vor, in dessen Süden die Spitzen der amerikanischen Panzerverbände festgestellt sind.

Gegen den Zugriff der 7. USA-Armee, dem südlichen Arm der amerikanischen Umfas- sungstewegung, wurde zwischen Saarbrücken und dem Oberrhein der Kampf nunmehr in die WestwaJlanlagen verlegt, was bedeutet, daß die vorgelagerten unterelsässischen Räume inzwischen aufgegeben sind. Die Saarpfalz wird also gegen den Angriff von Süden her in den Festungsanlagen des West­walles verteidigt. In dieser Beziehung wurde der Abschnitt Saarbrücken—Zweibrücken schon vor 48 Stunden genannt. Eine beson­ders wichtige Rolle spielt dabei das Stütz- puriktsystem zwischen Hardt und Oberrhein, weil es dem Gegner den Weg in die ober­rheinische Ebene versperrt, die er von Nord­wester! her mit, seinem 'Stoß' über die untere Nahe gegen Mainz gleichfalls zu erreichen hofft. Die Oberrheinstrecke zwischen Karls­ruhe und Mainz wäre wegen ihrer günsti­gen Überschreitbarkeit infolge des Fehlens beherrschender Höhen auf dem rechten Ufer für den feindlichen Angriff ein günstigeres Sprungbrett über den Fluß als der Raum zwischen Bonn und Koblenz, zwischen dem sich im Abschnitt Remagen der Gegner um die Ausweitung seines Brückenkopfes be­müht.

Dieser Kampf um den Brückenkopf von Remagen zieht sich nun schon seit Tagen hin. Der Feind hat örtliche Boderigewlnne gemacht. Sie hatten vor Tagen in nördlicher Richtung und nach deren Abriegelung jetzt in südlicher Richtung stattgefunden. Der Feind steht mit Teilen auf der Autobahn

Neue Front in Schlesien hielt stand

Eigener Drahtbericht

rd. B e r 1 i n, 21. März. An den Flügeln des sich über Tausende von Kilometer erstrecken­den Ostfrontbogens sind die Kämpfe anhal­tend schwer und blutig. In dem Abschnitt zwischen dem Riesengebirge und dem Stet­tiner Haff herrscht zur Zeit eine Kampf­pause, doch sind bei Küstrin größere feind­liche Angriffsvorbereitungen mit Stoßrich­tung auf die Reichshauptstadt zu erkennen, die jedoch vorläufig nur zu Aufkiärungsvor- stößen der Bolschewisten geführt haben. Da­mit vermittelt die bolschewistische Winterof­fensive, die ohne Unterbrechung in eine

Moskau kündigt Pakt mit der Türkei

^litbericht unserer Berliner Schriftleitung

'»•Berlin, 21. März. Im Gefüge der «rlen Koalition vollziehen sich in diesen Machtverschiebungen, die von Moskau «ematisch betrieben werden und von den •stmächten teils widerstrebend, teils zu- ®imend beurteilt werden. Als aktuelles Er- ist der Griff des Kreml nach den Mengen zwischen dem Schwarzen und ^Hündischen Meer zu bezeichnen. In ltr offiziellen Note kündigte die sowjetische Tiening der Türkei den Freundschafts- ^ -' eutralitätspakt vom 17. Dezember 1925. * Her Erklärung, die dem türkischen Bot­tler in Moskau, Sarper, von Molotow zur "-«leitung an die türkische Regierung 5®ittelt wurde, argumentiert der Kreml, “ infolge weitgehender Veränderungen, '•besonders im Verlaufe des jetzigen Krie- ji eingetreten sind, der Vertrag nach An- 5, Her Sowjetregierung der neuen Lage -t mehr entspricht und einer ernsthaften ««serung bedarf. Infolgedessen kündigt Jtowjetregierung den Vertrag mit allen bezüglichen Anlagen entsprechend den _«®gen des Protokolls vom 7. Okt. 1935.

Tendenz der Kündigung dieses Paktes ■ , «'''«kennbar. Ganz offensichtlich plant tibetische Regierung, die Türkei in den j^riblock der Sowjetunion einzubeziehen, jc.bf diese Weise den Zutritt zum Mittel- Stn Cllen ^ eer durch die Verfügung über ü, R ar HaneUen zu öffnen. Dadurch werden le des Mittelländischen Meeres als i> ''«chsstraße Englands nach Indien völ- Be Verhältnisse geschaffen, die ganz

2«ar

»ndig auf Kosten Britanniens vbrge- en werden.

«?ts?i aben die Londoner „Times“ in den

«Öen 11 sehr scharf gegen den sowjetl- gegenüber Ankara Stellung ge- die „Yorkshire Post“, das Blatt des isters Eden, hat aber inzwischen zu

erkennen gegeben, daß das Foreign Office die Türkei aus der Einflußzone Englands entlas­sen hat und von der vorher so betonten Freundschaft zur Türkei abgerückt ist. Sie soll das Verhältnis Englands zur Sowjetunion nicht belasten. Das Blatt bemängelt die bis­herigen Beziehungen zwischen Ankara und Moskau und tritt unmißverständlich für den Abschluß eines türkisch-sowjetischen Bünd­nisvertrages ein.

Diese Art, dem türkischen Verbündeten die sowjetische Freundschaftspolitik schmackhaft zu machen, müßte in Ankara als eine Ab­fuhr durch dasselbe England empfunden wer­den, das eben erst die Türkei zur Kriegser­klärung an Deutschland und Japan gepreßt hatve. Dieser Hinweis, der ganz offenbar nur von Eden inspiriert wurde, hat in der Türkei Aufsehen erregt; denn die türkische Politik hatte zweifellos, als sie das Risiko einer Kriegsbetelllgung einging, geglaubt, daß die Westmächte ihre Position gegen das Macht­streben der Sowjets verteidigen würden. Aber es Ist nun offenbar, daß die schwachen Nach­folger Atatürks sich selbst ln die Lage ge­bracht haben, die weltgeschichtliche Rivalität zwischen Rußland und der Türkei, welche über zwei Jahrhunderte dauerte, mit der Un­terwerfung unter Moskau schmachvoll zu be­enden. In den politischen Kreisen Londons, die seit der Konferenz von Jalta mit der nachgiebigen Politik Churchills mit starkem Mißtrauen gegenüberstehen, muß diese jüngste Entwicklung als Verrat wirken. Die Formel eines gemeinsamen Vorgehens der Alliierten, die in dem Protokoll von Jalta nie­dergelegt wurde, gewinnt angesichts der Maß­losigkeit des sowjetischen Imperialismus im­mer mehr an Realität.

Wenn diese Formel aber die Risse in der Koalition der Alliierten verdecken sollte, so sind die Möglichkeiten klar zu erkennen, die sich ergeben würden, wenn mit der Fort­dauer des Krieges neue Belastungsproben an die Alliierten herantreten.

Frühjahrsoffensive übergeführt worden ist, den Gesamteindruck, daß die schweren Ver­luste an den sowjetischen Angriffsarmeen keinesfalls spurlos vorübergegangen sind. Zwar kann der Feind noch immer an be­stimmten Punkten der Front eine Überlegen­heit massieren, durch die er Schwerpunkt­schlachten zu entfesseln vermag. Er muß je­doch dann an anderen Teilen der Front seine Offensivkampfhandlungen einstelien und Kampfpausen einlegen.

Die ungarische Schlacht sieht unsere Trup­pen in Angriff und Verteidigung, wobei ein tieferer bolschewistischer Einbruch beider­seits des Vertesgebirges durch Heranführung von Reserven verhindert und südlich des Plattensees ein feindlicher Stellungsabschnitt im Angriff genommen werden konnte. Alle diese Kampfhandlungen, einschließlich der Kämpfe in der Slowakei, die vom Wehr­machtbericht mit „am oberen Gran“ bezeich­net werden, dienen letzten Endes der Ab­schirmung der Ostmark und der Hauptstädte Wien und Preßburg.

Mit der schlesischen Schlacht hofften die Bolschewisten, in den böhmisch-mährischen Raum eindringen und die südostdeutschen Gebiete von Norden her abschnüren zu kön­nen. Vor der neuen Front bei Leobschütz und an der Neiße kamen die Angriffe zum Stehen, so daß trotz feindlichen Geländege­winnes die hauptsächliche Feindabsicht ver­eitelt worden ist. Der östlich der östlichen Oder lange Zeit zäh verteidigte Brückenkopf, dessen Hauptstütze A11 d a m m gewesen ist, wurde voa der deutschen Truppenführung auf die Westseite des östlichen Mündungs­armes der Oder zurückgenommen, nachdem er seine Aufgabe, starke Kräfte des Feindes zu binden und zu vernichten, erfüllt hat. Statt dessen sind starke Verteidigungspositio­nen diesseits der Oder aufgebaut worden. In­zwischen kämpfen die Bastionen Danzig, Go­tenhafen, Ostpreußen und Kurland ihren heldischen Kampf weiter gegen vielfach über­legene Fetndkräfte, die Tag und Nacht gegen unsere hart geprüften und trotz Erschöpfung sich zäh weiter wehrenden Abwehrkämpfer anrennen. 50 feindliche Schützendivisionen stehen allein im Angriff beiderseits der Dan- zlger Bucht. Diese Truppenmasse entspricht etwa 16 deutschen Divisionen. Eine solche Kräftemassierung auf deutscher Seite würde die Lage im Ostseeraum binnen weniger Tage völlig verändern. So jedoch müssen unsere Abwehrverbände sich darauf beschränken, den Durchstoß zum Frischen Haff zu ver­hindern und selbst unter Verengerung des Stellungssystems den Zusammenhalt zu wah­ren. Welcher Leistungen entschlossene und um ihr Leben kämpfende deutsche Verbände fähig sind, geht aus der Tatsache hervor, c 1 - die Verteidiger von Kurland am Dienstag wiederum einen vollen Abwehrerfolg errangen.

Frankfurt—Köln, d. h. in der Nähe des Oberlaufs der Wied. Es scheinen sich nun aber stärkere deutsche Gegenmaßnahmen in diesem Abschnitt durchzusetzen, die auch kräftemäßig einen erheblichen Umfang haben müssen, weil die Führung der 1. USA- Armee in den Abschnitt östlich Remagen hineinpumpt, was überhaupt an Truppen über den Fluß und die dort geschlagenen Pontonbrücken geschafft werden kann. Für den Verkehr von einem Ufer zum anderen ist es eine starke Belastung geworden, daß die Ludendorff-Brücke von Remagen inzwi­schen zerstört werden konnte und der Feind seitdem nur auf seine provisorischen Uber­setzmittei angewiesen ist.

Darum wird der Gegner auch gezwungen sein, seine Hauptanstrengung anf den Nieder­rhein zu konzentrieren, wo er immer noch verhält, ohne den Sprung gegen das rechte Ufer zu wagen. Um die Schwierigkeit solchen Angriffes kommt er aber auf die Dauer nicht herum. Indem Eisenhower auch die Absicht kundtut, den Oberrhein südlich Mainz in die Nähe seiner Panzerdivisionen zu bringen, verrät er das ihm immer vorschwebende Flügelrezept. Man muß darum als Schwer­punkträume des eigentlichen Kampfes um den Rhein die Abschnitte Karlsruhe—Mainz im Süden und Bonn—Emmerich im Norden ansehen. Was zwischen Mosel und Rhein in den letzten Tagen geschah, galt der Vorbe­reitung zum bisher noch keinesfalls voll­endeten Aufmarsch des Südflügels, der noch einen weiten Weg vom Pfälzer Bergland und durch den Westwall zurücklegen müßte, bis er im Bestimmungsraum angekommen wäre.

Bcsie Krieger der Welt

Bern, 21. März. Im britischen Nachrichten­dienst wird die Härte des deutschen Wider­standes, auf den die kanadischen Soldaten stießen, mit folgenden Worten gekennzeich­net: „Werden unsere Soldaten ihren Vor­

marsch zum Rhein jemals vergessen können? Unsere Feinde, die sie auf den Schlachtfel­dern der Normandie, Belgiens und Hollands kennengelemt hatten, setzten ihnen beispiel­los harten Widerstand entgegen. Alles, was die Kriegswissenschaft hervorgebracht hatte, warfen sie unseren Soldaten entgegen. Die Deutschen kämpfen als Soldaten, deren kör­perliche Durchbildung und militärische Schulung sie zu den besten Kriegern der Welt machte. Sie hatten es auf sich genom­men, ihre Heimat bis zum letzten Atemzug zu verteidigen. Herz und Seele gehärtet mit dem Prinzip der Kraft, das waren die deut­schen Kämpfer, denen unsere Soldaten im Kampf gegenüberstanden.

Arme Irre

Von Friedrich Bormann

Es ist beileibe nicht so, als ob das Näher­rücken der Fronten im Westen und Ostest uns Deutschen die Zunge gelähmt hätte. Weder die Frontnähe noch der immer grau­samer werdende Luftterror der Anglo- Amerikaner zeitigen eine solche Erscheinung, Es ist also nichts mit der vom Feinde ge­wünschten dumpfen Gleichgültigkeit, die Verstand und Herz verkrusten könnte wie trockene Erde die Wurzeln einer Pflaiize. Im Gegenteil, wer mit offenen Ohren umher­geht, vernimmt, daß unter den harten Schicksalsschlägen dieses Krieges auch di* Desinteressierten auf gerüttelt werden — wenn auch nicht immer in positivem Sinne. Wae das mit der gelähmten oder nicht gelähmten Zunge zu tun hat? Nun, sehr viel! denn ge­redet wird in diesen Tagen mehr denn je. Wer es hören will, erfährt zudem, daß durch­aus nicht immer alles über den griinan Klee gelobt wird, was in Deutschland geschieht. Oftmals liegt nicht nur der Explosivstoff der Anglo-Amerikaner in der Luft, und wer sich reiben will, kommt kaum in Verlegenheit, ob das im Luftschutzbunker ist, am Wirt­schaftsamt oder beim Tabakhändler.

Es muß also doch wohl schon manches faul sein bei uns, wenn die Dinge so liegen? Durchaus nicht, und vor allem nicht in dem Sinne, wie es der gierig auf Schwäche­anzeichen lauernde Gegner meint. Das soll nun nicht heißen, als ob es unter uns keinen gäbe, der alles daransetzt, mn die Medaille für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Züchtung des inneren Schweinehundes zu erlangen. Wir sind nicht verschlafen genug, um vor der Tatsache die Augen zu ver­schließen, daß die Zahl solcher Zeitgenossen nicht zu unterschätzen ist. Sie geht zwar unter in der Masse unserer anständig den­kenden Volksgenossen, aber das darf uns nicht davon abhalten, sie etwa unbeobachtet und ungeschoren zu lassen. Andererseits liegt es uns völlig fern, mißtrauisch zu sein, wenn einer, der fleißig und tapfer seiner Pflicht nachkommt, frei von der Leber weg redet. Niemand denkt daran, solchen Volks­genossen den Mund zu verbieten. Wer wüßte nicht, daß kräftiges Schimpfen die At­mosphäre reinigt und Erleichterung schafft, wenn der Packen von Sorgen und Ärger all­zusehr drückt. Warum sollte da der Maul­korb angewandt werden? Weshalb in solchen Fällen mit ungehaltenem Atem das Ohr an das Schlüsselloch des Nächsten pressen?

Dem Nationalsozialismus liegt es nicht, aus- nahmlos über alle Vorgänge im Volke das politische Beichtgeheimnis zu verhängen. Als eine Bewegung, die mit dem Volk auf du und du steht, weiß sie um den Wert des befreien­den Schimpfens. Wie es überhaupt die Stärke der NSDAP, ist, darüber nicht unwissend zu sein, daß das gegenseitige Vertrauen zwischen Führung und Gefolgschaft an dem Grad des Ertragens der gesunden Volkskritik zu messen ist. Das heißt: auch gelegentliches Kritisieren an der Partei bricht dem Nationalsozialismus keine Verzierungen ab. So war es bisher, so ist es heute, und das wird sich nicht ändern, solange die verantwortlichen Männer der Partei Menschen unter Menschen bleiben, solange sie sich davor hüten, nur die „gute Stimmung“ zu registrieren, und solange si* sich von denen distanzieren, die das Befehlen­können nur als eine Angelegenheit des gut ausgebildeten Kehlkopfes betrachten, anson­sten aber unfähig sind und versagen, wenn es darauf ankommt, Vorbild und Charakter zu sein!

Wie der Nationalsozialismus sich nicht scheut, die Sonde an sich selbst zu legen, so ist auch jeder Volksgenosse verpflichtet, täg­lich sein Handeln zu überprüfen und zu korri­gieren. Jedoch erst die Erkenntnis seiner

Verzweiflungsplnn der London-Polen

Drahtbericht unseres Vertreters

kl. Stockholm, 21. März. Die polnische Frage hat sich so kompliziert, daß mit einer Lösung vor dem Beginn der San-Franzisko- Konferenz nicht mehr gerechnet wird. Die in Moskau zwischen Molotow und dem bri­tischen Botschafter Clark Kerr sowie dem amerikanischen Botschafter Harriman ge­führten Verhandlungen sind bisher völlig negativ verlaufen. In London erwägt man, Kerr zur Berichterstattung nach Hause kom­men zu lassen. Soweit in London bekannt ist, hat sich Molotov/ den britischen und amerikanischen Vorschlägen auf Bildung einer polnischen Regierung unter Leitung von Mikolajczyk entschieden widersetzt. Mo­lotow hält an der Auffassung fest, daß das Rückgrat der neuen Regierung von den Lublin-Männern gebildet werden müsse, die bereits von der Sowjetunion anerkannt wor­den seien. Nur von einer Erweiterung der Lublin-Regierung, nicht aber von ihrer Er­setzung durch Politiker, die der polnischen London-Regierung angehörten, könne die Rede sein.

Daß die London-Polen selbst die Lage als hoffnungslos betrachten, geht aus einem Vorschlag hervor, den der Chef der Lon­doner Polenregierung, Arciszewski, ausge­arbeitet hat. Der Vorschlag sieht vor, daß Moskau allen Polen, die keine Kommunisten sind, die Auswanderung aus Polen freigeben solle. Arciszewski rechnet damit, daß min­destens die Hälfte der Einwohner Polens von der Erlaubnis zur Auswanderung Ge­brauch machen würde, wenn man den Aus­wanderern zugleich andere Wohnsitze bieten könnte. Man hat es hier mit einem typischen Verzweiflungsvorschlag zu tun, der aber zweifellos eine starke propagandistische Wir­kung hat. Die London-Polen bringen damit vor den Augen und Ohren der ganzen Welt zum Ausdruck, daß sie an eine Existenzmög­lichkeit für Nichtkommunisten in einem von Moskau beherrschten Polen nicht glauben.

Nach Ansicht Arciszewskis werden auch dte in deutscher Kriegsgefangenschaft befind­lichen Polen sowie die in Deutschland leben­den polnischen Zivilarbeiter ein Leben in der Emigration einem Sklavendasein ht Sowjetpolen entschieden vorziehen.

Der Vorschlag Arciszewskis ist bisher noch nicht publiziert worden. Er wird auch inner­halb des polnischen London-Kabinetts noch heftig bekämpft. Die Krise im Lager der Polen nähert sich einem neuen Höhepunkt. Nicht einmal die Sozialdemokraten stehen

ges...ossen hinter ihrem Parteichef. Der

linke Flügel der polnischen Sozialdemokra­ten hat sich gegen Arciszewski ausgespro­chen. Es ist durchaus möglich, daß dieser Schiffbruch erleidet und eine neue Kabi­nettskrise im Chaos endet. Vom Washing­toner Horizont gesehen besteht die Ten­denz, die polnische Frage mit der rumäni­schen zu verknüpfen, über die in Moskau seit etwa einer Woche ebenfalls verhandelt wird. Die amerikanische Öffentlichkeit be­ginnt allmählich klar zu sehen, daß die Jalta-Konferenz keines der Probleme wirk­lich gelöst hat, mit denen sie sich befaßte.

Wieder 2 Flugzeugträger

Tokio, 21. März. In einer Mitteilung de» Kaiserlichen Hauptquartiers heißt es, daß di* japanische Luftwaffe ihre Angriffe gegen feindliche Flotten- und Luftstreitkräfte ener­gisch fortgesetzt und ihre Erfolge weiter erhöht hat. Über die am 20. März erzielten Erfolge wurden jetzt u. a. mit Sicherheit festgestellt, daß ein großer feindlicher Flugzeugträ­ger versenkt und ein weiterer großer Flugzeugträger wirkungsvoll beschädigt wurde.

Das Kommunistenblatt „Ny Dag", ein Sprach­rohr des Kreml, erklärt, „daß ein Wahlerfolg früherer finnischer Politiker eine Desavouierung des Waffenstillstandes bedeuten würde. Ela solcher Ausgang der Wahl wäre ernst“, droht das Bolschewistenblatt.

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