Ausgabe 
(20.3.1945) 67
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Parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Begierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Prnmnn

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Beichssiatthalle» in Olden böig and B rem e n

Nummer 67 15. Jahrgang

Dienstag, 20. Mörz 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Rumänien als Prüfstein

prahtberieht unserer Berliner Schriftleitung

bin. Berlin, 19. März. Die Sowjetunion hat « sich nach „New York Times“ verbeten, M anglo-amerikanische Flugzeuge auf ru­mänischen Flugplätzen landen, in Rumänien miele sich eine politische Entwicklung ab, die nicht durch äußere Einflüsse gestört wer­den solle, denn Rumänien habe die ersten schritte unternommen, zu „sich selbst zu- rückzufinden“. Dieser „Rückweg“ vollziehe sich hinter einem eisernen Vorhang und das Ergebnis werde unweigerlich die Forderung sein, Rumänien als Mitglied des Bundes der Sowjetrepubliken aufzunehmen.

Die Sorgen, mit denen in London die ru­mänische Entwicklung beobachtet wird, er­scheinen nicht unberechtigt, denn die Ergeb­nisse des Gärungsprozesses in diesem Land dürften als Prüfstein jener alliierten Zusam­menarbeit gewertet werden, die in Jalta be­schlossen wurde, wobei angeblich alle Risse in dem an sich widernatürlichen Bündnis be­seitigt werden sollen. Heute muß man in London und Washington entdecken, daß die Zwiespältigkeiten, die vor allem auf dem Machtstreben des sowjetischen Partners be- fuhen, nicht überwunden sind. Es mußte auf- /jllen, daß Moskau sofort nach den Be­sprechungen Stalins mit Churchill und Roo- sevelt die bisher geübte Zurückhaltung in Rumänien und Finnland aufgab, um einen Bolschewisierungskurs einzuschlagen, der auf völlige Einbeziehung dieser Länder in Mos­kaus Machtsphäre hinzielte, obgleich in Jalta eine „gemeinsame Politik“ gegenüber diesen Staaten beschlossen wurde.

In Rumänien hielt zur Zeit der Krim-Kon­ferenz die Regierung Radescu die Macht in Händen. Radescu war antifaschistisch ein­gestellt, glaubte jedoch, mit Hilfe der Anglo­amerikaner eine Art „nationale Politik“ durchführen zu können. Um ihn beseitigen zu können, forderte die sowjetische Kontroll­kommission in Bukarest Auflösung der von Radescu dirigierten Polizeikräfte und insze- n-'erte daraufhin Protestkundgebungen der radikalisierten Bevölkerung auf den Straßen Radescu sah sich dieser Entwicklung macht­los gegenüber und mußte den Vorwurf hin- nehmen, nicht für „Ordnung“ im Lande sor­gen zu können, eine Unterstellung, die von sowjetischer Seite mit dem Hinweis gewürzt Furde, daß dadurch die Etappe der Sowjet­armee bedroht werde. Wischinski wurde nach Bukarest entsandt und stellte öffentlich fest, daß Rumänien bei Beibehaltung des Radescu- Regimes dem Bürgerkrieg entgegengehe. Im j'.eichen Augenblick tauchten in Bukarest äwjetische Panzer zu Demonstrationen auf, and Radescu hielt es für zweckmäßig, in der englischen Botschaft in Bukarest Schutz zu suchen. Nun wurde Dr. Groza Ministerpräsi­dent, der eine völlig in sowjetischem Fahr­wasser laufende Politik mit Terror und Blut­tribunalen betreiben will.

Die Verhängung der Nachrichtensperre für englisch-amerikanische Korrespondenten in Bukarest, um keine Informationen über die rumänischen Vorgänge nach London und Washington durchgeben zu können, und das Landeverbot für Flugzeuge der Westmächte Rumänien sind bezeichnende Vorgänge. Amerikanischen Piloten wurden von sowje­tischen Offizieren alle Photoapparate abge- nommen; die Sowjetbehörden verweigerten den Amerikanern die Ein- und Ausreise­genehmigung. Es bahnt sich hier also eine Lage an, die klarstellt, daß im Gesamtgefüge des Krieges die Dinge absolut im Fluß sind. Die Scheinallianz kann unter diesen Um- itänden nicht als endgültige Größe aner­kannt werden; vielmehr zeigen sich Risse Gefüge dieser Allianz, die sich zu Sprün­gen erweitern können, wenn es sich erweist, daß die Abwehrkraft eines in sich geschlos­senen 90-Millionen-Volkes stärker ist als die »Hein vom Haß gespeiste Zusammenarbeit der alliierten Staaten.

Verräterlohn

Genf, 19. März. Die TASS meldet auf Grund von rumänischen Zeitungsnachrich- m, daß Maniu vom Posten des Vorsitzenden ^r Nationalzaranistischen Partei zurück­streten ist. Die sogenannte „ständige Dele­tion“ der Nationalzaranistischen Partei j»t daraufhin N. Lupu zum neuen Partei­teer gewählt. Der Verräter Maniu hat die Winke, die ihm aus Moskau gegeben wurden, s hr schnell verstanden. Er hat seine Schul­digkeit getan und erhält jetzt den verdienten "erräterlohn.

Kein Gegenstück zu Breslau

„An Erbitterung und Todesverachtung alles Frühere übertroffen"

Drahtbericht unseres Vertreters hw. Stockholm, 19. März. Neue feindliche Zeugnisse über die deutsche Widerstands­kraft bestätigen, was für Verluste den Sowjets bei ihren Angriffen zugefügt werden und mit was für Schwierigkeiten die englisch-ameri­kanischen Besetzungsbehörden im Westen zu tun haben.

Moskauer Blätter veröffentlichen Berichte über die Kämpfe in Breslau, in denen es heißt: „Gekämpft wird nicht nur um jedes Stockwerk und jeden Raum, sondern buch­stäblich um jedes Fenster, wo die Deutschen Maschinengewehre und andere automatische Waffen installiert haben. Man kann über­haupt nicht begreifen, wie sich die Deutschen mit Lebensmitteln, Wasser nnd Munition versorgen. Während des ganzen Krieges hat es kein Gegenstück gegeben zu einem so dra­matischen und fanatischen Ringen wie in Breslau, wo die Kämpfe an Erbitterung und Todesverachtung alles Frühere übertreffen.“ Aus Köln melden Londoner Blätter, das größte Problem sei die Widerstandsarbeit der

Hitler-Jugend. Alle in Köln verbliebenen Ein­wohner haben Fingerabdrücke liefern müssen. Englische Blätter warnen unter Berufung auf jüdische „Sachverständige“ aus Mitteleuropa vor jeder „Romantisierung“ des deutschen Arbeiters, der als getreuer Patriot und über­zeugter Anhänger Adolf Hitlers geschildert wird. Die schwedische Zeitung „Expressen“ veröffentlicht eine Reportage aus Paris, wo­nach viele französische Frauen ein erbar­mungsloses Vorgehen gegen deutsche Frauen fordern. Jede „Umschulung“ der deutschen Jugend sei unmöglich, und die Zerstückelung Deutschlands werde eifrig empfohlen.

Tieiflleger-Vernichiungsabzeichen

Berlin, 19. März. Der Führer hat die Ein­führung eines Tieffliegervemichtungsab- zeichens für den Abschuß von Flugzeugen durch Handwaffen oder kleinkalibrige Ma­schinenwaffen angeordnet. Einleitend betont die Verordnung, daß der Abschuß feindlicher Tiefflieger mit allen zur Verfügung stehen­den Mitteln von besonderer Wichtigkeit ist.

Der Chef des OKW. wird die Ausführungs­bestimmungen erlassen.

Remagener Brücke zerstört

Stockholm, 19. März Wie Reuter mel­det, ist die feste Brücke über den Rhein bei Remagen am Sonnabend um 15 Uhr zusam­mengestürzt und in den Flnß gefallen.

Reuter fügt hinzu: Die Brücke stellte die Hauptverbindung zwischen der 1. USA-Armee auf dem Westufer des Rheins und dem Brückenkopf auf dem Ostufer dar. Front­berichte der letzten Tage deuteten jedoch an, das eine Pontonbrücke neben der festen Brücke in Benutzung ist. Diese Pontonbrücke wird weiterhin als Verbindung der beiden Kräftegruppen benutzt. Ein amerikanischer Offizier berichtete, der Einsturz sei auf eine „allgemeine Schwächung der Konstruktion“ infolge der Beschießung mit Granaten und Bombardierung aus der Luft zurückzuführen. Während des Einsturzes arbeiteten 200 ame­rikanische Pioniere am mittleren Bogen der Brücke, von denen die Mehrzahl vermißt wird, während einige aus dem Wasser ge­borgen werden konnten.

Zwei Frühjahrsoffensiven 111111 entscheidungsvolle Kriegsphase

Von unserem militärischen v. W. -Mitarbeiter :

Zu der seit dem 25. Febr. angelaufenen , Feindoffensive im Westen ist seit einigen Tagen nach allmählicher Verstärkung aktive- 1 rer Regungen der Sowjets auch im Osten eine Kampflage entstanden, die den Aus­druck Frühjahrsschlacht durchaus verdient. Die Ziele, die der Feind im Westen verfolgt, lauten auf Übergang über den Rhein bzw. Beseitigung des letzten deutschen Front­raumes links des Rheines. Die Sowjets be­treiben mit ihrer in der vergangenen Woche ausgelösten Anstrengung unter Vernachläs­sigung der Hauptfront an der Oder die Be­reinigung ihrer Flügelstellungen. Sie wollen Klarheit sowohl über ihren linken Flügel der auf die Oder ausgerichteten Hauptfront wie auch für ihren an die Ostsee angelehnten rechten Flügel, der hinter sich in den Brückenköpfen von Danzig-Gotenhafen, Erm- land und Königsberg sowie Kurland sehr störende Gefahrenpunkte hat.

Während sich der Feind im Westen viel Zeit ließ, um seinen Frühjährsangriff vorzu­bereiten, für den das Vorgehen der Kanadier am nördlichen Ende des westlichen Schlacht­feldes mit dem 8. Febr. der Auftakt war, hatten die Sowjets den Kampf zu keiner Stunde zur Ruhe kommen Tassen, doch war in der letzten Zeit ein gewisses Nachlassen der feindlichen Kampfkraft gerade in solchen Abschnitten zu spüren gewesen, wo sich der sowjetische Druck noch kurze Zeit vorher als erheblich erwiesen hatte. Wenn die so­wjetische Führung ihre ganze Aufmerksam­keit zunächst auf die Flügel gerichtet hat, so darf doch nicht vergessen werden, daß sie im stillen immer nur an die Oderfront denkt, weil von dort aus der Sprung gegen die Reichshauptstadt getan werden muß und nur auf breiter Front getan werden kann. Die jetzt im Gang befindlichen feindlichen Kämpfe in Oberschlesien und um Stettin, die schweren Schlachten um die west- und ost­preußischen Brückenköpfe sollen dazu die Voraussetzungen und die nötige Rückenfrei­heit schaffen.

Im Kem handelt es sich bei den Angriffen um die deutschen Flüsse Rhein und Oder. Der eine wird direkt angegriffen, der andere bestimmt die Haltung des Gegners und sein Handeln. Im Aufmarsch und Zugriff auf die größten Flüsse des deutschen Westens und Ostens drückt sich die militärische Lage des Augenblicks aus. Wir haben es mit einem zweiseitigen Angriff zu tun, der mit erheb­licher Übermacht gestartet wird. Es kommt alles darauf an, dien Gegnern den Durch­bruch über die beiden Stromsperren in das Herz des Reiches zu verwehren. Niemand darf sagen, es wäre im Blick auf den Aus­gang gleichgültig, ob es gelingt, die Gegner im Westen und Osten dort, wo sie im Augen­blick angreifen, aufzuhalten und zum Stehen

Vor japanischer Küste versenkt

«P Tokio, 19. März. Die japanische uftwaffe hat am Sonntag in den Gewäs- !r n südlich von Kiuschu ein Schlachtschiff Her umgebauten Flugzeugträger und einen ‘feuzer versenkt, wird in Tokio amtlich %eteilt.

Wie das Kaiserlich japanische Haupt- Gartier dazu bekanntgibt, tauchten feind- che Flotteneinheiten in den Gewässern ^östlich der Insel Kiuschu auf, deren T agerflugzeuge über den südlichen und öst- c hen Teil von Kiuschu, der südlichsten des japanischen Mutterlandes, ein­igen. Die japanische Luftwaffe stellte die endlichen Flotteneinheiten ünverzüglich Kampf.

h De r Tenno besichtigte am Sonntag die ‘“•wi den Luftangriff vom 10. März betrof- sta dtbezirke der japanischen Haupt- taat. Innenminister Kosaki, der die Mittel* von dieser Besichtigung in den Scha- Sierteln Tokios machte, erklärte, daß 5™- nur die Fliegergeschädigten selbst, i«? l 11 die ganze japanische Nation von “ Anteilnahme des Tenno tief beeindruckt im ' Der Großostasienkrieg gegen die 3 ‘^'amerikanischen Feinde werde jetzt ■L noc h hartnäckiger durchgeführt.

13® das Kaiserliche Hauptquartier be- „^ftgibt, führten über hundert feindliche were Bomber, von ihrem Stützpunkt auf den L.f'anen kommend, Montag morgen einen um ” eist nndigen Bombenangriff auf Wohn- sc däftsviertel von Nagoya aus. Die bflJ? euge warfen hauptsächlich Brand- mben. Vo n den durch den Angriff verur- aien Bränden ist man der meisten be­

reits Herr geworden. Vier Flugzeuge wrurden mit Bestimmtheit abgeschossen und etwa 80 schwer beschädigt. — Nach diesem Angriff auf Nagoya griffen Trägerflugzeuge die Um­gebung von Kobe und Osaka an.

Heldenkampf auf Iwojima

Tokio, 19. März. Nach einem Monat heldenhafter Kämpfe, in deren Verlauf sich die Verluste des Feindes auf 33 000 Mann beliefen, wird jetzt angenommen, daß die japanischen Einheiten auf der Insel Iwojima am 18. März zum letzten allgemeinen Groß­angriff gegen die weitaus überlegenen USA- Streitkräfte angetreten sind. Über den Ver­lauf dieser Kämpfe liegen noch keine Nach­richten vor.

Wahlurne vorzeitig geöffnet

ep. Oslo, 19. März. Was für mysteriöse Ein­flußnahmen auf die Wahlergebnisse in Finn­land genommen werden, beweist folgender Vorfall, der sich am ersten Wahltag im Wahl­kreis Hämeenkro zutrug. In dem Wahllokal sprach eine unbekannte Person mit einer an­geblichen Vollmacht über die Auszählung der bisher abgegebenen Stimmen vor. Daraufhin öffnete der Wahlvorstand die Wahlurne und ließ in das Wahlergebnis Einsicht nehmen. Ob weitere Manipulationen mit den abgege­benen Stimmen vorgenommen worden sind, ist nicht bekanntgegeben worden. Verschie­dene Parteien haben gefordert, daß der Wahl­vorstand wegen dieses eigenartigen Vorkomm­nisses zur Rechenschaft gezogen werde.

zu bringen. Rhein und Oder bilden in diesen Wochen die beiden Lebenslinien der deut­schen Verteidigung.

Die Zeiten sind vorüber, wo es möglich war, auf noch engerem Raume zu operieren. Zwischen Oder und Rhein liegen heute Räume mit einer Tiefe von 500 bis 600 km. Schon diese Begrenzung macht klar, daß im Kriege, der alle Begriffe von Zeit und Raum sprengt, eine Basis von der angegebenen Tiefe das mindeste darstellt, was eine Ver­teidigung verfügbar haben muß, die sich gegen einen doppelten Angriff wehrt, der nicht mehr im Stile der Marschleistungen der Infanterie weiterrollt, sondern sich nach dem Tempo motorisierter Fahrzeuge richtet und gleichzeitig unter den Gesetzen der Luftmacht steht, für die solche Entfer­nungen überhaupt keine Rolle mehr spielen. Eine Verteidigung, die wie unsere in der festgelegten Lage des mitteleuropäischen Raumes nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu arbeiten, zu produzieren, zu säen und zu ernten hat, steht unter dem Gesetz, unbedingt dort zu halten, wo sich ihre vor­dersten Linien heute befinden. Rhein- und Oderfront gelten in dieser Kampflage als die unwiderruflichen Widerstandslinien, von deren Halten mehr abhängt als nur die Kon­trolle über Rhein oder Oder.

Wir haben es demnach bei beiden Früh­jahrsoffensiven mit militärischen Unterneh­mungen zu tun, die den Krieg ihrem Höhe­punkt zutreiben. Wir haben in den letzten Tagen sehr positive Regungen verstärkten deutschen Widerstandes im Osten erlebt. Wir haben aber auch den Gegner im Westen durch ein Gelände vorstoßen sehen, das den Verteidiger mehr begünstigte als den An­greifer. Der folgenreiche Vorgang von Re­magen hat seine Sühne gefunden. Damit ist der rechtsrheinische Brückenkopf der Ame­rikaner aber nicht aus der Welt geschafft, um dessen systematische Ausweitung die 1. USA-Armee hohe Verluste in Kauf nimmt, weil sie annimmt, auf der Autobahn Frank­furt—Köln nach Norden oder Süden ein­schwenken zu können und so aufzurollen, was sonst nur im Frontalangrif über den deutschen Strom mit großer Schwierigkeit zu erreichen wäre.

Die um Oberschlesien entbrannte Schlacht, die gegen Leobschütz und Neiße anbrandet, wurde durch eingreifende deutsche Reserven vor der Ausweitung aufgefangen. Gegen Stettin und seinen Brückenkopf rannte der Feind mit seinen in den letzten Tagen schwer angeschlagenen Verbänden noch einmal an. Gegen die Brückenköpfe in West- und Ost­preußen unterhalten die Sowjets erheblichen Druck. Vor allem im ostpreußischen Raume stehen die nun seit dem 14. Jan. ununter­brochen am Feind befindlichen Divisionen in eingeengten Stellungsabschnitten mit außer­ordentlicher Standfestigkeit den Kampf durch, der sie bei der Pausenlosigkeit des Ringens ermüdet haben muß. Die deutschen Soldaten, die sich an den ihnen verbliebenen ostpreußischen Boden krallen, sind die Tat­zeugen der alleinigen Haltung, die angesichts des doppelten Sturmiaufs das Gebot der Stunde ist.

Auch der Gegner hat große Schwierigkei­ten in dieser Phase seiner Angriffe zu über­winden. Er kennt kein Nachgeben in seinen Forderungen gegenüber seinen Soldaten. Auch sie müssen das letzte hergeben. Dabei wissen sie nicht, was von ihren Schlachten abhängt. Der deutsche Soldat ist sich dessen dagegen voll bewußt. Aus diesem Wissen schöpft er die Kraft, die ihn allein befähigt, der Übermacht dort standzuhalten, wo sich heute die Fronten befinden und die Entschei­dungsschlachten sich abzeichnen.

Zwei Frühjahrsoffensiven — jede für sich mit Übermacht geführt — sollen uns zu Bo­den zwingen und die verrammelten Tore in das Reich aufbrechen. Das muß jetzt verhin­dert werden. Kein Gebot ist größer, weil von der Erfüllung das Leben der Nation abhängt. Den Termin zur Rheinschlacht mochte der Feind noch bestimmen. Wir müssen ihr Ende diktieren, wenn der Einbruch aus dem Westen verhindert werden soll. An den Flü­geln wollen die Sowjets die Grundmauern ihrer Schlacht um die Oder legen. Ihnen das zu verwehren, kämpfen unsere Truppen ohne Unterbrechung, ohne Rücksicht auf sich. In­dem sie dem Feinde täglich hohe Tribute ab- verlangen, bauen sie schon am Kräftemaß der kommenden Oderschlacht, deren alleini­ger Sinn es ist, den Durchbruch ins Reich ebenso zu verhindern wie am Rhein. Dann wäre in größter Anstrengung der Sinn dieser Kriegsphase als der entscheidenden von un­ser» 1 Seite erfüllt. Nur solche Bewertung ent­

spricht der Bedeutung der beiden Schlachten, wie sie sich in Ost und West zur Stunde um Rhein und Oder bewegen.

Eisenhowers Pläne

Drabtbericht unserer Berliner Schriftleitung

g. Berlin, 19. März. Bei den feindlichen Angriffen im Westen sind auf dem links­rheinischen Ufer drei Aktionsräume öder Angriffsrichtungen festzustellen: der ame­rikanische Panzervorstoß, der von der Mosel aus an die Nahe ging, ein anderer amerika­nischer Angriff, der von der Ruwer aus nach Osten ebenfalls auf das Gebiet der Nahe zielt und schließlich der Norden des Pfälzer Ge­bietes, wo, in Verbindung mit Angriffen zwischen Saarbrücken und Saargemünd, in Richtung Zweibrücken die Amerikaner auf das Bunkersystem des Westwalles stießen. Ganz offenbar verfolgt Eisenhower mit diesen ganzen Operationen wieder einmal seine Lieblingsidee einer Zangenbewegung gegen die auf dem linksrheinischen Ufer stehenden deutschen Formationen.

Die Westfront hat im übrigen an den zwei anderen wichtigen Punkten, dem feindlichen Brückenkopf von Remagen und dem nieder­rheinischen Raum, den Charakter feindlicher Vorbereitungen. Das gilt für Remagen, wo durch den Zusammenbruch der Eisenbahn­brücke die amerikanische Tätigkeit zweifellos stark behindert wird und wo auch die feind­lichen Pionierbrücken selbstverständlich unter starker deutscher artilleristischer Ge­genwirkung liegen. Das gilt in ähnlichem Maße für die niederrheinische Front, wo nach wie vor die Anhäufung feindlichen Materials für übersetzzwecke fortgeht und wo der Geg. ner auch gewisse Aufklärungsversuche über den Rhein hinweg vergeblich zu unternehmen sucht.

Wir kapitulierten nicht

Von General v. Lettow-Vorbeck

Aus Anlaß des heutigen 75. Ge­burtstages unseres bremischen Mit* bürgers Generals v. Lettow-Vorbeck bringen wir die folgende Schilderung aus seiner Feder, die besonders ak­tuell ist, weil sie zeigt, was zäher Verteidigungs- und Selbstbehaup­tungswille auch gegen eine vielfach« Übermacht vermag.

Ende 1917 wurde die Lage meiner Trupp« in Ostafrika nach und nach geradezu ver­zweifelt. Der Grund hierfür lag in der kata­strophal fortschreitenden Erschöpfung unse­res Materials. Wir hatten keinerlei Nach­schub, waren also gezwungen, uns die Ver­pflegung selbst im Lande zu beschaffen. Hatten wir eine Zeitlang in einer Gegend operiert, so waren die Verpflegungsvorräte erschöpft, wir mußten weiter, schon aus Hun­ger. Das schlimmste war die Frage der Be­waffnung. Die ganze mühsam aufgebaute Artillerie war bis auf eine Feldkanone mit 40 Schuß zusammengeschrumpft. Noch übler sah es mit der Gewehrmunition aus. Kux«, es wurden Gefechtsverhältnisse, wo man sich sagen mußte, auf die Dauer kann es so nicht weitergehen. Von allen Seiten rückten uns die englischen Kolonnen näher und näher auf den Leib, und am 15. November 1917 schloß sich der Ring um uns eng und nahezu völlig, das Ende schien unvermeidlich, und im briti­schen Hauptquartier packten die Offiziere schon ihre Koffer und brachten ihre Photo­graphenapparate in Ordnung, um ja nicht zu spät zu kommen bei der Waffenstreckung der Deutschen. Die Lage war verzweifelt, und viele der Besten haben damals das Rennen auf gegeben. Je mehr man sich den Kopf zer­grübelte, immer wieder kam man auf de» gleichen Gedanken: nur wenn wir die Zahl der Soldaten ganz erheblich verringern, bie­tet sich die Aussicht, den verbleibenden Rest einigermaßen ausstatten zu können und so eine bescheidene Lebensfähigkeit und Schlagkraft der Truppe zu erhalten. Es mußte verlangt werden, daß jede Kompanie aus dem Bestände ihrer weißen und schwar­zen Soldaten diejenigen aussiebte, ■ die noch am meisten Aussicht hatten, sicher bevor­stehende Strapazen zu ertragen. An dies« wenigen war alles abzugeben, was noch vor­handen war an Munition, an Arznei und an Verpflegung. Der Rest der Mannschaft mußt« Zurückbleiben, in des Feindes Hand fallen und damit der deutschen Kriegführung für immer verlorengehen.

In der Nacht des vierten Gefechtstages bin ich mit dem kleinen ausgesiebten Rest von nur 300 weißen Soldaten und 1700 Askaris durch eine Lücke der feindlichen Ein­schließung hindurchmarschiert, um dann an der Wasserstelle Kitangari des Makondehoch- landes die Organisation der Truppe für die weitere Kriegführung durchzuführen. 3009 weiße und 11 000 scharze Soldaten waren wir 1915/16 gewesen. Die Truppe war also jetzt auf ein Siebentel zusammengeschmolzen. Wir besaßen kein Magazin, kein Lazarett, keine Kolonne, nur das wenige, was die Truppe selbst mittrug, und auch das langte nur für wenige Tage. Es war die Frage, ob es unter solchen Umständen ohne jede eigene ma-

Heikle Probleme für die Churchill-Regierung

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleltung

g. Berlin, 19. März. Zwei Probleme beschäf­tigen im Augenblick die englische Öffent­lichkeit und Presse: Die kommenden Wah­len und die kommenden Lebensmittelkürzun­gen. Beide Fragen sind für die Churchill- Regierung sehr heikel, zumal der Premier­minister bereits beginnt, für die Zusammen­setzung einer neuen Nachkriegsregierung vorzuarbeiten. Er betonte bei seiner Rede auf der konservativen Parteikonferenz die Notwendigkeit, wieder eine Koalitionsregie­rung zu bilden, wie sie auch heute besteht, „denn eine Auflösung der Koalition würde der Regierung solche Männer entziehen, wie den sanften Attlee, den stellvertretenden Pre­mierminister, den Arbeitsminister Bevinund den Innenminister Morrison — alles Arbei- terparteiler“, schreiben die „New York Ti­mes" kommentierend. Aber Churchill baut noch anders vor: er lobt in auffälliger Weise seinen Außenminister Eden „wegen seiner Klugheit, seines Mutes, Taktes, seiner Aus­dauer und Treue, wegen seiner Anständig­keit und seines Charakters.“ Gegen Ende seiner Ausführungen ließ Churchill seine Stimme zum Fortissimo anschwellen und sagte, daß Eden nicht nur den großen Außen­ministern der Vergangenheit gleichkäme, sondern sie sogar noch übertreffe — so be­richten die Korrespondenten über die Rede Churchills. Sie läßt keinen Zweifel darüber bestehen, daß er mit seinen Worten die Nachfolge Edens auf dem Thron der Torries angekjindigt hatte. Churchill versucht also seinen Nachfolger als Führer der Konser­vativen in den Sattel zu helfen. Vielleicht sieht er darin für sich selbst eine Chance, weiter, wenn auch hinter den Kulissen, die führende Rolle in der Konservativen Partei zu spielen?

Das zweite Diskussionsthema, die Lebens­mittelkürzungen, hängt unmittelbar mit dem Thema „Pacht- und Leihlieferungen“ zusam­men, das schon geraume Zeit ein Streitpunkt zwischen den angelsächsischen Verbündeten bildet. Hier geht es um die Frage: Herab­setzung der Lebensmittelrationen in USA und damit Beibehaltung der Pacht- und Leihlieferungen und der englischen Rationen oder Herabsetzung der Rationen in England I und Herabsetzung der Pacht- und Leih- : lieferungen? Das englische Argument: „Wir haben jahrelang unseren Gürtel enger ge­schnallt, und wenn die Amerikaner jetzt Schlange stehen müssen, so brauchen sie weniger zu befürchten, daß diese Schlange jeden Augenblick durch eine V-Waffe ver­

nichtet wird.“ Das amerikanische: Die Ver­sorgung der USA-Zivilbevölkerung kann nicht herabgesetzt werden, ohne „die Moral zu ge­fährden“. Das Ergebnis der Diskussion scheint in der Feststellung der „Evening News“ zu liegen: „Unsere Lebensmittelvorräte sind so klein geworden, daß es für die Hun­gernden in Europa kaum etwas bedeuten würde, wenn wir alles zum Kontinent senden und selbst fast verhungern.“ Eine amtliche englische Stelle weiß zu diesem Problem nichts weiter zu sagen, als einen Zukunfts­plan zu veröffentlichen. Die Möglichkeit der Schaffung eines europäischen Wirtschafts­blocks, wie eine englische Wirtschaftsstelle feststellt, wird aber für das englische Volk kaum ein Trost sein, ähnlich wie jene Aus­führungen: „Der Umfang der Industriean­lagen Englands kann nicht mit dem Umfang der USA-Industrieanlagen verglichen werden. Wenn sie jedoch mit der Industrie Frank­reichs und Belgiens ein Bündnis schließen würden, so würde ein derartiger Block eine gewaltige Machtkonzentration darstellen.“ Zukunftsaussichten und Pläne, deren Ver­wirklichung in weiter Ferne liegt, denn zwi­schen dem Gedanken und seiner Ausfüh­rung steht der Verbündete der Anglo-Ame­rikaner: Sowjetrußland, jenes Sowjetrußland, dessen Militärkommandostellen das Jalta- Abkommen vollkommen ignorieren und die Tätigkeit von USA-Journalisten und USA- Militärs in Rumänien und Bulgarien sabo­tieren, wie USA-Zeitungen erregt unter An­führung von Beispielen heute feststellen. Jenes Sowjetrußland, dem der USA-Außen- minister unzweideutig erklärte, daß die USA mit dem Wechsel der rumänischen Re­gierung nicht zufrieden seien und das neue Kabinett nicht als demokratisch. ansehen. Englische Regierungspläne und englisch« Wirtschaftspläne sind angesichts dieser rigo­rosen sowjetische^ Politik recht illusorisch, und es bleibt nur die beschwörende Mah- nimg eines USA-Senators, die klare Erkennt­nisse ausspricht: „Die modernen Kriege

warten nicht, während die Staatsmänner sich mit utopischen Theqrien für die Zu­kunft befassen. Wir müssen handeln, und zwar schnell, um zu verhindern, daß Krieg« entstehen. Die Welt bedarf heute einer gei­stigen Führung aufgeklärter Männer, di« sich über den Klassenstreit erheben und die der Menschheit iazu verhelfen, Sicherheit zu erlangen. Wenn jede Nation auf Hand­lungsfreiheit nach den juristischen Begrif­fen der Souveränität besteht, dann wird eine internationale Anarchie unvermeidlich sein.“