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Parteiamtliche Tageszeitung
Das Amtsblatt des Begierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Prnmnn
der Nationalsozialisten Bremens
Amtliches Verkündungsblatt des Beichssiatthalle» in Olden böig and B rem e n
Nummer 67 15. Jahrgang
Dienstag, 20. Mörz 1945
Einzelpreis 15 Rpf.
Rumänien als Prüfstein
prahtberieht unserer Berliner Schriftleitung
bin. Berlin, 19. März. Die Sowjetunion hat « sich nach „New York Times“ verbeten, M anglo-amerikanische Flugzeuge auf rumänischen Flugplätzen landen, in Rumänien miele sich eine politische Entwicklung ab, die nicht durch äußere Einflüsse gestört werden solle, denn Rumänien habe die ersten schritte unternommen, zu „sich selbst zu- rückzufinden“. Dieser „Rückweg“ vollziehe sich hinter einem eisernen Vorhang und das Ergebnis werde unweigerlich die Forderung sein, Rumänien als Mitglied des Bundes der Sowjetrepubliken aufzunehmen.
Die Sorgen, mit denen in London die rumänische Entwicklung beobachtet wird, erscheinen nicht unberechtigt, denn die Ergebnisse des Gärungsprozesses in diesem Land dürften als Prüfstein jener alliierten Zusammenarbeit gewertet werden, die in Jalta beschlossen wurde, wobei angeblich alle Risse in dem an sich widernatürlichen Bündnis beseitigt werden sollen. Heute muß man in London und Washington entdecken, daß die Zwiespältigkeiten, die vor allem auf dem Machtstreben des sowjetischen Partners be- fuhen, nicht überwunden sind. Es mußte auf- /jllen, daß Moskau sofort nach den Besprechungen Stalins mit Churchill und Roo- sevelt die bisher geübte Zurückhaltung in Rumänien und Finnland aufgab, um einen Bolschewisierungskurs einzuschlagen, der auf völlige Einbeziehung dieser Länder in Moskaus Machtsphäre hinzielte, obgleich in Jalta eine „gemeinsame Politik“ gegenüber diesen Staaten beschlossen wurde.
In Rumänien hielt zur Zeit der Krim-Konferenz die Regierung Radescu die Macht in Händen. Radescu war antifaschistisch eingestellt, glaubte jedoch, mit Hilfe der Angloamerikaner eine Art „nationale Politik“ durchführen zu können. Um ihn beseitigen zu können, forderte die sowjetische Kontrollkommission in Bukarest Auflösung der von Radescu dirigierten Polizeikräfte und insze- n-'erte daraufhin Protestkundgebungen der radikalisierten Bevölkerung auf den Straßen Radescu sah sich dieser Entwicklung machtlos gegenüber und mußte den Vorwurf hin- nehmen, nicht für „Ordnung“ im Lande sorgen zu können, eine Unterstellung, die von sowjetischer Seite mit dem Hinweis gewürzt Furde, daß dadurch die Etappe der Sowjetarmee bedroht werde. Wischinski wurde nach Bukarest entsandt und stellte öffentlich fest, daß Rumänien bei Beibehaltung des Radescu- Regimes dem Bürgerkrieg entgegengehe. Im j'.eichen Augenblick tauchten in Bukarest äwjetische Panzer zu Demonstrationen auf, and Radescu hielt es für zweckmäßig, in der englischen Botschaft in Bukarest Schutz zu suchen. Nun wurde Dr. Groza Ministerpräsident, der eine völlig in sowjetischem Fahrwasser laufende Politik mit Terror und Bluttribunalen betreiben will.
Die Verhängung der Nachrichtensperre für englisch-amerikanische Korrespondenten in Bukarest, um keine Informationen über die rumänischen Vorgänge nach London und Washington durchgeben zu können, und das Landeverbot für Flugzeuge der Westmächte Rumänien sind bezeichnende Vorgänge. Amerikanischen Piloten wurden von sowjetischen Offizieren alle Photoapparate abge- nommen; die Sowjetbehörden verweigerten den Amerikanern die Ein- und Ausreisegenehmigung. Es bahnt sich hier also eine Lage an, die klarstellt, daß im Gesamtgefüge des Krieges die Dinge absolut im Fluß sind. Die Scheinallianz kann unter diesen Um- itänden nicht als endgültige Größe anerkannt werden; vielmehr zeigen sich Risse Gefüge dieser Allianz, die sich zu Sprüngen erweitern können, wenn es sich erweist, daß die Abwehrkraft eines in sich geschlossenen 90-Millionen-Volkes stärker ist als die »Hein vom Haß gespeiste Zusammenarbeit der alliierten Staaten.
Verräterlohn
Genf, 19. März. Die TASS meldet auf Grund von rumänischen Zeitungsnachrich- m, daß Maniu vom Posten des Vorsitzenden ^r Nationalzaranistischen Partei zurückstreten ist. Die sogenannte „ständige Deletion“ der Nationalzaranistischen Partei j»t daraufhin N. Lupu zum neuen Parteiteer gewählt. Der Verräter Maniu hat die Winke, die ihm aus Moskau gegeben wurden, s hr schnell verstanden. Er hat seine Schuldigkeit getan und erhält jetzt den verdienten "erräterlohn.
Kein Gegenstück zu Breslau
„An Erbitterung und Todesverachtung alles Frühere übertroffen"
Drahtbericht unseres Vertreters hw. Stockholm, 19. März. Neue feindliche Zeugnisse über die deutsche Widerstandskraft bestätigen, was für Verluste den Sowjets bei ihren Angriffen zugefügt werden und mit was für Schwierigkeiten die englisch-amerikanischen Besetzungsbehörden im Westen zu tun haben.
Moskauer Blätter veröffentlichen Berichte über die Kämpfe in Breslau, in denen es heißt: „Gekämpft wird nicht nur um jedes Stockwerk und jeden Raum, sondern buchstäblich um jedes Fenster, wo die Deutschen Maschinengewehre und andere automatische Waffen installiert haben. Man kann überhaupt nicht begreifen, wie sich die Deutschen mit Lebensmitteln, Wasser nnd Munition versorgen. Während des ganzen Krieges hat es kein Gegenstück gegeben zu einem so dramatischen und fanatischen Ringen wie in Breslau, wo die Kämpfe an Erbitterung und Todesverachtung alles Frühere übertreffen.“ Aus Köln melden Londoner Blätter, das größte Problem sei die Widerstandsarbeit der
Hitler-Jugend. Alle in Köln verbliebenen Einwohner haben Fingerabdrücke liefern müssen. Englische Blätter warnen unter Berufung auf jüdische „Sachverständige“ aus Mitteleuropa vor jeder „Romantisierung“ des deutschen Arbeiters, der als getreuer Patriot und überzeugter Anhänger Adolf Hitlers geschildert wird. Die schwedische Zeitung „Expressen“ veröffentlicht eine Reportage aus Paris, wonach viele französische Frauen ein erbarmungsloses Vorgehen gegen deutsche Frauen fordern. Jede „Umschulung“ der deutschen Jugend sei unmöglich, und die Zerstückelung Deutschlands werde eifrig empfohlen.
Tieiflleger-Vernichiungsabzeichen
Berlin, 19. März. Der Führer hat die Einführung eines Tieffliegervemichtungsab- zeichens für den Abschuß von Flugzeugen durch Handwaffen oder kleinkalibrige Maschinenwaffen angeordnet. Einleitend betont die Verordnung, daß der Abschuß feindlicher Tiefflieger mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln von besonderer Wichtigkeit ist.
Der Chef des OKW. wird die Ausführungsbestimmungen erlassen.
Remagener Brücke zerstört
Stockholm, 19. März Wie Reuter meldet, ist die feste Brücke über den Rhein bei Remagen am Sonnabend um 15 Uhr zusammengestürzt und in den Flnß gefallen.
Reuter fügt hinzu: Die Brücke stellte die Hauptverbindung zwischen der 1. USA-Armee auf dem Westufer des Rheins und dem Brückenkopf auf dem Ostufer dar. Frontberichte der letzten Tage deuteten jedoch an, das eine Pontonbrücke neben der festen Brücke in Benutzung ist. Diese Pontonbrücke wird weiterhin als Verbindung der beiden Kräftegruppen benutzt. Ein amerikanischer Offizier berichtete, der Einsturz sei auf eine „allgemeine Schwächung der Konstruktion“ infolge der Beschießung mit Granaten und Bombardierung aus der Luft zurückzuführen. Während des Einsturzes arbeiteten 200 amerikanische Pioniere am mittleren Bogen der Brücke, von denen die Mehrzahl vermißt wird, während einige aus dem Wasser geborgen werden konnten.
Zwei Frühjahrsoffensiven 111111 entscheidungsvolle Kriegsphase
Von unserem militärischen v. W. -Mitarbeiter :
Zu der seit dem 25. Febr. angelaufenen , Feindoffensive im Westen ist seit einigen Tagen nach allmählicher Verstärkung aktive- 1 rer Regungen der Sowjets auch im Osten eine Kampflage entstanden, die den Ausdruck Frühjahrsschlacht durchaus verdient. Die Ziele, die der Feind im Westen verfolgt, lauten auf Übergang über den Rhein bzw. Beseitigung des letzten deutschen Frontraumes links des Rheines. Die Sowjets betreiben mit ihrer in der vergangenen Woche ausgelösten Anstrengung unter Vernachlässigung der Hauptfront an der Oder die Bereinigung ihrer Flügelstellungen. Sie wollen Klarheit sowohl über ihren linken Flügel der auf die Oder ausgerichteten Hauptfront wie auch für ihren an die Ostsee angelehnten rechten Flügel, der hinter sich in den Brückenköpfen von Danzig-Gotenhafen, Erm- land und Königsberg sowie Kurland sehr störende Gefahrenpunkte hat.
Während sich der Feind im Westen viel Zeit ließ, um seinen Frühjährsangriff vorzubereiten, für den das Vorgehen der Kanadier am nördlichen Ende des westlichen Schlachtfeldes mit dem 8. Febr. der Auftakt war, hatten die Sowjets den Kampf zu keiner Stunde zur Ruhe kommen Tassen, doch war in der letzten Zeit ein gewisses Nachlassen der feindlichen Kampfkraft gerade in solchen Abschnitten zu spüren gewesen, wo sich der sowjetische Druck noch kurze Zeit vorher als erheblich erwiesen hatte. Wenn die sowjetische Führung ihre ganze Aufmerksamkeit zunächst auf die Flügel gerichtet hat, so darf doch nicht vergessen werden, daß sie im stillen immer nur an die Oderfront denkt, weil von dort aus der Sprung gegen die Reichshauptstadt getan werden muß und nur auf breiter Front getan werden kann. Die jetzt im Gang befindlichen feindlichen Kämpfe in Oberschlesien und um Stettin, die schweren Schlachten um die west- und ostpreußischen Brückenköpfe sollen dazu die Voraussetzungen und die nötige Rückenfreiheit schaffen.
Im Kem handelt es sich bei den Angriffen um die deutschen Flüsse Rhein und Oder. Der eine wird direkt angegriffen, der andere bestimmt die Haltung des Gegners und sein Handeln. Im Aufmarsch und Zugriff auf die größten Flüsse des deutschen Westens und Ostens drückt sich die militärische Lage des Augenblicks aus. Wir haben es mit einem zweiseitigen Angriff zu tun, der mit erheblicher Übermacht gestartet wird. Es kommt alles darauf an, dien Gegnern den Durchbruch über die beiden Stromsperren in das Herz des Reiches zu verwehren. Niemand darf sagen, es wäre im Blick auf den Ausgang gleichgültig, ob es gelingt, die Gegner im Westen und Osten dort, wo sie im Augenblick angreifen, aufzuhalten und zum Stehen
Vor japanischer Küste versenkt
«P Tokio, 19. März. Die japanische uftwaffe hat am Sonntag in den Gewäs- !r n südlich von Kiuschu ein Schlachtschiff Her umgebauten Flugzeugträger und einen ‘feuzer versenkt, wird in Tokio amtlich %eteilt.
Wie das Kaiserlich japanische Haupt- Gartier dazu bekanntgibt, tauchten feind- che Flotteneinheiten in den Gewässern ^östlich der Insel Kiuschu auf, deren T agerflugzeuge über den südlichen und öst- c hen Teil von Kiuschu, der südlichsten des japanischen Mutterlandes, einigen. Die japanische Luftwaffe stellte die endlichen Flotteneinheiten ünverzüglich Kampf.
h De r Tenno besichtigte am Sonntag die ‘“•wi den Luftangriff vom 10. März betrof- sta dtbezirke der japanischen Haupt- taat. Innenminister Kosaki, der die Mittel* von dieser Besichtigung in den Scha- Sierteln Tokios machte, erklärte, daß 5™- nur die Fliegergeschädigten selbst, i«? l 11 die ganze japanische Nation von “ Anteilnahme des Tenno tief beeindruckt im ' Der Großostasienkrieg gegen die 3 ‘^'amerikanischen Feinde werde jetzt ■L noc h hartnäckiger durchgeführt.
13® das Kaiserliche Hauptquartier be- „^ftgibt, führten über hundert feindliche were Bomber, von ihrem Stützpunkt auf den L.f'anen kommend, Montag morgen einen um ” eist nndigen Bombenangriff auf Wohn- sc däftsviertel von Nagoya aus. Die bflJ? euge warfen hauptsächlich Brand- mben. Vo n den durch den Angriff verur- aien Bränden ist man der meisten be
reits Herr geworden. Vier Flugzeuge wrurden mit Bestimmtheit abgeschossen und etwa 80 schwer beschädigt. — Nach diesem Angriff auf Nagoya griffen Trägerflugzeuge die Umgebung von Kobe und Osaka an.
Heldenkampf auf Iwojima
Tokio, 19. März. Nach einem Monat heldenhafter Kämpfe, in deren Verlauf sich die Verluste des Feindes auf 33 000 Mann beliefen, wird jetzt angenommen, daß die japanischen Einheiten auf der Insel Iwojima am 18. März zum letzten allgemeinen Großangriff gegen die weitaus überlegenen USA- Streitkräfte angetreten sind. Über den Verlauf dieser Kämpfe liegen noch keine Nachrichten vor.
Wahlurne vorzeitig geöffnet
ep. Oslo, 19. März. Was für mysteriöse Einflußnahmen auf die Wahlergebnisse in Finnland genommen werden, beweist folgender Vorfall, der sich am ersten Wahltag im Wahlkreis Hämeenkro zutrug. In dem Wahllokal sprach eine unbekannte Person mit einer angeblichen Vollmacht über die Auszählung der bisher abgegebenen Stimmen vor. Daraufhin öffnete der Wahlvorstand die Wahlurne und ließ in das Wahlergebnis Einsicht nehmen. Ob weitere Manipulationen mit den abgegebenen Stimmen vorgenommen worden sind, ist nicht bekanntgegeben worden. Verschiedene Parteien haben gefordert, daß der Wahlvorstand wegen dieses eigenartigen Vorkommnisses zur Rechenschaft gezogen werde.
zu bringen. Rhein und Oder bilden in diesen Wochen die beiden Lebenslinien der deutschen Verteidigung.
Die Zeiten sind vorüber, wo es möglich war, auf noch engerem Raume zu operieren. Zwischen Oder und Rhein liegen heute Räume mit einer Tiefe von 500 bis 600 km. Schon diese Begrenzung macht klar, daß im Kriege, der alle Begriffe von Zeit und Raum sprengt, eine Basis von der angegebenen Tiefe das mindeste darstellt, was eine Verteidigung verfügbar haben muß, die sich gegen einen doppelten Angriff wehrt, der nicht mehr im Stile der Marschleistungen der Infanterie weiterrollt, sondern sich nach dem Tempo motorisierter Fahrzeuge richtet und gleichzeitig unter den Gesetzen der Luftmacht steht, für die solche Entfernungen überhaupt keine Rolle mehr spielen. Eine Verteidigung, die wie unsere in der festgelegten Lage des mitteleuropäischen Raumes nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu arbeiten, zu produzieren, zu säen und zu ernten hat, steht unter dem Gesetz, unbedingt dort zu halten, wo sich ihre vordersten Linien heute befinden. Rhein- und Oderfront gelten in dieser Kampflage als die unwiderruflichen Widerstandslinien, von deren Halten mehr abhängt als nur die Kontrolle über Rhein oder Oder.
Wir haben es demnach bei beiden Frühjahrsoffensiven mit militärischen Unternehmungen zu tun, die den Krieg ihrem Höhepunkt zutreiben. Wir haben in den letzten Tagen sehr positive Regungen verstärkten deutschen Widerstandes im Osten erlebt. Wir haben aber auch den Gegner im Westen durch ein Gelände vorstoßen sehen, das den Verteidiger mehr begünstigte als den Angreifer. Der folgenreiche Vorgang von Remagen hat seine Sühne gefunden. Damit ist der rechtsrheinische Brückenkopf der Amerikaner aber nicht aus der Welt geschafft, um dessen systematische Ausweitung die 1. USA-Armee hohe Verluste in Kauf nimmt, weil sie annimmt, auf der Autobahn Frankfurt—Köln nach Norden oder Süden einschwenken zu können und so aufzurollen, was sonst nur im Frontalangrif über den deutschen Strom mit großer Schwierigkeit zu erreichen wäre.
Die um Oberschlesien entbrannte Schlacht, die gegen Leobschütz und Neiße anbrandet, wurde durch eingreifende deutsche Reserven vor der Ausweitung aufgefangen. Gegen Stettin und seinen Brückenkopf rannte der Feind mit seinen in den letzten Tagen schwer angeschlagenen Verbänden noch einmal an. Gegen die Brückenköpfe in West- und Ostpreußen unterhalten die Sowjets erheblichen Druck. Vor allem im ostpreußischen Raume stehen die nun seit dem 14. Jan. ununterbrochen am Feind befindlichen Divisionen in eingeengten Stellungsabschnitten mit außerordentlicher Standfestigkeit den Kampf durch, der sie bei der Pausenlosigkeit des Ringens ermüdet haben muß. Die deutschen Soldaten, die sich an den ihnen verbliebenen ostpreußischen Boden krallen, sind die Tatzeugen der alleinigen Haltung, die angesichts des doppelten Sturmiaufs das Gebot der Stunde ist.
Auch der Gegner hat große Schwierigkeiten in dieser Phase seiner Angriffe zu überwinden. Er kennt kein Nachgeben in seinen Forderungen gegenüber seinen Soldaten. Auch sie müssen das letzte hergeben. Dabei wissen sie nicht, was von ihren Schlachten abhängt. Der deutsche Soldat ist sich dessen dagegen voll bewußt. Aus diesem Wissen schöpft er die Kraft, die ihn allein befähigt, der Übermacht dort standzuhalten, wo sich heute die Fronten befinden und die Entscheidungsschlachten sich abzeichnen.
Zwei Frühjahrsoffensiven — jede für sich mit Übermacht geführt — sollen uns zu Boden zwingen und die verrammelten Tore in das Reich aufbrechen. Das muß jetzt verhindert werden. Kein Gebot ist größer, weil von der Erfüllung das Leben der Nation abhängt. Den Termin zur Rheinschlacht mochte der Feind noch bestimmen. Wir müssen ihr Ende diktieren, wenn der Einbruch aus dem Westen verhindert werden soll. An den Flügeln wollen die Sowjets die Grundmauern ihrer Schlacht um die Oder legen. Ihnen das zu verwehren, kämpfen unsere Truppen ohne Unterbrechung, ohne Rücksicht auf sich. Indem sie dem Feinde täglich hohe Tribute ab- verlangen, bauen sie schon am Kräftemaß der kommenden Oderschlacht, deren alleiniger Sinn es ist, den Durchbruch ins Reich ebenso zu verhindern wie am Rhein. Dann wäre in größter Anstrengung der Sinn dieser Kriegsphase als der entscheidenden von unser» 1 Seite erfüllt. Nur solche Bewertung ent
spricht der Bedeutung der beiden Schlachten, wie sie sich in Ost und West zur Stunde um Rhein und Oder bewegen.
Eisenhowers Pläne
Drabtbericht unserer Berliner Schriftleitung
g. Berlin, 19. März. Bei den feindlichen Angriffen im Westen sind auf dem linksrheinischen Ufer drei Aktionsräume öder Angriffsrichtungen festzustellen: der amerikanische Panzervorstoß, der von der Mosel aus an die Nahe ging, ein anderer amerikanischer Angriff, der von der Ruwer aus nach Osten ebenfalls auf das Gebiet der Nahe zielt und schließlich der Norden des Pfälzer Gebietes, wo, in Verbindung mit Angriffen zwischen Saarbrücken und Saargemünd, in Richtung Zweibrücken die Amerikaner auf das Bunkersystem des Westwalles stießen. Ganz offenbar verfolgt Eisenhower mit diesen ganzen Operationen wieder einmal seine Lieblingsidee einer Zangenbewegung gegen die auf dem linksrheinischen Ufer stehenden deutschen Formationen.
Die Westfront hat im übrigen an den zwei anderen wichtigen Punkten, dem feindlichen Brückenkopf von Remagen und dem niederrheinischen Raum, den Charakter feindlicher Vorbereitungen. Das gilt für Remagen, wo durch den Zusammenbruch der Eisenbahnbrücke die amerikanische Tätigkeit zweifellos stark behindert wird und wo auch die feindlichen Pionierbrücken selbstverständlich unter starker deutscher artilleristischer Gegenwirkung liegen. Das gilt in ähnlichem Maße für die niederrheinische Front, wo nach wie vor die Anhäufung feindlichen Materials für übersetzzwecke fortgeht und wo der Geg. ner auch gewisse Aufklärungsversuche über den Rhein hinweg vergeblich zu unternehmen sucht.
Wir kapitulierten nicht
Von General v. Lettow-Vorbeck
Aus Anlaß des heutigen 75. Geburtstages unseres bremischen Mit* bürgers Generals v. Lettow-Vorbeck bringen wir die folgende Schilderung aus seiner Feder, die besonders aktuell ist, weil sie zeigt, was zäher Verteidigungs- und Selbstbehauptungswille auch gegen eine vielfach« Übermacht vermag.
Ende 1917 wurde die Lage meiner Trupp« in Ostafrika nach und nach geradezu verzweifelt. Der Grund hierfür lag in der katastrophal fortschreitenden Erschöpfung unseres Materials. Wir hatten keinerlei Nachschub, waren also gezwungen, uns die Verpflegung selbst im Lande zu beschaffen. Hatten wir eine Zeitlang in einer Gegend operiert, so waren die Verpflegungsvorräte erschöpft, wir mußten weiter, schon aus Hunger. Das schlimmste war die Frage der Bewaffnung. Die ganze mühsam aufgebaute Artillerie war bis auf eine Feldkanone mit 40 Schuß zusammengeschrumpft. Noch übler sah es mit der Gewehrmunition aus. Kux«, es wurden Gefechtsverhältnisse, wo man sich sagen mußte, auf die Dauer kann es so nicht weitergehen. Von allen Seiten rückten uns die englischen Kolonnen näher und näher auf den Leib, und am 15. November 1917 schloß sich der Ring um uns eng und nahezu völlig, das Ende schien unvermeidlich, und im britischen Hauptquartier packten die Offiziere schon ihre Koffer und brachten ihre Photographenapparate in Ordnung, um ja nicht zu spät zu kommen bei der Waffenstreckung der Deutschen. Die Lage war verzweifelt, und viele der Besten haben damals das Rennen auf gegeben. Je mehr man sich den Kopf zergrübelte, immer wieder kam man auf de» gleichen Gedanken: nur wenn wir die Zahl der Soldaten ganz erheblich verringern, bietet sich die Aussicht, den verbleibenden Rest einigermaßen ausstatten zu können und so eine bescheidene Lebensfähigkeit und Schlagkraft der Truppe zu erhalten. Es mußte verlangt werden, daß jede Kompanie aus dem Bestände ihrer weißen und schwarzen Soldaten diejenigen aussiebte, ■ die noch am meisten Aussicht hatten, sicher bevorstehende Strapazen zu ertragen. An dies« wenigen war alles abzugeben, was noch vorhanden war an Munition, an Arznei und an Verpflegung. Der Rest der Mannschaft mußt« Zurückbleiben, in des Feindes Hand fallen und damit der deutschen Kriegführung für immer verlorengehen.
In der Nacht des vierten Gefechtstages bin ich mit dem kleinen ausgesiebten Rest von nur 300 weißen Soldaten und 1700 Askaris durch eine Lücke der feindlichen Einschließung hindurchmarschiert, um dann an der Wasserstelle Kitangari des Makondehoch- landes die Organisation der Truppe für die weitere Kriegführung durchzuführen. 3009 weiße und 11 000 scharze Soldaten waren wir 1915/16 gewesen. Die Truppe war also jetzt auf ein Siebentel zusammengeschmolzen. Wir besaßen kein Magazin, kein Lazarett, keine Kolonne, nur das wenige, was die Truppe selbst mittrug, und auch das langte nur für wenige Tage. Es war die Frage, ob es unter solchen Umständen ohne jede eigene ma-
Heikle Probleme für die Churchill-Regierung
Drahtbericht unserer Berliner Schriftleltung
g. Berlin, 19. März. Zwei Probleme beschäftigen im Augenblick die englische Öffentlichkeit und Presse: Die kommenden Wahlen und die kommenden Lebensmittelkürzungen. Beide Fragen sind für die Churchill- Regierung sehr heikel, zumal der Premierminister bereits beginnt, für die Zusammensetzung einer neuen Nachkriegsregierung vorzuarbeiten. Er betonte bei seiner Rede auf der konservativen Parteikonferenz die Notwendigkeit, wieder eine Koalitionsregierung zu bilden, wie sie auch heute besteht, „denn eine Auflösung der Koalition würde der Regierung solche Männer entziehen, wie den sanften Attlee, den stellvertretenden Premierminister, den Arbeitsminister Bevinund den Innenminister Morrison — alles Arbei- terparteiler“, schreiben die „New York Times" kommentierend. Aber Churchill baut noch anders vor: er lobt in auffälliger Weise seinen Außenminister Eden „wegen seiner Klugheit, seines Mutes, Taktes, seiner Ausdauer und Treue, wegen seiner Anständigkeit und seines Charakters.“ Gegen Ende seiner Ausführungen ließ Churchill seine Stimme zum Fortissimo anschwellen und sagte, daß Eden nicht nur den großen Außenministern der Vergangenheit gleichkäme, sondern sie sogar noch übertreffe — so berichten die Korrespondenten über die Rede Churchills. Sie läßt keinen Zweifel darüber bestehen, daß er mit seinen Worten die Nachfolge Edens auf dem Thron der Torries angekjindigt hatte. Churchill versucht also seinen Nachfolger als Führer der Konservativen in den Sattel zu helfen. Vielleicht sieht er darin für sich selbst eine Chance, weiter, wenn auch hinter den Kulissen, die führende Rolle in der Konservativen Partei zu spielen?
Das zweite Diskussionsthema, die Lebensmittelkürzungen, hängt unmittelbar mit dem Thema „Pacht- und Leihlieferungen“ zusammen, das schon geraume Zeit ein Streitpunkt zwischen den angelsächsischen Verbündeten bildet. Hier geht es um die Frage: Herabsetzung der Lebensmittelrationen in USA und damit Beibehaltung der Pacht- und Leihlieferungen und der englischen Rationen oder Herabsetzung der Rationen in England I und Herabsetzung der Pacht- und Leih- : lieferungen? Das englische Argument: „Wir haben jahrelang unseren Gürtel enger geschnallt, und wenn die Amerikaner jetzt Schlange stehen müssen, so brauchen sie weniger zu befürchten, daß diese Schlange jeden Augenblick durch eine V-Waffe ver
nichtet wird.“ Das amerikanische: Die Versorgung der USA-Zivilbevölkerung kann nicht herabgesetzt werden, ohne „die Moral zu gefährden“. Das Ergebnis der Diskussion scheint in der Feststellung der „Evening News“ zu liegen: „Unsere Lebensmittelvorräte sind so klein geworden, daß es für die Hungernden in Europa kaum etwas bedeuten würde, wenn wir alles zum Kontinent senden und selbst fast verhungern.“ Eine amtliche englische Stelle weiß zu diesem Problem nichts weiter zu sagen, als einen Zukunftsplan zu veröffentlichen. Die Möglichkeit der Schaffung eines europäischen Wirtschaftsblocks, wie eine englische Wirtschaftsstelle feststellt, wird aber für das englische Volk kaum ein Trost sein, ähnlich wie jene Ausführungen: „Der Umfang der Industrieanlagen Englands kann nicht mit dem Umfang der USA-Industrieanlagen verglichen werden. Wenn sie jedoch mit der Industrie Frankreichs und Belgiens ein Bündnis schließen würden, so würde ein derartiger Block eine gewaltige Machtkonzentration darstellen.“ Zukunftsaussichten und Pläne, deren Verwirklichung in weiter Ferne liegt, denn zwischen dem Gedanken und seiner Ausführung steht der Verbündete der Anglo-Amerikaner: Sowjetrußland, jenes Sowjetrußland, dessen Militärkommandostellen das Jalta- Abkommen vollkommen ignorieren und die Tätigkeit von USA-Journalisten und USA- Militärs in Rumänien und Bulgarien sabotieren, wie USA-Zeitungen erregt unter Anführung von Beispielen heute feststellen. Jenes Sowjetrußland, dem der USA-Außen- minister unzweideutig erklärte, daß die USA mit dem Wechsel der rumänischen Regierung nicht zufrieden seien und das neue Kabinett nicht als demokratisch. ansehen. Englische Regierungspläne und englisch« Wirtschaftspläne sind angesichts dieser rigorosen sowjetische^ Politik recht illusorisch, und es bleibt nur die beschwörende Mah- nimg eines USA-Senators, die klare Erkenntnisse ausspricht: „Die modernen Kriege
warten nicht, während die Staatsmänner sich mit utopischen Theqrien für die Zukunft befassen. Wir müssen handeln, und zwar schnell, um zu verhindern, daß Krieg« entstehen. Die Welt bedarf heute einer geistigen Führung aufgeklärter Männer, di« sich über den Klassenstreit erheben und die der Menschheit iazu verhelfen, Sicherheit zu erlangen. Wenn jede Nation auf Handlungsfreiheit nach den juristischen Begriffen der Souveränität besteht, dann wird eine internationale Anarchie unvermeidlich sein.“