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^Bremer
Parleiamtliche Tageszeitung der Nationalsozialisten Bremens
Das Amtsblatt des
Amtliches Verkünd ungeblaä des Heichsslattbaltera
Nummer 65 15. Jahrgang
SonnabendiSonniag, 17./18. März 1945
Einzelpreis 15 Rpf.
Ende der Jalta-Illusion
Gewaltherrschaft der Großmächte ■■ Machtloserklärung der kleinen Staaten
Drahtbericht unserer Berliner, Schrlftleltung bm. Berlin, 16. März. Das britische Unterhaus erlebte jetzt eine Demaskierung der wahren Grundlagen der Jalta-Politik, die nicht ohne Rückwirkung auf die politische Situation der kleinen Mächte innerhalb des alliierten Verbandes bleiben * kann. Der Labour-Abgeordnete Rays Davis forderte den britischen Premier auf, Antwort darüber zu geben, ob während der KonferenzeiTin Dum- barton Oaks und Jalta der Vorschlag angenommen worden sei, daß in einer künftigen Welt, wie sie die Alliierten im Falle des Erlahmens der deutschen Äbwehrkraft zu formen planen, gegen eine' kleine Nation eingeschritten werden könnte, falls sie sich einer Aggression schuldig mache, gegen eine der größeren Mächte dagegen nichts geschehe, wenn sie eine gleiche Art von Aggression unternehmen. Churchill mußte antworten: „Ich bedaure zugeben zu müssen, daß in den Worten des Abgeordneten Dävis ein hoher Grad von Wahrheit liegt. Wir werden bedauern — und wir hatten es auch — daß ein Unterschied zwischen Großen und Kleinen und zwischen Starken und Schwachen in der Welt besteht. Aber unzweifelhaft ist ein solcher Unterschied vorhanden,. Es
wäre Wahnsinn, nach etwas zu streben, was im Augenblick ein hoffnungsloses .Ideal ist.“ In politischen Kreisen der britischen Hauptstadt wird dieses . erzwungene .Eingeständnis Churchills als außerordentlich peinlich empfunden, da die Machtloserklärung der Jcleinen Staaten durch die Gewaltherrschaft der Alliierten noch vor der Konferenz von San Franzisko geeignet ist, das bedeutende Maß von Schwierigkeiten, denen die Alliierten in den von ihnen besetzten Ländern gegenüberstehen, noch weiter zu erhöhen Die alliierten Großmächte vermochten sich cjie Gefolgschaft der kleinen Staaten nur dadurch zu sichern, daß sie als künftige Weltordnung eine Gleichberechtigung aller Staaten, proklamiert hatten, die sie mit dem so oft mißbrauchten Kennwort „Demokratie“ bezeichneten. Unter diesem Vorzeichen gab die Agitation der Besetzung Frankreichs, Belgiens und Ho’lands wie auch der, Invasion Griechenlands und Italiens das schmückende Beiwort „Befreiung“. Mochte in mühsamer Phrasenkonstruktion die nach der „Befreiung“ angebotene Notlage in den besetzten Ländern noch als vorübergehend bezeichnet und durch militärische Notwendigkeiten erklärt werden, so wurde nunmehr durch die
Geheimnis der deutschen Widerstandskraft
ep. Madrid, 16. März. In der Zeitung „Diario di Barcelona“ untersucht ein spanischer Ausländskorrespondent „das Geheimnis der deutschen Widerstandskraft“ und betont vor allem, daß jene schlechte Beobachter seien, die sie als Mut der Verzweiflung betrachten. Die erstaunlichen Leistungen Deutschlands seien in folgenden Tatsachen begründet:
1. In der Kraft und dem Erfolg der nationalsozialistischen ■ Weltanschauung,
2. in der Erkenntnis aus dem ersten Weltkrieg, daß die Heimatfront der Westmächte, zusammengebrochen wäre, wenn die deutsche Heimat noch ein paar Wochen ausgehalten hätte,
3. in dem entscheidenden Einfluß der heldenmütig und opferbereit aufgewachsenen nationalsozialistischen Jugend,
4. in dem absoluten Vertrauen auf das gute
Recht der eigenen Sache und die schicksäls- volle Mission des Führers,
5. in dem Stolz auf die überlegenen Leistungen des deutschen Volkes • in der Philosophie, Kunst, Wissenschaft und Organisation — Leistungen, die andere Völker in den Schatten stellen,'
6. in dem felsenfesten Vertrauen auf den deutschen Erfindergeist,
7. in der Überzeugung, daß die anglo-ame- rikanischen Völker den Bolschewismus im Grunde ebenfalls ablehnen und schließlich
8. in dem felsenfesten Glauben, daß bald die Stunde kommt, in der Deutschland seinen Gegnern ein kriegsentscheidendes Stalingrad bereiten wird.
Hier wird in wenigen markanten Sätzen tatsächlich das „Geheimnis“ der unerschütterlichen Zuversicht des deutschen Volkes, das fest auf seine Kraft vertraut, enthüllt.
erzwungene Churchill-Enthüllung im Unterhaus den von anglo-amerikanischen' Truppen, besetzten Ländern und den Mitläufern der Alliierten, ‘ die sich durch eilige Kriegserklärung an Deutschland einen Platz an den Konferenztischen von San Franzisko sichern wollten, in brutaler Wahrheit ins Gesicht geschleudert, daß sie durch die alliierten Großmächte politisch völlig entmachtet werden.
Den dramatischen Akzent erhalten die Enthüllungen Churchills für die kleinen Staaten Europas durch die Überlegung, daß ja auch nicht von einer Gleichberechtigung innerhalb des Verbandes der Hauptalliierten gesprochen, werden kann. Im Verhältnis zwischen der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten und Großbritannien treten die-Abstufungen des Machtanspruchs immer deutlicher in Erscheinung. Das aktuelle Beispiel, der Vorgänge in Bukarest, Sofia und Helsinki muß auch in Paris und Brüssel Beachtung finden, wie auch die neutralen Staaten Europas hier Ansatzpunkte einer Entwicklung entdecken, die für sie äußerst beunruhigend sein muß. „Svenska Dagbladet“ meldet heute aus New York, in verantwortlichen nordamerikanischen Kreisen stelle man besorgt fest, daß die Chefs der alliierten Kontrollkommission in Bukarest, Sofia und Helsinki Generale der Sowjetarmee seien. Sie bestimmten die Lage, da sie eine Autorität erhalten hätten, die einer unbegrenzten Macht nahe sei. Dagegen seien die britischnordamerikanischen Vertreter in den, Kontrollkommissionen nicht mehr als nur Statisten, die dann und wann ja zu sagen hätten.
Die Macht der alliierten Großmächte bedeutet also praktisch die. Macht der Sowjetunion. Eine Erscheinung, die auch in amerikanischen. Wirtschaftskreisen mit stärkstem Mißbehagen beobachtet wird; wobei man vor allem in London besorgt ist, daß diese Entwicklung zu einem Desinteresse der USA in Europa überhaupt führen könne, Roosevelt aber ein neues Wilson-Schicksal befürchten müsse. In diesem Falle würde England völlig allein den sowjetischen Machtstaaten in Europa gegenüberstehen und einer Entwicklung Zusehen müssen, die durch keinerlei Einflußnahme Londons gestört werden könnte.
Brennpunkte im Osten: Rniiboi, Stettin, West- und Ostpreuflen
Eigener Drahtbericht
rd. Berlin, 16. März. Die sowjetischen Angriffe gegen die deutsche Abwehrlinie steigern sich, so daß der Eindruck entsteht, daß die Bolschewisten ihre beabsichtigten größeren Operationen demnächst anlaufen lassen wollen, Vorläufig wird noch an den beiden Flü- :eln des feindlichen Einbruchsraumes angegriffen, und zwar neuerdings auch wieder in Schlesien. Bei dem Versuch, an der mittleren Oderfront die Brückenköpfe auszuweiten, wurden den Angreifern so schwere Verluste zugefügt, daß sie offenbar die Lehre daraus gezogen haben, daß ihre ungünstige Frontstellung die Angriffskräfte verzettelt' und Infolgedessen andere Ausgangspositionen gewonnen werden müssen. Die deutschen örtlichen Erfolge bei Laub&n und bei StriCgau lögen die bolschewistischen Überlegungen 3 dieser Hinsicht noch gefördert- haben. «Wenfalls sind die neuen Angriffe sowohl im Baum von Ratibor als auch bei Stettin und tu West- uhd Ostpreußen,- angesetzt worden. Inzwischen ist jedoch durch die Improvision der deutschen Abwehr und das heldenmütige Aushalten vieler vom Feind umgangener Stellungen so viej Zeit gewonnen worden, daß an allen Brennpunkten spürbare Verhärtungen der deutschen Abwehr plapipäßig aufgebaut werden konnten: An ihr zerschellten alle
Feindangriffe, und man k«nn sich sogar des Gefühls nicht erwehren, daß die deutsche Frontverstärkung zwangsläufig auf eine Veränderung der Lage an allen Brennpunkten hinführen muß.
Wenn wir bisher um Zeitgewinn kämpften, damit wir in der Lage waren, an einer bestimmten Linie den Feind mit Sicherheit auf- whalten, dann können wir jetzt, da dieser Zustand erreicht ist, darauf hoffen, daß wir unsererseits an verschiedenen Stellen der Ostfront zur Offensive übergehen werden. Da *uch der Feind sich mit neuen Offensivpla- nen trägt, wie aüs seinen Vorbereitungen eindeutig hervorgeht, reift die Lage einer milita- r hchen Entscheidung entgegen. Als eine günstige Voraussetzung hierfür kann auf unserer Seite die hohe Ziffer der feindlichen Menschen- und Materialverluste verbucht werden, bereits vor einigen WochtAi meldete das Oberkommando der Wehrmacht den 8000. Panzer- uhschuß im Osten. Seitdem ist kaum ein Tag begangen, an dem weniger als 100 Feindpan- !er vernichtet worden sind. Am Donnerstag stieg diese Zahl sogar auf 272 vernichtete Feindpanzer, was bei den verhältnismäßig Weit nach Westen vorgeschobenen feindlichen “SS'en und den damit erschwerten Nach- semibhedingung-en einer gewonnenen Schlacht Skichkommt. In die kommende Anseinander- Setzung gehen wir somit nicht nur mit einer ““'seren MoraJ und einem Waren Se'bsthe- hauntungswillen hinein, sondern auch mit ^utär’s-hen Machtmitteln, die unsere Trup- mit Zuversicht erfüllen müssen.
Die Westfront hat sich in ihrem nördlichen Teil, der von Koblenz bis zur holländischen Grenze am Rhein entlang läuft, nicht verändert. Die Brückenkopfkämpfe bei Remagen waren sehr hart, weil die Amerikaner hoffen, aus diesem Brückenkopf heraus den Ansatzpunkt zu ihrer beachtlichen Offensive finden zu können, doch wurden die Angriffe im wesentlichen abgewehrt. Nur bei Honnef gelang dem Feind eine noch nicht ins Gewicht fallende Erweiterung. An der lothringischen, Saar- und Moselfront dauern die heftigen Feindangriffe an, ' doch müssen die Anglo- Amerikaner jeden Schritt nach Osten mit schwersten Verlusten erkaufen.
Hervorragende Einzellaten
Ursprünglich wollte der 16 Jahre alte Gerhard Maschinski aus Königsberg zur Kriegsmarine. Als aber seine Heimatstadt bedroht wurde, meldete er sich sofort freiwillig zur Infanterie. Bei der Freikämpfung der Verbindung zwischen Pillau und Königsberg gerieten die ostpreußischen Füsiliere, zu denen auch Maschinski gehört, ins Feuer eines schweren sowjetischen Flakgeschützes, das ihren Angriff aufhielt. Auch der junge Füsilier, der hier zum erstenmal mitstürmte, erkannte das. Als einer seiner Kameraden, der einen Panzerschreck trug, ausfiel, kam ihm der Gedanke, damit die Panzerabwehrkanone auszuschalten. Schnell arbeitete er sich mit dem Panzerschreck am Bahndamm bis 40 m an die Kanone hergn. Dann 1 richtete er den Panzerschreck ein, und, obwohl er an dieser
Waffe nicht ausgebildet w^r, traf er. Das Pakgeschütz war vernichtet.’
An der Dievenow zwischen Wohin und Cammin hielten an Land ausgesetzte Männer der Kriegsmarine die Bolschewisten in erbitterten Nahkämpfen auf. Sie vernichteten in zwei Tagen 4u Panzer, davon 31 durch Panzerfaust. Ein Marineregiment erledigte dabei im Nahkampf von 30 angreifenden sowjetischen Kampfwagen 21. In kühnen Gegenstößen-, warfen sie sich immer von neuem den Bolschewisten entgegen, hielten ihre Stellungen in dem fast deckungslosen Gelände und ermöglichten dadurch die Festigung der Abwehrfront auf dem Ostufer der Dievenow.
Daß auch die schwierigste Lage durch Kaltblütigkeit und entschlossenes Handeln zu meistern ist, bewiesen dieser Tage die an der Oderfront nördlich Frankfurt als vorgeschobene Beobachter einer W -Werfergruppe eingesetzten Unterscharführer Kluch aus Chemnitz und Wimerle aus Essen. Obwohl die Bolschewisten sich mit erheblichen Kräften bereits im Rücken der Beobachtungsstelle befanden und eine weitere Feuerleitung gefährdeten, hielten die bei den vorgeschobenen Bobachter unbekümmert um den heftigen Beschuß aus und lenkten das Feuer ihrer; Werfer in. die Masse der Angreifer. Bereits nach wenigen Minuten war der sowjetische Stoßkeil im Raum der Beobachtungsstelle zerschlagen. Die Verluste der Sowjets waren so empfindlich, daß sie ihre Angriffe abbrachen und sich mit dem verbliebenen Rest zurückziehen mußten.
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H-Kriegsberichter Klerk HH. Panzerfaust schießt Sherman-Panzer ab
Zwangslage und Zeitnot der anderen
Von Dr. Adolf Wolfard
„England befindet sich in der Zwangslage, daß es den Krieg spätestens bis zum Sommer gewonnen haben muß“. Diese Feststellung der „Daily Mail“ beleuchtet schlaglichtartig die Schwierigkeiten der anderen. Gewiß, die Zeitung, die dies schreibt, gehört zur sogenannten „populär Preß“, den für die breite Masse geschriebenen Zeitungen, deren Worte man nicht unbedingt auf die Goldwaage legen kann und die oft der Sensation Zugeständnisse machen oder gar von ihr leben. Aber die „Daily Mail“ nimmt doch im Londoner Blätterwald poch eine, besondere Stellung ein; uiid wenn sie angesichts ihrer betont nationalen und konservativen Grundeinstellung in ihren fast 2 Millionen Exemplaren das nüchterne Eingeständnis verbreitet, daß England innerhalb der nächsten 6 Monate den Krieg erfolgreich beenden muß, weil es sonst selbst am Ende ist, dann hat das eine ganz bestimmte und wohlüberlegte Bedeutung. Denn „Daily Mail“ spricht nur d a s aus, was jeder Engländer selbst weiß. Das Blatt, das britische Weltreichspolitik ganz besonders auf sein Panier geschrieben hat, ist ja völlig unverdächtig, seine Leserschaft etwa ih subversiver Tendenz defaitistisch beeinflussen zu wollen. Die Mahnung und Warnung in. ihren Spälten, ja, der Notruf, ist vielmehr an die Verbündeten Großbritanniens gerichtet: Bis zum Sommer noch einmal alles einzusetzen, weil sonst die Gefahr besteht, daß England selbst als militärischer Faktor ausfällt.
England hat diesen Krieg, ganz gleich, wie er auch ausgehen würde, im Grunde genommen schon verloren. Es kämpft nur noch darum, aus ihm ohne allzu entscheidende Verluste wieder herauszukommen. 6 Jahre Krieg haben eine radikale Wandlung herbeigeführt, das ursprüngliche englische- Kriegsziel. das gefährlich erscheinende nationalsozialistische Deutschland niederzuringen, hat völlig sein Gewicht verloren vor den’im Verlauf des Krieges neu aufgetauchten Gefahren, die von den eigenen Bundesgenossen ausgehen, den beiden; „Giganten“ wie sie Smuts genannt hat, den USA und der Sowjetunion. Für das Mutterland des britischen Empire und seine wohlverstandenen Interessen hat dieser Krieg schon längst seinen Sinn verloren, von seiner Weiterführung hat England nichts mehr zu gewinnen: Daß ein Mann wie Churchill diese Folgerung nicht ziehen kann, liegt klar auf der Hand, aber die kühlen Köpfe in der City rechnen sich schon lange nichts mehr aus diesem Kriege für England heraus, weder für sich selbst, die „upper teil", die den Besitz Englands in Händen halten, noch für die Masse, die von diesen Oberen Zehntausend Arbeit und Brot verlangen, die nach sozialer Sicherheit schreien und unter den ideologischen
Ausmaß der Knechtung Italiens wurde jetzt bekanntgegeben
Eigener Drahtbericht
rd. Bern, 16. März. Eine offiziöse amerikanische Nachrichtenagentur gibt die 'Enthüllungen des Herausgebers der USA-Zeit- schrift ,international Law Review“ über die bisher ängstlich geheimgehaltenen Waffenstillstandsbedingungen für das damalige Ba- doglio- und heutige Bonomi-Italien wieder. Nach ihnen ist vorgesehen völlige Entwaffnung Italiens, Bezahlung der den Alliierten entstandenen Besatzungskosten und Verschickung von zwei Millionen italienischer Arbeiter in die änderten Länder, das heißt im wesentlichen wohl nach der Sowjetunion, da sich die Engländer bereits mit den Schwierigkeiten der Eingliederung entlassener Soldaten in die Zivfiberufe herumschlagen. Von seinem Kolonial- und sonstigen Besitz soll nach vorläufigen Bestimmungen Italien die Inseln Pantelleria und Lampedusa an England, die Insel Elba und einen Streifen des piemontesi- schen Grenzgebietes an Frankreich, Istrien an Jugoslawien und alle Inseln des ägäischen Meeres an Griechenland abtreten. In Wirklichkeit haben sich die Briten zumindest über
den afrikanischen Besitz Italiens festgelegt. Es heißt dort lediglich, Italien habe sich bezüglich Lybiens, Eritreas und Italienisch-So- malilandes gänzlich den Bestimmungen einer künftigen Friedenskonferenz zu unterwerfen, also die Wegnahme des Kolonialbesitzes anzuerkennen. Darüber hinaus muß Italien die Unabhängigkeit Abessiniens anerkennen und, was vielleicht am demütigendsten ist, Frankreich und England Freihäfen in den verbleibenden Restteilen der italienischen Halbinsel zur Verfügung stellen.
Um diesen Preis haben vor bald 2 rwei Jahren die italienischen Nachfolgeregierungen des Faschismus und des Königshauses sich einen Waffenstillstand erkauft, der, wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, alles andere darstellt, als eine wirkliche Herauslösung eines Landes aus dem Kriegsgeschehen.
Im östlichen Mittelmeer wird gerade in diesen Tagen eine Aktion gestartet, die einen Teil der Erfüllung jener Waffenstillstandsbedingungen beschleunigt anstrebt. Laut Sender London fanden auf dem Dodekanes Kundgebungen statt, In denen eine Vereini
gung der Inseln mit däm griechischen Mutterland verlangt wurde. An die griechische Regierung wurden Telegramme mit der Bitte geschickt, Vertreter zu entsenden, die die Verwaltung der Inseln ^ übernehmen sollen. Wahrscheinlich werden* gegen diese Bitten von den Briten noch einige Bedenken geltend gemacht. Ganz sicher ist man in London nämlich noch nicht, ob es gelingen wird, die griechische Regierung ganz im Fahrwasser der britischen Wünsche zu halten. Deshalb wird sich London das endgültige Bestimmungsrecht über dieses Gebiet bis zum Vorllegen völlig gesicherter britischer Vorherrschaft noch Vorbehalten, um im Falle einer anderen nicht ganz von der Hand zu weisenden Entwicklung 'das Inselgebiet seinem direkten Einfluß zu unterstellen.
Alle Amerikaner zwischen 18 und 20 Jahren werden in den nächsten drei Wochen zum Wehrdienst herangezogen, um die hohen Verluste der USA-Armee in Europa und im Pazifik auszugleichen. Die Lücken in der USA- Flctt j werden durch Männer von 21 bis 38 Jahren aufgefüllt.
Einflüssen der sowjetischen Bundesgenossenschaft mit bolschwestisehen Wirtschaftsprinzipien zu liebäugeln beginnen.
Mit anderen Worten: England ist kriegsmüde! Oben und unten. Die Oberschicht hat einen sehr großen Teil ihres einstigen Besitzes und ihrer Anlagen in aller Welt verloren, und die breite Masse hat die Blutopfer für ein fragwürdiges Ziel gebracht, ist auf einen minimalen Ernährungs- und Lebensstandard herabgedrückt und sieht sich bei Kriegsende wirtschaftlich vor dem Nichts stehen. England hieß einmal der „Fuhrmann der Welt“, Und jetzt? Die britische Handelsflotte ist in des Wortes wahrster-Bedeutung dezimiert, denn England trug hauptsächlich die Verluste des Ubootkrieges, die Vereinigten Staaten benutzten dessen Auswirkungen zum Aufbau einer gewaltigen eigenen Handelsflotte. Und wieder treffen die neuen, verbesserten Uboote in erster Linie Englands Schiffsverkehr. Das Empire ist in voller Auflösung begriffen, die Dominions wenden sich vom Mutterland ab und suchen stärkere Anlehnung, die kolonialen Besitzungen werden von .den Amerikanern in Gestalt militärischer Stützpunkte als wirtschaftliche Interessenbereiche begehrt, und gerade jetzt verlangt Roosevelt eine Neuverteilung der vom ersten Weltkrieg her stammenden ehemaligen Völkerbundsmandate! Der englische Handelsminister, der soeben von längeren Besprechungen in d§n USA zurückkehrte, mußte zu Hause berichten: Drüben glaubt man nicht, daß England nach dem Kriege eine Industriemacht ersten Ranges bleiben könne. England Ist „second dass matter“ geworden, zweitklassig, mit all der von diesem Begriff für die angelsächsische Mentalität umschlossenen verachtungswürdigen Nichtigkeit. -
Aber was haben wir davon, werde ich gefragt, wir Deutschen? ! Kann es uns nicht ganz gleichgültig sein, ob Engländer oder Amerikaner auf den Bermudas, auf Jamaika, auf den pazifischen Inseln, auf Island, in Nord- und Westafrika, und im „Mittleren Osten“ sitzen oder tonanebend sind? Haben w i r einen Vorteil aus dem Niedergang Englands? Wer so fragt, vergißt völlig, daß, abgesehen vom bolschewistischen Rußland, England unser eigentlicher und hauptsächlicher Gegner in Europa war und ist. Die Machtverteilung und -Verschiebung zwischen den beiden angelsächsischen Mächten kann uns herzlich gleichgültig bleiben, aber nicht, -ob England an diesem Krieg zerbricht, denn für ein zusammengebrochenes Britannien werden auch die Amerikaner den Krieg in Europa nicht weiterführen können und wollen. Schon jetzt besteht im Kongreß eine starke Mehrheit, die ständig Kritik ah den Ausmaßen der amerikanischen Waffenhilfe für England in Europa übt und darauf hinweist, daß die eigentlichen Interessen der USA im Pazifik und in Ostasien liegen. In Washington weiß man nur zu genau, daß man in Europa nichts zu gewinnen hat. Die amerikahischen Soldaten setzen sich ja auch in Europa keineswegs kämpferisch voll ein, weil ihnen die Dinge, um die es hier geht, vollkommen fern liegen. Aus allen Frontberichten geht hervor, daß sie von dem Schicksalskampf um unseren Erdteil nicht das mindeste verspüren und im wesentlichen nur rein mechanisch ihr Material einsetzen und ihre Übermacht wirken lassen.
Der Kampf im Westen erhält dadurch ein ganz besonderes Gesicht. Unter den sieben Armeen, die uns dort gegenüberstehen, ist nur eine einzige rein englische, nämlich die 2. britische Armee unter Dempsey, die in den Kämpfen dieses Jahres bisher noch kaum in Erscheinung getreten ist. Allerdings haben englische Formationen die zusammengeschmolzenen Kadres der 1. kanadischen Armee, der bei der Offensive im Raum Kleve—Goch—Wesel die schwerste Blutarbeit zugemutet war und der der heldenmütige Widerstand unserer Fallschirmjäger urid Grenadiere in diesem Abschnitt einen unerhörten Zoll abverlangt hatte, ergänzen müssen. Die Kanadier, das hat der Kriegsverlauf gezeigt, haben noch viel weniger Lust, für England