Ausgabe 
(17.3.1945) 65
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Erscheint 6mal wöchentlich

jaonatsbezug 2,30 RM elnsctü. ZusteU- gebühr; Postbezugspreis monatlich t ,30 RM (einschl. K Rpf. Post- zeltungsgebühr) zuzllgl. 36 Rpf. Be­stellgeld. Postscheck: Hamburg 172 7a, Anzeigenpreise und Aufnahmebedin­gungen laut Preisliste. Aufnahme- termine ohne Verbindlichkeit

uremeräcitunn

Geschäftsstellen:

Bremen: Geschäftsstelle und Schrift­leitung: Geeren 6-8, Ruf tags und nachts unter Sammelnummer 219 31: Sykes Mühlendamm 2; Bremen-Hemelingen! Bahnhofstr. 6, Ecke Poststraße, Ruf

t

4 34 68; Bremen-Vegesack: Rohrstr. 24, Ruf 4 und 8; Bremen-Blumenthal: Kapit.-Dallmann-Str. 41-43. Ruf 88 u. 89

^Bremer

Parleiamtliche Tageszeitung der Nationalsozialisten Bremens

Das Amtsblatt des

Amtliches Verkünd ungeblaä des Heichsslattbaltera

Nummer 65 15. Jahrgang

SonnabendiSonniag, 17./18. März 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Ende der Jalta-Illusion

Gewaltherrschaft der Großmächte Machtloserklärung der kleinen Staaten

Drahtbericht unserer Berliner, Schrlftleltung bm. Berlin, 16. März. Das britische Un­terhaus erlebte jetzt eine Demaskierung der wahren Grundlagen der Jalta-Politik, die nicht ohne Rückwirkung auf die politische Situation der kleinen Mächte innerhalb des alliierten Verbandes bleiben * kann. Der Labour-Abgeordnete Rays Davis forderte den britischen Premier auf, Antwort darüber zu geben, ob während der KonferenzeiTin Dum- barton Oaks und Jalta der Vorschlag ange­nommen worden sei, daß in einer künftigen Welt, wie sie die Alliierten im Falle des Erlahmens der deutschen Äbwehrkraft zu formen planen, gegen eine' kleine Nation eingeschritten werden könnte, falls sie sich einer Aggression schuldig mache, gegen eine der größeren Mächte dagegen nichts ge­schehe, wenn sie eine gleiche Art von Aggression unternehmen. Churchill mußte antworten:Ich bedaure zugeben zu müssen, daß in den Worten des Abgeordneten Dävis ein hoher Grad von Wahrheit liegt. Wir wer­den bedauern und wir hatten es auch daß ein Unterschied zwischen Großen und Kleinen und zwischen Starken und Schwa­chen in der Welt besteht. Aber unzweifelhaft ist ein solcher Unterschied vorhanden,. Es

wäre Wahnsinn, nach etwas zu streben, was im Augenblick ein hoffnungsloses .Ideal ist. In politischen Kreisen der britischen Hauptstadt wird dieses . erzwungene .Einge­ständnis Churchills als außerordentlich pein­lich empfunden, da die Machtloserklärung der Jcleinen Staaten durch die Gewaltherr­schaft der Alliierten noch vor der Konferenz von San Franzisko geeignet ist, das bedeu­tende Maß von Schwierigkeiten, denen die Alliierten in den von ihnen besetzten Ländern gegenüberstehen, noch weiter zu erhöhen Die alliierten Großmächte vermochten sich cjie Gefolgschaft der kleinen Staaten nur da­durch zu sichern, daß sie als künftige Welt­ordnung eine Gleichberechtigung aller Staa­ten, proklamiert hatten, die sie mit dem so oft mißbrauchten KennwortDemokratie bezeichneten. Unter diesem Vorzeichen gab die Agitation der Besetzung Frankreichs, Belgiens und Holands wie auch der, Invasion Griechenlands und Italiens das schmückende BeiwortBefreiung. Mochte in mühsamer Phrasenkonstruktion die nach derBefrei­ung angebotene Notlage in den besetzten Ländern noch als vorübergehend bezeichnet und durch militärische Notwendigkeiten er­klärt werden, so wurde nunmehr durch die

Geheimnis der deutschen Widerstandskraft

ep. Madrid, 16. März. In der Zeitung Diario di Barcelona untersucht ein spani­scher Ausländskorrespondentdas Geheimnis der deutschen Widerstandskraft und betont vor allem, daß jene schlechte Beobachter seien, die sie als Mut der Verzweiflung be­trachten. Die erstaunlichen Leistungen Deutschlands seien in folgenden Tatsachen begründet:

1. In der Kraft und dem Erfolg der natio­nalsozialistischen Weltanschauung,

2. in der Erkenntnis aus dem ersten Welt­krieg, daß die Heimatfront der Westmächte, zusammengebrochen wäre, wenn die deutsche Heimat noch ein paar Wochen ausgehalten hätte,

3. in dem entscheidenden Einfluß der hel­denmütig und opferbereit aufgewachsenen nationalsozialistischen Jugend,

4. in dem absoluten Vertrauen auf das gute

Recht der eigenen Sache und die schicksäls- volle Mission des Führers,

5. in dem Stolz auf die überlegenen Lei­stungen des deutschen Volkes in der Philo­sophie, Kunst, Wissenschaft und Organisa­tion Leistungen, die andere Völker in den Schatten stellen,'

6. in dem felsenfesten Vertrauen auf den deutschen Erfindergeist,

7. in der Überzeugung, daß die anglo-ame- rikanischen Völker den Bolschewismus im Grunde ebenfalls ablehnen und schließlich

8. in dem felsenfesten Glauben, daß bald die Stunde kommt, in der Deutschland sei­nen Gegnern ein kriegsentscheidendes Stalin­grad bereiten wird.

Hier wird in wenigen markanten Sätzen tatsächlich dasGeheimnis der unerschüt­terlichen Zuversicht des deutschen Volkes, das fest auf seine Kraft vertraut, enthüllt.

erzwungene Churchill-Enthüllung im Unter­haus den von anglo-amerikanischen' Truppen, besetzten Ländern und den Mitläufern der Alliierten, die sich durch eilige Kriegserklä­rung an Deutschland einen Platz an den Konferenztischen von San Franzisko sichern wollten, in brutaler Wahrheit ins Gesicht ge­schleudert, daß sie durch die alliierten Groß­mächte politisch völlig entmachtet werden.

Den dramatischen Akzent erhalten die Enthüllungen Churchills für die kleinen Staaten Europas durch die Überlegung, daß ja auch nicht von einer Gleichberechtigung innerhalb des Verbandes der Hauptalliierten gesprochen, werden kann. Im Verhältnis zwischen der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten und Großbritannien treten die-Ab­stufungen des Machtanspruchs immer deut­licher in Erscheinung. Das aktuelle Beispiel, der Vorgänge in Bukarest, Sofia und Helsinki muß auch in Paris und Brüssel Beachtung finden, wie auch die neutralen Staaten Europas hier Ansatzpunkte einer Entwick­lung entdecken, die für sie äußerst beun­ruhigend sein muß.Svenska Dagbladet meldet heute aus New York, in verantwort­lichen nordamerikanischen Kreisen stelle man besorgt fest, daß die Chefs der alliierten Kontrollkommission in Bukarest, Sofia und Helsinki Generale der Sowjetarmee seien. Sie bestimmten die Lage, da sie eine Autorität erhalten hätten, die einer unbegrenzten Macht nahe sei. Dagegen seien die britisch­nordamerikanischen Vertreter in den, Kon­trollkommissionen nicht mehr als nur Sta­tisten, die dann und wann ja zu sagen hätten.

Die Macht der alliierten Großmächte be­deutet also praktisch die. Macht der Sowjet­union. Eine Erscheinung, die auch in ameri­kanischen. Wirtschaftskreisen mit stärkstem Mißbehagen beobachtet wird; wobei man vor allem in London besorgt ist, daß diese Ent­wicklung zu einem Desinteresse der USA in Europa überhaupt führen könne, Roosevelt aber ein neues Wilson-Schicksal befürchten müsse. In diesem Falle würde England völlig allein den sowjetischen Machtstaaten in Europa gegenüberstehen und einer Entwick­lung Zusehen müssen, die durch keinerlei Einflußnahme Londons gestört werden könnte.

Brennpunkte im Osten: Rniiboi, Stettin, West- und Ostpreuflen

Eigener Drahtbericht

rd. Berlin, 16. März. Die sowjetischen An­griffe gegen die deutsche Abwehrlinie steigern sich, so daß der Eindruck entsteht, daß die Bolschewisten ihre beabsichtigten größeren Operationen demnächst anlaufen lassen wol­len, Vorläufig wird noch an den beiden Flü- :eln des feindlichen Einbruchsraumes ange­griffen, und zwar neuerdings auch wieder in Schlesien. Bei dem Versuch, an der mittleren Oderfront die Brückenköpfe auszuweiten, wurden den Angreifern so schwere Verluste zugefügt, daß sie offenbar die Lehre daraus gezogen haben, daß ihre ungünstige Front­stellung die Angriffskräfte verzettelt' und Infolgedessen andere Ausgangspositionen ge­wonnen werden müssen. Die deutschen ört­lichen Erfolge bei Laub&n und bei StriCgau lögen die bolschewistischen Überlegungen 3 dieser Hinsicht noch gefördert- haben. «Wenfalls sind die neuen Angriffe sowohl im Baum von Ratibor als auch bei Stettin und tu West- uhd Ostpreußen,- angesetzt worden. Inzwischen ist jedoch durch die Improvision der deutschen Abwehr und das heldenmütige Aushalten vieler vom Feind umgangener Stel­lungen so viej Zeit gewonnen worden, daß an allen Brennpunkten spürbare Verhärtungen der deutschen Abwehr plapipäßig aufgebaut werden konnten: An ihr zerschellten alle

Feindangriffe, und man k«nn sich sogar des Gefühls nicht erwehren, daß die deutsche Frontverstärkung zwangsläufig auf eine Ver­änderung der Lage an allen Brennpunkten hinführen muß.

Wenn wir bisher um Zeitgewinn kämpften, damit wir in der Lage waren, an einer be­stimmten Linie den Feind mit Sicherheit auf- whalten, dann können wir jetzt, da dieser Zustand erreicht ist, darauf hoffen, daß wir unsererseits an verschiedenen Stellen der Ost­front zur Offensive übergehen werden. Da *uch der Feind sich mit neuen Offensivpla- nen trägt, wie aüs seinen Vorbereitungen ein­deutig hervorgeht, reift die Lage einer milita- r hchen Entscheidung entgegen. Als eine gün­stige Voraussetzung hierfür kann auf unserer Seite die hohe Ziffer der feindlichen Men­schen- und Materialverluste verbucht werden, bereits vor einigen WochtAi meldete das Ober­kommando der Wehrmacht den 8000. Panzer- uhschuß im Osten. Seitdem ist kaum ein Tag begangen, an dem weniger als 100 Feindpan- !er vernichtet worden sind. Am Donnerstag stieg diese Zahl sogar auf 272 vernichtete Feindpanzer, was bei den verhältnismäßig Weit nach Westen vorgeschobenen feindlichen SS'en und den damit erschwerten Nach- semibhedingung-en einer gewonnenen Schlacht Skichkommt. In die kommende Anseinander- Setzung gehen wir somit nicht nur mit einer 'seren MoraJ und einem Waren Se'bsthe- hauntungswillen hinein, sondern auch mit ^utärs-hen Machtmitteln, die unsere Trup- mit Zuversicht erfüllen müssen.

Die Westfront hat sich in ihrem nördlichen Teil, der von Koblenz bis zur holländischen Grenze am Rhein entlang läuft, nicht verän­dert. Die Brückenkopfkämpfe bei Remagen waren sehr hart, weil die Amerikaner hoffen, aus diesem Brückenkopf heraus den Ansatz­punkt zu ihrer beachtlichen Offensive finden zu können, doch wurden die Angriffe im we­sentlichen abgewehrt. Nur bei Honnef gelang dem Feind eine noch nicht ins Gewicht fal­lende Erweiterung. An der lothringischen, Saar- und Moselfront dauern die heftigen Feindangriffe an, ' doch müssen die Anglo- Amerikaner jeden Schritt nach Osten mit schwersten Verlusten erkaufen.

Hervorragende Einzellaten

Ursprünglich wollte der 16 Jahre alte Ger­hard Maschinski aus Königsberg zur Kriegs­marine. Als aber seine Heimatstadt bedroht wurde, meldete er sich sofort freiwillig zur Infanterie. Bei der Freikämpfung der Ver­bindung zwischen Pillau und Königsberg ge­rieten die ostpreußischen Füsiliere, zu denen auch Maschinski gehört, ins Feuer eines schweren sowjetischen Flakgeschützes, das ihren Angriff aufhielt. Auch der junge Füsi­lier, der hier zum erstenmal mitstürmte, er­kannte das. Als einer seiner Kameraden, der einen Panzerschreck trug, ausfiel, kam ihm der Gedanke, damit die Panzerabwehrkanone auszuschalten. Schnell arbeitete er sich mit dem Panzerschreck am Bahndamm bis 40 m an die Kanone hergn. Dann 1 richtete er den Panzerschreck ein, und, obwohl er an dieser

Waffe nicht ausgebildet w^r, traf er. Das Pakgeschütz war vernichtet.

An der Dievenow zwischen Wohin und Cammin hielten an Land ausgesetzte Män­ner der Kriegsmarine die Bolschewisten in erbitterten Nahkämpfen auf. Sie vernichteten in zwei Tagen 4u Panzer, davon 31 durch Panzerfaust. Ein Marineregiment erledigte dabei im Nahkampf von 30 angreifenden so­wjetischen Kampfwagen 21. In kühnen Ge­genstößen-, warfen sie sich immer von neuem den Bolschewisten entgegen, hielten ihre Stellungen in dem fast deckungslosen Gelände und ermöglichten dadurch die Festigung der Abwehrfront auf dem Ostufer der Dievenow.

Daß auch die schwierigste Lage durch Kaltblütigkeit und entschlossenes Handeln zu meistern ist, bewiesen dieser Tage die an der Oderfront nördlich Frankfurt als vorgescho­bene Beobachter einer W -Werfergruppe ein­gesetzten Unterscharführer Kluch aus Chemnitz und Wimerle aus Essen. Obwohl die Bolschewisten sich mit erheblichen Kräf­ten bereits im Rücken der Beobachtungsstelle befanden und eine weitere Feuerleitung ge­fährdeten, hielten die bei den vorgeschobenen Bobachter unbekümmert um den heftigen Beschuß aus und lenkten das Feuer ihrer; Werfer in. die Masse der Angreifer. Bereits nach wenigen Minuten war der sowjetische Stoßkeil im Raum der Beobachtungsstelle zer­schlagen. Die Verluste der Sowjets waren so empfindlich, daß sie ihre Angriffe abbrachen und sich mit dem verbliebenen Rest zurück­ziehen mußten.

ms*

f

H-Kriegsberichter Klerk HH. Panzerfaust schießt Sherman-Panzer ab

Zwangslage und Zeitnot der anderen

Von Dr. Adolf Wolfard

England befindet sich in der Zwangslage, daß es den Krieg spätestens bis zum Sommer gewonnen haben muß. Diese Feststellung derDaily Mail beleuchtet schlaglichtartig die Schwierigkeiten der anderen. Gewiß, die Zeitung, die dies schreibt, gehört zur soge­nanntenpopulär Preß, den für die breite Masse geschriebenen Zeitungen, deren Worte man nicht unbedingt auf die Goldwaage legen kann und die oft der Sensation Zu­geständnisse machen oder gar von ihr leben. Aber dieDaily Mail nimmt doch im Lon­doner Blätterwald poch eine, besondere Stellung ein; uiid wenn sie angesichts ihrer betont nationalen und konservativen Grund­einstellung in ihren fast 2 Millionen Exem­plaren das nüchterne Eingeständnis verbrei­tet, daß England innerhalb der nächsten 6 Monate den Krieg erfolgreich beenden muß, weil es sonst selbst am Ende ist, dann hat das eine ganz bestimmte und wohlüberlegte Be­deutung. DennDaily Mail spricht nur d a s aus, was jeder Engländer selbst weiß. Das Blatt, das britische Weltreichspolitik ganz besonders auf sein Panier geschrieben hat, ist ja völlig unverdächtig, seine Leserschaft etwa ih subversiver Tendenz defaitistisch beeinflussen zu wollen. Die Mahnung und Warnung in. ihren Spälten, ja, der Notruf, ist vielmehr an die Verbündeten Groß­britanniens gerichtet: Bis zum Sommer noch einmal alles einzusetzen, weil sonst die Ge­fahr besteht, daß England selbst als mili­tärischer Faktor ausfällt.

England hat diesen Krieg, ganz gleich, wie er auch ausgehen würde, im Grunde genom­men schon verloren. Es kämpft nur noch darum, aus ihm ohne allzu entscheidende Verluste wieder herauszukommen. 6 Jahre Krieg haben eine radikale Wandlung herbei­geführt, das ursprüngliche englische- Kriegs­ziel. das gefährlich erscheinende national­sozialistische Deutschland niederzuringen, hat völlig sein Gewicht verloren vor denim Ver­lauf des Krieges neu aufgetauchten Ge­fahren, die von den eigenen Bundesgenossen ausgehen, den beiden;Giganten wie sie Smuts genannt hat, den USA und der Sowjetunion. Für das Mutterland des briti­schen Empire und seine wohlverstandenen Interessen hat dieser Krieg schon längst seinen Sinn verloren, von seiner Weiterfüh­rung hat England nichts mehr zu gewinnen: Daß ein Mann wie Churchill diese Folgerung nicht ziehen kann, liegt klar auf der Hand, aber die kühlen Köpfe in der City rechnen sich schon lange nichts mehr aus diesem Kriege für England heraus, weder für sich selbst, dieupper teil", die den Besitz Eng­lands in Händen halten, noch für die Masse, die von diesen Oberen Zehntausend Arbeit und Brot verlangen, die nach sozialer Sicher­heit schreien und unter den ideologischen

Ausmaß der Knechtung Italiens wurde jetzt bekanntgegeben

Eigener Drahtbericht

rd. Bern, 16. März. Eine offiziöse ameri­kanische Nachrichtenagentur gibt die 'Ent­hüllungen des Herausgebers der USA-Zeit- schrift ,international Law Review über die bisher ängstlich geheimgehaltenen Waffen­stillstandsbedingungen für das damalige Ba- doglio- und heutige Bonomi-Italien wieder. Nach ihnen ist vorgesehen völlige Entwaff­nung Italiens, Bezahlung der den Alliierten entstandenen Besatzungskosten und Ver­schickung von zwei Millionen italienischer Ar­beiter in die änderten Länder, das heißt im wesentlichen wohl nach der Sowjetunion, da sich die Engländer bereits mit den Schwierig­keiten der Eingliederung entlassener Soldaten in die Zivfiberufe herumschlagen. Von seinem Kolonial- und sonstigen Besitz soll nach vor­läufigen Bestimmungen Italien die Inseln Pantelleria und Lampedusa an England, die Insel Elba und einen Streifen des piemontesi- schen Grenzgebietes an Frankreich, Istrien an Jugoslawien und alle Inseln des ägäischen Meeres an Griechenland abtreten. In Wirk­lichkeit haben sich die Briten zumindest über

den afrikanischen Besitz Italiens festgelegt. Es heißt dort lediglich, Italien habe sich be­züglich Lybiens, Eritreas und Italienisch-So- malilandes gänzlich den Bestimmungen einer künftigen Friedenskonferenz zu unterwerfen, also die Wegnahme des Kolonialbesitzes anzu­erkennen. Darüber hinaus muß Italien die Unabhängigkeit Abessiniens anerkennen und, was vielleicht am demütigendsten ist, Frank­reich und England Freihäfen in den verblei­benden Restteilen der italienischen Halbinsel zur Verfügung stellen.

Um diesen Preis haben vor bald 2 rwei Jah­ren die italienischen Nachfolgeregierungen des Faschismus und des Königshauses sich einen Waffenstillstand erkauft, der, wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, alles andere darstellt, als eine wirkliche Herauslösung eines Landes aus dem Kriegsgeschehen.

Im östlichen Mittelmeer wird gerade in diesen Tagen eine Aktion gestartet, die einen Teil der Erfüllung jener Waffenstillstands­bedingungen beschleunigt anstrebt. Laut Sender London fanden auf dem Dodekanes Kundgebungen statt, In denen eine Vereini­

gung der Inseln mit däm griechischen Mut­terland verlangt wurde. An die griechische Regierung wurden Telegramme mit der Bitte geschickt, Vertreter zu entsenden, die die Verwaltung der Inseln ^ übernehmen sollen. Wahrscheinlich werden* gegen diese Bitten von den Briten noch einige Bedenken geltend gemacht. Ganz sicher ist man in London nämlich noch nicht, ob es gelingen wird, die griechische Regierung ganz im Fahrwasser der britischen Wünsche zu halten. Deshalb wird sich London das endgültige Bestimmungs­recht über dieses Gebiet bis zum Vorllegen völlig gesicherter britischer Vorherrschaft noch Vorbehalten, um im Falle einer anderen nicht ganz von der Hand zu weisenden Ent­wicklung 'das Inselgebiet seinem direkten Einfluß zu unterstellen.

Alle Amerikaner zwischen 18 und 20 Jahren werden in den nächsten drei Wochen zum Wehrdienst herangezogen, um die hohen Ver­luste der USA-Armee in Europa und im Pazi­fik auszugleichen. Die Lücken in der USA- Flctt j werden durch Männer von 21 bis 38 Jahren aufgefüllt.

Einflüssen der sowjetischen Bundesgenossen­schaft mit bolschwestisehen Wirtschaftsprin­zipien zu liebäugeln beginnen.

Mit anderen Worten: England ist kriegs­müde! Oben und unten. Die Oberschicht hat einen sehr großen Teil ihres einstigen Be­sitzes und ihrer Anlagen in aller Welt verloren, und die breite Masse hat die Blutopfer für ein fragwürdiges Ziel gebracht, ist auf einen mi­nimalen Ernährungs- und Lebensstandard herabgedrückt und sieht sich bei Kriegsende wirtschaftlich vor dem Nichts stehen. Eng­land hieß einmal derFuhrmann der Welt, Und jetzt? Die britische Handelsflotte ist in des Wortes wahrster-Bedeutung dezimiert, denn England trug hauptsächlich die Verluste des Ubootkrieges, die Vereinigten Staaten be­nutzten dessen Auswirkungen zum Aufbau einer gewaltigen eigenen Handelsflotte. Und wieder treffen die neuen, verbesserten Uboote in erster Linie Englands Schiffsverkehr. Das Empire ist in voller Auflösung begriffen, die Dominions wenden sich vom Mutterland ab und suchen stärkere Anlehnung, die kolonia­len Besitzungen werden von .den Amerikanern in Gestalt militärischer Stützpunkte als wirt­schaftliche Interessenbereiche begehrt, und gerade jetzt verlangt Roosevelt eine Neuver­teilung der vom ersten Weltkrieg her stam­menden ehemaligen Völkerbundsmandate! Der englische Handelsminister, der soeben von längeren Besprechungen in d§n USA zu­rückkehrte, mußte zu Hause berichten: Drü­ben glaubt man nicht, daß England nach dem Kriege eine Industriemacht ersten Ranges bleiben könne. England Istsecond dass mat­ter geworden, zweitklassig, mit all der von diesem Begriff für die angelsächsische Men­talität umschlossenen verachtungswürdigen Nichtigkeit. -

Aber was haben wir davon, werde ich gefragt, wir Deutschen? ! Kann es uns nicht ganz gleichgültig sein, ob Engländer oder Amerikaner auf den Bermudas, auf Jamaika, auf den pazifischen Inseln, auf Is­land, in Nord- und Westafrika, und imMitt­leren Osten sitzen oder tonanebend sind? Haben w i r einen Vorteil aus dem Nieder­gang Englands? Wer so fragt, vergißt völlig, daß, abgesehen vom bolschewistischen Ruß­land, England unser eigentlicher und haupt­sächlicher Gegner in Europa war und ist. Die Machtverteilung und -Verschiebung zwi­schen den beiden angelsächsischen Mächten kann uns herzlich gleichgültig bleiben, aber nicht, -ob England an diesem Krieg zerbricht, denn für ein zusammengebrochenes Britan­nien werden auch die Amerikaner den Krieg in Europa nicht weiterführen können und wollen. Schon jetzt besteht im Kongreß eine starke Mehrheit, die ständig Kritik ah den Ausmaßen der amerikanischen Waffenhilfe für England in Europa übt und darauf hin­weist, daß die eigentlichen Interessen der USA im Pazifik und in Ostasien liegen. In Washington weiß man nur zu genau, daß man in Europa nichts zu gewinnen hat. Die amerikahischen Soldaten setzen sich ja auch in Europa keineswegs kämpferisch voll ein, weil ihnen die Dinge, um die es hier geht, vollkommen fern liegen. Aus allen Frontbe­richten geht hervor, daß sie von dem Schick­salskampf um unseren Erdteil nicht das min­deste verspüren und im wesentlichen nur rein mechanisch ihr Material einsetzen und ihre Übermacht wirken lassen.

Der Kampf im Westen erhält dadurch ein ganz besonderes Gesicht. Unter den sieben Armeen, die uns dort gegenüberstehen, ist nur eine einzige rein englische, nämlich die 2. britische Armee unter Dempsey, die in den Kämpfen dieses Jahres bisher noch kaum in Erscheinung getreten ist. Allerdings haben englische Formationen die zusammen­geschmolzenen Kadres der 1. kanadischen Armee, der bei der Offensive im Raum KleveGochWesel die schwerste Blutarbeit zugemutet war und der der heldenmütige Widerstand unserer Fallschirmjäger urid Gre­nadiere in diesem Abschnitt einen unerhörten Zoll abverlangt hatte, ergänzen müssen. Die Kanadier, das hat der Kriegsverlauf gezeigt, haben noch viel weniger Lust, für England