Ausgabe 
(15.3.1945) 63
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Ersch eint 6ma1 wSchentlich

Uonatsbezug 2.30 RM elnschl. Zustell­gebühr: Postbezugspreis monatlich

2,30 RM (elnschl. 18 Rpf. Post- zeitungsgebühr) zuztlgl. 38 Rpl. Be­stellgeld. Postscheck: Hamburg 172 72. Anzeigenpreise und Aufnahmebedin­gungen laut Preisliste. Aulnahme­termine ohne Verbindlichkeit

üremeräcituno

^Bremer 9ladtrichteti **

G e 8 c häftsstellen:

Bremen: Geschäftsstelle und Schrlft- leltung: Geeren 6-8, Ruf tags und nachts unter Sammelnummer 2 19 31; Syke: Mühlendamm 2: Bremen-Hemelingen: Bahnhofstr. 6. Ecke PoststraQe, Ruf 4 34 58; Bremen-Vegesack: Rohrstr. 24, Rul 4 und 8; Bremen-Blumenthal: Kaplt.-Dallmann-Str. 41-43, Ruf 88 u. 89

Parleiamlllche Tageszeitung

Da* Amtsblatt des Regierenden BSreenneWeve der Freien Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amfflcbea Verkündungsblatt des Relchasiatäialiers in Ol den burg und Bremen

Nummer 63

15. Jahrgang

Donnerstag, 15. März 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Bisher 35 Millionen BRT.

Berlin, 14. März. Im Zusammenhang mit den im Wehrmachtbericht gemelde­ten neuesten Versenkungserfolgen unserer U-Boote wird bekannt, daß seit Kriegsbeginn rund 35 Millionen BRT. feindlichen Schiffs­raums versenkt wurden.

Infolge dieser riesigen Tonnageverluste hat die englische Handelsflotte, die bei Ausbruch des Krieges mit 18,8 Mill. BRT. mehr als das Doppelte des USA-Frachtraumes umfaßte, derart einschneidende Einbußen erlitten, daß sie gegenüber der USA-.Handelsflotte heute nur noch von untergeordneter Bedeutung ist. Das ehemals zugunsten Englands be­stehende Stärkeverhältnis von 2:1 hat sich inzwischen zugunsten der USA auf 1:3 ver­lagert, d. h.. auf jedes britische Handels­schiff entfallen heute bereits drei nordameri­kanische! Damit ist die englische Handels­flotte als der einst bestimmende Faktor im tlbefseewelthandel für die Nachkriegszeit ausger.chaltet Obwohl in England seit Kriegs­beginn rund 5,5 Mill. BRT. Handelsschiffs­neubauten erstellt wurden, war der Nieder­gang der britischen Handelsflotte, vor allem infolge der drastischen Wirkungen des U-Bootkrieges, nicht mehr aufzuhalten.. Der bis jetzt- vernichtete feindliche Schiffsraum in Höhe von 35 Mil. BRT. übertrifft bereits den gesamten l'onnagebestand Englands und der USA im Jahre 1939 um mehr als 7 Millionen BRT.

Deutschlands Entschlossenheit

Drahtbericht unseres Vertreters lin. Madrid, 14. März. Victor de la Ferna („Unus") der, in seinem Blatt „Informacio- nes“ mit großem Erfolg seinen nie wankenden Glauben an Deutschland und seinen Sieg ver­ficht, schreibt in seiner letzten Tagesüber­sicht: „Selbst die tragischsten Kapitel der Geschichte gestatten keinen Vergleich mit dem ungeheuren Schicksal/in dem eine Na­tion täglich mehrere Stunden lang uner­schrocken Luftangriffen trotzt,, in dem es Tag und Nacht Feuer und Stahl auf Stadt und Land regnet, in dem Wellen von Tanks und hinter ihnen verbrecherische und zerstöreri­sche Horden aus dem Osten hereinfluten und mächtijge Armeen von Westen her drängen. Und dennoch leistet Deutschland nicht nur Widerstand, das deutsche Volk zieht auch je­den Morgen aus den Leiden des vorausgegan­genen Tages die Kraft, seinen Entschluß zu erneuern und zu stärken, daß es nicht unter­liegen wolle. In dieser Entschlossenheit ist aber zugleich die Hoffnung auf den Sieg be­gründet. Gerade dies ist bewundernswert: Das deutsche Volk hat, ohne daß es dazu einer Propaganda bedarf, heute in vollem Bewußt­sein der Tatsachen, wie sie sind, begriffen, daß nur aus dem Widerstand, dem Fanatis­mus und dem Glauben sein Sieg hervorgehen kann. In dem gleichen Augenblick, in dem es erkannt hat, daß Sterben besser als ein Leben' in Sklaverei ist, hat es bereits das Geheimnis der Siegesmöglichkeit entdeckt. Deutschland besitzt die Mittel, um einen europäischen Auftrag zu erfüllen. Die westliche Welt aber wird eines Tages ihr Verhalten bereuen. Gebe Gott, daß es dann nicht zu spät dazu sei. Aber Deutschland wird nicht kapitulieren. Die alte Garde Europas ergibt sich nicht.“

Gläubig und zuversichtlich

Stockholm, 14. März. Der Korrespondent der amerikanischen Nachrichtenagentur UP, Clark, muß im Ergebnis von Gesprächen mit einer größeren Anzahl deutscher Kriegs­gefangener feststellen, daß die deutsche Wehrmacht nach wie vor einen fanatischen Glauben an ihre eigenen Waffen besitze, trotz aller schweren Rückschläge in der letzten Zeit. Die deutsche Wehrmacht, die nach alliierten Berechnungen noch-- vor Mitt­sommer auf die Knie gezwungen werden sollte, sei, so erklärt Clark, nach wie vor von der festen Überzeugung erfüllt, daß sie unbesiegbar sei. Die Soldaten brächten auch weiterhin Adolf Hitler eine geradezu mystisch-fanatische Verehrung entgegen. Der Korrespondent kommt zu der Schluß­folgerung, daß der Kampf gegen den „Hit­ler-Mythos“ einer der schwersten alliierten Kämpfe in der Schlußphase des Krieges sein werde.

Vorbildliche Tapferkeit

Einzelkämpfer sind Wegweiser des Erfolges und des Sieges

Berlin, 14. März. Ruhe und Kaltblütig­keit, tiefe Liebe zu Volk und Heimat und lodernder Haß gegen die roten Mordbrenner, sind die Triebkräfte vorbildlicher Leistungen und Heldentaten, die in nachstehenden Bei­spielen geschildert werden.

Bei den schweren Kämpfen an der Dieve- now meldete sich der auf Dienstreise befind­liche einarmige li-Mann Sieg bei einer Kampfgruppe mit der Bitte, eingesetzt zu werden. Die berechtigten Bedenken des Kom­paniechefs gegenüber dem Schwerbeschä­digten wies dieser mit den Worten zurück, daß sich auch mit der linken Hand eine Panzerfaust abschießen läßt. Bei den nach­folgenden Häuserkämpfen gelang es ihm, sich an einen von Infanterie begleiteten Panzer heranzuarbeiten und diesen mit einer Pan­zerfaust zu erledigen. Vom Feuer der Sowjets tödlich getroffen, fiel der M-Mann Sieg als leuchtendes Beispiel bedingungsloser Einsatz­bereitschaft.

Zwei Gruppen eines Volksgrenadier-Regi- ments unter Führung von Unteroffizier Paul Trasser aus Köln und Gefreiten Werner Böttcher aus Königsberg verhinderten durch ihre heldenhafte Standhaftigkeit bis zur Selbstaufopferung das Aufrollen der Haupt­kampflinie und retteten dadurch ihr schon

zum Teil umfaßtes Bataillon vor der Ver­nichtung.

Oberfeldwebel Kirschbaum aus Krefeld schlug mit seinem Zug fünf Feindangriffe ab, die von sechs Panzern und zwei Selbstfahr­lafetten unterstützt wurden. Die Sowjets gaben hier ihre Durchbruchsabsiehten auf, brachen in einem Nachbarabschnitt ein und versuchten, den Zug Kirschbaum zu umfas­sen. Da packte den Oberfeldwebel die Wut. Er arbeitete sich über eine unter starkem Beschuß liegende freie Fläche an die Selbst­fahrlafette heran und vernichtete sie mit der Panzerfaust. Seine Grenadiere, durch dieses Beispiel mitgerissen, stürmten den Bolsche­wisten in die Flanke und warfen sie unter Verlust von 76 Toten und mehreren Ma­schinengewehren wieder aus der Stellung.

Rottenführer Josef Blaga, MG.-Schütze in einer rumänischen H-Einheit, schaltete durch sein gutliegendes Feuer zwei feindliche In­fanteriegeschütze aus und kämpfte eine sichernde MG.-Bedienung nieder. Nach Aus­fall eines eigenen MG.s bei seiner Nachbar­gruppe unterstützte er aus eigenem Entschluß durch häufigen Stellungswechsel entschei­dend den harten Abwehrkampf gegen die mit Panzerunterstützung angreifenden Bol­schewisten. Der Feind konzentrierte sein Ab­

wehrfeuer auf diesen tapferen und gefähr­lichen MG.-Schützen, der in vorbildlicher Pflichterfüllung für seine vom Bolschewis­mus geknechtete Heimat gefallen ist.

Zwei sowjetischen Divisionen war es in Oberungarn gelungen, eine nur von schwa­chen deutsch-ungarischen Verbänden besetzte Widerstandslinie zu durchbrechen. Im Ver­trauen auf die kämpferische Überlegenheit des deutschen Soldaten warf sich der Führer eines Jägerregiments, Ritterkreuzträger Ma­jor Kollehn, mit 90 Mann dem anstürmen­den Feind entgegen. An der Spitze seiner Soldaten bereinigte er eine Einbruchsstelle nach der anderen und nahm im weiteren Vorstoß einen von den Bolschewisten besetz­ten Ort. Als am folgenden Tage zwei durch Artillerie und Salvengeschütze unterstützte Sowjetbataillone den Ort erneut angriffen, wurden sie von den schwachen deutschen Verbänden abgewiesen. In stundenlang an­dauernden Nahkämpfen wurde der Feind immer wieder zurückgeworfen. Von Wider­standsnest zu Widerstandsnest springend, riß Major Kollehn seine Männer immer wieder hoch und verteidigte das Dorf solange, bis die hart hinter dem Ort errichtete neue Widerstandslinie von Verstärkungen besetzt worden war.

AeuBerungen eines Wiederbesinnens auf die eigene Stärke

Von unserem militärischen v. W.-Mitarbeitef

In den letzten Tagen hat sich in Lauban, Forst und Guben, in Striegau und zwischen Schwarzwasser und Ratibor eine mindestens taktische Verbesserung der Lage ergeben. Es ist der Schlesisch-Lausitzer Raum, der in den Genuß dieser Entspannung gekommen ist. Diese Lagenveränderungen sind gewiß nur örtlich, obwohl sie im Falle Lauban eine ganze Sowjetarmee anschlugen. Sie sind auch noch nicht aus ihrer örtlichen Begrenzung zusammengewachsen. Zwischen Geiände- stüpken, deren Besitz sich gefestigt hat, mögen noch Abschnitte vorhanden sein, in denen die Kräftigung noch auf sich warten läßt. Im Grundsätzlichen aber zeigen wenig­stens die genannten Räume eine gewisse Entlastung. Sie ist nicht automatisch ein-, getreten, wett etwa der Feind sich völlig still verhalten oder Verbände abgezogen hatte; sie ist gegen Willen und Absicht des Gegners eingetreten, allein durch die Stärkung der Abwehr aus eigener Kraft, durch die Zu­führung neuer Kräfte, deren Auftreten sofort zu einem krassen Wechsel des taktischen Verhaltens führte. Die eigenen wuchtigen Gegenangriffe bei Lauban und Guben, die zur Befreiung der schauderhaft zugerichteten und menschenleer gewordenen Städte führte, sind Äußerungen eines Wiederbesinnens auf die eigene Stärke, nicht zuletzt Ausfluß einer besonderen Erregung, die -der Feind mit seinen Grausamkeiten auslöste bei allen, die auf die schlimmen Spuren dieser jeden Kriegsgesetzen Hohn sprechenden Krieg­führung stießen.

Zwei feindliche Kräftegruppen, die 3. Gar- depanzerärmee, eine völlig zügellose Truppe — trotz ihrer Sonderstellung als Gardeein­heit — und die in Striegau stehende Kräfte­gruppe, deren Zugehörigkeit nicht bekannt­gegeben wurde, sind mit Wucht zurückge­worfen oder eingeschlossen worden. Sie zeigten sich bei Fortbestehen der üblichen Übermacht als äußerst anfällig, .wenig stand­fest und schwerbeweglich angesichts der für sie seit Wochen ungewohnten und veränderten Situation, die sie aus dem Angreifer''plötzlich wieder zum Angegriffenen und Umstellten machte. Die eingesetzten deutschen Truppen

Brückenkopf, der wenig Freude bereitet

Drahtbericht unseres Vertreters : kl. Stockholm, 14. März. Der militärische Mitarbeiter der „Daily Mail“ ist der Ansicht, daß Eisenhower vor der Notwendigkeit steht, seinen Offensivplan weitgehend umzuarbei­ten. Nach den ursprünglichen Dispositionen bestand unzweifelhaft die Absicht, den Rheinübergang zwischen Köln und Wesel zu erzwingen. Auch heute noch sind am Nieder­rhein die Hauptkräfte der Briten und Ameri­kaner konzentriert. Aber der zweite Offensiv­schwerpunkt ist am rheinischen Brückenkopf östlich Remagen entstanden. Im Hauptquar­tier Eisenhowers scheint nach den vorliegen­den britischen und amerikanischen Korre­spondentenberichten darüber keine reine Freude zu herrschen. Die Entstehung des Brückenkopfes werde auf einen Zufall zuruck- geführt. Als eine kleine amerikanische Pan­zereinheit bis Remagen vorstieß, war die Eisenbahnbrücke über den Rhein noch nicht gesprengt. Die Amerikaner gingen über die Brücke und errichteten östlich Von Remagen einen zunächst sehr kleinen Brückenkopf.

Das Ereignis wurde 30 Stunden geheimge- halten. Als es dann am 8. März in London be­kanntgegeben wurde, löste es zunächst unbe­schreiblichen Jubel aus. Man glaubte, daß die Amerikaner nun einen flotten Vormarsch hach Mitteldeutschland antreten würden und daß der Krieg in wenigen Wochen zu Ende sein würde. Inzwischen hat man eingesehen, wie unbegründet diese Hoffnung war. Nach einer vollen Woche ist der amerikanische Brückenkopf östlich von Remagen nur erst «inf bis sieben Kilometer tief und einen Kilo­meter breit. Er Hegt unter dem pausenlosen Feuer der deutschen Artillerie, und die Ver­luste der Amerikaner, die in den schmalen uferstreifen am Ostufer des Rheines etwa fünf Divisionen hineingeoreßt, haben, sind außerordentlich groß. Der Frontkorrespon­dent des „Daily Expreß", der sich mit zwei anderen britischen Reportern im Brückenkopf aufhielt, wurde von einer Granate getötet;

sein Kollege wurde verwundet. Aus den Schil­derungen geht hervor, daß .öslHch des Rhei­nes die Hölle los ist.

Auch die Nachschubschwierigkeiten des Brückenkopfes sind enorm. Die Eisenbahn­brücke von Remagen ist für Fahrzeuge nur schwer passierbar, die auf der Brücke, die un­ter ständigem Beschuß Hegt, nur eine Marsch­geschwindigkeit von acht Kilometer je Stunde entwickeln können. Für die Fahrer ist das eine schwere Nervenprobe. Die Ausfälle sind bedeutend. Der Remagener Brückenkopf hat bereits mehr amerikanisches Blut gekostet als die früheren Brennpunkte der Schlacht im Westen. Eisenhower kann das ganze Unter­nehmen aber nicht mehr abblasen, ohne einen schweren Prestigeverlust in Kauf zu nehmen. Er wird also nach wie vor in den Brückenkopf an Reserven hineinwerfen, was er nur irgendwie zusammenraffen kann ohne Rücksicht auf die dadurch entstehenden Ver­luste.

Es ist bezeichnend, daß der amerikanische Panzerleutnant, der die Eisenbahnbrücke von Remagen in die Hand der Amerikaner brachte, bisher keine hohe Auszeichnung er­halten hat. Nicht einmal der Name ist be­kanntgegeben worden, ein Beweis dafür, daß Eisenhower die Brücke als einen Gegenstand betrachtet, der ihm mehr Kummer als Freude bereitet.

Wie Reuter meldet, erklärte Roosevelt auf der Pressekonferenz, er habe mit dem kana­dischen Premierminister Mackenzie King Fragen erörtert, welchen Platz Kanada in der künftigen Weltorganisation einnehmen solle. Diese Erklärung ist kennzeichnend für die Stellung Kanadas in der Rooseveltschen Politik. Roosevelt handelt ganz so, als ob Kanada schon zu den USA gehört.

Nach den „Times" ist die Widerstandskraft der englischen Bevölkerung gegenüber Seu­chen stark gesunken.

haben dagegen ihre alte Angriffswucht be­wahrt. Sollte es sich, um neue Verbände ge­handelt haben, so darf ihr schwungvoller, taktischer Einsatz als Beweis dafür gelten, daß die in diesen frischen Verbänden stehen­den erfahrene Soldaten die ganze Einheit mit dem seit jeher gepflegten Angriffsgeist erfüllt haben.

über diese Gefechtsereignisse mit dem Vorzeichen des Angriffs hinaus haben sich auch in defensiver Beziehung Verbesserun­gen ergeben. Sie wurden sowohl im west­lichen Oberschlesien zwischen Schwarz­wasser und Ratibor sichtbar' wie im Häuser­kampf von Breslau, aber auch an der Oder­front zwischen Frankfurt und Küstrin. In allen diesen Abschnitten griff der Feind stark an. So hetzte er auf 16 km breiter Front bei Schwarzwasser allein mehrere Schützendivisionen, ohne Panzerverbände gerechnet, in unser Abwehrfeuer und blieb Hegen. Aus ihren Brückenköpfen von Lebus und Görlitz warfen die Sowjets etwa fünf Schützendivisionen nach Westen; sie wurden zerschlagen. Im Süden Küstrins und im Vor- . ort Kietz wurde der Feind zurückgewiesen, obwohl seine Infanterieangriffe durch außer­gewöhnlich schweres-- Artilleriefeuer unter­stützt wurde. Der Brückenkopf Stettin wurde in den Abschnitten von Altdamm und Grei­fenhagen von drei Armeen berannt. Eigene Panzergruppen fuhren dazwischen, über­rannten den angreifenden oder sich noch bereitstellenden Feind und sicherten damit den vollen Umfang des, rechtsufrigen Boll­werks vor dem größen Oderhafen.

Das ist eine ganze Reihe von Beispielen, in denen der Feind trotz erheblichen Aufwan­des auf ein Durchsetzen seiner Angriffs­wünsche verzichten mußte. Von der pommer- schen Ostseeküste kämpfte sich eine eigene Kräftegruppe bis Dievenow an der pommer- söhen Bucht durch feindliche Riegel und Sperren zurück. Wenn der Gegner diese Ge­fechtsergebnisse richtig deutet, wird er sich eingestehen müssen, daß daraus nur auf eine durch die sich überstürzenden Ereignisse der letzten Wochen nicht anfällig gewordene Truppe geschlossen werden kann, die auch nach den schweren Krisen ihre Haltung und ihren Geist bewahrt hat.

Die Kämpfe in Westpreußen sind, nicht leichter geworden. Kolberg kämpft als Igel. Zwischen ihm und dem östlichen Zipfel Pom­merns steht der Feind an der Ostsee. Er ge­wann dadurch die Ausgangsstellungen für die von Westen her vorwärtsgetriebene Angriffs­front gegen Danzig und Gotenhafen. Die Sowjets setzen das volle Übergewicht ihrer Armeen ein, um die Zugänge zur Danziger Bucht zu gewinnen. Etwa 20 km vor Goten­hafen und Danzig läuft die halbkreisförmige Front, sie spannt sich vom Nordwesten Go­tenhafens über Zuckau und Dirschau nach Tiegenhof. Der noch gehaltene Raum hat also die klare Form eines Brückenkopfes, den der Feind bisher nicht aufspalten konnte. Die sehr bewegliche schwere Artillerie un­serer Seestreitkräfte hat ähnlich wie bei Elbing in diese Kämpfe von See her einge­griffen und viel zum Auffangen der Durch­bruchsangriffe zur Küste beigetragen. Über die Schwierigkeiten der westpreußischen Restverteidigung gegenüber konzentrischem Druck dürfen wir uns keinen Zweifeln hin- geberi. Die schwer kämpfenden Truppen tun das Äußerste; sie sehen sich jedoch einem förmlichen Überdruck der starken Heeres­gruppe Rokossowski gegenüber.

In Kurland schließlich betreibt der Feind mit der gleichen Ergebnislosigkeit wie bisher seine schwerfälligen Angriffe. Ebenso wie dieser nördlichste Pfeiler der Ostfront seine Intaktheit seit vielen Wochen beweist, kommt im Süden das eigene Angriffsuntemehmen beiderseits des Plattensees, vor allem aber in seinem Osten, am Sarvitzkanal, weiter vor­wärts, obwohl der sowjetische Widerstand stärker war als in den letzten Tag§n. Es wird damit eine erhebliche Fesselung von Kräften erreicht, die sonst im Dienst der feindlichen Pläne gegen Preßburg verwendet worden wären. Die Sicherheit des deutschen Süd­ostens wird dadurch gewährleistet.

Das in seiner Gesamtheit gewiß wechsel­volle Bild der Ostfront zeigt, mit Ausnahme des Ringens um die Danziger Bucht, erste deutliche Snuren wachsender Abwehr und sichtbare Kennzeichen angriffsweiser ört­licher Verteidigung, Entwicklungen also, die

ohne Unterschätzung als Ausdruck sich ver­ändernder Kräfteverhältnisse gewertet wer­den können, als Wertmesser ungebrochenen deutschen Soldatentums aber unterstrichen werden müssen,

Großangriff in Ostpreußen

Eigener Drahtbericht

rd. Berlin, 14. März. Die neue sowjetische Großoffensive gegen Ostpreußen steht unter dem Zeichen eines sehr imgleichen Kräfte­verhältnisses. Die Bolschewisten sind am Morgen des Dienstag mit sieben Schützen­armeen und zahlreichen Panzerverbänden angetreten, nachdem sie die deutschen Stellungen mit einem Massenaufgebot an Artillerie überschüttet hatten. Auf deutscher Sette müssen dieselben Divisionen dem schweren Druck des Feindes standhalten, die nunmehr schon seit Monaten in nahezu un­unterbrochenen Abwehrkämpfen stehen und sich auch während der nur kurzen Kampf­pausen zwischen den feindlichen Großan­griffen in ständiger Alarmbereitschaft be­finden. Dafür wissen aber auch die helden­mütigen Verteidiger/ der Igelstellung in Ost­preußen, daß es sowohl um ihr nacktes Leben geht und das derjenigen Männer, Frauen und Kinder, die sich innerhalb des Stellungbogens befinden, als auch daß die gesamte Ostverteidigung von der Durch- haltekraft der Ostpreußenkämpfer weit­gehend beeinflußt werden kann. Ein weiteres positives Moment muß in der Person des Oberbefehlshabers der ostpreußischen Armeen des Generalobersten Rendulic r erblickt wer­den, dessen Tatkraft und Umsicht sich schon mehrfach in schwierigsten Situationen be­währt hat. Ganz Deutschland blickt in die­sen Tagen erneut auf die schweren Kämpfe in der hartgeprüften Provinz und wünscht mit heißem Herzen eine nochmalige Wieder­holung — hoffentlich die letzte — der bis­herigen bewundernswerten Abwehrerfolge.

Die strategische Absicht der sowjetischen Führung ist unverkennbar: durch den neuen gewaltigen Massensturm sollen die deutschen Positionen an der Ostseeküste vernichtet, die Flankenbedrohung des bolschewistischen Einhruchraumes ausgeschaltet und die Grundlagen für die Großoffensive gegen Mitteldeutschland geschaffen werden. Offen­bar fühlt der Feind sich doch nicht stark genug, ohne diese Voraussetzung seine wei­teren Ziele zu verfolgen. Bis jetzt konnte der Feind überall abgewehrt werden, so daß auch die Ostpreußenstellung noch unerschüttert besteht.

Bis zum Sieg!

Von Oberbereichsleiter Karl Kicckbusch

Es sind heute nicht nur die feindlichen Waffen, denen wir zu begegnen haben. Je fa­natischer unser Widerstand bleibt und je häufiger eine Feindoffensive nach der ande­ren aufgefangen wird, desto mehr wird der Feind seine Versuche wiederholen, uns im Kreuzfeuer der politischen Parolen zu erledi­gen. Viele politische Begriffe sind nur zeit­weise gültig; sie mögen auch noch so alt scheinen. Sie kommen, haben einen bestimm­ten Wert/ plötzlich ändern sie den Inhalt und sind dann wertlos. Wehe der politischen Schlafmütze, die den Wechsel der Zeiten ver­träumte und wertlos gewordene Münze dann noch zum alten Kurs annimmt. Man verspielt in der Politik damit nicht nur sein Vermögen, sondern meist auch sein Leben. Es ist an der Zeit, eine öffentliche Warnung gegen den Umlauf einer solchen von alters her wohlbe­leumdeten, heute aber wertlos gewordenen Münze auszugeben. Dieser politische Begriff, dem die Gangster Roosevelt, Churchill und Stalin allen Inhalt genommen haben, das ist: der Frieden!

Früher war einmal der Frieden der ausge­sprochene Gegensatz zum Krieg. War der Frieden erst einmal beschworen, dann schwie­gen die Waffen und der Segen einer befriede­ten Zeit kam dem Sieger wie dem Besiegten in gleicher Weise zugute. Es ist zwar dem Sie­ger stets besser gegangen als dem Besiegten. Im Rahmen auferlegter und vereinbarter Lasten blieb aber auch dem Besiegten die Möglichkeit und das Recht, sein Leben von neuem aufzubauen. Diese inzwischen histo­risch gewordene Vorstellung vom Frieden hat in der Geschichte des Abendlandes damals ihre letzte und uneingeschränkte Anwendung gefunden, als Deutschland 1871 seinen Frie­den mit Frankreich machte.

Schon das Versailler Diktat barg in sich den Plan, Deutschland nie wieder — auch nicht im „Frieden" — eine gesunde Neuord­nung seiner nationalen Existenz zu ermög­lichen. So klug die Maschen des Versailler Friedensbetruges auch gesponnen waren, am Ende sahen sich die Betrüger selber darin ge­fangen, und dank Adolf Hitler erstand Deutschland trotzdem zu neuer Kraft. Der Weltjude als betrogener Betrüger ging aber von neuem ans Werk. Nicht nur, daß er einen neuen Weltkrieg entfesselte, er gab diesem Krieg von vornherein auch ein anderes Ge­sicht, und die Zeiten des „Friedens“ sind von ihm ein für aUemal aus der künftigen Welt­geschichte gestrichen — soweit wenigstens ihr Lauf vom Willen des Weltjudentums be­stimmt werden würde.

Was mit den Materialschlachten des Welt­krieges nur ein Anfang und mit den Sklaven­ketten des Versailler Diktates nur ein Ver- zu einem System der Völkerver­such war, das Hat inzwischen jüdischer Haß nichtung ausgeweitet, das den alttesta­mentarischen Blutdurst der Juden voll be­friedigen soll.

Der Krieg ist heute nicht mehr ein Mittel, bestimmte zeitliche und lebensnotwendige Fragen der nationalen Politik unter Einsatz der Waffen zu lösen, sondern er ist zu einem Mittel der planmäßigen Ausrottung aller dem Weltjudentum nicht botmäßigen Völker ge­worden. Dabei hat der Krieg in zweifacher Weise eine Ausweitung erfahren. Die ameri­kanischen Gangster haben einmal räumlich den Krieg über den Todesbereich der Fron­ten auch in die dahinterliegende Heimat ge­tragen. Der Friede der Heimat ist dahin, allerdings das Ethos des soldatischen Kamp­fes an der Front desgleichen. Die Waffe des Krieges ist in der Hand unserer bestialischen Gegner zu einem Mordinstrument geworden, das vor Frauen und Kindern ebensowenig Halt macht, wie vor Alten oder Verwundeten. Zu der räumlichen Ausdehnung des Vemich- tens von Menschen nicht nur an den Fron­ten, sondern auch in der Heimat kam nun aber die noch gemeinere zeitliche Ausdeh­nung der Abschlachtung und Vernichtung von Menschen über die Dauer des Krieges hinaus.

• Was haben denn Finnland, Bulgarien, Ru-

Hoß und Erbitterung sondergleichen

Drahtbericht unseres Vertreters

ost. Stockholm, 14. März. Die englische Zeit­schrift „Time“ schildert den unvorstellbaren harten Widerstand der Japaner auf der Insel Iwojima und schreibt dann weiter: Reine materielle Macht und Überlegenheit, sei es zu Lande, in der Luft oder zur See, mache vielleicht- gewisse Erfolge möglich, dafan aber komme einmal der Zeitpunkt, wo die Ent­scheidung des Kampfes nur noch von dem Kampfgeist der Truppe abhänge. Es komme der Augenblick, wo die Verteidigung des Geg­ners nicht mehr durch die Wucht des mate­riellen Ansturms zusammengeschlagen werden könne, sondern wo jeder ZoU feindlichen Bodens mit Blut bezahlt werden müsse, wo letzten Endes der Mensch allein die Ent­scheidung erzwingen müsSe.

Gerade dieser Kampfgeist und Wider- standswiHe, der immer wieder für die Alliier­ten, sei es in Europa, sei es in Asien, Ver­blüffung sondergleichen auslöst, ist ein Thema, dem man trotz aller Zensur beson­dere Aufmerksamkeit widmet. Das gilt auch für den Bericht eines schwedischen Korre­spondenten, der jetzt, über die Haltung des deutschen Volkes in diesen schweren Tagen in einem Bericht aus Berlin schreibt: „Alle Soldaten,, die aus dem Osten kommen, be­richten furchtbare Dinge über das Hausen der Sowjets in den deutschen. Ostgebieten, überall hört man von den Brandschatzungen deutscher Städte und Dörfer, von geschän­deten Frauen und Kindern, von gemarterten deutschen Menschen und von einem Elend sondergleichen. Die Sorgen und der Kummei,

die sich die Deutschen als Einzelmenschen über das Schicksal ihrer Verwandten und Freunde im Osten machen, ist nun zu einer Art Massenbewegung geworden, deren Be­deutung nicht unterschätzt werden kann. Das deutsche Volk in seiner Gesamtheit ist jetzt von einem Haß und einer Erbitterung sondergleichen gegen die Sowjets ergriffen. Diese nun in Deutschland herrschende Stim­mung ist so eindeutig und klar, daß die amt­lichen Aufrufe zum Widerstand bestimmt sehr weitreichende Folgen haben werden.“

Japan seizf neue Waffen ein

er. Lissabon, 14. März. In der amerikani­schen Presse sind in den letzten Tagen Mel­dungen aufgetaücht, in denen der Versuch gemacht wird, eine triftige Erklärung dafür zu finden, daß die USA-Streitkräfte auf der Insel Iwojima trotz ihrer gewaltigen materi­ellen Überlegenheit ungeheure Verluste er­litten haben und auch weiterhin erleiden. Jetzt wird der USA-Öffentlichkeit geschil­dert, daß außer dem unglaublich harten Widerstand der japanischen Besatzungs- trupppen auch etwas anderes hinzukomme, nämlich der Einsatz neuer japanischer Waffen, mit denen man nicht gerechnet habe. Es handele sich zunächst um eine Art Raketenbombe, die schwer unter den USA- Streitkräften gewütet habe. Darüber hinaus hätten die Japaner erstmalig einen 32-cm- Granatwerfer eingesetzt und auch ein 20-cm- Raketengeschoß, das nicht näher beschrieben wird. Alle drei Waffen der Japaner werden jedoch als äußerst wirksam hingestellt.