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(8.3.1945) 57
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der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündunqablad des Beichsslatthalte» in Oldenburg und 1

Nummer 57 15. Jahrgang

Donnerstag. 8. März 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Mißlungener Pinn

Drahtbericht unseres Vertreters ost. Stockholm, 7. März. „Solange Deutsch­lands Wehrmacht nicht vernichtend geschla­gen ist, solange Ist das Ende des Krieges nicht abzusehen.“ Zu dieser Feststellung ist eine Reihe bekanntester englischer Militärkritiker in ihren Betrachtungen über die neueste Ent­wicklung der britisch-amerikanischen Groß- offensive im Westen gekommen. Dieser Rück­schluß ist um so beachtenswerter, als die Agi­tation der Feindmächte in krassem Wider­spruch zu dieser nüchternen Beurteilung der Lage steht. Die militärischen Fachleute sehen die Dinge offensichtlich ganz anders an. Sie gehen übereinstimmend von der Annahme aus, daß der große Plan des alliierten Ober­kommandos darin bestand, die deutsche Ver­teidigung im Westen so schnell und so wuch­tig aufzureißen,daß auf dem linken Rheinufer die deutschen Streitkräfte in einem Riesen­kessel eingeschlossen und vernichtet werden sollten. Die Operationen der britisch-ameri- kanisch-kanadischen Streitkräfte der letzten Woche dürften darüber, daß dies tatsächlich der ursprüngliche Plan der Alliierten war, keinerlei Zweifel aufkommen lassen.

Was aber ist eingetreten? Durch die beweg­liche deutsche Abwehrtaktik ist wieder einmal dieser große Vemichtungsplan fehlgeschlagen. Es kam weder zu dem alles überrennenden Durchbruch, noch, was als viel wichtiger be­trachtet wird, zu der erstrebten Vernichtung großer deutscher Verbände. „Immer wieder halten uns die deutschen Nachhuten auf, im- merwieder stoßen wir auf erbitterten und fa­natischen Widerstand von deutschen Verbän­den, der es dem Gros der deutschen Streit­kräfte ermöglicht, neue Stellungen zu bezie- nen. Wir sind wieder einmal hinters Licht ge­führt worden. Daß die deutschen Streitkräfte nicht eingeschlossen «und vernichtet werden konnten, daß sie ihre Ausrüstung, ja sogar das schwere Material auf ihre neuen Linien zurückführen konnten, muß nun als absolut geglückt angesehen werden. Das ist gleichbe- - deutend mit dem Mißlingen des großen '^alliierten Planes, dessen Hauptziel darin be- |stand, gerade diese deutschen Streitkräfte zu vernichten. Zunächst ging es darum, den Rhein zu beherrschen, aber entscheidend sollte die ganze Operation dadurch werden, daß die deutschen Verbände westlich, dps Ehelns'eingeschlossen und vernichtet-werden, sollten. Statt dessen ist keinerlei entscheiden­de Aktion zustande gekommen, sondern nun stehen wir vor neuen schweren Kämpfen, die den britisch-amerikanisch-kanadischen Ver­bänden keinerlei rosa Zukunftsaussichten versprechen. Das deutsche Oberkommando im Westen hat seine Verbände Zusammenhalten und sie in tadelloser Ordnung auf neue Ver­teidigungslinien führen können“.

Eichenlaub mi! Schwertern

Führerhauptquarticr, 7. März Der Führer verlieh das Eichenlaub mit Schwertern zum Riterkreuz des Eisernen Kreuzes an Gene­raloberst Gotthard Heinrici, Oberbefehlshaber einer Armeegruppe, ’Is 138. Soldaten der deut­schen Wehrmacht.

Eichenlaub verliehen

Führerhauptquartier, 7. März Der Führer ver- iieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eiser­nen Kreuzes an Generalleutnant Arthur Kull- mer, Kommandeur einer Volksgrenadier-Divi- sion, als 758., an Major Michael Pössinger, Bataillons-Kommandeur in einem Grenadier- Regiment, als 759., an Major Othmar Poll- mann, Adjutant einer Infantrie-Division, als 760. Soldaten der deutschen Wehrmacht.,

Ein Kampf für Europa

Festung Breslau als Wellenbrecher in der Sowjetilut

Von unserem Dr.-F.-Sonderberiehterstatter rd. In Schlesien, 7. März. Die Festung Breslau steht weiter in der Brandung pausen­loser Angriffe der Sowjetdivisionen, die den eisernen Ring um den Stadtkern aufzubrechen versuchen. Eine verschworene Gemeinschaft trotzt, um den Gauleiter Hanke geschart, dem Ansturm der Bolschewisten und schreibt sich mit goldenen Lettern in das Ruhmesblatt deutschen Heldentums ein, dessen Taten in die Geschichte des Abendlandes eingehen werden. Die Männer und Frauen, die auf historischem Boden den Auftrag ihrer höchsten Bewährung vollziehen, leben und sterben das Vorbild eines Soldatentums, das als Wellenbrecher in der Flut die Wucht der feindlichen Stoßarmeen auf sich gezogen hat. Obwohl der pegncr in der- letzten Zeit mit allen Mitteln der Materialschlacht drängt, den entscheidenden Einbruch zu erzwingen, muß er jeden Meter Bodengewinn mit. dem höchsten Zoll an Menschen und Material Ver­lusten bezahlen. Stoßtrupps stören ständig 'seine raumgreifend angesetzten Pläne, Sturm­pioniere sprengen mit ihren „Goliaths“ wich­tige Brücken, um das Vordringen zu verhin­dern, in erbitterten Straßenkämpfen klam­

mern . sich die Verteidiger mit verbissener Zähigkeit an jede Ruine in Trümmern und Schutt der Hauptkampflinie und stellen sich unbeugsam gegen die anrennenden sowje­tischen Bataillone.

Auch die neuerdings verstärkten Angriffe aus der Luft, der Regen vom Bomben und Granaten, den die Bolschewisten im Gegen­satz zu ihren agitatorischen Verkündigungen wahllbs über die ganze Stadt und über deut­lich gekennzeichnete Lazarette mit Rotem Kreuz streuen, haben die Besatzung nicht mürbe gemacht. Die Wohnviertel von Breslau gleichen heute zwar stellenweise den deut­schen Städten, über die der Bombenterror hinweggebraust ist, aber ohne Hilfe von draußen und ganz allein auf sich gestellt, ge­lingt es der Bevölkerung immer wieder, die Brandung einzudämmen, ihr Haupt zu er­heben und neue Barrikaden zu errichten.

Die Reste der verbleibenden Zivilisation sind längst abgestreift. In den Quartieren und Keilerräumen herrscht jedoch kein falsch verstandenes Landsknechttum, son­dern Zucht und Ordnung. Das Leben geht weiter. Die Schlachter- und Bäckerläden so­wie wichtige Versorgungsgeschäfte sind ge-.

öffnet, Lohn- und Gehaltsbezüge, sogar die Rentenzahlungen werden termingemäß abge­wickelt. In den Straßen trifft man Frauen in den Uniformen der Reichsbahnerinnen und Omnibusschaffnerinnen; sie haben den Galoppwechsler und den Stromschlüssel mit der Schöpfkelle an der Gulaschkanone ver­tauscht, liahtieren Tag und Nacht am Klap­penschrank oder sitzen in den Volkssturm­nähstuben. Ihre Fraulichkeit hat im Don­nern der Geschütze in der Nähe der ein­schlagenden Granaten, im schmutzigen Nebel der Rauchschwaden nichts eingebüßt. Sie sind Kameraden der großen Schicksalsfront.

Der Kampfeswille der Verteidiger Breslaus ist nicht gelähmt. Nichts' spricht daher mehr für den Geist der deutschen Truppen als die Antwort, die sie der Ubergabeaufforderung erteilten, als sie in der Festung Breslau die Spende zum Winterhilfswerk zu einem Re­kord der Opferfreudigkeit werden ließen. Allein in einer Stubengemeinsehaft von drei­zehn Soldaten wurden 1133 Mark gespendet, an dem Tage, an dem sie die Ehre empfan­den, einer Formation anzugehören, die schon jetzt sichtbar das Heldenmal Breslaus als Ärmelstreifen auf ihren Uniformen trägt.

Sowjets wollen m Pommern Flankenhedröhimg cinssdtdien

Von unserem militärischen v. W -Mitarbeiter Alle, anderen Gefechtsfelder der Ostfront, in der Slowakei, bei Lauban, wo der Feind zu­rückgedrängt wurde, und in Ostpreußen, wo

| wehrleistung schwächerer eigener Kampf­gruppen gegenüber einem Feinde, der jeden [ Tag frische Truppen an die Front schiebt, einmal um seine starken Ausfälle auszuglei­

die Standfestigkeit unserer Divisionen den j c J len ’ zu ™ zweiten, um sich bildenden Wider-

Feind gezwungen hat, seinen Angriffsdruck herabzumindern und ein Nachlassen an Ge­schlossenheit und Wucht in Kauf zu nehmen, treten gegenüber der Schlacht in Pommern zurück. Sie hatte am 25. Febr., am Tage der Feindoffensive im Westen, begonnen und kurz danach die ganze pommersche Front erfaßt und in Bewegung gebracht. Der rechte Fiügel Schukows ist daran ebenso beteiligt wie die ganze Heeresgruppe Rokossowski. Darauf er­gibt sich der Umfang der feindlichen Unter­nehmung und ihre Wucht, die vor allem in zwei Panzerarmeen liegt. Unsere. Divisionen schlagen sich tapfer. Sie befinden sich aber in starker Unterlegenheit, so daß es dem Geg­ner gelungpn ist,'die Front aufzureißen, feste Linien zum Verschwinden zu bringen und Be­wegungsgefechte zu führen.

Der Gegner unternahm die neue Schlacht, um die pommersche Front als Bedrohung sei­ner Oderstellung auszuschalten. Er verzich­tete zu diesem Zweck auf frühzeitige Eröff­nung der Oderschlachb. Er nahm Umgruppie­rungen vor und machte sich in Pommern so stark, daß er das Gesetz de? Handpins an sich reißen konnte. Starke sowjetische Einbruchs­keile arbeiten sich neh Norden gegeiv.die Ost­see und nach Nordwesten gegen Odermün­dung und Stettiner Haff vor. Diese schwierige Lage entstand durch die Bildung von zwei Angriffsschwerpunkten, die für Schukow im Abschnitt Arnswalde und für Rokossowski im Abschnitt Neustettin—Könitz gelegen hatten. Während der bisherigen Gefechtstage war es wohl gelungen, den Gegner vorübergehend aufzuhalten —, eine jeweils besondere Ab-

Bolschewisiische Kostprobe: Rumänien und Finnland

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung g. Berlin, 7. März. Panikstimmung in Bu­karest, starke Beunruhigung in Helsinki, vor­gestern Sturz der Radescu-Regierung, gestern Rücktritt des finnischen Marschalls Manner- heim, die Meldungen aus den beiden unter dem Druck der Sowjetarmeen stehenden Staaten beginnen sich zu häufen. „Der Bolschewismus überschwemmt langsam aber sicher den europäischen Kontinent“, schreibt „New York Journal“ zu dieser Entwicklung, und es ist bezeichnend, daß im Lande Roose- velts bereits solche Erkenntnisse gemacht werden. Wie aber steht es in den beiden Staa­ten im Osten Europas? Wieviel Einfluß haben noch warnende amerikanische Stimmen auf diese Ereignisse? Rumänien: Die Meldungen widersprechen sich, aber alle lassen erkennen, daß die Sowjetunion die Hauptfigur in dieser Tragikomödie ist, obwohl sie hinter den Ku­fen bieibt.' Während man also in Bukarest nicht aus noch ein weiß, während Massen­kundgebungen auf den großen Plätzen der

Stadt die Bildung einer ..Konzentrations-Re­gierung“ fordert und während der frühere Ministerpräsident Radescu seine Anhänger sammelt, versucht die Sowjetunion mit neuen Retzparolen das Chaos noch mehr zu ver- Srößern: „Mit dem Rücktritt Radescus haben die Intrigen seiner Komplizen nicht ihr Ende gefunden. Radescu und seine Anhänger müs­sen zur Verantwortung gezogen werden. Das ® eine fruchtbringende und gerechte For­derung.“ Finnland: Die bevorstehenden

Reichstagswahlen stehen im Mittelpunkt der sowjetischen Agitation. Auch hier tritt Mos­kau nicht offen auf die Schaubühne. Der Umweg über die finnischen - Komm u nisten ]f r d gewählt. Die dunkle Flüsterpropaganda Rinken soll die finnische Bevölkerung un- öcher machen, soll die Reichstagswahlen im Mr die Bolschewisten günstigen Sinne beein- nussen. Und in der Tat, die Gerüchte er- ^ichen ihren Zweck. Sie werden durch eigen­

tümliche zusammenfallende Ereignisse unter­stützt: Den Rücktritt und die Krankheit

Mannerheims, die Unterbrechung des Luft­verkehrs mit Schweden. Selbst die sonst oft­mals recht sowjetfreundlichen schwedischen Zeitungen werden in ihren Kommentaren zu den filmischen Ereignissen recht unsicher. Auch wenn sie versuchen, die sowjetische Gefahr, die Finnland droht, zu bagatelli­sieren, so bleibt doch immer die offen aus­gesprochene Frage: „Hat die Sowjetunion

die Absicht, mit Finnland den gleichen kur­zen Prozeß zu machen, wie früher mit dem Baltikum?“, .oder: „Die Geneigtheit der

Sowjets ist imbedingt vorhanden, ihre über­legenen Machtmittel auszunutzen“, oder: „das Land ist auf dem Weg, seine innere Frei­heit zu verlieren und Gefahr zu laufen, ein ‘undemokratischer Minderheitenstaat zu wer­den", obwohl die schwedischen Zeitungen immer wieder ihre Leser trösten wollen, indem sie darauf hinweisen, daß die „Russen sicherlich nicht das Hauptergebnis der Krim- Konferenz gefährden und das Verhältnis zu den Westmächten verderben wollen“, schei­nen sie selbst nicht mehr an ein so schwaches Argument gegen ihre eigenen Befürchtungen und Kombinationen zu glauben.

In Rumänien genau wie in Finnland kommt die Sowjetunion Schritt für Schritt ihrem Ziel näher. Die Panikatmosphäre in Bukarest und die Unsicherheit der finnischen Bevöl­kerung sind ein guter Boden zur Errichtung eines Sowjetregimes. Die „bolschewistische Überschwemmung des europäischen Konti­nents“ aber wird im anglo-amerikanischen Lager offiziell nicht anerkannt, und Stim­men wie die von „Weekiy Review“ sind recht selten: „Die barbarische Brutalität der

griechischen Kommunisten ist mit Recht von Churchill verurteilt worden, aber warum be­schränkte er sich darauf, vom kommu­nistischen Terror nur in Griechenland zu sprechen?“

stand mit noch größeren Mitteln als am Tage vorher zu brechen. Seit Beginn der Schlacht hat der Feind in Pommern und Westpreußen rund 4o0 Panzer verloren. Wir mußten es uns abgewöhnen, ein Schwinden der verfügbaren Kampfkraft des Gegners darauf zu konstruie­ren. Für die Beurteilung der Kampfleistung der eigenen Truppen aber bleibt ein solches Ergebnis der unwandelbare Maßstab.

Gelingt es dem Gegner, die Gefechtsfelder des Augenblickes — die Abschnitte Stargard, Goiinow, Gammin, Greifenberg, Kolberg. Bel- gard und Köslin — nach Norden und Nord­westen um ein geringes auszuweiten, so muß die Abschnürung Westpreußens und des öst­lichen Pommern vom Reich ebenso als Tat­sache hingenommen werden wie die teilweise Abschnürung Ostpreußens und die Isolierung der kurländischen Front. Doch zeigt gerade dieser Kampfraum, was eine starke und kampfentschlossene Kräftegruppe in der Ver­teidigung solcher Art vermag. Die Zerlegung unserer ursprünglich weitgespannten Nord­front in mehrere nicht mehr miteinander verbundene Teilabschnitte war die operative Grundlage, die wesentliche Kampfhandlungen zwischen Oder und Ostpreußen ausgelöst hat. Dem Gegner kam es dabei vor allem darauf an, ein Zusammenwirken der nun voneinan­der getrennten deutschen Kräftegruppen un­möglich zu machen. Doch bleibt das auch in der Isolierung solange möglich, als sich in Kurland, Ostpreußen, im Dreieck Danzig— Preußisch Stargard—Stolp die deutschen Di­visionen kampf- und angriffsfähig halten.

Der Feind verfolgt mit Eifer sein Ziel, seine Oderfront nach Norden bis zum Stettiner Haff zu verlängern. Er wollte jede Flügelbe- drohung aus dem Norden ausschalten nnd hat das formal auch erreicht. Möglichkeiten zur Gefährdung seines Rückens und seiner rückwärtigen Verbindungen aber bestehen so­lange, wie die deutschen Divisionen im pom- mersch-westpreußischen Grenzraum verfüg­bar sind. Volle Sicherheit für seine Oderfront hat der Gegner also nicht erreicht, well es ihm mit seinen Operationen gegen Pommern nicht .gelang, die dort stehenden Kräfte zu vernichten. Er konnte sie abdrängen und zu­rückdrücken. Mit ihrer Anwesenheit muß er auch weiterhin rechnen.

Während der Kampf um Pommern auf sei­nem Höhepunkt angelangt ist, lassen die meist örtlichen Kämpfe an der schlesischen Front erkennen, daß sich die Kräfte von Ver­teidigung und Angriff in vielen Abschnitten die Waage halten, Angriffe mit Gegenstößen wechseln, in denen sich unsere Truppen im­mer wieder durchsetzen. Das kann den Geg­ner veranlaßt haben, an seine neue Schwer­punktverlagerung zu denken, die er gegen den westoberschlesischenRaum zumTragen zu brin­gen gedenkt. Denn hier machen sich stärkere Umgruppierungen bemerkbar, die gegen Neiße und Mährisch-Ostrau gerichtet scheinen. Die Kräfte, die der Feind zu diesem Zweck in Marsch setzt, nimmt er aus dem breiten Ab­schnitt Oppeln—Schwarzwasser. Wir wissen, der Feind entschließt sich zu solchen opera­tiven Veränderungen erst immer dann, wenn er sich im alten Schwerpunktraum unüber­windlichen Schwierigkeiten gegenüber befin­det. Hinter der schlesischen Front aber hal­ten Breslau und Glogau tapfer aus. Mit ihnen muß auch Graudenz in Westpreußen genannt werden, dessen Schwierigkeiten sehr groß geworden sind, aber bisher standhaft überwunden wurden.

Bis neue Schwerpunkte offen Sichtbarwer­den, steht Pommern im Vordergrund. Von der dort tobenden Schlacht hängt nicht nur für diese preußische Kemprovinz alles ah, son­dern auch Jför die Oderfront, weil die Sowjets an die Eröffnung der Oder c ch!ac'.'. nicht hcr- angehen werden, bevor sie die Gefährdung

ihrer Nordflanke nicht ausgeschaltet und ihren Nordflügel nicht an die Odermündung herangeführt haben. Der Zeitgewinn, der bis dahin von uns genutzt wird, dürfte auf die allgemeine Stärkung unserer Oder-Verteidi­gung nur günstig wirken.

Gegen üüdenglandl

Stockholm, 7. März. Vom Tagesan­bruch des Dienstag bis 7 Uhr früh am Mitt­woch richtete sich laut Reuter die deutsche Lufttätigkeit gegen Südengland und verur­sachte Schäden und Verluste.

Plötzlich verstärkt

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 7. März. Im englischen Unterhaus beschäftigte sich Luftfahrtmini­ster Sinclair auf Anfragen höchst besorgter Abgeordneter mit der verstärkten deutschen Lufttätigkeit über England, wie sie im gestri­gen OKW.-Bericht bereits erwähnt wurde. Die Beruhigungsversuche des britischen Luft­fahrtministers zeigten, wie groß die Überra­schung und die Unruhe sind, die durch diese Tatsache in der englischen Bevölkerung her­vorgerufen wurden.

Das Luftfahrtministerium mußte sich vor allem mit der Frage auseinandersetzen, wie es kommt, daß die Deutschen ihre Luftan­griffe über England plötzlich verstärken konnten, obwohl von amtlicher britischer Seite immer wieder versichert worden sei, daß die Luftangriffe der Briten und Amerikaner in den letzten Monaten überaus . vernich­tende Wirkungen gehabt hätten. Die Antwort Sinclairs war etwas schwächlich. Er erklärte, die britische Luftwaffe habe nichts unver­sucht gelassen, die Startplätze von V 1 und V 2 zu vernichten und dadurch weitere An­griffe auf englische Gebiete unmöglich zu machen. Diese Startplätze seien jedoch „sehr klein und sehr schwer zu erkennen“.

Angriffsgeist

. Von Hermann Spannagel

Uber einen Punkt ist sich heute jedermann in Deutschland hn klaren: Eine Wende unse­rer militärischen Situation kann erst eintre- ten, wenn wir zum Gegenangriff antreten und die in die deutschen Ostprovinzen eingedrun­genen Sowjets wieder zurückwerfen. Dies ist beinahe eine Binsenwahrheit, denn es lieg); auf der Hand, daß ein Krieg nicht in der De­fensive gewonnen werden kann, insbesondere dann nicht, wenn der Feind wichtige Teile des eigenen Bodens besetzt hält.

Diesen Gegenangriff erfolgreich durchfüh­ren zu können, verlangt zwei Voraussetzun­gen: 1. Es müssen die notwendigen Armeen bereitgestellt und diese Armeen müssen mit Waffen und Kriegsgerät ausgerüstet werden. 2. Diese Armeen müssen von einem hervorra­genden Kampfgeist erfüllt sein; sie dürfen nur eine Parole kennen und die muß heißen: Angriff, Angriff und nochmals. Angriff! Dar­über hinaus muß das ganze Volk von diesem Geist erfüllt sein, denn Front und Heimat sind eins geworden und die Heimat ist von je­her das große Kraftreservoir der Front gewe­sen. Es ist ein nutzloses Unterfangen, die be­rechtigte Neugier des Lesers über die näheren Umstände der ersten Vorbedingung auch nur halbwegs befriedigen zu wollen. Alle Gesprä­che, die über dieses Thema geführt werden, dreschen leeres Stroh, denn der Laie kann sich über das ganze Ausmaß der uns zur Ver­fügung stehenden militärischen Kraftreserven kein Bild machen. Er weiß nicht, wieviel ein­satzfähige Panzerdivisionen wir zur Verfü­gung haben, er weiß nicht, wie groß unsere „Spritreserven“ sind, wie es um unsere Artil­lerie und unsere übrigen aalten und neuen Waffen bestellt ist. Er weiß nur, daß all diese' Dinge, die man zur Kriegführung braucht, bei uns knapp sind und daß rein zahlenmäßig der Gegner über mehr Kriegsmaterial verfügt. Dies allein sind jedoch keine durchschlagen­den Argumente, denn einmal hat man im Kriege nie zuviel Kriegsmaterial, sondern immer zu wenig, und zum andern hat der bis­herige Verlauf des Krieges Beispiele genug dafür gebracht, daß die zahlenmäßige Über­legenheit allein nicht genügt, sondern daß die Qualität und der Kampfgeist fast ebenso wichtige Waffen in der Hand der Führung sind.

Wenn wir uns aus den angegebenen Grün­den mit den Einzelheiten der rein militäri­schen Voraussetzungen nicht näher befassen können, so soll das nicht bedeuten, daß wir diese Dinge auf die leichte Schulter nehmen. Wir überlassen sie vielmehr nur jenen Stellen, die allein dazu berufen sind, alle diese Fra­gen und Probleme zu erörtern und zu lösen. Was wir tun können und tun müssen, liegt eindeutig bei der Schaffung all der Voraus­setzungen, die notwendig sind, um die zweite Vorbedingung für die Wende unseres Schick­sals zu erfüllen.

Wir wollen, um die ganze Tragweite dieses Komplexes zu umreißen, zunächst zwei Bei­spiele anführen. Die militärischen Fachleute sind sich heute darüber im klaren, daß der mili­tärische Zusammenbruch Frankreichs in erster Linie deshalb zu einer solchen Katastrophe wurde, weil die französische Armee, dieses an sich hervorragende Instrument, nach dem Weltkriege ausschließlich in Defensivgedan­ken erzogen wurde. Dieser Defensivgedanke hatte sich jedoch nicht nur im französischen Heer breit gemacht, sondern ebenso im fran­zösischen Volk, das wie gebannt auf die Be­tonbunker der Maginot-Linie : starrtp, in die es seine ganze Hoffnung und Zuversicht ein­gegraben hatte. Als deshalb die erste Krise des Feldzuges eintrat, war weder auf dem militärischen Sektor noch auf dem politischen

Neue Bonomt-Krise infolge Flucht Bonitos

Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 7. März. Das römische Kabi­nett ist infolge einer vor einigen Tagen er­folgten Flucht des in Haft befindlichen Gene­rals Roatta in schwerste Gefahr geraten. In den Straßen Roms toben sich die politischen Leidenschaften seit gestern ungezügelt aus. Auf verschiedenen Plätzen kam es zu Kund­gebungen, in die Polizei und Truppen eingrif- fen. Mehrere Personen wurden getötet und verletzt. General Roatta hat, wie der augen­blicklich stattfindende Prozeß zeigt, nach bei­den Seiten hin zu spielen versucht. Er gehörte zu der Verräterclique rings um Badoglio. Vor einiger Zeit mußte er unter dem Druck der Linksopposition wegen verschiedener Ver­gehen seine Ämter niederlegen und vor Ge­richt gestellt werden. Die Alliierten lassen ihn selbstverständlich kühl fallen, nachdem er ihnen s. Z. die größten Dienste erwiesen hatte, nunmehr aber überflüssig geworden war. Die Ursachen seiner Flucht sind noch nicht be­kannt. Man spricht davon, daß diese Flucht aus einem Krankenhaus erfolgte, wo er zur Zeit interniert war, von sehr hochgestellten italienischen und alliierten Persönlichkeiten begünstigt wurde, da man befürchtete, er werde, in die Enge getrieben, zur Rettung sei­nes Lebens Dinge aussagen, die den Alliierten höchst unbequem sind.

Die römische Presse der Linken richtet die heftigsten Angriffe gegen das Kabinett Bonomi, vor allem gegen den Premiermini­ster selbst, der gleichzeitig Innenminister ist und dem infolgedessen die zur Bewachung Roattas eingesetzten Polizeikräfte direkt' unterstanden. Bonomi sucht sich zu retten und gedenkt nach den letzten britischen Mel­angen, den kommandierenden General der Gendarmerie als Sündenbock in die Wüste zu schicken. Die Geheime Polizei soll neu or­

ganisiert und in Zukunft nicht mehr dem Innenminister verantwortlich sein, sondern dem Kriegsminister unterstellt werden. Gleichzeitig hat sich Bonomi zu einer Ver­stärkung und Beschleunigung der sogenann­ten „Säuberungsmaßnahmen“ bereit erklärt. Von kommunistischer Seite waren der Re­gierung bereits seit langem Vorwürfe ge­macht worden, sie gehe zu langsam vor und falle immer wieder über „juristische Zwirns­fäden“. Ob diese Beschlüsse das Kabinett retten werden, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen; doch wird in unterrichteten Kreisen angenommen, daß wahrscheinlich der Fall Roatta die Veranlassung zu einem neuen Linksruck im Bonomi-Italien sein wird Gleichzeitig sieht auch die Bonomi-Regierung sich in weiten Landesteilen einem Wiederauf­leben des Faschismus gegenüber, das auf die große Enttäuschung und Verelendung der Be­völkerung zurückgeführt wird.

Streik wirk! sich aus

Drahtbericht unseres Vertreters

kl. Stockholm, 7. März. Durch den Streik der Londoner Hafenarbeiter ist die Lebensmittelver­sorgung Groß-Londons, die gerade in dieser Jahreszeit auf ständige frische Zufuhren ange­wiesen ist, stark bedroht. Große Mengen leicht verderblicher Ware, vor allem Obst und Gemüse für die Londoner Bevölkerung, konnten seit Freitag vergangener Woche nicht gelöscht wer­den und dürften zum Teil verdorben sein. Der Dockarbeiterstreik' scheint nur der erste Vor­bote einer neuen „wilden" Streikwelle zu sein, von. der England zur Zeit bedroht ist. In Schott­land streiken gegenwärtig die Heizer und Ma­schinisten in etwa 50 Kohlenbergwerken und verhindern dadurch ein Einfahren der Bergar­beiter. Beträchtliche Förderungsverluste sind entstanden, die um so mehr ins Gewicht fallen, als die englische Kohlenversorgung sehr unzu­länglich ist.