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(22.2.1945) 45
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Parteiamtliche Tageszeitung

Da» Araiablaii des Bsetaranden BfoeanMlateM der Fni« Ha&MStadt B»gm

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Vofkündungsblatt des Reichßslaähaltere tan Oldeabtwr had Bremen

Nummer 45 15. Jahrgang

Donnerstag, 22. Februar 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Operative Gegengewichte aufgebaut

Ausbalancierung der Kralle Gesicht der Ostfront durch deutsche Aktivität mitbestimmt

Von unserem militärischen v. W.-Mitarbeiter

Der Generalangriff der Amerikaner, Briten und Sowjets ist gegen jede Planung erst in diesen Tagen das geworden, was er im De­zember oder Januar hätte werden sollen, eine konzentrische Operation gegen das Reich von Westen und Osten und möglichst auch von Süden gleichzeitig geführt. Dem westlichen Gegner zerschlüg unser Gegenangriff im Dezember die Möglichkeit, gleichzeitig mit den Sowjets loszuschlagen. Sie haben mehr als vier Wochen verloren und sind an der für ihren Hauptstoß in Aussicht genommenen Front infolge der Überschwemmung der Rur heute noch nicht fähig zum Angriff, obwohl ihre Kräfte bereit sein dürften. So betätigen sie sich im Flügel der noch stillen Hauptfront am Niederrhein sowohl wie an der nordluxem­burgischen Grenze und an der Saar.

Es bleibt dadurch das operative Gewicht der gegnerischen Planung im Osten liegen, wo es auf unsere Armeen drückt. Die ur­sprünglichen und natürlichen Widerstands- linien gegen den Osten haben wir eingebüflt; doch macht sich in den letzten Tagen in zu­nehmendem Maße eine Verhärtung und Ver­steifung unseres Widerstandes geltend.

Das gilt nicht für alle Räume der Ostfront, weü manche ihrer Abschnitte vom Gegner 4uter ständigem Druck gehalten werden. Die allgemeine Lage des ostpreußischen Kern- raumes ist die eines konzentrisch bedrängten Igels, der sich nach allen Seiten eines über­mächtigen Gegners zu erwehren hat. Diese Situation stellt für die preußische Kernpro­vinz die höchste Belastung dar, die dem Raum jemals im historischen Ablauf aufgebürdet werden konnte. Der Einbruch der Sowjets gegen und über die Oder hat Räume durch feindliche Kräfte überflutet, die seit dem SiebpnjäbTigen-Krteg keine Feindbesetziipg. von Osten her erlebt haben. Im westpreußi­schen Raum wiederholt sich die Bedrohung, die 1939 von polnischer Seite hier hatte leicht zerschlagen werden können; doch stellt diese Wiederholung von 1945 eine weit größere Ge­fahr dar als sechs Jahre vorher. Die Räume von Küstrin und Frankfurt, die vor der Reichshauptstadt errichteten frontalen Sper­ren stehen vor der gleichen Bewährung, wie sie ihnen der Siebenjährige Krieg auferlegte.

So betrachtet scheint das Gewicht der feindlichen Gesamtoperationen uns erdrücken zu müssen. Ebensowenig aber wie alles Gold ist was glänzt, wird die sowjetische Führung mit dem augenblicklichen Stand ihrer Opera­tionen restlos zufrieden sein. Wir sehen die Schwächen nicht, die der Feind überwinden muß, weil wir direkt nur seinen Druck spüren. Wir wissen, daß er seine Oder-Front gegen die Neiße hin sichern will, um eine möglichst breite Basis für seinen;neuen Angriff nach Westen zu finden. Wir spüren den sowjeti­schen Druck gegen die Lausitz, gegen Breslau, gegen das nördliche Westpreußen und gegen die ostpreußische Rest-Bastion. Aber wir sehen nicht, welche Schwierigkeiten der Feind hat um ausreichend zu muhitionieren, um immer wieder frische Kräfte nach vom zu führen und seine ständigen Panzerausfalle zu ergänzen, um seine Nachschubverbindungen aufrechtzuerhalten, die insgesamt ein buntes Gemisch von Straßen, Bahnen und Schiff­fahrtslinien ergeben. Wir wissen mchL wie oft eine Sowjet-Granate, die an der Oder- Front verschossen wird, unlgeladen werden muß, um von der Produktionsstätte in die westliche Stellung zu gelangen. Wir.sollten uns öfters eines Wortes Hindenburgs erin­nern, der aufsteigende Bedenken gegen eine Winteroffensive 1914 mit den Worten zer­streute: „Der Russe hat auch Winter . Das bedeutet nichts anderes, als der unbestreit­bare Hinweis, die eigenen Schwierigkeiten nicht zu groß zu nehmen und die gegneri- sehen nicht zu unterschätzen.

An der brandenburgisch - pommerschen Front verhält die Heeresgruppe Schukow mm schon seit einer Reihe von Tagen. Das Stop­pen dieser Heeresgruppe muß einen Grund haben. Sie versucht, ihre Brückenköpfe am Westufer der Oder zu verstärken. Sie ziens Artillerie nach, sie wartet auf das Auftreten der südlich anschließenden Heeresgruppe zum Schutze ihrer linkeh Flanke und zu deren Verbreiterung. Sie spürt aber auch die syste­matische Verstärkung unserer Abwehr. Nocn verzichtet er — wie in den letzten auf sofortige Eröffnung des Angriffs. Er allem muß wiesen, warum er sich so verhalt un nicht anders. Er steht nicht völlig Gewehr bei Fuß, wie die Kämpfe an seinem Nordflugei zeigen, wo die Verstärkung seiner Kräfte zu einer ähnlichen Maßnahme auf deutsener Seite geführt hat. Daß auch bei uns Reserven in die Schlacht in Südpommern traten, kann Schukow nicht recht sein, weil er die wa sende Heftigkeit der wechselvollen Gefecnte als störendes Moment seiner Operationen an- sehen muß. und doch konnte er nichts tun, um das zu verhindern.

Immerhin gewinnt der Feind noch Raum. Er greift die Festungen Breslau und Graudenz konzentrisch an, um sie als Fesselungsmoment auszuschalten; doch hat er den raumgreifen­den Schwung verloren, der die ersten Wochen seiner Offensive betonte. Die operativen Ge­wichte der sowjetischen Wa’ze s nd vielero noch spürbar. Die motorische Kraft dieser

Walze besitzt noch Kraft genug, um sich vor­wärts zu bewegen. Aber störende Einflüsse in ihrem Mechanismus können festgestellt wer­den, wenn wir genauer hinsehen. Auf den Weg dieses Walzeninstruments wurden inzwi­schen Hindernisse gelegt, die das Tempo bald verlangsamten und mindestens zeitweilig zum Stillstand bringen. Die Gegengewichte drük- ken sich in einem Strom eigener Verstärkun­gen aus. Sie bestehen aus neuaufgestellten Divisionen, aus anderen Verbänden, aus der wachsenden Zahl von Improvisationen, aus dem Ausmaß von Sperren und Aufhaltelinien,

aus der Neuordnung im Gefüge des ursprüng­lichen Ostheeres, aus der Kräftigung des Ab­wehrwillens, aus der verstärkten Zuführung schwerer Waffen, aus der sich steigernden Wirksamkeit schwerpunktartig zusammenge­faßter Luftwaffeneinsätze.

Personelle, materielle und moralische Fak­toren sind am Aufbau dieses Gegengewichts beteiligt. Hat es die verlangsamte Wirksam­keit erreicht, wird es in jeder nur denkbaren Form der Kriegführung znm Tragen kommen. Es steht dann Gewicht gegen Gewicht. Was das in einer militärischen Lage bedeutet, die

sich so schwierig ansieht wie die unsrige in den letzten Wochen, mag nur dem Kundigen klar sein. In der Ausbalancierung der beider­seitigen Kräfte spürt später erst jedermann den schwindenden Einfluß des feindlichen Gewichtes und den anwachsenden des eigenen auf die Ostfront, die schon heute nicht allein durch die Aktivität des Gegners, sondern ebenso gut durch die deutsche bestimmt wird — wenn auch nicht überall, so doch in einigen Abschnitten und nicht zuletzt gerade dort, wo der Feind sich in seinen Zielen schon auf nächste Entfernungen genähert hatte.

Keine geschichtliche Parallele für dänischen Kampfgeist

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 21. Febr. Die englische Presse beschäftigt sich ausführlich mit den Kämpfen an der deutschen Westfront. Aus den Darle- lungen der verschiedenen Kriegsberichterstat­ter im Hauptquartier General Bradleys geht einstimmig hervor, daß der deutsche Wider­stand sich von Tag zu Tag versteift. „Wir dürfen die Politik der Verteidigung, die die umgestellten deutschen Streitkräfte durch­führen, keinesfalls unterschätzen. Die Deut­schen kämpfen zudem in einem gut vorberei­teten Verteidigungsgelände, das für unsere mechanisierten Waffen außerordentlich schwierig ist. Der Geist der deutschen Trup­pen an der Westfront ist nicht zu überbieten. Sie stellen eine soldatische Elite dar. Diese VerteidigersteUungen werden keineswegs leicht zu überwinden sein.“ n einem anderen Bericht dieses britischen Frontkorresponden­ten wird darauf hingewiesen, daß die deut­schen Truppen größte Initiative an den Tag legen und fortgesetzt Gegenangriffe unter­nehmen. Diese beschränken sich keinesfalls auf eine passive Verteidigung. Die 1. kanadi­sche -Armee hatte- am Dienstag damit zu tun, sich- deutscher Angriffe zu erwehren, die mit größtem Elan vorgetragen wurden.

Unter diesen Umständen wird von alliierter Seite zugestanden, daß die Verluste der ame­rikanisch-englischen Truppen außerordentlich hoch sind. In New York kommen zur Zeit täg­lich rund 1000 bis 2000 Verwundete von der Westfront an. In einem amerikanischen Funkbericht wird erklärt, man müsse sich darauf gefaßt machen, daß dieser endlose Fluß von Verwundeten keineswegs aufhört, sondern sich in nächster Zeit wahrscheinlich noch steigern werde. Man muß sich darauf einriehten, daß monatlich 20 000 bis 30 000 Verwundete in amerikanische Lazarette übergeführt werden müßten. Dabei handelt es sich lediglich um leichter Verwundete, die den Uberseetransport aushalten können. Der Lei­ter des amerikanischen Wehrerfassungsdien- stes, Hersley, erklärte unter Bezugnahme auf diese Verluste gestern, die USA-Wehrmacht werde die Zahl der Einberufungen von Män­nern über 30 Jahren mindestens verdreifachen müssen. Noch schlimmer wirken sich selbst­verständlich die Verluste auf die kanadische Armee aus, die sich auf kein gut organisiertes Wehrpflichtsystem stützen kann.

Unter dem Druck der Not haben sich Amerika und England wiederum an das belgische Kabinett gewandt und die Einzie­hung weiterer Jahrgänge der belgischen Be­völkerung verlangt. Die belgische Regierung habe darauf, wie Reuter berichtet, beschlos­sen, zum 20. März Neueinberufungen vorzu­nehmen, die sobald wie möglich den Alliierten zur Verfügung gestellt werden. Auch der Ausfall an schwerem Kriegsmaterial ist in

den letzten Kämpfen überaus groß gewesen. Der Unterstaatssekretär im USA-Kriegsamt, Patterson, erklärte dieser Tage, die Rüstungs­erzeugung sei an 17 verschiedenen Stellen schwer im Rückstand. Vor allem sei die Pro­duktion von Panzerwagen, die Produktion von Granatwerfern sowie von Munition sehr wenig zufriedenstellend. Die Munitionsher­stellung müsse allein um 90 v. H. gesteigert werden, falls den Anforderungen der Front Genüge geleistet werden solle.

In den Berichten der amerikanischen und englischen Zeitungen kommt immer wieder das Erstaunen darüber zum Ausdruck, daß der deutsche Soldat auch im sechsten Kriegs­jahr mit solcher Härte kämpft. Die englische Zeitschrift „Nineteenth Century“ beschäftigt sich in einem sehr interessanten Leitartikel gerade mit dieser Frage. In dem Blatt heißt es u. a.: Front und Heimat in Deutschland sind völlig unerschüttert. Die Deutschen zei­gen eine geradezu ungeheure Fähigkeit, Leid zu ertragen. Die Gegner Deutschlands hätten diese Fähigkeit in der Vergangenheit stets unterschätzt. Es sei völlig falsch, wenn man -tm Auslande sagt, der Mut, die Disziplin und die Ausdauer der deutschen Soldaten seien das Ergebnis von Einschüchterung oder Ter­

ror. Das sei völlig irrig; denn kein Volk lasse sich durch Terror zu derartigen Höchst­leistungen bringen. Die Zeitung beschäftigt sich sodann mit den Veränderungen im deut­schen Volk" im Vergleich zum Jahre 1918. Da­mals sei die deutsche Wehrmacht durch den Klassenkampf künstlich zerrissen worden. Heute sei die deutsche Wehrmacht ein ein­ziger geschlossener Block. Sie stelle eine wahre Volksarmee dar. Ob Offizier oder Mann, allein die Leistung entscheide. Innerpolitische Streitigkeiten gebe es im Gegensatz zum Jahre 1918 überhaupt nicht. Der Verfasser des Artikels kommt zu folgen­dem Schlußurteil:

„Es gibt überhaupt keine Parallele in der Geschichte für den Kampfgeist der deut­schen Truppen. Nach mehr als fünf Jahren Krieg kämpfen sie ihit beispielloser Tapferkeit sowohl im Osten wie im Westen. Die deutsche Heimatfront aber ist fester denn je — trotz der Zerstörungen, die die englische und ame­rikanische Luftwaffe anrichten und durch die ganze Städte in Trümmerhaufen verwan­delt werden. Alles in allem ist Deutschland heute das beetorgarnisierlc Volk Europas, ein Land der Ordnung, inmitten von Chaos und Anarchie.“

Frankreich fühlt sich stark verletzt

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 21. Febr. Noch nie waren die Beziehungen zwischen dem gaullistischen Frankreich und den Alliierten, besonders den Westmächten, so gespannt wie in diesen Tagen. De Gaulle wünscht, sein Land als Großmacht anerkannt zu sehen; aber die Westmächte, vor allem Amerika, lehnen dies ab. Ironisch spricht die Londoner ,.Daily Mail“ * von der „Groteske“, die sich z. Z. zwischen Roosevelt und de Gaulle abspielt. Der Bericht trägt die Überschrift: „Die große Schlacht der Ein­

ladungen“. Er schildert die Komödie rings, um das geplante und nicht zustandegekommene Treffen Roosevelt—de Gaulle. ",.Freiheitsstatue und* Jungfrau von Orleans kamen trotz aller Bemühungen nicht zusammen. Das Wasser war viel zu tief.“ So sitzt nunmehr die neuerstan­dene Johanna, wie sich de Gaulle gern nennen läßt, am Quai d’Orsay in Paris, tobt und verspricht eine große Rede, die der Weit den gaullistischen Standpunkt gründlich klar­machen soll.

Der USA-Botschafter in Paris ringt verzwei­felt die Hände und sucht de Gaulle klar zu machen, daß er angesichts der Schwäche Frankreichs bei einem offenen Konflikt mit Roosevelt unbedingt den Kürzeren ziehen müsse. De Gaulle bleibt aber hartnäckig, und Roosevelt lehnt den Besuch in Paris ab. Gleichzeitig hielt man es in Kreisen der Alliier­ten für notwendig, das gaullistische Frankreich eindeutig daran zu erinnern, daß es keine Großmacht sei. Das geschieht heute sowohl

Wirksame Stabilisierung

Drahtbericht unserer Berliner Schrlftleltung dr. w. sch. Berlin, 21. Febr. Wenn unsere Truppen an der schlesischen Front auf breite­rem Abschnitt ohne schweren Feinddruck gewisse Bewegungen auf dem Neiße-Abschnitt durchführten und wenn den Aufnahmestel­lungen gleichzeitig stärkere Kräfte zugeführt worden sind, so daß die nachfolgenden Durchbruchsversuche der Sowjets unter schweren Kämpfen scheiterten, so ist das ein Kennzeichen für eine immerhin schon ge­wandelte Lage, das in starkem Maße zu der Hoffnung berechtigt, daß hier ebenso wie an den anderen Brennpunkten der Ostschlacht, wo sich die Lage ganz ähnlich entwickelt, eine wirksame Stabilisierung als Voraus­setzung für die gründliche Vorbereitung des größeren Gegenschlages geschaffen werden

kann. ^ ......

An der ganzen schlesischen Front südöst­lich des Neiße-Abschnittes Guben—Forst— Görlitz wurden verstärkte feindliche Angriffe in den Räumen Grottkau—Strehlen Jauer Lauban ebenso abgewiesen wie die Versuche, die Festung Breslau beschleunigt zu forcieren, wobei sich jetzt auch stärkerer Artillerie­beschuß und Schlachtfliegerangriffe gegen die Festung richteten. Lauban ist weiterhin in unserer Hand und im Neiße-Abschnitt bleiben in den Räumen von Görlitz, Forst und Guben

Odaf-Abschnitt verzeichnet wird, so dürfte es sich nach der Massierung neuer gegne­rischer Kräfte hinter der Oder jetzt vor allem darum handeln, die Brückenköpfe zu erwei­tern, die bisher durchweg nur ein sehr ge­ringes Ausmaß hatten und die nirgendwo die Zahl von Panzern aufzunehmen vermöchten, die zur Einleitung größerer operativer Be­wegungen notwendig sind. Nach wie vor bleibt aber hier das Gefühl vorherrschend, daß es sich um die Ruhe vor dem Sturm handelt. Selbstverständlich aber hat die deutsche militärische Führung auch an die­sem, aus besonderen Gründen hochwichtigen Frontabschnitt durch Zuführung neuer Kräfte ihre Vorbereitungen so getroffen, daß man nach Auffassung der militärischen Kreise in Berlin den kommenden Dingen mit Ruhe und Zuversicht entgegensehen kann. Gleichzeitig sind dem Raum von Stettin Verstärkun­gen zugeführt worden, um auch hier eine Stabilisierung der Verteidigung zu sichern. Bei dem Brennpunkt der Kämpfe zwischen Marienwerder und Könitz im westpreußischen Raum ist das Ziel der Sowjets, die hier Tag und Nacht ihre Angriffe erneuern, der direkte Durchbruch in Richtung nach Dirschau. Auch hier gestatten die eingeleiteten Gegenmaß­nahmen, damit zu rechnen, daß der Feind­druck in dieser Richtung bald abgestoppt

von uns wesentliche Brückenköpfe besetzt, so wer( j en kann, daß die Lage hier nach der Zu f***j|?*[ 7,°° ] insgesamt ist die Entwicklung an der Ost- Verstärkungen ein durchaus beruhigendes ; ^ eta stadjum getreten, das ein

Gesicht gewinnt. oefpehtstätig- i Aufatmen gestattet und uns durchaus zuver-

keit^der BeTliner Fronr im mittleren !sichtlich die kommenden Dinge erwarten läßt.

durch den Londoner Rundfunk wie auch durch die englische Presse. Im- Rundfunk wurde erklärt: „Es ist selbstvertändlich, daß Frankreich in seiner heutigen Lage nicht als Großmacht gelten kann, denn es ist mili­tärisch und wirtschaftlich schwächer denn je, Infolgedessen kann man den Ausschluß Frank­reichs von der Krim-Konferenz verstehen.“ In „News Chrohicle“ heißt es: „Ein Volk kann sich nipht selbst die Stellung einer Groß­macht geben. Die Großmachtstellung ent­spricht dem Ansehen, das ein Staat bei den anderen Staaten genießt!“ Damit wird Frank­reich kalt in die Reihe der von den drei Großmächten abhängigen mittleren und kleinen Staaten verwiesen.

Zur Zeit bemüht man sich, noch in letzter Minute eine Zusammenkunft zwischen Roose­velt und de Gaullee zustandezubringen. Von amerikanischen Kreisen wird erklärt, Roose­velt habe nie viel von de Gaulle gehalten, und er sei in dieser Überzeugung durch die Ereig­nisse der letzten Wochen noch bestärkt worden.

Teure „Befreiung"

ep. Stockholm, 21. Febr. „Außer allem übrigen kostete uns die Befreiung 1900 Eisenbahn­brücken, 2500 km Schienen und fast alle Häfen. Weil wir keine Kohlen haben, können wir weder heizen noch kochen. Greise und Kinder sterben, weil es für sie nicht einmal das zum Leben notwendige Minimum an Nahrungsmit­teln gibt“, so schreibt die Pariser Zeitung „France“ zu dem Thema: „Was hat Frankreich die Befreiung gekostet?“ Frankreich habe mit einem Schlage die Grundlage seiner organi­sierten Wirtschaft verloren, und zwar die Trans­portmöglichkeiten. Was verblieben ist, ist aus­schließlich von den Alliierten in Anspruch genommen.

Europa z. d. Ä.?

Von Dr. B. Flstow, Berlin

Unter die Leistungsbilanz der um das Reich gelagerten europäischen Wirtschaftsgemein­schaft haben die Ereignisse der letzten Mo­nate jäh den Schlußstrich gezogen — sie nimmt sich gleichwohl höchst respektabel aus. Man wird Europa nicht zu den Akten legen, der Prozeß muß vielmehr über kurz oder lang vor einer höheren Revisionsinstanz erneut aufgenommen werden. Denn die durch den Krieg aufgeworfenen Probleme verlangen ge­bieterisch nach einer konstruktiven Lösung. Die ersten Gehversuche mit einer kontinen­talen Wirtschaftsgemeinschaft mußten unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen ange­stellt werden. So bedarf es nicht der Ent­schuldigung, wenn sie in mancherlei Hinsicht improvisiert, unzulänglich und unbeholfen anmuten. Härten eines schroffen Übergangs und unbequeme Umstellungen waren den Um­ständen nach nicht immer zu vermeiden, und die Schritte wurden überdies vielfach durch Mißgunst und Mißtrauen erschwert. Doch er­scheint auch hier der Hinweis angebracht, daß die Kriegswirtschaft keineswegs das Mo­dell der Zukunftswirtschaft bedeutet. Gewiß war es nur ein Notdach, das wir gezimmert hatten. Aber Europa hat immerhin im Zeit­raum 1941 bis 1943, die Stürme von drei Kriegsjahren, in seinem Schutz überdauert. Jetzt ist das Dach abgerissen, und es ist be­stimmt nicht wohnlicher in unserem alten Kontinent geworden.

Auch wenn als erste Etappe unseres Weges unter dem Druck der Kriegsnotwendigkeiten bloß eine Abwehr- und Blockadegemeinschaft zustande kam (die natürlich die Fülle und Vielfalt eines unter normalen Friedensbe­dingungen arbeitenden Weltmarktes nicht zu ersetzen vermochte), umschloß die deutsche Europa-Konzeption an sich ein größeres Pro­gramm: Der noch aus der Zeit der Postkutsche herrührende Kantönli-Geist sollte überwun­den und ein ernsthafter Versuch mit einer organischen Großraumbildung gemacht wer­den, die uns kein politischer Machtwahn vor­gaukelt, sondern die die folgerichtige Vernunft moderner Technik erzwingt. Die Zeit ist reif für ein wirtschaftliches Zusammenwachsen der europäischen Länder auch schon deshalb, weil sich erfoireiche Serienproduktion nur großräumig auf kontinentaler Basis aufziehen läßt. Dem Flankendruck der beiden großen Technokraten im Westen und Osten vermag ein zersplittertes, sich in kleinlichen Raufe­reien und Händeln erschöpfendes Europa un­möglich standzuhalten. Uns will es auch heute nicht als unumstößlicher Schicksalsspruch der Geschichte erscheinen, daß den Ver­einigten Staaten von Amerika für alle Zelt die Uneinigen Staaten von Europa als un- ebenbürtiger, zur Handlungsohnmacht verur­teilter Partner gegenüberstehen müssen.

Wer aber „Ja“ zu Europa sagt, kann nicht umhin, auch die deutsche Führung dieses Raumes zu bejahen. Denn ohne einen Füh­rungskern, der eine wirtschaftliche Kraftzen­trale und zugleich ein sozialer Orientierungs­punkt ist, gibt es keine konsolidierte Groß- raumbildung, und nur das Reich als Brücken­land vermag zu verhindern, daß Europa in nach verschiedenen Gesetzen lebende Be­reiche auseinanderfällt. Will man uns aber zum Vorwurf machen, daß wir zumal im Krieg nicht nur als Gebende auftreten konn­ten, so antworten wir mit gutem Gewissen, daß Wirtschaft kein Humanitätsinstitut ist, sondern am besten im Zuge des gegenseitigen Gebens und Nehmens gedeiht. Wir sind Europa die Zeche nicht schuldiggeblieben. Wir kamen nicht nur mit Versorgungswünschen, wir haben ihr eine entsprechende Exportleistung gegenübergestellt. Der deutsche Außenhandel war schon immer europaorientiert; zwei Drit­tel unserer Ausfuhr honnte von 5.2 Mrd. RM. 1939 auf 8.6 Mrd. im Jahre 1943 gesteigert werden, unsere Ausfuhr in die verbündeten Länder wies 1943 im Vergleich mit 1938 sogar eine Vervierfachung auf. Wir haben nicht nur eine Ordnung stabilisiert, wir haben dar­über hinaus als Anreger und Entwickler durch Lieferung von Landmaschinen. Ackergeräten, Werkzeugmaschinen und Werkzeugen, durch

USÄ fühlen den Emst des Krieges

Drahtbericht unseres Vertreters ost. Stockholm, 21, Febr. Der New Yorker Berichterstatter von „Svenska Dagbladet“ mel­det, daß seit der deutschen Gegenoffensive vom Dezember die USA-Öffentiichkeit immer mehr den Ernst des Krieges zu fühlen bekomme. Die Lage an der Heimatfront habe sich ,',verschärft“. Das Gesicht der großen Städte sei völlig ver­ändert. Die Herstellung von zivilen Verbrauchs­gütern sei seit der deutschen Gegenoffensive vollständig gestoppt worden. Der Leiter des Kriegsmobilisierungsamtes habe eine Reihe von Jahresklassen, die vom Heeresdienst befreit waren, aufs neue mustern lassen. Hinzu komme der unentwegte Kampf des Kriegsministers Stimson für die Einführung der Arbeitsdienst­pflicht. Die Stimmung in den USA, so schließt der Bericht, sei sehr ernst geworden. Selbst Teilgeständnisse über die eigenen Verluste wer­den in der Presse meist nur an unauffälliger Stelle veröffentlicht, wie jetzt z. B. eine amt­liche Washingtoner Meldung, in der bekannt­gegeben wird, daß die Verluste der Amerikaner in diesem Kriege bereits doppelt so hoch sind wie im vorigen. Die Verlustziffer selbst wird mit annähernd 800 000 angegeben, was Jedoch nur als typisches Teilgeständnis angesehen wer­den kann. Ungeniert wird ln einem in Washing­ton veröffentlichten amtlichen Bericht mit­geteilt, daß Großbritannien weitaus schwerere Verluste buchen mußte, nämlich 625 000 Mann, dazu 400 000 Mann Verluste indischer und son­stiger Hilfstruppen, d. h. also über 1 Million. Besondere Beachtung verdient eine Stelle dieses

amtlichen amerikanischen Berichten, in dem von den zivilen Verlusten durch die V-Waffen gesprochen wird. Diese Stelle schließt wie folgt: „Mittlerweile sind die V-Waffen zum Einsatz gelangt, die den allergrößten Schaden in Eng­land anrichten.“

Schwere USÄ-Verluste bei Jwojima

ep. Tokio, 21. Febr. Uber schwere USA-Ver- luste in den Kämpfen um die Insel Iwojlma (Bonin-Inseln) berichtet die japanische Nach* richtenagentur Domei in einer Meldung ihres militärischen Mitarbeiters. Danach /haben die Amerikaner dort nicht weniger als drei Kreu­zer, drei Kriegsschiffe nicht näher bezeichnet.-!* Art, zwei Patrouillenfahrzeuge und vier Trans­porter verloren. Außerdem wurden ein Kreuzer und fürf Transporter beschädigt. Der gleichen Quelle zufolge verloren die amerikanischen Landungskräfte seit der Landung am Vormittag des Montag bis zum Abend des gleichen Tage? rund 2000 Tote. Die Kämpfe um den Besitz der kleinen Insel dauern mit aller Erbitterung an.

Lloyd Geotge, Englands Ministerpräsident am Ende des ersten Weltkrieges, liegt im Sterben. Unmittelbar nach der Jalta-Konferenz sollte er, angeregt durch die dortigen Haßbeschlüsse gegen Deutschland, eine jähe Verjüngung und Gesundung erlebt ^ haben. Der Aufschwung durch Jalta hat also nicht lange vornehalten — genau so wenig wie die Jalta-Begeisterung in einem beträchtlichen TeH der englischen Presse.