Ausgabe 
(14.2.1945) 38
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Parteiamtliche Tageszeitung

Da Amtsblatt dos Hofierenden Bfiryermeistors der Ftolon Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthaliero in Oldenburg and Bremen

Nummer 38 15. Jahrgang

Mittwoch. 14. Februar 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Konferenz der drei Kriegsverbrecher

Roosevelt und Churchill 8 Tuge zum Befehlsempfang bei Stalin auf der Krim

B e r 1 i n r 13. Febr. Acht Tage lang haben die Kriegsverbrecher in Jalta auf der Krim beieinandergesessen. Kein weiter Weg für Staün nach dort, aber um so weiter ist die Entfernung von Washington und London. Aber darauf hat der Kreml-Diktator keine Rücksicht gekommen. Da er die Befehle an seine Komplicen Churchill und Roosevelt ausgegeben hat, mußten sich die Befehls­empfänger schon mit dieser weiten Reise nach Yalta abfinden.

Es ist kennzeichnend für die Einstellung der Sowjets zu den verhandelten Pro­blemen, daß außer dem sowjetischen Außen­kommissar Molotow auch sein Stellvertreter Wyschinski anwesend war, jener Mann, der uns noch aus den großen Schauprozessen bekannt ist, in denen Stalin seine unlieb­samen Konkurrenten mit Hilfe der Blut­urteile Wyschinskis aus dem Wege räumen ließ. Dieser gleiche Wyschinski hat sich einen Namen als Völkerschlächter gemacht. Die baltischen Völker wissen von seinen Massen­morden u erzählen. Er ist Spezialist auf dem Gebiete 1er Ausrottung ganzer Völker und Stalins stärkste Waffe im Kampf gegen alle nationalen Elemente in den von den Sowjets besetzten Staaten oder in den Ländern, die sich dem Bolschewismus selbst ausgeliefert haben.

Nach der Reuter-Bekanntgabe über die Verhandlungen auf der Krim wurde über die militärischen Operationen gegen Deutschland und über eine Reihe politischer Angelegen­heiten gesprochen. Die anfänglich geplante große Erklärung an das deutsche Volk, die als eine neue Auflage des Wilson-Schwindels von 1918 gedacht war, ist bisher dicht erfolgt. Das läßt aber nicht darauf schließen, daß man davon abgesehen hat. Im Gegenteil, man ist sich offenbar nur noch nicht über die Formulierung dieser neuen Schwindel- erklärung, mit der man das deutsche Volk auf den Leim locken will, einig •geworden. Es ist de durchaus zu erwarten, daß diese Erklärung an das deutsche Volk nachgeholt wird. '

Moskau diktierte

Drahtbericht unserer Berliner Schrtltleltung

g. Berlin, 13. Febr. Im Süden der Krim- Halbinsel, an dei» Riviera, des Schwarzen !Meeres, liegt die kleine“ Stadt Jalta. Umgeben von den schneegekrönten Bergen des Jaila- Gebirges erstreckt sie sich auf dem schmalen Küstenstreifen zwischen Meer und Höhen. Hier, auf sowjetischem Boden, fand die Kon­ferenz der alliierten Regierungschefs statt. Monatelang sprachen die Zeitungen aller Länder von ihr, monatelang stellte man Pro­gramm gegen Programm, Erklärung gegen rklärung, und monatelang versuchten die Journalisten der ganzen Welt, den Ort der Zusammenkunft zu enträtseln. Erst jetzt, in dem Augenblick, in dem Stalin, Churchill und Roosevelt sich wieder trennen, lüftet sich der Schleier: Die kleine Hafenstadt Jalta tritt als Zentrum der sogenannten großen Weltpolitik vor die Öffentlichkeit. Acht Tage beherbergte sie Stalin, Churchill und Roose­velt in ihren Mauern — das ist eine lange Zelt, und diese Dauer läßt darauf schließen, daß der Beraturigsstoff recht umfangreich gewesen sein muß. Aber, was für den a rakter der Konferenz viel bezeichnender ist. Die beiden angelsächsischen Staatsmänner kamen zu Stalin. Sie waren die Gäste, und der Herrscher von Sowjetrußland der Haus herr. Schon einmal gab es eine ähnliche Si­tuation: Damals, vor einem Jahr, in Teheran. In Iran fühlte Stalin sich auch zu Hause. Aber während er sich dort nur Rechte an­maßte, die er offiziell nicht be:saß,

Lage in Jalta anders. Churchill velt mußten sich in das ureigenste Befehls­bereich Stalins begeben. Sie «mßten die weite und mühselige Reise zur Knm-Halbms^ machen, wägend Stalin gar mcht daran dachte die Grenzen seines Landes zu u Äen um r s e einen

hängigkeit 11 detaillierten Westmächte .von

“KTdU äußeren Be g »änden,

die aber in ihren Einzelheiten oft; sehr zeichnend sind, ist vor allem de r Jnhaltd«“ Entschlüsse und Gespräche von Jalta in essant: Festhalten an der b ® din ^“f. ®_r Kapitulation, aber keine Bekanntga Lasten und Bedingungen, die man Deut ­land auferlegen will, die billige Bhras ,, zieht auf alle Gewalttätigkeiten in der® handlung Deutschlands, eine Kriegsentschä­digung, die nur in Warenlieferungen rad Dienstleistungen bestehe und also von der werktätigen Bevölkerung erpreßt werden soll —, das sind so einige der Einzelheiten, über die sich die englische Presse als Ergeb­nis der Jalta - Konferenz in bezug aur Deutschland unterhält.

Aber schon hat man wieder eine neue Konferenz ln Aussicht genommen, die man für den 25. Atvril nach San Franzisko be­rufen wM. eine Weltkonferenz. offensichtlich c*n Zupestpndni"* an die Eitelkeit Roosevejt*. der seiner Bevölkerung und dem Kongreß etwas bieten muß. auch wenn es nur das Schausp: ’l einer Weltkonferenz ist, die schon wegen ihres universalen Charakters selbst­

verständlich völlig machtlos ist im Gegensatz zu dieser Dreier-Zusammenkunft. Die eng­lische Presse erzählt auch vön den Beschlüs­sen über das übrige Europa. Sie erfeählt von Wahlen, die in Polen abgehalten werden sollen, und rühmt das als ein Zugeständnis Stalins. Daran kann man sehen, was bereits von den Angelsachsen als Zugeständnis Sta­lins empfunden wird. Denn über den komö- diencharakter solcher Wahlen ist sich .auch die angelsächsische Welt einig.

Die Vernichtung Deutschlands und die Auslieferung Europas an die Sowjetunion waren der Leitgedanke der Konferenz von Teheran — sie werden auch das Hauptthema der Konferenz von Jalta gewesen sein. Die zahlreichen Nachkriegsprobleme, die Im letz­ten Jahr von offizieller und inoffizieller Seite der Alliierten veröffentlicht wurden, haben gezeigt, in welcher Richtung sich die Pläne der Alliierten bewegen. Das Schweigen Sta­lins zu allen diesen angelsächsischen Kom­binationen über die Gestaltung der Nach­kriegswelt war weder ein Zugeständnis noch eine Absage an die Verbündeten. Aber es war

vor allen Dingen ein Zeichen dafür, daß Sowjetrußland nicht daran denkt, sich in irgend einer Weise an die westlichen Demo­kratien zu'binden oder sich festzulegen. Auch die Konferenz von Jalta wird auf dieser Linie gelegen haben. Auch auf dieser Kon­ferenz wird Stalin sieh nicht den Wünschen Churchills und Roosevelts unterworfen, son­dern die beiden Angelsachsen werden viel­mehr ihrem Gastgeber Konzessionen und Vollmachten gegeben haben. Ist es da ver­wunderlich, wenn einige selbstbewußte bri­tische Diplomaten sich über die „unnach­giebige Haltung Stalins“ beschweren und herbe Kritik daran üben, daß „Stalin ent­schlossen sei, den Krieg- nach seinem Ge­schmack und auf seine Weise weiterzu­führen“? Allerdings siÄd jene britischen Di­plomaten nicht einer Meinung mit ihrem Premierminister.

Ein Beispiel dafür, wie es auf solchen alli­ierten Konferenzen mit den .Sowjetvertretem zugeht, bietet die sogenapnte Welt-Gewerk­schaftskonferenz, die gerade in London tagt. „Krise der Gewerkschaftskonferehz“, „Angel­sächsisch-sowjetische Gegensätze“, so schrie

ein paar Tage lang die Presse der West­mächte, und sie berichtete, daß der britische Gewerkschaltsfat sich mit allen Mitteln da­gegen wehre, von dem zahlenmäßigen Über­gewicht der Russen und ihrer Anhänger in verschiedenen Staaten bevormundet zu wer­den. Aber schließlich gab man in dem Höhe­punkt „Zulassung der Lublin-Polen“ der so- ygetischen Forderung nach, wenn auch mit der Einschränkung: „Nur Vertreter des polni­schen Seemannsverbandes“. „Den Sowjets ge­lang es also im wesentlichen die Annahme ihres Standpunktes, zu erzwingen“, sagt „Stockholms Tidningen“. Und ähnlich wird es auf der Schwarzmeer-Konferenz gelaufen sein.

Jalta, jene kleine Stadt an der russischen Riviera, war acht Tage lang Zeugin einer Konferenz, die Europa preiszugeben beschloß. Das wird der Unterton sein, mit dem der Name Jalta in die Geschichte eingehen wird, wenn ein neues und gesundes Europa einst die Attentate überwunden hat, die verbreche, rische Kräfte gegen seine Existenz unter­nahmen.

Pnnzerverlusle der Sowjets wirken sich aus

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

bm. Berlin, 13. Febr. In dem großen Ringen um den deutschen Ostraum zeigen sich nach einem Monat der Entwicklung der sowjetischen Offensive sehr deutlich die Auswirkungen der außerordentlich hohen Panzerverluste des Gegners. Nach Fest­stellungen des deutschen Oberkommandos verloren die Sowjets bisher mehr als 8000 Panzer, was etwa dem Verlust von 40 kom­plett ausgerüsteten . Panzerdivisionen ent­sprechen dürfte. Diese Aüsfälle' gestatten es dem Oberkommando des Gegners nicht mehr, die Offensive nach der Methode der Januar- Angriffsplanungen auf breitester Front vor­anzutreiben, vielmehr muß man sich auf sowjetischer Seite heute darauf beschränken, in einzelnen Schwerpunkträumen Massierun­gen vorzunehmen, wobei oftmals Truppen von den im‘Augenblick nicht im Vordergrund stehenden Kampfabschnitten — wie beispiels­weise von der Kurland-Front —, abgezogen werden. In den einzelnen Kampfräumen ist das. Ringen zwar weiteren außerordentlich hart und stellt die deutschen Truppen vor schwere Belastungsproben. Insgesamt ist man jedoch in militärischen Kreisen geneigt, die Angriffswucht der Sowjets als nicht mehr so stark wie in den Vorwochen zu bezeichnen.

Den Hauptbrennpunkt bildet sowohl im Hinblick auf die Heftigkeit der Kampfhand­lungen als auch auf die Ausdehnung der von den Kämpfen erfaßten Abschnitte der nieder­schlesische Raum. Die Schlacht wird hier einerseits um den Festungsraum von Bres­lau und - andererseits uin die Flußläufe des Bober und Queiß geführt. Die sowjetischen Divisionen verfolgen mit großer Hartnäckig­keit das seit Tagen angestrebte Ziel, den Festungsraum yon Breslau von Norden und Süden her zu umfassen und von seinen rück­wärtigen Verbindungen abzuschneiden. Tn äußerster Entschlossenheit brachte die deut­sche Abwehr im Verlaufe harter Kämpfe, deren Schauplatz insbesondere der Raum südwestlich der schlesischen Hauptstadt war, diese Absicht der Sowjets erneut zum Schei­tern. Nördlich der Breslau-Front konnten sich die in westlicher Stoßrichtung aus dem Brückenkopf von Steinau angetreteneD sowjetischen Angriffsdivisionen zwischen Sa- gan und Bunzlau bis zum Queiß ausdehnen. Nördlich Sagan büdete der Gegner über den Bober und südlich der Stadt über den Queiß kleinere Brückenköpfe, gegen die bereits deutsche Gegenangriffe angesetzt sind. Die Hauptlast der Verteidigung wird im Raum

nördlich Sagan durch deutsche Sperrstellun­gen getragen, die das Vordringen der So­wjets zum Halten brachten. Glogau ist von den vordringenden starken sowjetischen Kräften eingeschlossen worden. Diese Stadt lag in unmittelbarer Nähe der Ausgangszone der sowjetischen Offensive. In Berliner mili­tärischen Kreisen wird das Kampfgeschehen im niederschlesischen Raum dahingehend be­urteilt, daß die Sowjets offenbar im Augen­blick ihr Hauptaugenmerk auf eine Stabili­sierung der in schnellem—Vorstoß durch­schrittenen Räume legen und vor allem die •Hauptstadt Breslau einzuschließen versuchen, während die Entwicklung des Angriffs in westlicher und nordwestlicher Richtung sich verlangsamt.

Der große Oderabschnitt zwischen dem Raum von Grünberg und dem Oderbruch, der die wichtige Kampfzone Fürstenberg—Frank­furt a. O.—Küstrin-r-Kienitz umschließt, also die wahrscheinliche Angriffsfront in Richtung auf Berlin, wies in der jüngsten Entwicklung eine verhältnismäßige Ruhe auf. Die Kampf­handlungen, die gegen die einzelnen Brücken­kopfpositionen geführt wurden, blieben auf örtlichen Umfang beschränkt. Die Sowjets sind indessen damit beschäftigt, einzelne Pan­zer in die noch kleinen Brückenköpfe zu über­führen, die zunächst vielleicht mehr eine Ver­stärkung der Verteidigung gegen deutsche Ge­genangriffe als eine offensive Verwendung be­zwecken. Hinter dieser Front an der Oder wird jedoch die Konzentration sowjetischer Verbände aller Waffengattungen weiterhin betrieben. Die Schlacht steht hier in jenen Zwischenbezirk, der zwischen Aufmarsch und Gegenaufmarsch liegt und seine dramatische Entwicklung weniger in den Kämpfen an sich, als in Vorgängen in den Bereitstellungsräu­men hinter der eigentlichen Frontiinie findet.

An der Front in Südpommem und West­preußen hält der sowjetische Druck in den be­kannten Stoßrichtungen weiterhin an. Die Sowjets versuchten, mit stärksten Kräften in Richtung auf Stargard weit&r vorzustoßen, wurden jedoch von der deutschen Abwehr ohne nennenswerten Geländegewinn aufge­fangen. Zwischen Schwetz und Graudenz durchgeführte sowjetische Angriffe trugen durchaus den Charakter von Durchbruchsver­suchen, sie scheiterten jedoch an der Stand­haftigkeit der deutschen Divisionen. An der ostpreußischen Front haben die Sowjets nach der Besetzung von Elbing ihren Druck neuer­dings vor allem beiderseits der Autobahn El­bing-Königsberg nach Nordosten hin ent-

Rumänien unter verstärktem Druck Moskaus

Drahtbericht unseres Vertreters kl. Stockholm, 13. Febr. Wie United Press aus Ankara berichtet, ist die rumänische Re­gierung von dem Vorsitzenden der sowjeti­schen Militärkommission zum Rücktritt ge­zwungen worden, weil sie angeblich die Ru­mänien auferlegten Waffenstillstandsbedin­gungen nicht erfüllt habe. Eine neue Regie­rung wird die Aufgabe haben, vor allem die Verfolgungsmaßnahmen gegen die nationalen Elemente durchzuführen. Moskau ist also un­zufrieden, weil in Rumänien nicht nach bul­garischem Muster Bluttribunale erriohtet wur­den, wie es von Wyschinski Anfang Januar angeordnet worden war. Die bisherige rumä­nische Regierung hat sich damit begnügt, die ihr bezeichnten Politiker und Militärs den Sowjets auszuliefem; sie selbst wollte die ihr auferlegte Blutjustiz nicht übernehmen, was ihr als Sabotage an den Waffenstillstandsbe­dingungen 4iusgelegt wird.

Die innenpolitische Entwicklung in Rumä­nien scheint nunmehr ihren Höhepunkt er­reicht zu haben. Nach. der Kapitulation am 23. August hatte das.Land mehrere innere Krisen zu überstehn, die seine Widerstands­kraft gegen die Bolschewisierung immer mehr schwächte. Nach dem Scheitern des Kompromißpolitikers Senatescu versuchte General Radescu die Lage zu retten, doch

sieht er jetzt ebenfalls keinen Ausweg mehr. Die Kommunisten haben unmittelbar nach dem 23. August eine Agitationswelle einge­leitet und fordern Anpassung an die Zu­stände in der Sowjetunion. Die sog. histo­rischen Parteien, die neben den Kommu­nisten in der Regierung Senatescus ver­treten waren, haben nicht gewagt, den Forderungen der Kommunisten energisch entgegenzutreten. Anfang . Dezember wurde die allgemeine Explosion erwartet, und die Kommunisten bereiteten sich vor, mit Hilfe Moskaus die Macht in Rumänien zu über­nehmen. Im letzten Moment wurde ein Kom­promiß erzielt. Senatescu trat zurück und wurde von General Radescu abgelöst. Wy­schinski hielt den Zeitpunkt für eine rest­lose Boischewisjerung Rumäniens offenbar noch nicht für gekommen. Er schloß mit Radescu ein Zusatzabkommen zum Kapitula­tionsvertrag, das im einzelnen bestimmt, welche Waren Ruriiänien an die Sowjetunion zu liefern hat. Die dadurch erzielte Entspan­nung dauerte aber nur bis Mitte Januar. Seither haben die Kommunisten ihre Agita­tion wieder gesteigert und der Rücktritt Ra­descu bietet ihnen nunmehr willkommene Ge­legenheit, die alten rumänischen Parteien abzuschütteln und die Herrschaft im Lande an sich zu reißen.

Durchbruch blieb

faltet. Der angestrebte ihnen auch hier versagt.

Überflutung als Hindernis

Berlin, 13. Febr. Der DNB-Sonderbericht- erstatter Schulte-Strathaus berichtet von der Westfront: In zunehmendem Maße melden unsere an der Rur-Front eingesetzten Trup­pen Einzelheiten vom Steigen des Wasserspie­gels der Rur und von beobachteten Zurückzie­hungen amerikanischer Besatzungen aus den unmittelbar -am Nordufer gelegenen Bunkern und Kampfständen. Da das Gelände im Raum Jülich—Düren flach ist, entsteht durch die Sprengung der Sperre ein breiter JWasser- und Sumpfgijrtel, der den Feind aus seinen am Flußufer gelegenen Kampfständen vertreibt und seinen beabsichtigten Panzervorstößen ein breites natürliches Hindernis in den Weg legt.

Kriegsberichter Schmalfuß meldet: Am Nordflügel der Westfront scheint die Schlacht ihren Höhepunkt noch nicht erreicht zu haben. Der Widerstand der deutschen Fall- schirmtruppen verstärkt sich von Stunde zu Stunde. Beiderseits des Reichswaldes finden heftige Kämpfe statt, bei denen die Kanadier zahlreiche Schwimmpanzer einsetzten. Unter Ausnutzung der zahlreichen Wasserläufe ver­teidigen die deutschen Truppen mit großer Zähigkeit jeden Meter des Geländes.

Die Öffnung der Schleusen der Rurtal­sperre hat, für die deutsche Verteidigung große Bedeutung. Nach neuesten Gefangenen­aussagen sind die Amerikaner schon gezwun­gen, Umgruppierungen an der Rurfront vor- zünehmen. Andauernde Regenfälle im Zu­sammenhang mit den Überflutungen der Flußufer haben die Stellungen der Ameri­kaner unter Wasser gesetzt.

Hinter der Oder-Front

Von Dr. R. Ley

Soeben komme ich von einem Frontbe­such an der Oder zurück. Wir haben es von Berlin nicht mehr weit, um einen der­artigen Besuch abzustatten. Es ist das eine schwere und bittere Erkenntnis. In fünf Tagen durchraste die Furie des Krieges ein Gebiet von der Weichsel bis zur Oder. Und daß der Feind an der Oder -zum größten Teil aufgehalten werden konnte, ist das große Wunder. Denn daß er aufgehalten ist, daran ändert auch nichts, wenn er jetzt in einem oder den anderen Brückenköpfen, vor Neiße oder vor Liegnitz, Erfolg hat. Denn es ist weniger die Tatsache, daß sich sein Vormarsch stark verlangsamt, als vielmehr die psychologische Seite, daß die deutsche Verteidigung — ob Soldat, Volkssturmmann oder Zivilist — den Panzerschreck verlören hat. Wenn ich in meinem vorigen Artikel forderte: Wir dürfen nicht die Flucht organisieren, sondern den Widerstand, so stelle Ich jetzt fest: Wir fliehen nicht mehr, sondern schlagen zurück.

Bei meiner letzten Frontfahrt vor elf Tagen sah ich nur ernste und zum Teil ver­härmte und verzweifelte Gesichter. Eine ge­radezu schicksalsschwangere Stimmung lag über allem. Städte und Dörfer, die damals noch weit hinter der Front lagen und heute in der Front liegen, machten einen viel schwereren Eindruck als heute, während sogar die Menschen in etwas zurückliegen­den Städten und Dörfern heute wieder lachen und glaubensstärk ihrer Pflicht nach­gehen. In diesen elf Tagen war ein Stim­mungsumschwung zum .Guten und Besseren festzustellen, der gar nicht hoch genug ge­wertet werden'kann. Der lähmende Schreck ist überwunden, die Panik vorbei, der Deutsche kämpft und der Bolschewist muß jeden Fußbreit mit hohem und höchstem Blutzoll bezahlen.

Von Berlin ging es gegen Osten bis zur Oder. Lassen Sie mich zuerst von Berlin er­zählen. Ich liebe den Berliner und seine tap­fere, fleißige und nüchterne Haltung. Der Berliner ist ein vernünftiger und diszipli­nierter Mensch, der sich gern und willig in. die Gemeinschaft einordnet. Der Berliner ist viel besser als sein Ruf. So auch jetzt. Mit welcher Konsequenz, Freudigkeit und Einsatz­bereitschaft der Berliner an den Ausbau der Verteidigung seiner Reichshauptstadt heran­geht, ist bewunderungswürdig, und ich glaube wohl einmalig. Das ist keine Spielerei, wie manche Neunmalklugen und Ewigfeigen und Bequemen zu behaupten wagten, das ist bit­terster Emst. Und ich glaube, wenn es das Schicksal wollte, wü^de es auch für den Bolschewisten bitterster Emst werden, diese Sperren zu überwinden. Jedenfalls, das eine steht fest, der Berliner nimmt auch diese Arbeit und diesen Einsatz wieder mit dem­selben Ernst und der gleichen Hingabe wie er alles tut, was er seinem Volke gegenüber tun kann und bereits getan hat, hin. Diese Sperren ziehen sich bis weit vor Berlin und umfassen alle Einfallstore, die überhaupt nur möglich sind. Die Berliner und ihr Gauleiter sind sich einander würdig in der Ent­schlossenheit, der Tatkraft, dem Einsatz und der Hingabe. Dr. G o e b b e 1 s hat bestimmt Recht, wenn er voraussagt, daß — wenn der Feind bis an die Tore von Berlin Vordringen sollte — ihm ein heißer Empfang bereitet wird. Dessen bin ich gewiß, nach alldem,

,V-Beschuß — schrecklichste Periode des Krieges"

prahtberlcht unseres Vertreters

ost. Stockholm, 13. Febr. Die britische Regierung hat mit beträchtlicher Verspätung bekanntg^ben müssen, daß ixn Monat Januar die Zahl der Londoner, die—ttem deutschen Vergeltungsfeuer zum Opfer fielen, beträcht­lich größer war als im Dezember. Die Verlust­zahlen selbst, die mit annähernd 22 200 ver­öffentlicht werden, können nur als ein be­sonders bescheidenes Teilgeständnis betrachtet werden. In Woolwlch hat am Sonntag der britische Abgeordnete George Hicks in einer öffentlichen Rede bekanntgegeben, daß augen­blicklich über 130 000 Arbeiter mit Aufräu- mungs- und Ausbesserungsarbeiten im Gebiet von Groß-London beschäftigt sind. Ein Redner auf der augenblicklich in X»ondon stattfinden­den Gewerkschaftstagung beklagte sich darü­ber, daß die Welt nicht mehr über die wirk­lichen Verhältnisse erfahren könne, die durch den ständigen Fernwaffenbeschuß in Groß- London herrschten. Im Ausland wisse man leider nur allzu wenig über das, was hier ge­schehe. Niemand ahne, was die V-Waffen ln Groß-London und Südengland angerichtet hätten. .

Eine au& London in Gibraltar eingetroffene nicht englische Persönlichkeit bezeichnet den deutschen Fernbeschuß als unerträglich. Das Stadtbild von London habe einen „dantesken“ Anstrich. Die V 2 gehe in ziemlich regel­mäßigen Abständen nieder. Die Zerstörung Londons sei methodisch und der Beschuß werde nach Quadraten ausgerichtet. Bisher sei keine V 2 den Engländern ln die Hände gefallen, da sämtliche Geschosse explodiert seien. Unmittelbar nach der Explosion höre man ein Pfeifen und Summen, wie es andere gewöhnliche Artilleriegeschosse vor ihrem Aufschlag erzeugten. Die V 2 habe eine unge­heure Durchschlagskraft. Jeder, der es irgend­wie ermöglichen könne, verlasse Südengland und gehe, wenn er Ausländer sei, in die Hei­mat zurück. Die britischen Behörden umgeben alles, was den deutschen Fembeschuß betreffe, mit einem strengen Geheimnis und verhängten schwere Strafen gegen jede Indiskretion. Die Reisemöglichketten nach dem Ausland seien sehr stark eingeschränkt worden.

Uer USA-Kommentator Childs, der soeben London besucht hat, söhildert die Wirkung des deutschen V-Wschusses. Er zitiert den r ,Daily Telegraph“, der den Fernbeschuß die schreck­lichste Periode des ganzen Krieges nannte. Die

Deutschen hätten eine erstaunliche Fähigkeit, so bemerkt der amerikanische Kommentator, ihre Fernwaffe dauern zu verbessern. Wie London jetzt aussehe, könne man schwer be- • schreiben. Es sei grauer, schmutziger und ver­wundeter als je. Es sei ein Wunder, daß Lon­don überhaupt noch existiere.

Widerstand unverändert hart

Drahtbericht unseres Vertreters

ost. Stockholm, 13. Febr. Die Hoffnun­gen des^ Hauptquartiers Eisenhowers, die schweren' Kämpfe lm Osten hätten zu einer Erlahmung des Widerstandswillens der deut­schen Truppen lm Westen geführt, sind schwer enttäuscht worden. Dies geht aus verschiede­nen englischen Presse- und Rundfunkbetrach­tungen deutlich hervor. Man hatte auf alliier­ter Seite damit gerechnet, einen Durchbruch lm Westen zu erzielen, well die deutsche Führung z. Z. durch, die Ereignisse im Osten, beansprucht schien. Diese Erwartungen haben sich ln keiner Welse erfüllt, die britischen Kriegsberichter an der Front müssen zugeben, daß die Kampfmoral der deutschen Truppen und ihr Widerstandsgeist sich ln keiner Welse vermindert haben.

„Es handelt sich nicht um zahme Vögel, die uns gegenüberstehen, sondern um die altbe­währten kampfträftigen deutschen Truppen.“ heißt es ln einem Londoner Rundfunkkom­mentar. „Der deutsche Widerstand ist seit Be­ginn der Kämpfe im Raum von Cleve nicht etwa geringer geworden, sondern verstärkt sich von Tag zu Tag,“ In einem anderen Rundfunkbericht wird erklärt, die britischen Truppen kämen nur mühsam voran, und der Kampf gehe infolgedessen nur schleppend weiter. Abgesehen von dem Widerstandswillen der deutschen Truppen büde das völlige auf- geweiehte und versumpfte Gelände ein schwe­res Hindernis für die alliierten Angriffsein­heiten.

Schwerter verliehen

Berlin, 13. Febr. Der Führer verlieh die Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes des Eissnen Kreuzes an t)-Obergruppenführer und General der Waffen-H Walter Krüger, Kommandierender General eines li-Freiwilli- gen-Armeekorps, als B0. Soldaten der deut­schen Wehrmacht.