Ausgabe 
(13.2.1945) 37
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Parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Bremen

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der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reicbsstalihallers in Oldenburg und Bremen

Nummer 37 15. Jahrgang

Dienstag, 13. Februar 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

Massenmord an 500 Grubenarbeitern

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In Oberschlesien Neue Blutorgien bolschewistischer Soldateska

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i Berlin, 12. Febr. Die bolschewistische Agitation geht mit der Behauptung hausieren, daß die Sowjetsoldaten weder mordeten noch plünderten und daß sie- Achtung vor den Tranen hätten. Daß die Kreml-Juden ange­sichts der unzählbaren- Opfer sowjetischer Massenmorde den Mut haben, solche frechen lügen in die Welt hinauszuschicken, ist nur ein neuer Beweis für den Zynismus dieses Systems, das defi Menschenmord auf seine Fahne geschrieben hafe- Die endlosen Blut­spuren, die die Sowjettruppen in den von ihnen besetzten Bändern hinterlassen, sind Zeugnisse für das bolschewistische Mord- banditentum, das auseingr reinen Freude am Mord und den Qualen wehrloser Menschen wohllos Männer, Frauen und Kinder foltert, hinschlachtet und verschleppt, das sinnlos alles Hab und Gut vernichtet. Keine noch so laute Gegenagitation der Kreml-Juden kann [dieses furchtbare Blutbad, das die bolsche­wistischen Untermenschen anrlchten, aus der Welt lügen.

Vor wenigen Tagen erst sind vön deutscher Seite amtlich beglaubigte Untaten der sowjeti­schen Mordsoldateska der Öffentlichkeit über­leben worden. Jetzt liegen neue amtliche Be­weise der bolschewistischen Mordgier vor. Die eine SchreckensnachricEt kommt aus Ober- tttilesien. Dort haben nach Aussagen des ukrai- nSscheh Sowjetarmisten Iwan Budenko aus Pfrjatin, der bei Gleiwitz zu den deutschen llnien übergelaufen. Ist, die Bolschewisten auf Jefehl eines Sowjetoffiziers an den wehrlosen Sergarbeitern derÖhringen-Grube bei Glei- »itz einen furchtbaren Massenmord verübt. Budenko gab folgendes zu Protokoll:

Eine Abteilung sowjetischer Panzer hatte Jas Grubengelände umstellt, ln dem sich die ganze Belegschaft mit zahlreichen Frauen und Kindern befand, die aus der zur Grube ge­hörenden Arbeitersiedlung bei Annäherung der Kämpfe geflüchtet waren. Der Sowjetoffizier gab sofort Feuerbefehl auf die Masse der Arbeiter, die in Richtung Förderhaus flüchte- en, um in Bergstollen vor dem Kugelregen leckung zu suchen. Die Panzer überrollten lies und drangen bis zum Grubenschacht vor. Iler befahl der sowjetische Kommandant seinen .euten, eine Dynamit-Ladung am Eingang des 'Schachts anzubringen und die Einfahrt zu sprengen. Die bereits in das Bergwerk einge­rittenen Arbeiter werden -ihre Flucht mit dein, leben bezahlt haben, denn eine andere Mög- Behkeit, aus dem Grubenschacbt herauszukom- Imen, gibt es nicht. Auf diese tragische Weise ' larden mindestens 500 Menschen einen grauen­haften Tod. Obwohl wir Ukrainer die Aus- rotthngsmethoden der Sowjets zur Genüge 1 kennen, war ich über diese sinnlose Untat tief ii'ctiflttert, und deshalb beschloß ich, mit [ einigen meiner ukrainischen Kameraden zu den 1 tatschen überzulaufen.

Eine neue grauenvolle Untat der bolsche- . wisiischen Mordgesellen wurde durch den 51jährigen Bauer Anton. Selchow aus Pieschen gedeckt. Selchow brachte in das Auffang­bar Frankfurt a. O. die sehwerkranke Anna Bf» aus jarotschin und die ebenfalls schwtnerletzteri vier- und siebenjährigen Kin­de Hans Dörnfeld und Berta Wulkow. Der Treck, zu dem der Bauer Selchow gehört, fand auf der Straße nach Lissa einen von sowjeti­schen Panzern zusammengeschossenen Treck lus. der Gegend von Jarotschin. Die Anna Bar­tels sagte aus, daß drei sowjetische Panzer, die aus der Richtung Jarotschin vorstießen, mit Maschinengewehren feuernd in den Treck hin­eingefahren seien. ' Außer den geretteten drei Personen wurden alle getötet. Anna Barteis und die beiden Kinder, deren Eltern ebenfalls bef diesem .Überfall ums Leben kämen, ver­danken ihre Rettung dem Umstand, daß ein Panzer ihren Wagen nur streifte. Dadurch rutschte der Wagen von der vereisten Straße In den Graben und begrub unter sieh Anna Bartels und die beiden Kinder. In dieser Lage wurden sie von dem nachfolgenden Treck auf- fefunden. Die Panzer, die aus allen Rohren feuerten, waren nach Nordwesten abgedreht.

Ansporn zum äußersten Einsatz

Brahtbericht unserer Berliner Schriftleitung dr. w. sch. Berlin, 12. Febr. Man faßt sich den Kopf und kann es nicht begreifen, *Enn eine englische Nachrichtenagentur zur Rastung des eigenen Gewissens die Be­hauptung aufstellt, daß die Bolschewisten bei ihrem Vormarsch gegen Europa die mensch­liche Würde verteidigten und das durch viele ihrer Handlungen dokumentierten. Demge­genüber stehen die sich häufenden deutschen amtlichen Feststellungen über Morde und Gräueltaten der Bolschewiken, die alle bishe- Vorstellungskraft übersteigen. Gerade *31 die westlichen Helfershelfer des Bolsche- T-rmus die grauenvolle Wahrheit verdunkeln r ehten, kommen wir nicht um die Notwen- jh^elt herum, sie in ihrer ganzen Scheuß- l'^'seit aufzudecken, auch wenn es zu der mi- falschen Bedrohung eine neue schwere Be- iuung für das Denken und Fühlen des deut- *hen Volkes bedeutet, zu wissen, welch furchtbarem Schicksal unsere Volksgenossen 10 den von den Sowjets besetzten Gebieten Ostens ausgesetzt sind. Aber, wie die ipß® nun einmal geworden sind, kann dieses rssen nur noch zum letzten Ansporn wer- den - um alle Kräfte und Einsatzmöglichkeiten derjenigen Steigerung zu bringen, die die Wen< äe erzwingen muß, um unsere Frauen md Kinder und schließlich das gesamte deut- «he Volk diesseits der Fronten im Westen Osten vor dem unsagbaren Grauen zu be- Jkhren, das ihnei} dr.-it, und um gleichzeitig Gegenschläge vorzubereiten. die das verlo- Gebiet wieder befreien und unsere Frei­

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sollen.

und unser Leben als Nation sichern

So -dunkel auch die Wetterwolken sich am

nahen Horizont zusammenbaUen, so zeigt doch schon der Ablauf der letzten militäri­schen Ereignisse, bevor noch die deutschen Gegenmaßnahmen in größerem Ausmaße in Erscheinung traten, daß es unter Zusammen­fassung aller Kräfte keineswegs eine Unmög­lichkeit darstellt, die bolschewistische Flut einzudämmen und zu brechen. Gewiß zeigen die Kämpfe, vor allem im Raum von Breslau und Liegnitz, noch ein sehr ernstes Gesicht, aber es ist keineswegs mehr so wie bei Be­ginn der Offensive am 12. Januar, daß der Feind an der ganzen Front mit dem massier­ten Druck einer gewaltigen zahlenmäßigen Überlegenheit aufzutreten vermag; er muß seine Anstrengungen vielmehr an einzelnen Brennpunkten konzentrieren und gleichzeitig andere Abschnitte ruhen lassen oder gar kräftemäßig schwächen. Das Gesamtbild stellt sich heute so dar, daß der Feind seine Kräfte dort zu verstärken sucht, wo sich eine Erfolgsmöglichkeit abzuzeichnen beginnt, wie bei Liegnitz, um seine Anfangserfolge opera­tiv auszuwerten. Nach den ungewöhnlich hohen Verlusten an Menschen und Material

im Verlaufe des ersten Monats der Offensive scheinen die sowjetischen Kräfte eben doch nicht mehr auszureichen, um den' Offensiv­druck an der gesamten Front gleichzeitig aufrechtzuerhalten. Die Massierungen an einzelnen Brennpunkten schaffen natürlich immer wieder neue schwere Belastungsproben für unsere Truppen, aber das soll und wird schließlich auch einmal aufhören, wenn die Vorbereitungen der Gegenmaßnahmen abge­schlossen sind! Zur Zeit sind überall Um­gruppierungen im Gange. Die stärksten Brennpunkte des Kampfes liegen in der Ziel­richtung von Mährisch-Ostrau und im Raum von Breslau-Bunzlau. Im ersteren Raum ge­lang den Sowjets nur ein Einbruch, der wie­der aufgefangen werden konnte. Das Ziel, die von den Brückenköpfen von Steinau und Brieg angesetzten Truppen westlich von Bres­lau zu vereinigen, ist bisher nicht erreicht worden, dagegen konnte der Einbruch west­lich von Liegnitz noch etwas vertieft werde«: Im mittleren Oder-Abschnitt wurden die Immittleren Oder-Abschnitt wurden die feind- lichenBrückenköpfeweitereingeengt, während

Raum Deutsch-Krone, die feindlichen An­griffe abgewiesen wurden, die offensichtlich im Hinblick auf mögliche deutsche Gegen­maßnahmen aus der Nordflanke ein beson­deres strategisches Gesicht tragen.

Die Engländer und Kanadier, die zwischen Niederrhein und Waal auch auf einen Durch­bruch hinzielen, scheinen heute schon zu erkennen, daß der deutsche Widerstand sie weiterhin, wie ^ schon seit Monaten, zur Zentimeter-Offensive verurteilt, die keinen durchgreifenden Erfolg verspricht.

So dürfen wir, obgleich wir uns noch in einer Zwischenphase der großen Schicksals­schlacht vor dem endgültigen Inkrafttreten der deutschen Gegenmaßnahmen befinden, aus den Ereignissen im Osten wie im Westen die verstärkte Zuversicht ableiten, daß wir schließlich doch die Wende erzwingen werden, wenn wir nur in unserer äußersten Einsatzbereitschaft stark bleiben und uns weder durch noch so schweres Leid, noch erst Fecht nicht durch feindliche Agitations­tricks beugen lassen.

Dreierkonferenz erstreb!Einheitsstrategie" der Feinde

Offenherzige Erörterung feindlicher Vernichtungspläne Man will ein Super-Versailles

Drahtbericht unserer Berliner Scbriftleitung g. Berlin, 12. .FebrJEinen endgültigen Durchbruch kündigen dieTimes als das Ziel der Westoperationen an; aber sie sind vorsichtig genug, einer Offensivbewegung, die englisch-kanadisch-amerikanische Truppen in diesen Tagen unternommen haben, noch nicht eine solche Bedeutung zu geben! Be­scheiden -meint das englische Blatt, daß man zunächst nur die Absicht habe,bis zum Rhein vorzubr&clien: Erst nach einer -Fat,~c werde man dann mit Unternehmungen be­ginnen können, wie sie etwa die Forcierung des Rheins darstellen würde. Ist das eine Art strategisches Programm des angelsächsischen Oberkommandos? Und ist dieses Programm in die Einheitsstrategie eingearbeitet, die an­geblich das erste praktische Ergebnis der Dreierkonferenz sein soll? Dann aber wieder wird in der feindlichen Berichterstattung diese Idee eines gemeinsamen Oberkomman­dos für den europäischen Kriegsschauplatz als das große Ereignis dieses Kriegsabschnitts gepriesen und hervorgehoben. Dabei spielen wieder manche Erinnerungen an den ersten Weltkrieg eine Rolle, wie damals die Be­trauung des Marschalls Foch mit dem Amt eines gemeinsamen Oberkofnmandierenden für die amerikanischen, englischen und fran­zösischen Truppen, die mit dem Abklingen der deutschen Sommeroffensive von 1918 und mit dem Beginn feindlicher Offensivhandlungen zusammenfiel. Nun sollen Roosevelt,. Stalin und Churchill sich auf eine Einheitsstrategie für Ost-, West- und Südfront geeinigt haben.

Fällt diese militärische Einigung, wenn sie wirklich erfolgt sein sollte, mit der offi­ziellen Bekanntgabe jenes europäischen Vcrnichtungsplanes zusammen, der schon in Teheran im Grundsatz beschlossen war, und ist dessen Grundlage, die Auslieferung Euro­pas an den Bdlscnewismus, -bi jfctzt von

worden? Es wimmelt jedenfalls in der feind­lichen Presse, von Einzelheiten solcher Ver­nichtungspläne, so daß es wohl nicht un­wahrscheinlich ist, daß die verantwortlichen Urheber aller' dieser Projekte den nicht be­amteten Politikern freie Hand für die Ver­kündung dieser Thesen gegeben haben müsccn. Lord Vansittart meldet doch:Das Wort Reich muß verschwinden. Er will höchstens noch so etwas wie einendeut­schen Staat zulassen, für den er eine Be­setzung in zwei Etappen vorsieht, eine erste Oberbehörde mit großem Truppenaufwand, und eine anschließend langfristige, die im wesentlichen durch einengut organisierten Geheimdienst jede Regung des deutschen Volkes überwachen soll. Wie man sich die Zusammendrängung des deutschen Volkes apf engstem Raum ausmalt, zeigten Ver­öffentlichungen eines Schweizers Blattes über Einzelheiten der Dreierkonferenz. 12 Millionen Deutsche sollen aus dem für das künftige Sowjetpolen vorgesehene Ge­biet umgesiedelt werden, ebenso 2 MUli- onen Sudentendeutsche aus der wiederer­stehenden, sowjetisch geführten Tschecho­slowakei. Die deutsche Mindemeit soll aus Dänemark deportiert werden usw. Es paßt in' diesen Rahmen, wenn der gaullistische Informationsminister eine Besetzungvon einem Ende des Rheines bis zum andern durch ausschließlich französische Truppen verlangt und ebenfalls durch Franzosen auch das ganze Ruhrgebiet besetzen lassen möchte.

Sind alle diese Kombinationen Zeichen da­für, daß die Dreierkonferenz zu Ende geht und daß man die Welt auf ihre Pläne vor­bereiten möchte? Moskau jedenfalls ist mit der Bekanntgabe seiner Pläne am offen­herzigsten, offenbar, weil es freie Hgjid be­kommen hat und keine Scheu mehr emp-

den Anglo-Amerikanern noch verschwiegen findet. Der Moskauer Korrespondent der

Ab Wehrkraft im Westen ungeschwächi

Zurückhaltende englische und amerikanische Stimmen

Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 12. Febr. Die bisherigen eng­lisch-amerikanischen Berichte über den Ver­lauf der neuen Schlacht im Raum von Cleve sind außerordentlich zurückhaltend. Zwar posaune man jeden Bodengewinn von einigen Kilometern mit großer Lautstärke aus, lege aber den Hauptnachdruck der Berichterstat­tung auf den überaus heftigen Widerstand. Manchester Guardian warnt ausdrücklich davor, sich etwa der Illusion hinzugeben, die schweren Kämpfe im Osten hätten die deutsche Abwehrkraft im' Westen irgendwie geschwächt. Von irgendeiner Verschlechte­rung der deutschen Kampfmoral sei keine Rede. 4uch andere englische Zeitungen und die meisten Rundfunksprecher stellen mit großer Enttäuschung fest, daß die Abwehr­kraft der deutschen Soldaten von den Ereig­nissen der Ostfront nicht im geringsten be­einflußt worden sei. Wer angenommen habe, daß die schwere Schlacht an der Oder den amerikanisch-englischen Truppen ihr Vor­dringen in Richtung auf den Rhein erleich­tern würde, habe sich schwer getäuscht.

Kapitulation unmöglich"

Drahtbericht unseres Vertreters hw. Stockholm, 12. Febr. Der Berliner Ver­treter desSwenska Dagbladed gibt von einer Frontreise zur Oder ein Gespräch zwi­schen vier jungen deutschen Soldaten wieder, das er dort belauschte. Es begann mit dem Satz;Wir geben den Kampf niemals auf, Kapitulation ist für Deutschland eine Un­möglichkeit, und es endete:Heute kommt es nicht darauf an, zu grübeln, sondern nur darauf, zu kämpfen. Der schwedische Be­richterstatter fügt hinzu, daß genau wie diese vier heute viele, viele junge Deutsche den­

ken.Wir müssen uns diese deutsche Einstel­lung klarmachen, um die Entwicklung in Deutschland zu verstehen. Auch englische Berichte von der Westfront heben erneut die unerschütterliche Kampfmoral der deutschen Soldaten an dieser Front hervor. DerMan­chester Guardian unterstreicht besonders deh Umstand, wie genau die Verteidiger im Westen über die ernste Lage im Osten unter­richtet seien.

Bombenterror gegen Flüchilinre

Berlin, 12. Febr. Nachdem bereits kurz nach dem gemeinen Terrorangriff auf Berlin am 3. Febr. die Londoner Korrespondenten der schwedischen Blätter meldeten, daß dieser Gangsterüberfall in der Hauptsache den Zweck hatte, die zahlreichen Flüchtlinge aus dem Osten, dief sich in Berlin aufhielten, zu treffen, gibt nunmehr das englische Luft­fahrtministerium die amtliche Bestätigung dafür, die verdient, festgehalten zu werden. Das Luftfahrtministerium gesteht ganz offen, daß der Angriff der Bomberverbände auf Berlin die Unterbringung der Flüchtlinge aus den Ostgebieten erschweren sollte. Demselben Ziele diente auch der Terrorangriff auf Magdeburg, wie in der gleichen Bekanntgabe des englischen Luftfahrtministeriums zuge­geben wird. Mit Genugtuung wird darin fest- gestellt, daß durch diesen Angriff viele Häu­serblocks ausgebrannt sind. Da Häuserblocks nicht als militärische Ziele anzusehen sind, wird hier von amtlicher Londoner Seite noch einmal der Beweis dafür' geliefert, daß die anglo-amerikanischen Luftgangster nicht den Befehl haben, militärische Ziele zu treffen, wie die feindliche Propaganda immer ver­kündet. sondern die Zivilbevölkerung, d. h. wehrlose Menschen, zu terrorisieren.

Saturday Evening Post stellt Einzelheiten dieses Programms zusammen; Deutsche Ost­grenze entlang der Neiße und Oder, unter Auslieferung auch Stettins an Sowjetpolen, und sowjetische Besetzung Deutschlands durch mehrere Jahrzehnte, um die erpresse­rischen Kriegsentschädigungsforderungen in Form von Gold, Waren oder Dienstleistun­gen zu erzwingen. Noch gründlicher und ein­deutiger aber hat sich der sowjetische Ge­werkschaftsabgeordnete in London, Tarassow, üÜer dieses Programm ausgesprochen: Lang­fristige Besetzung, feindliche Militärverwal­tung, strenge Bestrafungen, Verbot der deut­schen Schwerindustrie, Einsatz der deutschen Industrie für den Dienst in feindlichen Län­dern, in die deutsche Arbeitskräfte depor­tiert werden sollen, Umgestaltung des Er­ziehungswesens in sowjetischem Sinne unter Beseitigung aller faschistisch gesinnten Lehr­kräfte, Kontrolle über Deutschlands'gesamtes Kulturleben.

Das alles paßt ausgezeichnet zu einer Agitation, die jetzt von London ausgeht, wo der Vizepräsident der amerikanischen CIO- Gewerkschaften, Thomas, erklärte, amerika­nische Soldaten hätten den Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die sowjetischen Ar­meen zuerst nach Berlin gelangen mögen.

Paris verschljang 30000 Kaizen

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 12. Febr. In Paris gibt man sich jetzt nicht mehr die geringste Mühe, seinen Unmut über das Ausbleiben der lange erwarteten - Einladung an de Gaulle zur Dreierkonferenz zu verbergen. Damit vertieft sich die ebenfalls immer schärfer werdende Kritik französischer Kreise an den Alliierten wegen des Ausbleibens der ursprünglich ver­sprochenen Lebensmittel- und Rohstoffliefe­rungen. In einem französischen Funkbericht wird darauf hingewiesen, die Zahl der Ar­beitslosen in Frankreich wachse immer mehr und der allgemeine Gesundheitszustand werde immer schlechter. Die Verzögerung der Erfüllung der Hoffnungen, die man auf die Alliierten gesetzt habe, entmutigten langsam auch die tapfersten Gemüter. Gleichzeitig verbreitet der Pariser Reuter-Korrespondent, offensichtlich übereinstimmend mit den gaul­listischen Behörden, eine Meldung, derzu- folge die Nahrungsmittelnöte der französi­schen Hauptstadt nunmehr, so groß gewor­den seipn, daß die Pariser reguläre systemati­sche Katzenjagden veranstalteten. Seit dem ersten Tag der englisch-amerikanischen Ok­kupation seien etwa 30 000 Katzen ver­schwunden. In letzter Zeit wurden täglich 200 bis 300 Katzendiebstähle gemeldet. Eine Katze wird in Paris zum Preise von 30.Schil- lifigen verkauft.

Fesselungsoff ensive ?

Von unserem militärischen v. W.-Mitarbeiter

Seit dem Morgen des 8. Februar ist die Offensive im Westen im Gange. Sie steht unter dem Kommando Montgomerys, der seit dem 15. Januar die führende Rolle zwischen Niederrhein und der Eifel innehat und die Massen aller -feindlichen' Streit­kräfte befehligte. Der durchgreifende Be­fehlswechsel, der an jenem Tage stattge­funden hatte, nahm Eisenhower die eigent­liche Befehlsführung und beschränkte ihn öffenbar auf die Verwaltungsaufgaben. Die Ardennenschlacht hatte die für die Ameri­kaner bestimmt unangenehme Folge, von dem hohen Olymp "wieder herabsteigen zu müssen, den sie gegenüber den Engländern und vor allem Montgomery eingenommen hatten, der immerhin den schwierigsten Teil des Invasionsangriffs, nämlich die Landungsphase, geleitet hatte, nachdem es so schien, als ob man die reicheren Kriegs­erfahrungen der Briten nach Gelingen des Vormarsches gegqn das Reich nicht mehr brauchte. Montgomery bewies im Rahmen der Ardennenschlacht, daß er mindestens schnell zu handeln wußte. Diesem Tatbe-' stand verdankt er die vermehrten Voll­machten, die er seit Anfang Januar für den Hauptteil der Westfront trägt; denn es ist keine Frage, daß sein Frontabschnitt zwi­schen Niederrhein und der Eifel der wich­tigste bleibt, weil er über einen der Wege zum Rhein und darüber hinaus am Ruhr­gebiet vorbei in das Herz des Reiches führt. Dieses Ziel verfolgten die Amerikaner in den schweren Herbstschlachten, ohne es zu erreichen. Jetzt wird das gleiche Ziel unter volle Verantwortung Montgomerys noch ein­mal erstrebt. Stand damals die deutsche Westfront da die Ostfront sich beruhigt hatte unter dem Schutz starker Reserven, die längst nicht alle in die Herbstschlacht einzugreifen brauchten, wie ihr plötzliches Auftreten am 16. Dez. in den Ardennen be­wiesen hatte, so gedieh der feindliche Plan, vier Wochen nach den Sowjets auch im' Westen wieder aktiv zu werden, nicht zu­letzt aus der Erwartung, in dieser neuen Schlacht weniger starke deutsche Kräfte vorzufinden als vor einem Vierteljahr.

Die gesamte Westfront macht'zur Zeit den Eindruck, als ob sich der Gegner zwischen .Niederrhein und Oberrhein im allgemeinen schon seit einer gewissen Zeit offensiv ver­hält. Auch außerhalb des Machtbereichs Montgomerys regen sich die 3. und 7. ameri­kanische Armee«, und die gaullistische 1. Ar­mee, von denen die beiden letzteren in der Heeresgruppe Devers zusammengefaßt sind. Doch haben ihre Belegungen mit, einer vor­bereiteten und seit langem gewollten Offen­sive nichts zu tun. Die Aufgabe im Westen stellt eher die Überwachung der Gesamtlage dar, die die deutsche Führung zwingt, ihr Hauptaugenmerk den Ereignissen im Osten zuzuwenden. Selbstverständlich wird auch das Verhalten Montgpmerys durch die große Ost­schlacht beeinflußt; doch dürften seine Vor­bereitungen schon begonnen haben, bevor der Angriff der Sowjets das Ausmaß erreichte, das er heute angenommen hat. Zweifellos liegt ein Gesamtplan der feindlichen Koalition vor, in dessen Rahmen Engländer und Amerika­ner jetzt ihre Verpflichtungen erfüllen müs­sen. Das tritt sicher zu einem viel späteren Termin ein, als abgemacht war. Man kann den Standpunkt vertreten, ..daß die den Bri­ten und Amerikanern zugedachte Rolle eine solche der Fesselung ist; doch dürften" solche Betrachtungen das zu erwartende Ausmaß des Feindangriffs im Westen nicht voll aus­schöpfen.

Die Kanadier Crerars sind zwischen Nie­derrhein und Maas durch britische Truppen soweit verstärkt worden, daß dort die Hälfte aller britisch-kanadischen Divisionen seit dem 8. Febr. im Angriff steht. Den Kana­diern ist also die Eröffnung der neuen West­schlacht zugeschoben worden, die sie atf ver­hältnismäßig schmälerer Front, aber mit stärkster Massierung im Dreieck Nimwegen- Gennep-Cleve begonnen haben. Das größte Hindernis, das die Kanadier in diesem Raum zu überwinden hatten, war der tiefe Reichs­wald, in dem sich in den ersten Tagen hef­tige Kämpfe abgespielt haben. Der Feind Ist dank seiner ? tassierung bis an den Rand von Cleve vorgedrupgen, ln dessen Straßen er­bittert gekätnpft wird; doch ist der vom Geg-, ner zwe'fellos beabsichtigt gewesene Durch­bruch über Cleve hinaus zum Rhein verhin­dert worden. Im Rahmen des Montgomäry-

Weslmächle weichen vor Moskau zurück

Wachsende Besorgnisse in den neutralen Staaten

Drabtberlcht unseren Vertreter»

sch. Lissabvi, 12. Febr. In den neutralen europäischen Staaten wachsen von Tag zu Tag die Befürchtungen hinsichtlich der alli­ierten, vor, allem de- sowjetischen Europa- Pläne. Man stellt mit Entsetzen fest, daß die Westmächte immer mehr vor der Sowjetunion zurückweichen und dau Roosevelt, ohne Rück­sicht auf die Lebensinteressen des Abendlan­des zu nehmen, der Sowjetunion zumindest einen ähnlichen Einfluß auf den europäischen Kontinent zuzuerkennen bereit ist, wie ihn die USA in Ibero-Amerika haben, über die europäischen Wünsche geht man glatt hin­weg. Aber auch Staaten, wie z. B. Belgien, stellen mit wachsender Sorge fest, daß ihr Schicksal bei den derzeitigen diplomatischen Besprechungen entschieden wird, ohne daß ein Volk befragt wird. Natürlich wagen sich die belgischen '"räfte nicht allzu weit hervor;

so erklärte z. B. eine führende Persönlichkeit des belgischen Außenamtes einem USA- Pressevertreter, Belgien wünsche zwar nicht so weit zu gehen wie de Gaulle, der eine Ein­ladung zur Dreierkonferenz verlangt habe, es stehe aber auf dem Standpunkt, daß es einen großen politischen Fehler darstellen würde, wenn man über Belgiens Schicksal auf der Dreierkonferenz entscheidet, ohne das belgi­sche Volk zu befragen. Belgien bittet also durch den Mund dieses Mannes geradezu de­mütig um die ZuertlRung primitivster Rechte, die bisher ein Volk für sich in Anspruch, nahm.

Noch schärfer ist die Stimmung in neutra­len Ländern, deren Presse mit Entsetzen sieht, daß auf dem Londoner Gewerkschafts­kongreß sich die sowjetischen Wünsche immer mehr durchsetzen und daß Infolgedessen für die anderen Staaten Europas nichts mehr zu hoffen ist.