Ausgabe 
(2.2.1945) 28
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Parieiamiliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

7

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsslatthallers in Oldenburg und Bremen

Nummer 28 15. Jahrgang

Freitag. 2, Februar 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

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Slurm-Wikinge grillen an

Eigener Orahtbericht

rd. Berlin, 1. Febr. Wählend aller Blicke auf das weiträumige Geschehen an der Ost­front gerichtet sind, pocht die Meldung von neuen Erfolgen der Sturm-Wikinge der Kriegsmarine in der Scheldemündung um so eindringlicher an unser Ohr. Die Sturm-Wi- kinge, die als Einzelkämpfer mit bewußter Selbstaufopferung große Schiffsziele, angrei­fen, haebn in dunkler und eisiger Januar- , nacht in der Sche’demündung wieder minde- stens sechs feindliche Schiffe mit ihren ver­nichtenden Sprengstoffmengen angegriffen. Fünf starke Explosionen und hohe Feuer­säulen, die unsere Batterien auf der Insel

r : jj. Schouwen - im Operationsgebiet der Sturrn- ' ’ Wikinge beobachteten, lassen darauf schlie- .. ßen, daß mehrere Nachschubdampfer so stark beschädigt wurden, daß sie gesunken sind. Konnten diese Erfolge von unseren, in selbst­loser Hingabe angreifenden' Sturm-Wikingen im einzelnen nicht selbst gemeldet werden, so gelang es einem von ihnen, in einen un­serer Stützpunkte zurückzukehren, wo "er Be­richtete, daß er durch Volltreffer einen gro­ßen feindlichen- Tankdampfer, der mit Treib stoff für anglo-amerikanische Panzer und.) - Flugzeuge voll belaßen war, versenkt hat.

Der Sturm-Wiking hat niemand neben sich, wenn er auf der Fahrt im feindlichen Seebereich ist. Der unbeugsame Geist der Einzelkämpfer, der in allen Wehrmachtteilen tebt und wirkt, ist ln den Sturm-Wikingen . zu einer Härte entwickelt, die über alles Meßbare ' und Wägbare hinausgeht. Der Sturm-Wiking kann nicht nach rechts und links blicken und auch nicht nach rückwärts. Sein eiserner Wille, geht nur nach vorwärts, um den Feind vernichtend zu treffen. In einem Volk, das solche Männer hat, leben ungeheure Kräfte/ die von-keinem Massen­sturm aus Ost oder West zerstört werden können. Die Sturm-Wikinge achten den Tod nicht; sie opfern ihr eigenes Leben für das eine große Ziel: das Leben des deutschen Volkes zu verbürgen. Jeder Deutsche schöpft aus solchen Taten neue Kraft, und so wirken era E* _ diese Geschehnisse des Seekrieges weit hin- danniF'-aus Über die Schiffsverluste, die sie dem Feind zufügen; als Sinnbilder deutscher Un­besiegbarkeit.

Eichenlaub zum Ritterkreuz

Führerhauptquartier, 1. Febr. Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Generalleutnant Hell­muth Böhlke, Kofrunandeur der 334. Inf.- Division, als 716. r an Oberfeldwebel Walter Süß, Zugführer in einem Grenadier-Regi­ment, als 717. Soldaten der deutschen Wehr­macht. v

• Mitte Dezember 1944 verhinderte Generalleut­nant Böhlke durch von ihm selbst geführte. [Gegenstöße den Durchbruch starker britischer [Kräfte bei Cossignano auf die Via Emilia und * brachte dem Gegner schwerste Verluste bei.

' • Am letzten Tag der dritten Kurlandschlacht bereinigte Oberfeldwebel Süß mit wenigen : Gtenadieren eine bolschewistische Einbruchs- hlunss4"h aus eigenem Entschluß über das. befohlene

- hinaus.

Äußerste Verteidigung

Reichshuupisiudi. M eine einzige Festung von Herzen und Soldaten

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

g. Be r 1 i n ,1. Febr. Stalins Soldaten ha­ben den Fuß auf den Boden der Mark Brandenburg gesetzt. Das weitere östliche Vorfeld von Berlin ist bedroht. Diese Tat­sachen sind das Fanal für die Reichshaupt­stadt, alle inneren Reserven einzusetzen für den Kampf. Die Reichshauptstadt Groß- deutschlands ist sich ihrer Aufgabe'bewußt. Sie erfüllt unter einer fieberhaft arbeitenden Führung ihre große Sendung. Die Stunde der Bewährung für Führung, Partei, Wehrmacht und Volk ist gekommen. Und alle sind geeint unter dem harten Gesetz der Stunde. Nur eines gilt noch: „Widerstand bis zum

Letzten.

Nur das Gebot der äußersten Verteidigung kann hier noch herrschen. Keine privaten,' ] persönlichen Wünsche haben noch Räum ih diesem geschichtlichen Augenblick. Die Man­der des Volkssturms verlassen ihre Dreh­bänke / und Schreibtische. Es sind keine

Jünglinge mehr, die sich ohne Wissen um den Ernst einer Gefahr ins Erleben stürzen. Manches Haupt ist darunter, das Erfahrung gebleicht hat. Es sind die Familienväter, die jetzt hinausziehen, das Leben ihrer Familie zu schützen.

Zahlreiche Stützpunkte behaupten sich in den hart umkämpften Räumen westlich Züllichau und Schwiebus. Hier stehen deut­sche Truppen dem sowjetischen Massenan­sturm gegenüber. Sie alle eint der hart­näckige Widerstandswille von Mahnern, die das Leben kennen, von Männern, die in ihren Jugendtagen die Hölle von Verdun durchschritten haben.

Berlin ist somit ' zur Frontstadt im wei­teren Sinne geworden. Aber der preußische Geist ist der Reichshauptstadt, der sieh in so vielen Bombennächten immer stärker als die Umstände erwiesen hat, wird sich auch diesen Anforderungen gewachsen zeigen. Schwer werden die Aufgaben sein, die die •! Frauen und Männer Berlins zu lösen

haben, vor denen - alle anderen Aufgaben klein erscheinen. Aber jetzt wird, sich erweisen, ob die Reichshauptstadt ihren Na­men verdient. Sie gilt als Symbol für den Schicksalskampf Deutschlands.

Der Führer hat in seiner Ansprache zum 30, Januar erklätt, daß die deutschen Men­schen kämpfen werden, wo immer es auch sei. Auch Berlin wird sich für den Kampf bereit machen,- den die -gegenwärtige Situ­ation verlangt. Vielfältig sind die Beziehun­gen, die von allen Teilen des Reiches zur Reichshauptstadt führen. Und aller deut­schen Augen richten sich jetzt nach hier, von wo ihnen Beispiel, Aufmunterung und neuer Impuls zuströmt. Der Augenblick ist ge­kommen, wo das Herz Deutschlands, der Sitz seiner Regierung, eine einzige Festung von Herzen und Soldaten wird, und in diesem Augenblick erweist sich der heroische Geist, den die Nationalsozialistische Partei als Füh­rungsorgan des Reiches ausstrahlt.

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Verbissener Einsatz gegen Vernichiungspläne der Feinde

Roosevelt plant Appell an die Feigheit -— Absichten des Feindes von Haß diktiert

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung bm. Berlin, 1. Febr. Roosevelt und Chur­chill haben nach amtlichen Angaben der anglo-amerikanischen , Nachrichtenbüros Washington und London verlassen, um iif einer Zusammenkunft mit Stalin die politi sehen Konzepte der Westmächte mit denen der Sowjetunion abzustimmen. Der,Ort des neuen Dreier-Treffens wird in der. üblichen Weise von der Agitation mit jenem Schleier des Geheimnisses umgeben', der neben Sicher­heitsgründen vor allem auch agitatorische Effekte erzeugt, da jede Kombination — mag nun Rom, Kairo. Teheran oder Moskau als Konferenzort genannt werden — Stoff zu einer neuen Meldung für ' die Weltpresse abgibt. In London und Washington erkennt man. — nach den Beobachtungen neutraler Korrespondenten — durchaus die Machtver­schiebung., die durch die riesige Sowjetoffen­sive im alliierten Verhältnis bewirkt .wurde.

Diplomatische Kreise Washingtons argu­mentieren daher, daß Roosevelt seine ur­sprünglichen Vorbehalte, durch die eine stärkere Einflußnahme der amerikanischen Wirtschaft auf Europa erstrebt wurde, zu­gunsten der sowjetischen Vernichtungspläne zurückstellte. Als Richtlinie der Roosevelt- schen Politik während der Konferenz wird nun offiziell der Morgenthau-Plan bezelch- net, der Gebietsabschneidungen Deutschlands im Westen bis zum Ruhrgebiet und im Osten

Stunden der höchsten Bewährung

Kampfeswille, Opfermut, Einsatzbereitschaft!

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Drahtbertcht unserer Berliner Schriftleitung ■ dr, w. sch. Berlin, 1. P*ebr. Wenn auch die sowjetische Superoffensive im mittleren Frontabschnitt mit Panzerspitzen und Auf­klärungskräften etwas weiter iri den bran- denburgischen und pommerschen Raum vargestoßen ist und wenn auch' hinter diesen vorgeprellten Kräften ' stärkere Verbände nachdrängen, so' hat sich doch das strategische Gesamtbild im Hinblick auf das Tempo der- Bewegungen und auf die Gestaltung der Front gegenüber dem Vortage nicht wesentlich verschoben. Die Front stellt sich in großen Zügen weiterhin ais ein spitzer Keil dar, dessen - Schenkel etwa bei Königsberg im Nor­den und in der hohen Tatra im Süden ver- ‘ ankert sind, während die Spitze im Westen die oder nordwestlich von Küstrin erreicht hat. Der besonders starke Druck des Feindes an dieser Stelle ist ganz offenkundig von einer Zielsetzung geleitet, die in höherem Maße von Gesichtspunkten des Prestiges als Von s0 ' c ^ en der strategischen Erwägung be- stimmt sind. Ob die militärische Führung j&. ides Feindes zweckmäßig handelt, wenn sie " die Reifchshauptstadt als einen magischen Anziehungspunkt wirken läßt, das wird sich ja heraussteilen, wenn operative Gegenmaß- nahmen von unserer Seite her in Erschei- dnng treten.

Gleichzeitig deutet sich aber auch das Bestreben der Sowjets an, durch ihren nord­westlich gerichteten Druck in den pommer­schen Raum hinein die auf der Linie Königs- berg—Elbing—Küstrin liegende und mehr oder weniger breite Flankenbedrohung des nördlichen Schenkels des sowjetischen An- |riffskeiles hinter einer begradigten Oder- Front vom Quellgebiet bis zur Mündung ge­wissermaßen zu isolieren. Bisher ist es bei dem Versuch geblieben. Gegen die feind­lichen Panzerspitzen im Raum Stemberg— Zielenzig und nordwestlich von Küstrin sind deutsche Eingreifreserven eingesetzt, und im öudteil von Pommern konnten die blosche- ^schen Angriffe zum Teil abgewiesen und Tß.’-äfbngskräfte zurückgeworfen werden. Während in diesem mittleren Ra um also ,^7 der Bewegungskrieg in vollem Gange

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Glogau auch weiterhin kaum wesentlich ver­ändert. An diesem langen Frontabschnitt wird das Bild an vielen Stellen durch eine wirksame deutsche Aktivität gekennzeichnet, der es gelang, - einige kleinere Brückenköpfe einzuengen oder zu zerschlagen und einen größeren Brückenkopf westlich von Brieg ebenfalls etwas einzudrücken und zu ver­kleinern. In diesem Zusammenhang ist auch der Angriff einer starken deutschen Kräfte­gruppe südlich von Lissa bemerkenswert, der |,es zu verhindern vermochte, daß der Feind aus dem Raum von Glogau mit starken Kräf­ten Raum gewinnen konnte. Im westpreu­ßischen und ostpreußischen Raum verzeich­net der Wehrmachtbericht schwere wechsel- volle Kampfe, ohne im einzelnen eine Än­derung des Frontverlaufes aufzuzeichnen, Wenp es überhaupt noch notwendig und nötig wäre, so wird die Annäherung der innerasiatischen Bedrohung Europas an die Reichshauptstadt auf Führung, Truppe und Volk wie ein Fanal wirken, um durch die äußersten Kraftanstrengungen den sowjeti­schen Angriff abzudämmen und in der Folge zurückzuschlagen. Es gibt viele Beispiele in der Kriegsgeschichte, in denen die An­näherung des Angreifers an die Hauptstadt eines Landes Impulse von solcher entschei­denden Wirkungskraft aüslöste, daß sie die Wende einzuleiten vermochten. So- war es beispielsweise-im ersteh Weltkrieg, als man in Paris bei der Annäherung der deutschen Truppen die Reserven Mer Hauptstadt bis zum letzten Mann mobil machte, um sie auf Omnibussen und Taxen an die Front zu wer­fen, wo sie zur Wende des Geschehens bei­trugen. Auch im Jahre ft)41 gelang es der deutschen Reersgruppe Nord nicht, aus der Bewegung heraus Leningrad einzunehmen, weil man dort mit Unerbittlichkeit alle über­haupt nur möglichen Kräfte des Wider­standes in letzter Stunde noch yirksam zu ! organisieren vermochte.

Diese Beispiele der Kriegsgeschichte aber müssen und werden verblassen gegenüber dem, wes von deutscher Seite an Leiden­schaft, Kampfeswillen, Opfermut und Ein­satzbereitschaft ln die Waagschale geworfen werden, wenn es gilt, dem Feinde einen Er-

bls zur Oderlinie vorsieht. Aii Stelle finan­zieller Reparationen soll Deutschland nach diesem Plan seine gesamten Industrieein­richtungen ar die Alliierten ausliefern. Außerdem hat Roosevelt — auch Churchill hat sich in jüngsteil Auslassungen vor dem Unterhaus zu dieser Praxis bekannt,. — die sowjetischen Forderungen nach Arbeiterver­schickungen in das Innere der Sowjetunion als „rechtmäßig und mit den Plänen der Westmächte übereinstimmend anerkannt“.

Der maßgebliche Sprecher der Sowjet­union, der Jude Ilja Ehrenburg, begründete dieses Verfahren nicht liur mit der zu voll­bringenden Aufbauarbeit im Innern der Sowjetunion, sondern vor allem mit der Ein­stellung Stalins, daß Deutschland als Nation vernichtet werden müsse. Die Sowjetarmee könne sich nicht darauf beschränken, das deutsche Volk mit Vitaminen zu behandeln, sondern es,- müsse eine, wenn auch außer­ordentliche schmerzhafte Operation vollzogen werden. Das Operationsmesser aber führe der Haß, der. in aller Welt gegen Deutsch­land festzusteilen sei und der davor be­bewahre, etwa eine unangebrachte Milde zu zeigen.

. Für das deutsche Volk bedeuten derartige Feststellungen' der Feindseite keinerlei "Über­raschungen. Denn allein die Form der großen Winterschlacht hat gezeigt, daß es in diesem Ringen um Sein oder Nichtsein des deut­schen Volkes und damit um jeden einzelnen Deutschen geht. Diese Erkenntnis hat sich in einen 1 Fanatismus umgesetzt, der sich in dem unbeugsamen Widerstandswillen äußert. Jüngste Informationen lassen es möglich er­scheinen, daß die Feindkoalition auf der Dreier-Konferenz einen sogenannten Aufruf formulieren will, der sich, an die Feigheit wenden soll, die.man im deutschen Volk zu­mindest in einigen Kreisen vermutet, trotz der im Kampf um die Entscheidung Tag für Tag aufs neue dokumentierten ..Geschlos­senheit des deutschen Volkes und seiner un­verbrüchlichen Treue zur Führung.

Als Hauptautor eines derartigen Aufrufes wird Roosevelt genannt, der sich als ameri­kanischer Präsident in. der Rolle Wilsons geben möchte, um dem deutschen Volk auf . hequeme Art die Waffen aus der Hand zu schlagen und jene Vernichtungspläne in die Wirklichkeit umzusetzen, die nach Feststel­lungen neutraler Beobachter in London und Washington nicht allein Diskussionsobjekt einer nach Sensationen heischenden Presse sind, sondern durchaus den politischen

Richtlinien des Weißen Hauses und der Downingstreet entsprechen.

Die Antwort des deutschen Volkes auf die Hoffnung der Feindmächte, in ihm einen Ansatzpunkt ehrloser Feigheit finden zu können, ist völlig klar. Sie wird in einem verbissenen Einsatz bestehen, der eine Wende herbeiführen soll und muß, denn dieses Volk kämpft um sein Schicksal und nur das steht ihm vor Augen.

In jüdischer Hand

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 1. Febr. Der jüdische Haupt­ratgeber Roosevelts, Berhard Baruch, er­klärte in einer sehr lebhaften Ansprache, daß die von Donald Nelson im vergangenen Jahr vorgesehene Umstellung der Rüstungsindu­strie auf zivile Güterzeugung gescheitert sei; Die Familie Bärüch tritt übrigens, je länger der Krieg dauert, um so stärker hervor. Der Einfluß Bäruchs in Washington ■ ist im , Wachsen. Praktisch ist die Entscheidung über die gesamte Kriegs- und Nachkriegsproduk­tion in den USA in seine Hand gelegt. Leute wie Waliace und Jesse Jones sind lediglich Handlanger und letzten Endes untergeord-, nete Mitarbeiter des Finanzmagnaten. Das jüdische Haus Baruch hat seine Macht­stellung jetzt noch dadurch erweitert, daß ein Bruder Bernatd Baruchs zum Gesandten in Lissabon ernannt wurde. Angesichts der Bedeutung, die dem Hafenplatz Lissabon nach Kriegsende noch für geraume Zeit vom amerikanischen Standpunkt aus zukommt, ist die Ernennung eines Mitgliedes der Fa­milie Baruch überaus bezeichnend.

Schieber verstecken Deserteure

ep. Madrid, 1. Febr. Allen Franzosen, die anglo-amerikanische Deserteure bei sich be­herbergen und vor dem Zugriff der Militär­polizei verstecken, erhalten Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren. Eine entsprechende Ver­ordnung mußte vom anglo-amerikanischen Oberkommando erlassen werden, weil die jüngsten Razzien auf davongelaufene Sol­daten nahezu ergebnislos verliefen; Die mei­sten fanden Unterschlupf bei französischen Schwarzhändlern, die durch sie reich gewor­den sind und den Deserteuren sogar französi­sche Pässe verschaffen, so daß sie die Kon­trollen in den Nachtlokalen ohne weiteres bestehen, wenn sie die französische Sprache beherrschen. ■ ' .

Der Feind im Lund

Von Oberstleutnant Ellenbeck

Was das Wort „Daseinskampf“ bedeutet, wird in. diesen Tagen und Wochen durch die OKW.-Berichte jedem Deutschen mit un­erhörter Eindringlichkeit eingehämmert, und viele Millionen Volksgenossen in den Grenz­gauen erleben es in erschütternder Weise. Der Feind ist im Land. Im Westen und Osten steht der Feind auf deutschem Bo­den'und hat die Bevölkerung alle Schrecken des Krieges am eigenen Leibe erfahren. Nie im Verlauf dieses gewaltigen Krieges hat die deutsohe Wehrmacht so schwere Auf­gaben zu bewältigen gehabt wie heute, nie ging ihr Einsatz um so hohen Preis wie int gegenwärtigen Stadium unseres Kampfes, dessen einziges Ziel die Erhaltung und Sicherung der Freiheit ist. Millionen Ge­spräche kreisen in dieser Zeit um die'eins Frage, was der einzelne tun muß und tun kann, damit die ungeheure Bedro­hung und Gefahr beschworen wird; alle Ge­danken, alle Wünsche und alle Sorgen des deutschen Volkes eilen Tag und Nacht an die Fronten und zu den Volksgenossen, die das Kriegslos ah der Grenze so besonders hart trifft.

Was kann der einzelne tun? Er kann gerade in Krisenzeiten seinem Volk und .der Führung' einen außerordentlich gro­ßen Dienst leisten, indem er vor allen Din­gen nun erst recht zuverlässig seine täg­liche Arbeit verrichtet. Das klingt so selbst­verständlich, als wenn es gar nichts wäre, ist aber in Wirklichkeit deshalb sehr wich­tig, weil der Feind als eine Auswirkung sei­ner militärischen Erfolge auf eine tief­gehende Erschütterung des gesamten Le­bens der Nation hofft. Jeder also, der ruhig und fleißig weiterarbeitet, statt ner­vös zu werden, Jeder, der jetzt seine Ar­beitsleistung steigert, statt sie durch die Unruhe der Zeit' beeinträchtigen zu lassen, jeder, der in Gesprächen und Urteilen auf seine Arbeitskameradeil beruhigend ein­wirkt, statt zu schwätzen, jeder, der Gerüch­ten entgegentritt,, statt "sie mit Klatschsucht weiterzutragen, jeder, der Phantasiemeldun­gen durch einen ruhigen Einwurf auf die Wirklichkeit zurückführt, statt sie womög­lich durch die eigene erregte Kombination noch zu übersteigern, jeder Volksgenosse, der also jetzt alle seine Reserven an gesun­dem Menschenverstand und Willen einsetzt, dient der Sache, Der aufgeregte, nervöse, klatschverbreitende, schreckhafte Zeitge­nosse ist der Typ, wie ihn sich der Feind Jetzt sehnlich wünscht. Der ruhige, beson­nene, Klatsch und Tratsch energisch ableh­nende, im Reden und Denken disziplinierte Volksgenosse ist der Typ, den der Feind sich nicht wünscht, den aber die deutsche Führung jetzt mehr denn je braucht.

Was kann der einzelne tun? Er kann dar­über hinaus seinem Volke keinen größeren Dienst erweisen, als daß er jetzt sich be­müht, den Volksgenossen ein guter Kame­rad zu sein, die der Kameradschaft be­dürfen. Sind Evakuierte in unserer Gegend, so muß ihnen unsere ganze Liebe und Für­sorge gehören. Wir dürfen nicht denken, diese Pflicht werde uns ja durch die amt­lichen Stellen abgenommen. Wenn das auch stimmt, so entbindet uns das nicht von der Kameradenpflicht, zusätzlich zu helfen.

Manche Menschen sind in dem Punkt maßlos stur; sie reden sich vor sich selber damit heraus, im sechsten Kriegsjahr könne man nicht viel helfen. Aber zu solchen saft- und kraftlosen Schlappstiebeln will doch hoffentlich keiner gehören. Sind Menschen in Trauer um einen Gefallenen, in Sorge um einen Vermißten, so müssen wir einen solchen Fall als die uns ganz persönlich verordnete Aufgabe ansehen und mit einem guten Wort einspringen. Wohnt in unserer Nachbarschaft jemand, der den Nöten der Zeit nicht so, recht gewachsen ist und da­her hin und wieder eine Spritze braucht, so müssen wir sie ihm in verständiger Weise aus der Kraft unserer festen Zuversicht geben. Vergessen wir auch das bekannte Dichterwort nicht, daß der das Übel ver­mehrt, der in schwankenden Zeiten auch schwankend gesinnt ist. Der beste Rat, den

Toimageproblent beeinflußt die Pläne der Anglo-Amerikaner

Hintergründe eines eriglischen Besuches in den Vereinigten Staaten

hat s:ch die Lage an der Oder-Front bis folg zu vorwehren und ihn zu schlagen.

Drahtberieht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 1. Febr. Der Amerika- Korrespondent der „Daily Mail“ enthüllt die wahren Hintergründe des etwas geheimnis­vollen Besuches des ’ englischen Staatssekre­tärs Law in den USA. Er bestätigt in seinem Bericht die bereits seit einigen Woch'en um­laufenden Gerüchte über englisch-amerika­nische Auseinandersetzungen vor allem in der Tonnagefrage. London erklärte den Amerika­nern, der für Europa zur Verfügung ge­stellte amerikanische Schiffsraum genüge bei weitem nicht.

Während die englische Berichterstattung bisher hervorhob, England habe sich in der Tonnagefrage zum Sprecher der verschiede­nen Völker des Kontinents, vor allem Frank­reichs und Belgiens, gemacht, deren Zivil­bevölkerung ln schwerste Not geraten sei, berichtet „Daily Mail“ heute, daß England in erster Linie scharf gegen die Bevorzugung des pazifischen Kriegsschauplatzes bei der Verteilung des Schiffsraums protestiert habe. London habe in Washington erklärt, die eng­lische Regierung sei sehr besorgt darüber, daß die USA der Pazifikfront auf Kosten der europäischen Front so viel Schiffsraum zur

Verfügung stellt. Die Folge sei gewesen, daß der Angriff gegen Deutschland von Westen her ins Stocken kam. Erst in der zweiten Linie habe London auf die unhaltbar wer­dende Lage der französischen Zivilbevöl­kerung hingewiesen. Die amerikanischen Dienststellen haben, 'so berichtet „Daily Mail“ weiter, lediglich kühl geantwortet, die Versorgung General MacArthurs und General Eisenhowers mit Truppen und Kriegsmate­rial sei weit wichtiger als die Ernährung der französischen Zivilbevölkerung. '

Die Hauptursache dieser von England kri­tisierten Entwicklung liegt selbstverständlich darin, daß die deutsche" Führung die Pläne Eisenhowers, die eine Beendigung des Krie­ges spätestens zu Anfang dieses Jahres vor­sahen, zerschlagen hat und sich nunmehr die Belastung durch den pazifischen Kriegs­schauplatz auf Westeuropa stärker auswirkt als bisher. Dazu tritt der Rückgang der amerikanischen Rüstungsindustrie. Als ge­stern im Repräsentantenhaus über das neue, von Roosevelt geforderte Dienstpflichtgesetz für Männer von 18 bis 45 Jahren verhandelt wurde, verlas Unterstaatssekretär Patterson

einen amtlichen Bericht, dessen Ziffern da- eingestellt

zu bestimmt waren, auf die Abgeordneten großen Eindruck zu machen. Patterson er­klärte, die Flugzeugproduktion. Amerikas sei in der zweiten Hälfte des vergangenen Jah­res um 23 v. H. hinter dem vorgesehenen Programm zurückgeblieben. Noch stärker sei der Rückgang bei der Munition für Hand­feuerwaffen. Hier sei eine sofortige Steige­rung um 50 v. H. notwendig. Ferner bestehe Knappheit in Lastkraftwagen, Autoreifen. Panzern und Granatwerfern. Eine Steigerung der Produktion und eine Anpassung an die Erfordernisse der modernen Waffenentv^ck- lung sei .nur möglich, wenn das USA-Volk seine Abneigung gegen die allgemeine Dienst­pflicht endlich überwinde.

Viele Rüstungsfabriken im Nordo&en der USA müssen wegen der herrschenden Koh­lenknappheit verkürzt arbeiten oder ihren Betrieb vorübergehend stillegen, meldet „News Chronicle“ aus New York. Eine grö­ßere Anzahl kriegswichtiger Betriebe werde voraussichtlich längere Zeit eingestellt wer­den. In New York wurden die Kohleniiefe- rungen an Haushalte, Schulen und Vergnü­gungsstätten einschließlich Kinos ab sofort