Ausgabe 
(26.1.1945) 22
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der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Beichsstatthallers in Oldenburg und Bremen

Nummer 22 15. Jahrgang

Freilag, 26. Januar 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

rsie Veränderung in der Schlacht

Wachsende Ab Wehrkraft Mehr abgeschlagene nls erfolgreiche Feindangriffe

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Von unserem militärischen v. W-Mitarbeiter Noch stehen die sowjetischen Panzer­armeen im Vormarsch. Sie sind auch, zum mindesten an den Flügeln des Schlachtfeldes, von der Masse ihrer Infanterieverbände ein­geholt worden, so daß die mechanisierten Vorhuten der Sowjets nicht mehr im leeren Baume stehen, sondern in -Verbindung mit den aufgerückten Schützendivisionen zu han­deln vermögen. Andererseits sind inzwischen "auch starke deutsche Kräfte von Osten her nach ihrer Überholung durch den Feind auf das Schlachtfeld marschiert. Sie haben seinen mittleren TeU erreicht und sofort begonnen, in die Schlacht zu treten. Die Unversehrtheit der Schlagkraft dieser Trappen, die schwerste Kampftage, lange Märsche und größte Ent­behrungen hinter sich haben, blieb vollwertig, so daß ihr neuer Einsatz sich unbedingt im Sinne einer Stabilisierung auswirken muß. Es treffen auch ständig aus den Heimatgebieten und von Truppenübungsplätzen her frische deutsche Formationen ein. Noch zwingt die Lage dazu, diese sofort auf das Schlachtfeld zu führen. Dort wirkt sich ihr Einsatz schon sehr wesentlich aus, denn in den letzten Ta­gen hat die (Zahl der abgeschlagenen Feind- angriffe die der mit Erfolg geführten schon übertroffen.

Der Dammbruch größten Stiles, der sich an den verschiedenen angegriffenen Fronten im Osten ereignete, ist noch nicht behoben wor­den. Es bestehen also noch keine zusammen­hängenden Fronten großer Breite, wohl aber bereits Sperrlinien und Riegelstellungen, die allein auf dem zunächst gültigen Grundsatz der Improvisation beruhen, bis sich aus ihnen wirklich große 'Maßnahmen entwickeln kön­nen, die das Eintreffen ausreichender und schlagkräftiger Reserven 1 zur Voraussetzung haben.

Sieht man sich die gegnerischen Operatio­nen der letzten Tage an, so neigt der Feind sehr stark zu einer ständigen, Verschiebung seiner Angriffe. Überall, wo er auf Wider­stand stößt, weicnt er in eine neue Angriffs­richtung aus, so daß das Bestreben ihn noch völlig beherrscht,, vollzogene Tatsachen zu schaffen, bevor sich Weitreichende Gegen­bewegungen auswirken können. Dieses Aus­weichen der Sowjets gegenüber jedem stärke­ren Widerstand wird eigentlich von allen Ab­schnitten der breit gezogenen Front berichtet. Er machte sich vor Breslau geltend. Das wird über den Sowjetangriff aus dem Raume Ra- witsch gegen Lissa, vom Angriff gegen Posen und vom Kampfe vor Elbing berichtet.

Abseits vom großen Ringen sieht der unga­rische ' Raum einen neuen Durchbruch deut­scher Kräfte, durch den sich unsere Trup­pen gegen Osten und'Norden weiter an Buda­pest heranarbeiten, dessen Besatzung im Westteil wieder alle Angriffe abwehrte. Wäh­rend in der Südslowakei unsere Absetzbewe­gungen weiter fortschreiten, hat der Feind südlich Krakau mit Schwerpunkt Makow keine Fortschritte machen können. Er mußte erhebliche Verluste in Kauf nehmen,- ohne .- Vorteile gewinnen zu können, die ihm auch . am Ostrand Oberschlesiens verwehrt wurden.

! Die Tendenz des Gegners, die Stellen des «hwächsten Widerstandes zu suchen und zu linden, hatten Ihn schon vor Tagen in den Abschnitt GleiwitzBrieg geführt. Doch haben auch hier stärkere deutsche Kräfte den Kampf auf genommen, aus dem sich schwere Gefechte auf dieser' ganzen Linie entwickelt haben, die einmal zum Verluste von Oppeln führten, andererseits aber auch sowjetische Übersetzversuche über die Oder, die im Kampfraum noch nicht vollständig zugefroren ist, zum Scheitern verurteilten. Das Herandrängen des _ Gegners an den ge­nannten Oderabschnitt hat ihn auch veran­laßt, den Angriff gegen Breslau von Süd­osten her zu erneuern, nachdem sich die Sperriegel östlich der Stadt als unüberwind­lich erwiesen hatten. Zwischen Breslau und Posen, wo das Kampfbild keineswegs ein­heitlich ist, hat sich der Feind aus dem Raume Rawitsch nach Südwesten und Nord­westen entwickeln wollen. Bei Steinau wollte er über die Oder, wurde aber zurückgeworfen. Sein Vormarsch gegen Lissa wurde gleichfalls zum Stehen gebracht..' Der feindliche Ver­such, sich in diesem Raume zwischen Bres­lau, Rawitsch und Steinau eine neue An- Mffsbasis zu' verschaffen, kann unter diesen Bedingungen als mißlungen gelten. Die ver­werte Angriffsrichtung, welche schon bei Breslau auffiel, wird auch im Kampf um Posen deutlich, das gegfen feindlichen Druck behauptet werden konnte. Das Gleiche gilt euch für Thom, während zwischen beiden Plätzen und nördlich davon im allgemeinen Abschnitt Bromberg und in der Stadt selbst heftige Kämpfe stattfinden. Sie sind ent­standen aus dem Drang des Gegners nach Horden, womit er verrät, daß er seinen An­pfiff auf dem rechten Weichselufer durch e, ne zusätzliche Bewegung auf dem linken Weichselufer nach Norden entlasten will.

Das Ringen um Ostpreußen wird zunächst bestimmt durch die Kämpfe um . Elbing, das der Feind nicht nehmen konnte. Er versucht jetzt, seinen dorthin führenden schmalen Prontkeil nach den Flanken hin zu erweitern, tun sich eine größere Basis zu verschaffen. Zwischen Allenstein und dem Kurischen Haff haben sich gegen die Masse der dort ange­setzten Sowjetdivisionen schwere Kämpfe entwickelt, die Im Zeichen unserer Abwehr stehen. Zwischen Orteisburg, Tapiau and

dem Kurischen Haff konnten eigene Sperr- ßnien errichtet Werden, die der Feind.ein­zudrücken versucht, während er nach Durch­führung unserer Absetzbewegung gegen die masurische Seenplatte hin auch den Ab­schnitt LötzenAngerburg zum Zielpunkt seiner Vorstöße macht.

In der vierten Schlacht um Kurland kon­zentriert 'der Feind seine Austragungen .auf den Raum von Libau, was direkte Hinweise auf den Zweck dieses Unternehmens liefert. Der Feind braucht Libau als Flottenstütz­punkt, um gegebenenfalls mit Unterstützung der ihm verbliebenen Schiffe seine Opera­tionen gegen den allgemeinen Nordrand Ost­preußens führen zu können. Doch blieb Libau wie überhaupt der angegriffene kurländische Raum festftn unserer Hand.

Es- ergeben sich .also schon wesentliche Veränderungen auf dem großen Schlachtfeld, die einzig und allein auf das Wachsen un­seres Widerstandes zurückzuführen sind. Dieser erfolgt zunächst immer noch nach taktischen Notwendigkeiten, die mehr oder weniger örtlich gesehen werden müssen. Große Linien können sich infolgedessen noch nicht abzeichnen. Aber sie werden im Auge behalten und in Erscheinung treten, wenn erst so starke Reserven auf dem Schlachtfeld angekommen sind, daß mit ihnen die grund­sätzlichen Gegenentwürfe ausgeführt werden

können. Bis dahin kann auch die feindliche Offensive nicht mehr im Vollbesitz ihrer ersten Kräfte sein, weil jeder Tag an ihrem Be­stände zehrt und sie schwächt. Doch ist die Lage noch keineswegs entspannt. Die. Schlacht ist noch in vollem Fluß, und die erste Phase unserer Gegenmaßnahmen ist noch- nicht in eine zweite übergegangen, die dem Gesetz der sowjetischen' Offensive ein gültiges Gegengewicht entgegenstellt.

Kamp! uni den Zeitgewinn

Drahtbericht- unserer Berliner Schriftleitung

bm. Berlin, 25. Jan. Die Sowjets haben nach den .jüngsten Darstellungen des deut­schen Öberkommandos weit mehr als 200 Schützendivisionen, 25 Panzerkorps und einige große Kavallerieverbände zum Sturm gegen die deutschen Grenzen angesetzt. Um die gegenwärtige Situation zu charakteri­sieren, muß nach wie vor darauf hinge- wiesen werden, daß- operative Gegen­maßnahmen derartigen Ausmaßes, wie sie zur Überwindung der augenblicklichen Krise notwendig sind und in umfassender Weise vorbereitet werden, ihre besondere Zeit zur Ausreife benötigen, eine Zeit, in der an die Härte des Volkes angesichts der großen Be­lastung stärkste Anforderungen gestellt wer­den, .da es hier um alles geht. Es ist natür­

lich, daß die Informationen über die geplan­ten Gegenmaßnahmen nicht ins Detail gehen können, da Anlage und Ort der Aufmarsch­räume selbstverständlich in den Bezirk der militärischen Geheimhaltung, fallen.

Die im schlesischen Kampfraum stehenden deutschen Kräfte Grenadiere und Solda­ten des Volkssturms-'werden unterstützt durch Schlachtflieger und Panzerkräfte und ^laben sich außerordentlich bewährt. Ihre Aufgabe ist es, die vorübergehend entstande­nen Lücken zu, schließen und den Angriffs­spitzen der Sowjets so lange hinhaltenden Widerstand zu leisten, bis er von Grena­dieren und Panzerjägern abgelöst wird. Der Volkssturm liefert also dort, wo er eingesetzt ist, nicht die große Abwehr gegen die Masse des Feindes, sondern er kämpft um die Ver­zögerung des feindlichen Vordringens und damit um den Zeitgewinn, der das An­laufen und Wirksamwerden der größeren Gegenmaßnahmen begünstigt. Da der Ein­satz des Volkssturms jeweils im Frontgebiet der Heimat erfolgt, verfügen die Volkssturm- männer über- eine sehr genaue Ortskenntnis, die der ' Abwehrleitung besonders zugute kommt. Dieser Vorteil läßt: idie erfolgreiche Wahrnehmung von Kampfchancen zu, die dem weniger ortskundigen KämpfeF leicht zu entgehen vermögen.

Uebersefizversuche über die Oder in der Masse zerschlagen

Oppeln ging verloren Vordringen unserer Angriffsverbände in Ungarn

A us dem Fuhr er h aup t qu ar t ier, 25. Jän. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

tig abgewiesen oder aufgefangen. Zwischen Gleiwitz und Brieg versucht der Feind, die Oder zu überschreiten. Es gelang ihm, Oppeln

In Ungarn durchbrachen unsere Angriffs- nach schweren Kämpfen zu nehmen. Die verbände zwischen Velencze-See und Donau |. Ubersetzversuche über'den Fluß aber wurden

starke Pakriegel des Feindes und drangen bis über den Vaii-Abschnitt vor. Deutsche und ungarische Verbände durchschritten im Angriff den westlichen Teil des Vertes-Ge­birges und nahmen das Industriegebiet von Alsögalla und Felsögalla. Nächtliche Angriffe der Sowjets gegen den Westteil von Budapest blieben erfolglos.

In der Schlacht zwischen den Karpaten und der Weichsel hat der hartnäckige Wider­stand unserer Truppen dem Feind schwere Verluste beigebracht. Allein im Bereich einer Heeresgrupp wurden nach' unvollständigen Meldungen zwischen dem 12. und 23. Januar

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durch Truppen des Heeres, Flakartillerie, und fliegende Verbände der Luftwaffe 1356 Pan­zer vernichtet. Südlich der Weichsel und an den Rändern des oberschlesischen Industrie­gebietes wurden starke, von Schlachtfiiegem unterstützte Angriffe der Bolschewisten blu-

in der Masse im Gegenangriff zerschlagen. Um einzelne, inzwischen .eingeengte Brücken­köpfe wird noch gekämpit. Vom Südosten her schoben sich feindliche Angriffsspitzen näher an Breslau heran, östlich der Stadt scheiterten alle Angriffe des Feindes. Eine bei Steinau über die Oder gesetzte sowje­tische Kampfgruppe mit 30 Panzern wurde nach Abschuß von 24 Kampfwagen geworfen.

Posen und Thorn werden gegen starke bol­schewistische Angriffe behauptet; in Brom­berg toben heftige Straßenkämpfe. In Ost­preußen versucht der Feind, seinen Einbruch in Richtung Elbing nach den Flanken zu erweitern. Erbitterte Kämpfe sind hier im Gange, östlich davon wurde unsere Verteidi­gungsfront an die masurische Seenplatte zwischen Orteisburg, Lötzen und Angerburg zurückgenommen' und gefestigt. Zwischen Alienburg und dem Kurischen Haff vereitel­ten unsere tapferen Divisionen mehrfache feindliche Durchbruchsversuche. An der kurländischen Front setzte der Feind nach Zuführung neuer Kräfte seine starken, von Panzern unterstützten Angriffe, wiederum mit' Schwerpunkt südöstlich Libau, fort. Sie wurden im wesentlichen abgeschlagen, einige Einbrüche abgeriegelt. In diesen schweren Abwehrkämpfen wurden 52 Panzer abge­schossen.

Schlachtflieger griffen in den Schwer­punkten der Winterschlacht in die Erdkämpfe ein. Sie setzten allein im Oderraum 24 Pan­zer außer Gefecht und vernichteten 360 Kraftfahrzeuge sowie zahlreiche Geschütze.

In Holland war die beiderseitige Stoßtrupp­tätigkeit in letzter Zeit besonders lebhaft. Im, Roer-Brückenkopf südöstlich Roermond wird um Heinsberg heftig gekämpft. An der Front zwischen Elsenborn und der Sauer führten die Amerikaner starke, Angriffe, vor allem östlich von Houffalize, wo ihnen ein kleinerer- Einbruch gelang. Im Gebiet von Vianden blieben sie in unserem Abwehrfeuer liegen. Südlich Reichshofen im Elsaß gewan­nen unsere Truppen im Angriff einen Brückenkopf über die Moder und schlugen

Gegenangriffe, die der Feind bis zu 18mal wiederholte, blutig zurück. Südöstlich Rap­poltsweiler dauern die hin- und herwogenden örtlichen Kämpfe an. Der auf das Ostufer der lll vorgedrüngene Gegner wurde wieder zurückgeworfen und verlor dabei 16 Panzer und 2 Panzerspähwagen. Aus Mülhausen an­greifender Feind konnte nur einige geringe Einbrüche erzielen.

Die angio-amerikanische Lufttätigkeit be- , schränkte sich am gestrigen Tage auf Jagd­vorstöße, vor allem in das westliche Reichs­gebiet. Großlondon lag auch gestern unter unserem Fernbeschuß.

Schwerter für General Nehring

Berlin, 25. Jan. Der Führer verlieh das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an General der Panzer­truppen Walter Nehring, Kommandieren­der General eines Panzerkorps, als 124. Sol­daten der deutschen^ Wehrmacht.

Bei Beginn der jetzigen Offensive an der Ost­front wurde General der Panzertruppen Neh­ring mit seinem Panzerkorps zum Gegenangriff gegen eingebrochene Bolschewisten angesetzt. Nachdem es den anstürmenden sowjetischen Massen schwerste Verluste an Menschen und Material beigebracht -hatte, wurde er umfaßt und mußte sich zurückkämpfen. Von ihm und den ihm unterstehenden Verbänden ist im Wehrmachtbericht vom 20. Jan. gesagt Wor-' den, daß die in der Tiefe des Schlachtfeldes in schweren Kämpfen mit der den Fanzerstützen folgenden feindlichen Infanterie das Auf­schließen der bolschewistischen Verbände und die Versorgung der Panzerspitze des Gegners verhinderten. Nunmehr hat das Panzerkorps Nehring sich "Zu den eigenen zu seiner Aufnahme bereitstehenden Verbänden durchgekämpft. ,

Entscheidung im Osten

Von

Fritz Seidenzahl

Der vierte Winterfeldzug im Osten brachte den Feind an die Tore des Reiches. Das ost­europäische Vorfeld, von Helsinki bis zum' Plattensee dämpfte, einem Puffer gleich, den Stoß aus Asien,, doch zerschlug.ihn nicht. Weiter geht der Kampf, wo immer es wäre. Hätten wir diesem schicksalsreichen Krieg ausweichen, d. h. die Existenz des deutschen Volkes durch Lamentieren und Paktieren sichern können? Jedem, stellt sich in diesen Tagen die Frage. Eine.Antwort zu suchen, ist unaufschiebbar.

Seit den. Mongolenansturm, der 1241 auf der Wahlstatt bei Liegnitz zerbrach, befand sich das Reich in keiner so schweren Grenz- krise. Jahrhundert auf Jahrhundert ist Deutschland aus dem Westen bedroht worden, weniger aus dem Osten. Jeder Angriff des französischen Erbfeindes war gewiß auch ein Krieg um Grenzland, und Unterjochung, aber nicht' um die nationale Existenz, obwohl im Westfälischen Frieden die von ihnen ausge­höhlte Reichseinheit zerbröckelte. Der Kampf gegen polnische Großmannsucht konnte stets im Raum dgr Weichsel ausgetragen werden, ohne daß die wechselvollen Feldzüge, die uns zweimal die Herrschaft über Warschau brachten, weltgeschichtlich je mehr als Ge­plänkel gewesen wären.. Um so eigenartiger ist es, daß deutsche Staatsmänner ni$ die bange Ahnung vor einem gewaltigen An­sturm aus dem Osten los geworden sind. Bis­marck versuchte der Gefahr diplomatisch zu begegnen,.in dem Gefühl, daß es sich nur um Aufschub und nicht um Beseitigung handele.

Der gestürzte Kanzler warnte 1892 in der berühmten Kissinger Ansprache:Rußland ist gedeckt durch Asien, es hat'nur eine dem Angriff ausgesetzte Front gegen Westen. Frankreich hat den Ozean hinter sich, und die Vogesengrenze ist die einzige, an der man ihm beikommen kann. Wir dagegen sind von allen Seiten Angriffen exponiert. Deshalb müssen wir immer Rücken an- Rücken stehen . . . In diesem ihm aufgezwungenen Krieg hat Deutschland das äußerste versucht: Es hat Frankreich bis gegen den Ozean zu­rückgedrängt und es hat Rußland bis an die Wolga und damit bis nach Asien getrieben. Weiter vermag kein europäischer Staat zu greifen: Dennoch erfüllt sich die 1 Befürcht tung, daß die Moskauer Großmacht sich aus dem asiatischen Raum drohend erneuern werde.

1914 brach der erste Ansturm los. Die herrschende russische- Schicht,, obwohl im westeuropäischen Geist erzogen und viel­fach mit den Baltendeutschen versippt, wurde von panslawistischem und iniperia- listischem Fieber erfaßt, als der Krieg für sie 1 zu einer Niederlage führte. Zwischen Deutschland und Rußland ent­stand die scheinbar neütrale Zone des pol­nischen Staates,, der als Werkzeug Englands gegen Deutschland gehetzt schließlich im Widerspruch zum Sinn der europäischen Ge­schichte der Sturmbock des Bolschewismus gegen Deutschland und die abendländische Kultur würde.

22 Jahre, die in der Geschichte nur'eine kleine Spanne bedeuten, dauerte die Atem­pause, bis die zweite Auseinandersetzung mit dem Osten begann. Wir mußten bald er­kennen, daß die sowjetisch-asiatische Gewalt ungeheuerlich ist. Was 1 hatte sich in'diesen im Osten abgespielt? Zweierlei verwandelte Ruß­land: Sibirien und der Marxismus. Der Marxismus ist die Weltanschauung der Welt­verneiner. Die abendländische Kultur wurde'

! verspottet und als Ballast abgelehnt. Jeder

Sfalin schaltet London und Washington aas

Moskau regelt Polenfrage nach eigenem Gutdünken

Fanatisch kämpfendes Volksaufgebot

Feindliche und neutrale Presse bewundern Haltung der Heimatfront

Genf, 25. Jan. Die feindliche und die neu­trale Presse können sich der Tatsache nicht verschließen, daß die deutsche Heimat in der Stunde der Gefahr aufrechte Haltung und Einsatzbereitschaft zeigt und in voller Er­kenntnis, daß der Kampf um Sein oder Nicht­sein geht, bereit ist, sich mit aller Kraft der bolschewistischen Flut entgegepzuwerfen.

Londoner politische Kreise, so verzeichnet dieBasler Nationalzeitung,. können nicht leugnen, daß ein ausnahmslos gehorchendes, fanatisch kämpfendes und gut organisiertes Volksaufgebot den militärischen Einsatz er­heblich verstärkt. Trotz aller Gefahren, Nöte und Schwierigkeiten legt sich das. deutsche Volk Rechenschaft darüber ab, so heißt es in der ZeitungSuisse, daß es um Leben oder Tod gehe. Jeder Deutsche wisse, daß der Frieden, den die Alliierten ihm gewähren würden, das Ende der Existenz »Deutschlands und des deutschen Volkes bedeuten würde. Der Krieg erlaube dem deutschen Volk, wenn auch unter großen Opfern, zu leben, . aber eine Niederlage würde gleichbedeutend mit der Versklavung und dem Tode Deutschlands sein.

In der größten militärischen Krise ist das deutsche Volk einiger als je, stelltGazette de Lausanne fest'. Wer erzählt habe, der Kommunismus mache in Schlesien Fort­schritte, könne jetzt erleben, daß es dort an­gesichts des sowjetischen Ansturms für die deutschen Arbeiter ebensowenig eine Kapitu­lation vor dem Bolschewismus gibt - wie in Aachen vor den Amerikanern.

Tag für Tag Schiffe versenkt"

G e n f , 25. Jan.Der Nordatlantik ist heute belebt von deutschen Unterseebooten, wie es viele Monate nicht der Fall gewesen war. Tag für Tag werden uns Schiffe versenkt, erklärte der kanadische Verteidigungsminister General McNaughton in einer in Shallow Lake (Ontario) gehaltenen Wahlrede.

Der Nordatlantik ist ein reichlich kalter Ort, und wir wollen nicht, daß die Untersee­boote unsere Truppentransporte erwischen, erklärte er, um deutlich zu machen, aus wel­chem Grunde er in der vergangenen Woche der Wahlkampagne ferngeblieben und sich in Ottawa aufgehalten habe.

Drahtbericht unseres Vertreters

kl. Stockholm, 25. Jan. Wie die TASS-Agen- tur meldet, ist der Chef derprovisorischen polnischen Regierung, Berut, und sein Außenminister Morawski in der Zeit vom 22. bis 24. Januar von Stalin wiederholt zu Be­sprechungen empfangen worden. Es kamen alle aktuellen Fragen der polnisch-sowjeti­schen Politik zur Sprache.

Diese kurze TASS-Meldung verrät mehr, als auf den ersten Blick scheinen könnte. Sie kann als Antwort Moskaus auf das letzte Me­morandum der London-Polen aufgefaßt Wör­den, in dem die Errichtung eines internatio­nalen Regimes für Polen gefordert wurde.- Noch immer bereitet das polnische Problem London und Washington sehr viel Kopfzer­brechen, und besonders im Lager der Amerika-Polen wird für das letzte Memoran­dum der London-Polen viel Stimmung ge­macht. United Preß berichtet, Roosevelt habe in den letzten Tagen einen bedeutender Teil seiner Arbeitskraft darauf verwandt, über eine Lösung der polnischen Frage nacHzuden- ken. Stalin hat es seinerseits übernommen, Roosevelt seiner Mühe zu entheben. Die neuen Direktiven, die er den Lublin-Polen er­teilt, werden der Welt bald genug bekannt werden.

Die Maßlosigkeit der Lublin-Polen geht auch ans einer Erklärung des Wiederaufbau­ministers Kaczerowski hervor, die im Lu- bliner Rundfunk verlesen wurde. Kaczerowski sprach , über die Verwüstung Warschaus und bezifferte die entstandenen Schäden auf rund 8 Milliarden Vorkriegs-Zlotys (etwa 4 Milli­arden Mark). Er sagte weiter, daß 300 000 Bauarbeiter benötigt werden, um das Werk des Wiederaufbaues von Warschau in abseh­barer Zeit beenden zu können. Die Lublin-

Polen würden verlangen, daß eine solche An­zahl voh Bauarbeitern aus Deutschland zwangsweise rekrutiert werde, die dann in Warschau als Sklavenarbeiter eingesetzt wer­den sollten.

Während Stalin 3 Millionen deutscher Zwangsarbeiter in einem besiegten Deutsch­land ausheben will,begnügen Lublin-Polen sich zunächst noch mit 300 000 Mann. Beim Essen würde ihr Appetit wahrscheinlich kräftig wachsen.

Katastrophale Wirkung

Genf, 25. Jan. Ein sehr ernstes Bild von der Wirkung der deutschen Fernkampfbomben brachte der Unterstaatssekretär für Luftfahrt im USA-Kriegsministerium, Lovett, aus Eng­land und Westeuropa mit, berichtet Drew Dearstön in derWashington Post. Er habe mehrere Monate in London verbracht und wegen des Fembeschusses nicht schlafen kön­nen. Der Schaden, den die V-Geschosse an­richteten, sei erschreckend. Der große Vor­teil dieser Geschosse gegenüber Flugzeugen sei erstens ihre Unabhängigkeit vom Wetter und zweitens, daß sie keinen Menschenein­satz benötigten. Sobald sie weit hinter der anglo-amerikänischen Front herunterkom­men, wo sich Truppen, Feldküchen, Munition und andere Lager befinden, sei der Schaden jedesmal unerhört groß. Noch katastrophaler sei die Wirkung auf die Stimmung der Truppen.

Die britischen Behörden haben den Gibral- tar-Evakuierten, die in ihre Heimat zurück­geschickt wurden, strengste Schweigepflicht über die E Ehrungen und Erlebnisse in Eng­land während des V-Beschusses auferlegt.