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Parteiamtliche Tageszeitung
Pas Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen
Bremer 9iadirid)tcn
"T der Nationalsozialisten Bremens
Amtliche« Verkündungsblatt des Reichsstatthalters in Oldenburg Und Bremen
Nummer 21 15. Jahrgang
Donnerstag, 25. Januar 1945
Einzelpreis 15 Rpf.
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F anaffischer SelbstbehauptungswUle
Höchstmaß von Kraflansirengung “■ Soldat und Heimat geben der Schlacht das Gepräge •
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Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung bm. B e r 1 i n , 24. Jan. Noch Ist der eigentliche Höhepunkt im Kampf um den deutschen Ostraum nicht erreicht. Die Kämpfe des Augenblicks durchschreiten jenem Zwi- °Ka« schenbezirk des Ringens, in dein hinter dem itteii sichtbaren Kampfgeschehen In den vorder- Broil sten Fronten sich das Gesicht der neuen ateit Frontlinien andeutet. Nach ihrer Verdich- re W tung wird es sich erweisen, daß die Kraft des deutschen Selbstbehauptungswillens gegen “"*■ »lies das ausreicht, was Steppe und Ural an Masse und Material den Grenzen des Reiches entgegenschleudert. Es werden sich harte und I fe| härteste Schlachten ergeben, in ihnen wird , jedoch der deutsche Soldat, wie die gesamte * Heimat — nach dem Vorbild-der Volkssturm- : ** männer an den Grenzen Schlesiens und Ost- Ma preußens — durch das Höchstmaß der Kraft- r *1 anstrengung der Schlacht das endgültige Ge- , präge geben. ,
1i ■ Die Führung des Gegners ist im Augenblick P "I bemüht, auf jeden Fall ihre Offensive, in eny* w? zu halten. Da sich an den verschiedensten Frontabschnitten — vor ' allem • östlich Breslau und am Ostrand des oberschlesischen Industriegebietes — kräftige deutsche Sper- riegel dem Ansturm der Sowjets eritgegen- , stemmen, hat der Gegner hier Umgehungs- t manöver eingeleitet. Vor allem ist der Plan dt einer nördlichen Umfassung des oberschlesi- sehen Industriereviers erkennbar. Aus dem Raum ostwärts Oppeln konnten die Sowjets ““s ihre Angriffsspitzen bis. in die Stadt Gleiwitz vorschieben, in der zur Zeit heftige Straßen- kämpfe toben. Weiter nördlich schoben sich sowjetische Spitzen beiderseits Oppeln an die ™™10der heran. Übersetzversuehe, die insbeson- jsEsdere im Abschnitt Brieg gemacht wurden, konnten von eingesetzten deutschen Kräften und durch energische Gegenangriffe zerschlagen werden. In ©ppCln wird noch gekämpft. Im Gegensatz zu dieser labilen Ent- POjl Wicklung im oberschlesischen Raum hat die 1 deutsche Abwehrfront östlich von Breslau auch gestern die bereits in den Vortagen be- iiit? "desene Festigkeit bewahrt. Deutsche Gegen- angriffe hatten hier über die passive Abwehr . hinaus den Erfolg, die-Sow^ts aus mehreren Ortschaften wieder zu werfen.
Das deutsche' Oberkommando berichtet am Mittwoch über den Durchbruchserfolg einer deutschen Kräftegruppe, die im Raum '“,5 i Sieratsch nach heftigen Kämpfen gegen die ,Voi ä von allen Seiten andrängenden Sowjets den j ^hluß an die deutsche Hauptfront wieder gewinnen und die befohlenen Aufnahme- Siij räume erreichen konnte. Es handelt sich um eine Kampfgruppe, die sich aus dem Raum Tomaschow nach Westen zurückkämpfte.
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'I barer Wirksamkeit ist es zuzüschreiben, daß
im mittleren Stoßkeil der Sowjets die Infanteriemassen nöch nicht die Räume der Panzerspitzen erreichen konnten, während im oberschlesischen Grenzgebiet und im ostpreußischen Raum die Panzervorstöße der Sowjets bereits durch Infanteriekräfte unterstützt werden. Im Warthegau, wo der mittlere Stoßkeil-der Sowjets angesetzt ist, wird in dem großen Raum Kalisch—■Posen—Bromberg erbittert gekämpft. Die Sowjets dringen von Osten und Süden her gegen Posen vor und entfalten gleichfalls einen starken Druck Im Raume Bromberg.
An der ostpreußischen Südfront dringen die Sowjets aus dem Raum Osterode— Deutsch-Eylau weiter nach Norden vor und haben den Räum südlich Elbing und westlich
Mohrungen erreicht. Dieser westliche Keil des Zangenangriffes auf Ostpreußen, der die Abschnürung dieser deutschen Provinz erstrebt, wird mit besonders starken Kräften geführt. Jüngste deutsche Informationen lassen erkennen, daß hier auch besonders starke Verteidigungskräfte eingesetzt wurden. An der Ostfront Ostpreußens ging Insterburg nach hartem und erbittertem Straßenkampf verloren.^Der auf Königsberg gerichtete Angriff hät'die Deime erreicht. Übersetzversuehe über die Deime nach Westen und den Pregel nach Süden wurden jedoch durch die deutsche Abwehr vereitelt. An der Südostfront Ostpreußens hat das Deutsche Oberkommando den nach Osten vorspringenden Frontbogen, dessen Mittelpunkt Augustow
bildete, geräumt und die hier kämpfenden Truppen auf neue Positionen ostwärts der Masurischen Seenplatte, zurückgenommeh. Die Absetzbewegung wurde ohne Feindstörung durchgeführt.
Am kurländischen Brückenkopf traten die Sowjets am Dienstag zu einem neuen Großangriff an. Damit hat die Winterschlacht an der Ostfront eine weitere Ausdehnung erfahren. Der auf breiter Front geführte Angriff, dessen Schwerpunkte südost wärts Libau und südlich Frauenburg liegen, wurde jedoch von der in wiederholten Großschlachten bewährten deutschen Verteidigung, in der auch nordische Freiwilligenformationten mit höchster Bravour kämpfen, ünter hohen sowjetischen Panzerverlusten abgewehrt.
Keine Wechselwirkung zwischen Osten und Westen
Keine Entlastung auf den Schwerpunkt Elsaß — Amerikanischer Rückzug zwischen Saargemünd und Rhein
Von unserem militärischen v. W.-Mitarbeiter
In den Tagen, da es den Amerikanern der 1. Armee sehr schlecht ging, richtete Eisen- hower wohl manches Stoßgebet an die Adresse Stalins; doch möglichst bald mit der Entlastung zu beginnen, um den deutschen Druck zu mildern, der damals auf dem Gefüge der Mitte der feindlichen Westfront lag. Vier Wochen machte der Hilferuf, von der ganzen britischen und amerikanischen Presse laut unterstützt, nicht den geringsten Eindruck in Moskau. Man hatte dort seine Entschlüsse gefaßt und dachte nicht daran, sich drängen zu lassen. -Nicht früher als es den eigenen Dispositionen und der Bereitschaft entsprach, trat die mechanisierte Stoßwalze der Sowjets an! Es erhebt sich nun, da sie mit ihrem vollen Gewicht auf unsere Ostfront' lastet, dife naheliegende Frage, ob sie Einfluß auf die Westlage genommen hat.
Der britisch-amerikanische Gegenangriff in den Ardennen war schon vor ihrem Beginn angelaufen. Die Verkürzung unseres Frontbogens an der Ourthe war vor dem 12. Jan. befohlen und durchgeführt worden. Seitdem setzt der Feind mit seinen vielen, nach den Ardennen, verlegten britischen und amerikanischen Divisionen die entlastende Qperation fort. Sie hat sich formell zu einer konzentrischen Maßnahme entwickelt, die jedoch ohne die damit sonst verbundene Wirkung bleibt, den so angegriffenen deutschen Truppen durch Druck von Norden, Süden und Westen her die Vernichtung zu bereiten. Vom eigentlichen Ardennenabschnitt hat sich die pausenlose .Reihe schwerer Gefechte inzwischen in das belgisch-luxemburgische Grenzgebiet verlagert. Insofern wurde dem
Stalin führte sie hinters Licht
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• ■ Westmächte kleinlaut: Im Westen hat Deutschland die Initiative
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i ejjfgjr Drahtbericht unseres Vertreters
kl. Stockholm, 24. Jan. Mit ständig wachsen- i. H der Spannung verfolgt London die militäri-
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sehen Ereignisse im Osten. Man äußert jetzt in Londoner militärischen Kreisen die offenbar mit Absicht übertriebene • Ansicht, daß die Sowjets jetzt im Osten mindestens 400 Divisionen eingesetzt haben. Stalin hatte vom August v. J. an Zeit, dieses militärische Aufgebot zu sammeln, um es dann mit einem Schlage in die Schlacht zu werfen. Die Tarnung der Absichten der Sowjets gegenüber ihren Verbündeten war 'so vollständig, daß fast alle müitärischen Beobachter Londons hinters Licht geführt wurden. Noch am Jahreswechsel war man in London davon überzeugt, daß Stalin seine Hauptmacht im Donauraum versammelt habe, von wo aus er den Stoß nach Wien versuchen' würde. Man nahm an, daß eine Großoffensive in Polen schon mit Rücksicht auf das ungelöste Polenproblem nicht zu erwarten sei.
Nachdem sich die erste Verblüffung über die blitzschnell aufeinanderfolgenden Ereig- hisse im Osten etwas gelegt hat, versucht ^sn in London, so etwas wie eine Bilanz ' des militärischen Kräftegleichgewichts zu a *en. Sie fällt für die Anglo-Amerikaner ®“&rordentlich schlecht aus. Der militärische ‘"‘tarbeiter des „Observer“ erklärt, daß den sowjetischen Divisionen im Osten nur etwa ™ bis ioo britische, kanadische und nord- anienkanische Divisionen im Westen gegen- dherstünden. Diese 80 bis 100 Divisionen der “■Merten seien nicht in der Lage, eine Offensive einzuleiten, bevor sie nicht die dringend benötigte Verstärkung an Mannhaften und Waffen erhalten hätten. Es sei nichts mit dem erträumten Sturm zugleich von Osten, und Westen her. Briten dnd Nordamerikaner müßten sich üueh weithin mit der Zuschauerrolle begnügen. Die initiative im Westen liege in entscheidenden Abschnitten weiterhin in den Händen der deutschen, und ein zweites Unternehmen h am 16. Dez. sei gar nicht ausgeschlossen. ■ am jeden Fall würde man gut daran tun, c d auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Daß die pessimistische Auffassung der Mili- ar s auch auf die politischen Kommentare
Blätter, die Gefahr, die Deutschland zur Zeit,im Osten droht, eher zu verkleinern als zu vergrößern. Andere militärische Mitarbei-, ter -ziehen Parallelen zwischen der Frankreich-Offensive Eisenhowers und der Sowjet- Offensive im Osten.
Moskau
erwartete Westoffensive
Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 24. Jan. Wie der Moskauer Vertreter der amerikanischen „Chicago Daily News“ berichtet, beklagt man sich in sowjetischen Kreisen darüber, daß die Offensive im Osten nicht durch eine großangelegte Offensive im Westen unterstützt werde. Dies sei ursprünglich vereinbart worden. Die Hauptursache des Versagens der seit so langer Zeit angestrebten Koordinierung der militärischen Aktionen im Osten und Westen liege aber in der deutschen Winteroffensive. Der Durchbruch in den Ardennen war eine der folgenschwersten militärischen Operationen des ganzen Krieges“, heißt es in einem neutralen Bericht. Die alliierte Führung verlor damals die strategische Initiative und hat sie bis heute noch nicht wieder gewonnen. Dies wird in einem Reuter-Bericht vom Montagmorgen ausdrücklich zugegeben: Solange die Deutschen noch eine derartige Handlungsfreiheit behaupten können, dürfen wir uns nicht ein- büden, daß das alliierte Oberkommando die strategische Handlungsfreiheit, die es "am 16. Dez. verloren hat, wieder errungen hat.
In diesem Zusammenhang befaßt sich der Reuter-Korrespondent vpr allem höchst sorgenvoll mit der Lage jm Elsaß, besonders mit den Kämpfen im Raum von Hagenau. Er sieht die verschiedensten Gefahren für die an diesen Fronten eingesetzten französischen und amerikanischen Truppen. Auf Jeden Fall seien die Alliierten gezwungen, sich hier wiederum auf langwierige Verteidigungskämpfe' einzurichten, statt der Sowjetunion durch eine Großoffensive zu Hilfe zu kommen. Unter diesen Umständen überrascht es nicht, wenn der führende außenpolitische Mitarbeiter von New York Herald Tribüne“, Lippmann, in
Abfärbt, liegt auf” der Hand. Die Ratlosig- 1 se'inem heutigen Leitartikel feststellt: „Der
Re 'A der britischen greise' wird im Gegenteil Krieg in Europa ist noch längst nicht be- Tag Z11 Tag g rö5:r Mit Ausnahme des endet, und noch weiter entfernt ist das "Daßy Worker“ versuchen alle Londoner ! Kriegsende im Pazifik.“
ausgeübten Druck des Gegners nachgegeben. Doch geschah das nicht früher* bis alle eigenen Truppenbewegungen ohne Hast dürchgeführt waren. Die an 1 dieser Schlacht bei St. Vith und nördlich der Sauer beteiligten deutschen Einheiten sind gewiß in harte Kämpfe verwickelt, die bei schönen Winter- ta,gen eine zusätzliche Belastung durch verstärkten Luftflotteneinsatz beim Gegner bringen, Doch fürchtet der Gegner die ständigen deutschen Gegenstöße, die oft auch mit Panzern geführt werden, sie sind Ausdruck des tlberlegenheitsgefühls 'jeder eingesetzten
deutschen Truppe gegenüber den Feind- Djvisionen.
'Diesem nun schon viele Wochen alten und blutgetränkten Kampfraum hat sich an der Maas bei Maeseyck seit dem 17. JAn. ein neuer Gefechtsplatz zugesellt. Die Amerikaner und Engländer greifen hier unseren nach Westen gerichteten Frontvorsprung an, zunächst mit geringeren,'dann mit stärkeren Kräften. Das OKW. bezeichnet diese Gefechte als einen Kampf um - den Roer-Brückerikopf zwischen Maas und Roer südlich Roermond. Im Mittelpunkt steht der Raum von Heinsberg. Das weist auf den feindlichen, Entschluß hin, der britischen Armee jetzt die Aufgabe zuzuschieben, die die Amerikaner in den Novemberschlachten lösen mußten, nämlich die Roer auch im Mündungsraum zu erreichen, wozu diese Armee damals offenbar • noch nicht fähig gewesen war. Di® ihr fortgenommenen und in die Ardennen geworfenen Divisionen befreiten sie nicht von der neuen Aufgabe, die-jedoch nicht im Stile eines Großangriffes angefaßt wurde, sondern den örtlichen Rahmen 'nicht gesprengtihät, wenn sich daraus auch zweifellos heftige Gefechtsbegegnungen ergeben haben.
Mit Befremden muß der- Feind auf das Elsaß bücken, weil hier die angriffsweisen Unternehmen der deutschen Oberrheinfront weiterlaufen und mit Kräften geführt werden, denen der Feind sich stark unterlegen fühlt. Er wurde gezwungen, sich unter dem Druck unserer immer wieder überraschend angreifenden Truppen nicht nur im örtlichen Sinne zurückzuziehen, sondern operativ wichtige Räume, um die er wochenlang gerungen hatte, aufzugeben. Zwischen den unteren Vogesen und Saargemünd hat sich die 7. USA-Armee auf breiter Front absetzen müssen, doch konnte sie den Zusammenhalt ihrer Front nicht, wahren, ließ sich einzelne Kampfgruppen abkneifen, die in kurzer Zeit vernichtet oder zur Übergabe aufgefordert wurden, und verursachte auf diese Weise selbst den Zusammenbruch ihres Frontbogens
in den unteren Vogesen. Dem deutschen Druck von Norden hat sich in den letzten Tagen ein ständig zunehmender aus dem Osten beigesellt, der den zunächst kleinen, später ausgebauten Brückenkopf nördlich Straßburg zur Ursache hat. Das OKW. konnte darum von einer konzentrischen Angriffsbewegung sprechen, die große- Folgen auf die Feindfront im Hagenaüer Forst gehabt hat. Der, Feind zieht sich beschleunigt auf den Moderabschnitt zurück. Er hat damit auch die nördlich der Moder liegenden Werke der Maginotlinie preisgeben müssen. Eine große Anzahl elsässischer Orte wurden zurückerobert, weitere werden folgen, weil der konzentrische Druck nicht aufgefangen werden kann und der feindliche Rückzug fortgesetzt werden muß, wenn nicht stärkere Teile der 7. USA-Armee abgeschnitten werden sollen, wie das in den letzten Tagen mit Teilen ihrer 45. Division bei Reipertsweiler geschah. Diöser Rheinbrückenkopf weitet sich auch nach Süden in Richtung auf Straßburg aus, dessen Verteidigung die Gaullistenarmee übernommen haben soll. Vier gaullistische Kolonialdivisionen sind vor Tagen aus dem Abschnitt Thann—Mülhausen zum' Angriff nach Norden angetreten. Dabei sollte es sich wohl um eine Entlastung für die schwer ringende amerikanische Front bei Sträßbürg handeln. Doch sind die Farbigen de Gaulles im Schneesturm, und in unserer Abwehr liegengeblieben.
In solcher Lage wird sich der Feind hüten, von irgend einen Einfluß der sowjetischen Offensive auf die Westfront und ihrem heutigen Schwerpunkt im Elsaß zu sprechen. Amerikaner und Gaullisten sind hier in eine Situation geraten, die wert ist, ihnen große Sorge zu bereiten. Wir messen diesen Gefechten gewiß keine operative Bedeutung bei, taktisch aber sind sie bedeutsam genug, um auch angesichts des Großkampfes im Osten nicht übersehen zu werden.
Berufsverbrecher als Präsident
Madrid, 24. Jan. Der interimistische Präsident Polens, Berut, sei nichts anderes als ein Gewohnheitsverbrecher, schreibt die Barceloner Zeitung „La Vanguardia Espa- nole“. Berut, der sich zuweilen Kranno- debski oder Bienskowski und Rutkowski nannte,, habe sich im Kreml durch seine Tätigkeit als Komintern- und GPU-Agent für Polen verdient gemacht und sei an der Spitze der vorläufigen polnischen Regierung von Moskaus Gnaden lediglich ein Instrument für Stalins Pläne.
Alliiertes Problem Nr. 1: Tonnage
,V-Beschuß auf Antwerpen verschärfte die Lage wesentlich“
ep. Lissabon, 24. Jan. Die Tonnagefrage bilde im gegenwärtigen Zeitpunkt des Krieges das beherrschende Problem für die Alliierten, schreibt in einem Rückblick über die soeben abgeschlossenen Tonnageverhandlungen des britischen Staatsministers Richard Law die' englische Zeitschrift „News Week“. Der Fembeschuß der Deutschen auf Antwerpen habe wesentlich zu den alliierten Tonnageschwierigkeiten beigetragen. Infolgedessen seien die Ladungen viel langsamer als vorgesehen gelöscht worden. Nur bessere Ausnützung der vorhandenen Tonnage könne Laws Wunsch verwirklichen, nämlich mehr Material für einen Aufbau der Industrie nach Europa zu schaffen. Bis Ende Mäyz sei jedes nach Europa gehende Schiff für militärische und andere wichtige Auftraggeber schon vorgemerkt. Die franzöische Industrie habe bislang von dem seinerzeit von den Deutschen herangeschafften Material gelebt, das nun aber zu Ende gehe. Die USA hätten im Verlauf von sechs Monaten nur die Hälfte dessen geschickt, was die Deutschen in einem einzigen Monat an Rohstoffen lieferten. Law sagte, was der in der gleichen Mission ln Washington weilende französische Abgesandte Monnet nicht Sagen konnte: „Fabriken ohne Arbeit gefährdeten de Gaulles Stellung“.
„News Week“ schreibt weiter: „Der amerikanische Generalstab will jedoch nur die
Tonnage, die gegen die Japaner gebraucht würde, wird energisch abgelehnt. Zwei 1 Momente verschärfen die'Tonnageknappheit im Augenblick noch ganz besonders, erstens der Pendelverkehr von Schiffen zwischen England und Frankreich einerseits und Nordafrika und Italien andererseits. Schiffe, die früher zwischen der amerikanischen Ostküste und Europa hin- und herfuhren, müssen heute die Vorräte von England zum Kontinent hinüber und von Nordafrika nach Italien verlagern.“ Zweitens komme erschwerend hinzu, daß die Schiffe in der Stürmischen Jahreszeit nur mit Winterlademarke fahren dürften.
Quiflling bei Ribbenirop
Berlin, 24. Jan. Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop empfing den norwegischen • Ministerpräsidenten Vidkun Quisling zu einer längeren freundschaftlichen Aussprache.
. Widerstandsbewegung
, Drahtbericht unsere» Vertreters rd. Bern, 24. Jan. Der Rundfunksender Sofia gab die Forderung einer bulgarischen Zeitung nach einem Sondergesetz zur Bekämpfung des Faschismus bekannt. Zur Begründung dieser Forderung wurde angeführt, ln vielen Gegenden des Landes fänden Sabo-
ßoosevelts Kraftprobe
Von
Alfred Gerigk
allerdringendsten Verschiffungen in dieser cageakte statt, die den Sturz der Regierung Beziehung zulassea. Jedes Umschreiben von 'bezweckten.
In USA jagen sich seit der vierten Präsidentschaftswahl Roosevelts die Neuemennun- gen auf den leitenden politischen Posten. Ein neuer Außenminister, ein neuer Stellvertreter und jetzt ein neuer Handelsminister. Der konservative Bankier Jesse. Jones wurde von dem liberalen Philosophen Henry Wallace abgelöst, der realistische Selfmademan von einem Utopisten mit reügiösem Einschlag. Der. praktische Grund für diesen Wechsel? Der USA-Imperialismus ist vor allen Dingen auf wirtschaftlichem Gebiet aktiv. Der Posten des USA-Handelsministers stellt also eine Schlüsselstellung dar, die für die Politik eines Präsidenten entweder von großem Nutzen oder noch größerem Schaden sein kann. Die Persönlichkeit des USA-Handelsministers hat eine weit größere Bedeutung, als es ihm die amtlichen Funktionen zuschreiben.
Der gestürzte Handelsminister Jesse Jones war seit langem eine vielumkämpfte Gestalt, weil unter seiner Leitung der erste Beginn der Kriegsproduktion in einem wilden Wirrwarr zu versinken drohte. Er war jetzt im Besitz zweier Ämter, des Handelsministeriums und der Finanzierungsbehörde für den Wiederaufbau. Das war von seinem persönlichen Standpunkt aus der wichtigere der beiden Posten, denn er hatte dabei die Möglichkeit, mit unerhörten Milliardenbeträgen zu spielen. Der Bankier aus Texas blieb seiner Leidenschaft treu, einer Leidenschaft, die ihm ein Vermögen einbrachte: „Er lieh sich 500 Dollar, ohne sie zu brauchen und zahlte sie zurück. Dasselbe machte er mit 700, dann mit 1000. Auch diese zahlte er zurück. Schließlich wollte er zehntausend leihen, aber diesmal 231 m Ankauf billigen Waldlandes. Da Jesse erst 23 Jahre alt war, zögerte der Geldgeber. Doch Jesse sagte, er habe immer pünktlich zurückbezahlt, und er bekam das Geld. Aus den 1000 machte er in genau 10 Jahren eine Million.“ „Er ist nie in einem College gewesen, versteht nichts von theoretischer Nationalökonomie, er hat in den letzten Jahren nur „vom Winde verweht“ gelesen“, schreibt eine amerikanische Zeitschrift über ihn. Als „Anleihediktator“ hat der Siebziger-sich hochgearbeitet. Gewaltige Milliardenbeträge sind durch seine Hände gegangen, er lieh Geld an Banken, Plantagen, Gemeinden, Staatsuntemehmun- gen. Vor allem aber herrschte er über die Ex- port- und Importbank, die alle auswärtigen Anleihen zu vergeben hat. So ist-er der Repräsentant des rechten, ausgesprochen pluto- kratischen Flügels der demokratischen Regierungspartei, und alle plutokratisch gesinnten Republikaner sympathisieren mit ihm.
Und der Nachfolger des Bankiers aus Texas? '„Ich glaube nicht, daß sich Wallace für den Posten eines Handelsministers eignet. Ein in geschäftlichen und wirtschaftlichen Fragen unerfahrener Mensch kann von der Geschäfts- und Finanzwelt kaum verstanden werden." So urteilt jetzt der gestürzte Jones über seinen Nachfolger; Und obwohl darin die Absicht steckt, Wallace vor der amerikanischen Öffentlichkeit bloßzustellen, liegt doch ein Körnchen Wahrheit in seinen Worten. Aus Farmerkreisen hervorgegangen, war Wallace Herausgeber einer der größten Farmerzeitungen und schwang sich zum „Farm- Diktator“ auf, als er im Rahmen der . Demokratischen Partei für radikale Herabsetzung der Anbauflächen zur Erzielung höherer Preise eintrat'. Er ist darüber hinaus als Würdenträger einer der großen amerikanischen protestantischen Kirchengesellschaften durch die Verkündung angeblich sozial-christlicher Thesen in manchen'Kreisen recht volkstümlich geworden. Dieser sozialistische Phantast betrachtet USA und die ganze Welt als ein gigantisches Experimentierfeld sozialer und plutokratischer Versuche. Zuerst verwandte er sein Geld für seine politische Karriere, und dann machte er seine politische Karriere zu einer neuen Geldquelle. Als Vizepräsident der vorigen Rooseveltschen Amtsperiode spezialisierte er sich auf Südamerika. Mit Rednertalent und der Fähigkeit, an die amerikanische Sentimentalität zu appellieren, gelang ihm die Ausbootung des beharrlichen konservativer! Bankiers Jones. Als Anhänger des Rooseveltschen New-Deal-Programms verdankt er dem Präsidenten seine Ernennung, der dadurch eine Stärkung seiner eigenen Position erlangen will. Denn Arbeitslosigkeit, Produktionssenkung usw. werden in Zukunft die Aufgaben des Präsidenten in steigendem Maße erschweren. Aus diesem Grunde enthält die erste Erklärung des neuen Handelsministers die Schlagworte „Nachkriegsbeschäftigung“, „Produktionssteigerung“ und „Förderung kleiner Geschäftskreise“ — das sind die scheinheiligen Thesen des amerikanischen Politikers, der das Wort vom „Jahrhundert des kleinen Mannes“ prägte.
„Dolchstoß des Präsidenten", „Ernste Bedrohung der Geschäftswelt“, — das sind Proben aus den Überschriften der amerikanischen Presse zu diesem Personal Wechsel. Ganz klar wird herausgestellt, daß der bisherige Handelsminister Jesse Jones, .Bankier und Geschäftsmann, von der gesamten dem Big business zur Verfügung stehenden Presse gestützt wird, klar ergibt sich aber aus den sachlichen Darstellungen der Zeitungen Roosevelts Günstlingspolitik, die den wichtigen Posten des Handelsministers als Belohnung für geleistete Wahldienste neu an Henry Wallace vergeben hat.- Diese innerpolitische Kontroverse zieht weiteste Kreise und vor allen Dingen zwei verschiedene Richtungen der in USA er. der Macht befindlichen Demokraten in ihr?n Rann. So spricht