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Parteiamtliche Tageszeitung
Pas Amlsblaü des Regierenden B&xgenneisfers der Freien Hansestadt Bremen
der Nationalsozialisten Bremens
AxntUchos Verkündungsblaü des Reichsstatthaltere in Oldenburg
Nummer 15 15. Jahrgang
Donnerstag. 18. Januar 1945
Einzelpreis 15 Rpf.
hwere Abwehrkämpfe im Osten
Verbissener Widerstand gegen sowjetischen Massenansiurnt Erfolge im oslpreußischen Grenzkampf
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Aus dem Führerhauptquartier, 17. Jan. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
, in Ungarn wurden die Sowjets nördlich der Donau im Angriff weiter zurückgeworfen. Die tapfere Besatzung von Budapest setzt ihren schweren Abwehrkampf im Stadtkern fort. Westlich Jaslo stehen unsere Truppen in harter Abwehr gegen die in ihre Stellungen eingebrochenen Bolschewisten.
Im großen Weichselbogen hat sich die Lage verschärft. Der Feind warf hier 90 Schützendivisionen und 15 Panzerkorps in die Schlacht. Im Verlauf schwerer Kämpfe konnten feindliche Panzerspitzen bis in den Raum nordöstlich Krakau, in den Raum von Tschenstochau, südwestlich TomaSchew und nordwestlich Warschau Vordringen. Im Rücken der feindlichen Angriffsspitzen setzen starke deutsche Kampfgruppen der Masse der nachfolgenden bolschewistischen Verbände erbitterten Widerstand entgegen. Panzerdivisionen verhinderten im Raum von Kiclce in aufopferungsvollem Kampf zwei Tage lang den feindlichen Durchbruch nach Norden und ermöglichten dadureh das Ab- setzen unserer Truppen von der Weichselfront. — Nördlich Warschau erzielte der Feind mit 40 Schützendivisionen und mehreren Panzerkorps im Angriff nach Westen tiefe Einbrüche. Durch die Standhaftigkeit unserer Soldaten, die sich bis zum letzten Atemzug in ihren Steilungen verteidigten, und durch Maßnahmen der Führung wurde der feindliche Ansturm bei MOdlia, westlich Nasielsk und südöstlich Zichenau aufgefangen. — Zwischen der Rominter Heide und Schloßberg versuchten die Bolschewisten unter starkem Luftwaffeneinsatz mit etwa 25 Schützendivisionen und zahlreichen Pan- zerverbänc|en erneut den Durchbruch zu erzwingen. Bis ■ auf einige inzwischen abgeriegelte Einbrüche blieb das Hauptkampffeld fest in unserer Hand. Damit erfochten die im ostpreußischen Grenzkampf schon mehrfach bewährten Divisionen angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit des Feindes einen hervorragenden Abwehrerfolg. — In den schweren Panzerschlachten, die sich nördlich Warschau und im ostpreußischen Grenzgebiet entwickelten, fielen der tapferen Abwehr unserer Truppen über 300 feindliche Panzer zum Opfer. — Fliegende Verbände und Flakartillerie der Luftwaffe schossen in den . letzten 48 Stunden an der Ostfront 62 sowjetische Flugzeuge ab und setzten außerdem 65 Panzer außer Gefecht.
Nach den hohen Verlusten, die die Amerikaner in den letzten Tagen an der Westfront erlitten, hat die Stärke ihrer Angriffe südlich Malmedy und an der belgisch-luxemburgischen Grenze etwas nachgelassen. In einer Reihe von Abschnitten gingen unsere Panzerverbände zu Gegenangriffen über, drängten den Feind in die Verteidigung und befestigten ihre Stellungen. — An der Mosel bei Remich sind örtliche Kämpfe im Gange. Mehrere Vorstöße der Amerikaner gegen unseren Brückenkopf Fraulautern brachen zusammen. Der ln Hatten vorübergehend eingedrungene Feind wurde wieder geworfen. — Im Rhein-Brückenkopf nördlich Straßburg zerschlug die Besatzung mehrere feindliche Angriffe, die mit Unterstützung von 11 Panzern geführt wurden. Alle angreifenden Panzer bis auf einen wurden vernichtet, zahlreiche Gefangene eingebracht. — Unser Fernfeuer auf die feindlichen Nachschubstützpunkte Lüttich qnd Antwerpen wird bei Tag und Nacht fortgesetzt. — In der Nacht zum 16. Jan. versenkten unsere an der englischen Küste und vor der Scheldemündung eingesetzten Schnellboote ohne eigene Verluste aus einem stark gesicherten feindlichen Nachschubgeleit zwei vollbeladene Dampfer mit zusammen über 7000 BRT.
In Mittelitalien lebte die beiderseitige Aufklärungstätigkeit vor allem im Raum südlich Bologna und an der adriatischen Küste auf.
Nordamerikanische -Terrorverbände bombardierten am gestrigen Tage Städte in Mitteldeutschland. In der Nacht flogen die Briten erneut in den gleichen Raum sowie nach Südwestdeutschland ein. Bei Terror- a ugriffen auf Magdeburg und Dessau wurden hauptsächlich Wohngebiete zerstört. Nachtjäger und Flakartillerie der Luftwaffe schossen 34 feindliche Flugzeuge, darunter mindestens 24 viermotorige Bomber, ab.
Das Vergeltungsfeuer auf Groß-London "ärd fortgesetzt. ,
Bisher 700 Panzer vernichfef
Drahtbertcht unserer Berliner Schriftleitung - bm. Berlin, 17. Jan. Die große Winterschlacht im Osten steigert sich Stunde um Stunde zu einer Härte, die selbst in diesem, an erbitterten Schieichten so reichen Krieg ohne Beispiel 'dasteht. Einsatz, Anlage und Durchführung der sowjetischen Offensivstöße lassen mit aller Deutlichkeit erkennen, daß die Führung des Gegners ganz großen Zielen eritgegenstrebt, die über alle Teilerfolge und halben Ergebnisse hinaus die totale Entscheidung des Krieges zum Inhalt haben. An allen Brennpunkten sind außerordentlich starke Truppenmassen konzentriert, die aus einem Gesamtaufgebot von 300 Schützendivisionen und außerordentlich starken Panzerkorps gestellt werden und
"Jene Taktik gestatten, als deren typisches Kennzeichen die Einbeziehung des gesamten Raumes zwischen der Drau und der Memel in den Offensivplan gewertet werden muß. Ganz zweifellos handelt es sich bei dieser Kräftekonzentration um die größte militärische Anstrengung der Sowjets, die alle früheren winterlichen Großoffensiven noch übertrifft und die deutsche Abwehr vor schwerste Aufgaben stellt.
Seit das deutsche Ostheer in der Defensive steht, mußte mehrfach die Aufgabe gelöst werden, einem mit überlegenen Kräften vorgetragenen Ansturtn des Feindes standzuhalten. Diese Rückerinnerung vermag nicht den Ernst des Augenblicks zu überschatten, da die größere Nähe des sowjetischen Ansturms an den Grenzen des Reiches diesem Ringen die besonderen Akzente gibt. Die früher verfügbaren großen Raumreserven können heute nicht mehr in dem gleichen Maße in die Kalkulation der deutschen Ab- wehrsträtegie eingesetzt werden. Aber aus den Großkämpfen vor den Westgrenzen des Reiches und im ostpreußischen Grenzgebiet ist zu erkennen, daß die Nähe der Front an den Reichsgrenzen auch gewisse positive Wir
kungen haben kann, die nicht nur in dem Wissen um die unmittelbare Verteidigung der Heimat zu suchen sind, sondern auch durch die Gestaltung der Aufmarsch- und Nachschubverhältnisse im frontnahen Hinterland bewirkt werden. Es mag als bezeichnend empfunden werden, daß gegenüber dem tiefen sowjetischen Einbruch im Abschnitt südlich Warschau nur äußerst geringe und den Zusammenhang der deutschen Hauptkampflinie nicht gefährdende sowjetische Einbrüche äm ostpreußischen Grenzgebiet erfolgen. Durch den Einsatz der örtlichen Reserven konnten die unter Massenkonzentrationen von Infanterie, Panzern und Luftstreitkräften erzwungenen Raumgewinne sofort unter Kontrolle genommen werden.
Die Kämpfe in dem großen Einbruchsraum zwischen Tschenstochau und Tomaschow spielen sich vor allem an den Flanken ab. Um diese Kampfhandlungen am Südflügel zu beeinflussen, traten die Sowjets nunmehr auch zwischen den Ostbeskiden und dem großen Weichselbogen mit dem Angriffs- schwerpunkt - westlich Krosno an. Sie vermochten bis westlich Jaslo in die deutschen Stellungen einzubrechen, wo sie in schweren
Kämpfen mit den deutschen Abwehrverbänden stehen.
Die Sowjets haben während des bisherigen Verlaufes ihrer Offensive mehr als 700 Panzer verloren, die etwa der vollen Ausrüstung von vier Panzerkorps entsprechen. Bisher konnte der Gegner diese Verluste aus dem Kräftereservoir ergänzen, das er während der Monate der Ruhepause in den Bereitstellungsräumen anlegte. Als erste Aufgabe der deutschen Abwehr wird es in Berliner militärischen Kreisen bezeichnet, der in verschiedenen Stoßrichtungen vordringenden sowjetischen Offensive eine neu konsolidierte Verteidigungsfront entgegenzustellen. Hierzu sind operative Maßnahmen von Umfang und Bedeutung notwendig und bereits in der Durchführung begriffen. Härteste Abwehr an den kämpfenden Fronten, elastisches Ausweichen vor übermächtigem Feinddruck, um ihn in vorbereiteten Auffangstellungen zu brechen, und entschlossen geführte Gegenangriffe gegen die verwundbaren Flanken der feindlichen Stoßkeile werden, wie auch in früheren kritischen Phasen der Ostkämpfe, die taktischen Mittel sein, um den Erfolg der Abwehrplänung im großen sicherzustellen.
Gewaltige Offensivmasse in den Weichselbogen geworfen
Wichtiger als Raum ist koqnpakte operative Antwort zur Beseitigung der Anspannung
Von unserem militärischen v. W.-Mitarbeiter
Der Ausbruch der sowjetischen Stoßarmeen aus den drei Weichselbrückenköpfen sollte eine konzentrische Operation auslösen, die zunächst die Lysa Gora in ihrer Sperrwirkung zu umfassen und aufzuheben hatte. Doch fand' der "Gegner so starke Gegenwirkung, daß sein aus dem Abschnitt Baranow nach Norden gerichteter Stoß nach Nordwesten abrutschte -und der aus dem Brückenkopf Pulawy nach Südwesten vorgetragene Angriff in eine rein westliche Richtung auf Radom zu abgelefikt wurde,, so daß die von der Lysa Gora ausgehende Störung der sowjetischen Bewegung äufrechterhalten werden konnte. Diese dem Feind auferlegte Richtungsänderung, die naturgemäß auch Umgruppierungen bei ihm im Gefolge hatte, stellen wir deshalb an die Spitze, weil sie zeigt, daß der Feind wohl Termin und Umfang seiner Offensive bestimmen konnte, andererseits aber auch von’Anfang an gezwungen war, auf unsere sofort' anlaufenden bzw. schon vorher getroffenen Gegenmaßnahmen stärkste Rücksicht zu nehmen.
Inzwischen nimmt die große Schlacht im Weichseibogen weiter zu, weil von beiden Seiten frische Kräfte in die Schlacht geführt werden. Nachdem der Gegner — wenn auch mit ursprünglich nicht beabsichtigtem Stoßrichtungswechsel — aus seinen Brückenköpfen hatte ausbrechen können, hat sich das Ringen schnell in die Tiefe der flachhügeligen Ebene innerhalb des Weichselbogens verlagert. Wir sehen eine Bewegungsschlacht entstehen, die von beiden Seiten nun absichtlich herbeigeführt wird, nachdem die starren Zonen der Verteidigupgsfronten aufgegeben sind. Beide Seiten suchen die Begegnung ihrer Panzerreserven und Stoßarmeen. Allein die bisher genannten Panzerabschußzahlen geben ein Bild vom Umfang der Panzerkämpfe. Es ist kein Zweifel darüber, daß Angriff und Verteidigung in dieser Phase der Schlacht, der zweiten seit ihrem Beginn, nachdem die erste Phase mit dem Gelingen des Ausbruches aus den Brückenköpfen durch den Feind ihr Ende gefunden hatte, vor allem mit beweglichen Kräften operieren, die sich gegenseitig zu fin
den und zu stellen, schließlich zu vernichten trachten. Doch wird überall noch in der Tiefe des Raumes von eingeigelten Kampfgruppen weitergekämpft, so daß sich aus dem Halten einzelner Abschnitte hinter der nicht geschlossenen vordersten Front für den Feind und seine vorgeprellten Spitzen Schwierigkeiten ergeben haben,' Öife'änf-'£®W?rGess_,mt= Operationen drücken.
Die ständigen Neuzuführungen sowjetischer Reserven werden unter dem Gesichtspunkt betrieben, die Schlacht, nachdem sie nun in Bewegung gebracht wurde, nicht so bald wieder erstarren zu lassen. Denn im Weichselbogen hat der Gegner das Schwer- gewiÄit seiner Offensivwucht untergebracht, hier sucht er auch den entscheidenden Erfolg. Zwischen den Beskiden und der Memel ist eine Schlacht entbrannt, die als Einheit gesehen werden muß, wenn sich aus ihr auch zwei verschiedene Hauptziele des Feindes herausschälen: Ostpreußen und Schlesien mit seinem hochindustrialisierten Südosten. Diesen sollen die Doppelschlacht um Ostpreußen, von Osten und Südosten her eingeleitet, und die konzentrische Bewegung aus dem Weichselbogen in allgemeiner Richtung Westen dienen. Die Verhinderung des Zugriffs auf Reichsgebiet und die Notwendigkeit, die Stoßarmeen, des Feindes vorher vernichtend zr treffen, bestimmen die Haltung der deutschen Führung dieser Großschlacht. Bewegliche Kampfführung klammert sich nicht an jeden Räum, sondern sieht die großen Notwendigkeiten und verzichtet in ihrem Interesse auf das hartnäckige Halten irgendwelcher Abschnitte, weil das Kräfte von der Hauptentscheidung abziehen würde, die wir dort nicht vermissen wollen. Unter diesem Gesichtspunkt sind Frontveränderungen vor allem zu betrachten, von denen uns der OKW.-Bericht Kunde gibt.
Aus ihm geht hervor, daß sich die Lage im Weichseibogen weiter " gespannt hat, während die Doppelschlacht um Ostpreußen im Zeichen bemerkenswerter Abwehrerfolge steht, obwohl der.. Feind auch hier mit stärksten Kräften im Angriff steht, die an der Ostfront vor Ostpreußen 25,Schützen-
Neues Vernichiungsbekenninis Churchills
„Atlantik-Charta nur ein Wegweiser — nicht Gesetz“
Drahtbericht unsere; g. Berlin, 17. Jan.
Berliner Schriftleitung Die Atlantik-Charta ist ein Wegweiser, Gesetz ist sie nicht“. Das ist das eine der goldenen Worte, die Churchill prägte, -als man ihn gestern im Unterhaus über die Kriegsziele der Anglo-Amerikaner befragte. Das zweite Stichwort, das Churchill selbst für die Kennzeichnung der feindlichen Vemichtungspolitik gab, war noch kürzer.und eindeutiger. „NoSir“ antwortete er zweimal auf Anfragen. Die erste dieser Anfragen: Ob die britische Regierung und die Allierten ihre Politik der bedingungslosen Kapitulation revidieren wollten. Die zweite Anfrage: Ob der Premierminister nicht seine Politik unter dem Gesichtspunkt überprüfen könnte, seine einzig dastehende Macht die Beendigung des Elends in Europa zu verwenden. Zweimal „No Sir" und dazu die zynische Ergänzung: „Auf jeden Fall wird der Krieg verlängert, bis die bedingungslose Kapitulation erreicht ist". Wenn das britische Unterhaus in dieser Frage- und Antwortkampagne neugierig war, den Standpunkt des Premierministers zu erfahren — das deutsche Volk war in dieser Hinsicht durchaus nicht neugierig.
Für Deutschland hat Churchill nichts Neues gesagt, wenn er noch einmal bestätigte, daß er ein absoluter Anhänger der Ausrottungspläne gegen Deutschland ist, der Pläne „mit Gewalt Millionen von Menschen in Mitteleuropa aus Ihren Heimstätten her
auszureißen“, wie es einmal ein englischer Politiker ausdrückte. In gewissen Abständen kommt es im feindlichen Ausland immer wieder zu solchen Kriegszieldebatten und Kreigszielerklärungen. Bald tönt es aus Washington herüber, bald aus England, bald aus der Sowjetunion. Vor einigen Tagen erst bestätigte die „Iswestija“ die Vernichtungs- und Ausrottungspläne Stalins gegen das deutsche Volk. Jetzt unterhält man sich in USA wieder einmal über den gleichen Komplex.
Was ein Einzelgänger dann und warm einmal in den Feindländem gegen, die Ausrottungspolitik oder sogar nur gegen ihre allzu eifrigen Propheten vorbringt, geht also sofort in der Agitationskampagne der leitenden feindlichen Staatsmänner wieder unter. Auch Churchills Äußerungen fügen sich logisch in dieses Bild und überraschen nicht. Aber für die Weit rundum mag es immerhin wichtig und interessant sein, daß der britische Premier ausdrücklich noch einmal auch die Unwirksamkeit der Atlantik-Charta bestätigt hat, die kein bindendes Gesetz sei, denn in der Welt rundum gab es immer noch manche, die von den „Befreiungs“-Parolen der Alliierten Ergebnisse erwarteten. Ihnen hat Churchill klar Bescheid gegeben: „Das Parlament und die Verbündeten Großbritanniens würden sich entschieden gegen jede Politik stellen, die einen Frieden auf Verhändlungs-, statt auf Kapitulationsbasis herbeizuführen suchten." /
divisionen und an der Südostfront 45 Schützendivisionen- ausmachen. Die große Zahl der sowjetischen Panzerverbände ist dabei nicht mitgezählt. Doch hat der Gegner wohl alle verfügbaren Panzereinheiten bereits in die Schlacht um Ostpreußen'geworfen. Was er bei seinem Angriff aus seinen Brücken- -feöpfeirzu beiden .Seiten- von- ©sternburg erreichte, waren tiefe Einbrüche in die Räume von Modlin, Nasielsk und Zichenau.
Im Weichselbogen selbst tritt der Feind mit weit stärkeren Kräften auf, deren Einsatz- er auch seine Einbrüche verdankt. Hier sind 90 Schützendivisionen und 15 Panzerkorps festgestellt worden, die naturgemäß eine erhebliche Stoßwucht in sich haben. Die -Zuteilung so gewaltiger Panzermassen hat den Gegner veranlaßt, nach seinen Einbrüchen an die Spitze seiner Stoßkeile Panzerrudel zu stellen, die danach trachten, möglichst viel Raum zu gewinnen, indem sie an deutschen Widerstandsnestern und Riegelstellungen vorbeistoßen und die Städte, Straßen- und Bahnkreuzungen zu erreichen versuchen.
Infolgedessen hat sich zwischen den feindlichen Panzerspitzen,, die weit nach Westen lind Nordwesten vorgestoßen sind, und den hinter ihnen aushaltenden deutschen Verbänden ein leerer Raum gebildet, den die im Fußmarsch nachfolgenden i sowjetischen Schützendivisionen ausfüllen sollen. Gegen sie richtet sieh der ungebrochene Widerstand unserer Kampfgruppen, so daß die zu Fuß marschierenden feindlichen Schützenverbände die großen Entfernungen zwischen
(Fortsetzung auf der nächsten Seite) i
Engpaß Frachlraum
Von
Georg Bficiunan'n
Der hohe Materialbedarf der Westfront hat die Schwierigkeiten der Verteilung und des Einsatzes der anglo-amerikanischen Transporttonnage auf dem Atlantik und Pazifik gesteigert. Hat doch die britische Schiffahrt in diesem Kriege gewaltige Substanzverluste hinnehmen müssen, die nach amtlicher englischer Erklärung einen Ausfall von über 11,12 Millionen Tonnen britischen Schiffsraumes zugeben, womit bestimmt die tatsächlichen Verlustziffern nicht preisgegeben sind. Bezeichnend ist, daß von Washington und London dieser Tage gemeinsam festgestellt wurde, daß der Verlust an alliierter Tonnage von Kriegsbeginn bis Ende 1943 bereits etwa 40 % der gesamten damaligen Welthandelsflotte ausmacht und innerhalb dieses Zeitabschnitts durchschnittlich sieben Schiffe pro Tag unter den Einwirkungen des deutschen Seekrieges auf den Grund der Meere gingen. Bis Ende 1944 betrug die versenkte englische und in britische Dienste gepreßte neutrale Tonnage über 5000 Fahrzeuge hochwertiger Seetonnage. Dazu kommt noch der hohe Anteil versenkter Schiffe nordamerikanischer Flagge.
Trotz der gewaltigen Anstrengungen der USA-Werften durch den Ausstoß ihrer Massenfabrikation an „Kaiser“-Schiffen vom Typ „Liberty“ und„Victory“ alle Seetransportschwierigkeiten zu überbrücken, ist es bisher nicht 'gelungen, das schwierige Tonnageproblem zu meistern. Mehr als die Hälfte aller USA-Schiffsneubauten sind gegenwärtig an der Pazifikfront eingesetzt und es ist auch anzunehmen, daß mehr als die Hälfte aller überhaupt verfügbaren Seetransportmittel der Vereinigten Staaten bei den amerikanischen Landungsunternehmen im Bereich der Philippinen im Einsatz stehen. Für die Lage der britischen Schiffahrt ist bezeichnend, daß z. Z. 15 000 Engländerinnen, die sich mit kanadischen Soldaten verheiratet haben, seit langer Zeit auf den Abtransport in ihre neue Heimat warten müssen, da keine Schiffe hierfür zur .Verfügung Stehen. Jedenfalls wird in London die Frage erhoben, ob nicht die deutsche Gegenoffensive an der Westfront den Tonnagebedarf für den Atlantik derartig vermehrt hat, daß die Zurückführung gewisser Tonnagemengen aus dem Pazifik eilends erwogen werden muß. Das bedeutet mit anderen Worten eine Revision der Strategie von Quebec, die den europäischen ebenso wie den asiatischen Kriegsschauplatz berührt. Bekanntlich erfordert der Transport einer Division über den Atlantik rund 50 00Ö BRT. Schiffsraum, während eines Zeitraumes von zwei' Wochen. Der Transport nach dem Pazifik bindet dagegen schon bei einer einzigen Division eine Tonnage von 200 000 BRT. und zwar bei den langen Seedistanzen auf die Dauer von vier bis fünf Monaten.
Englische Parlamentskreise betonen nun, daß die Frage der Transporttonnage nicht übergangen werden darf, zumal starke englische Flotteneinheiten im Pazifik z. Z. operieren. Seit Jahresbeginn ist der britische Minister Richard Law daher bei Roosevelt zur Besprechung der angespannten Fracht- raumlage. Wie Reuter meldet, haben die britischen und amerikanischen Behörden zu dieser Besprechung Unterlagen geliefert, die einen „beängstigenden Überblick über die Lage“ geben und feststellen, daß der
Londons schwieriges Leben unter V-Beschuß
Berichte von neu tralen Reisenden
Drahtbericht unseres Vertreters
er. Lissabon, 17. Jan. Privatpersonen, die kürzlich von einem Aufenthalt in England zurückkehrten, berichten, daß London gegenwärtig einen unbeschreiblich traurigen und verelendeten Eindruck mache. Die Spuren des Beschusses mit den deutschen V-Waffen begegnen einem auf Schritt und Tritt. Allenthalben erblicke man Ruinen, und anscheinend denke man jetzt auch nicht mehr an ihre Ausbesserung. Man habe den Eindruck, als ob ein großer Teil der Londoner Bevölkerung ausgewandert sei, da das rege Treiben und Hasten in den Hauptverkehrsstraßen sehr nachgelassen habe. Das sei aber darauf zurückzuführen, daß die Leute es hach Möglichkeit vermeiden, ihre Häuser oder Arbeitsstätten zu verlassen, wenn es nicht unbedingt erforderlich sei.
Noch schlimmer als in der Innenstadt wirke sich der Beschuß der V-Waffen in der weiteren Umgebung von Londbn aus. Hier soll die Zahl der Todesopfer, wie man in London erfährt, auch weitaus größer sein als im Stadtkern, was wohl auf. das Fehlen von Bünkem in genügender Anzahl und auf die Undurchführbarkeit eines Warnsystems zurückzuführen Ist, sowie auf das verspätete Eintreffen der Rettungskommandos. Jeder, der es ermöglichen könne, ziehe aus diesen Gebieten aus.
Der Verkehr sei gegenwärtig das schwie- ste Problem, mit dem die Londoner Bevölkerung zu hämpfen habe. Durch die Angriffe mit den V-Waffen werde er immer wieder lahmgelegt oder gerate bei jeder Gelegenheit von neuem ins Stocken.
Welches katastrophale Ausmaß die Schäden in England infolge des pausenlosen V- Beschusses angenommen haben, ergibt sich aus einem Vortrag, den eine Engländerin ln Schweden hielt. Die Stockholmer Press» berichtet darüber, daß eine ungeheure Wohnungsnot in England herrsche, da etwa
4,5 Millionen Häuser zerstört seien, abgesehen von zahlreichen großen Fabriken.
In diesem Zusammenhang wird eine Warnung des „Daily Mirror“ verständlich, wonach die Bevölkerung die deutschen V-Ge- schosse nicht etwa als „albernes Spielzeug“ betrachten solle, wie das der „Mister Optimist“ so gern tue. Es sei höchste Zeit, so meint das englische Blatt, „die Vogel-Strauß-Politik“ a\if zugeben.
Schlechter als vorher
ep. Zürich, 17. Jan. „Es geht schlechter als vorher, hört man von vielen Seiten. Wir müssen tatsächlich -leider bestätigen, daß es schlechter geht als gestern“, stellte der Sender Paris fest und fährt fort: „Sie, meine Hörer, hatten sich die Befreiung anders vorgestellt. Wir auch.“ Den Kommentar hierzu liefert eine „Aftonbladet"-Meldung aus Frankreich, in der es heißt: „Die Lage ln Paris nähert sich mit rasender Geschwindigkeit einer Katastrophe. Furchtbare Epidemien werden befürchtet. In Paris starben zahlreiche Kinder und Greise vor Ermattung und Kälte. Die neuen einschneidenden Brennstoffeinschränkungen sowie der geradezu schreiende Lebensmittelmangel führten allgemein in Frankreich zu einer steigenden Anzahl von Todesfällen.“
Das ist in der Tat eine „Befreiung", die sich die Franzosen anders vorgestellt haben dürften.
Folge der USA-Einbußen
ep. Lissabon, 17. Jan. Roosevelt wird an den Kongreß eine Sonderbotschaft richten, in der er eine besondere Diensteinsatzgesetzgebung verlangt, meldet Reuter aus Washington. Er erklärte auf seiner Pressekonferenz, die Botschaft sei notwendig wegen der außerordentlichen Bedürfnisse des Heeres, der Marine und der Rüstungsproduktion.