Ausgabe 
(9.1.1945) 7
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Parteiamtliche Tageszeitung

Pas Amtsblatt des Basierenden Bürgermeisters der Freien Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen

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Nummer 7 15. lahrgang

Dienstag, 9. Januar 1945

Einzelpreis 15 Rpf.

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Im Angriff in Ost und West

Deutsche Vorstöße im Elsaß und am Oberrhein *■ In Ungarn SowjetsteDungen durchbrochen

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- Aus dem Führerhauptquartier, g. Jan. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Nord- und Südwestflanke des Frontbogens zwischen Maas und Mosel be­haupten sich unsere Verbände in harten Kämpfen gegen die wieder .einsetzenden Durchbruchsversuche der durch englische Divisionen verstärkten 1. amerikanischen Ar­mee. Sie vernichteten erneut zahlreiche feindliche Panzer, östlich Bastogne erzielte der Feind keinerlei Erfolge mehr, sondern wurde durch unsere Angriffe noch weiter zurückgeworfen. — Im Südabschnitt der Westfront haben die Kämpfe im Elsaß und am Oberrhein größeren Umfang angenom­men. Südlich Weißenburg sind unsere Trup­pen in die Maginotlinie eingebrochen. Süd­lich Straßburg wurden in einem überraschen­den Vorstoß westlich des Rheins nach Nor­den die feindlichen Sicherungen, zersprengt. In vergeblichen Gegenangriffen rasch zu­sammengeraffter Kräfte verlor der Feind 14 Panzer. Außerdem wurden über hundert gegnerische Kraftfahrzeuge vernichtet. — Lüttich und Antwerpen liegen unter anhal­tendem Fernbeschuß. ' .

In Italien kam es gestern an der gesamten Front nur zu einzelnen Aufklärungs­gefechten.

In Ungarn haben Truppen des Heeres und der Waffen-ü zwischen Plattensee und Donau in mehrtägigen harten Angriffs­kämpfen die feindlichen Stellungen durch­stoßen und nördiich des Vertes-Gebirges bis zu 40 km Raum nach Osten gewonnen. Gran wurde wieder erobert. Im bisherigen Verlauf dieser erfolgreichen Operationen wurden 159 Panzer und 425 Geschütze vernichtet oder erbeutet. Der Gegner erlitt hohe blutige Verluste. Die Kämpfe gehen weiter. — Die tapfere deutsch-ungarische Besatzung von Budapest hält sich gegen die von Osten her anstürmenden Sowjets. Im südöstlichen Stadtteil Kispest toben erbitterte Straßen­kämpfe. — In den beiden letzten Tagen wur­den im feindlichen Einbruchsraum nördlich der Donau 101 Panzer, größtenteils durch Panzerfaust, vernichtet. Eine Panzerdivision schofi davon an einem Tage 55 - Panzer mit Nahkampfmitteln ah. Im südlichen Grenz­gebiet der Slowakei wurden durch eigene Gegenangriffe unsere Stellungen verbessert.

In Kurland warfen unsere Truppen nörd­lich Doblen die Bolschewisten trotz verstärk­ter Gegenwehr weiter zurück. Nach bisheri­gen Meldungen wurden bei diesen Kämpfen über 500 Gefangene gemacht und 58 Panzer sowie 128 Geschütze aller Art vernichtet öder erbeutet.

Nordamerikanische Terrorverbände griffen «m gestrigen Tage das westliche und süd­westliche Reichsgebiet an. Wieder waren vorwiegend Wohnviertel das Ziel ihrer Bom­benwürfe. Bei zwei aufeinanderfolgenden nächtlichen Terrorangriffen der Briten auf die Hauptstadt der Bewegung wurden schwere Häuserschäden vor allem in der Innenstadt Münchens verursacht und zahl­reiche Kulturbauten zerstört. Luffverteidi- gungskräfte brachten 27 viermotorige Bomber zum Absturz.

Ergänzend wird gemeldet: In den Kämpfen nordöstlich des Plattensees hat sich die Panzer-Abteilung If26 unter Führung' des Hauptmanns Bayer hervorragend bewährt. Ohne nennenswerte eigene Verluste ver­nichtete sie in drei Tagen 73 Panzer. 26 Ge­schütze und 17 Lastkraftwagen der Bolsche­wisten und machte über' 100 Gefangene.

Überraschungen In 0s! und Wesl

Drabtberlcht unserer Berliner Schrtitleitujig

g. Berlin, 8. Jan. An zwei Stellen der Ost­front melden die Wehrmachtberichte vom Sonntag und vom Montag deutsche Über- raschungsaktionen. Der deutsche Vorstoß zwischen Plattensee und Donau ist das eine dieser Ereignisse, der Einbruch in das feind­liche Kampffeld in Kurland das zweite. Wenn der Vorstoß im ungarischen Raum zur Durch­brechung der feindlichen Stellung und zur Wiedereroberung von Gran geführt hat, so ist das ein Zeichen dafür, daß auch an der Ostfront immer wieder die deutsche Initia­tive sich durchsetzt und entscheidend das Büd der Gesamtlage beeinflußt, auch wenn cs sich um Ereignisse mehr regionalen Cha­rakters handelt. Solche njehr regionale Be­deutung hat ja vor allem wohl der deutsche Vorstoß in Kurland, wo es sich um einen Sonderkriegsschauplatz handelt. Immerhin sind in jene kurländischen Kämpfe eine ganze Anzahl sowjetischer Divisionen ver­wickelt. Nach den drei Angriffsschlachten, die der Gegner gegen die deutschen Truppen in Kurland führte, folgt nun dem hartnäckigen deutschen Widerstand eine Aktion, die besser noch als die Abwehr zur Wiederherstellung des Gleichgewichts geeignet ist. Auf solche Umstände vor allem geht es wohl- zurück, wenn die angelsächsische Presse die Sowjets heftig drängt, man erwarte von ihnen Offen- sivhandlungen in erster. Linie in Polen. Von großen sowjetischen Vorbereitungen für eine Winteroffensive war ja wiederholt in der feindlichen Presse die Rede, und nach den Erkundungen ist auch wohl kein Zweifel darüber, daß die Sowjets Offensivaktionen für diese Winterzeit in großem Stile Vorhaben. Ist, wenn jetzt im Baranow-Brückenkopf eine lebhaftere Kampftätigkeit zu verzeichnen ist.

darin ein Vorzeichen für die Durchführung solcher sowjetischen Pläne zu sehen?

Aber das Drängen der angelsächsischen Presse näch militärischen Offerisivaktionen des sowjetischen Verbündeten geht'vor allem wohl auf die Schwierigkeiten und Verlegen­heiten zurück, denen das feindliche Ober­kommando im Westen gegenübersteht. Die Engländer haben nun bei den Versuchen, der deutschen, seft dem 16. Dez. laufenden Offen­sive mit einem Gegepstoß zu begegnen, eine ganze Anzahl von Divisionen mit in jenes Kampffeld hineingeworfen. Es wird sich um Truppen handeln, die Montgomery seit lan­ger Zeit Im holländischen Raum bereitstehen hatte, um sie zu gegebener Zeit und bei der von ihm sehnlichst erwarteten Gelegenheit zu einem Offensivvorstoß aus Holland heraus zu benutzen. Stattdessen muß er sie nun bei der Abwehr der deutschen Aktion verwenden, und damit werden auch die für den holländischen Raum bestehenden feindlichen Pläne über den Haufen geworfen. Montgomery scheint diese britischen Verstärkungen als eine Art' Geschenk für die Erweiterung seines Befehls­bereichs zur Verfügung gestellt zu haben.

Diese Veränderungen und Schwankungen in der feindlichen Befehlsgliederung sind vielleicht eines der wichtigsten und typisch­sten Kennzeichen für die Lage im Westen. Wiederholt hat die Befehlsgliederung im Westen gewechselt, seit im Januar v. J. Ei- senhower den Gesamtbefehl über die Invasi­

onsstreitkräfte übernahm. Zuerst unterstan­den ihm zwei Armeegruppen: Montgomery und der Amerikaner Patton. Dann übernahm er noch die in Südfrankreich gelandete In­vasionsarmee, die dem Kommando des eng­lischen Mittelmeerbefehlshabers Wilson ent­zogen wurde. Den nächsten Akt sah map, als Eisenhower Montgomery die Hälfte seiner Streitkräfte unter dem Oberbefehl des ame­rikanischen Generals Bradley abnahm und daraus eine selbständige Armeegruppe machte. Nun ereignet sieh in diesem Kommandospxel der nächste Akt, indem aus Bradleys Armee­gruppe wieder Truppenteile herausgenommen und Montgomery zugerwiesen worden sind. Hängt es damit zusammen, daß Churchill einen Eilbesuch im alliierten Hauptquartier in Frankreich abstattete, zu dem auch de Gaulle herangezogen wurde?

Die englische Presse wird ln der Begrün­dung des Vorganges recht deutlich: Mont­gomery habe die größte Erfahrung in der Durchführung massiver Offensiven, London habe die Verringerung der Zahl der Armee­gruppen und eine größere Befehlsgewalt für kühne Vertreter der Offensivgeistes verlangt. Solange Montgomery allein von der Norman­die aus den Befehl geführt habe, seien die Erfolge größer gewesen als nach der Auf­teilung seines Kommandobereiches, die zum Verlust der Schwungkraft geführt habe. Man sieht — es ist wieder die Suche nach Grün­

den für Fehlschläge und Enttäuschungen, die sich in solchen Stimmen- äußern. Aber auch andere Bedenklichkeiten tauchen infolge der erlebten Überraschung auf. Der „Observer“ etwa stellt eine umständliche Berechnung an, die offensichtlich den Vorwurf unzweckmäßi­ger Verwendung vorhandener Truppen­massen enthält, An der Westfront verfügten die anglo-amerikanischen, Armeen nur über etwa 2 Millionen Mann, während immer be­hauptet worden sei, daß die Empire-Streit­kräfte 9 Millionen Mann und die amerikani­schen Streitkräfte 11 Millionen Soldaten ins-" gesamt umfaßten. Sei also nur ein Zehntel dieser Streitkräfte an der Westfront ein­gesetzt? „Wie es scheint, besitzen die Alliier­ten also zu Lande nicht die zahlenmäßige Überlegenheit; die für einen offensiven Durchbruch großen Ausmaßes erforderlich wräre.“

Das sind recht bittere Worte, aber der Kern von alledem ist, daß die ganze West­front von Holland bis zur Schweizer Grenze als Folge der deutschen Offensive in Bewe­gung geraten ist und daß die Gegner zu immer neuen Umgruppierungen, zur Aufgabe immer neuer eigener Vorhaben genötigt werden, gleichviel, ob sie gegen die deutschen Kräfte in den Ardennen kämpfen oder ob sie sich damit abfinden müssen, auch im Elsaß und am Oberrhein defensiv den deutschen Vorstößen zu begegnen. ,

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USA von innen

Von

Alfred G e r i g k

Gewandeltes Kriegsbild im Westen

Uebereilte Umgruppierungen bringen System der Feindarmeen immer mehr durcheinander

Von unserem militärischen v. W.-Mitarbeiter

Die erste Wochedesjneuen Jahres hat eine Entwicklung weitergetrieben, die ihren Be­ginn- .-_,.i unserem Angriff am 16, Dezembe». nimmt und sich seitdem .in einer auch vom Gegner längst erkannten Weise verstärkt. Zeigte schon der Einbruch in den rechten Flügel der 1. USA-Armee den plötzlichen Übergang der Initiative in unsere Hand, so hat es die Führung des Westheeres verstan­den, sich der neugewonnenen Operations­freiheit außerordentlich geschickt zu bedie­nen. Sie überspielt in ihrer größeren Füh­rungskunst den Gegner an jedem Tage von neuem, nachdem sie sich das Instrument einer ausreichenden Offensivkraft zwischen Maas und Vogesen verschafft hat, wozu der Gegner mit derllturen Fortsetzung seiner für ihn blutigen Angriffe an nicht weniger als drei Schwerpunkten — an Roer, Saar und vor der Pfalz — nicht wenig beigetragen hat.

Die großen Truppenabzüge von allen von unserem Angriff zunächst nicht berührten Abschnitten führten zunächst zur völligen Einstellung des feindlichen Angriffsdrucks. Wieder war es völlig falsche Einschätzung unserer Kampfkraft und ihrer Führungsener­gien, die den Gegner erwarten ließ, er könne sich dieses waghalsige Spiel leisten. Seit dem 31. Dezember spürt er die Folgen. Aus ört­lichen Vorstößen zwischen Saar und Rhein ergab sich die Anfälligkeit der amerikani­schen Stellungen und ihre schwache Be­

setzung. Größere Angriffe wurden angesetzt, warfen den Feind zunächst örtlich zurück, erreichten dann aber den wichtigen Durch­bruch zwischen .Saargetnünd und dem. Ober­rhein auf 40 Kilometer breiter Front. Der Feind gibt ständig Gelände auf, obwohl sich sdine schwachen Verbände teilweise hart­näckig wehren. Sie sollen mit ihrem Wider­stand wohl den Aufbau neuer Abriegelungen ermöglichen. Diese sind aber nur durch Trup­penabzüge von noch ruhig gebliebenen Ab­schnitten aufzurichten. In der rheinischen Tiefebene fällt der Feind weiter zurück. Er konnte auch einen Übergang über den Rhein von Osten her und nördlich Straßburg nicht verhindern, so daß eine zusätzliche Bedrohung seiner Truppen entstanden ist, soweit sie zwischen dem Hagenauer Wald und dem Rhein-Marne-Kanal stehen.

Das alles sind die natürlichen Folgen über­eilter Umgruppierungen beim Feinde. Das bis­her immer übersichtlich gewesene System sei­ner Armeen wird von Tag zu Tag mehr durch­einandergebracht. Die gaullistische 1. Armee mußte Einheiten nach Lothringen abgeben, englische Divisionen sind an der Ardennen­front; aufgetaucht, dieses überall feststellbare Truppendurcheinander ist eine Folge des Eisenhower zugeschobenen Zwanges, zu stän­digen Umgruppierungen und Umdispositionen die Zuflucht zu nehmen, die auftretenden Frontlöcher zu stopfen, bis neue einreißen, für die dann wiederum keine frontnahen

Uurchelnnnder im Transportwesen

Desorganisation des französischen Hinterlandes

Orahttjericht unsere» Vertreters

tt. Genf, 8° Jan. In maßgebenden alliierten Kreisen beurteilt man die Nachschubfrage der amerikanischen Truppen an der West­front mit zunehmendem Emst. Man beruft sich dabei nicht zuletzt auf das wachsende Chaos in der französischen. Verkehrslage. Der unerwartete Verlauf der. militärischen Operationen zwingt die alliierten Truppen, sich für ihren Nachschub auf das französische Verkehrsnetz zu stützen. Jetzt rächen sich aber die schweren Bombardements der eng­lisch-amerikanischen Luftwaffe im Sommer dieses Jahres.

In einem neutralen Bericht wird darauf hingewiesen, daß die großen Rangierbahnhöfe in Frankreich und Belgien nur zu einem ganz geringen Teil benutzt werden können. Ihre Wiederherstellung werde nicht nur Monate, sondern Jahre in Anspruch nehmen. Die Folge sei ein wachsendes Durcheinander im Transportwesen. Von einem normalen Bin­nenverkehr könne ohnehin keine Rede sein. Das rollende Material der Eisenbahn sei un­genügend. Unter olesen Umständen müßten die Amerikaner und Engländer fast jeden Eisenbahnwaggon, von den Lastkraftwagen gar nicht zu reden, aus Ubersee herbeiführen.

Die Versorgung der französischen Zivil­bevölkerung rangtere unter diesen Umstän­den erst an allerletzter Stelle, da die Ver­sorgung der Front das für den Lebensmittel­transport zur Verfügung stehende Verkehrs­material noch mehr eingeengt habe. Ähn­liches gilt für die Rohstoffliefenmgen an die französische Industrie. Die bei Ankunft der Engländer und Amerikaner zur Verfügung stehenden Robstoffresefven sind aufgebraucht und eine Ergänzung war nicht möglich, da die wenigen zur Verfügung stehenden Häfen für Milltärtransporte reserviert werden müs­sen und der überwiegende Teil aller noch zur Verfügung stehenden französischen Handels­

schiffe für Rechnung der Amerikaner und Engländer fährt. Von hundert Hochöfen, die im Jahre 1939 in Frankreich bestanden, sind- nach diesem neutralen Bericht nur noch 9 in Betrieb. Von ihnen ist aber 'auch nicht ein einziger voll beschäftigst. Unter diesen Um­ständen stößt auch die von de, Gaulle ge­wünschte Neuaufstellung einer französischen Wehrmacht auf wachsende Ausrüstungs­schwierigkeiten. Das von England und Amerika ursprünglich versprochene schwere Kriegsmaterial konnte nicht geliefert wer­den, da die englisch-amerikanischen Truppen nicht einmal selbst genügend Material er­halten können.

Alles in allem gesehen erweist sich die Desorganisation des französischen Hinter­landes als ein schweres Hindernis für die alli­ierte Kriegführung an der Westfront.

Gangster rauben Nachschub

Drahtbericht unseres Vertreters

kl. Stockholm, 8. Jan. Die blutigen Kämpfe zwischen nordamerikanischer Feldpolizei und desertierten USA-Soldaten, die sich mit fran­zösischen Apachen zu starken Gangsterban­den zusammengeschlossen hatten, kam es in letzter Zeit in Nordfrankreich, wobei es Tote und Verletzte gab, berichtet die nordamerika­nische Armeezeitung „Stars and Stripes“. Die Gangster haben sich zu einer allgemeinen Gefahr für den nordamerikanischen Nach­schub entwickelt. Sie haben Armeegut im Werte von vielen Millionen Dollar geraubt, das später an der schwarzen Börse verscho­ben wurde. Auch mit Banknotenfälschung beschäftigen sich die Banden. Die amerika­nische Soldatenzeitung bestätigt damit frü­here aus französischer Quelle stammende Meldungen über zunehmende Verfallserschei­nungen bei den nordamerikanischen Be­satzungstruppen in Frankreich.

Verstärkungen übrig sind. Die feindliche Führung befindet sich also in einer keines­wegs beneidenswerten Lage, die noch dazu sehr selbstverschuldet ist. Die Decke dies Gegners war immer sehr kurz. Sobald wir sie einrissen, genügte sie nicht mehr.-Überall zeigen sich Blößen: Über die Maas bei

Wanssum sind deutsche Truppen gegangen und haben sich dort einen Brückenkopf ver­schafft. Der Brückenkopf am anderen Ende der Westfront, nördlich Straßburg, konnte befestigt werden. Er stellt eine neue Be­drohung für den Feind im Elsaß dar. Der Angriff in Lothringen und im Elsaß schreitet fort. Eine Ortschaft nach der anderen wird befreit, wichtige Positionen der Maginotlinie muß der Feind aufgeben. Kapitulationen ein­zelner Werke bleiben ihm nicht erspart. Dort aber, wohin er die Masse seiner überhaupt verfügbaren Kräfte geworfen hat, im Ein- bruchsraum der Ardennen, der einem vom stumpfen Keil gleicht, erschöpfen sich die feindlichen Angriffe, während eigene Stöße, vor allem im Abschnitt Bastogne, feindliche Stützpunkte aus dem amerikanischen Front­bogen herausbrechen.

Zwischen Monschau und dem Oberelsaß ist die Schlacht in Bewegung geraten, die Front flüssig geworden. Sie steht überall im Zeichen deutscher Aktivität. Die Führung des Westheeres schreibt dem Gegner vor, was er zu tun hat. Er kann nicht mehr auf Sicht disponieren. Fast jeder Tag stellt ihn vor neue Lagen, die nicht leichter sind als 24 Stunden vorher. , Der Schrei der Front nach Divisionen mag ein Geräusch geworden sein, das Eisenhower von morgens bis abends in den' Ohren klingt. Kaum konnte er das Schlachtfeld in den Ardennen notdürftig mit Truppen wieder beschicken, ohne am Ein­bruch und seinen Folgen etwas zu ändern, so gefährdet die dünngewordene Frontbesetzung im Sfidabschnilt alle Gewinne der letzten Monate. Im Zweikampf der .Westheere haben die Armeen Eisenhowers mehr als eine Runde verloren, _ und Ihr Befehlshaber mit ihnen gegen die deutsche Führung im Westen.

Fünfzehn neue Senatoren sind im Novem­ber gewählt, und im Abgeordnetenhaus tauchen sechzig neue Gesichter auf. Aber wenn eine Berufsstatistik über den 78. Kon­greß feststellte, daß die Hääfte aller Volks­vertreter Anwälte waren, ein Zehntel Ge­schäftsleute, sehr wenige Farmer, Lehrer; Ärzte oder Handwerker und kein einziger , Arbeiter, so wird sich auch mit den fünfzehn neuen Senatoren und den sechzig neuen Ab- • geordneten kaum viel an dieser Zusammen­setzung eines amerikanischen Parlaments ge­ändert haben.

Die Innenpolitik der USA ist ein seltsames Kapitel, das dem Europäer nicht ohne weite­res verständlich ist. Stärker als in irgend einem anderen demokratisch-parlamentarisch regierten Lande beherrschen die Geschäfts­leute und ihre'Interessen den Regierungskurs und die Entscheidungen der Abgeordneten. So ist es nie zu einer wirklich klaren Her­ausbildung von Parteien oder Parteiprogram­men gekommen, denn die Linie der poli­tischen und wirtschaftlichen Meinungsver­schiedenheiten geht bei vielen Fragen quer durch die beiden traditionellen Parteien der Republikaner mid Demokraten, und in Einzel­heiten sehen beide Programme sich recht ähnlich. Nun ist allerdings in der Zeit der Herrschaft Roosevelts eine Entwicklung ein­getreten, die eine gewisse Klarheit in der Tei­lung der Meinungen gebracht hat oder min­destens eine gewisse Klarheit in der Eti­kettierung der Meinurigen. Die einen machen aus ihrer rein kapitalistischen Auffassung kein Hehl, während die anderen unter dem Schlagwort einer methodischen Staatskon­trolle und einer starken Vertretung bolsche- wistisch-staatskapitalistischer ■ Auffassungen dem schrankenlosen Individualismus einiger weniger beherrschender Kapitalbesitzer we­nigstens eine Kulisse geben wollen. Die ersten sind die Republikaner, für die am stärksten der ehemalige Präsident* Hoover hervortrat, die anderen die Demokraten Roosevelts, deren stärksten Repräsentanten im Sinne jener sozialistischen Verbrämung der Ziele •man den früheren Vizepräsidenten Wallace nannte. 'Äbfer auch das gilt hür im grund­sätzlichen, praktisch sitzen in den Reihen der Demokraten sehr zahlreiche Anhänger rein plütokratischer Methoden und in den Reihen der Republikaner manche, die der Kulissen­politik zuneigen.

Eine Wende bedeutet es trotzdem stets für die Innenpolitik der USA, wenn ein neuer Kongreß zu Worte kommt, weil zunächst einmal die neuen Männer nicht schon von der Wahlfurcht beherrscht sind und deshalb mit einer gewissen Frische an die Arbeit gehen. In diesem 79. Kongreß haben Roosevelts De­mokraten eine unbedingt sichere Mehrheit, wenn ihnen auch im Senat jene Zweidrittel­mehrheit versagt blieb, die für manche ver­fassungsrechtlichen Vorschriften — vor allem in der Außenpolitik — erforderlich ist. Man hat, als die Wählen im Gange waren, davon gesprochen, daß bei den Wählern diesmal eine sehr große Verantwortung läge, weil der zu wählende Kongreß die gewaltige Aufgabe haben werde, über die USA-Nachkriegspoli- tik zu bestimmen. Tatsächlich ist es so, daß der Kongreß rechtlich in der Lage wäre; jeden Nachkriegsplan zunichte zu machen, den Präsident und Regierung etwa verfolgen, und schon meldet sich auch der demokra­tische Senator Wheeler mit der Forderung, der Senat müsse die Initiative für die Auf­stellung von Kriegszielen ergreifen, er müsse die Macht der USA dafür einsetzen, daß ein europäischer Staatenhund proklamiert und alle Grenzstreitfragen durch ein alliiertes Komitee geregelt werden, damit nicht will­kürliche Einflußzone der Sowjetunion und Englands entstehen. Aber vprd der Kongreß wirklich ln der Lage sein, derartige große Dinge zu vollbringen wie die Ausarbeitung einer klaren USA-Politik? Der 77. Kongreß stellte an seinem Ende betrübt fest, daß er zwar 776 Gesetze verabschiedet habe, daß aber in der gleichen Zeit der Präsident, v«-

Gesiündmsse Monfgomerys zur Wesfoffensive

„Die Deutschen teilen verdammt harte Schläge aus“

Berlin, 8. Jan. „Die Ereignisse an der West­front, die den Alliierten einen empfindlichen Rückschlag eingebracht haben, sind ein typi­scher Fall . für schlechte militärische und politische Information auf seiten der anglo- amerikanischen Mächte 1 ', schreibt der be­kannte spanische Militärkritiker Manuel Az­nar in der „Arriba“ zur deutschen Westoffen­sive. Dieser Feststellung entspricht das Ge­ständnis der Londoner Zeitung „Observer", daß nichts der öffentlichen Meinung in Eng­land einen solchen Schock versetzt habe wie die Feststellung, daß die alliierten Reserven im Westen geringer seien, als man von zu­ständiger Seite immer erklärt habe. Beide Stimmen bestätigen bereits frühere Kritiken Im anglo-amerikanischen Lager, wonach die politische und militärische Führung Englands und der USA die Öffentlichkeit falsch unter­richtet und irregeführt habe.

Selbst der britische Oberkommandierende an der Westfront, Montgomery, der sich schon Im Herbst v. J. als Sieger ln Berlin einziehen sah und seinen Truppen Wald­mannsheil und fröhliche Jagd in Deutschland wünschte, schlug jetzt vor Pressevertretern In seinem Hauptquartier einen wesentlich an­deren Ton an. „Der Kampf ist noch keines­wegs vorüber, es bleibt noch sehr viel zu tun",

erklärte er. Er müßte weiter gestehen, daß die Deutschen „verdammt harte Schläge“ austeilen. Auch daß der deutsche Angriff im Westen am 16. Dezember die Anglo-Amerika­ner überraschte, daß die deutschen Truppen am schwächsten Punkt durchbrachen und einen tiefen KeU in die Mitte der 1. USA- Armee trieben, kann der großmäulige Mont­gomery heute nicht leugnen.

Gefangener der Sowjets

ep. Madrid, 8. Jan. Der Verräterkönig Michael darf Rumänien nicht verlassen, wie aus Bukarest gemeldet wird. Die sowjetische Polizei in Bukarest hat aus Moskau Anw .i- sung erhalten, ihn bei Ausfahrten auf Schritt und Tritt zu beobachten. Man hatte, so heißt es, in Moskau Wind davon bekom­men, daß Michael in einem Flugzeug nach London flüchten wollte.

Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Kriegs­verdienstkreuzes mit Schwertern an Admiral Fuchs, Leiter des Hauptamtes Kriegssciuffbau im Oberkommando der Kriegsmarine, für seine in fünf KriegsJjjhren um den Ausbau unserer Seestreitkräfte und insbesondere der U-Boot- waffe erworbenen außergewöhnlichen Ver­dienste.