Ausgabe 
(12.11.1942) Nr. 312
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Nr. ZI 2 / 12. Jahrgang

Donnerstag, 12. November 1942

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Die Me Wächter über Europa

8er erste Segenschlag gegen den Noosevett-lsturchM-PIan / Keine „weiche flanke" mestr

flppell an die Vernunft

Drabtbcricht unserer Berliner Schriftleitnns ckr. w. sch. Berlin, 11. November. Am Sonntag hat der Führer dem deutschen Volke die beruhigende Zu­sicherung gegeben, datz auch gegenüber dem britisch-ame­rikanischen Versuch, sich sozusagen über den „Hinterhos" wieder in das europäische Haus einzuschleichen, „Füh­rung und Wehrmacht alles tun, was getan werden mutz und was getan werden kann". Und weiter versicherte der Führer: „Wir werden alle unsere Schläge vorberei- tcn — wie immer gründlich —, und sie sind immer noch zur rechten Zeit gekommen." Der erste Gegenschlag wird nun seit Mittwoch morgen geführt. Die deutsche und ita­lienische Wehrmacht sind angetreten, um die Schutzaus­gabe für Europa an denjenigen Fronten des Kontinents zu übernehmen, gegen die sich der Angriff der Amerika­ner und Engländer von den überfallenen Aufmarsch gebieten in Französisch-Nordafrika aus richten sollte.

Zwar sucht Roosevelt seine schleimigen und ekel­erregenden Phrasen über den angeblichen Sinn seines hinterhältigen Planes immer noch einmal gegenüber neuen Adressaten vorzutragen, aber er hat sich inzwi­schen selbst Lügen gestraft, als er nämlich in Ueber- oinstimmung mit den Ausführungen Churchills im Mansioa-House in einer Pressekonferenz erklärte, datz die Pläne für die jetzt in Gang gesetzte Aktion zwischen ihm und Roosevelt schon etwa zwei Wochen nach Pearl Harbour besprochen worden seien, als sich Churchill in Washington befunden habe. Das war ungefähr zu der

gleichen Zeit, als den britischen Premier auf ameri­kanischem Boden die Hiobsbotschaft von dem Verlust der beiden Schlachtschiffe vor Malakka erreichte.. Damals also sind die beiden politischen Gangster zu einer Ver­ständigung darüber gelangt, datz man Rache nur auf einem Umweg versuchen könne, auf dem man mit dem geringsten Widerstand zu rechnen haben werde- Als

solche Stellen erkannte man französisches Gebiet, und zwar zunächst in Afrika, während später das Unter­nehmen über die südfranzösische Mittelmeerküste und über die Insel Korsika weitergeführt werden sollte.

Es ist seit Ealipoli eine fixe Idee Churchills, datz man den Entscheidungsschlag gegen Mitteleuropa vom Mittel (Fortsetzung auf Seite 2)

ftmerikanlsch-brilisdie Landungsflotte erneut erfolgreich bekämpft

Aus dem Fiihrerhauptquartier, 11. Nov. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Im Westkaukasus und am Terek-Abschnitt wurden zahlreiche feindliche Angriffe in erbitterten Kämpfen abgewehrt und Bereitstellungen des Feindes durch Artilleriefeuer zerschlage«. In Stalingrad lebhafte Stotztrupp­tätigkeit. An der Don-Front wiesen rumänische Truppen feindliche Angriffe ab. Schlachtslieger griffen in die Erdkämpfe mit Erfolg ein. Ungarische Truppen vereitel­ten einen Uebersetzversuch des Feindes. Im mittleren und nördlichen Frontabschnitt wurden eigene Stotztrupp­unternehmungen durchgesührt und einige feindliche Vor- stöhe abgewiesen. Kampf- und Sturzkampfflieger setzten ihre Angriffe gegen Truppcnbereitstellungen und Bahn­anlagen fort.

An der ägyptischen Front nehmen die beabsichtig­ten Bewegungen der deutschen und italienischen Trup­pe», die in erfolgreichen Gefechten zwölf feindliche Pan­zer zerstörten, ihren Fortgang. Die britische Luftwaffe verlor vier Flugzeuge. Deutsche und italienische Jagd­flieger schossen in Lustkampfen gegen überlegene feind­liche Luftstreitkräfte vom 5. bis 10. November 27 feind­liche Flugzeuge ab. Deutsch-italienische Luststreitkräfte bekämpften weiterhin die amerikanisch-britische Lan­dungsflotte an der Küste Nordafrikas. Ein Flugzeug­träger und ein grotzes Handelsschiff erhielten Treffer. Kampfflieger schossen drei feindliche Jagdflugzeuge ab.

2n der Nacht zum 10. November stietzen Schnellboote gegen den feindlichen Eeleitverkehr an der britischen O st k L st e vor, versenkten unter heftigen Kämpfen ge­gen britische Zerstörer vier Schiffe mit 11000 ART. und beschädigten zwei Schiffe sowie ein Sicherungsfahrzeng durch Torpedotreffer. Alle Boote find zurückgekehrt. Ein im Kampf beschädigtes eigenes Schnellboot wurde in einen deutschen Stützpunkt eingefchleppt. An der Küste der besetzten Wefigebiete wurden vier britische Bomber abgeschossen. Im Rordatlantik traf ein deutsches Unter- , feeboot ein britisches Schlachtschiff der Queen-Elizabeth- Klaffe durch Torpedo. Eine schwere Explosion wurde beobachtet."

Fernkampfbatterien der deutschen Kriegsmarine nah­men in der Nacht zum 11. November .kriegswichtige Ziele an der britischen Südostküste unter Feuer. 2n Fol- k e st o n e und Dover wurden Brände beobachtet.

Deutsche Wehrmacht schuht Südfrankreich

Bisherige Demarkationslinie von unseren Truppen überschrittet

Aus dem Führerhauptquattier, 11. November. Oas Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Deutsche Truppen haben am 11. November früh zum Schutze des französischen Territoriums gegenüber den bevorstehenden amerikanisch-britischen Landungsunternehmen in Südfrankreich die Demarkationslinie zum unbesetzten Frankreich überschritten. Die Bewegungen der deutschen Truppen verlaufen plan­mäßig.“

flufcuf des Führers an das franMfthe Volk

Berlin, 11. November 1012. Der Führer hat fol­genden Aufruf an das französische Volk gerichtet:,

Franzosen! Offiziere und Soldaten der französischen Wehrmacht! Am 3. September 1930 wurde durch die englische Regierung ohne Grund, und ohne jede Ver­anlassung Deutschland der Krieg erklärt. Es ist damals leider den verantwortlichen Arrangeuren dieses Krie­ges gelungen, auch die französische Regierung zu be­wegen, sich ihrerseits der englischen Kriegserklärung an- zuschlietzen. Für Deutschland bedeutete dies eine unver­ständliche Herausforderung.

Die deutsche Regierung hatte von Frankreich nichts gefordert und nichts verlangt. Sie hatte an Frank­reich keine Zumutungen gestellt, die es hätten verletzen können. Das deutsche Volk, das nun mit dem Blute seiner Männer diesem Angriff entgegentreten mutzte, hatte leinen Hatz gegen Frankreich empfunden. Trotzdem brachte dieser damit ausgelöste Krieg über zahllose Fa­milien in beiden Ländern Leid und Unglück.

Nach dem Zusammenbruch der französisch-englischen Front, die mit der Flucht der Engländer aus Dünkirchen zur Katastrophe ausartete, erging an Deutschland das Ersuchen um die Gewährung eines Waffenstillstandes.

Das Deutsche Reich hat in diesem Waffenstillstands­vertrag nichts verlangt, was der Ehre der französischen Armee hätte Abbruch tun können..Aber es muhte Vor­sorge getroffen werden dagegen, datz, wie es im Interesse der britischen Kriegsanstifter liegt, durch bezahlte Agen­ten früher oder später der Kampf würde wieder be­ginnen können.

Das Ziel Deutschlands aber war es nicht, Frankreich zu demütigen oder zu vernichten, oder das französische Weltreich zu zerstören, sondern das Ziel war im Gegen­teil, durch einen späteren vernünftigen Frieden eine all­gemeine Atmosphäre der gegenseitigen Verständigung in Europa herbeizusühren.

Seit dieser Zeit haben England und nunmehr auch Amerika versucht» wieder aus französischem Boden Fuh zu fassen, um den Krieg — so wie es in ihrem Interesse liegt — auf fremder Erde weiterzusühren. Nachdem diese Anschläge überall jämmerlich zusammcngebrochen waren, fand nun der englisch-amerikanische lleberfall auf die west -und nordafrikanischen Kolonien statt. Hier ist der Kampf infolge der Schwäche der französischen Besatzungen leichter zu führen als gegen die von Deutschland vertei­digten Küsten im Westen.

Seit 21 Stunden ist nun der deutschen Regierung be­kannt. datz in Ausweitung dieser Operation der nächste Angriff gegen Korsika zur Inbesitznahme der Insel und gegen die südfranzösische Küste stattfinden soll. Ich habe

mich unter diesen Umständen entschlichen müssen, der deutschen Wehrmacht den Befehl zum sofortigen Durch­marsch des bisher unbesetzten Gebietes an die von den englisch-amerikanischen Landungstruppen vorgesehenen Stellen zu geben.

Die deutsche Wehrmacht kommt deshalb aber nicht als Feind des französischen Volkes und als Feind seiner Soldaten. Sie hat nicht die Absicht, in diesen Gebieten zu regieren. Sie hat nur ein Ziel: jeden amerikanisch- englischen Landungsversuch im Verein mit seinem Ver­bündeten zurückzuschlagen. Marschall Petain und seine Regierung sind vollständig frei und können ihren ver­antwortlichen Pflichten nachgehen wie bisher. Es steht von jetzt ab auch einer Verwirklichung ihres früheren Wunsches, nach Versailles zu ziehen und von dort aus Frankreich zu regieren, nichts mehr im Wege. Die deut­schen Truppen sind angewiesen, durch ihre Haltung dem sranzösischen Volk so wenig als möglich Belastungen zu- zufügen. Möge das französische Volk aber bedenken, datz es durch die Haltung seiner Regierung im Jahre 1030 das deutsche Volk in einen schweren Krieg gestürzt hat, der über Hunderttausende von Familien tiefes Leid und Bekümmernis gebracht hat.

Es ist der Wunsch der deutschen Regierung und ihrer Soldaten, wenn irgend möglich nicht nur mit den An­gehörigen der sranzösischen Wehrmacht gemeinsam die sranzösischen Grenzen zu schützen, sondern vor allem auch mitzuhelfen, die afrikanischen Besitzungen der euro­päischen Völker für die Zukunft von räuberischen An­griffen zu bewahren.

Nur dort, wo durch blinden Fanatismus oder wo durch bezahlte englische Agenten dem Vormarsch unserer Verbände Widerstand entgegengesetzt werden sollte, wird die Waffe die Entscheidung erzwingen. Im übrigen werden sicher zahlreiche Franzosen den verständlichen Wunsch besitzen, von der Besatzung erlöst zu werden.

Aber sie alle dürfen überzeugt sein, datz es auch dem deutschen Soldaten lieber wäre, in seiner Heimat bei Frau und Kind oder im Elternhaus leben und friedlich arbeiten zu dürfen. Je schneller deshalb die Macht nieder­geschlagen wird, die seit 300 Fahren in Europa Staat gegen Staat hetzt und die auch Frankreich in der Ver­gangenheit so oft beraubte und augenblicklich wieder zu berauben im Begriff ist, um so früher werden die Wün­sche der besetzten sranzösischen Lande und der besetzenden deutschen Soldaten gemeinsam in Erfüllung gehen.

Alle besonderen Fragen werden im Einvernehmen mit den sranzösischen Behörden geregelt und gelöst.

11. November 1012. gez.: Adolf Hitler.

(hurdiill: Landung an der fttlantikküste unmöglich

Angriff auf TranjöfirdHIorDafriha war eine Notlösung — Der Betrug an den Sowjets

Drabtbcricht unserer Berliner Schriftleitnns

d. Berlin, 11. November. Winston Churchill hat am Mittwoch vor dem Unterhaus in London entspre­chend der Bemerkung Roosevelts, datz die Pläne für den Angriff auf das nordafrikanische Kolonialgebiet Frank­reichs bereits wenige Tage nach der Katastrophe von Pearl Harbour und später bei dem Besuch des britischen Premiers in Washington genauer besprochen worden sei, gestanden, datz der Uebcrsall aus das neutrale Ge­biet des ehemaligen Bundesgenossen lediglich eine Not­lösung angesichts der Unmöglichkeit war, eine Invasion Europas an der Atlantikkllste des sranzösischen Mutter­landes zu beginnen. Durch seine Feststellung, datz man schon seit Monaten die Vorbereitungen für den Ueber- sall auf Algerien und Marokko getroffen habe, obgleich doch nach der ersten Behauptung Roosevelts die Aktion lediglich eine Reaktion auf die angeblich deutsch-ita­lienischen Vorbereitungen zur Besetzung der nordafri­kanischen Besitzungen Frankreichs gewesen sein sollen, widerlegte Churchill die heuchlerischen Phrasen des amerikanischen Präsidenten, als dessen Assistent er sich auch heute bezeichnete.

Da di« sowjetische Presse auf Anregung Stalins wei­terhin alle Nachrichten über das Afrikauntemehmen der Alliierten auf die vierte Seite verbannt, widmete Chur­chill dem betrogenen sowjetischen Bundesgenossen einige trostvolle Worte: „Ich erkenne die Berechtigung all draen an. was Stalin in seiner, letzten Rede 'in bezug au, di« ungeheure Last sagte, die der Sowjetunion anf- geburdet wurde. Alles das. was Stalin über diese in grr keinem Verhältnis stehende Bürde gesagt hat, ist vollkommen wahr. Aber" — und nun beginnt das Ein- gegandnis, datz der lleberfall auf Algerien und Marokko

eine Notlösung war — „wäre es eine Entlastung für die Sowjets gewesen, wenn wir einen Angriff über den Aermelkanal oder wenigstens ein Dutzend Unternehmun­gen wie Dteppe durchgeführt hätten und wenn wir dann ein oder zwei Wochen später ein zweites Dün­kirchen zu verzeichnen gehabt hätten?" Ein Fehlschlag dieser Art hätte der Sowjetunion nicht im geringsten geholfen. Churchill versuchte klar zu machen, datz ein Angriff über den Aermelkanal oder durch di-e Nordsee schon allein darum unmöglich sei, da er „ungeheuere Massen von Speziallandnngsbooten und eine große Armee erfordert, deren jede einzelne Division sür den Amphibienkrieg ausgebildet sein mutz". Dies alles aber habe man aus alliierter ■ Seite nicht verfügbar. „Es wäre für mich autzerordentlich unehrenhaft erschienen", so versucht sich der Premier vor seinen Kritikern zu rechtfertigen, „wenn ich zugelasien hätte, daß der Druck der öffentlichen Meinung oder rein gefühlsmätzige Empfindungen mich auf eine derart unkluge Bahn ge­worfen hätten, wie sie ein überstürztes militärisches Abenteuer darstellt." Er müsse zugeben, datz er den Sowjets falsche Hoffnungen eingeflötzt habe, aber auch in Moskau müsse man doch einsehen, datz er dies ledig­lich zur Täuschung des Feindes getan habe. Selbst Sta­lin, dessen Vorwürfe sehr gerechtfertigt seien, müsse Ver­ständnis für die Hindernngsgründe einer Invasion Eu­ropas haben.

Die Vorwürfe des Ilnterhwufes. datz Churchill als britischer Premier nach London und Washington ge­reist sei, während es weder Roosevelt noch Stalin iür notwendig angesehen hätten, in London zu er­scheinen, vernichte Churchill durch die Zitierung „geographischer Schwierigkeiten" abzulenken. Wie er

schon in seiner gestrigen Rede im Mansion-Honfe starke Frontstellung gegenüber den Kritikern bezog, die in seinem Verhalten Abbauerscheinungen des Empire er­blicken wollten, so behielt er jetzt vor dem Unterhaus diese Linie bei. Präsident Roosevelt habe nicht die Möglichkeit gefunden, so erklärte er, die Vereinigten Staaten zu verlassen, ebenso wenig wie Stalin'die Sowjetunion habe verlassen können. Das parlamen­tarische Publikum zeigte sich jedoch von dieser Rechnung wenig beeindruckt, anscheinend weil es der Ansicht war, datz eine Reife von London nach Washington und zu­rück den gleichen geographischen Schwierigkeiten gegen­übersteht. wie einer Reise von Washington nach Lon­don und zurück.

In den späten Abendstunden des Mittwoch lag die Rede Churchills noch nicht vollkommen vor, in dem bisher vorliegenden Teil jedoch hat der britische Pre­mier nicht den voreiligen Juvelton angeschlagen, mit dem die anglo-amerikanische Presse die ersten Fort­schritte und Landungen in dem französischen Kolonial­gebiet feierte. In der britischen Presse zeigt sich heute, datz di« deutsch-italienische Aktion zum Schutz der fran­zösischen Mittelmeerküste und Korsikas in London er­hebliche lleberraschung hervorrief. Hatte schon die Tat­sache, datz die Luftwaffe der Achsenmächte in ununter­brochenem Angriff aus die englische und amerikanische Flotte vor Algier angesetzt war und unsere U-Boote die Schisssverbände angriffen, in militärischen Krei­sen Londons die Befürchtung aufkommen lasten, datz die Achsenmächte zu starken Eegenschlägen ausholen können, so ist man sich nun darüber klar, datz durch die jüngsten Maßnahmen die Pläne zu einem Angriff auf die Mittelmeerküste zwischen Italien und Spanien endgültig durchkreuzt sind.

Atqe&m, Jim. jjiatokka

Von K. v. Ungern-Sternberg

Der französische nordasrikanische Kolonialbesitz, d. h. Algerien, Tunis und Marokko, gegen den sich der bru­tale Angriff der Vereinigten Staaten rund Englands richtet, ist kein einheitlicher Verwaltungsbezirk, er weist auch vom staatsrechtlichen Standpunkte aus betrachtet bedeutsame Unterschiede auf. Die älteste Kolonie Frank­reichs auf afrikanischem Boden ist Algerien. Die Eroberung dieses Gebietes begann schon 1830 unter dem König Louis Philippe. Es dauerte 17 Jahre, ehe es Frankreich nach erbitterten Kämpfen gelang, den alge­rischen Freiheitshelden Abd el Kader endgültig zu be­siegen und seine Herrschaft bis zu den Grenzen der Sahara zu befestigen. Um nun Algier enger mit dem Mutterlande zu verbinden, wurde es direkt dem Innen­ministerium unterstellt. An der Spitze der Verwaltung steht ein Eeneralgouverneur, dem Präfekten beigegeben sind. Der Süden Algeriens, dek sich über die Wüste er­streckt, steht unter Militärverwaltung. Die Verfastung der Kolonie geht auf das Jahr 1882 zurück. Darin wurde angeordnet, datz das Parlament sich nur um die handelsrechtlichen Fragen zu kümmern habe, während sich der Senat alle politischen und militärischen Pro­bleme Vorbehalte, die durch ein kaiserliches Dekret (es war die Zeit Napoleons III.) geregelt werden sollten. . Nachdem sich der französische koloniale Besitz immer weiter über die Erde ausbreitete, wurde 1801 unter Delcasts das Kolonialministerium in Paris gebildet, zu dem aber weder Marokko noch Tunis gehörten, die aus­drücklich der Verwaltung des Autzenministermms am Quai d'Orsay unterstellt wurden. Damit wollte man ihren Charakter als Protektorate unterstreichen. Die Besetzung von Tunis durch die Franzosen in den Jahren 1880 und 81 hat sehr viel Staub aufgewirbelt. In Tunis herrscht der Bey mit dem Titel „Hoheit", der aber nur eine dekorative Figur ist, die Regierungs­gewalt liegt ganz in den Händen des französischen Resi- .dcwten und seines Stabes von Beamten. Tunis hatte bei der letzten Volkszählung vom Jahre 1931 2110 692 Ein­wohner, davon waren 2 189181 Mohammedaner, 86 212 Juden, 91127 Franzosen, 91178 Italiener und 8 613 Mal­teser. Die Italiener beanstanden diese Statistik, sie wei­sen darauf hin, datz es gemäß der „Statistique Generale de la Tunesie" 1881 zur Zeit der Besetzung durch die Franzosen 11 206 Italiener, 7000 Malteser und nur 708 Franzosen in Tunis gab. Zur Zeit der.Volkssrontregie- rung in Frankreich war Tunis ein gefährlicher Unruhe­herd, in dem sich einerseits mit Hilfe'der Juden die Kom­munisten eingenistet hatten und andererseits unter den Mohammedanern die „Los-von-Frankreich-Vewegung" unter Leitung der Destour und Reo-Destour begonnen hatte.

' Die Besitzergreifung von Marokko ist später er­folgt, erst seit dem 30. März 1912. Erst seit diesem Datum beansprucht Frankreich das Recht, als Schutz­macht über den größten Teil des Sherifenreiches in einer Ausdehnung von 130 000 Quadratkilometer mit 3 V 2 Millionen Einwohnern zu gelten. Gründer der französischen Herrschaft ist der Marschall Lyautey, der im März 1912 in Fez einrückte und den 'Sultan zur Unterwerfung zwang. Die französische Marokkopolitik hat die Kabinette Europas oft in helle Aufregung ver­setzt und die Welt an den Rand des Krieges geführt. Es genügt, an die Landung Kaiser Wilhelms 1906 in Tanger zu erinnern und an seine Ansprache, in der er den Sultan als unumschränkten Souverän bezeichnete: auch der Panthersprung nach Agadir sei erwähnt. Del- casss wurde gestürzt, und in den Konferenzen von Alge- ciras wurde der Friede mühsam zusammengeflickt. Aber auch Spanien war auf den Plan getreten und ver­langte seinen Anteil, und so wurde denn Marokko in eine französische und in eine spanische Protektionszone aufgeteilt. Spanien erhielt das Rifgebiet, Tetuan, Eeuta, Melilla und Larache. Während des Krieges hat Spanien auch die bis dahin internationale Zone von Tanger seinem Besitz hinzugefügt.

Ebenso wie in Tunis herrscht in Marokko ein Sul­tan, Muhamed Aber der französische Oberkommandie­rende und Eeneralresident General Roguös mit seinem Stab führt praktisch die Regierung. Jedoch ist die Stel­lung des Sultans eine andere als die des Bey von Tunis. Er ist in Eingeborenenangelegenheiten die höchste Autorität, er unterhält feine eigene Ehrenaarde. Die Franzosen bemühen sich in jeder Weise, mit ihm in Einvernehmen zu leben. Er ist mehr als eine Schach- in den Händen der Franzosen. Das marokkanische Militär, das za auch im ersten Weltkrieg an der Seite °o^t?ranzosen stand, verhält sich Frankreich gegenüber

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Unser Tagesspiegel

Der Führer richtete einen Aufruf an das franzö­sische Volk.

Die Achsentruppen haben die bisherige Demarka­tionslinie des unbesetzten Frankreich überschritten, um die sUdfranzösische Küste gegen den Roosevelt- Lhurchill-Plan zu verteidigen.

Im Nordatlantik erzielte ein deutsches Unterseeboot einen Torpedotrefser aus ein britisches Schlacht­schiff.

Die amerikanischen und britischen Landungstruppen wurden vor Nordasrika weiterhin erfolgreich von unseren Luftstreitkräften bekämpft.

Die Mehrarbeitsvergütung an Angestellte ist ne« geregelt worden.

Die Landesgruppe Bremen der Kleintzärtncr hat für die Lazarette wiederum Gemüse und Obst ge­stiftet.

Zu Weihnachten gibt es für Erwachsene. Wehr­machtsurlauber und Kinder mannigfache Sonderzu­teilungen.

Kommerzienrat Röchling, Völklingen/Saav, dessen Firmen mit Bremen in besonders enger Verbin­dung stehen, wird heute 70 Jahre.