Ausgabe 
(27.6.1943) 176
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parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Negierenden Bürgermeisters der Zrcicn fjanfcftaöt Bremen

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üer Tlationairo3ialiflten Bremens

pmtlidies verkündungsblatt des Nciüisstatthalters in Oldenburg und Bremen

Nr. 176 . 13. Jahrgang

TTlontag, 28. Juni 1943

kinzelpreis 15 Rpf.

England bat das Recht verwirkt,

im Hamen der Kultur zu spredien

Das amerikanische Kriegsinformationsamt Jammert über die Stärke der deutschen Luftabwehr

DrahtberiKt unserer Berliner Schriftleirung

808 . Berlin, 27. Juni. Auch heute bricht die Kette der anglo-amerikanischen Eingeständ­nisse über die Wirksamkeit der deutschen Luftabwehr nicht ab. Wenn wir uns auch be­wußt sind, daß der Feind noch keineswegs so weit ist, daß er zur Einstellung seiner , barbarischen Terrorangriffe gezwungen wäre, so beweisen doch diese immer zahlreicheren Stimmen, die sich so bezeichnenderweise von dem bisherigen Triumphgeschrei in London und Washington abheben, ein wie erheblicher Wandel schon heute auf diesem Sektor der Kriegführung aus der Feindseite vor sich ge­gangen ist. Besonders bezeichnend hierfür ist ist aber eine Erklärung des USA.-Kriegs­informationsamtes, da ihr offizieller Charak­ter zukommt. In der betreffenden Meldung heißt es zunächst, daß anglo-amerikanische Bomber sechs Tage und Nächte lang Städte in West- und Nordwestdeutsch.land bombar­diert hätten. Dann aber kommt alsbald das Eingeständnis der Stärke der deutschen Ab­wehr. Wörtlich heißt es hier: „Nach in Lon­don eingegangenen Berichten sind jetzt in den von uns bombardierten Gebieten mehr als 1000 Jagdflugzeuge und 30 000 Flugabwehr­kanonen zusammengezogen worden. Diese Versteifung der Verteidigung hatte Erfolg. Denn die Verluste der Briten und Nord­amerikaner in der vergangenen Woche waren außerordentlich schwer." Trotz dieses Ein­geständnisses von der „außerordentlichen Schwere der Verluste" wagt das USA.- Kriegsinformationsamt nicht, die wahre Höhe der Verluste mitzuteileu. Es wird viel­mehr nur ein Teilgeständnis gemacht, indem man erklärt, daß in dieser Zeit 173 Bomber, davon 38 amerikanische, verlorengegangen seien.' Wie weit diese Angaben hinter den Tatsachen zurückbleiben, zeigen die Berichte des OKW., die täglich die erzielten Abschuß­ziffern in genauen Zahlen angaben.

Auf die Bitterkeit dieser Eingeständnisse versucht die gegnerische Agitation ein Pflästerchen zu legen, indem sie die Behaup­tung aufstellt, das deutsche Kriegspotential würde durch die Terrorangriffe entscheidend absinken. Ein solches Ergebnis kann der Feind schon deshalb nicht erzielen, weil er seine Angriffe sehr viel weniger gegen kriegswichtige Ziele richtet als vielmehr gegen die Wohnstätten der Zivilbevölkerung.

’ Er wünscht auch keineswegs auf den damit verbundenen Terror, zu verzichten, der im Gegenteil die ausgesprochene Absicht seiner Mordangriffe darstellt, mit deren Hilfe er die Heimat zu zermürben hofft. Nichts könnte dieses Ziel des Gegners deutlicher beweisen, als der Kindermord von Bochum und neben ihm die scheußliche Menschenjagd, die von den anglo-amerikanischen Gangstern über ita-, lienischem Gebiet betrieben wird. Gerade' hier zeigt sich mit am klarsten, daß der Feind hofft, durch das Mittel dieses widerlichen und unmenschlichen Terrors die Stimmung der Bevölkerung und damit ihre Abwehrbe­reitschaft entscheidend treffen zu können. Ita­lien erscheint ihm noch immer als das ge­eignetste Versuchsfeld für dieses erbärmliche Experiment. Jnfolgedesien werden hier im Tiefflug Schulkinder beschosien, Mütter mit kleinen Kindern förmlich gejagt und wehr­lose Autoinsassen von ganzen Flugzeugver­bänden als Zielscheiben benutzt. Ueber diese Angriffe äußerte der Bischof der sardinischen Stadt Alghero, desien Sitz" und Dom ebenso wie die Häuser der Bewohner zerstört wur­den, gegenüber den Vertretern der Presse: „Dn Gedanke, die Menschen durch Terror beugen zu wollen, kann nur von den Eng-

Hauptdienstleiter Fritf Schmidt tödlich verunqlüdit

Berlin, 27. Juni. Die NSKK. meldet: Der Leiter des Arbeitsbereichs der NSDAP, in den Niederlanden und Generaltommisfar für die besetzten niederländischen Gebiete, Hauptdienstleiter Fritz Schmidt, ist auf einer Dienstreise in Frankreich tödlich verunglückt. Der Führer hat für den Verstorbenen ein Parteibegräbnis angeordnet.

ländern und Amerikanern kommen . . . Ich sage ihnen, es gab keine Möglichkeit eines Irrtums. Die Flugzeuge suchten keine mili­tärischen Anlagen (die es in dem betrreffen- den Gebiet auch gar nicht gibt), sie suchten ausschließlich Wohnungen, Geschäfte und Kir­chen". Dürfte schon gegen dieses Zeugnis nicht leicht ein Einwand möglich sein, so findet es seine Ergänzung noch durch ein eigenes britisches Eingeständnis, das in der „Tribüne" zu lesen war und wo es hieß: „Unzweifelhaft ist das britische Gewissen von einer geradezu unvorstellbaren Elastizität. Der Krieg scheint unser Moralgefühl verzerrt zu haben." Einer solchen Feststellung aus englischem Munde bleibt wohl kaum etwas hinzuzufügen.

Daß man sich bei dem Gedanken an die Terrorangriffe gegen Deutschland und Ita­lien heute insbesondere in England noch sehr wohl fühlt, dürfte jedoch aus all diesen Gründen nicht wahrscheinlich sein. Immer stärker drängt sich bei den gegnerischen Erör­terungen der Gedanke auf, daß England und

die USA. hier mit dem Feuer spielen und daß der Tag nicht mehr allzu fern ist, wo sich das englische Volk plötzlich der schwersten und wirkungsvollsten deutschen Vergeltung gMenübersieht. Dieser Gedanke liegt für die Engländer um so näher, als sie ganz genau wißen, daß die Achse genügende Reserven besitzt, um jeder Aktion des Gegners erfolg­reich begegnen zu können. Außerdem weiß man aber im feindlichen Lager auch, daß der Luftkrieg keineswegs die Entscheidung her­beizuführen' vermag. Erst soeben stellte der ehemalige britische Kriegsminister Hoare Be- lisha wiederum fest, daß es, um einen mili­tärischen Sieg zu erringen, nach wie vor eine unbestreitbare Notwendigkeit .bleibe, zuerst einmal die deutsche Wehrmacht nieder­zuzwingen. In dieser Beziehung hütet man sich wohlweislich vor hoffnungsfreudigen Prophezeiungen.

Die Entgegnung, die man auf englischer Seite gegenüber den Feststellungen von Reichsminister Dr. Goebbels in München und "Reichspressechef Dr. Dietrich in Wien findet, klingt denn auch äußerst schwach. Hier

erklärte der Londoner Sender am 27. Juni: „Wir verkennen gewiß nicht den Anteil, den Deutschland tatsächlich an der kulturellen Entwicklung Europas besitzt. Wir wissen je­doch, daß es am allerwenigsten das jetzige Deutschland ist, noch das Deutschland vor dem Kriege, sondern das - Deutschland Friedrich des Großen, dem diese Verdienste zukom­men." Der Trick, den man hier wieder ein­mal versucht, ist allzu plump, als daß er verfangen könnte. Die Engländer waren immer bereit, unsere Vergangenheit zu loben, um uns in der Gegenwart um so besser ver­neinen und vernichten zu können. Es ist der Versuch, auch heute noch den Anschein der Objektivität zu wahren und sich zum Richter aufzuspielen, der hier von England noch ein­mal unternommen wird. Aber heute steht England selbst vor seinen Richtern. Denn es ist lächerlich, von Kultur sprechen zu wollen^wenn man den Mord zum Handwerk macht und das Verbrechen zur Sitte. Eng­land hat längst das Recht verwirkt, jemals wieder im Namen der Kultur und der Ge­sittung sprechen zu dürfen.

Wie steht es um Italiens Mittelmeergrenze?

Zur Verteidigung wie zum Gegenstoß sind alle militärischen Mittel vorhanden

Draütbericht unseres Vertreters

»n. v. I. Rom, 27. Juni. Eine Reihe von Umständen spricht nach römischer Ansicht, der auch die hiesige Presse Ausdruck gibt, dafür, daß der Feind augenscheinlich bald versuchen werde, seine seit zwei Jahren bestehenden, bisher immer gescheiterten Jnvasionspläne gegen das europäische Festland nun im Mit­telmeer in die Tat umzusetzen. Man schließt dies u. a. aus den Bereitstellungen von Lan­dungstruppen und Kampfmitteln in den Häfen Nordafrikas und Kleinasiens, soweit sie sich im englischen Besitz befinden, aus der britischen Flottenkonzentration im Mittel­meer, aus der gesteigerten Terrortätigkeit der britisch-amerikanischen Luftwaffe gegen die Städte Siziliens, Sardiniens und Südita­liens und schließlich aus dem gesteigerten Zuzug von Generalen, Politikern und son­stigen Personen aus dem angelsächsischen Läger zu dem Bereitstellungsraum.

Bei dieser Lage im Vorfeld Südeuropas hat die Frage „Wie steht es um Italiens Verteidigung?" eine über den Mittelmeer­raum hinausgreifende Aktualität gewonnen. Diese Frage wurde zum erstenmal im Laufe des Mittelmeerkrieges aktuell, als am 8. No­vember des vorigen Jahres Amerikaner und Briten mit dem Ueberfall auf Algerien in das Westmittelmeer eindrangen. Damals wurde die Frage dahin beantwortet, daß zum Ausbau der Verteidigung eine längere Zeit benötigt wurde. Dieser notwendige Zeit­gewinn wurde im Tunesienfeldzug dank des heroischen Einsatzes unserer Afrikakämpfer mit fast 8 Monaten herausgeholt. Die Vor­bereitung der Verteidigung beanspruchte auch aus dem Grunde ihre besondere Zeit, daß die britische Admiralität infolge Er­fahrungen aus dem vergangenen Weltkrieg genau über die Küsten-Topographie Italiens informiert ist.

Heute .nach Verstreichen dieser acht Mo­nate, wird nun in der italienischen Oeffent- lichkeit die Frage nach der Stärke der-Ver­teidigung Italiens bei einem Jnvasions- verfuch überzeugt mit der Feststellung beant­wortet, zur Verteidigung wie zum Gegen­stoß seien jetzt alle militärischen Mittel vor- haitden. Die Verteidigungsstellungen seien vervollständigt und vermehrt worden. Zahl und Beschaffenheit der Kampfmittel reichten für die Aufgabe aus. Dabei werden insbe­sondere auch der Anteil Deutschlands und die deutschen Leistungen mit Truppen- und Kampfmittelentsendungen sowie die deutsch­italienische Zusammenarbeit in den Vorbe­reitungen genannt. Die im Mittelmeerraum von 1. bis 25. Juni erlittenen Verluste der britisch-amerikanischen Luftwaffe mit 314

zum größten Teil schweren Flugzeugen wird als Beweis der verstärkten Abwehr ange­sehen. Mehr als zwei Drittel dieser Verluste (215 Flugzeuge) wurden dem Gegner durch die deutschen und italienischen Jäger zuge- sügt. Bekanntlich hatten die Angelsachsen nach dem Fall von Tunis, nach entsprechen­den Andeutungen ihrer Presse, ihre Pläne mindestens zu einem Teil auf die Annahme des angeblichen „Nichtvorhandenseins" der Jagdwaffe der Achse gegründet, wobei die Verhältniszahl der in Nordafrika auf bei­den Seiten eingesetzten Jäger angeführt wurde. Die Entwicklung im Luftraum über Italien und seinen Inseln während des Mo­nats Juni hat diese Annahme nicht bestätigt. - Für den tatsächlichen Fall eines Jnva- sionsversuches gegen italienisches Gebiet hat der Feind darüber hinaus mit dem Einsatz der strategischen Reserven der Achse zu rech­nen, die das Zahlenverhältnis noch stärker wandeln würden. Ein wesentliches Element in der Beurteilung der Abwehr eines Jnva-

sionsversuches ist endlich in der Haltung der italienischen Bevölkerung in den nach ihrer Lage exponierten Gebieten, zumal auf den Inseln, gegeben. An Hand zahlreicher Be­richte in der italienischen Oeffentlichkeit aus den bombengeschädigten Plätzen wird weiter beschildert, wie sich Haß- und Kampfbereit­schaft gegen die Terroristen und Invasoren mehren. Selbst im alliierten Hauptquartier in Nordafrika scheint man sich über die Stim­mung unter den Italienern nicht gerade Illusionen zu machen. Symptomatisch dafür sind die anläßlich des kürzlichen Besuches König Georg VI. in Tripolis getroffenen Vorsichtsmaßregeln. Dem Zeugnis des „Daily Telegraph" zufolge hatten es die britischen Besatzungsbehörden für nötig be­funden, die gesamte Bevölkerung hermetisch in die Häuser einzuschließen, vor jedem Haus Posten aufzuziehen und die Terrassen, Stra­ßen und Dächer durch Truppen schärfsten? bewachen zu lassen. Diese Maßnahmen sprechen für sich.

Industrieziele an der Wolga bombardiert

Elt Transporter und ein Tanker im Mittelmeer getroffen

Aus dem Führerhauptquartier, 27. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt be­kannt: Bei Wilikije Luki wurden

mehrere, von Panzern unterstützte Angriffe der Sowjets durch das zusammengefaßte Feuer aller Waffen zerschlagen oder in hefti­gen Nahkämpfen abgewiesen. An der übrigen Ostfront verlief der Tag ohne besondere Er­eignisse. Im L a g u n e n g e b i e t des Kuban und an der Murman-Küste versenkte die Luftwaffe eine größere Anzahl feindlicher Nachschubboote, zwei Küstenfahrzeuge und ein Räumboot. In der vergangenen Nacht wur­den Jndustrieziele im Mündungsgebiet der Wolga bombardiert.

Im westlichen M i t t e l m e e r griffen deutsche und italienische Fliegerverbände ein feindliches Geleit in mehrfachem Ein­satz an. Nach den bis jetzt eingetroffenen Meldungen wurden elf große Transporter schwer getroffen. Ein Tanker geriet in Brand. Bei Tagesvorstößen britisch-nordamerikani­scher Bomber- und Jagdfliegerverbände ge­gen die besetzten West gebiete verlor der Feind 14 Flugzeuge. Ein deutsches Jagd­flugzeug kehrte nicht zurück. Einzelne feind­liche Flugzeuge unternahmen in der vergan­genen Nacht Störfliige im westlichen und nordwestlichen Reichsgebiet, Bomben­würfe wurden bisher nicht festgestellt."

*

Ein vor der nordafrikanischen Küste fah­rendes feindliches Schiffsgeleit war am

26. Juni das Angriffsziel deutscher und ita­lienischer Fliegerverbände. In den Nachmit­tagsstunden stießen die ersten Kampfflug­zeuge auf die im Seegebiet vor B i s e r t a stehenden Schiffe und griffen sie unverzüg­lich mit deutlich erkannter Wirkung an. Ein großes Handelsschiff von 10 000 bis 15 000 BRT. erhielt drei Treffer, worauf sich Brände mit starker Rauchentwicklung zeigten. Auf einem zweiten Handelsschiff von rund 10 000 BRT. wurde ein Volltreffer mitt­schiffs erzielt. Nach Detonation der Bombe erfolgte eine heftige Explosion im Schiffs- innern, die sich nach außen durch einen rie­sigen Rauchpilz bemerkbar machte. Ein drit­tes Handelsschiff von 4000 bis 5000 BRT. zeigte Rauchenkwicklung nach Treffern neben dem Heck. Hart an der Bordwand eines vierten Handelsschiffes von gleicher Größe lagen zwei Bombeneinschläge, die ebenfalls von guter Wirkung waren. Als fünftes Schiff geriet ein Tanker nach Treffern in Brand. Dem Geleitzug wurde auch in der herein­brechenden Nacht zum 27. Juni keine Ruhe gelassen. Unablässig hagelten die Bomben der Kampfflugzeuge, deren Zahl sich inzwi­schen noch verstärkt hatte, auf die feindlichen Schiffe heran. Ein Handelsschiff von 6000 BRT. und eines von 3000 BRT. erlitten schwere Beschädigungen, nachdem sie je von drei Bomben getroffen worden waren. Wei­tere Bombentreffer wurden auf einem Han­delsschiff von 2000 bis 3000 BRT. und drei Frachtern unbekannter Tonnage beobachtet.

Riesenprofite englifcher und amerikanilcher Kriegsgewinnler

überlegene „Geschäftstüchtigkeit " der Yankees — Unaufhaltsamer Niedergang der britischen Schiffahrt

Drahtbericht unterer Berliner Schriftleitung

. goe. Berlin, 27. Juli. „Hunderttausende, ja in der Tat sogar Millionen englischer Män­ner und Frauen sehnen sich nach einer Ab­lösung der'konservativen in England", stellt die britische Zeitschrift „New Statesman and Natron" in einer Betrachtung zur innenpoli­tischen Lage fest. Der Kern dieser Untersu­chung wurzelt in der Erkenntnis, daß die

Konservativen die breite Masse des Volkes bereits nach dem ersten Weltkriege irreführ-

« n - v süßtet das englische Volk mit

Recht, daß dieses Betrugsmanöver sich am

Ende des heutigen Krieges wiederholen wird. Damals habe man die Masse des englischen Volkes mit Versprechungen gefüttert, die dann später nicht gehalten wurden. Da soll­ten „Heimstätten für Helden" geschaffen wer­ben. die Beseitigung der Arbeitslosigkeit

wurde zugesagt und der Aufbau einer inter­nationalen Ordnung versprochen, die einen Krieg für alle Zeiten ausschließen sollte. Stattdessen hätten die gleichen Konservativen Not und Elend über das englische Volk kom­men lassen. Sie hätten ihr. auch diesen neuen Krieg nicht erspart. Dem gemeinen Manne erschienen seine Befürchtungen in dieser Be­ziehung um so berechtigter, als heute wie damals die englische Innenpolitik in den Händen „mit allen Wassern gewaschener Ge­schäftsleute" liege. Diese Leute würden sich heute wiederum auf die Geschäfte stürzen, die sie sich vom Kriege versprechen.

Die absolute Berechtigung dieser Klage wird deutlich, wenn man an den Beveridge- Plan denkt, durch den dem englischen Ar­beiter alles nur Denkbare versprochen wurde, während doch heute schon feststeht, daß dieser

Plan niemals Wirklichkeit werden wird. Um­so handfester und realer sind aber die Ge­winne der konservativen Geschäftsleute in England. Gerade eben konstatiert die Zeit­schrift „Tribüne", daß britische Werften an den Kriegsschiffen, die sie heute bauen, bis zu 80 Prozent verdienen. Noch schlimmer ver­halten sich die Dinge nach dieser Veröffent­lichung in den USA., wo Schiffseigentümer auf Kosten der Pacht- und Leihmittel Rein­gewinne bis zu 600 Prozent einstreichen. Diese sensationellen Feststellung gründet sich auf die amtlichen Unterlagen des Unter­suchungsausschusses für Fragen der Handels­marine im USA.-Oberhaus. Die Untersu­chung ergab, daß Gewinne in diesem Um­fange von amerikanischen Sckuffseigentiimern für hie während der kritischen Monate im Frühjahr und Herbst 1941 durchgeführten

Transporte zum mittleren Osten erzielt wur­den. Bei 90 Fahrten, die 81 private ameri­kanische Handelsschiffe in jener Zeit nach dem Mittleren Osten unternahmen, hätten die reinen Unkosten der Schiffseigner 1,1 Millionen Pfund Sterling betragen, während sie sich dafür 7,6 Millionen Pfund Sterling bezahlen ließen. Mithin habe ihr Gewinn 6,5 Millionen Pfund Sterling betragen. „Tribüne" bemerkt dazu, die Reeder könnten sowohl in Amerika als auch in England mit diesem Krieg „prächtig zufrieden" sein. Chur­chills Wort vom „reizenden Krieg" war also offenbar für die englischen Geschäftsleute bestimmt, denen gegenüber es einen Wink bedeute, daß die Gelegenheit da sei, mehr als jemals zu verdienen. Besorgt stellt „Tribüne" die Frage, ob die englische Bevölkerung am (Fortsetzung auf Seite 2)

U-Boa'-dämmetÜHq?

Dichtung und Wahrheit im Bild der Tonnageschlacht

Von Dr. Otto Herrmann

In der britischen Karikatur lebt das deutsche Unterseeboot als riesiger Hai, der alles verschlingt, was ihm begegnet. Dieses „alles" ist die britisch-amerikanische Tonnage, von der wir bereits über 31 Millionen BRT. versenkten. Schon wenige Monate nach Aus­bruch des Krieges hat Churchill das deutsche U-Boot totgesagt. Inzwischen ist man drüben in solchen Behauptungen bedeutend vor­sichtiger geworden. Die U-Boot-Eefahr ist für die feindlichen Seemächte das Problem die­ses Krieges, der Kampf um die Seeverbin­dungen der entscheidende Schlüssel zu Sieg oder Niederlage.

Die schweren Schläge, die Britannien und USA. in dieser nach Raum und Zeit längsten und schwersten Schlacht der Weltgeschichte dauernd einstecken müssen, sind einzeln gewiß nicht tödlich, wie es eine verlorene Seeschlacht vergangener Zeiten sein konnte. Aber der dauernde Aderlaß des Tonnageverlustes ist für die Seemächte ein langsamer, unheim­lich schleichender Tod. Alle Niederlagen und Verluste, das Ende zahlloser Bundesgenossen, die deutsche Besetzung ganz Europas, das Zer­bröckeln des Empire, alles glaubte England einstecken zu können. Länder kann man zu­rückgewinnen, wenn man sich nur selbst be­hauptet. Aber der Tonnageschwund zehrt am eigenen Lebensmark. Darum ist er die größte Kriegssorge Englands.

Es wäre deshalb auch verständlich, wenn die Reaktion der britischen und amerikani­schen öffentlichen Meinung auf die jüngste deutsche Zurückhaltung im U-Boot-Krieg sich nur an das Ausbleiben deutscher Sondermel­dungen hielte und hierin voll Triumph die Wirkung eigener gesteigerter Abwehrtätig­keit erblicken würde. Natürlich ertönen in dem widerspruchsvollen Propagandakonzert unserer Egener auch solche Stimmen, die eine Ausschaltung der U-Boot-Eefahr glau­ben machen möchten.

Neben dem scheinbaren Rückgang der Ver­senkungsziffern, die ja nur im Vergleich zu den außergewöhnlich hohen Ergebnissen des Frühjahrs als klein angesehen werden kön­nen, im Zusammenhang der ganzen Atlantik­schlacht aber durchaus den Durchschnitt hal­ten, nehmen die britisch-amerikanischen Op­timisten die verstärkte Abwehr als Beleg ihrer Meinung in Anspruch. Voll Stolz wei­sen sie darauf hin, daß bei den letzten Ge­leiten die Zahl der Bewacher größer gewesen sei, als die der. bewachten Handelsschiffe.

Die Deckungsgräben

bieten einen ausgezeichneten Splitter­schutz, wie die Erfahrungen der letzten Wochen beweisen. Insbesondere bei FlakbeschuS — gerade auch bei Tagesangriffen — sollte jeder Volksge­nosse den ihm zunächst liegenden Deckungsgraben aufsuchen. Wird er während eines Angriffs außerhalb von Schutzraum oder Deckungsgraben — so­weit sein Aufenthalt nicht dienstlich be­gründet ist — verletzt, kann die Kran­kenkasse Zahlung wegen fahrlässiger Handlungsweise verweigern.

Dabei vergessen sie freilich, daß diese Tat­sache nur die Stärke der U-Boot-Eefähr be­legt, nicht etwa ihre Beseitigung und daß dieser verstärkte Kriegsschiffseinsatz im Han­delskrieg eigentliche Seeoperationen unmög­lich macht.

Jedes im Geleitdienst fahrende Kriegsschiff fehlt im Potential geplanter oder gewünsch­ter kriegerischer Unternehmungen. Keine In­vasion. wo immer sie auch anqesetzt werden sollte, ist selbst in den kühnsten Träumen unserer Gegner > in so kurzen Zeiträumen möglich, daß während ihres Ablaufes der normale Eeleitzugsverkehr unterbleiben oder auch nur wesentlich gedrosselt werden könnte. Es sei denn, man beabsichtige, die Erfahrun- gen von Dieppe zu wiederholen. Alles dies wissen die Engländer, und ihre Propagan­disten haben überdies immerhin eine genll- rü n ^/i^ ttre Kenntnis der Lage, um optimisti- M Erklärungen über die Entwicklung der Schlacht auf den Meeren nur sehr skeptisch aufzunehmen und wiederzugeben.

senöe . ruhige Zurückhaltung d. Achse auf allen Fronten. Daß auch Döni schweigt, dessen Genialität und Aktivität d Seemächte mehr fürchten, als alles andere - wo man doch als Folge seiner Berufung zu Oberbefehlshaber der Kriegsmarine heftigf Offensiven im U-Boot-Krieg erwartet hat —. ^iten und Amerikaner völlig ve

wirrt. Wir haben natürlich kein Jnteres daran, dem hilflosen Rätselraten auf d Spur zu helfen. Wir überlassen unseren Ge. nern auch gerne den Vorrang der viele Worte. Denn der Vorrang der Taten kiel uns auch dann mehr, wenn wir in sieitc sorgfältiger Vorbereitungen die Welt einm, auf Zeichen unserer Aktivität warten lasse Amüsant ist es allerdings, daß in de bei SBortfttßtegie ber önbfrcn a legentlich auch einmal sich Stimmen en schleichen, die mehr nüchterner Betrachtur der Lage als blühender Phantasie entsprii Hierher gehört zum Beispiel ein besor, ter Aufsatz aus „Economist". der sich mit d! Gefahr von See her beschäftigt. Der Tenc dieses Aufsatzes lautet: Der Krieg kann vo England und Amerika auf See verlöre werden. Dieser Erkenntnis liegt die Einsick zugrunde, daß die Entscheidung zur See fa len muß. Das Fazit der pessimistischen B> trachtungen lautet denn auch: „Mit Defei stvmaßnahmen allein wird die Katastropk nicht abgewehrt. Das einzige sichere Mitte diesen Kampf zu gewinnen, liegt darin, dc