Ausgabe 
(15.6.1943) 164
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Erscheint 7mal chentttck

M°n°l-dk,llg 2 .SV RM ciuftkügkbühi.

V-ftr-,ui,,ptt«, monatlich r.sv RM leinlchl ro.l Rot PoK,ettung»g-bühr> ,uz 2 z> «z Bestellgeld Postscheck: Hamburg 17 272 Snzel» genprelse und «usnahmebedlngungen lt Pret,. liste, »usnahmetermin, ohn, Verbindlichkeit.

vremerWuny

Geschäftsstellen:

Bremen: Leeren S/st Ru, 2 IS»l. -i-chlru, u sonntags 217 SS- Obernftr 88 . Rus 2 ISS 1 : Sqke: Mühlenbamm 2 : Br-Hemeltngen: Bahn- hofstratze st Ecke Poftstr. Ruf 1 »4 S 8 : Br - Begesack: Rohrstr 24 Ruf 4 u 8 : Br -Blumen, thal: Kavt -Dallmann-Str. 41 / 43 . Ruf 88 u. 89

Varleicmrtttciie ^ayeszettung

^vas^stmtsblatt^des Negierenden vürgermeisters der §relen Hansestadt vremen

M

Nr. 164 , 1Z. Jalirgang

Mittwoch, 16. Juni 1S4Z

üer NMioncrisoziattstLN Vremens

flmltiches verkündungsblatt des Ncichsstaltfzalters in Oldenburg und vremen

kinzetprers 13 Npf.

Me,.Lc^«oa»e

Und die englisch-amerikanischen Lustgangster

6r. k. Die englisch-amerikanische Publizistik bietet immer wieder neue Beispiele dafür, mit welcher Systematik die Terrorangrifse der englischen und amerikanischen Luftgang­ster gegen die Zivilbevölkerung des euro­päischen Festlandes vorbereitet und durch­geführt werden. Während aus den deutschen Aufstellungen über die mit brutaler Plan­mäßigkeit zerstörten Kulturdenkmäler die blutdürstige Lust deutlich wird, mit der die Luftgangster aus London und Washington Kirchen und alte Schlösser, Bibliotheken und alte Stadttore, Kinderheime und Kranken­häuser, Stätten der Kulturpflege und Wohn- bauten der Vernichtung überliefern, ist es nicht uninteressant, sich aus englischen Zeit­schriften eine nähere Vorstellung von den Luftgangstern, die man gegen unsere wehr­losen Frauen und Kinder hetzt, zu machen. Besonders aufschlußreich sind z. B. Nummern der bekannten englischen ZeitschriftJllu- strated" vom 25. Juli 1942 und derPic- ture Post" vorn 12. September 1942. Diese Zeitschriften zeigen eine Zusammenstellung verschiedener Negerformationen der USA.- Armee, die zum Kampf gegen den Kontinent nach England befördert worden sind. Wenn man die grinsenden Gesichter der Neger- piloten der USA.-Luftflotte sieht, dann kann man sich eine gute Vorstellung davon machen, daß diese Menschen, denen jede Achtung vor den alten Ueberlieferungen der europäischen Kultur fremd ist, eine wahre Wonne daran empfinden, das, was europäische Baukunst, Malerei, Plastik, Dichtkunst in Jahrhunder­ten hervorgebracht haben, skrupellos der Ver­nichtung auszuliefern. Engländer und Ameri­kaner, die dieseSchwarze Schmach" gegen Europa loslassen, erreichen hierdurch nur, daß das.kontinentale Zusammengehörigkeits­gefühl immer mehr gestärkt wird aus dem Wissen heraus, daß der Kampf gegen Eng­länder und Amerikaner zugleich ein Ringen für die europäische Kultur gegen die Ver­nichte! aller Kunstwerte bedeuiet.

krsgivüräigksit vomdsnlsrrors

Drabtbcricht unseres Vertreters

ürv. Stockholm, 15. Juni. In neutralen Kreisen spricht sich allmählich herum, daß die englische Terrorkriegführung das erstrebt« Ziel nicht erreicht, und daß sie sogar be­denklichste Risiken für England selbst herauf­beschwört. Die StockholmerNya Dagligt Allehanda" veröffentlicht am Dienstag eine Studie ihres Luftwaffenmitarbeiters, in der es heißt:Die Pläne des Luftmarschalls

Harris, in einem unglückseligen Augenblick des Vorjahres hinausposaunt, in denen er davon sprach, wie einfach es wäre. wenn er nur Vollmacht bekäme, Deutschland in unge­fähr drei Monaten zusammenzuschlagen, ge­hörte nicht gerade zu den besonders glück­lichen Offenbarungen." Der schwedische Sach­verständige macht u. a. auf die organisato­rischen Schwierigkeiten aufmerksam, die selbst bei planmäßigem Einsatz solcher Terror­methoden und der angehäuften enormen Kräfte auftreten, auf die Notwendigkeit ge­wisser Bomberpausen und auf ftne Proble­matik der Wirkungen selbst, wenn es sich um Angriffe gegen Jndustriebezirke handle: Große Montagehallen zu zerstören, ist ein theatralisches Schauspiel, aber damit wird keine Kriegsindustrie ausgerottet." Zum Schluß wird auf die Möglichkeit großer deut­scher Gegenmaßnahmen gleichen Stils vor­bereitet. Dann erst werde man die Antwort bekommen, welchen strategischen Wert Jn- dustriebombardemenrs eigentlich haben könn­ten.

vss Lieksnlaud kür ttsuptinsiin Msoplök

Berlin, 15. Juni. Bei den Anariffskämpfen im Süden der Ostfront im Juli 1942 hatte Oberleutnant Klappich mit großem Schwung den Vorstoß seiner Kompanie auf einen wich­tigen Bahnknotenpunkt vorgetragen und ihn im entschlossenen Zupacken genommen. Für diese Tat wurde ihm am 31. 7. 1942 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Immer wieder zeichnete er sich auch später in den Kämpfen um Armavir, um Maikop und in der Kalmückensteppe durch beispiel­hafte Tapferkeit aus. Am 22. Januar, fand dieser tapfere Soldat den Heldentod. Für seine hervorragenden Leistungen verlieh der Führer dem noch nachträglich zum Haupt­mann beförderten Offizier das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes als 254. Soldaten der deutschen Wehrmacht.

Höwi-?uillile-?rogrsmm

äes ilsüemLcken 8ieges«iIIoll8

^Vi'c/sf/io// c/sk 6 ot 5 c/io/t c/s 5 lo 3 ck,' 5 t» 5 c/isn ?o 5 ts/c//>s^to 5 /um 5 on c/sn Oucs

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

goe. Berlin, 15. Juni. Schon in seiner denkwürdigen Antrittsrede imAdrian»" er­innerte der Sekretär der faschistischen Partei, Minister Scorza daran, daß es nur eine Doctrin des Faschismus gibt, nämlich alle Energien für den Krieg und den Sieg anzu­spannen. Diese Haltung findet erneute Be­stätigung in der Entschließung, die Minister Scorza als Sekretär der faschistischen Partei dem Duce nach Beendigung der Arbeiten des Parteidirektoriums übergab und die den entschlossenen Willen aller Schwarzhemden ganz Italiens bekundet, mit allen Mitteln bis zum Siege zu kämpfen. Damit stellt sich, wie die nationalsozialistische Partei in Deutschland, so die faschistische in Italien an die Spitze aller jener Maßnahmen, die zur Erreichung des Sieges notwendig sind. Sie übernimmt für die Durchführung dieser Maß­nahmen die volle Verantwortung und for­dert damit für sich die höchste Ehre, wie sie gleichzeitig aber auch die schwersten Lasten zu tragen bereit ist.

Die Lebenskraft wirklich freier Völker wächst aus der Kraft ihrer Führung, die sich wiederum in dem Verantwortungsbewußt­sein und in der Verantwortungsfreude dieser niederschlägt. Vergleicht man den Stolz, mit dem die faschistische Partei Italiens sich zu dieser Verantwortung bekennt, mit der Feig­heit der internationalen jüdischen Kriegs­hetzer, die sich überall hinter allen möglichen Personen und Organisationen verstecken, meist aber nur anonym auftreten, so kann kein Zweifel darüber bestehen, auf welcher Seite in diesem Ringen die ursprünglicheren Kräfte stehen. Denn erst aus dem vollen Be­kenntnis zu der Verantwortung erwächst die Kraft, das Notwendige im notwendigen Augenblick zu tun. Die Entschließung des Direktoriums jetzt denn auch ein Sofort­programm der Härte und der totalen Mobil­machung gegen die immer neue Planung, die sich in London und Washington mit der

Improvisation politischer Manöver und mili­tärischer Experimente beschäftigt und die trotz aller großen Warte die inner« Unsicherheit nicht zu verbergen vermag. Sie mündet in all ihren Anordnungen und Forderungen in das eine Ziel, das der Duce ein für allemal mit dem Worte umriß:Vincexemo"! Wir werden siegen. Und die faschistische Partei bekräftigt dieses Wort in der dem Duce über- gebenen Botschaft mit dem erneuten Be­kenntnis zu glauben, zu gehorchen und zu kämpfen.

Die Entschließung des faschistischen Par­teidirektoriums stellt ein Neun-Punkte-Pro- gramm dar, mit dem das italienische Volk vor die ganze Schwere der Stunde gestellt wird, damit alle sich direkt und persönlich eingesetzt fühlen, und damit die Anstrengun­gen eines jeden ohne Zersplitterung auf Widerstand und Sieg gerichtet sind. Im ein­zelnen fordert das Programm: 1. die strenge und wo nötig erbarmungslose Unterdrückung aller Versuche, die die moralische und mate­rielle Gemeinschaft des Volkes gefährden; 2. die Einigung der industriellen Produk­tion; 3. Kontrolle der Versorgung unter un­nachsichtiger Ausschaltung der Spekulation; 4. Beschränkung der wirtschaftlichen Insti­tute aus ein Mindestmaß; 5. Ausschaltung jedes Bürokratismus; K. Unterdrückung des schwarzen Marktes; 7. Kontrolle und not­falls Schließung der groben Hotels. Pensio­nen und Luxusrestaurants, der Luxusschnei­der usw.; 8. Ausweisung aller Ausländer, die ihre Anwesenheit in Italien nicht recht­fertigen können; 8. strenge Anwendung des Gesetzes über die Pflichtarbeit.

Wenn in diesem Programm mit den Wor­tenerbarmungslos",unnachsichtlich" und anderen immer wieder ein Aeußerstes an Entschlossenheit zum Ausdruck kommt, so darf gerade diese Härte als eine Beschwö­rung der historischen Fundamente Italiens geweitet werden, genau so wie im Reich der Nationalsozialismus insbesondere mit sei­nen Kriegsmaßnahmen an die vielleicht nicht

immer bequemste aber doch beste und stärkste Tradition der Deutschen anknüpfte. Aus die­sem Programm des Faschismus, das vor allem Selbstzucht und Aufgehen in die Ge­meinschaft sordert, spricht das alte Rom, das sich die Größe durch eiserne Pflichterfüllung, durch Härte gegen sich selbst und durch die Strenge seiner Sitten gab.

So stellt das Programm der faschistischen Partei in weitestgehender Uebereinstimmung mit den Maßnahmen der totalen Kriegfüh­rung innerhalb des Reiches nichts anderes dar, als den Entschluß, alle Kräfte in ihrem letztmöglichen Ausmaße zu mobilisieren und keine andere Parole mehr gelten zu lassen als einzig diejenige, den Gegner, wo er sich stellt, zu schlagen. Damit sind totaler Krieg und Sieg heute der alleinige Inhalt alles Tuns und Lassens der beiden Völker der Achse. Das faschistische Italien erneuert mit dieser Botschaft seines totalen Kriegswillens den Bund. den es mit dem nationalsozia­listischen Deutschland schloß und der darin gipfelt, die Opfer des Kampfes ebenso ge­meinsam zu tragen wie er gemeinsam die Früchte des Sieges pflücken will. Wenn das Direktorium in seiner Botschaft der auf dem Felde der Ehre Gefallenen gedenkt und ebenso der von dem feindlichen Terror ge­marterten Städte, wenn es schließlich die alte Garbe der Revolution grüßt und gleichzeitig die i italienische Jugend, so drückt sich gerade in diesen Worten der Präambel und des Schlusses der Botschaft noch einmal das hohe nationale Ethos aus. in dessen Zeichen die faschistische Partei ihre Entschließung faßte und das einzig und allein dem Leben und der Zukunft der Nation dienen will. Wir Deutschen freuen uns angesichts dieses ver­antwortungsbewußten faschistischen Bekennt­nisses zum gemeinsamen Kampf und zum gemeinsamen Sieg dieses Kameraden, mit dem wir uns heute in einem entscheidenden Augenblick dieses Krieges enger als jemals verbunden fühlen.

..Mr kgmpken unter einer kskne"

/?s/c/iL/sits 5 /?O 5 sr>bs 59 ksruckts c/ks 5 ckzvotrmsssc/sut 5 cksn M k/cr/krtoc/t

Berlin, 15. Juni. Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, Reichsleiter Alfred Rosenberg, besuchte im Verlauf seiner Dienst­reise durch das Reichskomissariat Ukraine, gemeinsam mit dem Rdichskommissar für die Ukraine. Gauleiter Erich Koch, in deren Be­gleitung sich der Generalkommissar von Dnejpropetrowsk, Claus Selzner. der Smbs- leiter des Arbeitsbereiches Osten der N5- DAP., Hauptbefehlsleiter Schmidt und die Gauleiter Dr. Hellmuth und Uiberreitber befanden, das Volksdeutsche Besiedlungsgebiel Halbstabt, in dem etwa 25 000 Bauern ge­schlossen siedeln.

Nach dem Empfang des Reichsleiters No- senberg und seiner Begleitung durch den Gebietshauptmann, ft-Sturmbannführer Rog­ner, ließ sich Reichsleiter Rosenberg einge­hend über die Lage der Volksdeutschen un­terrichten. Daran anschließend wurden Schu­len, Krankenhäuser, Sanitätsstationen und andere Einrichtungen in Halbstabt. Tomak und Prischib besucht. In der Volksdeutschen Lehrerbildungsanstalt in Prischib wohnte Reichsleiter Rosenberg einer Feierstunde bei, die Zeugnis für die Liebe der Volks­deutschen zum Führer und zum Eroßdeutschen Reich ablegte.

In Halbstabt überbrachte Reichsleiter Ro­senberg auf einer Großkundgebung der NC- DAP., zu der Tausende von Volksdeutschen Bauern und Bäuerinnen, Volksdeutsche Jun­gen und Mädel in der Tracht der Hitler- Jugend und des BDM, sowie Abordnungen der Wehrmacht und des Volksdeutschen Ar­

beitsdienstes erschienen waren, den Dank des deutschen Volkes für die Treue, die die Volks­deutschen Männer und Frauen gehalten ho­ben. Alfred Rosenberg kam dann auf einen großen Tag der Befreiung zu sprechen und erinnerte die Volksdeutschen daran, daß in­mitten eines solchen großen Krieges nicht alle Werke des Aufbaues schon heute er­ledigt werden können. Die Volksdeutschen seien gleichberechtigte Kameraden aller Deut­schen in der Welt geworden und würden sehr bald auch offiziell in den Verband des Groß-

deutschen Reiches aufgenommen werden. Wir kämpfen unter einer Fahne, die heute in Norwegen, am Atlantischen Ozean, im Mit­telmeer und am Schwarzen Meer ebenso wehe wie am Asowschen Meer. Niemals in der Geschichte habe eine Reichsfahne an die­sen vier Meeren auf einmal geweht. Zum Schluß ermähnte der Reichsleiter die Volks­deutschen, an die Arbeit zu gehen und da­von überzeugt zu sein. daß niemals die Fahne von einer stärkeren Hand getragen worden sei, als von Adolf Hitler.

Meäer 20 Isrror-Somber sbgssekosseii

k»nrs/r,s/s /m kaum von ^.onc/on unci in Ostsng/oncl cmgsgnstsn

Aus dem Führerhauptquartier, 15. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:Nördlich des Kuban und im Raum von Velew scheiterten örtliche An­griffe des Feindes. Im Seegebiet von Pantelleria erzielten schnelle Kampf­flugzeuge Bombentreffer auf sieben Trans­portschiffen mittlerer Größe. Schwere deut­sche Kampfflugzeuge bombardierten in der vergangenen Nacht die Hafenanlagen von B o n e. Bei bewaffneter Aufklärung über dem Atlantik beschädigten deutsche Kampf­flugzeuge vor der portugiesischen Küste ein Handelsschiff schwer und schaffen in Luftkämpfen vier feindliche Flugzeuge ab.

Britische Bomber flogen in der vergangenen Nacht in westdeutsches Gebiet ein. Durch

Bombentreffer in Wohnvierteln, die erheb­liche Zerstörungen zur Folge hatten, erlitt vor allem die Bevölkerung der Stadt O b e r- hausen Verluste. Bisher wurde der Ab­schuß von 20 Bombern festgestellt. In der Nacht zum 15. Juni griff die Luftwaffe Ein­zelziele im Raum von London und Ost- england mit Bomben schweren Kalibers an.

Bei dem gestern gemeldeten Angriff eines feindlichen Fliegerverbandes auf einen deut­schen Geleitzug haben sich nach abschließenden Meldungen die Abschußerfolge auf insge­samt acht Bomben- und Torpedoflugzeuge erhöht. Ein eigenes Fahrzeug, dessen Be­satzung zum größten Teil gerettet werden konnte, ist gesunken."

lüücsgo kritisiert 8cd«eckea / Stockdolm im LpstliMjslu

Wc -5 05-4 Ooufnolistsn nickt gsks/ - Von c/sr Mokcribswirtrckokung. K,no 5 tr-c, 6 s unci öslvsg/icklcsit c/rinnsn unc/ 6 rou 6 sn

Drabtberickt unteres VertreterS

rck. Stockholm, 15. Juni. Einer aus der USA.-Journaliftendelegation. die Schwe­den mit echt yankeehafter Hartnäckigkeit und Ueberheblichkeit heimgesucht hat, wurde ge­fragt, wie ihm Stockholm gefiele. Seine Ant­wort lautete:Die Stadt ist nicht so groß wie der Friedhof von Chicago; aber ver­flucht viel langweiliger". Der Gute er stammte nämlich selbst aus Chicago ver­mißte natürlich seine heimatlichen Gangsters und Spielhöllen. Er fand die Stockholmer Mädchen, obwohl doch deit größte Teil so sehnlichst danach strebt, beinahe wie ein ech­tes Girl auszusehen, zu fade. Seinen Humor nenntSvenska Dagbladet" (das sich das Verdienst erworben hat» jene kleine Schmei­chelei für die schwedische Hauptstadt aufzube­wahren) etwas anders geartet als den schwe­dischen. und die Gastfreiheit in Stoccholm sei anscheinend enorm.

Dem biederen Yankee aus Chicago ist seine Aeußerung eigentlich trotzdem nicht zu ver­

übeln. Die Journalisten aus den USA. wur­den von ihrer Ankunft in Schweden an so heftig aufgefordert, doch recht freimütig ihre Meinung über Schweden und ganz Europa zu sagen, bis sie es schließlich taten. Einer, der Clapper heißt, riß die Klappe natürlich am weitesten auf. Er erklärte unter an­derem, daß Schweden nicht so viel an seine materielle Wohlfahrt, d. h. die Handels­beziehungen mit Deutschland, sondern mehr an sein Seelenheil denken müsse, nämlich an gute Beziehungen zu den Sowjets und über­haupt an seine Einreibung in die sowjetilch- plutokratische Clique. Ein dritter sagte als Abschiedshuldigung, Schweden, das bekannt­lich auf seinen greisen König stolz ist er wird heute 85 Jahre werde von zu alten Leuten regiert. .

Man sieht, die Schweden lieben Kritik aus englischem oder amerikanischem Munde. Da könne.» sie gar nicht genug kriegen! Kaum ging das erste Festessen für dit Gäste aus den USA. über die Bühne, da wurden

sie bereits von dem Vorsitzenden des schwel schen Publizistenklubs gebeten, der Reihe m zu sagen, was ihnen in Schweden nicht, fiele. Darin liegt System: Die Juden u ihre Freunde finden, daß viele Schweden n> auf einem hohen Roß sitzen. Falls vergleich gegen Deutschland oder andere Nachbarn I monstriert werden sollte, gut und schön; ak den Verbündeten und vornehmlich dengi ßen" Demokratien gegenüber soll diese klei knieweich gemacht und zur Erkenntnis ih Unzulänglichkeit gebracht werden. Diese A maßung, die vom englisch-amerikanisch Standpunkt in dem Festhalten an der N e tralität oder gar guten Wirtschaf beziehungen zu Deutschland liegt, überhar diese von den USA. aus gesehen! u erträgliche schwedische Selbstgefälligkeit s zerstört werden .Bei der Kritik an inne politischen Verhältnissennicht gen Offenheit der Regierung, zu wenig Berii sichtigung der Opposition" fängt es c bei der Außenpolitik muß es münden, u

die verächtliche Kritik schwedischer Gewohn­heiten. Einrichtungen usw. soll das ganze, nicht zuletzt nach Ansicht der einheimischen Juden unzulässige Selbstgefühl eines euro­päischen Volkes erschüttern.

Man glaube nicht an eine allgemeine Sitte. Ein Deutscher braucht bloß etwas über die Swingjatten, eine amerikanisierte Aus­artung gewisser Jugendkreise, zu sagen eine durchreisende Journalistin bloß eine feuille- tonistische Bemerkung über gewisse weibliche Erscheinungen im Straßenbild zu tveröffent- lichen, und gleich entsteht ein Sturm im Blätterwald. Aber wenn die Yankees König Gustaf zu alt finden und Stockholm sür langweiliger erklären als den Kirchhof von Chikaqo, herrscht andachtsvolles, bewundern­des Schweigen!

Die meisten Besucher aus Mitteleuropa sagen was sie meinen, daß sie nämlich Stock- holm als eine schön gelegene, auch architek­tonisch reizvolle Stadt empfinden, die schwe- sFortsetzung auf Seite 2)

Die Aksiee eise K. Os-reNe

Von Vdi-dnrä Lvsrs

Der Franzose:Warum habt ihr solche Rücksicht genommen?"

Der Deutsche:Weil auch im Kriege nicht eine Fensterscheibe zuviel zertrüm­mert werben darf!"

Es ist jetzt fast auf den Tag ein Viertel­jahr her, da stand ich. vor Enttäuschung nahezu überwältigt, auf dem steinernen Fußboden der Sainte Chapelle in Paris und konnte nur mühsam zurückfinden zu- dem Kern des Erlebnisses, das mir dort ver­sprochen war:

DieHeilige Kapelle" liegt, beinahe fu­genlos eingemauert, inmitten des Justiz­palastes im Herzen der Stadt, die das Herz ihres Landes ist, und die Jahrhunderte hin­durch den Anspruch erhob, das Herz Europas, das Herz der Welt zu sein. Sie ist, 1246 bis 1248 erbaut, die Krönung der gotischen Bau­kunst nicht nur Frankreichs, sondern des ge­samten Abendlandes, und die berühmtesten Handwerker aller Völker dieses Erdteils ha­ben zu ihrer Zeit das beste Teil ihres Kön­nens beigesteuert. In dieser Königskapelle Ludwigs des Heiligen schläfst, Wahrheit ge­wordenes Märchen, das Herz Europas.

Zum ersten Male war es. und zwar so­fort in vollendeter Weise, gelungen, dem Stein, der die romanischen Kirchen, schwer in Mauern und auf den Dächern lastend, so bedrückend und düster machte, all seine Schwere zu nehmen, die Wände durch mäch­tige Fenster aufzureißen und die Decke wie spielend zu heben, so daß der Raum dieser einzigartigen Kapelle von allen Seiten her vom Lichte der Sonne durchflutet wurde. Es gab nahezu keine Grenzen mehr nach drau­ßen, so durchbrochen waren die Seiten, so aufgelöst der Chor; wie kostbare Spitzen rankte sich das Filigran der Steinmetzarbei- ten vom Grunde bis zum kunstvoll berech­neten Schlußstein der oberen Wölbung. Aus steinernen Wänden waren Glasfenster gewor­den, deren Farbenorgien im Innern des Raumes ein Tedeum des Lichtes feierten, wie es ein zweites Mal so rauschend und sinnverwirrend niemals wieder Wirklichkeit geworden ist.

Zu diesem Schauspiel aus Glas und Licht war ich gereist, die Sehnsucht jedes Deutschen im Herzen, einmal am Urquell der Gotik zu trinken, die von Chartres bis nach Nischni-Nowgorod von der Einheit eines nordisch bestimmten europäischen Schöpfer- willens kündet in einem Raum. der seit damals erst heute wieder in den Wirkungs­bereich deutscher Ordnung und Machtentfal­tung sinnvoll und fruchtbar hineingerückt ist. Was ich jedoch in Paris fand, war nur der Schatten einstiger Herrlichkeit: das nüchterne Gerippe des Wunderbaues, der, seiner Fen­ster und aller übrigen Kostbarkeiten ent­kleidet, sich im milchig-weißen Lichte des Frühlingshimmels der Cits darbot.

Die Franzosen treiben einen gewissen Kult mit ihren Invaliden. Auch in der Sainte Chapelle waltete ein einbeiniger Alter mit fuchsrotem Vollbart seines Amtes als Frem­denführer, und der Zufall wollte es. daß ich mich einer jugendlichen Schulklasse an­schloß, der die Räume gezeigt wurden. Wir stiegen aus dem mystischen Dunkel der eben­erdigen Dienerkapelle die schmale Wendel­treppe aufwärts, und es war nicht nur das Licht, das uns schmerzte, als wir uns um­blickten. Der humpelnde Rotbart ließ einige Zeit verstreichen; dann begann er seine Er­klärungen mit dem Hinweis, daß er heute die Sainte Chapelle leider nicht in ihrer eigentlichen Gestalt zeigen könne. Wie man nämlich bereits bemerkt habe, fehlten vor allem die Fenster, die man geborgen habe. um ihre Zerbrechlichkeit vor den Zufällig­keiten des Krieges zu schützen. Es seien aber auch nahezu alle übrigen Schätze dieses Rau­mes, nickt zuletzt die Plastiken, an einen sicheren Ort gebracht worden, um sie nicht hier in diesem zarten Schrein edelster Gotik der Gefahr des Zerstörtwerdens preiszu­geben. Er hoffe jedoch, daß die Zeit n'cht mehr ferne sei. in der man sie wieder an ihrem alten Platz und in ihrer alten Schön­heit werde bewundern können.

Warum eigentlich, so hätte nun der deut­sche Besucher fragen mögen, sind diese Schätze an einen sicheren Ort und die Fenstergläser in den Luftschutzkeller gebracht worden? Hatte Frankreich, hatte Paris, als es sich in den Krieg mit Deutschland einließ, jemals Anlaß, derartige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen? Wer einmal durch das Kampf­gebiet von Belgien und Nordfrankreich ge­fahren ist, der hat mit eigenen Augen sehen können, daß die Kultstätten und die Kultur­denkmäler des Landes von den e-.nrückenden Deutschen auch da unzweifelhaft und ab­sichtsvoll geschont worden sind. wo der här­teste Kampf getobt hat. Verbrannt ist die Universitätsbibliothek von Löwen aber sie wurde von den Engländern in Brand ge­steckt, als sie die Stadt kampflos den Deut­schen überlassen mußten. Eingestürzt und verbrannt sind Denkmäler und Bürgerbauten nahe an den Brücken die die Engländer im Lande ihrer Bundesgenossen in die Luft ge­hen ließen, als sie feige der Küste von Dün- kirchen zustrebten. Erhalten sind die Kathe­dralen von Rouen und Amiens inmitten völlig pulverisierter Jnnenstadtviertel: hier bewiesen selbst im Brüllen des feindlichen Abwehrfeuers deutsche Sturzkampfflieger. daß sie die Grenzen ihrer Kampfaufgaben genau kannten und einzuhalten gewillt waren.

Angesichts solchen Befundes kann von Zu­fall nicht mehr die Rede sein. Die plan­mäßige Schonung unersetzlichen Kultur- besitzes auch und gerade des Feindeslandes lag lin Willen der deutschen Kriegführung, die beispielsweise den Gegner aus der Stadt Brügge so hinausmanövrierte daß inner­halb des Weichbildes dieses flandrischen