Ausgabe 
(13.6.1943) 162
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parleiaintkclie rayeszettung

vas flmtsblatt des legierenden vürgermeisters der Zielen Hansestadt vremen

der Nationalldzial.isten Vremens

flmtliches verkünüungsblatt des Ncichsstattlialters in oidenburg^und^vremen^

Nr. 182, 1Z. Jahrgang

Pfingsten, 1Z./14. Juni194Z

kinzelpreis 15 Npf.

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Zum vierten Male im Geschehen des großen Krieges tritt nach dem Osterfeste und dem neuerlichen Grünen und Blühen der Natur das Pfingstfest in un­seren Kreis« Vier Kriegs-Ostern und vier Kriegs-Pfingsten gehen an uns vor­über, die wir den Atem» anhalten vor der Größe der Zeit, während-unser In­nerstes zu allem anderen aufgelegt ist als Feste zu feiern und die hämmernde Sprache des Heute zu vergessen.

Im Geiste ziehen die vier Kriegs-Pfingsten an uns vorbei, begonnen "beim Vormarsch der deutschen Truppen zum Herzen Frank­reichs vor drei Jahren und fortgesetzt über die Gefilde Rußlands und die Höhenzüge des Balkans gen Hellas und Kreta. Von Jahr zu Jahr stieg die Allgewalt der Er­eignisse, steigerte sich die Leistung von Front und von Heimat und festigte sich in uns der unbeirrbare Wille zum Siege und zum Neu­aufbau unserer alten Welt, die langsam ver­sinkt und dem Morgen ihren Platz ein­räumt. In solchen Augenblicken hält auch das flüchtige Heute für kurze Zeit den Schritt an.

Wir fühlen den Hauch des Festes und der Freude. Aber wir halten auch Einkehr und besinnen uns ob unserer Rechte und Pflich­ten und fragen uns, ob wir vor der Grütze der Stunde bestehen. Wir überprüfen un- merklich unsere Entschlossenheit, auszuhalten und durchzuhalten, wir fragen uns, ob wir unser letztes dazu hergaben und hergeben, um dem grotzen Endziel, dem Siege, gerecht zu werden.

Um den Raum, den wir nicht nur den unseren nennen, sondernder auch zum Sein oder Nichtsein unseres Volkes gehört, bro­delt und siedet es stärker denn je. Die Mächte Alljuda und Kommune. Plutokratie und Götze Gold rennen und rennen sich die Stir­nen blutig und versuchen immer wieder und wieder, uns den Lebensnerv zu durchschnei­den und Volk und Staat den Garaus zu machen. Sie wälzen ihre Masten von Osten und Westen, Norden und Süden gegen unse­ren Erdteil vor und versuchen, die Bresche zu schlagen, die ihnen ein müheloses Ueber- fluten und Ersticken der deutschen Seele ge­statten soll. Einmaliges Heldentum von Front und Heimat machte alle diese sata­nischen Absichten zunichte, und wohl selten stand ein Volk entschlossener und sieges­bewußter auf den Bastionen seiner Abwehr,

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Berlin, 12. Juni. Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luft­waffe, Reichsmarschall Eöring, das Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes an Leutnant Udo Cordes, Flugzeugführer in einem Kampfgeschwader. Leutnant Udo Cordes, als Sohn eines Dachdeckermeisters am 22. 7. 1921 in Dortmund geboren, steht seit einem Jahr im Kampf gegen die Sowjetunion und hat sich in diesem Zeitraum immer wieder als vorbildlicher Kampfflieger ausgezeichnet, den weder schlechtestes Wetter noch starke feind­liche Luft- und Vodenabwehr an der Durch­führung seiner Aufträge hindern konnten. Vorbildlich ist seine Unternehmungslust. Der junge Offizier bildete auch eigene An­griffstatik heraus, die er besonders bei der Vernichtung feindlichen Eisenbahn­materials anwendete. Er" zerstörte 41 Loko­motiven, 19 Eisenbahnzüge, darunter zwei Kesselwagen und drei Munitionszüge sowie 30 Lastkraftwagen. Außerdem vernichtete er .elf Panzer, zwei Flakstellungen und schoß zwei Flugzeuge ab.

wie das deutsche Volk mit seinen Verbünde­ten und Waffengefährten. Kein Terrorkrieg aus der Luft. kein Anrennen gegen die eige­nen Linien und kein Versuch einer inneren Jnfizierung und Zersetzung können das deutsche Volk von dem gewählten Wege ab­bringen. Deutschland kennt nur einen Be­griff, und der heißt: Durchholten. Durch­holten und Siegen ist aber im deutschen Sprachschatz ein und dasselbe Wort.

Wenn somit das Dämmern eines werden­den Tages Pfingsten kündet und die Glocken von den Türmen anders schwingen als im Ton des Alltags, dann ist es Zeit, kurz Ein­kehr zu halten. Wir sehen noch einmal das Unvergängliche und Unvergeßliche der Hel­dentaten der deutschen Wehrmacht, wir ahnen die Größe des heutigen Tages und sehen in der Ferne eine neue Welt erstehen, die wir durch unserer Hände Arbeit, mit dem Blute unserer Helden und den Entbehrungen der ganzen Nation schaffen und formen. Wir füh­len die Hand der Vorsehung und spüren den

Willen der Führung. Das deutsche Schiff hat einen gottbegnadeten Steuermann, der es durch Wellenberge und Täler mit sicherer Hand führt im unbeirrbaren Glauben an seine Aufgabe und an fein Volk. Alle aber, die zu der Besatzung dieses Schiffes gehören, sind eine auf Leben und Tod verschworene Gemeinschaft. Am Horizonte hebt sich schon das neue Land ab. Es heißt mit einer letzten Anstrengung des Körpers und des Geistes in die Riemen greifen und. haargenau ein­ander ergänzend, die Ruder zu bewegen. Was wollen Wellen, Stürme und Orkane, wenn Führung und Besatzung aufeinander abge­stimmt sind, einander ergänzen? Das Schiff ist seetüchtig und intakt, es kämpft sich Meile um Meile vor, um dann in den sicheren Ha­fen einzufahren, wo seine Mannschaft an Land geht, neuaufbauen, und den Kampf des Lichtes gegen die Elemente der Finsternis beendet.

Vierte Kriegspfingsten bergen in sich neue Verpflichtungen: nicht nachlassen im Wollen zum Kampf, nicht ermüden in der Arbeit des Alltags, nie das Endziel aus dem Auge verlieren, das nach einem totalen Krieg totaler Sieg auf allen Fronten heißt.

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Das Wort vom perfiden Albion hat sich in jedem Abschnitt der britischen Geschichte als zutreffend erwiesen. Dabei hat man in Lon­don, wenn Treulosigkeit, Verrat oder Wort­bruch der englischen Sache vorteilhaft erschie­nen, niemals einen Unterschied gemacht, ob man es mit Kolonialvölkern oder mit kul­turell hochstehenden Nationen zu tun hatte, und jeder deutsche Schuljunge weiß, wie selbst ein Friedrich der Große mit derFair­neß" britischer Staatsmänner seine Erfahrun­gen machen mußte und dementsprechend sein

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Aus dem Führerhauptquartier, 12. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt be­kannt: An der Ostfront lebte die Kampf- tätigkeit gestern wieder auf. Neben Stsß- trupptätigkeit am Kuban-Brückentopf und der Mius-Front kam es im Abschnitt Orel zu Kämpfen, in deren Verlauf die nach starker Feuervorbereitung angreifenden Sowjets blutig abgeschlagen wurden. Bei der Be­kämpfung von Banden im rückwärtigen Gebiet des mittleren Frontabschnitts haben sf- und Polizeikräfte in tagelangen, harten Kämpfen, die durch fast undurchdring­liches Wald- und Sumpfgelände besonders erschwert waren, weite Gebietsteile gesäu­bert. 118 befestigte Dörfer und Waldlager wurden gegen zähen Widerstand genommen, 162 Bunker gesprengt. Neben zahlreichen Toten werloren die Banden große Mengen an Waffen und Material.

Die italienische Besatzung von Pantelleria mußte infolge Wassermangels den Widerstand gegen die rollenden feindlichen Angriffe aus der Luft und von See her einstellen.

Am gestrigen Nachmittag stieß ein ameri­kanischer Fliegeroerband in großer Höhe gegen das norddeutsche Küstengebiet vor und warf Bomben auf die Städte Wilhelms- haven und Cuxhaven. Die Bevölke­rung hatte Verluste. In der vergangenen Nacht griffen britische Bomber westdeutsches Gebiet, vor allem die Stadt Düsseldorf an. Durch Bombentreffer in Wohnvierteln entstanden schwere Verluste unter der Be­völkerung und erhebliche Schäden an Wohn­häusern und öffentlichen Gebäuden. Nach bisherigen Feststellungen verlor der Feind bei diesen Angriffen insgesamt 34 meist viermotorige Bomber.

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Berlin» 12. Juni. Die im Wehrmacht­bericht vom 12. K. angegebenen Verluste von 54 Flugzeagen, die die britische und nord- amerikanische Luftwaffe bei ihrem Angriff aus das Reichsgebiet am 11. K. und in der Nacht zum 12. K. erlitt» haben sich nach neueren Meldungen auf 61 feindliche Bom­ber erhöht. Ferner wurden zahlreiche feind­liche Maschinen durch das Feuer der deutschen Abwehr so schwer beschädigt, daß auch von ihnen ein erheblicher Teil den englischen Heimathafen nicht mehr erreicht haben dürfte.

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An der Ostfront war die Kampstätigkeit am Freitag wesentlich lebhafter als an den Vortagen. Besonders im Raum von Orel wurde hart gekämpft. Die Bolschewisten tasteten hier unsere Stellungen durch meh­rere Vorstöße ab, holten sich aber überall blutige Köpfe.

Südöstlich Orel gingen die Sowjets nach Verschuß von etwa 4000 Granaten unter gleichzeitigem Einsatz von Schlachtfliegern in 6 Kilometer Breite vor. Sie wurden im sofortigen Gegenstoß zurückgeworfen. Rund 300 gefallene Bolschewisten blieben auf dem Kampffeld liegen. Zahlreiche Gefangene und Waffen fielen in unsere Hand. Ferner trat nordöstlich Orel ein feindliches Regiment, ebenfalls nach starker Feuervokbereitung und mif Fliegerunterstützung, zum Angriff an. Auch dieser Vorstoß scheiterte am Wider­stand unserer Grenadiere. Gegen Mittag wiederholten die Sowjets ihre Angriffe und warfen zwei weitere Bataillone ins Gefecht.

Weiler nördlich griffen die Bolsche­wisten. mit zwei von zahlreichen Batterien unterstützten Regimentern an. Hier gelang es dem Feind nach erbittertem Kampf, in eine Ortschaft einzudringen, wo er aber bald ab­geriegelt werden konnte. Der zurzeit noch laufende Gegenangriff gewinnt an Bo­den. Sturzkampfflugzeuge unterstützten den Abwehrkampf durch Bombenangriffe auf feindliche Stellungen und Reserven. Auch südwestlich Belew stellten sich die Sowjets zum Angriff bereit, unsere Artillerie nahm aber das vorgehende Bataillon so wirksam unter Feuer, daß der Vorstoß gar nicht zur vollen Entfaltung kam. Weitere örtliche An­griffe setzte der Gegner in den Morgenstun­den des Freitag auf breiter Front westlich Wjasmaan. An sechs verschiedenen Stellen stieß er gegen unsere Vorpostenstellungen vor, wurde aber überall mühelos abgewiesen. Südwestlich Belyi drangen dagegen deutsche Stoßtrupps, durch Artillerie und schwere Infanterie-Waffen gut unterstützt, in feindliche Gräben ein, rollten sie in 350 Meter Breite auf und sprengten in dem genomme­nen Stellungsstiick Kampfanlagen und grö­ßere Munitionsvorräte. Ein sowjetischer Schützenzug versuchte unsern Grenadieren den Rückweg zu verlegen, kam damit aber zu sioät. so daß der erfolgreiche Stoßtrupp nach Erfüllung seines Auftrages mit Gefangenen und erbeuteten Waffen in die Ausgangs­

stellungen zurückkehren konnte.

Auch an der Kuban-Front lebte die Kampftätigkeit wieder auf. Im L a g u n en­ge b i e t am Asowschen Meer stießen unsere Truppen am Poljekofs-See in aufmarschie­rende Bolschewisten hinein. Vergeblich ver­suchte der Feind, durch zwei Gegenstöße das weitere Vordringen der Grenadiere zu ver- (Fortsetzung aus Seite 2)

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Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

8r. IV. «cd. Berlin, 12. Juni. Die agita­torische Taktik der Engländer gegenüber deutschen Kriegsersolgen ist bekannt und durchschaut. Schon im Weltkrieg war es so, daß man die Wirksamkeit der deutschen Unterseeboote entrüstet bestritt, solange man von ihnen die Katastrophe befürchtete. Nach dem Weltkrieg hat dann Lloyd George zu­gegeben, daß man sich im Jähre 1917 schon der äußersten Gefahr des Zusammenbruches gegenübergesehen habe» und daß es zweifel­haft gewesen sei» ob man einige Monate über das tatsächliche Kriegsende hinaus die Verminderung des Schiffsraumes hätte er­tragen können. Die Tatsache, daß unsere Gegner in diesem Kriege durch die U-Boot- Wässe in die äußerste Bedrängnis getrieben worden sind, wurde von Churchill, Roosevelt und ihrer Agitation auch jetzt wieder mit eiserner Stirn geleugnet.

Da die Erfolgskurve des Unterseeboot­krieges jetzt eins der unvermeidlichen Wel­lentäler aufzeigt, und seit man auf der Ge­genseite sich in dem Mahn wiegt, daß man das Schlimmste überstanden habe, rückt man auch diesmal wieder mit Eingeständnissen heraus, die man vielleicht bald wieder als voreilig beklagen wird. Einem Sonderassi­stenten des U'LA.-Krieasministeriums. Ste­venson, ist gestern die Mitteilung entschlüpft, daß die Achsengegner gegenüber dem U-Boot- krisg nur um ein ganz geringes an der Katastrophe vorbeigekommen feien. Höchst interessant erscheint uns die in

machte Feststellung, daß seit Beginn des Krieges die Unterseeboote nur für wenig mehr als die Hälfte der Gesamtschisfs- oerluste verantwortlich seien. Die Persen- kunqsziffern, die die Unterseeboote für sich verbuchen können, sind uns genau bekannt. An der Zuverlässigkeit der veröffentlichten deutschen Ziffern wagt niemand in der Welt­öffentlichkeit zu zweifeln, seitdem in der eng­lischen und amerikanischen Nachrichtengebung schon zu viele Pannen unterlaufen sind, die eine Bestätigung unserer amtlichen Feststel­lungen erbracht haben. Man braucht nur an die letzten Auseinandersetzungen zwischen Mister Knox und dem Truinan-Ausschußdes amerikanischen Senats zu verweisen. In zahlreichen Zeitungsstimmen der Bereinig­ten Staaten ist in diesem Zusammenhang sehr eindeutig gefolgert worden, daß der Ma­rineminister Knox bisher mit falschen Zah­len jongliert hat. Der amerikanische Senats­ausschutz hat im Hinblick auf die Versen- kungsergsbnisse der Unterseeboote im Jahre 1942 unser Rechnungsergebnis bestätigt, nach dem die Feinde durchschnittlich eine Million BRT. im Monat verloren haben.

Wenn wir in vorsichtiger Beurteilung die bisherigen Tonnageverluste der Gegner seit Kriegsbeginn auf Grund der uns bekannten Ergebnis)« zur Zeit auf über 31 Millionen Bruttoregistertonnen berechnen, so muß sich die Einbuße in Wirklichkeit sehr viel höher stellen, wenn die Feststellung zutrifft, daß bei­nahe «och einmal soviel Schiffe wie durch Unterseeboote versenkt wurden, aus andern

Minenkrieges dürften sich wahrscheinlich er­heblich höher stellen, als wir bisher anneh­men konnten, und auch die Versenkungen durch Bombenflugzeuge werden einen erheb­lich größeren Umfang angenommen haben, als unter den schwierigen Beobachtungsver- hältmssen bei Luftangriffen festgestellt wer­den konnte.

Auf einer ähnlichen Linie wie die vor­eiligen Geständnisse von Stevenson liegen die Ausführungen, die am vergangenen Sonntag in der LondonerTimes" aus der Feder von Scrutator erschienen sind. Im Jahre 1917, so heißt es in diesem Aufsatz, hätten die Ton­nageverluste der Alliierten für das Empfin­den jener Zeit astronomische Höhen erklet­tert. Niemand habe auch nur geahnt, daß sich Gleiches, ja noch viel Schwereres jemals wiederholen könnte. Auch hier haben wir eine Bestätigung dafür, daß die Untersee­boots den Gegnern bisher sehr viel schwerere Verluste als im ersten Weltkrieg zugefügt haben. Das muß man immer wieder in Be­ziehung zu den Eingeständnissen nach dem ersten Weltkrieg bringen, daß England sich damals dem Ende seiner Kraft nahe ge­fühlt hat. Zu beachten ist ferner, daß Eng­land diesmal mit einer geringeren Tonnage als 1914 in den Krieg gegangen ist. In den Ausführungen Scrutators interessiert uns auch noch die Feststellung, daß man nie zu­vor, als nach dem amerikanischen Kriegs­eintritt der Sturm der Unterseeboote im At­lantik losgebrochen sei, so gewaltige Ziffern von Ta«ke rve r s e n ku n gen erlebt

lei­

ten diejenigen von 1917 bei weitem über­stiegen!

Im Gegensatz zu Churchill, der auf diesem Gebiete immer besonders leichtfertige Be­hauptungen aufgestellt hat,, stellt die ..Sun- day Times" ausdrücklich fest, daß die Deut­schen schneller U-Boote bauten, als die Alli­ierten sie vernichten könnten. Das sei noch immer das Entscheidende. In England wissen die vernünftigen Leute, warum sie gegenüber Churchills Renommistereien skep­tisch sind. Churchill hat schon einmal wenige Monate nach Kriegsbeginn die Behauptung aufgestellt, daß er die U-Boot-Eefahr er­ledigt habe, und dann ging es in der Folge­zeit erst richtig los! DieSunday Limes" scheint sich bewußt zu sein, daß nicht ein vorübergehendes Absinken der Versen­kungsziffern, sondern das Ergebnis auf lange Sicht entscheidend ist, wenn das Blatt schreibt, bisher kenne der U-Boot-Krieg viele Phasen, die sich laufend veränderten,

Irgendein Hintertürchen möchte sich auch Stimsons Assistent Stevenson offenhalten. Es würden» so sagte er, »noch lange, schwere Zei­ten des Verlustes und der Leiden zwischen den Allierten und dem Siege liegen, und es wäre Tollkühnheit zu behaupten, daß die U-Boot-Eefahr gebannt sei. Das Schlimmste könne noch bevorstehen. Man sieht, wie we­nig ernst auch in den Weitesten Bereichen der englischen und amerikanischen Oesfentlichkeit Churchill genommen wird» wenn er wieder einmal so tun möchte, als ob die U-Boot- Eefahr endgültig gebannt sei. Die Zukunft

Urteil über britischeZuverlässigkeit" ge­fällt hat.

Weniger bekannt allerdings ist, daß Eng­land Europa heute nicht zum ersten Mal, sondern schon früher einmal an den Bolsche­wismus verriet und daß sein heutiger Ver­rat einen eklatanten Vorgang in den Jahren 19181920 hat, einen Vorgang, der damals schon den Abscheu und die Verachtung der ganzen zivilisierten Welt verdiente. Es ist gut und heilsam, sich auch jetzt daran zu er­innern. weil damit die von deutscher Seite erhobene, (freilich ohnehin unwiderlegliche) Behauptung, daß Europa und die «uropä» schen Nationen allesamt England keinen Pfifferling wert sind, wenn es sich durch einen Verrat an ihnen selber in Vorteil setzen zu können glaubt, eine Bestätigung mehr erfährt.

Heute will man in London ohne Wimper- zucken die gesamte europäische Menschheit dem blutigen Tyrannen Stalin überantworten. Damals, zum Ausgang, des^ ersten Welt­krieges, verriet dasselbe London nach an­fänglichen Scheinversuchen, den Bolschewis­mus in Rußland zu bekämpfen, die fast vier Jahre lang als Verbündeter Englands ver­blutete russische Bevölkerung an den Bol­schewismus, obwohl es sehr leicht imstande gewesen wäre, Rußland vor der roten Flut zu bewahren. England brauchte dabei nicht einmal selber zu kämpfen, sondern hätte nur den in Rußland gesund gebliebenen und dem bolschewistischen Verhängnis sich entgegen­setzenden Kräften die anfänglich gewährte materielle Unterstützung weiter gewähren müssen.

England brauchte im Baltikum bloß die gegen das Heranbranden des Bolschewis­mus sich stemmenden deutschen Baltikum­kämpfer, die als Freiwillige ins Land ge­kommen waren, gewähren zu lassen, brauchte ihnen nur nicht in den Rücken zu fallen, und der Bolschewismus hätte auf die Dauer seine Macht nicht aufrichten können. England brauchte nur die von ihnen selbst amtlich anerkannten weißrussischen Militärs Koltschak und Denikin ohne Hintergedanken zu unterstützen und der Bolschewismus wäre überall in Rußland niedergeschlagen wor­den. Es ist der ehemalige deuische Ge­sandte bei den damaligen Regierungen Est- lands und Lettlands, August Winnig, der in seinem BuchHeimkehr" die eindrucks­vollste Schilderung des britischen Verrats an den Baltikumkämpfern in jener Zeit gege­ben hat.

Die im Hafen Riga gegen Ende des Monats Dezember im Jahre 1918 eingelau­fenen englischen Seestreitkräfte hatten es in echt britischer Niedertracht fertig gebracht, die Entlassung der- deutschen Frerwilligentrup- pen im Baltikum bei einer neu eingesetzten britisch-hörigen Regierung durchzusetzen. Und das, nachdem diese Freiwilligentruppen eine Woche zuvor die Bolschewisten aus Lettland geworfen, Riga befreit und einer deutsch­freundlichen Regierung zur Macht verhol- fen hatten. Die Folge war die, daß -nach dem Rückzug der deutschen Truppen aus Lettland dort sofort die Bolschewisten wieder einmarschierten und .eine lettische Räte­republik ausriefen, wonach in geradezu un­überbietbarer Frechheit die Engländer in einer Aussprache mit Winnig verlangten, daß die Deutschen weiterhin die. baltischen Länder zu schützen und für alle Schäden auf­zukommen hätten, die durch den Einmarsch der Roten Armee verursacht worden seien. Mrt der Begründung, daß deutsche Frei- willige nicht wie Söldner und Gladiatoren sich verwenden ließen, hat Winnig dem bri- schen Siegerhochmut die richtige Antwort erteilt, bei der es die Briten auch bewendet lein liegen.

Was kam es ihnen schließlich darauf an. ob die baltiichen Staaten ihre Selbständig­keit errangen. oder aber ob sie bolschewistisch werden mußten. Die Hauptsache war den Briten, daß Deutschland keinen Anteil an der weiteren Schicksalsgestaltung der Ostseelän- der erhielt, so wie es ihnen auch nur dar­auf ankam, das bisher mit ihnen verbündet gewesene Rußland auf seinem tiefsten Grad der Schwache zu halten, ganz gleich, ob dies sich mittelst Verewigung des Bürgerkrieges oder durch die schließliche Bolschewisierung ganz Rußlands erreichen ließ.

Es hätte keiner besonderen Unterstützung Englands bedurft, um den unter Admiral Koltschak im mittleren Wolgagebiet und Sibirien und unter General Demikin in SLdrußland operierenden weißrussischen

Strertkräften zum Siege gegen die Bolsche-

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