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Parleiarnttictie Layeszettung
vos flmtsblatt des legierenden vürgermeistcrs der Zielen Hansestadt vremen
der Natwnals'oziai.istLN. Vrenrens
sämtliches verkündungsblatt des Ncichsstatttialters in Oldenburg und Vremen
Nr. 150 , 1 Z. Jahrgang
Vienstag. 1 . Juni 1 S 4 Z
kinzelpreis 15 Npf.
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Drahtbericht unserer Berliner Schrütleitnng
eos. Berlin, 31. Mai. Der japanische Botschafter in Nanking, Tani, formulierte in einer aufsehenerregenden Erklärung das Prinzip, mit dem das japanische Kaiserreich aufgebaut sei, mit der grundsätzlichen Forderung: „Platz an der Sonne für jedermann". Dieses Prinzip werde auch der Politik gegenüber China zugrunde gelegt. In diesem von Tani ausgesprochenen Wort zeigt sich erneut die geistige Einheit der Dreierpaktmächte und die völlige Uebereinstimmung ihrer Kriegsziele» da der gleiche Grundsatz das Kriegsziel Deutschlands und Italiens darstellt.
Wenn Botschafter Tani mit so starker Betonung das Recht auf den „Platz an der Sonne für jedermann" herausstellte, so kommt dieser Erklärung eine um so höhere Bedeutung zu, als Tani sagte, daß dieser Grundsatz auch für die japanische Politik gegenüber China gelte. Tani gab zudem seine Erklärung in einem Augenblick ab. wo die Lage Tschungking-Lhinas selbst von der gegnerischen Seite als „hoffnungslos" bezeichnet wird. Gerade eben liegt ein Bericht des Tunschkinger Agenten des „Daily Herold" vor, der feststellt, das; „das Lebensblut Tschungking-Chinas völlig ausgetrocknet" zu sein scheine- und der sich im Hinblick auf die in vielen Provinzen herrschenden Hungersnot, auf die Zerstörung der Eisenbahnlinien und Hauptverkehrsstraßen, den völligen Mangel an Berzin und Kohle sowie die in einer 75fachen Steigerung der Eroßhandelsindex- ziffer ausgedrückten Teuerung darüber wundert, „wie man unter derartigen Verhältnissen überhaupt noch leben kann". Gerade durch diese Lage Tschunking-Chinas erhält Tanis Rede eine um sv höhere Bedeutung. Sie beweist erneut, datz das Kriegsziel der Dreierpaktmächte in der Tat in einem neuen Ordnungsprinzip bejteht, das den Völkern die Freiheit ihres Lebens politisch sowohl wie wirtschaftlich gewähren soll.
Die Erklärung Tanis wird noch unterstrichen durch eine Ansprache, die der Leiter
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Dr. m. Berlin, 31. Mai. Japans Kriegsflotte wurde soeben durch einen fertiggestellten Neubau vergrößert, der jedoch nur eine von mehreren neuen Einheiten ist, die jetzt im ostasiatischen Raum zum Einsatz kommen. Es handelt sich um ein neues japanisches Schlachtschiff, das in seiner Kampskraft und in seinem Aktionsradius den Schlachtschiffen des Dreadnought-Typs entspricht das jedoch den USA.-Schlachtschiffen der Iowa-Klasse bei weitem überlegen ist, und zwar sowohl in bezug auf Schnelligkeit, als auch auf Bestückung. Da außer dieser Einheit noch weitere Kriegsschiffe ihre Probefahrten beendigt haben und ihren neuen Verbänden zum Einsatz zugeteilt wurden, von denen die Öffentlichkeit noch keinerlei Kenntnis besitzt, dürfte die japanische Flotte in ihrer heutigen Stärke auf der Feincheite noch eine Sensation hervorrufen. Auf jeden Fall gelang es Tokio, die erlittenen Verluste seit Beginn des Krieges wieder zu ersetzen und zwar durch Einheiten. die den in Verlust geratenen bei weitem überlegen sind. Diese Flottenverstärkung wurde den Japanern am „Tage der japanischen Marine" durch Konteradmiral Hideo Pano mitgeteilt und hat in Tokio einen Sturm der Begeisterung ausgelöst. Das japanische Wölk weiß. daß die Stärke des .jSonnenbanners in der Aktivität der japa- ^ Nischen Flotte verankert ist. Jede Tonne neuen Schiffsraums aber stärkt das Potential von Macht, Einfluß und Befreiung des groß- ostasiatischcn Lebensraumes vom englischen und amerikanischen Joch.
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des italienischen Schwerkriegsverletzten-Ver- bandes, Carlo Delcroix, vor Abordnungen der verschiedenen Waffenverbänbe der faschistischen Jugendorganisation, der Kriegsbeschädigten und der Eoldmedaillenträger hielt. Dabei sagte er. daß dieser Krieg bewiesen habe, daß die Zukunft denjenigen Völkern gehören wird, „die im Auf und Ab der Geschichte weniger Hochmut, dafür aber mehr innere Haltung" zeigen. Dieser „Krieg des Unvorhergesehenen" habe bewiesen, daß die Ereignisse einem höheren Willen gehorchen, und daß die Geschichte ebenso Vorsehung ist wie das Leben Schickung. In der hier ausgesprochenen Absage an den Hochmut und in der Forderung nach innerer Haltung, ist genau das gleiche Prinzip enthalten, wie in der Ansprache Botschafter Tanis. Carlo Dcl- croix zeigt aber auch in seinen weiteren Ausführungen, wie entgegengesetzt diesen Grundsätzen der Feind handelt. Man verspreche
Italien Freiheit, aber nur um in einem vom Feinde besetzten Lande und unter seiner Fuchtel zu leben. Gleichzeitig drohe man die Zerstörung der italienischen Städte an und hetze Italien zur Rebellion auf. Während die Dreierpaktmächte dafür kämpfen, daß endlich ein Ordnungsprinzip herrscht, das den Platz an der Sönne für jedermann garantiert, läßt der Gegner mit brutaler Offenheit schon heute keinen Zweifel daran, daß er sein Krieqsziel in einer totalen Unterdrückung und Terrorisierung der Welt erblickt.
Gleichzeitig liegen Stimmen vor, die beweisen, daß die Feindmächte heute mehr denn je gewillt sind, nicht nur die Staaten des Dreierpaktes, sondern die ganze Welt ihrer rücksichtslosen Willkürherrschaft zu unterwerfen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Aeußerung zu. die im Moskauer Rundfunk das Mitglied des Zentralkomit<-s der (Fortsetzung auf Seite 2)
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Aus dem Führerhauptquartier, 31. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Der Feind setzte gestern die Angriffe gegen den Kuban-Brückenkopf nicht fort. Von der übrigen Front wird bis auf ein erfolgreiches eigenes Angriffsunternehmen bei Welish nur Späh- und Stoßtrupptätigkeit gemeldet. Bei einem Angriff eines sowjetischen Bomberverbandes gegen ein deutsches Geleit im Schwarzen Meer wurden durch Jagdflieger und Fahrzeuge der Kriegsmarine sämtliche neun angreifenden Bombenflugzeuge abgeschossen. Insgesamt verloren die Sowjets gestern 74 Flugzeuge, sieben eigene werden vermißt. Schnelle deutsche Kampfflugzeuge griffen Hafenstädte an der englischen Süd- und Südostküste an und warfen Bomben großen Kalibers aus kriegswichtige Anlagen. 2m Mittelmeergebiet vernichtete die Luftwaffe am 29. und 30. Mai 13 Flugzeuge, darunter mehrere schwere Bomber. Bei bewaffneter Fernaufklärung über dem Atlantik wurde ein feindliches Frachtschiff von 4900 BRT. durch Luftangriff versenkt und ein viermotoriges britisches Flugzeug im Luftkampf abgeschossen."
Ein Verband schneller deutscher Kampfflugzeuge griff, wie der Wehrmachtbericht bekanntgibt, Hafenstädte an der englischen Süd- und Siidostküfte an und warf Bomben schweren Kalibers auf kriegswichtige Anlagen. In den frühen Nachmittagsstunden des 30. Mai wurde die siidenglische Hafenstadt Torquary überraschend aus geringer Höhe angegriffen. Die feindliche Flak konnte durch Bordwaffenbeschuß niedergehalten werden, so daß sie nicht zur Wirkung kam. Unsere Kampfflugzeuge erhielten jedoch Gefechtsberührung mit feindlichen Jägern, die zur Abwehr gestartet waren. Hierbei entwickelten sich heftige Luftkämpfe, in deren Verlauf ein amerikanischer Jäger vom Muster „Tomahawk" abgeschossen wurde. Außerdem wurde beobachtet, wie ein britischer Jäger vom Muster „Spitfire" infolge Wasserberührung im Meer versank. Bomben schweren Kalibers fanden ihr Ziel im Hasengebiet sowie in sonstigen kriegswichtigen Anlagen der Stadt. Starke Brände und umfangreiche Schäden wurden beobachtet. In den Abendstunden des gleichen Tages stießen schnelle Bomber noch gegen andere Hafen- plätze der britischen Siidostküfte vor. Auch hier waren sie erfolgreich und trafen mit ihren schweren Bomben kriegswichtige Ziele.
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Immer neue Crstwilligonvorbänds treten an die Leite der ksmplenden deutscllen und verbündeten Truppen, um gemeinsam den bolscksvvistiscken V/eltkeind endgültig nieder- ruringen. — liier sind es muselmaniscke Kroaten, die in eins küeivilligsndivision der VVskken-tt aufgenommen und nun vereidigt verdsn.
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Es scheint: als wenn der große Krieg vorübergehend den Atem anhielte. Allerdings scheint es nur so, denn viele Umstände zwingen unsere Gegner zum Handeln, die Zeit arbeitet nicht für sie, sondern für uns. Sowjetrußland ist schwer erschöpft von seinen Winterofsensiven, bei denen die Feindverluste von unseren Kämpfern auf das 20—Mache der unsrigen geschätzt wurden — nur nach den Leichenhauf vor unseren Stellungen. Der mit allen Mitteln angestrebte Einbruch in das Donezbecken und das große Kerngebiet der fruchtbaren Ukraine ist unter blutigsten Opfern gescheitert. Die Ernährungslage wirb von neuem gefährlich, ein dürrer Frühling verheißt schlechte Ernte. Die Zufuhren über das Nordmeer und den aus- gesogenen Iran genügen bei weitem nicht, und der Moskauer Delegierte zu der famosen „Nachkriegs-Ernährungskonferenz" in Hot- springs forderte barsch sofortige Maßnahmen statt jüdischer Profitpläne für später. USA.- Marineminister Knox bestätigte die Vor- dringlichkeit der sowjetischen Versorgung mit Lebensmitteln. Alle Sorge der Westmächte
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Rom, 31. Mai. Eine Gruppe von 4V0 italienischen Kriegsbeschädigten, die zusammen mit einer Gruppe deutscher Verwundeter einige Wochen der Erholung in Badeorten der adriatischen Küste zugebracht hatten, besuchte die Stadt Forli und den Heimatort des Duce, Predappio. Nachdem sie an den Gräbern der Eltern des Duce sowie des tödlich verunglückten Sohnes des Duce, Bruno Mussolini, geweilt hatten, erschien überraschend der Duce unter ihnen.
Der Duce wandte sich in Worten des tiefsten Mitgefühls an di« Verwundeten und hob hervor, daß sie, die bisherigen Kämpfer an der äußeren Front, nunmehr zu Kämpfern an der inneren Front geworden seien, wo es ihre Aufgabe sei, diejenigen Lügen zu strafen, die sich auch jetzt noch Einbildungen über die
nischen Gegners hingeben. „Eure Aufgabe ist es", rief der Duce den Verwundeten zu, „den heiligen Haß gegen den Feind zu verbreiten. Jede Nachgiebigkeit wäre ein Verbrechen und ein Verrat am Vaterland. In solcher Weise leistet ihr euren Auftrag am Kamps um das Ziel, nach dem wir mit unserem allertiefsten Glauben streben." Wie aus einem Munde
schallte dem Duce auf seine packenden Worte der Kampfruf der Italiener „Vineceremo" (Wir werden siegen) entgegen. — Anschließend wandte sich der Duce in deutscher Sprache an die deutschen Verwundeten und unterstrich in seinen Worten die unauflösbare Kampfgemeinschaft der beiden Völker in Waffen.
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Rom, 31. Mai. Das Hauptquartier der italienischen Wehrmacht gibt bekannt: „Feindliche Flugzeugverbände warfen gestern zahlreiche Bomben auf die Stadt Neapel, die ihren 70. Luftangriff durchmachte, auf Ortschaften Sardiniens und die Provinzen Fog-
gio, Bari und Potenza ab. In Neapel ent- Eroßmütigkei't des englischen und amerika- stand beträchtlicher Schaden an öffentlichen
und privaten Gebäuden. Sechs viermotorige Flugzeuge wurden abgeschossen, drei von italienischen, eins von deutschen Jägern und zwei von. der Flakartillerie. Bei Angriffen auf die Insel Pantelleria verlor der Gegner neun Flugzeuge, die von den Abwehrbat- terien abgeschossen wurden. Ein weiteres Flugzeug wurde von unseren Jägern abge- ichogen und stürzte ins Meer."
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Dr. Karl Heinz Abshaaen, der als Sonderkorrespondent von Transozean Euro- vavrcs; zur Zeit Cbina bereist mit dem be- , sonderen Auftrag, die militärischen Ausnch- - ten Tschungking-Chinas zu untersuchen, übermittelt uns nachstellenden Bericht, der durch die neuen Meldungen über die lapannchcu Erfolge an der Tschungkingfront besondere Aktualität gewinnt.
ev. Schanghai. 31. Mai. Wie stark ist Tschungking? ' Wie stark ist zunächst die Armee Tschungkings? Immer wieder werden verwirrende Berichte über Tschungkings militärische Stärke in der Welt verbreitet. Angesichts der Weiträumigkeit des Landes und des Fehlens einer einheitlichen Kontrolle, aber auch wegen der großen Anzahl irregulärer Einheiten, deren Mitglieder sich aus Guerillakämpfern in Bauern verwandeln und, wenn nötig, aus Bauern in Eue- rillakämpfer, ist es außerordentlich schwierig, die numerische Stärke wiederzugeben. Ich bin aber der Ueberzeugung, daß Tschungkings Generalstabschej Hoyingch an den Glauben selbst naiver Leute zu große Ansprüche stellte, als er im Sommer vorigen Jahres Tschungkings Streitkräfte mit über A> Millionen Mann angab, von denen vier Millionen angeblichin 150 Divisionen aufgestellt seien, während der Rest als „nationale Armee" eine Art zweiter Verteidigungslinie bilde. Schätzt man die Bevölkerung der unter Tschungkings Kontrolle
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stehenden Gebiete auf 150 Millionen Men- Nord-Burma standen starke und Verhältnis- -baren Angaben über Tschungkings militä-
^. " - 2 -.:^- —„..tk.—--k-. -rische Stärke zeigt die Tatsache, daß das
Nachlassen der Widerstands- und Stoßkraft nicht länger mehr verheimlicht werden kann, es sei denn. daß beträchtliche Unterstützung von. außen die wachsende Desorganisation aufhält, die in nicht zu ferner Zeit einen gefährlichen Punkt erreichen muß.
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rd. Berlin, 31. Mai. Während in Zentral- china die Kämpfe zwischen den Japanern und Tschiangkaischeks Truppen einem Höhepunkt zustreben, überrascht jetzt eine Meldung aus Tschungking, wonach Tschiangkaischek zum Staatspräsidenten von Tschungking-China ernannt werden soll. Ein betreffender Gesetzesantrag wurde bereits vom ständigen Aus- schuß der Kuomintang in einer außerordentlichen Sitzung entworfen. Tschiangkaischek ist also wieder die Präsidentschaft zugedacht. Der gegenwärtige 81jährige Präsident Lon Sen erlitt einen Schlaganfall, der ihn lähmte. Er kann wahrscheinlich seine Amtstätigkeit nicht mehr ausüben. Die Kuomintang, die Partei Tschiangkaischeks, beantragte daher, daß der Präsident der Exekutive die Staats- präsidentschast übernehmen soll. wenn deren Inhaber nicht mehr in der Lage wäre, seinen Posten auszufüllen. Der gegenwärtige Leiter der Exekutive aber ist Tschiangkaischek.
schen, dann mag es möglich erscheinen, 20 Millionen für -die Truppe zu mobilisieren, vorausgesetzt, daß Tschungkings Lrgani- sationskapazität und Hilfsquellenfonds reichhaltig genug sind, um solche Riesenmeinen einzukleiden und zu bewaffnen. Jeder Tag bringt aber genügend Beweise dafür, daß dies nicht der Fall ist. Neuere Schä„ungen unterrichteter japanischer Quellen geben die Stärke der Tschungkingarmee mit 7 Millionen Mann an. die in 340 Divisionen eingeteilt sind, dazu 20 unabhängige Brigaden und 72 Divisionen, die zu den sogenannten zentralen Verbänden Tschungkings gehören, die direkt unter der Kontrolle Tschungkings stehen. Die restlichen zwei Drittel dagegen sind Provinzialoerbünde unter dem Kommando von örtlichen Führern, von denen die meisten keinen direkten Kontakt mit Tschiangkaischek haben, und deren Truppen in keiner Weise dem Standard der zentralen Verbände entsprechen.
Nach den einsatzsreudigen Kämpfen gewisser chinesischer Elite-Einheiten, besonders im Raume von Schanghai zu Beginn des China-Konfliktes, ist die Kampfkraft der Tschungking-Armeen lange Zeit allgemein überschätzt worden. Erst die Burma-Kampagne des vergangenen Jahres gab Gelegenheit, das Urteil zu revidieren und den Kampfwert der tschungking-chinesischen und der japanischen Truppen zu vergleichen. In
mäßig gutbewaffnete Truppen mit Nachschub hervorragend versorgter Tschungking-Divisio- nen japanischen Truppen gegenüber, die an Zahl und Waffen schwach und durch den langen Gewaltmarsch erschöpft waren. Doch fehlte den Tschungking-Truppen jene Unterstützung von den Ortsbewohnern, an die sie bei ihren Kämpfen in Jnnerchina gewöhnt waren, und sie hatten jetzt nicht die Möglichkeit, in der Masse der Zivilbevölkerung unterzugehen und zu verschwinden, wenn es hart auf hart ging. Der Ausgang dieser Kämpfe war niemals zweifelhaft. Nicht eher, als bis sie die Mnnan-Erenze über-? schritten hatten und sich in dem schwierigen Berggelände ihres eigenen Heimatgebietes festsetzen konnten, waren die Tschungking- Nachhuten in der Lage, Widerstand zu organisieren. Zahlreiche Chinesen haben damals die Entsendung von Truppen nach Burma als eine ernste moralische Niederlage für Tschiangkaischek betrachtet, da er dadurch den chinesischen Massen gegenüber zugab, daß sie nicht nur für die Verteidigung Ghi- nas und seine Unabhängigkeit, sondern auch für den britisch-amerikanischen Imperialismus kämpfen. Jedenfalls hat die Niederlage in Burma beträchtlich zum Sinken der Moral der Tschungking-Truppen beigetragen, wie seitdem beobachtet werden konnte und in der wachsenden Zahl von Deserteuren zum Ausdruck kommt. Das Resums aller verfüg.
dreht sich um die Fähigkeit der Sowjets zum Durchholten.
Die aufeinander abgestimmten drei Offensiven der November-Invasion in Nordwestafrika, Angriff von Aegnpten her, Offensive im Osten, gemäß dem Plan von Casa- blanca — haben ihr Hauptziel, den gleichzeitigen Zangen-Einbruch in die europäische Front, verfehlt. Der großartige Widerstand unserer verbündeten Heere ließ es im Osten nur zu den Teilerfolgen in der östlichen Ukraine kommen. In Nordafrika steht der Feind, der „zu Weihnachten seinen Tee in Rom trinken" wollte, jetzt an der Meerenge von Sizilien und sucht den Weg durchs Mittelmeer zu gewinnen, der 5000 Seemeilen Umweg und 2 Millionen BRT. Schiffsraum ersparen und die Klammer über die Dardanellen vollenden soll. Aber dort stehen auch wir von der Achse in gewaltigen Stellungen, deren Ausbau uns der Zeitgewinn und zäher Widerstand in Nordafrika erlaubte. Schon viele Monate vor dem Ueberfall beherrschten wir die Enge. die kein Transport oder Eeleitzug passierte. Malta freilich konnte heimlich versorgt werden und blieb eine Gefahr in der Flanke. Aber die vereinigte Luftwaffe der Achse hat jetzt ihre Kräfte beisammen und läßt sie den Gegner in den algerischen und tunesischen, tripolitanischen, syrischen und ägyptischen Häfen — vor kurzem bis nach Port Sudan und Ostafrika — fühlen. Sein Angriffsterror auf Sizilien und Süditalien wird diese Front niemals bis zur Sturmreife erweichen. Was einer Invasion an Verlusten blühen würde, liest er mit Bestürzung von den unfrisierten und geheimen Verlustzahlen in Nordafrika ab. Kein Tag vergeht ihm auch hier ohne Schiffsverluste. Die britischen U-Boote, die französische Postdampfer und Fischkutter und portugiesische Küstenfrachter abschießen, scheinen von ohnmächtigem Vlutrausch erfüllt.
Während dieser Pause am Mittelmeer bleibt die Sorge um den Schiffs- und Transportraum ungestillt. Aus der Jnva- sionsflotte für Nordafrika, für die etwa 1,7 Mill. BRT. zur Verfügung standen, fehlt mehr als ein Drittel. Die drei feindlichen Armeen dort in Stärke von etwa 400 000 Mann verlangen einen ständigen Nachschubdienst von monatlich 5 600 000 Eewichtstonnen, nach den eingetretenen Verlusten zur Zeit aber mehr. Das ist eine dauernde Bindung von Schiffsraum neben den fast nicht mehr zu zählenden sonstigen Expeditionen, die geradewegs auf Kosten der englischen Versorgung geht. Lord Woolton, der Londoner Ernährungsminister, sprach sorgenvoll von bedenklichem Schwinden der Reserven. Woher soll Ersatz kommen? Churchill appellierte an die Bergwerksarbeiter, schneller und pünktlicher zu fördern. Kohle ist der einzige Rohstoff, den England ausreichend besitzt. Die gute Hälfte seiner Ernährung kommt über See. Aber die Ueberschuß- gebiete sind ohne Transportraum. Australiens Wolle und Getreide blieben aus, seine Ausfuhr liegt praktisch still. Aehnlich in ganz Südamerika. Hier am A-tlantik drängt die Zeit, und das umso mehr, wenn der Blick sich nach Ostasien wendet.
In Casablanca beschloß man: „Europa mit Hitler zuerst, dann Japan", aber das war schon immer der alte Plan gewesen, und die Japaner hatten ihren Strich durch die Rechnung gemacht, von Pearl Harbour bis zu den Salomonen. In den USA. schwankt man, was nun dringender sei, und Churchill beschwört die Männer in Washington, jetzt nicht abzuschwenken und den Plan zu ändern. Aber die Spuren von Nordafrika und der Blick auf die Festung und Kampfbasis Europa schrecken. Vielleicht sollte man doch in Ostasien zupacken, bevor auch dort alle Stellungen bis zur Uneinnehmbarkeit ausgebaut sind? Roosevelt bemerkte zur hilfesuchenden Frau Tschiangkaischeks, die Auf- rollung der Südsee-Jnseln bis zur Einnahme von Tokio" könne wohl 50 Jahre dauern. Vor Tisch hieß es 90 Tage". Jetzt