Ausgabe 
(1.6.1943) 150
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Erscheint 7mal wöchentlich

Mon-lsb-zirg 2.30 RM -tnxyi .-juft-llgebühr; Poftbezugrpr-i- monatlich 2,39 RM I-tnschl. 30 .l Rpf Poftzeitungsgrbllhrl zuzügl tS Nps. P-st-llgeld Postscheck: S-mturz 17272 «nzei» genpreise uns Aufnahmebedingungen lt Preis­liste. Aufnahmetermin« ohne Verbindlichkeit.

Geschäftsstellen?

Bremen: Leeren k>/ 8 . Ruf 2 19 31 : Nachtruf U. sonntags 2«7 6 S: Ob-rnftr. 86 . Ruf 219 31 ; Sqke: Mühl-nd-mm 2 : Br -Hemelingen: B-Hn- hofstrahe 6 . Ecke Poststr.. Ruf « 3168 : Br.> Degesack: R-Hrstr 2 t. Ruf t u 8 : Br -Blumen- thal: Kapt.-Dallmann-Str. « 1 / 43 . Ruf 88 u. 89

Parleiarnttictie Layeszettung

vos flmtsblatt des legierenden vürgermeistcrs der Zielen Hansestadt vremen

der Natwnals'oziai.istLN. Vrenrens

sämtliches verkündungsblatt des Ncichsstatttialters in Oldenburg und Vremen

Nr. 150 , 1 Z. Jahrgang

Vienstag. 1 . Juni 1 S 4 Z

kinzelpreis 15 Npf.

?Isl!r sa äer Loime kür jeäsrmsiw

. - X

^ ösc/sutroms O 05/0 Os/e^o/'x unc/ c/s§ /opan/ 5 c/is/i 6 c>t 5 c^a/ts 55 lam

^c/iwsf^/sgsnc/s 665 täfrc/nk' 55 s au§ ^ 05 /cou

t >»!I -

. ^ !>

- 4

l

Drahtbericht unserer Berliner Schrütleitnng

eos. Berlin, 31. Mai. Der japanische Botschafter in Nanking, Tani, formulierte in einer aufsehenerregenden Erklärung das Prinzip, mit dem das japanische Kaiserreich aufgebaut sei, mit der grundsätzlichen Forde­rung: „Platz an der Sonne für jedermann". Dieses Prinzip werde auch der Politik ge­genüber China zugrunde gelegt. In diesem von Tani ausgesprochenen Wort zeigt sich erneut die geistige Einheit der Dreierpakt­mächte und die völlige Uebereinstimmung ihrer Kriegsziele» da der gleiche Grundsatz das Kriegsziel Deutschlands und Italiens darstellt.

Wenn Botschafter Tani mit so starker Be­tonung das Recht auf den „Platz an der Sonne für jedermann" herausstellte, so kommt dieser Erklärung eine um so höhere Bedeu­tung zu, als Tani sagte, daß dieser Grund­satz auch für die japanische Politik gegen­über China gelte. Tani gab zudem seine Erklärung in einem Augenblick ab. wo die Lage Tschungking-Lhinas selbst von der geg­nerischen Seite als „hoffnungslos" bezeich­net wird. Gerade eben liegt ein Bericht des Tunschkinger Agenten des „Daily Herold" vor, der feststellt, das; „das Lebensblut Tschungking-Chinas völlig ausgetrocknet" zu sein scheine- und der sich im Hinblick auf die in vielen Provinzen herrschenden Hungers­not, auf die Zerstörung der Eisenbahnlinien und Hauptverkehrsstraßen, den völligen Man­gel an Berzin und Kohle sowie die in einer 75fachen Steigerung der Eroßhandelsindex- ziffer ausgedrückten Teuerung darüber wun­dert, „wie man unter derartigen Verhält­nissen überhaupt noch leben kann". Gerade durch diese Lage Tschunking-Chinas erhält Tanis Rede eine um sv höhere Bedeutung. Sie beweist erneut, datz das Kriegsziel der Dreierpaktmächte in der Tat in einem neuen Ordnungsprinzip bejteht, das den Völkern die Freiheit ihres Lebens politisch sowohl wie wirtschaftlich gewähren soll.

Die Erklärung Tanis wird noch unter­strichen durch eine Ansprache, die der Leiter

-rjs.W

ki,» »!>nss

uklt-

M M nsuvstsr vrssünougkt

Dr. m. Berlin, 31. Mai. Japans Kriegs­flotte wurde soeben durch einen fertiggestell­ten Neubau vergrößert, der jedoch nur eine von mehreren neuen Einheiten ist, die jetzt im ostasiatischen Raum zum Einsatz kommen. Es handelt sich um ein neues japanisches Schlachtschiff, das in seiner Kampskraft und in seinem Aktionsradius den Schlachtschiffen des Dreadnought-Typs entspricht das jedoch den USA.-Schlachtschiffen der Iowa-Klasse bei weitem überlegen ist, und zwar sowohl in bezug auf Schnelligkeit, als auch auf Be­stückung. Da außer dieser Einheit noch wei­tere Kriegsschiffe ihre Probefahrten beendigt haben und ihren neuen Verbänden zum Ein­satz zugeteilt wurden, von denen die Öffent­lichkeit noch keinerlei Kenntnis besitzt, dürfte die japanische Flotte in ihrer heutigen Stärke auf der Feincheite noch eine Sensation her­vorrufen. Auf jeden Fall gelang es Tokio, die erlittenen Verluste seit Beginn des Krie­ges wieder zu ersetzen und zwar durch Ein­heiten. die den in Verlust geratenen bei wei­tem überlegen sind. Diese Flottenverstärkung wurde den Japanern am „Tage der japa­nischen Marine" durch Konteradmiral Hideo Pano mitgeteilt und hat in Tokio einen Sturm der Begeisterung ausgelöst. Das ja­panische Wölk weiß. daß die Stärke des .jSonnenbanners in der Aktivität der japa- ^ Nischen Flotte verankert ist. Jede Tonne neuen Schiffsraums aber stärkt das Potential von Macht, Einfluß und Befreiung des groß- ostasiatischcn Lebensraumes vom englischen und amerikanischen Joch.

-:tl>

>«>-! >

des italienischen Schwerkriegsverletzten-Ver- bandes, Carlo Delcroix, vor Abordnungen der verschiedenen Waffenverbänbe der faschi­stischen Jugendorganisation, der Kriegsbeschä­digten und der Eoldmedaillenträger hielt. Dabei sagte er. daß dieser Krieg bewiesen habe, daß die Zukunft denjenigen Völkern gehören wird, „die im Auf und Ab der Ge­schichte weniger Hochmut, dafür aber mehr innere Haltung" zeigen. Dieser „Krieg des Unvorhergesehenen" habe bewiesen, daß die Ereignisse einem höheren Willen gehorchen, und daß die Geschichte ebenso Vorsehung ist wie das Leben Schickung. In der hier aus­gesprochenen Absage an den Hochmut und in der Forderung nach innerer Haltung, ist ge­nau das gleiche Prinzip enthalten, wie in der Ansprache Botschafter Tanis. Carlo Dcl- croix zeigt aber auch in seinen weiteren Aus­führungen, wie entgegengesetzt diesen Grund­sätzen der Feind handelt. Man verspreche

Italien Freiheit, aber nur um in einem vom Feinde besetzten Lande und unter seiner Fuch­tel zu leben. Gleichzeitig drohe man die Zer­störung der italienischen Städte an und hetze Italien zur Rebellion auf. Während die Dreierpaktmächte dafür kämpfen, daß end­lich ein Ordnungsprinzip herrscht, das den Platz an der Sönne für jedermann garan­tiert, läßt der Gegner mit brutaler Offenheit schon heute keinen Zweifel daran, daß er sein Krieqsziel in einer totalen Unterdrückung und Terrorisierung der Welt erblickt.

Gleichzeitig liegen Stimmen vor, die be­weisen, daß die Feindmächte heute mehr denn je gewillt sind, nicht nur die Staaten des Dreierpaktes, sondern die ganze Welt ihrer rücksichtslosen Willkürherrschaft zu unterwer­fen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Aeußerung zu. die im Moskauer Rund­funk das Mitglied des Zentralkomit<-s der (Fortsetzung auf Seite 2)

Lllgüscks ksksoÄSäts domdarälsrl

ösi out c/sut§ctiS5 6s/sit römtstctis

ongrs/tsnc/sn ^ovv/slbomtrsr ot)gs5ctio55sn

Aus dem Führerhauptquartier, 31. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt be­kannt: „Der Feind setzte gestern die An­griffe gegen den Kuban-Brückenkopf nicht fort. Von der übrigen Front wird bis auf ein erfolgreiches eigenes Angriffsunterneh­men bei Welish nur Späh- und Stoß­trupptätigkeit gemeldet. Bei einem Angriff eines sowjetischen Bomberverbandes gegen ein deutsches Geleit im Schwarzen Meer wurden durch Jagdflieger und Fahrzeuge der Kriegsmarine sämtliche neun angreifenden Bombenflugzeuge abgeschossen. Insgesamt verloren die Sowjets gestern 74 Flugzeuge, sieben eigene werden vermißt. Schnelle deut­sche Kampfflugzeuge griffen Hafenstädte an der englischen Süd- und Süd­ostküste an und warfen Bomben großen Kalibers aus kriegswichtige Anlagen. 2m Mittelmeergebiet vernichtete die Luftwaffe am 29. und 30. Mai 13 Flugzeuge, darunter mehrere schwere Bomber. Bei bewaffneter Fernaufklärung über dem Atlantik wurde ein feindliches Frachtschiff von 4900 BRT. durch Luftangriff versenkt und ein vier­motoriges britisches Flugzeug im Luftkampf abgeschossen."

Ein Verband schneller deutscher Kampf­flugzeuge griff, wie der Wehrmachtbericht bekanntgibt, Hafenstädte an der englischen Süd- und Siidostküfte an und warf Bomben schweren Kalibers auf kriegswichtige An­lagen. In den frühen Nachmittagsstunden des 30. Mai wurde die siidenglische Hafen­stadt Torquary überraschend aus gerin­ger Höhe angegriffen. Die feindliche Flak konnte durch Bordwaffenbeschuß niederge­halten werden, so daß sie nicht zur Wirkung kam. Unsere Kampfflugzeuge erhielten jedoch Gefechtsberührung mit feindlichen Jägern, die zur Abwehr gestartet waren. Hierbei entwickelten sich heftige Luftkämpfe, in deren Verlauf ein amerikanischer Jäger vom Mu­ster „Tomahawk" abgeschossen wurde. Außer­dem wurde beobachtet, wie ein britischer Jä­ger vom Muster „Spitfire" infolge Wasser­berührung im Meer versank. Bomben schwe­ren Kalibers fanden ihr Ziel im Hasenge­biet sowie in sonstigen kriegswichtigen An­lagen der Stadt. Starke Brände und um­fangreiche Schäden wurden beobachtet. In den Abendstunden des gleichen Tages stießen schnelle Bomber noch gegen andere Hafen- plätze der britischen Siidostküfte vor. Auch hier waren sie erfolgreich und trafen mit ihren schweren Bomben kriegswichtige Ziele.

U

Immer neue Crstwilligonvorbänds treten an die Leite der ksmplenden deutscllen und ver­bündeten Truppen, um gemeinsam den bolscksvvistiscken V/eltkeind endgültig nieder- ruringen. — liier sind es muselmaniscke Kroaten, die in eins küeivilligsndivision der VVskken-tt aufgenommen und nun vereidigt verdsn.

kK.-Kriexsberiebter IVetrei / Ltl. <8ck)

K/ie stark ist Mr-eee 4teM»y?

uns, c/sm /-sinc/ irrsnnt c/sr Kn'sg out c/so ^ögs/n

Von ^ontersckmirsl 6 s <l o rv

Es scheint: als wenn der große Krieg vor­übergehend den Atem anhielte. Allerdings scheint es nur so, denn viele Umstände zwin­gen unsere Gegner zum Handeln, die Zeit arbeitet nicht für sie, sondern für uns. Sowjetrußland ist schwer erschöpft von seinen Winterofsensiven, bei denen die Feindverluste von unseren Kämpfern auf das 20—Mache der unsrigen geschätzt wurden — nur nach den Leichenhauf vor unseren Stellungen. Der mit allen Mitteln angestrebte Einbruch in das Donezbecken und das große Kern­gebiet der fruchtbaren Ukraine ist unter blu­tigsten Opfern gescheitert. Die Ernährungs­lage wirb von neuem gefährlich, ein dürrer Frühling verheißt schlechte Ernte. Die Zu­fuhren über das Nordmeer und den aus- gesogenen Iran genügen bei weitem nicht, und der Moskauer Delegierte zu der famosen „Nachkriegs-Ernährungskonferenz" in Hot- springs forderte barsch sofortige Maßnahmen statt jüdischer Profitpläne für später. USA.- Marineminister Knox bestätigte die Vor- dringlichkeit der sowjetischen Versorgung mit Lebensmitteln. Alle Sorge der Westmächte

vnsullönbsre ksmpkgemeinsckstt

Osr Oucs trst i'tot/sn/rctisn unc/ c/sut§c/isn ^r,'sg5trsrc^cic//gtsn

Rom, 31. Mai. Eine Gruppe von 4V0 ita­lienischen Kriegsbeschädigten, die zusammen mit einer Gruppe deutscher Verwundeter einige Wochen der Erholung in Badeorten der adriatischen Küste zugebracht hatten, be­suchte die Stadt Forli und den Heimatort des Duce, Predappio. Nachdem sie an den Grä­bern der Eltern des Duce sowie des tödlich verunglückten Sohnes des Duce, Bruno Mussolini, geweilt hatten, erschien über­raschend der Duce unter ihnen.

Der Duce wandte sich in Worten des tief­sten Mitgefühls an di« Verwundeten und hob hervor, daß sie, die bisherigen Kämpfer an der äußeren Front, nunmehr zu Kämpfern an der inneren Front geworden seien, wo es ihre Aufgabe sei, diejenigen Lügen zu strafen, die sich auch jetzt noch Einbildungen über die

nischen Gegners hingeben. „Eure Aufgabe ist es", rief der Duce den Verwundeten zu, „den heiligen Haß gegen den Feind zu verbreiten. Jede Nachgiebigkeit wäre ein Verbrechen und ein Verrat am Vaterland. In solcher Weise leistet ihr euren Auftrag am Kamps um das Ziel, nach dem wir mit unserem allertiefsten Glauben streben." Wie aus einem Munde

schallte dem Duce auf seine packenden Worte der Kampfruf der Italiener „Vineceremo" (Wir werden siegen) entgegen. — Anschlie­ßend wandte sich der Duce in deutscher Sprache an die deutschen Verwundeten und unterstrich in seinen Worten die unauflös­bare Kampfgemeinschaft der beiden Völker in Waffen.

Her iislieillsclis IVekrmscklsdsrllZit

Rom, 31. Mai. Das Hauptquartier der ita­lienischen Wehrmacht gibt bekannt: „Feind­liche Flugzeugverbände warfen gestern zahl­reiche Bomben auf die Stadt Neapel, die ihren 70. Luftangriff durchmachte, auf Ort­schaften Sardiniens und die Provinzen Fog-

gio, Bari und Potenza ab. In Neapel ent- Eroßmütigkei't des englischen und amerika- stand beträchtlicher Schaden an öffentlichen

und privaten Gebäuden. Sechs viermotorige Flugzeuge wurden abgeschossen, drei von ita­lienischen, eins von deutschen Jägern und zwei von. der Flakartillerie. Bei Angriffen auf die Insel Pantelleria verlor der Gegner neun Flugzeuge, die von den Abwehrbat- terien abgeschossen wurden. Ein weiteres Flugzeug wurde von unseren Jägern abge- ichogen und stürzte ins Meer."

Vlscksslläv Vs8orssm§s1ioil in Irrelumglüns

iid-

Dr. Karl Heinz Abshaaen, der als Sonderkorrespondent von Transozean Euro- vavrcs; zur Zeit Cbina bereist mit dem be- , sonderen Auftrag, die militärischen Ausnch- - ten Tschungking-Chinas zu untersuchen, über­mittelt uns nachstellenden Bericht, der durch die neuen Meldungen über die lapannchcu Erfolge an der Tschungkingfront besondere Aktualität gewinnt.

ev. Schanghai. 31. Mai. Wie stark ist Tschungking? ' Wie stark ist zunächst die Armee Tschungkings? Immer wieder wer­den verwirrende Berichte über Tschungkings militärische Stärke in der Welt verbreitet. Angesichts der Weiträumigkeit des Landes und des Fehlens einer einheitlichen Kon­trolle, aber auch wegen der großen Anzahl irregulärer Einheiten, deren Mitglieder sich aus Guerillakämpfern in Bauern verwan­deln und, wenn nötig, aus Bauern in Eue- rillakämpfer, ist es außerordentlich schwie­rig, die numerische Stärke wiederzugeben. Ich bin aber der Ueberzeugung, daß Tschung­kings Generalstabschej Hoyingch an den Glauben selbst naiver Leute zu große An­sprüche stellte, als er im Sommer vorigen Jahres Tschungkings Streitkräfte mit über A> Millionen Mann angab, von denen vier Millionen angeblichin 150 Divisionen auf­gestellt seien, während der Rest als „natio­nale Armee" eine Art zweiter Verteidi­gungslinie bilde. Schätzt man die Bevölke­rung der unter Tschungkings Kontrolle

V^/s stark si'ncch Isc/i/angka/sc^sks m///tär/sclis lOö/ts?

stehenden Gebiete auf 150 Millionen Men- Nord-Burma standen starke und Verhältnis- -baren Angaben über Tschungkings militä-

^. " - 2 -.:^- —„..tk.—--k-. -rische Stärke zeigt die Tatsache, daß das

Nachlassen der Widerstands- und Stoßkraft nicht länger mehr verheimlicht werden kann, es sei denn. daß beträchtliche Unterstützung von. außen die wachsende Desorganisation aufhält, die in nicht zu ferner Zeit einen gefährlichen Punkt erreichen muß.

Inökirmgksinclisll virä 8 lLsl 8 vrL 8 iäenl

rd. Berlin, 31. Mai. Während in Zentral- china die Kämpfe zwischen den Japanern und Tschiangkaischeks Truppen einem Höhepunkt zustreben, überrascht jetzt eine Meldung aus Tschungking, wonach Tschiangkaischek zum Staatspräsidenten von Tschungking-China er­nannt werden soll. Ein betreffender Gesetzes­antrag wurde bereits vom ständigen Aus- schuß der Kuomintang in einer außerordent­lichen Sitzung entworfen. Tschiangkaischek ist also wieder die Präsidentschaft zugedacht. Der gegenwärtige 81jährige Präsident Lon Sen erlitt einen Schlaganfall, der ihn lähmte. Er kann wahrscheinlich seine Amtstätigkeit nicht mehr ausüben. Die Kuomintang, die Partei Tschiangkaischeks, beantragte daher, daß der Präsident der Exekutive die Staats- präsidentschast übernehmen soll. wenn deren Inhaber nicht mehr in der Lage wäre, seinen Posten auszufüllen. Der gegenwärtige Leiter der Exekutive aber ist Tschiangkaischek.

schen, dann mag es möglich erscheinen, 20 Millionen für -die Truppe zu mobilisie­ren, vorausgesetzt, daß Tschungkings Lrgani- sationskapazität und Hilfsquellenfonds reich­haltig genug sind, um solche Riesenmeinen einzukleiden und zu bewaffnen. Jeder Tag bringt aber genügend Beweise dafür, daß dies nicht der Fall ist. Neuere Schä„ungen unterrichteter japanischer Quellen geben die Stärke der Tschungkingarmee mit 7 Millio­nen Mann an. die in 340 Divisionen einge­teilt sind, dazu 20 unabhängige Brigaden und 72 Divisionen, die zu den sogenannten zentralen Verbänden Tschungkings gehören, die direkt unter der Kontrolle Tschungkings stehen. Die restlichen zwei Drittel dagegen sind Provinzialoerbünde unter dem Kom­mando von örtlichen Führern, von denen die meisten keinen direkten Kontakt mit Tschiangkaischek haben, und deren Truppen in keiner Weise dem Standard der zentralen Verbände entsprechen.

Nach den einsatzsreudigen Kämpfen gewis­ser chinesischer Elite-Einheiten, besonders im Raume von Schanghai zu Beginn des Chi­na-Konfliktes, ist die Kampfkraft der Tschungking-Armeen lange Zeit allgemein überschätzt worden. Erst die Burma-Kam­pagne des vergangenen Jahres gab Gelegen­heit, das Urteil zu revidieren und den Kampfwert der tschungking-chinesischen und der japanischen Truppen zu vergleichen. In

mäßig gutbewaffnete Truppen mit Nachschub hervorragend versorgter Tschungking-Divisio- nen japanischen Truppen gegenüber, die an Zahl und Waffen schwach und durch den lan­gen Gewaltmarsch erschöpft waren. Doch fehlte den Tschungking-Truppen jene Unter­stützung von den Ortsbewohnern, an die sie bei ihren Kämpfen in Jnnerchina gewöhnt waren, und sie hatten jetzt nicht die Mög­lichkeit, in der Masse der Zivilbevölkerung unterzugehen und zu verschwinden, wenn es hart auf hart ging. Der Ausgang dieser Kämpfe war niemals zweifelhaft. Nicht eher, als bis sie die Mnnan-Erenze über-? schritten hatten und sich in dem schwierigen Berggelände ihres eigenen Heimatgebietes festsetzen konnten, waren die Tschungking- Nachhuten in der Lage, Widerstand zu orga­nisieren. Zahlreiche Chinesen haben damals die Entsendung von Truppen nach Burma als eine ernste moralische Niederlage für Tschiangkaischek betrachtet, da er dadurch den chinesischen Massen gegenüber zugab, daß sie nicht nur für die Verteidigung Ghi- nas und seine Unabhängigkeit, sondern auch für den britisch-amerikanischen Imperialis­mus kämpfen. Jedenfalls hat die Niederlage in Burma beträchtlich zum Sinken der Mo­ral der Tschungking-Truppen beigetragen, wie seitdem beobachtet werden konnte und in der wachsenden Zahl von Deserteuren zum Ausdruck kommt. Das Resums aller verfüg.

dreht sich um die Fähigkeit der Sowjets zum Durchholten.

Die aufeinander abgestimmten drei Of­fensiven der November-Invasion in Nord­westafrika, Angriff von Aegnpten her, Offen­sive im Osten, gemäß dem Plan von Casa- blanca — haben ihr Hauptziel, den gleich­zeitigen Zangen-Einbruch in die europäische Front, verfehlt. Der großartige Widerstand unserer verbündeten Heere ließ es im Osten nur zu den Teilerfolgen in der östlichen Ukraine kommen. In Nordafrika steht der Feind, der „zu Weihnachten seinen Tee in Rom trinken" wollte, jetzt an der Meerenge von Sizilien und sucht den Weg durchs Mit­telmeer zu gewinnen, der 5000 Seemeilen Umweg und 2 Millionen BRT. Schiffsraum ersparen und die Klammer über die Darda­nellen vollenden soll. Aber dort stehen auch wir von der Achse in gewaltigen Stellungen, deren Ausbau uns der Zeitgewinn und zäher Widerstand in Nordafrika erlaubte. Schon viele Monate vor dem Ueberfall beherrsch­ten wir die Enge. die kein Transport oder Eeleitzug passierte. Malta freilich konnte heimlich versorgt werden und blieb eine Ge­fahr in der Flanke. Aber die vereinigte Luft­waffe der Achse hat jetzt ihre Kräfte beisam­men und läßt sie den Gegner in den algeri­schen und tunesischen, tripolitanischen, syri­schen und ägyptischen Häfen — vor kurzem bis nach Port Sudan und Ostafrika — füh­len. Sein Angriffsterror auf Sizilien und Süditalien wird diese Front niemals bis zur Sturmreife erweichen. Was einer Invasion an Verlusten blühen würde, liest er mit Be­stürzung von den unfrisierten und geheimen Verlustzahlen in Nordafrika ab. Kein Tag vergeht ihm auch hier ohne Schiffsverluste. Die britischen U-Boote, die französische Post­dampfer und Fischkutter und portugiesische Küstenfrachter abschießen, scheinen von ohn­mächtigem Vlutrausch erfüllt.

Während dieser Pause am Mittelmeer bleibt die Sorge um den Schiffs- und Transportraum ungestillt. Aus der Jnva- sionsflotte für Nordafrika, für die etwa 1,7 Mill. BRT. zur Verfügung standen, fehlt mehr als ein Drittel. Die drei feind­lichen Armeen dort in Stärke von etwa 400 000 Mann verlangen einen ständi­gen Nachschubdienst von monatlich 5 600 000 Eewichtstonnen, nach den eingetretenen Ver­lusten zur Zeit aber mehr. Das ist eine dau­ernde Bindung von Schiffsraum neben den fast nicht mehr zu zählenden sonstigen Expe­ditionen, die geradewegs auf Kosten der englischen Versorgung geht. Lord Woolton, der Londoner Ernährungsminister, sprach sorgenvoll von bedenklichem Schwinden der Reserven. Woher soll Ersatz kommen? Chur­chill appellierte an die Bergwerksarbeiter, schneller und pünktlicher zu fördern. Kohle ist der einzige Rohstoff, den England ausrei­chend besitzt. Die gute Hälfte seiner Ernäh­rung kommt über See. Aber die Ueberschuß- gebiete sind ohne Transportraum. Austra­liens Wolle und Getreide blieben aus, seine Ausfuhr liegt praktisch still. Aehnlich in ganz Südamerika. Hier am A-tlantik drängt die Zeit, und das umso mehr, wenn der Blick sich nach Ostasien wendet.

In Casablanca beschloß man: „Europa mit Hitler zuerst, dann Japan", aber das war schon immer der alte Plan gewesen, und die Japaner hatten ihren Strich durch die Rech­nung gemacht, von Pearl Harbour bis zu den Salomonen. In den USA. schwankt man, was nun dringender sei, und Churchill be­schwört die Männer in Washington, jetzt nicht abzuschwenken und den Plan zu ändern. Aber die Spuren von Nordafrika und der Blick auf die Festung und Kampfbasis Eu­ropa schrecken. Vielleicht sollte man doch in Ostasien zupacken, bevor auch dort alle Stel­lungen bis zur Uneinnehmbarkeit ausge­baut sind? Roosevelt bemerkte zur hilfe­suchenden Frau Tschiangkaischeks, die Auf- rollung der Südsee-Jnseln bis zur Ein­nahme von Tokio" könne wohl 50 Jahre dauern. Vor Tisch hieß es 90 Tage". Jetzt