Ausgabe 
(22.4.1943) 112
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Parletaintkclie Layeszettung

vos Amtsblatt des legierenden vürgermeistcrs der §reien kiansestadt vremen

der NationalftizraMen. Vremens

flmtliches verkündungsbial» des Neichsstattlialters in Oldenburg und vremen

Nr. 112/ 1Z. Jahrgang

Vonnerstag, 22. flprU 194Z

kinzelpreis 15 Npf.

llie briliscke Hisäsrlsge in kurma virkl sied sus

Küc^5cii/og von snt5c/is,'c/snc/s5 ösc/sutun9 — Ä5atS9»5ci,s k/liiis/t c/s5 ?a/ctmöc^ts

Drahtbericht unserer Berliner Tchriftleitung

vr. v. sod. Berlin, 21. April. Im Lon­doner Nachrichtendienst erscheint heute das Eingeständnis der vollendeten und endgülti­gen Niederlage der Engländer in Burma. „Die britischen Truppen", so heiht es da, „zogen sich am Dienstag weiter aus die in­dische Grenze zurück. Sie gingen aus beiden Seiten des Meju-Flusses nach Norden vor. Der Feind hat jetzt in diesem Gebiet Artille­rie konzentriert» mit der er den Flug be­herrscht".

Man muh sich daran erinnern, mit welch großem Geschrei die britischen Agitatoren den Beginn der Offensive in Richtung auf Akyab begleitet haben. Da wurde es bereits als eine Selbstverständlichkeit angesehen, daß die Japaner in absehbarer Zeit aus Burma verjagt sein würden. Die Landoerbindung mit Tschungking-China werde, so verkündete man, bald wieder hergestellt sein, und dann werde sich auch nn Fernen Osten alles, alles wenden. Doch was sind Hoffnungen, was Ent­würfe (!). Die Japaner, die bei Beginn der britischen Winteroffensive kampflos einiges Gelände preisgegeben hatten, das nicht zur Verteidigung geeignet war, stehen heute wie­der in der gleichen bedrohlichen Nähe der in­dischen Grenze wie vor dem Beginn des Winters. Daß die Briten sich größere opera­tive Ziele gesteckt hatten, konnte man aus den zahlreichen Luftangriffen erkennen, die gleichzeitig mit den Bewegungen von Land- und Seestreitkräften in Richtung auf Akyab durchgeführt wurden. Erst als sich erwies, daß der japanische Widerstand viel stärker

war als man erwartet hatte, wurden dem Fuchs die Trauben zu sauer, und mit der Erklärung, daß eine erfolgreiche Offensive in Burma eine größere Zahl von Streitkräften erfordere, wurde die Oeffentlichkeit auf den Rückschlag vorbereitet, der jetzt eingetreten ist.

Das Geständnis der Niederlage ist den Briten wohl durch die Tatsache etwas er­leichtert worden, daß jetzt auch die Amerika­ner die Pflöcke ihrer prahlerischen Ankündi­gungen wesentlich zurückstecken mußten. Als die Amerikaner im Raum der Salomonen- Jnseln einige taktische Vorteile zu erringen vermochten, wobei sie in Wirklichkeit zum Opfer einer sehr geschickten japanischen Ab- nützungs- und Ausblutungsstrategie gewor­den waren, da glaubten sie auch schon in der Weltöffentlichkeit den Eindruck hervor­rufen zu können, daß sie das Gesetz des Handelns an sich gerissen hätten und end­gültig zur Offensive übergegangen seien. Heute sieht gerade auch nach maßgeblichen amerikanischen und australischen Darstellun­gen das^Bild wieder ganz anders aus. In den Vereinigten Staaten selbst hat sich der zur Zeit dort befindliche Außenminister Evatt zu alarmierenden Hilferufen veranlaßt gesehen. In Australien hatte man sich zwar notgedrungen vorerst mit der These von Ca- sablanca abfinden wollen, nach der Deutsch­land als der gefährlichste Gegner zunächst niedergerungen werden müsse und daß dann Japan an die Reihe kommen werde. Man hatte dabei aber immerhin mit der Wahr­scheinlichkeit gerechnet, daß britische Schläge von Burma her und amerikanische Angriffe

im siidwestpazifischen Raum es verhindern würden, daß Japan in dem gewonnenen ge­waltigen weiten Raum sich ungestört voll­kommen konsolidierte und unangreifbar mache. Der Zusammenbruch sowohl der bri­tischen wie der amerikanischen Unternehmun­gen hat nunmehr in Australien geradezu eine Panikstimmung ausgelöst.

Heute will es der Außenminister Evatt nicht mehr wahrhaben, daß die These von Casablanca die richtige Strategie darstelle. „Eine bedeutend größere Gefahr droht von Japan". Evatt kündigte eine beginnende Auflehnung gegen die politische Strategie von London und Washington an. „Wenn diese zwangsläufig eine weitere Konsolidie­rung der japanischen Gewinne und «ine wei­tere Ausbreitung der japanischen Herrschaft innerhalb der jetzt besetzten reichen Gebiete mit sich bringen würde". Auf der gleichen Linie liegt die Warnung des australischen Ministers Bruce, der dieser Tage sagte, daß die kritische Stimmung in Australien zuneh­me, weil man in England und in den Ver­einigten Staaten das ungeheure Ausmaß der japanischen Gefahr nicht zu erkennen ver­möge. Zwar will Roosevelts erster Prahl­hans, der Marinesekretär Knox, über all das mit einer lässigen Handbewegung hinweg­gehen — die Japaner seien gar nicht in der Lage, eine Invasion in Australien zu star­ten — aber die Militärs sind da doch wesent­lich skeptischer und besorgter. In MacArthurs Hauptquartier mußte der Sprecher zugeben, (Fortsetzung auf Seite 2j

Harte «smpke eülUick von AoivoroeÄjsk

91 5ovv/sti/ugrsugs otigsLckoLrsn — §to/4s5 t>f/tk§c/isf K/Ms gsgsn c/is tunsris^is 5l)c/1/ont

Aus dem Führerhauptquartier, 21. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt be­kannt: „Auch gestern kam es südlich Na­iv o r o s s i j s k zu harten Kämpfen. Die Luft­waffe schoß hier 91 Sowjetflugzeuge bei zwei eigenen Verlusten ab. Leick^e deutsche See- streitkräfte versenkten bei der Bekämpfung des sowjetischen Nachschubs drei mit Mu­nition belabene Prähme. An der übrigen Ostfront verlief der Tag ruhig. In der Nacht zum 20. 4. traten starke britische Kräfte nach mehrstündiger heftiger Artillerievorbereitung zum Angiff gegen die deutsch-italienischen Stellungen an der tunesischen Südfront an. Der Feind wurde in schweren Kämpfen, die zur Zeit noch andauern, blutig abgewie­sen. Oertliche Einbrüche konnten durch Ge­genangriffe wieder bereinigt werden. Feind­liche Bombenflugzeuge griffen in der ver­gangenen Nacht T i l s i t an und verursachten Eebäudeschäden. Die Bevölkerung hatte Per- luste. Terrorangriffe britischer Bomber rich­teten sich gegen Stettin und Rostock. Bombeneinschläge in Wohnvierteln und Kran­kenhäusern verursachten Verluste unter der Bevölkerung und zum Teil erhebliche Ge­bäudeschäden. Nachtjäger und Flakartillerie der Luftwaffe schössen nach den bisherigen Feststellungen 30 der angreifenden feindlichen Bombenflugzeuge ab. Ein weiteres wurde an der Kanalküste zum Absturz gebracht."

Im Raum südlich Noworossijsk hiel­ten Dienstag die Kämpfe mit unverminder­ter Härte an. Bei auf breiter Front zu­sammenhanglos geführten Vorstößen erlitt der Feind sehr hohe Verluste. An den übri­gen Abschnitten des östlichen Kriegsschau­platzes fanden keine nennenswerten Kampf­handlungen statt. Die Witterung hat sich im Osten allenthalben wesentlich gebessert. Das warme, sonnige Wetter wurde nur stellenweise von Regenschauern und Frllh- lingsgewittern unterbrochen. Im Süden stieg das Thermometer bereits auf plus 2b Grad. Straßen, Woge und Gelände trocknen langsam ab und werden für die Bewegung und Versorgung der Truppen wieder gang­bar. Im Zusammenwirken mit den Ver­bänden des Heeres führte auch die Luft­waffe mit Kampf- und Sturzkampfgeschwa­dern schwere Schläge gegen sowjetische Be­

reitschaftsstellungen, Infanterie- und Pan­zeransammlungen bei Noworvssijsk. Der Ver­such der sowjetischen Luftwaffe, unsere Flug­zeuge von ihren Zielen abzudrängen, wurde von den begleitenden Jagdfliegern vereitelt und führte zu heftigen Luftkämpfen, in denen auch Schlachtflieger bei der Abwehr angrei­fender Jäger gute Erfolge hatten. Mit dem Abschuß der im Wehrmachtsbericht gemelde­ten 91 sowjetischen Flugzeuge erhöht sich die Gesamtzahl der feindlichen Verluste an der Ostfront auf 103 bei vier eigenen Verlusten.

Heuer kinmecker l-uttsisy

Helsinki, 21. April. Das Staatliche Jnfor- mationsamt gibt folgende Sondermel- dung bekannt: Am Mittwochmorgen stießen unsere Jagdflugzeuge bei der Insel Seiskari

wieder auf einen größeren feindlichen Luft­verband von 35 Flugzeugen. In dem sich entwickelnden heftigen Luftkampf wurden elf Flugzeuge vom Typ JAK. 1, vier Lagg 3 und vier Lagg 5,' zusammen 19 Flugzeuge, abgeschBsen. Gleichzeitig wurden von un­seren Kampfflugzeugen vor Kotka von drei feindlichen Bombern Pea 2 einer zum Ab­sturz gebracht. In den letzten vier Tagen hat somit die feindliche Luftwaffe an der finnischen Front 46 Flugzeuge verloren. Da­von wurden 43 von finnischen Jagdfliegern abgeschossen und drei von der Marineluft­abwehr zum Absturz gebracht. Außerdem wurden zahlreiche feindliche Maschinen be­schädigt. Von dem Kampf am Mittwoch kehrten zwei finnische Flugzeuge nicht an ihre Stützpunkte zurück.

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Oeutscke 8 cknellboots greifen an. „Oeutscbe Lcknsllbooie versenkten in unmittelbarer bläke ckes engliscken Hakens ?almc>utk einen britiseken Zerstörer unck einen tiekbs- iackenen Tanker von 4000 Ml.' Diese unck sknlicks Ivlelckungen sincl okt im Seriekt ckes OKW. entkalten unck geben Leugnis von ckem 8 cknsiä unck Angriffsgeist unserer 8 cknellboots. ^ 1 —l'T- Aeioknuus Lrisssbeiioktsr ^riscksi.

Dtik- / Litt sm-ies §eLü Laeiee 2eit

Wir leben nicht in einer Zeit der Worte, sondern in einer Zeit, in der Taten allein die ganze Entscheidung tragen. Wir haben gelernt, auf jedes Wort zuviel zu verzich­ten und es gehört zu unserer Haltung, die uns allein befähigt, mit starken Herzen den Kampf auf Leben und Tod zu bestehen, daß wir über vieles schweigen, was dieser Krieg uns an kleinen und großen Opfern und Schmerzen abverlangt. In schweigendem Jn- grimtn beißen wir auch die Zähne zusammen, wenn die fliegenden Mordbrenner und Meu­chelmörder mit ihren Bomben eine Stadt verwüstet und Frauen und Kinder getötet haben. Aus diesem Schweigen aber wächst der unbändige Wille, daß dies alles gerächt werde und nichts in diesem Kriege, kein Opfer und kein Schmerz, einmal vergebens und ohne Erfüllung gewesen fei?

So gehört Schweigen zu der Haltung, die diese harte Zeit von uns verlangt. In einem anderen unmittelbaren Sinne aber noch ist das Schweigen ein ernstes Gebot der Zeit: daß wir nicht mit unvorsichtigen und unbe­dachten Worten dem Feind nutzen und unse­ren Schicksalskampf gefährden und nicht etwa selber dazu beitragen, daß der fliegende Tod vermeintliche oder tatsächliche Ziele mit sei­nen Bomben belegt oder an der Front deut­sche Soldaten mit ihrem Leben dafür büßen müssen, weil in der Heimat jemand ein un­bedachtes Wort gesprochen hat, wo Schweigen seine Pflicht gewesen wäre!

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ckr. wt. Berlin, 21. April. Der amerika­nische Kongreß ist gegenwärtig dabei, die Währungsvollmachten des Präsidenten Roo- sevelt zu verlängern. Die Verlängerung muß bis zum 30. Juni erfolgen. In diesen Wäh­rungsvollmachten ist eine Goldklausel ent­halten, die dem Präsidenten das Recht gibt, den Goldgehalt des Dollars herabzusetzen. Von dieser Möglichkeit hat Roosevelt bisher keinen Gebrauch gemacht, sein Finanzminister Morgenthau hat aber erklärt, man brauche die Goldklausel, weil sie ein gutes Kampf­mittel namentlich gegen England sei, um die amerikanische wirtschaftliche Position zu bessern oder aber die Positionen anderer Staaten zu unterminieren. Zur allgemeinen Ueberraschung hat der Bankausschuß des Se­nats die Goldklausel gestrichen; der Senat hat die Währungsvollmachten ohne das Ab­wertungsrecht angenommen. Roosevelt wird selbstverständlich alle Hebel in Bewegung setzen, um den Kongreß dahin zu bringen, das Gesetz in seiner letzten Fassung wieder­herzustellen.

Die Engländer betrachten mit großer Span­nung diesen Streit. Sie haben aber nicht die mindeste Veranlassung, sich über die Strei­chung der Goldklausel zu freuen, weil erstens

noch nicht feststeht, ob es dabei endgültig l hat in diesem Kriege enorme Wohlstands­bleiben wird und weil zweitens ihre Not- verluste erlitten, es muß sogar zugeben, daß läge, wie die englische Zeitschrift „Anglo- seine Wohlstandsquellen zum allergrößten American News" schreibt, „einzigartig'' ist. I Teil verschuldet sind. Unter diesen Umstän- Schon Mister Cripps hat vor einigen Tagen.

Es wäre freilich menschlich begreiflich, wenn der oder jener in der Freude und in dem Stolz über das, was er an seinem alten oder neuen Arbeitsplatz, in dem Werk oder dem Rüstungsbetrieb, sieht oder auch nur vermutet und woran er mitarbeiten und mit- schaffen darf, einmal eine Bemerkung der Zuversicht oder der Befriedigung oder des bewundernden Stolzes fallen ließe. Aber es darf nicht sein, denn selbst, wenn die ein­zelne Bemerkung an sich noch nichts verriete, so könnte sie doch irgendwo ein Ohr, das für den Feind hört, erreichen, den Feind auf­merksam machen, und aus der Vielzahl der scheinbar belanglosen Bemerkungen könnte sich dem Feinde ein Wissen erschließen, das über die Front oder übe^: die Heimat schwere Gefahren zu bringen vermag.

Darum gilt für uns alle die Haltung und das Vorbild des Soldaten, der seinen so bit­terschweren Kampf kämpft und seinen Einsatz leistet, ohne hinterher viel Worte darüber zu verlieren. Er hat es gelernt, daß man seine Pflicht schweigend erfüllt, daß der ein-

mit Worten, 8onüern mit ?sten Iskt un8 keute und in 2uknnkt un8ere unwandelbare ?reus ruin kübrer und un8eren ent8ckIo88enen Willen rur Mitarbeit an 8einem Zroüen Werk bekunden.

Hermann Löring.

erklärt, daß England 75 v. H. seines Außen­handels in diesem Kriege verloren habe. Die lachenden Erben sind die Amerikaner, „Anglo-American News" hebt jetzt die große Abhängigkeit Englands vom Welthandel her­vor. Der Handel habe den Wohlstand Eng­lands in der Vergangenheit aufgebaut. 93 v. H. der arbeitenden englischen Bevölke­rung seien vom Export abhängig. Rund 25 v. H. seiner Einfuhr habe England früher mit den Zinsen seines im Ausland arbeiten­den Kapitals bezahlen können. Heute sei seine Notlage einzigartig, während Amerika alles habe, was es benötige.

Die Amerikaner werden derartige trüb­selige Betrachtungen mit unverkennbarer Freude registrieren. Ihnen kommt es daraus an, den englischen Außenhandel restlos zu zerschlagen. Darum haben sie auch die Gold­klausel in die Währungsvollmachten Roose­velts hineingenommen, die, wenn nötig, den Wert des Dollars senken soll, um Amerikas Außenhan'dölsposition zu stärken. England

den sind die Amerikaner so stark geworden, daß sie auch ohne das Kampfmittel der mög­lichen Abwertung die Engländer auf dem Gebiete des Außenhandels glatt an die Wand drücken können. Das rechte Wort in dieser Beziehung soll nach dem Kriege ge­sprochen werden. Vor der dann einsetzenden Entscheidung bebt und zittert man heute schon in England.

Inzwischen hat der H au sh a l,t s a u s- s chuß des USA.-Repräsentantenhauses ein­stimmig den durch den Senat eingebrachten Gesetzentwurf abgelehnt, durch den die Voll­machten des Präsidenten zur Kontrolle über den Stabilisierungsfonds von 2000 Millio­nen Dollar um zwei Jahre verlängert wer­den sollten. Der Ausschuß erörterte zahl­reiche Zusätze und Abänderungsvorschläge zu dem Gesetzentwurf, die sämtlich darauf hin­ausgingen. die Anwendungsmöglichkeiten des Fonds einzuschränken. Es kam jedoch-zu keiner Einigung, so daß sich der Ausschuß schließlich vertagte.

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Warschau, 21. April. Nunmehr hat auch der Zentralausschuß des Polnischen Roten Kreuzes zum Massenmord von Katyn Stel­lung genommen und folgendes Schreiben an den Präsidenten des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes in Genf ge­richtet: „Angesichts seiner Wicht, im Rah­men der bestehenden Möglichkeiten zur Auf­klärung des schmerzlichen Falles von Smo- lensk beizutragen, beehrt sich das Polnische Rote Kreuz. Ihnen den Inhalt des Berichts unseres Generalsekretärs zur Kenntnis zu bringen, der sich an der Spitze des tech­nischen Ausschusses unseres Informations­büros befindet. Herr Skarzynski stellte fol­gendes fest:

1. In der Umgebung von Tmolensk be­finden sich in einem mit Katyn bezeichneten Ort die Massengräber polnischer Offiziere, die zum Teil geöffnet sind.

2. Auf Grund der Untersuchung von un­gefähr 300 ausgegrabenen Leichen läßt sich feststellen, daß diese. Offiziere durch Pistolen­schüsse in das Genick ermordet worden sind, aus der typischen Gleichförmigkeit der Wun­den muß auf Ermordung durch fachlich ge­schulte Henker geschlossen werden.

3. Der Mord trägt nicht die Züge eines Raubmordes: die Toten sind noch mit Uni­formen, Stiefeln, bekleidet und tragen noch Auszeichnungen, außerdem finden sich bei den Ermordeten erhebliche Beträge polni­schen Geldes.

4. Aus den bei den Leichen vorgefundenen Papieren und Urkunden muß geschlossen wer­den, daß der Mord ungefähr in den Mo­naten März bis April 1940 stattgefunden hat.

5. Bis jetzt konnte lediglich eine beschränkte Anzahl von Leichen (ungefähr 150) iden­tifiziert werden.

6. Zur Identifizierung und Registrierung aller Ermordeten wäre es zweckmäßig, die nach Smolensk entsandte technische Mann­schaft des Polnischen Roten Kreuzes um fünf bis sechs Personen zu verstärken.

7. Die Arbeiten des technischen Ausschusses können nur in enger Zusammenarbeit mit denen der zuständigen örtlichen deutschen Militärbehörden weitergeführt und geför­dert werden.

8. Unser technischer Ausschuß erfreut sich in seiner Tätigkeit seitens der deutschen Mi­litärbehörden einer sehr verbindlichen Unter­stützung und Mitarbeit.

Auf Grund des im vorstehenden Bericht enthaltenen Tatbestandes und unter Bezug- t nähme auf Artikel 4, Lit. D. E. H. der

Satzung des Internationalen Ausschusses des Roten Kreuzes (28. August 1930) bitten wir Sie. Herr Präsident, alle Schritte und Maß­nahmen in Erwägung zu ziehen, die in der Satzung des Internationalen Ausschusses vorgesehen sind und für die der Ausschuß auf Grund der internationalen Abkommen zuständig ist. Polnisches Rotes Kreuz Zentralausschuß W. Lacher. Präsident: Dr. W. Eorczycki, Direktor.

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Drahtbericht unteres Vertreter»

. c> sck. Bern, 21. April. Die Wut der So­wjets über die Demaskierung des Bolsche­wismus als Mordpest durch die Enthüllun­gen von Katyn äußert sich hauptsächlich in weiteren Angriffen auf die polnische Exil­regierung in London. Zwischen den Zeilen

zelne hinter die Tat zurücktritt, und daß auch der Stolz und die Genugtuung über Erfolge nicht nach lauten Worten der Befriedigung oder der Anerkennung durch die anderen ver­langen. Vor dem großen Schicksal wird der Mensch still, und Schweigen gehört zur Haltung in unserer Zeit, — in jeder Beziehung!

Diejenigen aber, die sich einfach aus dümm­licher Angeberei, aus einer törichten Wich­tigtuerei oder einem unheilvollen Dränge nur ihrem vermeintlichen Wissen hervortun, sind weit gefährlicher als die Meckerer! Wie wir die Meckerer zum Schweigen gebracht haben, so wird jeder seiner Pflicht Bewußte auch dem leichtfertigen Schwätzer Einhalt ge­bieten und ihm den Mund schließen. Denn die Redseligen gehören, so wenige es ihrer auch nur geben mag, wahrhaftig nicht zu je, nein Typus des deutschen Menschen, dessen die schwere , Zeit bedarf, damif wir sie be­stehen. Sie gefährden aus Leichtsinn oder Dummheit unseren Kamps, darum werden wir sie das Schweigen lehren!

Wir haben es gelernt, unseren Stolz, un­sere Zuversicht und unseren Glauben ebenso wie unseren Schmerz, unsere Trauer, unseren Haß und unseren Ingrimm schweigend zu tra­gen. Wir wissen, daß wir stark und hart ge­nug geworden sind und die große und tapfere Haltung haben, statt überflüssige Worte zu machen, alle Taten zu vollbringen, die die Zeit von uns verlangt. So soll und muß es sein, daß wir alle unsere Pflicht in schweigen­dem Stolz, in schweigendem Haß und in schweigendem Gehorsam erfüllen. X.

kann man den Vorwurf an die britische Re­gierung lesen, diesen von ihr hochgepäppel­ten Emigrantenverein nicht besser an der Kandare zu halten. Die sowjetische Taß- Agentur erklärt jetzt, der heftige Angriff der Moskauer „Prawda" gegen die polnischen Emigranten in London entspreche völlig der Ansicht der führenden sowjejtischen Kreise. Die Taß-Agentur versteigt sich sogar zu der lächerlichen Behauptung, die „gegen die So­wjetunion gerichtete Kampagne" lasse nur die Annahme von „Vereinbarungen zwischen den deutschen und den prohitlerischen Ele­menten in den Kreisen der polnischen Exil­regierung" zu. Damit bezeugt sie, daß sich die Moskauer Machthaber unter dem Ein- b.ruck ihrer grauenhaften Verbrechen auf die zivilisierte Menschheit in ihrer Haut gerade nicht wohl fühlen. Nicht minder aufschluß­reich ist es, daß die Sowjets ihre ganze Ra­serei gegen die „schwächste Stelle", nämlich dre polniichen Emigranten in London, rich­ten. Eine sachliche Widerlegung des Vlut- zcugnlssrs von Katyn ist ihnen eben nicht möglich.