Ausgabe 
(8.4.1943) 98
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Erscheint 7nral wöchentlich

M»nat»dezug 2,30 NM'etnichi Zustellgebühr! P«stiej>ig»prei, monatlich 2,80 NW letnlchl- SO.l Npf Post,ettnng,gebL-r> juzilgl. «2 Rvt Vepellgeld. Posticheck: Hamburg 17272. Anzei­genpreise «nb Aufnahmebedingungen,«. Preis­liste. Lufnahmetermin« ohne Verbindlichkeit.

Varleiaintticlie ^ayeszeilung

Bos Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Zreien Hansestadt vremen

G efchSflsstellen:

vremen: Leeren 8^. Sl-f 2 »81: Nachtruf ». sonntags 2 «7 SS; vbernstr. 8». Stuf 2»«; S,ke: Mühlendam« 2: vr-Hemeltngen: Bahn« h-fstr-st» 8. Sck, Postftr.. Ruf «8188: vr.- vegesack: Nohrstr. 2«. Ruf« ». 8: vr -Blumen­thal: Napt.-Dallmana-Str. «1/«8> Nuf 83 ». 88.

der NationalldziaUsten. vremens

NnitlikNetz verkündunnsbiatt des Rcictisstatttialters in Oldenburg und Bremen

Nr. 98 , 1Z. Zaiirgang

Donnerstag, 8. flpril 194Z

Einzelpreis 1S Npf.

v-öoot bleibt Lcbreeken äes kemäes

^V/sc/65 ^ vo//bs/crc/sns m/t übs5 fOOOOO 6/?I. v655sn/ct

0^65 2000 lots c/S5 165505-^5ics5/'^5 0ul

Aus dem Führerhauptquartier, 7. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt be­kannt: „An der Ostfront wird nur von eini­gen Abschnitten lebhaftere örtliche Kampf- tätigkeit gemeldet. Einzelne, von starker Ar­tillerie unterstützte Angriffe der Sowjets scheiterten. Ein eigenes Angriffsunterneh­men am mittleren Donez erreichte gegen zähen feindlichen Widerstand das gesteckte Ziel. Bei einem erfolgreichen Unternehmen am Nordabschnitt der Front sprengte ein Stoßtrupp der spanischen Freiwilligen-Divi- sion 14 Bunker und brachte Gefangene ein. An der sü d t u n e s i s ch e n Front trat der Feind nach starker Artillerievorbereitung er­neut zpm Angriff an. Die Kämpfe sind in »allem Gange. Ein einzelnes britisches Bom­benflugzeug wurde bei dem Versuch, nord- westdeutsche Orte mit Bordwaffen anzugrei­fen, abgeschossen. Die Verluste der Bevölke­rung von Antwerpen bei dem Terror- angriff britisch-amerikanischer Fliegerver- bande am 5. April 1943 haben sich auf über 2000 Tote erhöht.

Wie bereits durch Sondermeldung bekannt­gegeben, versenkten unsere Unterseeboote in schweren Kämpfen gegen den feindlichen Nachschub im Atlantik und im Mittelmeer

wiederum 14 vollbeladene Schiffe von zusam­men 102 000 BRT. und einen Zerstörer. Fünf weitere Schiffe wurden torpediert. Ihr Sin­ken konnte wegen der sofort einsetzenden star­ken Abwehr nicht beobachtet werden. In der Biscaqa schätz eines unserer Unterseeboote einen angreifenden schweren Feindbomber ab.«

Unter den vernichteten Schiffen befand sich die der „Blue Star Line" in London ge­hörende „Melbourne Star" von 12 808 BRT., die, mit Stückgut beladen, im Mittelatlantik auf dem Wege von Nordamerika nach Au­stralien versenkt wurde. Die „Melbourne Star" war ein modernes, 16 Seemeilen lau­fendes Kühlschiff, dessen Laderaum mit einem Fassungsvermögen von 21 700 To. für die Zufuhr von Fleisch und Butter nach England verlorenging. Dies ist ein besonders schwe­rer Verlust für die auf jedes einzelne Kühl­schiff a-ngewiesene britische Versorgungsflotte. Unter den angegriffenen Schiffen befanden sich ferner fünf moderne große Tanker von 41000 BRT., von denen drei versenkt wur­den. Damit hat die unseren Feinden zur Verfügung stehende Tankerflotte seit Beginn des Krieges 770 Tanker mit zusammen 5,6

Millionen BRT. verloren. Im Mittelmeer gelang nach stundenlanger Verfolgung neben anderen Erfolgen die Versenkung eines durch Zerstörer und Flugzeuge stark gesicherten Munitionsdampfers, der mit Westkurs fuhr und nach dem Torpedotreffer zunächst keine Anzeichen für ein Sinken bot. In mehreren hundert Metern Abstand wurde jedoch das ablausende Boot von einer ungewöhnlich schweren Detonation so stark erschüttert, daß es sich dabei nur um die Explosion groher Munitionsmengen gehandelt haben konnte. Eine Bestätigung dieser Vermutung erhielt der Kommandant des Bootes, als er, auf Sehrohrtiefe gehend, außer den Vegleitzer- störern und einer riesigen, dunkelbraunen Detonationswolke von dem Schiff nichts mehr sah.

Mit den Erfolgen der ersten Tage des Monats April sind die durch unsere Kriegs­marine und Luftwaffe der feindlichen Han- dels^chiffahrt bisher zugefügten Verluste auf 35 834 000 BRT. gestiegen. Allein unseren U-Booten fielen bisher 17135 400 BRT. zum Opfer und den Ueberwasserstreitkräften wei­tere 3 394 275 BRT., während die Luftwaffe 5 393 600 BRT. feindlichen Schiffsraums ver­nichtete.

..-r

* ^

Qelsgentlick «einer ^nvessnksit im dkittelmeerrsmm bssicbtigte OrollackmIrLl vönitr Zusammen mit cken ^ckmirslen ckes ckeutscken dkarinekommLacios in Italien ckie ckort stekencien Linkeiten cker cleutscksn Kriegsmarine.

kL.-^ukllsdws: Lriessdsriolitsr dlsis (8ob)

LiWMiiEpoete 7 - 7 -/ 7 S 4 eöke

vs§ Lcdslllsild kür kroüsämirsl vömtz

Osr 0-6ootL,/sg ksuts unc/ /'m S55tsn ^Vs/tkr/sg - Oiiu5c/i,'// unc/ c/sp „vvokss 5ac/ivs,ko/t"

Avsdem Führerhauptquartier, 7. April. Der Führer empfing am Mittwoch den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, und überreichte ihm in Anerkeuaung seiner einmaligen Verdienste um die Führung des U-Boot-Krieges als 223. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Hierzu drahtet unser Berliner ckr.v. eell.- Schriftleiter: Die Nachricht, daß der Führer dem Oberbefehlshaber - der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, das Eichenlaub zum Ritterkreuz überreicht hat, erfüllt uns mit Freude und dankbarer Genugtuung. Die hohe Auszeichnung wird ausdrücklich mit einmaligen Verdiensten um die Führung des U-Boot-Krieges begründet. Der Krieg, den unsere Unterseeboote gegen den Schiffsraum der Sowjettrabanten führen, hat sich in der letzten Zeit zum entscheidenden Schrecken der Feinde entwickelt. Er ist in seinen technischen und taktischen Voraussetzungen, in seinem Aufbau, in der Anlage und in der Führung mit dem Unterseeboot-Krieg des ersten Weltkrieges überhaupt nicht mehr ver­gleichbar. Ueber die Verschiedenartigkeit der Grundlagen damals und heute führt heute wieder der „Daily Telegraph" bewegte Klage. Jetzt wie damals im Weltkriege, so führt das Londoner Blattlaus, sei nicht nur die Versorgungslage der britischen Inselwelt, sondern auch die militärische Kraft der west­lichen Alliierten von ihren Seeleuten ab­hängig. Zum Unterschied aber gegenüber dem ersten Weltkrieg stünden sie heute einer weit­aus größeren Uebermacht gegenüber. Damals habe man es schon als eine schwere Bela­stung empfunden, Laß die Deutschen über die Häfen und Küsten>Belgiens verfügten. In diesem Kriege jedoch hätten die U-Boote und die deutsche Luftwaffe Stützpunkte vom Nord- kap bis zur Girondemündung. Nie zuvor in der englischen und amerikanischen Geschichte sei soviel von der Kriegs- und Handelsflotte der beiden Länder verlangt worden. Welches Ausmaß die Aufgabe im weiteren Verlauf des Krieges noch annehmen werde, könne niemand voraussagen. Eine Grenze gäbe «s offenbar nicht.

Der Mann, der diese Sorgen unserer Geg­ner so ins Grenzenlose gesteigert hat, ist der Großadmiral Dönitz. Wenn im Feindlager selbst das Schlagwort von der Dönitz-Offen-

Vieitsrs LieksnIsudtrLosr

Berlin, 7. April. Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Generalleutnant Hans-Karl von Scheele, Kommandierender General eines Armeekorps, und an Oberfeldwebel Rudolf Schlee, Zugführer in einem Gebirgsjäger- bataillon. Der Führer sandte ihnen nach­stehendes Telegramm: „In dankbarer Würdi­gung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kamps für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 217. bzw. 222. Soldaten das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, gez. Adolf, Hitler."

,Ferve.r verlieh dx? Führer das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes in der ll-Panzergrena- dier-Division „Totenkopf" an st-Haüptsturm- führer Walter Red er, Bataillonsführer, und tt-Hauptsturmführer Lino Masarie, Führer der Aufklärungsabteilung! General­major Reimann, Kommandeur einer Flak-Division: Major Waldemar v. K n o o p , Kommandeur einer Radfahrabteilg.: Haupt­mann Fritz Schütt. Führer eines Grena­dier-Bataillons: Hauptmann Schumann, Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader: Leutnant Johannes Schilling, Zugfüh­rer in einem Infanterie-Bataillon: Ober- schirrmeister Emil Vogt i. d. Stabskompa­nie eines Panzergrenadier-Regiments: Feld­webel Kurt Dix in einem Erenadier-Negt.

sive" geprägt wurde, wenn man dort ver­zweifelt nach einen „Gegen-Dönitz" ruft, so wird damit deutlich bekundet, daß man sich auf diesem entscheidenden Sektor der Krieg­führung in einer hoffnungslosen Defensive sieht. Es sind nicht nur die strategisch gün­stigeren Ausgangspunkte an der ganzen euro­päischen Atlantikküste, auf der Großadmiral Dönitz die heutige Form des Unterseeboot- Krieges so wirksam und erfolgreich aufge­baut hat. Wenn im ersten Weltkrieg die U-Boot-Kommandanten das nasse Dreieck und die Stützpunkte an der belgischen Küste verlassen hatten und ins freie Weltmeer ge­langen konnten, so waren sie dort ganz auf sich allein angewiesen und auf der Suche nach Opfern mehr oder weniger vom Zufall abhängig. Dennoch konnte es damals die noch junge Waffe dahin bringen, daß nach dem Sachverständigenurteil des Admirals Jel- licoe England infolge der zunehmenden Schiffsverluste bereits der Gefahr der Nie­derlage ins Auge schauen mußte.

Heute sind unsere Unterseeboote auf hoher See nicht mehr auf sich allein gestellt. Sie sind durch die Aetherwellen untereinander, mit der Luftwaffe und mit der Zentrale des „Befehlshabers der U-Boote" verbunden. Die gesteigerten Maßnahmen der Abwehr haben zur Entwicklung der vom Gegner so gefürch- teten Rudeltaktik geführt. Unsere Untersee­boote fahren heute in Formationen auf den Atlantik hinaus und führen im ferngelenkten Krieg systematisch Operationen durch, die ihre Steigerung in großen, für den Gegner immer so katastrophalen „Eeleitzug-Schlach- ten" finden.

Das Verdienst der Schaffung der techni­schen und organisatorischen Vorbedingungen, der Schulung der Kommandanten und Be­satzungen, der taktischen Ausrichtung und Er­füllung der kämpfenden Männer mit heldi­scher Einsatzbereitschaft ist in entscheidendem Maße dem Großadmiral Dönitz zuzuschreiben, der selbst im ersten Weltkrieg U-Boot-Kom- mandant war und der nun als Oberbefehls­haber der Kriegsmarine auch die direkte Führung der Unterseebootwaffe in seiner Hand behalten hat. Er hat es nun sogar so weit gebracht, daß einer der hemmungs­losesten Prahlhänse, der amerikanische Nka- rinesekretär Knox, heute unter die Schwarz­seher gegangen ist. Knox mußte gestern er­klären, daß die Verluste der Achsengegner im Atlantik im Monat März bedeutend grö­ßer waren als im Februar, daß die Opera­tionen der deutschen U-Boote an Intensität zugenommen hätten, daß diese jetzt in größe­rer Zahl aufträten und sich einer neuen An­griffstaktik und neuer Waffen bedienten. Er wußte auf Anfragen seinen eigenen nega­tiven Feststellungen nicht das geringste trö­stende Gegengewicht entgegenzustellen. Er

wagte nicht zu behaupten, daß durch Bom­benangriffe gegen die Stützpunkte der Un­terseeboote ihrer Wirksamkeit Abbruch getan werden könne. Er sieht einen Ausweg nur in dem Bemühen, die Produktion neuer Schiffe noch weiter zu steigern. Aber: „Die Lage ist ernst. Keiner gebe sich einem un­tätigen Optimismus hin:"

Daß für die Neubauten schließlich natür­liche Grenzen gesetzt sind und daß diese sich in der Nähe der bisherigen Versenkungszif­fern halten, darüber scheint man sich inzwi­schen auch im Feindlager klar geworden zu sein, denn sonst könnte die „Times" nicht die Möglichkeit einer Niederlage für den Fall erkennen, daß die gegenwärtige Spanne zwi­schen Versenkungen und Neubauten sich als nicht mehr verbesterungsfähig erweisen sollte. Es charakterisiert den ganzen Ernst'der Lage unserer Feinde, wenn jetzt selbst Churchill, der bisher jede Auskunft eigensinnig ab­lehnte, zur Beruhigung der aufgescheuchten Öffentlichkeit in die Bresche springen soll. „Es steht zu erwarten", so schreibt Reuters Marinekorrespondent nach der Veröffent­lichung der pessimistischen Aeußerungen von Knox, „daß Churchill bald die Gelegenheit ergreifen wird, um die Öffentlichkeit über den wahren Sachverhalt des Il-Voot-Krieges aufzuklären." — Da dürfte sich der Mann von Reuter ganz gründlich irren. Churchill und „der wahre Sachverhalt des U-Boot- Krieges" — da müssen ja die Hühner in der ganzen Welt lachen. Churchill selbst hat nach dem ersten Weltkrieg in eitler Pfauenmanier damit geprahlt, daß er durch konsequentes Lügen die Weltöffentlichkeit über die tatsäch­liche Lage im Seekrieg getäuscht habe. Wenn nun die Katastrophendrohung immer ernster wird, so wird er erst recht, wenn er sich tat­sächlich zum Reden gezwungen sehen sollte, das Blaue vom Himmel herunterzulügen versuchen.

Dem. wahren Sachverhalt des U-Boot- Krieges kann man auf viel einfachere Weise nahekommen, wenn man nämlich einfach die amtlichen Versenkungszahlen auf unserer Seite zur Grundlage nimmt. Dann kommt man nur datum noch nicht zu einem ganz exakten Ergebnis, weil die von uns nicht genau erfaßbaren Verluste der Gegner auf Grund von schweren Beschädigungen oder von Zusammenstößen mit Minen darin nicht ent­halten sind. Die 25 83 000 VRT., die nach einer heutigen Veröffentlichung unter Ein­schluß der letzten Sondermeldung bisher un­seren U-Booten, unseren Ueberwasserstreit­kräften und der Luftwaffe zum Opfer fielen, stellen' somit eine unterste Grenze der Ver­senkungen dar, zu denen dann noch die Er­folge der japanischen und italienischen Ver­bündeten hinzutreten.

Ef/ck /-/crrss

Es liegt im Wesen einer Seemacht, den Krieg auf entlegene Kampfplätze hinauszu­tragen und den Gegner durch Operationen von der äußeren Linie her zu treffen. Die Be­herrschung der Seewege ist die Voraussetzung für ein solches Kampfversahren. Der Welt­krieg 1914/18 erwies noch einmal die Rich­tigkeit dieser Seestrategie. Als im Jahre 1914 unter dem Druck des d-utschen Angriffs im Westen die gegnerische Front ins Weichen kam, war es der Seemacht England möglich, durch umfangreiche Truppenverfchiffungen längs der französisch-belgischen Küste und durch eigene Truppenlandungen allmählich das Gleichgewicht der militärischen Kräfte zu Lande herzustellen, das dann in der Marne- schlacht und im Stellungskrieg zur Auswir­kung kam. Wenn ein Jahr darauf das Dar- danellen-Unternehmen Churchills kläglich scheiterte, dann lag Las daran, daß dieser gleichfalls über die See angesetzte Angriff mit unzulänglichen Mitteln begonnen und einer Flotte ohne Landungstruppen zugemu­tet wurde, die Einfahrt durch die befestigten Engen zu erzwingen. AIs später die Flotten- operation mit einer Truppenlandung ver­knüpft wurde, hatte sich der deutsch-türkische Widerstand in der Zwischenzeit derart ver­stärken können, daß dem Unternehmen der Erfolg versagt blieb.

Ganz anders aber gestalteten sich die Dinge beim Kriegseintritt der USA. im Frühjahr 1917. Hierdurch wuchs unseren Feinden nicht bloß eine gewaltige Hilfe an Kriegslieferun­gen zu, sondern in entscheidender Stunde er­gossen sich Hunderttausende frischer, bestaus- gerüsteter Truppen aus Uebersee auf den westlichen Kriegsschauplatz. Das war nur möglich durch die Beherrschung des Seeweges über den Atlantik und dadurch, daß trotz des U-Bootkrieges das Transportproblem am Ende doch noch gemeistert wurde. Der erste amerikanische Truppentransport verließ New- york am 14. 6. 1917. Sein Umfang war ge­ring, und er stellte mehr eine moralische Geste dar, um den Mut der Bundesgenossen neu zu beleben. Schon hierbei zeigte sich der Mangel an geeignetem Frachtraum. Nur mit Mühe gelang es, für diesen Transport 17 Schiffe zusammenzubringen, die unter stärkstem Schutz in vier Gruppen die Fahrt nach St. Nazäire antraten. In dieser Notlage erwie­sen sich nun die 104 bei Kriegsausbruch in USA.-Häfen aufgelegten deutschen Schiffe als willkommene Hilfe, befanden sich doch unter ihnen nicht weniger als 20 Passagierdampfer, darunter mehrere unserer stolzesten Ozean­riesen. Nur mit schmerzlicher Erschütterung lesen wir heute nach, daß allein auf diesen Schiffen 558 000 Mann USA.-Truppen auf den westlichen Kriegsschauplatz gebracht wor­den sind. Unsere Schnelldampfer „Vaterland", „Amerika" und „Kaiser Wilhelm II." haben davon nicht weniger als 172 000 befördert. Daneben rafften die USA. alles zusammen,

»»

Dvildevölkerimg äsm ümigerloäe

O/s s/nss 6slsk/§ 5tc>//n5 wurc/s trsi s/nsm gsicmgsnsn Oll/risp gsiunc/sn

Bukarest, 7. April. - Ein rumänischer Kriegsberichter gibt im „Lurentul" eine Schilderung über den Kampf, den die wie­der in die Hände der Sowjets gefallene russische Zivilbevölkerung gegen das bolsche­wistische Terrorregime führt. Die Bevölke­rung des Kaukasus-Gebietes, so führt der Kriegsberichter aus, sei einer so unerhörten Verfolgung ausgesetzt gewesen, daß sie sich in die Berge zurückgezogen habe. Dort habe sie Kampfgruppen organisiert, mit denen sie einen ständigen Guerillakrieg gegen ihre eigene bolschewistische Armee führte. Der So­wjethauptmann Sabencov sagt aus, daß die Verpflegungstransporte dauernd überfallen, die Lebensmittellager in Brand gesetzt sowie die Brücken und Eisenbahnlinien immer wie­der gesprengt würden. „Aus diesen Erklä­rungen". so schreibt der Kriegsberichter, „geht klar hervor, wie „beliebt" das bolsche­wistische Regime bei der Zivilbevölkerung ist, besonders bei jener Bevölkerung, die zur

Zeit der Besetzung dieser Gebiete durch die verbündeten Armeen die Freuden eines freien Lebens kennengelernt und die Früchte einer Arbeit ohne Zwang geerntet hatten.

Heus gneckiscks Regierung

Athen, 7. April. Die Regierung des Pro­fessors Logothetopoulos ist zurückgetreten. Der griechische Politiker Joannis Rhallys bildete eine neue Regierung. Die neue Mi­nisterliste lautet: Ministerpräsident Joannis Rhallys, der gleichzeitig auch die nationale Landesverteidigung und das Versorgungs­ministerium übernimmt. Justizministerium: Pournaras: er übernimmt auch das Wirt- sck>asts- und Arbeitsministerium. Kultur­ministerium: Lunaris, der auch das Mini­sterium für soziale Fürsorge übernimmt. Innen- und Sicherheitsministerium: Tawu- laris, gleichzeitig Verkehrsminister. Finanz­ministerium: Tfironikos.

Bei einem gefangenen Sowietoffizier, so heißt es dann weiter, habe man die Aus­zeichnung eines Befehls von Stalin gefun­den, in dem es hieß. man solle die Zivil­bevölkerung dem Hungertode überlassen, wenn man gewisse Gebiete aufgeben müsse. Der jüdische Kommissar, der in einer Offi­ziersversammlung diesen Besehl Stalins er­läuterte, habe darauf hingewiesen, daß die Bevölkerung, die mit den „Trägern des faschistischen Giftes" zusammengelebt habe, als Feind des Volkes angesehen und ver­nichtet werden müsse. „Es ist also nicht wei­ter verwunderlich", so schließt der rumänische ?K-Berichter seine Schilderung, „daß enorme Massen von Männern und Frauen jeden Al­ters und aller sozialen Schichten es vorge­zogen haben, sich rechtzeitig in das von den verbündeten Armeen besetzte Gebiet zu flüch­ten und in welchen Winkel Europas auch immer zu gehen, nur um nicht wieder in das Blutbad Stalins zu geraten."

was sie an irgendwie brauchbaren Schiffen für solche Transporte zur Hand hatten, selbst kleinere bis zu 2500 RBT. herunter. Sie brachten so 408 Schiffe mit 2 600 000 To. Ladefähigkeit zusammen. Dazu traten noch 250 000 To. holländischen und 94 000 To. ja­panischen Schiffsraumes.

Dennoch waren bis Ende 1917 erst 176 000 USA.-Soldaten auf französischem Boden, und Ende März 1918 hatte deren Zahl gerade die 300 000 erreicht. Man stand am Anbruch der letzten großen Offensive der Deutschen. In dieser Not entschloß sich England unter Preis­gabe anderer wichtiger Seeverbindungen zur Bereitstellung eines großen Teils seines eige­nen Schiffsraums, vor allem seiner großen Fahrgastschiffe wie „Olympic", „Aquitania" und „Mauretania". Allein im Nachschubdienst wurden nun 450 Schiffe ständig gefahren, davon im Truppentransport 500 000 To., im Materialnachschub 200 000 To. und im Wech­selverkehr England—Frankreich, über den ein Teil der amerikanisch-kanadischen Truppen lief, weitere 300 000 To. Bis Kriegsende wur­den so 1900 000 Mann USA.-Truppen nach Frankreich übergeführt. Mit ihnen aber kam die drückende Sorge ihrer Ausrüstung mit dem nötigen Kriegsmaterial, mit Lebensmit­teln und der sich aus den Landoperationen dieser Truppenmassen ergebende Bedarf an Beförderungsmitteln. So mußten z. B. aus den USA. nach Frankreich etwa 1800 Loko-

„cks, llnglsack, eingekaüt vorn stolrea dleer. ist nun in 8cllmacd geksüt, mit Tintenklecks« unck 8cbrikten sut ver- taultein Pergament.

Slrskespeare, kickarck II.

Motiven, 30 000 Waggons und 430 000 To. sonstiges Transportgerät übergeführt werden.

Diese größte Truppenverschiffung aller Zeiten war nur durch die Beherrschung der Seewege möglich. Deutschland mußte damals den Kampf zur See aus der Enge der Deut­schen Bucht heraus führen. Der Fahrbereich seiner U-Boote reichte gerade aus. um am Ostrande des Atlantik operativ wirksam zu werden, vorzugsweise vor den britisch-franzö­sischen Einlaufhäfen. Hier aber war die Ab­wehr dicht zuiamtziengeballt und übermächtig stark. Deutschland standen damals nur wenige U-Boote zur Verfügung, die zu transatlan­tischen Operationen fähig waren. Ihre Er­folge schlugen gegenüber der Masse der Transporte nichts an. Dazu kam ihre geringe Geschwindigkeit, die beschränkte Zahl der überhaupt verfügbaren U-Boote aller Gat­tungen und ihr geringer Gesichtskreis, denn eine weithin aufklärende Luftwaffe fehlte da­mals. Die deutsche Hochseeflotte aber wurde aus einer falsch verstandenen Strategie her­aus gegen die Truppentransports nicht ange­ätzt. Vizeadmiral Dr. Groos hat daher recht, wenn er seine Betrachtung über dieses Pro­blem dahin abschließt, „daß es an der ein­heitlichen Erfassung des strategischen Gesamt- problems gefehlt hat und daß insbesondere nicht erkannt worden ist, daß der Weltkrieg durch Seemacht und Seeherrschaft entschieden werden würde." (Seekriegslehren, S. 229.)

Wie ist die Lage heute? Wieder hat die angelsächsische Seemacht von der äußeren Linie her über die verfügbaren Seewege eine Reihe von Kriegsschauplätzen geschaffen: im Nahen Osten, in Nordafrika, in der Südsee hier freilich nur „der Not gehorchend". Ver­buche, in Norwegen, auf dem Balkan und in Frankreich selbst die Zahl dieser Kampfplätze auszuweiten, sind kläglich gescheitert. Der Kriegsschauplatz Sowjetunion fällt mittelbar auch unter diesen Begriff, denn ein Teil des' Materialnachschubs erfolgt auch hier über See. über Murmansk und den Persischen Golf.

Welcher Schiffsraum steht nun dem Geaner für Truppentransporte zur Verfügung? Hier sieht das Bild gegenüber 1914/18 recht trübe aus. Selbst unter Hinzurechnung aller hier­für irgendwie geeigneten Schiffe der Neutra­len waren 1940 nur 455 solche Schiffe vorhan­den. davon 234 unter 10 000 BRT., 164 bis 20 000 BRT., 48 bis 30 000 BRT. und nur 9 darüber. Hiervon sind im Laufe des Krie, ges als versenkt bereits 108 Schiffe nament»